Historischer Rückblick aus dem Jahr 1946

Zusammenfassungen von Meldungen der Rathauskorrespondenz

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Jänner 1946

Jänner

2.1.1946: Maßnahmen zur Fernhaltung von Fleckfiebererkrankungen in Wien

Um die bestehende Flecktyphus-Gefahr erfolgreich bekämpfen zu können, haben sich über Anordnung der alliierten Militärbehörden alle Rückwanderer entweder gleich bei ihrer Ankunft im Bahnhof oder so bald als möglich beim nächsten Gesundheitsamt einer Entlausung zu unterziehen.

Die Rückwanderer werden auf diese Verpflichtung bereits bei ihrer Ankunft auf den Bahnhöfen oder bei den Stationen auf den Einfallstraßen nach Wien aufmerksam gemacht und ferner belehrt werden, dass ihnen die Lebensmittelkarten erst nach Nachweis der durchgeführten Entlausung von der Kartenstelle ausgefolgt werden können.

Spruch des Tages:
Wirst im Büro Du Strom vergeuden,
Musst Du zu Haus im Finstern bleiben!

3.1.1946: Der teure Reichsleiter

Bekanntlich waren die "Nazigrößen" um ihr kostbares Leben sehr besorgt. Sie haben daher, selbstverständlich aus öffentlichen Geldern, sehr kostspielige Luftschutzstollen errichten lassen, die nur für sie und ihre Sippe bestimmt waren. So wie in allen Zweigen der Wiener Gemeindeverwaltung hat auch auf diesem Gebiet der "Reichsleiter" Schirach sehr großzügig gewirtschaftet. Es wurde für ihn in Ottakring auf dem Gallitzinberg der sogenannte Gaubefehlsstand errichtet, ein Luftschutzstollen, der mit allem nur erdenklichen Komfort ausgestattet ist.

Nach einem Bericht des städtischen Finanzreferenten Stadtrat Honay liegen nun die Abrechnungen für diese Anlage vor. Die Kosten belaufen sich auf nicht weniger als 374.240,88 Reichsmark, wobei noch immer eine Reihe von Rechnungen ausständig sind.

4.1.1946: Aufruf zum Seifenbezug

Das Hauptwirtschaftsamt gibt für den Bereich der Stadt Wien bekannt, dass auf den Abschnitt neun der Seifenkarte K, F und M in allen Zonen ein Stück Einheitsseife bezogen werden kann. Die Ausgabe erfolgt nach Maßgabe der Anlieferung.

4.1.1946: Eröffnung von städtischen Wärmestuben

Das Wohlfahrtsamt der Stadt Wien hat, um das Los jener Menschen aus der ärmeren Bevölkerungsschichte der Wiener zu erleichtern, die infolge der Brennstoffknappheit nicht die Möglichkeit haben, sich ein wenig zu erwärmen, Wärmestuben eingerichtet. Es werden vorerst insgesamt 32 Wärmestuben in den Bezirken 1 bis 21 eröffnet. Diese bieten die Möglichkeit, täglich 3.000 Personen aufzunehmen und sind in der Zeit von 14 bis 20 Uhr geöffnet. Ein heißes Getränk wird unentgeltlich und markenfrei verabreicht. Von der zuständigen Stelle wird zwar getrachtet eine Suppe zu verabreichen, doch ist dies in Anbetracht der schwierigen Ernährungslage derzeit noch nicht durchführbar.

Der Besuch dieser Wärmestuben ist mit einer Besucherkarte möglich, die im zuständigen Bezirksfürsorgeamt erhältlich ist. Die Aktion wird vom Bundesministerium für soziale Verwaltung und von der Gemeinde Wien zu gleichen Teilen finanziert.

5.1.1946: Neuregelung der Gasabgabe

Die Gasabgabe ist nach wie vor wesentlich höher als sie bei Beachtung der Bewirtschaftungsvorschriften sein dürfte. Die fortlaufenden Erhebungen ergaben in vielen Fällen maßlose Überschreitungen durch verantwortungslose Verbraucher, die trotz des bestehenden Verbotes ihre Gasgeräte überwiegend zur Raumheizung benützen. Sie schaden damit den gewissenhaften Gasabnehmern, häufig aber auch sich selbst. Es sind bereits zahlreiche Unfälle, darunter viele mit tödlichem Ausgange, zu verzeichnen. Wegen des übermäßigen Gasverbrauches und fallweiser Senkungen des Erdgasaufkommens mussten die Gaswerke in der letzten Zeit wiederholt während des Vormittags Sperrstunden einlegen, ohne die Verbraucher vorher verständigen zu können. Dies war nicht nur für die Haushalte, sondern besonders auch für die gewerblichen und industriellen Verbraucher mit beträchtlichen Nachteilen verbunden. Um diese Unsicherheit in der Gasversorgung zu beseitigen und den Berufstätigen entgegenzukommen, wird versuchsweise mit Wirkung 7.1. folgende Neuregelung eingeführt:

Montag, Mittwoch und Freitag wird Gas von 5.30 bis 14 Uhr und von 18 bis 21 Uhr, an den übrigen Tagen von 5.30 bis 7 Uhr, von 11 bis 13 Uhr und von 18 bis 21 Uhr abgegeben werden.

Die Beschränkung der verstärkten Gasabgabe auf drei Wochentage ist notwendig, weil an den übrigen vier Tagen der Gasvorrat in den Behältern der Werke ergänzt werden muss.

Um den gewissenhaften Verbrauchern eine Erleichterung und den Elektrizitätswerken eine teilweise Entlastung zu bieten, wird die Gasliefermenge gleichfalls ab 7.1. für Haushalte bis einschließlich drei Personen auf 0,8 Kubikmeter, für größere Haushalte auf 1,2 Kubikmeter je Tag erhöht.

5.1.1946: Mieten für von Amerikanern und Franzosen beschlagnahmte Objekte anmelden

Am 1.1.1946 wird die Bezahlung der Miete für von Militärpersonen der U.S. Armee in Wien beschlagnahmten Wohnräume vorgenommen. Vorerst kommt nur die Bezahlung von Mieten für Wohnungen und Villen in Betracht. Zu einem späteren Zeitpunkt soll dann die Vergütung für die übrigen beschlagnahmten Objekte erfolgen.

Personen, die ein gesetzliches Anrecht haben, solche Mietzahlungen in Empfang zu nehmen, müssen die offizielle Beschlagnahmebescheinigung, die von der Real Estate Section vom Vienna Area Command U.S. Armee ausgestellt wurde, der Verrechnungs- und Kassenstelle für die amerikanische Militärbehörde, 9., Porzellangasse 51, vorlegen.

Ab 14.1.1946 erfolgt auch die Bezahlung von Mieten und sonstigen Ansprüchen der durch die französische Militärbehörde beschlagnahmten Wohnungen und Objekte und zwar durch die Verrechnungs- und Kassenstelle für die französische Militärbehörde, 14., Hütteldorfer Straße 128.

7.1.1946: Schülerausspeisung wieder gesichert

Durch das Entgegenkommen der Alliierten ist die Schülerausspeisung für kurze Zeit wieder gesichert.

Die Ausspeisung beginnt, am Mittwoch, 9.1.1946. Die Leitungen der Schulen werden gebeten, alles Notwendige zu veranlassen, die Schüler werden aufgefordert, Essgeschirr und Essbesteck mitzunehmen.

Die Direktion der "WÖK" fordert ihre Angestellten auf, sich am Mittwoch, 9.1.1946, an ihren Arbeitsplätzen rechtzeitig einzufinden.

Spruch des Tages:
Im Winter friert das Wasser zu,
Drum spar mit Strom, sonst hungerst Du!

8.1.1946: Butter für Kinder und Kranke - Spende des Internationalen Roten Kreuzes

Aus einer Spende des Internationalen Roten Kreuzes wird für Kinder von ein bis drei Jahren eine Sonderzuteilung von 250 Gramm Butter ausgegeben. Die vom Zentralernährungsamt durchgeführte Aktion erstreckt sich nur auf die 21 Bezirke von Alt-Wien. Die Kinder in den Randgemeinden erhalten die Sonderzuteilung über den Caritas-Verband.

An der Spende sind die Regierung Irlands und das Irländische Rote Kreuz beteiligt. Aus dieser Spende wird auch an die Pfleglinge in Krankenhäusern und in Kinder- und Mütterheimen sowie an werdende und stillende Mütter Butter in nächster Zeit zur Verteilung kommen.

9.1.1946: Lebensmittelbestandsaufnahme

Achtung: Lebensmittelgroß- und Kleinverteiler und Verarbeitungsbetriebe!

Über Antrag der Alliierten Militärregierung für Wien ist am Sonntag, den 13.1.1946, als Abschluss der IX. Versorgungsperiode eine allgemeine Inventur der Warenbestände bei allen Lebensmittelgroß- und Kleinverteilern (Gemischtwarenhändler, Lebensmittelgroßverteiler, Fleischhauer, Selcher, Süßwarenverkäufern, Mühlen, Fischwarengroß- und Kleinverteilern, Teigwarenfabriken, Kaffeeröstereien, Bäckereien, Brotfabriken, Käsegroßverteiler, Gemüsekonservengroß- und Kleinverteiler etc.) durchzuführen. Bäcker und Brotfabriken haben auch den Lagerbestand an Salz anzugeben.

Die Ergebnisse der Warenbestandsaufnahme sind in einer Lagermeldung zusammenzufassen und von den Großverteilungsbetrieben der Bezirke 1 bis 21 bei der zuständigen Marktamtsabteilung abzugeben.

Sämtliche Betriebe der Bezirke 22 bis 26 haben zu den gleichen Terminen die Lagermeldung bei der Verrechnungsstelle ihres Bezirkes abzugeben.

Da diese Inventur die Grundlage für die Warenzuteilung durch die Alliierten Mächte bildet, bedeutet jede Verzögerung und Ungenauigkeit bei der Erstellung der Bestandsaufnahme einen Schaden für alle Kaufleute und insbesondere für die gesamte Wiener Bevölkerung.

Außerdem wird von der Alliierten Militärregierung nochmals darauf aufmerksam gemacht, dass jede Ungenauigkeit und Sorglosigkeit bei der Erstellung der Inventur als ein Vergehen gegen das Gesetz zum Schutze der Alliierten Waren betrachtet und schärfstens bestraft wird.

10.1.1946: Ausgabe von Vitamintabletten in der Britischen Zone

Wie von der Britischen Kontroll-Kommission in Wien verlautbart wird, erhalten alle Bewohner der britischen Zone, das sind die Bezirke 3, 5, 11, 12 und 13 eine Ration von 14 Stück Vitamintabletten pro Versorgungsperiode. Für jeden zweiten Tag ist eine Tablette bestimmt.

12.1.1946: Eine Glanzleistung der Feuerwehr

Freitag um 6 Uhr früh wurde die Wiener Feuerwehr zu einem Brand in der Autofabrik Gräf & Stift in Döbling gerufen. Um 6.30 Uhr erhielt sie die Nachricht "Großfeuer". Um 6.55 Uhr war das Feuer bereits lokalisiert, um 7.20 Uhr langte in der Zentrale "Feuer aus" ein. In knapp 75 Minuten hat also die Wiener Feuerwehr einen Großbrand gelöscht, der eine gedeckte Reparaturhalle von 2.400 Quadratmeter Flächeninhalt in dem von den amerikanischen Besatzungstruppen benützten Teil der Fabrik erfasst hatte. In der Reparaturhalle waren 250 amerikanische Kraftfahrzeuge eingestellt. Das Feuer hat Werkstätteneinrichtungsgegenstände, große Mengen Autobestandteile, eine Schweißanlage, 100 Kilogramm Karbid und vieles mehr vernichtet. Dank dem raschen Eingreifen der Feuerwehr sind nur zwei Lastkraftwagen dem Feuer zur Gänze und acht Fahrzeuge teilweise zum Opfer gefallen. 240 Fahrzeuge konnten unversehrt gerettet werden. Die Arbeit der Feuerwehr war dadurch besonders erschwert, dass der Brandherd völlig unzugänglich war. Die Zufahrten waren mit Fahrzeugen verstellt, die Tore versperrt und die Feuerwehrmänner mussten die Bekämpfung des Brandes durch Einsteigen durch die Fenster vornehmen. Die Ursache des Brandes ist zur Zeit noch ungeklärt.

Achtung Autobesitzer!

Der Bürgermeister der Stadt Wien ordnet neuerlich an:

Für die Brennstoffversorgung der Stadt Wien haben sich alle Lastkraftwagen von zwei Tonnen aufwärts an Sammelplätzen (eingeteilt nach jeweiligen Bezirken) ab 14.1.1946 um 6.30 Uhr zuverläßlich zu melden. (Aufstellung der Sammelplätze)

Sämtliche LKW's des 21. Bezirkes stehen für besondere Zwecke der Bezirksfahrbereitschaft für den 21. Bezirk zur Verfügung und haben sich zur selben Zeit dort einzufinden.

Die Meldung der Fahrzeuge hat bis auf weiteres täglich zur angegebenen Zeit zu erfolgen. Treibstoffzuteilung erfolgt an den Sammelplätzen. Alle anderen Fahrtaufträge sind durch diese Anordnung aufgehoben.

12.1.1946: Gründungsversammlung des Institutes für Wissenschaft und Kunst

Bürgermeister der Stadt Wien General Dr. h. c. Körner.

Bürgermeister der Stadt Wien General Dr. h. c. Körner.

Dr. Leopold Zechner

Bei der Versammlung zur Gründung des Institutes für Wissenschaft und Kunst wurde Nationalrat Dr. Leopold Zechner zum Präsidenten gewählt.

In Gegenwart von Bundesminister Übleis, des Bürgermeisters General Dr. h. c. Körner, der Vizebürgermeister, der Vertreter der alliierten Besatzungsmächte und zahlreicher Festgäste fand heute im Wiener Rathaus die Gründungsversammlung des Institutes für Wissenschaft und Kunst statt, dessen Aufgaben der Vorsitzende, Rektor Prof. Dr. Duschek, als eine erweiterte und erhöhte Volksbildung bezeichnete.

Nach Annahme der Statuten über die Sektionschef Dr. Zellwecker referiert hatte, wurden gewählt: Zum Präsidenten Nationalrat Dr. Leopold Zechner, zum Stellvertreter Rektor Prof. Dr. Adalbert Duschek, zu Schriftführern Sektionschef Dr. Heinrich Gassner und Prof. Dr. von Marinelli, zu Kassieren Sektionschef Dr. Zellwecker und Dozent Dr. Friedrich König.

13.1.1946: Die Lebensmittelaufrufe für die nächste Woche

Für die Woche vom 13. bis 19.1. haben die Alliierten für ALT-WIEN unter anderem folgende Lebensmittel zur Ausgabe freigegeben:

Fett: Der Fettabschnitt 1 aller Lebensmittelkarten wird mit 70 Gramm Fett eingelöst. Verbraucher über drei Jahre erhalten auf den Fettabschnitt W 1 außerdem 30 Gramm Fett. Ein Anspruch auf eine bestimmte Fettart besteht nicht. Die Kleinabschnitte zu 4 Gramm Fett können nur in Gaststätten verwendet werden.

Hülsenfrüchte, Haferflocken für Kinder: Auf den Hülsenfrüchteabschnitt W 1 aller Lebensmittelkarten für Personen über drei Jahre werden 150 Gramm Hülsenfrüchte zugeteilt. Daneben erhalten Kinder von 6 bis 12 Jahren auf den Hülsenfrüchteabschnitt 1 ihrer Lebensmittelkarte noch 200 Gramm Hülsenfrüchte und die Kinder bis zu sechs Jahren auf den Hülsenfrüchteabschnitt 1 ihrer Lebensmittelkarte 250 Gramm Haferflocken.

Trockenei als Fleischersatz: Auf der Lebensmittelkarte Klst (bis drei Jahre) und auf der Lebensmittelkarte Klk (drei bis sechs Jahre) werden die Fleischabschnitte W 1 und 1 mit je 20 Gramm Trockenei abgelöst.

15.1.1946: Ein Siedlungshaus gewonnen

Der Haupttreffer der 317. Wiener Armenlotterie war bekanntlich ein Siedlungshaus im Werte von 20.000 Schilling. Heute meldeten sich die glücklichen Gewinner, ein Wiener Ehepaar aus dem 16. Bezirk. Den Bau des Siedlungshauses wird die "Gesiba" durchführen. Das Haus wird auf einem im Besitz der Stadt Wien befindlichen Baugrund, dessen Auswahl in den nächsten Tagen erfolgen wird, erbaut werden.

16.1.1946: Dritter Kindertransport in die Schweiz

Das Schweizer Rote Kreuz hat heute den dritten Transport von Wiener Kindern abgefertigt. Es sind 440 Kinder im Alter zwischen sechs und zehn Jahren zu einem dreimonatigen Aufenthalt in die Schweiz gereist. Die Kinder werden auf Schweizer Familien, die sich freiwillig zur Übernahme verpflichtet haben, in die Kantone Schaffhausen, St. Gallen, Watt, Wallis, Luzern und Basel aufgeteilt.

17.1.1946: Instruktionsstunden im Rathaus

In den letzten Tagen versammelten sich im Wiener Rathaus je 250 Männer und Frauen, deren Aufgabe es ist, aufgrund der Personenstands- und Betriebsaufnahme mit dem Stichtag 31.12.1945 die Lohnsteuerkarten für das Jahr 1946 aufzustellen und die Urlisten anzulegen. Die Instruktionen für diese umfangreichen Arbeiten, die in den Bezirken durchgeführt werden, erfolgte in zwei Sitzungen im Wiener Rathaus. Diese Arbeiten sind durch die Zerstörungen in den staatlichen Finanzämtern und durch die im Jahre 1945 erfolgten Veränderungen in der Bevölkerung notwendig geworden. Auch gingen durch Bombenschäden und andere Kriegseinwirkungen in vielen Unternehmen die Lohnsteuerkarten und sonstigen Unterlagen für die Steuerabrechnung verloren.

Für Wien allein werden an die 150.000 Hauslisten, 900.000 Haushaltslisten, 200.000 Betriebsblätter, 80.000 Urlisten und rund 1,000.000 Lohnsteuerkarten benötigt. Mit den Arbeiten werden rund 500 Personen befasst sein.

18.1.1946: Stromsparen müssen alle!

Die Direktion der Wiener Elektrizitätswerke teilt mit:

Wie festgestellt werden kann, herrscht vielfach die Auffassung, dass wegen einer gelegentlich fühlbaren leichten Besserung in der Wiener Stromversorgung, das Stromsparen nicht mehr nötig ist.

Es muss daher neuerlich auf die Verordnung vom 8.10.1945 über das Stromsparen hingewiesen werden: Es wird immer wieder beobachtet, dass in einem Raum gleichzeitig mehrere Lampen, oft sogar voll eingeschaltete Luster, verwendet werden, obwohl laut Verordnung die Wohnraumbeleuchtung mit einer Lampe (höchstens 40 Watt) je Raum festgelegt ist. Gleichzeitig dürfen in jeder Wohnung nur 2 Räume beleuchtet sein.

Geradezu aufreizend ist die Stromvergeudung in vielen Kaffeehäusern, in denen oft mehr Lampen eingeschaltet sind, als Gäste sich im Lokal befinden. Es ist auch die Stiegen- und Flurbeleuchtung in den Wohnhäusern auf 50 Prozent zu reduzieren.

Die Sparnotwendigkeit gilt für alle!

In Zukunft müssen alle Stromabnehmer, die sich nicht an die Verordnung halten, damit rechnen, dass nicht nur ihre Anlagen abgeschaltet werden, sondern auch ihre Namen und Adressen in Presse und Rundfunk verlautbart werden.

Spruch des Tages:
Sogar mit dem Tramwayfahren muss man heutzutage sparen,
Man braucht viel Strom, sie zu betreiben,
Fährst Du zu viel, wirst Du zu Hause stromlos bleiben.

21.1.1946: Wohnungen der Repatriierten sind anzumelden

Das Wohnungsamt der Stadt Wien gibt bekannt:

Alle Wohnungen, die durch die Repatriierung von Reichsdeutschen, Volksdeutschen und Sudetendeutschen frei werden, sind sofort vom Hausbesitzer, beziehungsweise Hausverwalter oder seinem Stellvertreter dem Wohnungsamt der Stadt Wien zu melden. Anzugeben ist auch, ob sich in der Wohnung noch Möbel befinden und welche. Eine Unterlassung der Anmeldung zieht schwere Bestrafung nach sich.

22.1.1946: Aus dem Stadtsenat

In seiner heutigen Sitzung hat der Wiener Stadtsenat unter anderem folgende Punkte beschlossen:

Die Errichtung des in der Anstalt "Am Steinhof" vorgesehenen zentralen Infektionskrankenhauses der Stadt Wien, die Herstellung einer Ölfeuerungsanlage für die Zentralküche des Allgemeinen Krankenhauses, einen weiteren finanziellen Zuschuss für die Assanierung der Röntgendiagnostikabteilung des Zentralröntgeninstitutes im Allgemeinen Krankenhaus sowie einen Zuschuss für die im Auftrag der Interalliierten Kommandantur durchgeführte Abwehraktion gegen Infektionskrankheiten.

23.1.1946: Der Wiederaufbau Wiens

Der Wiederaufbau Wiens umfasst unter anderem die Benutzbarmachung von Wohnungsflächen.

Zerbombte Wohnhäuser müssen wieder aufgebaut werden.

Im Wiener Rathaus versammelten sich die Mitglieder der "Enquete für den Wiederaufbau der Stadt Wien".

Heute versammelten sich die Mitglieder der "Enquete für den Wiederaufbau der Stadt Wien" unter dem Vorsitz von Bürgermeister Dr. h.c. Körner zur Schlusstagung im Wiener Rathaus. Nach den Begrüßungsworten des Bürgermeisters, welcher bei dieser Gelegenheit von der erfolgten Bestellung des Technischen Beirates für den Wiederaufbau Mitteilung machte, ergriff Stadtrat Weber das Wort zur Erstattung des abschließenden Berichtes, er führte unter anderem folgendes aus:

Die Beratungen der Fachkomitees, an denen insgesamt 184 Delegierte aller in Betracht kommenden Hochschulen, Behörden und Berufsvertretungen Wiens teilgenommen hatten, sind nunmehr abgeschlossen. Aus dieser guten Zusammenarbeit entstand eine Fülle von Anregungen und Empfehlungen für den Wiederaufbau, der in weit über 200 Vorschlägen und Problembearbeitungen in den Sitzungsprotokollen zum Ausdruck gekommen ist.

Zu den Grundvoraussetzungen der praktischen Verwirklichung der gesamten Anregungen gehört vor allem die Umarbeitung des Flächenwidmungs- und Bebauungsplanes der Stadt Wien. Sie ist ein autonomes Recht der Stadtverwaltung.

... es ist zu hoffen, dass die hierfür verantwortlichen Stellen des Staates, der Länder und der Stadt Wien die notwendigen Gesetze schaffen werden. Diese Frage ist dringlich, denn die Baubehörde kann angesichts der einsetzenden Bauplanung sich nicht darauf beschränken, Bauansuchen, die mit der neuen Flächenwidmung nicht harmonieren, einfach abzulehnen ...

Dank des Wiederaufbaus zählen solche Bilder bald zur Vergangenheit.

Viele Männer befinden sich noch in Kriegsgefangenschaft, was zu einem Mangel an geeignetem Baupersonal führt.

Das einstige Wohhaus ist nur noch Schutt.

... ist es unumgänglich, dass die Stadtplanung gefördert und erweitert wird durch die Landesplanung, die ebenfalls gesetzlich verankert werden muss.

....die Sofortmaßnahmen des vergangenen Jahres werden intensiv fortgesetzt. Bis Ende Dezember wurden 10.600 Wohnungen wieder benutzbar gemacht, 122 Siedlungshäuser und 733 Behelfsheime im Bau fortgeführt, 3.000 Dachschäden beseitigt und 108.000 Quadratmeter Produktionsflächen in Fabriken und Werkstätten wurden wieder der Benützung zugeführt. Hierzu kommen noch die bekannten Arbeiten an den Straßen, den Brücken, der Wasserleitung, der Kanalisation und so weiter und die Aufbautätigkeit des Staates bei Bahn, Post, Verkehr, Gebäudeverwaltung und so weiter Hierbei wurden 5.468 Waggons Baustoffe verarbeitet, so dass nun die Vorräte fast restlos aufgezehrt sind. Im Jahre 1946 wird aber der Bedarf noch wesentlich größer sein.

Die schwierige Lage der Baustoffindustrie sowie die schlechten Transportverhältnisse sind allgemein bekannt. Wien verfügt nur über 3.165 registrierte Lastkraftwagen, von denen erfahrungsgemäß wegen der schlechten Beschaffenheit ständig zirka 60 Prozent in Reparatur stehen. Zum Teil wird dieser Mangel durch Bereitstellung von zusätzlichen Lastkraftwagen durch die alliierten Besatzungstruppen teilweise ausgeglichen. Ein weiteres Problem ergibt sich durch den Mangel an geeigneten Arbeitskräften, da ein großer Teil der Männer von 18 bis 50 Jahren, sich noch überwiegend in Kriegsgefangenschaft befindet.

Abschließend erwähnte Stadtrat Weber, dass die Tätigkeit der Enquete ihre Fortsetzung in den Arbeiten des "Technischen Beirates für den Wiederaufbau" finden wird.

25.1.1946: Ungetreue Kaufleute werden bestraft

Von den Dienststellen der Alliierten Mächte und aus Konsumentenkreise wurde der Amtsführende Stadtrat für Ernährung, Fellinger, darauf aufmerksam gemacht, dass Lebensmittel , die zur Verteilung an die Bevölkerung geliefert wurden, nicht in die Hände der Konsumenten gelangt sind. Vom Marktamt der Stadt Wien wurde eine schlagartige Kontrolle bei 318 Kaufleuten durchgeführt. Diese Revisionen ergaben, dass 30 Kaufleute wegen Warenverheimlichungen zur Anzeige gebracht werden mussten.

26.1.1946: Erste Lebensmittelspende aus Steyr eingelangt

Der Bürgermeister der Stadt Steyr und der Bezirkshauptmann von Steyr-Land erließen einen Aufruf zur Sammlung von Lebensmitteln für das notleidende Wien. Der erste Transport, bestehend aus vier Lastkraftwagen und einem Anhänger, mit 16 Tonnen Lebensmitteln ist nun in Wien eingetroffen.

Die Sendung enthielt Mehl, Teigwaren, Nährmittel, Zucker, Eier, Fett, Salz, Marmelade, Konserven und andere hochwertige Nahrungsmittel. Insgesamt wurden bisher 50 Tonnen Lebensmittel gesammelt.

28.1.1946: Inhaber von Kultur- und Vergnügungsstätten, Achtung!

Ihr Strombezug fällt in die Zeit hohen Stromverbrauches und daher ist es um so notwendiger, dass sie die Stromsparverordnung einhalten! Der Verbrauch ist auf die Hälfte des Strombezuges der gleichen Zeit des Vorjahres zu reduzieren! Und das ist möglich.

In den Foyers und in den Garderoben kann der Betrieb auch mit weniger Licht abgewickelt werden. Der derzeitige Strommangel rechtfertigt es, wenn vor Beginn der Vorstellungen nur ein Teil der Saalbeleuchtung eingeschaltet ist. Es ist noch immer besser, wenn nur die Hälfte der Lampen von Lustern eingeschaltet ist, als dass infolge notwendig gewordener Abschaltungen, überhaupt kein Strom zur Verfügung steht. Aber auch die nicht unbedingt notwendige Beleuchtung der Nebenräume von Theatern, Kinos, Konzerthäusern und Kabaretts muss unterbleiben, dies gilt vor allem für die Zeit während der Vorstellung.

Auch die Turn- und Tanzschulen müssen mit geringerer Beleuchtung auskommen; turnen und tanzen kann man auch mit weniger Licht.

Vorläufig muss auf jede Dekorativ-Beleuchtung verzichtet werden, bis wir die Strom-Notzeit überwunden haben.

30.1.1946: Großfeuer In Hainburg

Heute morgens um 5 Uhr wurde das Kommando der Feuerwehr der Stadt Wien von der russischen Ortskommandantur in Hainburg ersucht, zu einem Großfeuer, das in den Fabriksanlagen der Tabak-Regie Hainburg an der Donau ausgebrochen war, auszurücken. Über Weisung des Bürgermeisters entsandte Branddirektor Holaubek 8 Löschfahrzeuge unter Führung des Hauptinspektors Ing. Seifert zur angezeigten Brandstelle. Gegen 8 Uhr früh lange die Meldung "Feuer lokalisiert" in der Zentrale ein. Die Löschaktion wurde von den Freiwilligen Feuerwehren gemeinsam mit der Wiener Feuerwehr durchgeführt.

31.1.1946: Neuer Dirigent im Musikverein

Vinco Kalacic, ein junger Dirigent aus Ragusa, der seit einiger Zeit in Wien als Leiter von Kirchenmusikwerken tätig ist, tritt im Rahmen eines von der Gesellschaft für Musikfreunde veranstalteten Symphonie-Konzertes zum ersten Mal vor das Wiener Publikum.