Archivmeldung der Rathauskorrespondenz vom 16.11.2006:
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Brauner: Help U-Initiative am Karlsplatz hat sich bewährt

Brauner: Help U-Initiative am Karlsplatz hat sich bewährt

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Wien (RK). Das Pilotprojekt Help U für ein konfliktfreies Miteinander und mehr Sicherheit am Karlsplatz, dem größten Bahnhof Österreichs, hat sich im Laufe des vergangenen Jahres bewährt und wird daher zu einer fixen Einrichtung. Das bestätigten heute, Donnerstag, die Wiener Gesundheits- und Sozialstadträtin Mag.a ...

Wien (RK). Das Pilotprojekt Help U für ein konfliktfreies Miteinander und mehr Sicherheit am Karlsplatz, dem größten Bahnhof Österreichs, hat sich im Laufe des vergangenen Jahres bewährt und wird daher zu einer fixen Einrichtung. Das bestätigten heute, Donnerstag, die Wiener Gesundheits- und Sozialstadträtin Mag.a Renate Brauner, der Wiener Drogenkoordinator Michael Dressel und Wiener Linien- Geschäftsführer Dr. Michael Lichtenegger gegenüber MedienvertreterInnen. Sie zogen insgesamt eine positive Ein- Jahres-Bilanz des Projekts. Darüber hinaus wurde der Wiener Drogenbericht 2003 - 2005 präsentiert sowie die neue Beratungsstelle von Streetwork in der Westpassage am Karlsplatz eröffnet.****

Help U-Team weiter aktiv

Das auf Initiative der Stadt Wien gemeinsam mit den Wiener Linien und der Sucht- und Drogenkoordination Wien im September 2005 gegründete Projekt mit neun eigens geschulten MitarbeiterInnen hat sich bewährt und als erfolgreich herausgestellt.

"Das seit mehr als einem Jahr im Einsatz stehende Team von Help U wird weiterhin am Karlsplatz präsent sein. Die Evaluierung hat gezeigt, dass es sich um ein Projekt handelt, von dem Anrainer, Kunden, PassantInnen und Geschäftsleute profitieren. Wir haben damit im vergangenen Jahr einen neuen Weg für ein konfliktfreies Miteinander am Karlsplatz eingeschlagen und dieser Weg ist voll aufgegangen", so Brauner. "Große Bahnhöfe wie der Karlsplatz sind immer auch soziale Brennpunkte. Die Stadt Wien hat sich diesem Problem angenommen und eine Reihe von Maßnahmen gesetzt. Die Situation am Karlsplatz ist dadurch objektiv besser geworden. Die Zusammenarbeit zwischen Stadt Wien, Polizei, Wiener Linien, Help U und den Sozialarbeitern von Streetwork funktioniert ausgezeichnet."

Die Help U-MitarbeiterInnen mit ihrer gut sichtbaren orangen Dienstkleidung sind ein fixer Bestandteil des Karlsplatzes geworden. Mit Kommunikation, Konfliktlösung und Prävention sind sie für alle Personengruppen am Karlsplatz AnsprechpartnerInnen: für PassantInnen, Fahrgäste, TouristInnen, SchülerInnen ebenso wie für sozial desintegrierte Menschen oder die ansässigen Geschäftsleute. Help U zeichnet sich auch durch eine intensive Vernetzung mit der Polizei und anderen bereits vor Ort tätigen Einrichtungen aus.

Das umfangreiche Aufgabengebiet von Help U umfasst einerseits das Kommunizieren von angemessenem Verhalten im öffentlichen Raum und Informationen über Hilfsangebote für sozial desintegrierte Personen, die Unterstützung der Geschäftsleute bei Problemen, die durch die Drogen- und Alkoholszene entstehen, andererseits aber auch Fahrgastinformationen. Pro Monat werden mehr als 2.300 Ereignisse von Help U dokumentiert. Der Bogen der Tätigkeit spannt sich dabei von Notfällen über Konflikte und Störungen bis zur Informationsweitergabe.

"Angst- und Unsicherheitsgefühlen, die in großen Stationen mit einem gewissen Bahnhofsfeeling entstehen können, obwohl es objektiv betrachtet keinen Anlass dazu gibt", so Dr. Michael Lichtenegger, Geschäftsführer der Wiener Linien, "kann man am wirkungsvollsten durch die erhöhte Präsenz von engagierten und gut ausgebildeten Mitarbeitern entgegentreten."

Die Gesamtkosten des Pilotprojektes betragen rund 480.000 Euro pro Jahr, welche zu gleichen Teilen von den Wiener Linien und der Sucht- und Drogenkoordination Wien getragen werden.

Help U-Evaluierung: Großteil der Befragten bewertet Help U positiv

Das gesetzte Ziel von Help U, die objektive Sicherheit und das subjektive Sicherheitsgefühl aller NutzerInnen des sozialen Brennpunktes Karlsplatz zu erhöhen, konnte zu einem großen Teil erreicht werden, wie die Projektevaluierung bestätigt. "Durch den Dialog aber auch durch direkte Intervention bei den sozial desintegrierten Personen wird störendes Verhalten reduziert und folglich das Miteinander verbessert. Das Team versteht sich auch als Kommunikationsdrehscheibe zwischen den Dialoggruppen und wird auch als solche wahrgenommen", so MA Michael Dressel, Drogenkoordinator der Stadt Wien.

Die Befragung zur Evaluierung wurde mit 104 Personen geführt, die am Karlsplatz arbeiten, diesen frequentieren oder sich dort aufhalten, also zum Beispiel Geschäftsleute, PassantInnen, aber auch Drogen- und AlkoholkonsumentInnen. Die Aussagen zur Einschätzung der Zielerreichung weisen auf eine erfolgreiche Etablierung des Teams hin.

Der hohe Bekanntheitsgrad des Help U-Teams ist eine wesentliche Voraussetzung für das Funktionieren des Projekts und ist nachweislich gegeben. Der Großteil der befragten Geschäftsleute bewertet das Projekt ausdrücklich positiv, lediglich ein Viertel meint, es sei keine Verbesserung spürbar. Die befragten PassantInnen - täglich frequentieren mehr als 200.000 Personen den Karlsplatz - fühlen sich grundsätzlich dort sicher, der Anblick von Randgruppen sei aber vielen unangenehm.

Alle GesprächspartnerInnen aus den Bildungs- und Kultureinrichtungen, wie zum Beispiel die Evangelische Schule oder das Künstlerhaus, sowie aus Politik (politische VertreterInnen auf Bezirksebene) und Verwaltung (Bürgerdienst, Stadtgartenamt, MA 48) äußern sich positiv über die Zusammenarbeit mit den Help U- MitarbeiterInnen und konnten Verbesserungen am Karlsplatz beobachten. Auch die Polizei bewertet die Zusammenarbeit mit Help U als besonders gut.

Den Suchtkranken am Karlsplatz ist das Team weitgehend bekannt. Viele der befragten Personen stehen im Gesprächskontakt mit dem Team und äußern sich positiv über dessen Unterstützung, was für das Help U-Ziel der möglichst frühen Konfliktvermeidung eine wichtige Voraussetzung ist.

Verbesserungspotential aufgezeigt

Die Evaluierung hat aber auch Verbesserungspotential aufgezeigt. So soll die direkte Kommunikation mit den Geschäftsleuten, umliegenden Institutionen und den BezirkspolitikerInnen verstärkt werden. Von den Befragten wird auch eine verstärkte Eigeninitiative des Help U-Teams gewünscht. Beide Verbesserungsvorschläge werden von der Projektleitung aufgegriffen und nach Möglichkeit auch umgesetzt.

Wiener Drogenbericht 2003 - 2005 erschienen

Der Wiener Drogenbericht gibt einen breiten Überblick über die Leistungen der Drogenkoordination und ihrer Partner in den vergangenen drei Jahren. Die Schwerpunkte der Wiener Drogenpolitik lag in den Jahren 2003 bis 2005 in den Bereichen Suchtprävention, Straßenszene und Jugendliche.

In der Suchtprävention setzt die Stadt Wien seit 2003 verstärkt auf die Ausbildung von für Kinder und Jugendliche wichtige Bezugspersonen: Eltern, LehrerInnen und JugendarbeiterInnen. Dieser Ansatz geht davon aus, dass Suchtprävention nur dann nachhaltig sein kann, wenn sie dauerhaft in verschiedensten pädagogischen und sozialen Arbeitsfeldern bereits verankert ist und von den dort tätigen Berufsgruppen kontinuierlich angewandt wird. So wurden zum Beispiel 400 LehrerInnen in 99 Volksschulen zur Durchführung des Projektes "Eigenständig werden" ausgebildet. Dieses Projekt wird fortgesetzt.

Gerade im Bereich der Straßenszene ist es in den Jahren 2003 bis 2005 zu einer deutlichen Ausweitung der Hilfsangebote gekommen. Ein Beispiel dafür ist die systematische Arbeit mit auffälligen sozialen Gruppen an städtischen "Brennpunkten" durch Einrichtungen wie zum Beispiel aXXept (Punks), Help U (Karlsplatz) oder a_way, die Jugendnotschlafstelle am Westbahnhof, ein gemeinsames Projekt mit der MA 11, das von der Caritas betrieben wird.

Seit 2005 stehen in der neu eröffneten Einrichtung "Dialog 10" 700 neue Betreuungsplätze speziell für suchtkranke Jugendliche zur Verfügung. Das bedeutet 6.500 zusätzliche medizinische und 5.500 psychosoziale Leistungen pro Jahr.

Brauner: "Mir persönlich ist die Arbeit mit Jugendlichen ein wichtiges Anliegen. Wenn es gelingt, Jugendliche rechtzeitig in Beratung und Betreuung zu bringen, dann steht die Chance gut, dass sie nicht den Weg gehen, der in die Abhängigkeit führt. Daher setzten wir auf Prävention auch schon im Kindesalter sowie Hilfe für Suchtkranke und deren Angehörige. Der Ausbau bestehender und bei Bedarf auch die Schaffung neuer Angebote werden weiterhin fortgesetzt."

Neuer Streetwork-Stützpunkt eröffnet

Der Standort der neuen Beratungsstelle von Streetwork am Karlsplatz ist in der Westpassage (Lokal 34), die demnächst eröffnet wird. Die neue Beratungsstelle für Suchtkranke am Karlsplatz ist täglich in der Zeit von 10:00 - 18:30 Uhr geöffnet. Auf den rund 220 m2 des Streetwork-Stützpunktes sind insgesamt 14 MitarbeiterInnen tätig. Im Durchschnitt werden die sozialen Serviceleistungen etwa 360 mal pro Tag in Anspruch genommen. Täglich werden ca. 2.500 gebrauchte Spritzen gegen neue, steril verpackte getauscht. Im Stützpunkt werden viele Informationsgespräche bezüglich sozialer und gesundheitlicher Belange geführt. Hauptziele sind zum einen Risiko- und Schadensminimierung, wie die Verhinderung von Begleitkrankheiten durch die Suchtkrankheit, zum anderen die Förderung der Veränderungsbereitschaft hin zu einem Leben ohne Drogen.

In speziellen Gruppenveranstaltungen werden den Suchtkranken Möglichkeiten und Wege aufgezeigt, wie Infektionen mit dem HI- sowie Hepatitisvirus vermieden werden können, sowie welche Therapiemöglichkeiten als Ausweg aus der Drogensucht zur Verfügung stehen. Im Erste Hilfe-Raum der Drogenberatungsstelle werden hochdosierte Menschen fachgerecht bis zum Eintreffen des Notarztteams versorgt. Ergänzend zur Arbeit am Stützpunkt sind SozialarbeiterInnen am Karlsplatz unterwegs und nehmen aktiv Kontakt mit den Suchtkranken auf.

"Die von der Stadt Wien gesetzten Maßnahmen am Karlsplatz haben zwar unterschiedliche Schwerpunkte, sie zielen aber alle darauf ab, ein konfliktfreies Miteinander zu erreichen und sowohl die objektive Sicherheit als auch das subjektive Sicherheitsgefühl der Wienerinnen und Wiener zu erhöhen", so Brauner abschließend.

rk-Fotoservice: www.wien.gv.at/

(Schluss) hir

  • Rückfragehinweis:
    Mag. Stefan Hirsch
    Mediensprecher Stadträtin Mag.a Renate Brauner
    Tel.: 4000/81 231
    Mobil: 0664/431 10 13
    E-Mail: hir@ggs.magwien.gv.at
    Dr. Gerhard Klein
    Sucht- und Drogenkoordination Wien GmbH
    Tel.: 4000/ 87 376
    E-Mail: gerhard.klein@sd-wien.at

(RK vom 16.11.2006)