Qualifizierter Job statt Hilfstätigkeit: Zweistufiges Ausbildungsprogramm für Flüchtlinge in Wien

Geflüchtete Menschen mit einschlägigen fachlichen Qualifikationen werden in Wien mit Mitteln aus dem EU-geförderten Projekt „CORE – Integration im Zentrum“ auf ihrem Ausbildungsweg zur Pflege-, Buchhaltungs- oder Personalverrechnungsfachkraft unterstützt. Gestern erhielten die AbsolventInnen der Buchhaltungs- und Personalverrechnungskurse ihre Abschlusszertifikate. Noch in Ausbildung sind 16 Asylberechtigte für den Beruf PflegeassistentIn. „Mit diesen Bildungsangeboten bauen wir Brücken zwischen geflüchteten Menschen und den nach Fachkräften suchenden österreichischen Unternehmen und Institutionen“, erklärt Ursula Struppe, Leiterin der Abteilung Integration und Diversität der Stadt Wien, die die Abschlusszertifikate an die AbsolventInnen überreichte. 

Zweistufiges Ausbildungsprogramm
Nach einem Bewerbungs- und Auswahlprozess nahmen zwölf Frauen und Männer aus Syrien und dem Iran an dem zweistufigen Ausbildungsprogramm für Buchhaltungs- bzw. Personalverrechnungsfachkräfte teil. In einer ersten Phase besuchten die Asylberechtigten einen Fachsprachenkurs. Die TeilnehmerInnen hatten die Gelegenheit ihre Kenntnisse der deutschen Grammatik im berufssprachlichen Kontext zu verfestigen und eigneten sich den Fachwortschatz sowie die gängigen Ausdrücke des Finanz-, Rechnungs- und Steuerwesens an. In der zweiten Phase absolvierten die Geflüchteten die in Österreich übliche Fachausbildung zur zertifizierten Buchhaltungs- bzw. Personalverrechnungsfachkraft. 

Qualifikationen nutzen
Laut dem Wiener Integrationsmonitor arbeiten mehr als die Hälfte (56 %) der Beschäftigten aus Drittstaaten mit mittlerer und höherer Ausbildung in Hilfs- und Anlerntätigkeiten. „Österreich nutzt die Qualifikationen von zugewanderten Menschen zu wenig. Der Fachkräftemangel wird nicht bekämpft, indem ausgebildete Menschen in niederschwellige Arbeitsangebote vermittelt werden. Wien setzt hier mit verschiedenen Angeboten wichtige Akzente, um das Potential von Flüchtlingen zu nutzen“, sagt Norbert Bichl, Koordinator der österreichischen Anlaufstellen für Personen mit im Ausland erworbenen Qualifikationen (AST). 

Die Fachsprachenkurse werden fortgesetzt. Ab Herbst stehen zwölf Plätze für Asylberechtigte mit einschlägigen Erfahrungen in metallverarbeitenden Berufen zur Verfügung. 

Das Projekt „CORE – Integration im Zentrum“ ist ein Gemeinschaftsprojekt der Stadt Wien ‑ Integration und Diversität, Fonds Soziales Wien, waff (Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds), Wirtschaftsagentur Wien und Bildungsdirektion für Wien/Europa Büro. CORE wird aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung im Rahmen der Urban Innovative Actions Initiative kofinanziert. (Schluss)

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