14. Wiener Landtag (7)

Tätigkeitsbericht 2021 der Kinder- und Jugendanwaltschaft Wien

LAbg. Mag.a Dolores Bakos, BA (NEOS) bedankte sich ganz herzlich bei der Leitung und beim gesamten Team der Kinder- und Jugendanwaltschaft für die Arbeit. Eingehend auf das Netzwerk Demokratiekultur und Prävention sagte Bakos, dass Extremismus ein Phänomen sei, das auch kommunal stark beschäftige wie etwa der Terroranschlag 2020 oder andere Phänomene in den vergangenen beiden Jahren gezeigt hätten. Es gehe in der Prävention darum vor allem die Resilienz von Kinder und Jugendlichen zu stärken, umso mehr sei sie erfreut über das Kinder- und Jugendparlament in Wien. Bei diesem „riesengroßen Partizipationsprojekt“ ginge es nicht darum, „wo jemand herkommt oder welche Sprache man zu Hause spricht“. Die Umsetzung der Ehrenamtswoche, die derzeit laufe, sei eine Maßnahme im Rahmen der Kinder- und Jugendstrategie, die explizit auf den Wunsch der Kinder und Jugendlichen zurückgehe. Ein wichtiges politisches Feld bei Kinder- und Jugendrechten sei das digitale Feld, das einen großen Raum im Alltag der Jugendlichen einnehmen würde. Kinder und Jugendliche könnten die problematischen Aspekte des digitalen Raums oft nicht ausreichend überblicken, was durch gezielte Maßnahmen etwa der Wiener Jugendarbeit thematisiert würden. So seien auch die Leitlinien der digitalen Jugendarbeit entstanden, die im deutschsprachigen Raum Vorbild gebend seien. Bakos sagte abschließend, für sie sei die Lektüre des Berichts der Kinder- und Jugendanwaltschaft Wien „sehr bereichernd gewesen und mahnend vor Augen geführt zu bekommen, was alles noch zu verbessern ist“. 

LAbg. Harald Zierfuß (ÖVP) bedankte sich zu Beginn seiner Rede ebenfalls für die Arbeit und Tätigkeit der Kinder- und Jugendanwaltschaft Wien. Kritisch sah Zierfuß Passagen im vorgelegten Bericht, in denen er eine „ideologische Richtung herauslesen konnte“, etwa im Bildungsbereich vor allem beim Thema Gesamtschule – „das ist, glaube ich, nicht die Aufgabe der Kinder- und Jugendanwaltschaft Wien sich hier eindeutig zur Gesamtschule zu bekennen“, kommentierte Zierfuß. 

LAbg. Mag. Marcus Gremel, MBA (SPÖ) sagte, die Kinder- und Jugendanwaltschaft Wien setze sich „tagtäglich für die Kinder- und Jugendrechte ein und liefert uns in der Politik Jahr für Jahr wertvolle Anregungen – herzlichen Dank dafür“. Richtigstellen wolle Gremel einige Aussagen von LAbg. Stefan Berger (FPÖ): Es habe sehr wohl eine Zeremonie und eine Entschuldigung an ehemalige Heimkinder in Einrichtungen in Wien gegeben. Das Netzwerk Demokratiekultur und Prävention agiere nicht einseitig, „das Netzwerk setzt sich sehr wohl mit allen Aspekten des Extremismus auseinander – egal ob rechts, links oder islamistisch“. Die Corona-Pandemie habe vor allem im psychischen Bereich starke Auswirkungen auf pubertierende Jugendliche gehabt, psychische Probleme hätten in dieser Zeit sehr stark zugenommen. „Das ist ein riesiges Problem, wir brauchen dringend zusätzliche Ärztinnen und Ärzte in den Spitälern und im niedergelassenem Bereich – aber nicht nur in unserer Stadt, sondern in ganz Österreich“, sagte Gremel. Der von Gesundheitsstadtrat Peter Hacker bereits zu Beginn der Pandemie eingesetzte psychosoziale Krisenstab habe Modelle für zusätzliche Angebote entwickelt. Etwa das Angebot „Extended Soulspace“, ein Kinder- und Jugendpsychiatrisches Ambulatorium mit Tagesklinik, in der in den vergangenen beiden Jahren mehr als 900 Kinder behandelt und betreut wurden. Im öffentlichen Raum seien nun wieder Awareness Teams unterwegs, „denn Law und Order sind nicht immer der Weisheit letzter Schluss, eine alternative Lösung bieten die Awareness Teams. Seit ihrer Einsetzung gibt es keine Ausschreitungen mehr im öffentlichen Raum“. Im Kindergartenbereich würden sowohl Qualität als auch Quantität dafür sorgen, dass die Elementarpädagogik in Wien im Bericht der Kinder- und Jugendanwaltschaft Wien positiv hervorgehoben worden sei. Ein Herzensanliegen sei ihm das Problem der „Care Leaver“, also junge Erwachsene, die einen Teil ihres Lebens in Wohngruppen verbracht hatten, und mit 18 Jahren aus den Einrichtungen ausziehen müssen. In diesem Bereich brauche es mehr Angebote für die jungen Erwachsenen, die bereits als Kinder schlechte Erfahrungen gemachten hätten und schlechte Startvoraussetzungen für ein selbstbestimmtes Leben hätten. „Im Durchschnitt verlassen junge Erwachsene mit 25 Jahren ihr Zuhause. Mit 18 Jahren die Einrichtungen zu verlassen, ist für viele zu früh, und so ist die Straffälligkeit zehnmal höher als im Schnitt. Wien bietet zwar bereits mehr als andere Bundesländer, es braucht aber noch mehr“, sagte Gremel. So solle der Übergang in die Selbständigkeit mit einem zusätzlichen Sicherheitsnetz bis zum Alter von 24 Jahren verbessert werden. Zur Kinder- und Jugendstrategie der Stadt sagte Gremel, es seien bereits etliche Maßnahmen umgesetzt worden. „Angekommen im Magistrat ist auf jeden Fall, dass Kinder und Jugendliche bei allen Planungen von Projekten immer mitgedacht werden. Für die Umsetzung von Projekten, die sich Kinder und Jugendliche selber ausgesucht haben, stellt die Stadt Wien eine Million Euro zur Verfügung“, freute sich Gremel. 

LAbg. Mag.a Bettina Emmerling, MSc (NEOS) schloss sich den Dankesworten an das Team und die Leitung der Kinder- und Jugendanwaltschaft Wien an: „Durch ihre Arbeit und ihren Bericht wird uns aufgezeigt, wo wir in Zukunft noch tätig werden müssen.“ Es sei auf jeder einzelnen Seite des Berichts zu erkennen, welches Engagement für die Kinder und Jugendlichen seitens der Anwaltschaft vorhanden sei. Im Bereich der Elementarpädagogik habe sich Wien bereits viele „Lorbeeren eingefahren“, wie etwa bei der hohen Versorgungsquote im Vergleich mit anderen Bundesländern. Dennoch gebe es immer Verbesserungsbedarf, wie etwa einen besseren Betreuungsschlüssel zwischen Kindern und Elementarpädagog*innen – „da ist noch einiges zu tun“. Vorhandene Kinderschutzkonzepte würden im Sommer überarbeitet und im Herbst präsentiert werden, kündigte Emmerling an. Für Kinder mit Behinderung sei im elementarpädagogischen Bereich ebenfalls noch Verbesserungspotenzial vorhanden, weitere diesbezügliche Plätze würden im privaten Bereich durch die Verlängerung eines Pilotprojekts geschaffen werden. Die Corona-Pandemie und der Angriffskrieg in der Ukraine hätten die Herausforderungen im Bereich der Elementarpädagogik noch verschärft, nicht nur für die Kinder und die Pädagoginnen und Pädagogen, sondern auch für die Träger der Einrichtungen. Corona habe „noch deutlicher“ vor Augen geführt, dass es bei Kindern und Jugendlichen große Probleme im psychischen und psychiatrischen Bereich gebe. In den Schulen habe 2018 das Pilotprojekt „School-Nurse“ begonnen, das als vielversprechendes und innovatives Vorhaben weitergeführt werden könne. „Der Bericht der Anwaltschaft ist sehr ehrlich und schonungslos, die Lektüre der sehr persönlichen Geschichten hat mich sehr betroffen gemacht“, sagte Emmerling in Richtung der Kinder- und Jugendanwaltschaft Wien. 

LAbg. Mag.a Ursula Berner, MA (GRÜNE) bedankte sich ebenfalls und zeigte sich „überwältigt von der Zahl von 1.500 Fällen, die von der Kinder- und Jugendanwaltschaft Wien 2021 behandelt worden sind – „ein Drittel mehr, als im Jahr davor“. Auch Berner beschäftige sich mit dem Phänomen der „Care Leaver“, dass also Kinder und Jugendliche, die einen Teil ihres Lebens in öffentlicher Erziehung etwa in Wohngruppen oder bei Pflegefamilien verbracht haben, mit 18 Jahren diese Einrichtungen verlassen müssen und damit teilweise überfordert seien. „Wien muss hier unbedingt investieren und strukturelle Änderungen einleiten, sonst schaffen wir uns so die Armut von morgen“, verlangte Berner. Betroffen machen würden Übergriffe auf Kinder, die in den letzten Wochen an die Öffentlichkeit gedrungen seien. Es brauche ein „mutiges“ Kinderschutzkonzept mit umfassender Sensibilisierung für die Mitarbeiter*innen und Eltern sowie fixe Anlaufstellen in jeder Institution mit Kontaktadressen für Menschen, die das Bedürfnis nach Hilfe hätten. „Traurig und beschämt“ mache Berner der Punkt im Bericht über die mangelnde personelle Ausstattung von Wohngemeinschaften und Krisenzentren – „die Situation ist schrecklich und kurz vor dem Zusammenbruch“. Die Gruppen seien zu groß, die Altersrange sei zu groß und es würde in den Zentren selbst teilweise weitere Traumatisierungen erfolgen, „indem sich die Jugendlichen gegenseitig in noch mehr Schwierigkeiten bringen“, sagte Berner. (Forts.) nic

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