Regierungsübereinkommen 2015 - Wien hat Kultur: für alle, mit allen

Cultural Guidelines

  • Für eine starke öffentliche Kulturfinanzierung. An Kunst und Kultur besteht öffentliches Interesse. Sie sind daher nicht dem Marktmechanismus, sondern Qualitätskriterien verpflichtet.
  • Für die Freiheit der Kunst. Wien steht für die Freiheit des künstlerischen Ausdrucks als Basis einer freien Gesellschaft. Kulturpolitik distanziert sich von jeder ästhetischen oder inhaltlichen Normierung in der Kunst.
  • Für eine Kulturpolitik der Gerechtigkeit. Die Stadt hat offene, für alle zugängliche, inklusive Kulturräume und -angebote.
  • Für Gender- und Migrant-Mainstreaming. Bei entscheidenden Gremien (Jurys, Kuratorien, Aufsichtsräte, Findungskommissionen und Leitungsorgane) wird Geschlechtergerechtigkeit und eine der Diversität Wiens entsprechende Vertretung angestrebt.
  • Für eine zeitgenössische, lokale Moderne. Ja zu Internationalität. Nein zu globalisierter Monokultur. Die Weltkulturstadt Wien bleibt unverwechselbar. Das Neue vor Ort wird gefördert.
  • Für ein mutiges Stadtbild. Wien braucht Kulturbauten, die die Stadt als Kulturstadt des 21. Jahrhunderts definieren. Kulturelle Entwicklung ist fixer Bestandteil der Stadtentwicklung und -erweiterung.
  • Für eine Kultur der Kooperation. Wien fördert die Zusammenarbeit, Vernetzung und kreative Konfrontation. Ein Netz von Kulturpartnerschaften verbindet die wachsende Stadt. Die Infrastrukturen und das Wissen großer geförderter Kulturinstitutionen stehen auch kleinen Initiativen zur Verfügung.
  • Für Freiräume in der Stadt. Kreativität braucht Raum, in dem Neues entstehen kann. Wien bietet vielfältige Orte, an denen die Gesellschaft mitgestaltet werden kann. Nicht profitorientierte Aktivitäten haben ausreichend Platz in der Stadt.
  • Für eine Kultur der Partizipation. Alle Menschen können und sollen am kulturellen Leben in Wien teilhaben.
  • Für die Vermittlung von kultureller Kompetenz. Wien nimmt den kulturellen Bildungsauftrag ernst. Vom Kindergarten bis ins Alter.
  • Für eine Kultur der Inklusion. Kunst und Kultur fördern in einer vielfältigen Gesellschaft deren Zusammenhalt. Kleine wie große Institutionen sind Orte des niederschwelligen gesellschaftlichen Austausches.
  • Für eine aktivierende Kulturpolitik. Gesellschaften werden von Konflikten und Bruchlinien durchzogen. Kulturpolitik muss diese thematisieren und sich für eine soziale und liberale Stadt einsetzen.

Wien wächst. Die Kultur wächst mit.

Kulturelle Entwicklung einer wachsenden Stadt.

Wien ist die am schnellsten wachsende Metropole Europas. Im Schnitt wächst die EinwohnerInnenzahl jährlich um rund 30.000 Menschen aus dem In- und Ausland. Wien wird gleichzeitig älter, aber auch jünger und vielfältiger. Außerdem ist zu erwarten, dass auch in den kommenden Jahren eine große Zahl an Menschen vor Krieg und Elend flüchtet und hier Schutz suchen wird.

Das sind große Herausforderungen, denen sich die Stadt in den nächsten Jahren stellen muss: Es gilt, auf diese demografische Entwicklung vorbereitet zu sein. Nicht nur durch den Ausbau von Infrastruktur (wie Wohnungen, Schulen, Kindergärten), sondern auch durch die Bereitstellung eines breiten Kulturangebots. Hier muss eine aktive Kulturpolitik ansetzen.

Daher vereinbaren wir:

  • Kultur und Stadtentwicklung: Kultur ist ein unverzichtbarer Teil der Stadtentwicklung und wird als Bestandteil großer Bauvorhaben und Planungsprozesse in der Stadt, etwa bei der Erstellung des Stadtentwicklungsplans, von Beginn an mitgedacht und auch verankert.
  • Kultur für neue Stadtteile: Neue Stadtteile brauchen auch kulturelle Treffpunkte und Orte des kulturellen Austausches. Daher sollen in jedem Stadterweiterungsgebiet Kultureinrichtungen etabliert werden, die für alle zugänglich sind.
  • Lokale Vernetzung: In Bezirken mit geringem kulturellen Angebot werden der Ausbau bestehender kultureller Infrastruktur vorangetrieben, lokale Initiativen sichtbar gemacht und vernetzt und allen Menschen die Teilhabe am Kulturleben ermöglicht. Ziel ist die Sicherstellung der kulturellen Grundversorgung sowie die Förderung interkultureller Angebote unter Einbeziehung bestehender Initiativen und städtischer/kultureller Infrastruktur wie Volkshochschulen, Büchereien, Bezirksmuseen, Häuser der Begegnung, Märkte und so weiter. Bestehende Kulturangebote in den Außenbezirken werden verstärkt gefördert, sichtbar gemacht, vernetzt und - wo möglich - auch neu geschaffen.
  • Kulturelle Nahversorgung: Im Zuge eines breiten Diskussions- und Dialogprozesses wird kontinuierlich an der Verbesserung der kulturellen Infrastruktur und dem Angebot für die wachsende Stadt und ihre BewohnerInnen gearbeitet. Als Basis dafür entwickelt eine Task Force aus Kultur- und StadtentwicklungsexpertInnen konzeptionelle Empfehlungen. Teile dieses Prozesses sind unter anderem eine Bestandsaufnahme der kulturellen Landschaft in den jeweiligen Stadtentwicklungsgebieten, die aktive Vernetzung mit den Bezirken - sowohl auf politischer Ebene, als auch mit den dort tätigen Kreativen und lokalen Institutionen - sowie die Unterstützung von Partnerschaften zwischen vorhandenen Initiativen.
  • Neue Kulturpartnerschaften: In den nächsten Jahren werden vermehrt Projektpartnerschaften zwischen Kulturinstitutionen der inneren Bezirke und der Außenbezirke eingeleitet. In dezentralen Pilotprojekten werden Best-Practice-Modelle partizipativer und interaktiver Neugestaltung bestehender Infrastrukturen erprobt. Nach dem Vorbild der Brunnenpassage werden nach einer öffentlichen Ausschreibung soziokulturelle Einrichtungen in dezentralen Bezirken geschaffen.
  • Bezirksmuseen reloaded: Bezirksmuseen verfügen über ein Potenzial für Kreative und ihre Kunst, das derzeit zu wenig ausgeschöpft wird. Eine zentrale Stelle kümmert sich um die Zusammenarbeit der Bezirksmuseen mit Kreativen und Initiativen.
  • Die Stadtteil- und Interkulturförderung soll evaluiert und an die genannten Ziele angepasst werden.

Kultur mit allen.

Teilhabe. Dialog. Vermittlung.

Wien verfügt über ein einzigartiges und reichhaltiges Kulturangebot. Dieses wird aus öffentlichen Mitteln finanziert. Daher sollen auch alle WienerInnen die Möglichkeit haben, das kulturelle Angebot zu nutzen und mitzugestalten. Der niederschwellige Zugang zu Kunst und Kultur und die Möglichkeit zur Teilhabe am kulturellen Leben in der Stadt sind Kernelemente der Wiener Kulturpolitik für eine wachsende Stadt.

Daher vereinbaren wir:

  • Bestehendes Angebot stärker kommunizieren: Durch kostenlose Veranstaltungen und Vermittlungsinitiativen konnten in den letzten Jahren mehr Menschen am kulturellen Leben teilhaben. Hier gilt es, die vorhandenen Angebote noch stärker und zielgruppenorientierter zu kommunizieren (Eltern, LehrerInnen, Sozialeinrichtungen).
  • Volkshochschulen, Büchereien, Bezirksmuseen und Häuser der Begegnung bieten allgemein zugängliche und zum Teil kostenlose Kultur- und Bildungsangebote. Die aktive Pflege solcher dezentraler Kultur- und Bildungseinrichtungen ist eines der Erfolgsmodelle des Roten Wien der Zwischenkriegszeit. Durch die Schaffung (inter)kultureller, gemeinwesenorientierter Identifikationsangebote sollen durch Herkunft und soziales Milieu bedingte Grenzen und Barrieren aktiv abgebaut werden.
  • Durch professionelle Begleitung und verstärkte Förderung, Vernetzung und Öffentlichkeitsarbeit sollen diese Angebote aufgewertet und als Veranstaltungsorte für freie Gruppen, Initiativen und Diskursformate zur Verfügung gestellt werden.
  • Freiräume schaffen: Der öffentliche Raum wird mit zeitgenössischer Kunst und Kultur aufgeladen: Gratiskonzerte, Lesungen, Performances vor Einkaufszentren, in Parks, am Hauptbahnhof. Damit erreicht man auch weniger kulturaffine Menschen.
  • Straßenkunst fördern: Zur kulturellen Attraktivität Wiens tragen auch die Straßenkunst, Akrobatik und Clownerie bei, denen mit Offenheit und einer Willkommenshaltung begegnet wird.
  • Kulturelle Belebung von Märkten: Märkte und Markthallen als dezentrale Begegnungszonen können auch kulturell genutzt und aufgewertet werden, etwa durch die Nutzung von Marktständen und Freiflächen durch lokale Initiativen.
  • Altersgerechte Kulturangebote: Wien boomt und wächst. Auch für ältere Menschen muss es möglich sein, das reichhaltige Kunst- und Kulturangebot der Stadt zu genießen. Die Stadt Wien fördert altersgerechte Kulturangebote.
  • Publikumserschließung: Geförderte Projekte und Einrichtungen entwickeln Programme, um neue Schichten anzusprechen. Jede/r Wiener SchülerIn, unabhängig von Herkunft und sozialem Status, hat die Möglichkeit, selbst künstlerisch tätig zu werden und die kulturellen Angebote der Stadt kostengünstig zu nutzen. Die kulturelle Teilhabe von Kindern und Jugendlichen wird aktiv unterstützt.
  • Zugang durch Digitalisierung: Das Kulturverhalten hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Kulturelle Rezeption und Produktion finden heute auch auf digitalen Plattformen statt. Das Internet ist dabei ein großes Zugangsportal zur Kultur und soll - im Sinne einer erweiterten und veränderten Teilhabe - noch besser genutzt werden. Maßnahmen der Kulturinstitutionen zur Digitalisierung ihrer Angebote und Inhalte werden vorangetrieben.

Wiens Positionierung als Kulturstadt.

Hochwertig und International.

Wien gilt weltweit als Kulturmetropole. Die Stadt bezieht ihre hohe Attraktivität für BewohnerInnen und Gäste zu einem guten Teil aus dem kulturellen Umfeld. Wien hat hervorragende Kulturangebote als Lebensgrundlage, als Ausdruck der Urbanität und als Wirtschaftsfaktor. Um den internationalen Ruf Wiens als Weltkulturstadt auch für die Zukunft sicherzustellen und auszubauen, braucht es neben der Pflege hochqualitativer bestehender Angebote die aktive Unterstützung neuer künstlerischer Ideen, Formate und Initiativen.

  • Vielfalt und Breite: Wien bietet ein breites Spektrum an kulturellem Angebot. Die Stadt bekennt sich zur Förderung innovativer Ansätze ebenso wie etablierter Kunstformen. In Wien haben Hoch-, Populär- und Subkultur gleichberechtigt Platz.
  • Filmstadt Wien: Wien hat durch seine differenzierte Filmförderung maßgeblich dazu beigetragen, dass der österreichische Film international wahrgenommen wird. Auch als Drehort wird Wien für internationale Filmfirmen immer attraktiver. Diese Positionierung bringt große wirtschaftliche und standortpolitische Erträge und muss weiter gestärkt werden.
  • Internationale Musikstadt: Wien ist auf der ganzen Welt für seine klassische Musik bekannt. Diese Marke gilt es auch im Bereich der zeitgenössischen Musik zu festigen. Darüber hinaus braucht es eine gezielte Förderung innovativer Musikproduktionen aus Wien.
  • Bildende Kunst: Die aktuelle Ankaufspolitik der Stadt Wien wird auf skulpturale Kunst im öffentlichen Raum ausgeweitet. Kunst im öffentlichen Raum erhält die Aufgabe, zusätzliche temporäre Flächen/Räume (Pop-ups) vor allem für junge Kunst zu schaffen. Die Agentur für Zwischennutzung vermittelt günstige Räume als temporäre Ateliers.
  • Inklusion und Diversität: Wien als Zuwanderungsstadt begreift kulturelle Vielfalt als Reichtum und versteht Kunst und Kultur auch als einen Weg der Inklusion weniger privilegierter Gruppen und eines emanzipatorischen, kritischen und aktivistischen Umgangs mit aktuellen gesellschaftlichen Fragen.
  • Digital Footprint: Der digitale Fußabdruck Wiens entspricht nicht seiner tatsächlichen Bedeutung in kultureller Hinsicht. So wie Wien eine kulturelle Metropole von Weltrang ist, muss sie auch zu einem Hot Spot auf der digitalen Weltkarte werden.
  • Auslandskultur: Die Auslandskulturaktivitäten des Bundes und der Stadt Wien sollen gebündelt werden. Dadurch können Synergien genutzt sowie Präsenz, Frequenz und Glaubwürdigkeit im Außenauftritt Österreichs erhöht werden.
  • Erinnerungskultur. Die Stadt Wien legt Wert auf eine bewusste und offene Auseinandersetzung und einen differenzierten Umgang mit ihrer Vergangenheit. Sie bekennt sich klar zum antifaschistischen "Niemals vergessen". In Erinnerung an die Opfer und Verfolgten, als Mahnung und zur politischen Aufklärung unterstützt beziehungsweise trägt sie Veranstaltungen zu wesentlichen historischen Daten, wie beispielsweise dem "Fest der Freude" am 8. Mai. Der Zugang zu den so wichtigen Orten der Erinnerung in Wien wird durch zeitgemäße und aktive Vermittlungsarbeit erleichtert und durch multimediale Instrumente unterstützt. Geplante Projekte werden verwirklicht.

Das Potenzial der kulturellen Verdichtung.

Synergien nützen. Strukturen ordnen. Netzwerke knüpfen.

Wien verfügt über eine reiche kulturelle Infrastruktur und ein dichtes und vielfältiges Kulturangebot. In den kommenden Jahren soll daher der Fokus stärker auf Verdichtung und bessere Nutzung vorhandener Ressourcen in allen Bereichen der Kunst und Kultur gerichtet werden. Parallelstrukturen und Doppelungen sind auf ihr Synergie-Potenzial hin zu untersuchen. Durch eine effizientere Nutzung bestehender Strukturen kann ein noch größerer Teil der Förderungen in die direkte Kunstarbeit fließen.

Daher vereinbaren wir:

  • Kooperative Nutzung künstlerischer Infrastruktur: Bühnen, Probebühnen und Proberäume, technisches Equipment oder auch Kostüme vor allem großer Kulturinstitutionen sollen nach Maßgabe der Möglichkeiten zum Selbstkostenpreis kleineren Gruppen und Kulturschaffenden zur Verfügung gestellt werden. Dafür werden die strukturellen und organisatorischen Rahmenbedingungen entwickelt.

Zeitgemäße Infrastruktur und Finanzierung.

Bauen. Sanieren. Investieren.

Eine Kulturstadt von Weltrang braucht eine zeitgemäße und funktionierende Infrastruktur für Kultur. Wien verfügt über einen Reichtum an kultureller Infrastruktur mit vielen baulich und architektonisch bedeutsamen Kulturhäusern. Die Herausforderung besteht darin, dieses einzigartige kulturelle Erbe zu erhalten und weiterzuentwickeln sowie neue architektonische Akzente zu setzen.

Daher vereinbaren wir:

  • Öffentliche Kulturfinanzierung: Die Kulturpolitik der Stadt Wien bekennt sich zu einer öffentlichen Kultur, die nicht dem Markt und Quotendenken, sondern der Qualität, der Innovation und dem Dialog verpflichtet ist. Private Mittel sind ein erwünschter Beitrag zur öffentlichen Finanzierung. Zuwendungen für Kunst und Kultur sollen steuerlich absetzbar sein.
  • EU-Kofinanzierung: Die Stadt Wien unterstützt Kofinanzierungen für EU-Projekte, die im Rahmen von "Creative Europe" gefördert werden. Damit werden die administrativen Kosten für bereits zugesagte Projekte gesenkt und der Fördereffekt europäischer Gelder erhöht.
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