„Rotes Wien 1919-2019“ – 100 Jahre Avantgarde und Lebensqualität

Was für New York der „Melting Pot“ und Ellis Island sind, ist für Wien die Zeit des „Roten Wien“ – ein Gründungsmythos, der bis heute nachwirkt und die DNA der Stadt prägt – NYC und Wien, beides sind Städte der Möglichkeiten. Wien feiert 100 Jahre „Rotes Wien“ mit Veranstaltungsreihen, Ausstellungen, Specials im „Wien Geschichte Wiki“ und einer eigenen Homepage. Erste Veranstaltungen und Details rund um die Jubiläums-Feiern haben Bürgermeister Michael Ludwig und Landtagspräsident Ernst Woller heute, Dienstag, am Rande einer Pressekonferenz vorgestellt.

„Das ‚Rote Wien‘ ist eine Erfolgsgeschichte, die wir heute fortsetzen“, sagte Bürgermeister Ludwig. „Die Zeit des Roten Wien hat viele positive Errungenschaften gebracht, die Wien zur lebenswertesten Stadt der Welt machen. Dafür ist Wien weltweit bekannt und beneidet.“

„Das ‚Rote Wien‘ ist eine starke Marke, die - wie die ‚Wiener Morderne‘  - international bekannt und anerkannt ist. Das Rote Wien ist kein Museum, sondern die Basis für die großartige Stadt, in der wir heute leben und auf die ihre dynamische Entwicklung aufbaut“, sagt Landtagspräsident Ernst Woller, Koordinator für das Jubiläumsprogramm zu 100 Jahre „Rotes Wien“.

Die Geburtsstunde des „Roten Wien“ ist der 4. Mai 1919. Bei der ersten Landtags- und Gemeinderatswahl nach dem Krieg und dem Ende der Habsburgermonarchie galt jede Stimme gleich viel und auch Frauen waren wahlberechtigt. Bei den ersten allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Wahlen der ersten Republik errang die Sozialdemokratische Arbeiterpartei (SDAP) in Wien die absolute Mehrheit. Bürgermeister Jakob Reumann setzte das Arbeitsprogramm seiner Partei um und schuf „Das Neue Wien“ – wie die Zeitgenossen das „Rote Wien“ nannten. Reumann und sein Nachfolger Karl Seitz errichteten Gemeindebauten, reformierten das Schulsystem, starteten Sozialprogramme, elektrifizierten die Straßenbahn und katapultierten das Habsburger-Wien endgültig in die Moderne. Ein Aufbruch in eine neue Zeit, unterbrochen nur von Faschismus und NS-Terror: Bis auf eine Unterbrechung zwischen 1934 und 1945 stellen Sozialdemokraten den Bürgermeister.

Veranstaltungs-Reigen zum hundertsten Jahrestag der ersten Wien-Wahl

Am 4. und 5. Mai 2019, zum hundertsten Jahrestag der Wahlen, werden wichtige Orte, Infrastruktur-Einrichtungen und Institutionen des Roten Wien gewürdigt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, die ihren Ursprung in der Zeit des „Roten Wien“ haben und die Grundlage für die Lebensqualität in der „lebenswertesten Stadt der Welt“ bilden.

Im Rahmen der Tage des Roten Wien werden interessierte WienerInnen und Gäste der Bundeshauptstadt eingeladen, insgesamt 15 bedeutende Wiener Institutionen, die zum Großteil in der Ära des Roten Wien entstanden sind, zu besuchen und deren Geschichte, aber auch deren gegenwärtige Nutzung kennen zu lernen. An beiden Tagen werden kostenlose Führungen durch die Gebäude angeboten.

Am Montag, dem 6. Mai 2019, wird sich auch eine Wiener Vorlesung dem Thema „100 Jahre Rotes Wien - Die Zukunft einer Geschichte“ widmen, sich mit den Zukunftsprognosen dieser gelebten Utopie befassen und mit der zentralen Frage, was wir uns für ein gemeinsames Morgen wünschen.

Die Veranstaltung findet um 19 Uhr im Festsaal des Wiener Rathauses statt und wird von Bürgermeister Michael Ludwig eröffnet. Zum Geleit spricht Christian Ude, Oberbürgermeister der Stadt München a.D. Beide werden auch am anschließenden Podiumsgespräch teilnehmen.

Im Rahmen dieser Wiener Vorlesung wird auch das Projekt „Red Vienna Sourcebook“ vorgestellt, ein epochales Grundlagenwerk und Quellenbergwerk mit Kommentaren zum Roten Wien für alle Lebensbereiche. Es wird als Einführungsbuch und Standardwerk für den Lehr- und Forschungsbetrieb an internationalen Universitäten dienen, aber ebenso für die interessierte Öffentlichkeit im In- und Ausland nutzbar sein. Das Buch wird rund 800 Seiten umfassen und in Deutsch und Englisch erscheinen.

Weitere Informationen: https://vorlesungen.wien.gv.at/site/100-jahre-rotes-wien/

Special zum „Roten Wien“ im Wien Geschichte Wiki

Das Wiener Stadt- und Landesarchiv (11., Guglgasse 14) beleuchtet nach 100 Jahren dieses kommunalpolitische Experiment im Rahmen eines Themenschwerpunkts. Bis zum 3. September 2019 werden Originaldokumente im Ausstellungsfoyer des Archivs zu sehen sein und mehrere Veranstaltungen abgehalten. Begleitet wird die Schau von einem digitalen Themenschwerpunkt im Wien Geschichte Wiki.

www.wien.gv.at/kultur/archiv/veranstaltungen/roteswien.html

https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/Rotes_Wien

Website 100 Jahre Rotes Wien

Ein eigener Webauftritt informiert über die Aktivitäten und Veranstaltungen des Jubiläumsjahres. In einer Zeitleiste von 1919-1934 werden die wichtigsten Ereignisse und Errungenschaften des „Roten Wien“ dargestellt und auf einer Karte relevante Standorte beschrieben.

Die Seite wird am 15. April 2019 online gehen: http://100jahrerotes.wien.gv.at

(Schluss) red

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