Historischer Rückblick aus dem Jahr 1946

Zusammenfassungen von Meldungen der Rathauskorrespondenz

Zurück

März 1946

März

1.3.1946: Der Aufbau von Wiener Neustadt

Wiener Neustadt, das Zentrum des Industriegebietes an der Südbahn, ist von den österreichischen Städten durch Fliegerangriffe und andere Kriegshandlungen am schwersten getroffen worden. Von den 4.000 Häusern der Stadt sind nur 18 durch Kriegsereignisse unbeschädigt geblieben. Rund 800 Gebäude wurden zur Gänze vernichtet und rund 2.000 wurden schwer beschädigt.

So wie in Wien und den anderen kriegsbeschädigten Städten beschäftigen sich die zuständigen kommunalen Amtsstellen auch in Wiener Neustadt bereits seit längerer Zeit mit der Erstellung von Plänen für den Wiederaufbau der Stadt. Die geradezu gründliche Zerstörung von Wiener Neustadt ermöglicht aber auch die Erstellung einer großzügigen Stadtplanung. Baudirektor Louda hat darüber einen Vortrag gehalten. Die Bewilligung zur Vornahme von Hausreparaturen durch das Stadtbauamt erfolgt nach einer kommissionellen Überprüfung der Objekte, aufgrund deren entschieden wird, welche Gebäude überhaupt wiederhergestellt werden können. Die Landesregierung hat die lokalen Baubehörden bevollmächtigt, Bewilligungen zur Behebung von Bauschäden mit Instandsetzungskosten bis zu 2.000 Schilling pro Einlagezahl zu erteilen. Bauvorhaben, die 25 Prozent des Instanderhaltungsumfanges erreichen, bedürfen einer Sondergenehmigung der Landesregierung.

Die Gemeindeverwaltung von Wiener Neustadt hat bestimmt, dass für den Wiederaufbau der Stadt die modernen Bestimmungen der derzeitigen Wiener Bauordnung angewendet werden sollen. Dies bedeutet, wie Baudirektor Louda ausführte, dass in der Inneren Stadt nicht wie bisher fast 100 Prozent der Baufläche, sondern nur 38 bis höchstens 60 Prozent des Grundes verbaut werden dürfen. Es wird eine blockweise Verbauung angestrebt, so dass also anstelle der bisherigen kleinen Objekte größere Wohnblocks entstehen werden. Die Häuser sollen auch mehr Geschosse erhalten als sie früher besessen hatten.

Mehr Aufmerksamkeit als bisher wird der gärtnerischen Ausgestaltung der Stadt zugewendet werden. Viele Straßenzüge sollen verbreitert und mit Bäumen bepflanzt werden. Die Altstadt von Wiener Neustadt soll als Verwaltungszentrum ausgebaut, die Wohnstätten dagegen nach Möglichkeit an die Peripherie der Stadt verlegt werden. An neuen Bauten sind eine Großmarkthalle, ein Postgebäude, mehrere Hotels und Gaststätten, ein zentrales Verwaltungsgebäude, große Kaufhäuser, Volksbildungsstätten, eine moderne Badeanlage und ergänzende Krankenhausbauten vorgesehen. Auf einem Berghang nächst der Station "Feuerwerksanstalt" soll eine Gartenstadt für 100.000 Bewohner errichtet werden. Dort sollen vorwiegend Eigenheime und Häusergruppen mit Gärten von 100 bis 200 Quadratmeter Grundfläche entstehen. Für diese Siedlung sind eine zentrale Beheizungsanlage und elektrische Kocheinrichtungen geplant. Eine elektrische Obus-Bahn soll die Verbindung mit dem Stadtzentrum herstellen.

1.3.1946: In Wien wird es immer heller

In fast allen Bezirken konnte die Wiederinstandsetzung der elektrischen Straßenbeleuchtung fortgesetzt werden, zum Beispiel: im 2. Bezirk die Beleuchtung des Pratersterns, der Praterstraße, der Aspernbrückenstraße, im 3. Bezirk die Erdbergstraße, im 4. Bezirk der Wiedner Gürtel und so weiter

2.3.1946: Wiedereröffnung der Gasberatungsstelle Mariahilf

Der Beratungsdienst der Wiener Gaswerke in der Mariahilfer Straße Nummer 63 wurde anfangs März wieder aufgenommen. Wie früher wird die Beratungsstelle mit Ratschlägen und Anleitungen über die richtige und sparsame Benützung des Gases im Haushalt helfend zur Seite stehen. Ansuchen um Gasmehrverbrauch oder Gasmesseraufstellung können nicht an die Beratungsstelle gerichtet werden.

4.3.1946: Erzeugt Vitamine!

Der Nahrungsmittelmangel der Kriegs- und Nachkriegszeit zwingt zur Selbsthilfe. Jede Möglichkeit einer zusätzlichen Nahrungsmittelproduktion wird daher von der Bevölkerung ergriffen, um den Mangel einigermaßen entgegen zu wirken. Diesen Notwendigkeiten verdankten seinerzeit die Schrebergärten ihr Entstehen, und sie führten auch in diesem Kriege wieder zur Anlegung kleinerer und größerer Gärten, in denen vor allem Gemüse und Kartoffel gebaut werden. Ihre Zahl wurde schon im Vorjahre durch das Einschreiten der Gemeindeverwaltung vermehrt und vergrößert. Mit Verordnung vom 23. April 1945 hat Bürgermeister Körner alle öffentlichen und privaten, zum Anbau geeigneten aber brachliegenden Grundflächen als beschlagnahmt erklärt und durch das Siedlungs- und Kleingartenamt der Stadt Wien der Bevölkerung zur Bebauung zugewiesen. Neun Millionen Quadratmeter wurden im vergangenen Jahre von der Wiener Bevölkerung mit Kartoffeln und Gemüse bebaut. Diese Aktion wird heuer in großzügiger Weise weitergeführt. Die zuständigen Stellen der Gemeindeverwaltung verhandeln seit Wochen untereinander und mit den Besitzern großer Grundflächen über die Heranziehung zur "Erntelandaktion". Ziel ist es, weitere zwei bis drei Millionen Quadratmeter Erntelandgründe der Wiener Bevölkerung für die zusätzliche Nahrungsmittelerzeugung zur Verfügung zu stellen.

Bürgermeister Körner richtete einen Aufruf an die Bevölkerung und führte unter anderem aus: "....zu den allgemeinen Erscheinungen, die jeder Krieg mit sich bringt, kommt jetzt noch die Zerreissung unseres Landes in vier Zonen, die wirtschaftlich voneinander abgesperrt sind, so dass die Überschüsse der einen nicht in die bedürftige andere Zone gebracht werden dürfen. In dieser Situation ist jede noch so kleine Eigenproduktion der Stadtbevölkerung ein wertvoller Gewinn für ihre Ernährung. ....jeder einzelne kann auf kleinstem Fleckchen eine Ernte erzielen, die wenigstens ihm und unser Familie eine Zubuße an Gemüse und Kartoffeln liefert. Es bedeutet dies einen Gewinn an Vitaminen, an denen unsere Nahrung seit Jahren besonders arm ist. Die Magistratsabteilung 53 - 'Siedlungs- und Kleingartenwesen' wird auch heuer wieder Saatkartoffel und Gemüsepflänzchen beschaffen und an die Gartenbesitzer ausgeben. Kein Fleckchen Erde darf in unserer Stadt ungenützt bleiben."

5.3.1946: Sport- und Kulturvereinigung der Wiener Berufsfeuerwehr

Als Nachfolgerin der im Jahre 1919 gegründeten "Sportvereinigung der Wiener Berufsfeuerwehr" hat sich am 2. März die "Sport- und Kulturvereinigung der Wiener Berufsfeuerwehr" gebildet.

Die Vereinigung wird sich nicht nur mit Fußball, Handball, Leichtathletik, Touristik und Motorsport befassen, sondern wird sich auch mit der Pflege der verschiedensten Kulturzweige beschäftigen. Neben Sektionen für Musik und Gesang, gibt es auch eine Fotogemeinschaft und eine Bücherei.

5.3.1946: Ohne Baustoffe kein Wiederaufbau. Ein Alarmruf des Bürgermeisters

Sämtliche Baustoffe, die zur Zeit der Besetzung Wiens durch die russische Armee in der Stadt vorhanden waren, wurden aufgrund einer Verordnung des Bürgermeisters erfasst. Es waren dies 4.500 Waggons Baumaterialien. Sie wurden von der Kontingentstelle der Stadt Wien für Instandsetzungsarbeiten an Wohnhäusern und an öffentlichen Gebäuden und Wohlfahrtsstellen zugewiesen und restlos verarbeitet. (Kriegsschäden: siehe Februar 1946)

Die Wiener Hochquellenwasserleitung ist zu 95 Prozent wieder betriebsfähig. Rund 1.700 Schäden am Stadtrohrnetz und rund 2.000 Wasserleitungsschäden in den Häusern mussten vorerst behoben werden. Rund 1.000 Kanalgebrechen und rund 3.500 Kriegsschäden an den Wiener Straßen wurden beseitigt. Ein Teil der Wiener Brücken ist mit Unterstützung russischer Pioniertruppen zum Teil behelfsmäßig, zum Teil endgültig, instandgesetzt worden. Von der fast zur Gänze zerstörten Straßenbeleuchtung wurden bis jetzt 310 Kilometer Wiener Straßen wieder beleuchtet.

Am Ende des Krieges lagerten in den Straßen unserer Stadt 850.000 Kubikmeter Schutt und 300.000 Kubikmeter Kehricht. Im Rahmen einer von Gemeinde eingeleiteten Gemeinschaftsarbeit in den Monaten September und Oktober 1945 wurden rund 400.000 Kubikmeter Schutt und Müll aus den Straßen entfernt und eine Säuberung der Straßen durchgeführt, 1,275.000 Kilogramm Alteisen wurden gesammelt und wegbefördert. Rund 4,5 Millionen Ziegeln wurden gereinigt und zur Wiederverwertung bereitgestellt. 85 ausgebrannte Hausruinen wurden bis jetzt gesprengt.

Die städtischen Unternehmungen haben ihre Betriebe soweit instandgesetzt, dass sie der Bevölkerung heute elektrischen Strom, Gas und Straßenbahn bereitstellen können.

Man kann der Meinung sein, dass in dem Zeitraum seit der Befreiung Wiens bis zum heutigen Tage mehr Wiederaufbau hätte geleistet werden können. Die Antwort darauf gibt die Tatsache, dass sämtliche Baustoffe, die in Wien vorhanden waren (4.500 Waggons Baumaterial) für diese Arbeiten verbraucht worden sind. Die Neuproduktion von Baustoffen, mit deren Einsetzen bis zum Beginn der Bausaison 1946 gerechnet worden war, hat noch nicht begonnen. Die Situation auf dem Baustoffmarkt ist vielmehr so, dass mit der Aufnahme der Erzeugung nicht einmal in der nächsten Zeit gerechnet werden kann. Die Ursachen liegen in dem Mangel an Kohle, an Treibriemen, Apparaten und Maschinen, Treibstoffen und Arbeitskräften. Nur zu einem Teil sind wir imstande, diesen Mangel aus eigener Kraft zu beseitigen. Die Herbeischaffung von Kohle, von Treibriemen und anderen Voraussetzungen der Produktion, liegt aber nicht in unserer Macht. Hier können nur die Alliierten helfen.

Der Bürgermeister hat daher an das alliierte Baukomitee eine Zuschrift gerichtet, in welcher er die Situation ausführlich dargestellt hat. Er bezeichnet darin die Reparatur der Dächer als das Wichtigste. Es gibt derzeit noch immer 8.000 unreparierte Dachschäden, zur Reparatur werden in der Hauptsache Dachziegel, Schalungsholz, Dachpappe und Nägel benötigt. Zur Ingangsetzung der drei großen Wiener Ziegelwerke, deren Jahresproduktion 27 Millionen Stück Dachziegeln beträgt, werden neben Kohle und Treibstoff 120 Treibriemen, verschiedene Maschinen, Apparate und Geräte benötigt.

Die Holzvorräte in der russischen Zone, also in Niederösterreich, sind vollkommen erschöpft. Die letzten Reste von Bauholz sind für die Wiederinstandsetzung der Wiener Brücken verbraucht worden. Der Bürgermeister bittet daher, 24.000 m3 Schnittholz aus Oberösterreich, Steiermark und Kärnten, nach Wien zu schaffen und damit den unmittelbaren Bedarf für sechs Monate zu sichern. Von den sechs Dachpappefabriken sind nur drei teilweise in Betrieb. Die wichtigste, die der Gemeinde Wien nahestehende "Teerag", mit einer Jahresproduktion von 7,2 Millionen Quadratmeter kann derzeit kaum ein Drittel davon erzeugen. Nägel könnten in der notwendigen Menge aus der Steiermark beschafft werden.

Um die erforderlichen Maßnahmen zu treffen, stellte der Bürgermeister an das alliierte Baukomitee den Antrag, je einen Bevollmächtigten für die zu klärenden Fragen zu bestellen, der im unmittelbaren Kontakt mit der Stadt Wien die notwendigen Anordnungen zu treffen befugt ist, um das für den Wiederaufbau Wiens erforderliche Baumaterial herbeizuschaffen, beziehungsweise die Wiener Produktionsstätten in Betrieb zu setzen. So könnte die Zementfabrik in Rodaun, wenn sie Kohle bekommt, mit ihrer Jahresproduktion von 90.000 Tonnen mehr als den gesamten Jahresbedarf der Stadt Wien erzeugen.

"Die Gemeinde Wien hat den Wunsch und den Willen, den Wiederaufbau der Stadt so rasch als möglich durchzuführen und Wien wieder auf dem Gebiete der kommunalen Wohnbautätigkeit beispielgebend für die ganze Welt zu machen. Solange Österreich besetzt ist, benötigen wir dazu die Hilfe der Alliierten...."

6.3.1946: Die Jugend im Kampf gegen den Hunger

Die Aktion "Jugend am Werk" hat schon im vergangenen Jahr hunderttausend Stunden für den Erntehilfsdienst und daneben viele hunderttausend Stunden für Schuttaufräumarbeiten und Berufsausbildung geleistet. Gemeinsam mit dem Arbeitsamt werden durch die Aktion "Jugend am Werk" Arbeitsgruppen für den Landarbeitsdienst zusammengestellt, die nach dem Übereinkommen mit den Bauernkammern und Bauernorganisationen eingesetzt werden.

6.3.1946: Hugo Breitner gestorben

Heute kam die Nachricht, dass Stadtrat außer Dienst Hugo Breitner am 5. März in Claremont, im Staate Kalifornien (USA), im Alter von 71 Jahren gestorben ist. Hugo Breitner hinterlässt eine Frau und zwei Töchter. Der Verstorbene gehörte dem Wiener Gemeinderat von 1919 bis 1932 an. Er führte in dieser Zeit die städtische Finanzverwaltung und hat sich durch seine kühne und neue Wege beschreitende Finanzpolitik weit über die Grenzen Österreichs hinaus bedeutendes Ansehen erworben. Er trat aus gesundheitlichen Gründen im November 1932 von seinem Amte zurück, übernahm aber die Leitung der Zentralsparkasse der Gemeinde Wien, die er bis zum Februar 1934 führte. Beim nationalsozialistischen Umbruch im März 1938, weilte er im Ausland und kehrte nicht mehr nach Österreich zurück. Er verbrachte einige Zeit in Italien und wendete sich dann in die Vereinigten Staaten, wo er schließlich als Dozent an der Kalifornischen Universität wirkte. Breitner hatte die Absicht nach Wien zu kommen, um hier am Neuaufbau der österreichischen Währung mitzuwirken. Der Tod hat den verdienten Kommunalpolitiker und anerkannten Finanzfachmann an der Verwirklichung dieser Absicht gehindert.

7.3.1946: Helft mit bei Exhumierungen!

Während und nach den Kampftagen wurden in Wien auf Plätzen und in öffentlichen Anlagen viele Leichen beerdigt, die noch zum Teil auf Friedhöfe überführt werden müssen. Da ein großer Teil dieser Leichen noch unbekannt ist, werden alle jene Personen, die solche Beerdigungen vornahmen, Papiere und sonstige Gegenstände der Toten bewahren oder zweckdienliche Angaben machen können, aufgefordert, sich sofort beim Bezirksgesundheitsamt für den 1. Bezirk zu melden. Ebenso können sich Personen melden, die unter den bisher noch nicht überführten Leichen ihre vermissten Angehörigen vermuten. Zeitpunkt und Ort künftiger Exhumierungen werden durch Rundfunk und Presse rechtzeitig bekanntgegeben.

7.3.1946: Aus dem Wiener Landtag:

In der Sitzung des Wiener Landtages wurde ein Verfassungsgesetz beschlossen, das einige Bestimmungen der Verfassung der Stadt Wien ändert. Es handelt sich um Bestimmungen über die Einbringung von Anträgen und Anfragen im Wiener Landtag. In Zusammenhang damit hat der Landtag die analogen Bestimmungen seiner Geschäftsordnung geändert. Damit wird der kommunistischen Landtagsfraktion die selbständige Stellung von Anträgen und Anfragen ermöglicht.

7.3.1946: Der Naschmarkt wird "befreit"

Das Marktamt der Stadt Wien ist entschlossen, den Naschmarkt unter allen Umständen wieder seiner Bestimmung als Groß- und Kleinmarkt der Wiener Bevölkerung zuzuführen. Unter Mithilfe der russischen Militärpolizei und der Wiener Polizei wurde eine Großaktion eingeleitet und die Schleich- und Schwarzhändler vom Marktbetrieb abgedrängt. Den Markthändlern und den von diesen belieferten Kunden wird nunmehr die Möglichkeit geschaffen werden, den Naschmarkt ungehindert zu besuchen. Der Großkampf gegen Schleich- und Schwarzhändler wird auch in Zukunft fortgesetzt.

8.3.1946: Der erste Unrra*)-Transport eingetroffen

Heute ist auf dem Ostbahnhof der erste Zug mit Weizen aus der UNRRA-HILFE in Wien angekommen. Es handelt sich um die erste Teillieferung, der vor einigen Tagen in Venedig angekommenen 8.000 Tonnen Getreide. Zu dem für die Ernährung der österreichischen Bevölkerung bedeutenden Ereignis hatten sich die leitenden Herren des österreichischen UNRRA-Büros, Bundeskanzler Ing. Figl, die Bundesminister Kraus und Übeleis, Bürgermeister General Körner, Stadtrat Sigmund und der Generaldirektor der Bundesbahnen Ing. Kaaneingefunden. Das Getreide wurde in die Ankerbrotfabrik befördert, wo die Vermahlung erfolgt. Es ist für die Verwendung in Niederösterreich bestimmt.

*) UNRRA (Abkürzung für: United Nations Relief and Rehabilitation Administration; zur Unterstützung und Hilfe für Flüchtlinge in Gebieten, die durch die Staaten der Anti-Hitler-Koalition im 2. Weltkrieg besetzt wurden, gebildete Organisation. 1943 gegründet, wurde UNRRA nach Bildung der UN diesen angeschlossen und bereits 1947 wieder aufgelöst).

8.3.1946: Danktelegramm Oskar Kokoschkas

Bürgermeister General Körner hat an den im Auslande lebenden akademischen Maler Oskar Kokoschka anläßlich seines 60. Geburtstages ein Glückwunschschreiben gesandt, in welchem er ihn zur Rückkehr nach Wien aufforderte und ihm eine besondere Ehrung durch die Gemeinde Wien ankündigte. Heute ist bei Körner ein Radiogramm Oskar Kokoschkas eingetroffen: "Tief gerührt! Danke dem Bürgermeister von Wien, dem Stadtsenat, der österreichischen Regierung für die Bewillkommnungsbotschaft! Wünsche keine Ehrungen! Folge nur der humanistischen Tradition, die uns vereinigte in dem einmal beispielhaft gewesenen sozialen Wohlfahrtswerk der Stadt Wien! Als erste Bedingung für den Wiederaufbau der Demokratie in Europa betrachte ich die körperliche und geistige Stärkung der Lebenskraft der Kinder. Ich gedenke bald zurückzukehren."
Ihr Oskar Kokoschka

9.3.1946: Zubereitung von Trockenkartoffeln

Das Marktamt der Stadt Wien teilt mit:

Die in dieser Woche im Rahmen der Alliiertenhilfe aufgerufenen Trockenkartoffeln kommen in Form von Spalten, Schnitten, Flocken oder Grieß zur Ausgabe. Der Verbraucherpreis wurde einheitlich mit 1 Schilling für das Kilogramm festgesetzt.

Kartoffelspalten- oder -schnitten sind in kaltem Wasser mindestens 12 Stunden aufzuweichen und dann nach Abtropfen zum Kochen zu verwenden. Wenn die Möglichkeit gegeben ist, die Kartoffelspalten nach dem Kochen mit etwas Fett zu rösten, wird die Speise schmackhafter. Die Kartoffelflocken gibt man am besten den Speisen, zum Beispiel Hülsenfrüchten, beim Kochen bei, wodurch das Gericht ausgiebiger wird. Kartoffelgrieß wird zu Kartoffelspeisen, zum Beispiel Kartoffelknödeln, verwendet.

Trockenkartoffeln entsprechen etwa der fünffachen Menge von frischen Kartoffeln.

Spruch des Tages:
Überflüssig Strom verschwenden,
Kann, bei Gott, nur schrecklich enden!
Es kommt der Zählermann - und schwabb -
Sperrt er Dir den Zähler ab!

11.3.1946: Strenge Maßnahmen wegen Auto-Missbrauch

Obwohl die Magistratsabteilung 47 (früher Abteilung IV/29, Verkehrslenkung) wiederholt aufmerksam gemacht hat, dass jede Verwendung von Autos für private Zwecke verboten ist, und eine derartige Verwendung überdies auch der Alliierte Rat bereits rügte, wurden am Sonntag bei Sportveranstaltungen im Stadion und am Trabrennplatz 75 Fahrzeuge festgestellt, die sich nicht an das Verbot hielten.

Diesen Fahrzeuginhabern wird für drei Monate durch Abnahme des Kontrollscheines die Fahrgenehmigung entzogen, der Treibstoffbezug gesperrt und überdies eine Geldstrafe wegen Treibstoffmissbrauchs verhängt.

12.3.1946: Diphtherie-Schutzimpfung in Wien

Die zunehmende Häufigkeit von Diphtherie-Erkrankungen mit schwerem Krankheitsverlauf macht die rascheste Durchführung von Diphtherie-Schutzimpfungen dringend notwendig. Es sollen alle Kinder bis zum Alter von 10 Jahren, die innerhalb der letzten zwei Jahre nicht schon gegen Diphtherie geimpft wurden, jetzt die Schutzimpfung erhalten. Die Impfungen werden durch das Gesundheitsamt der Stadt Wien in allen Mutterberatungsstellen, öffentlichen Kindergärten, Volksschulen und Bezirksgesundheitsämtern kostenlos durchgeführt. Die Bevölkerung wird aufgefordert, für alle in Frage kommenden Kinder von der Schutzimpfung gegen Diphtherie Gebrauch zu machen, um eine wirksame Bekämpfung dieser bösartigen Infektionskrankheit zu ermöglichen.

13.3.1946: Eine Generaldirektion der städtischen Unternehmungen

Der Wiener Stadtsenat beschloss die Schaffung einer Generaldirektion für die städtischen Unternehmungen. In ihr werden die drei großen Monopolbetriebe der Stadt Wien, die städtischen Elektrizitätswerke, die städtischen Gaswerke und die städtischen Verkehrsbetriebe zusammengefasst. Der Plan zur Errichtung einer Generaldirektion bestand schon vor dem Jahre 1934. Er wurde jetzt wieder aufgegriffen und seine Durchführung schon vor längerer Zeit in Angriff genommen.

Die Errichtung einer Generaldirektion wird zu keiner Personalvermehrung der drei Unternehmungen führen. Sie wird vielmehr ihre Aufgabe durch Heranziehung vorhandenen Personals aus den drei Unternehmungen erfüllen. Durch die Zusammenfassung der drei großen städtischen Monopolbetriebe in einer Generaldirektion soll eine größere Einheitlichkeit in der wirtschaftlichen Führung der drei Betriebe erzielt werden. So soll der Einkauf von Rohmaterial gemeinsam besorgt werden, Gasmesser und Stromzähler werden gemeinsam abgelesen, die Tarifpolitik der drei Betriebe wird aufeinander abgestimmt und auch in den Personalfragen wird auf manchen Gebieten eine gemeinsame Linie bezogen werden können. Diese Vereinheitlichung der Geschäftsführung wird sich noch auf vielen anderen praktischen Gebieten vorteilhaft auswirken.

14.3.1946: Die Glasaktion geht weiter - 2. Abschnitt der Aktion zur Behebung der Glasschäden

Während bisher nur Ärzte, Familien mit Klein- und Kleinstkindern, dauernd kranke Personen, Personen über 60 Jahre und politische Konzentrationslagerhäftlinge bei der Aktion berücksichtigt wurden, wird ab Mitte März der Kreis der Anspruchsberechtigten auf alle übrigen Wohnparteien erweitert.

In der Regel können nun für jede erwachsene Person zwei äußere, untere Flügel eines Fensters verglast werden. Zwei Kinder unter 10 Jahren zählen für eine Person. Dieser Anspruch ist aber dadurch begrenzt, dass in jedem Haushalt nicht mehr Fenster verglast werden dürfen, als für den einfachen Anschluss (ohne Oberlichten) eines heizbaren Wohnraumes und der Küche erforderlich sind. Ebenso können Gewerbetreibende, die in ihrer Wohnung arbeiten, die Verglasung der äußeren, unteren Fensterflügel beanspruchen.

15.3.1946: Hilfe für Bedürftige und Heimkehrer (Das Sachbeihilfenlager der Gemeinde Wien)

Das Sachbeihilfenlager war eine alte und bewährte Fürsorgeeinrichtung, ein Warenlager, aus dem die Gemeinde Wien ihren Befürsorgten bei Bedarf Möbel, Kleidungsstücke und Hausrat (sogenannte Sachaushilfen anstelle von Geldaushilfen) zuteilte. Im Zuge der Kampfhandlungen verlor das Lager seinen gesamten Bestand und war dadurch für die praktische Fürsorge so gut wie ausgeschaltet, da ein Aufbau der Warenbestände durch eigene Bemühungen gegenwärtig, zumindest in nennenswertem Ausmaße, nicht möglich ist. Eine Änderung dieser Lage trat jedoch in dem Augenblick ein, als die alliierten Hilfsaktionen einsetzten - es war dies schon im Dezember 1945 - und das alte Sachbeihilfenlager zum Hauptstützpunkt und zur Verteilungszentrale der Alliiertenhilfe wurde.

Da dem Wohlfahrtsamt nur ein ganz kleiner Apparat zur Verfügung stand, wäre es ohne die tatkräftige Unterstützung der verschiedenen Organisationen - wie des Konzentrationslager-Verbandes, der "Volksssolidarität", des Caritasverbandes, des Evangelischen Oberkirchenrates und der Israelitischen Kultusgemeinde - und nicht zuletzt unserer bewährten Fürsorgeräte wohl kaum gelungen, allen Anforderungen (wie zum Beispiel Übernahme, Inventarisierung, Verteilung und so weiter) gerecht zu werden.

Den Beginn der großzügigen Hilfsaktionen machte im Dezember 1945 das Amerikanische Rote Kreuz, durch welches bisher 27.672 Personen mit 78.117 Bekleidungsstücken und 15.928 Personen mit 18.402 Lebensmittelpaketen beteilt werden konnten. Die Lebensmittelpakete sind für ehemalige Konzentrationslager-Häftlinge, politisch Inhaftierte, Zwangsverschickte und rassisch verfolgte Personen vorgesehen, die ihren Wohnsitz in der amerikanischen Zone haben. Die Kleiderspende war für alle Bedürftigen in der amerikanischen Zone bestimmt, die zwangsverschickt oder aus dem Konzentrationslager entlassen waren, ferner für jenen Personenkreis, der durch Kriegseinwirkung seine Kleidung verloren hatte und nicht in der Lage war, sich den dringendsten Bedarf zum Schutz vor der Winterkälte zu beschaffen.

Als nächste folgte die noch im Gang befindliche Schwedische Aktion zur Beteiligung Hilfsbedürftiger, welche außerhalb der amerikanischen Zone ihren Wohnsitz haben, mit Kleidungsstücken, dann die Schweizer Spende (Unterkleidung, Schuhe, Decken und so weiter) und die Kanadische Kleiderspende, schließlich die Heimkehreraktion, die vorläufig die Ausgabe von zirka 10.000 gefärbten verschiedenen Bekleidungsstücken aus Militärbeständen vorsieht.

15.3.1946: Achtzehn Schwedenautos angekommen

Wieder ist ein Transport mit Lebensmitteln aus Schweden in Wien eingetroffen. Er bestand aus 18 Lastautos von je 6 bis 8 Tonnen, die mit Lebensmitteln beladen waren. Diese sind für die Schwedische Kinderausspeiseaktion bestimmt. Acht dieser Autos bleiben bis auf weiteres in Wien, um hier den Transport der Lebensmittel in die Ausspeisestellen zu besorgen. Bei den Kleinkindern, die von der Ausspeiseaktion betreut werden, sind Gewichtskontrollen vorgenommen worden. Es wurde eine durchschnittliche Gewichtszunahme im Laufe dieser sechswöchigen Aktion von einem Kilogramm festgestellt.

18.3.1946: Was ist am Ernteland zu tun?

Sollte die von der Magistratsabteilung 53 schon im Februar in der Presse und im Radio empfohlene richtige Bodenbearbeitung und der Anbau von Petersilie, Mohn, Schwarzwurzeln, Karotten, Dille, Spinat, Sommerporree, Schnittlauch und Palerbsen, sowie das Stupfen von Steckzwiebeln und Knoblauch noch nicht durchgeführt worden sein, dann ist diese Arbeit in der damals angegebenen Weise unverzüglich vorzunehmen.

Der März ist ein wichtiger Monat für die Gartenarbeiten. Die Märzsaat keimt besser als die Aprilsaat, daher nicht auf besseres Wetter warten, sondern säen und pflanzen.

Im Freiland können nun zum Beispiel Zwiebeln, Markerbsen, Möhren, Salate, Bohnenkraut angebaut werden.

19.3.1946: Wiener Kinder auf's Land

Die unzureichende Kriegsverpflegung und die Stockung der Lebensmittelversorgung Wiens nach Kriegsende hatten den Ernährungszustand der Wiener Kinder bedrohlich verschlechtert. Es ist daher begreiflich, dass sich alle öffentlichen Stellen und privaten Organisationen, die sich mit Jugendfürsorge befassen, bereits im vergangenen Frühjahr bemühten, Wiener Kinder zur Erholung auf's Land zu schicken. Starke Behinderungen sind allerdings durch Bestehen der Demarkationslinien und der Verkehrsschwierigkeiten gegeben. Trotzdem ist es gelungen, bis heute 20.000 Kindern einen Landaufenthalt zu ermöglichen.

20.3.1946: Speckausgabe

Das Marktamt der Stadt Wien teilt mit: In dieser Woche gelangt im Rahmen der Zuteilungen aus der Alliiertenhilfe gesalzener Speck zur Abgabe. Der Verbraucherpreis wird mit Schilling 1,70 je Kilogramm festgesetzt. Die Verwendung zum Kochen erfolgt am besten im gerösteten Zustand.

22.3.1946: An die Arbeiter der Übernahmsstelle für Alliiertenhilfe (Import), die Bäckereibetriebe, die Brotindustriebetriebe und die Lebensmittelgroßverteiler Wiens

Über Befehl der Amerikanischen Militärregierung müssen die für den Verbrauch der nächsten Woche seitens der Amerikanischen Militärverwaltung bereitgestellten Lebensmittel noch in dieser Woche abgeführt werden.

Es wird daher am kommenden Wochenende durchlaufend von 7 früh bis 18 Uhr gearbeitet werden. Die Großverteiler für Lebensmittel in ganz Wien haben dafür Sorge zu tragen, dass ihre Geschäfte geöffnet, entsprechendes Arbeitspersonal vorhanden und der Abtransport und die Einlagerung der angelieferten Waren in der angegebenen Zeit gesichert ist.

25.3.1946: Die Schuttabfuhr aus den Straßen Wiens

Die Gemeindeverwaltung hat im vergangenen Herbst eine große Gemeinschaftsaktion zur Beseitigung des in den Wiener Straßen liegenden Kehrichts und Schuttes durchgeführt. In vier Millionen Arbeitsstunden wurden rund 400.000 Kubikmeter Müll und Schutt abtransportiert. Damals hat es sich darum gehandelt, ein Maximum an Arbeitskräften aufzubringen, deren Aufgabe es war, Kehricht und Schutt in die in allen Bezirken vorhandenen Löschwasserteiche, Bombentrichter und sonstigen Vertiefungen, zu befördern.

Nun stehen solche Örtlichkeiten zur Ablagerung des Schuttes im Stadtbereich nicht mehr zur Verfügung. Der noch in den Straßen und Hausruinen befindliche Schutt und Kehricht muss auf Ablagerungsplätze am Rande der Stadt geführt werden. Das kann aber nicht mehr mit Handkarren, sondern nur mehr mit motorisierten Fahrzeugen geschehen. Das Problem ist also nicht mehr von der Seite der Arbeitskraft, sondern nur mehr von jener der Transportmittel und Maschinen aus, zu lösen. Durch die Sprengung von Hausruinen ist die Schuttmenge, die im Herbst auf rund 500.000 Kubikmeter vermindert wurde, auf rund 740.000 Kubikmeter angewachsen. In dieser Zahl ist der in den Hausruinen selbst lagernde Schutt nicht inbegriffen. Durch die noch vorzunehmenden Sprengungen wird eine weitere Steigerung der Schuttmenge eintreten. Die Stadtverwaltung wendet dem Schuttproblem ständig ihr größtes Augenmerk zu und wird dabei von den Alliierten tatkräftigst unterstützt. Dank dieser intensiven gemeinsamen Bemühungen sind derzeit im Tagesdurchschnitt für die Schuttabfuhr 7 Bagger, 40 Lastkraftwagen, 8 Straßenbahnzüge mit je 3 Wagen, ein Vollbahnzug der Staatseisenbahnen und im Stadtbereich verlegte Feldbahnanlagen mit 6 Diesellokomotiven und 50 Rollwagen eingesetzt. Dieser ganz beträchtliche Fuhrpark kann aber nur rund 1.000 Kubikmeter Schutt im Tagesdurchschnitt befördern. Die Bemühungen der Gemeindeverwaltung sind darauf gerichtet, die Zahl der Geräte und Transportmittel durch Zuschub von außen, insbesondere aus den westlichen Bundesländern, ständig zu vermehren und dadurch die Tagesleistung zu erhöhen. Das Schuttproblem wird aber die Behörden und die gesamte Wiener Bevölkerung noch lange Zeit beschäftigen. Es handelt sich doch um die Beseitigung der Trümmer und Ruinen von 21.000 zerstörten oder beschädigten Wohngebäuden und der vielen sonstigen durch Kriegshandlungen in Mitleidenschaft gezogenen Objekte, also um ganz bedeutende Mengen, deren Abtransport nur unter Einsatz bedeutender Transportmittel und mit Zuhilfenahme ausreichender moderner Geräte beschleunigt erfolgen kann.

28.3.1946: Umfärben von Militärkleidungsstücken aus der Alliiertenhilfe Amerikas

Das Hauptwirtschaftsamt gibt bekannt, dass über neuerlichen Auftrag der Amerikanischen Militärregierung sämtliche militärischen Oberkleider (Mäntel, Hosen, Jackets, Kappen sowie auch Militäroberhemden und Hemdblusen) gebraucht oder ungebraucht vor dem Verkauf ordnungsgemäß umzufärben sind. Die Umfärbung hat bei der Firma Goebel (5., Rüdigergasse 20), die von der Amerikanischen Militärregierung dazu angewiesen wurde und das Färbungsmaterial erhielt, zu erfolgen. Ab sofort dürfen ungefärbte Militärkleidungsstücke weder verkauft noch zur Schau gestellt werden, widrigenfalls mit Geschäftssperre vorgegangen werden müßte.

29.3.1946: 6.500 Opfer des Kampfes um Wien

Die Gemeindeverwaltung führt, wie amtsführender Stadtrat Honay berichtet, die Enterdigung der im Zuge der Kampfhandlungen in Wien getöteten Zivilpersonen und Soldaten durch. Es handelt sich um rund 6.500 Leichen, die provisorisch auf öffentlichen Plätzen, Gärten, Parkanlagen und Haushöfen beerdigt wurden. Die Bestattung dieser Kriegsopfer in Friedhöfen ist aus sanitären und verkehrstechnischen Gründen unerläßlich und dringend. Die Kosten sind außerordentlich hoch, sie betragen ungefähr 1,3 Millionen Schilling. Soweit es sich um getötete Zivilpersonen handelt, wird die Finanzverwaltung die Kosten von den Angehörigen einheben. Der Großteil dieser Ausgaben ist jedoch uneinbringlich, weil es sich vorwiegend um ausländische Soldaten handelt.

29.3.1946: Schaustellung geborgener Kulturgüter

Durch den Bombenkrieg und die Kämpfe in der Stadt selbst wurden neben wirtschaftlichen Gütern ungezählte Kultur- und Kunstwerte in Trümmern begraben oder der Witterung und dem Zugriff Unbefugter ausgesetzt, aufs schwerste gefährdet. Die Schaustellung soll zeigen, was aus unscheinbaren Trümmern, aus Hausruinen noch zustandegebracht werden kann. Viele solche Güter sind noch immer nicht behoben. Es ist daher der Hauptzweck der Schaustellung anzuregen, dem Wiener Magistrat (Abteilung 7) jene Stellen zu benennen, wo mit Aussicht auf Erfolg nach diesen Dingen gesucht werden könnte. Daneben soll die Schaustellung bei ständigem Wechsel der Objekte auch Gegenstände zeigen, deren Eigentümer zur Zeit nicht bekannt sind, um diese auszuforschen. Schließlich wird die Schaustellung auch einen Begriff von der Arbeit des Amtes geben, die es nun seit bald einem Jahr mit seinen Bergungstrupps im Zusammenwirken mit der Bevölkerung verrichtet, und zeigen, welche bedeutende kulturelle und auch wirtschaftliche Werte vor der Zerstörung gerettet werden konnten.

Die Schaustellung "Rettet Kulturgut" befindet sich in einem bis vor kurzem als Lagerraum verwendeten Gewölbe im Alten Rathaus und dessen großen Hof. Zur Deckung der Auslagen und als Beitrag für den Kulturfonds wird von den Besuchern ein Spendenbeitrag von 50 Groschen eingehoben werden.

30.3.1946: Registrierung der Naziopfer abgeschlossen

Die Zentralregistrierungsstelle der Opfer des Naziterrors im Rathaus hat ihre Aufgabe, die politischen Opfer des nationalsozialistischen Regimes zu erfassen, beendet. Nach fast einjähriger Tätigkeit dieser Stelle ist anzunehmen, dass alle in Betracht kommenden Personen bereits bei ihr vorgesprochen haben. Jene politischen Opfer des Naziterrors, die in Zukunft erst nach Wien zurückkommen, werden von der "Volkssolidarität" auf ihre Fürsorgebedürftigkeit überprüft und von den zuständigen Fürsorgeeinrichtungen betreut werden.

30.3.1946: Kritische Lage in der Futtermittelversorgung Wiens

Die Wiener Tierhalter stehen heute vor der harten Tatsache, dass nicht einmal die kärglichen Rationen, welche bisher an die Wiener Pferde und Kühe zur Verteilung gelangten und die ohnehin nur als Erhaltungsfutter zu bezeichnen sind, weiter aufrechterhalten werden können. Die vorhandenen Vorräte an Futtermitteln sind aufgebraucht, und es wird im Monat April keine Futterzuteilung mehr geben.

Die Gründe, welche zu der Futtermittelkatastrophe führten, liegen vor allem in den kriegerischen Ereignissen des Vorjahres, sowie in der Tatsache, dass die Knappheit an Brotgetreide für die menschliche Ernährung es notwendig gemacht hat, die Ausbeute bei der Vermahlung auf 95 Prozent zu erhöhen, was ein Absinken des Kleieanfalles von bisher 12 Prozent auf nunmehr 2 Prozent zur Folge hatte. Da diese Kleie den Hauptbestandteil der bisherigen Fütterung darstellte, ist durch ihren Wegfall eine Lücke in der Futtermittelversorgung entstanden, die sich nur mehr mit Hilfe der alliierten Mächte schließen lassen wird.

Die alliierten Mächte wurden von den maßgebenden Stellen zeitgerecht von der Notlage in Kenntnis gesetzt. Sie haben der Stadtverwaltung ihre Hilfe zugesagt. Diese Hilfe ist noch ausständig. Sollte die versprochene Hilfe der Alliierten im Laufe des April einlangen, so wird dies in der Presse verlautbart werden. Es wird jedenfalls neuerlich dringendst davor gewarnt, Pferde von auswärts in das Notstandsgebiet Wien hereinzubringen, ohne gleichzeitig die für die Erhaltung der Tiere notwendigen Futtermittel mitzubringen.

Sollte eine Notschlachtung wegen Futtermittelmangel notwendig sein, so wird darauf verwiesen, dass ein späterer Ersatz für das notgeschlachtete Tier zur Voraussetzung hat, dass die Notschlachtung ordnungsgemäß angemeldet wurde.