Republiksjubiläum 2018 Wien: 600.000 Euro für „Sollbruchstelle 1918“

Erste acht Jury-Empfehlungen zum Wissenschafts-Call „Republik in Österreich - Demokratie in Wien“ stehen fest.

Anlässlich des 100. Gründungsjahres der Republik Österreich im Jahr 2018, sowie des Jubiläums 100 Jahre demokratisch-republikanisches Wien, veranlasste das Wissenschaftsreferat der Kulturabteilung der Stadt Wien gemeinsam mit der ÖAW (Österreichischen Akademie der Wissenschaften)einen mit insgesamt 600.000,- Euro dotierten Projekt-Call.

„Wir wollen das Jahr 1918 aus dem toten Winkel des kollektiven Gedächtnisses befreien und offenlegen, welche gewaltige, wenngleich gewaltlose Zäsur der Übergang von einem über 600jährigen monarchischen Herrschaftssystem zu einem demokratischen Staat darstellte, dessen Überleben damals die meisten bezweifelten“, erklärt Wissenschaftsstadtrat Andreas Mailath-Pokorny mit Verweis auf den Projektauftrag „Republik in Österreich – Demokratie in Wien“, für den 300.000 Euro bereitstehen. Zusätzlich stellt die Stadt für die Schwerpunktsetzung „100 Jahre Gründung der Ersten Republik“ der ÖAW gleichfalls 300.000,- Euro(im Rahmen des Jubiläumsfonds der Stadt Wien)zur Verfügung. Somit stehen themenspezifischen Forschungsvorhaben insgesamt 600.000,- Euro bereit. Dazu Mailath: „Wir wollen aber auch Kontinuitäten aufspüren, die unter der Sollbruchstelle 1918 weiter verliefen und speziell in Wien bis in das jetzige Jahrhundert unser Dasein, unseren Lebensraum und Lebensgewohnheiten prägen.“

Acht Jury-Empfehlungen für Call „Republik in Österreich – Demokratie in Wien“

Wissenschaftlerinnen, Wissenschaftler und Forschungseinrichtungen aus allen Disziplinen reichten zahlreiche Projekte ein, die die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Entwicklungen der österreichischen Geschichte der letzten 100 Jahre, untersuchen. Die Einreichungen wurden von einer unabhängigen Jury begutachtet, die sich aus internationalen Expertinnen und Experten aus dem Bereich der Forschungs- und Wissensvermittlung zusammensetzte:

• Matti Bunzl, Direktor Wien Museum, Co-Leiter Vienna Humanities Festival
• Sylvia Hahn, Vizerektorin für Internationale Beziehungen und Kommunikation der Universität Salzburg, Historikerin
• Dirk Rupnow, Leiter Institut für Zeitgeschichte der Universität Innsbruck, derzeit Gastprofessor an der Stanford University/ USA
• Clemens Ruthner, Professor für Germanistik am Trinity College, University of Dublin/ Irland, österr. Literaturkritiker, Kulturtheoretiker, Autor und Übersetzer.
• Angelika Fitz, Direktorin des ArchitekurZentrum Wien (AZW)Daniel Löcker, nicht stimmberechtigtes Mitglied der Jury, Betreuung der laufenden Projektausschreibung

Aus insgesamt 62 Einreichungen wählte die Jury acht Forschungsprojekte (max. 50.000,- EUR) und 4 Stipendien (max. 10.000,- EUR) für eine Förderempfehlung aus. Wesentliche Aspekte der Begutachtung durch die Jury, waren neben der Themenrelevanz und der wissenschaftlichen Qualität der eingereichten Forschungsvorhaben, die Herstellung eines Gegenwartbezugs, die Veranschaulichung gesellschaftlicher, historischer Prozesse und der Einbezug eines breiteren Publikums. Die Projekte:

• Bretteldorf Revisited - Informelle Raumproduktion in Wien nach 1918
(Gesellschaft für Sozialgeschichte, Fördersumme: 47.750,- Euro)
Als "Bretteldörfer" wurden in Wien im 20. Jahrhundert umgangssprachlich Behelfs- und Elendssiedlungen am Stadtrand bezeichnet. „Bretteldorf Revisited“ stellt eine sozialhistorische Recherche und die Vermittlung dieses städtebaulich und sozialgeschichtlich relevanten Themas durch ein Symposium, Filmvorführungen sowie Stadtspaziergänge für eine breitere Öffentlichkeit.

• Meine Mama war Widerstandskämpferin
(Institut für Konfliktforschung, Fördersumme: 42.000,- Euro)
Anhand der Lebensgeschichten dreier Widerstandkämpferinnen in der Zeit des Austrofaschismus und Nationalsozialismus wird der Rolle von Frauen in Widerstandsnetzwerken nachgegangen sowie die Tradierung der Widerstandstätigkeit an die Kindergeneration untersucht.

• Haben Sie diese Plätze schon gesehen?
(MVD Austria - Verein zur Förderung von Kunst, Architektur, Musik und Film, Fördersumme: 48.000,- Euro)
Ziel dieses Forschungsvorhabens ist die Dokumentation von zeitgeschichtlich relevanten Orten in Wien im 20. Jahrhundert sowie deren Sichtbarmachung durch künstlerische Interventionen im öffentlichen Raum.

• Literarisch-wissenschaftliche Workshopreihe und Sammelband anlässlich 100 Jahre Frauenwahlrecht (1918-2018)
(textfeld südost, Fördersumme: 10.500,00)
Aus Anlass des 100-jährigen Jubiläums der Einführung des Frauenwahlrechts in Österreich werden 18 Schriftstellerinnen, Historikerinnen, Politologinnen und Journalistinnen eingeladen, sich durch eigene Beiträge mit diesem Thema zu beschäftigen. Die öffentlich zugänglichen Workshops münden in eine Publikation.

• 1918 / 1938 / 2018 : Widerstandsmomente Mobile-First-Webseite für Jugendliche
(Verein zur Förderung kommunikativer Eingriffe, Fördersumme: 34.000,- Euro)
Das Projekt besteht in der Realisierung eines Dokumentarfilms und einer Website für Jugendliche über Frauen und Mädchen und ihren Beitrag zu Demokratie und Menschenrechten in Vergangenheit und Gegenwart.

• Die audiovisuellen Echos des Jahres 1918 in Wien und Prag
(Technisches Museum Wien mit Österreichischer Mediathek, Fördersumme: 47.600,- Euro)
Ziel des Forschungsvorhabens ist es, die Geschichte der Zäsur 1918 und ihrer Neuinterpretation im Laufe des 20. Jahrhunderts in den Nachbarländern Tschechien und Österreich zu veranschaulichen. Dabei werden audiovisuelle Quellen der österreichischen Mediathek und des tschechischen Rundfunks genutzt.

• Blackening Vienna. Aspekte afrikanischer Präsenz in Wien seit 1918
(Elfriede Pekny-Gesellschaft. Verein zur Förderung von Southern African Studies in Österreich, Fördersumme: 10.000,- Euro)
Das Forschungsprojekt untersucht die Rolle von Menschen mit afrikanischer, afro-amerikanischer und afro-karibischer Herkunft in Wien seit 1918. Konkret untersucht und in Lehrerseminaren vermittelt wird, deren Beitrag zum Entstehen einer multikulturellen Gesellschaft sowie die Möglichkeiten, die ihnen im Rahmen einer demokratischen Gesellschaft geboten werden.

• Wien nach 1918: Ein kulturelles Laboratorium der Moderne
(aka Arbeitskreis für Kulturanalyse, Fördersumme: 20.000,- Euro)
Das Forschungsprojekt im Bereich der "Cultural Studies" macht die kulturelle Bedeutung der Ersten Republik und deren Leistungen anschaulich und unternimmt damit den Versuch, eine Lücke in der öffentlichen Wahrnehmung zu schließen.

Forschungsstipendien à 10.000,- EUR gingen an:

• Dr. Tamara Ehs, Projekt „Protest und Partizipation. 100 Jahre Demokratie in Wien“
• Dr. Berthold Molden, 100 Jahre Immigration, Emigration, Remigration in Wien. Drei transnationale Familiengeschichten und ihre exemplarischen Beiträge zum Kultur-, Wirtschafts- und Wissenschaftsstandort Wien
• Mag. Alexander Emanuely, Entwicklung der republikanischen Idee in der Wiener ;Moderne
• Dr. Anton Holzer, Demokratie in Bildern. Wien 1918/19: gesellschaftspolitische Umbrüche in fotografischen Dokumenten

Die Auswahl der Projekte für den Call des Jubiläumsfonds der Stadt Wien für die ÖAW „100 Jahre Gründung der Ersten Republik“ erfolgt in den kommenden Wochen und wird Ende November unter Patronanz von Univ.-Prof. Dr. Anton Zeilinger (ÖAW) bekanntgegeben.

Sämtliche Forschungsprojekte zeichnen sich durch innovative Perspektiven bzw. neuartige Aufarbeitungsstrategien aus. Mit ihrer Umsetzung soll die Relevanz wissenschaftlicher Forschung für die Stadt Wien und ihre Bevölkerung dokumentiert und gefördert werden. Erste Resultate der Projekte sind Mitte des Jahres 2018 zu erwarten.

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