Regierungsübereinkommen 2015 - Wien hat Chancen: Jobs mit Zukunft, Wirtschaft mit Verantwortung

"Sichere Arbeitsplätze trotz anhaltender Wirtschaftskrise"

Wien steht heute vor großen Herausforderungen: Gestiegene Arbeitslosigkeit, stagnierendes Wirtschaftswachstum und höhere Finanzierungs-anforderungen. Die anhaltende, weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise ist noch nicht vorbei und führt zu angespannten öffentlichen Haushalten. Auch die digitale Revolution bringt traditionelle Geschäftsmodelle immer mehr unter Druck und zerreißt alte Wertschöpfungsketten. Und Wien wächst und wird wieder eine Zwei-Millionen-Stadt! Dies bedeutet auch, dass weitere Investitionen notwendig sind, um die hohe Lebensqualität dieser Stadt zu erhalten und auszubauen. Das starke Bevölkerungswachstum erfordert große Investitionsanstrengungen in Infrastruktur, Wohnen, Beschäftigung, Gesundheit und Bildung. Wien setzt sich zum Ziel, Arbeitslosigkeit zu senken, Arbeitsplätze zu sichern und für qualitatives Beschäftigungswachstum zu sorgen.

Investieren in die Zukunft

Wir nutzen alle Möglichkeiten der Stadt Wien, als Kommune zusätzliche Arbeitsplätze zu schaffen.

Daher vereinbaren wir:

  • Direkte Wirtschaftsförderungen und indirekte Unterstützungen in Form von Investitionen und Aufträgen werden bestmöglich eingesetzt.
  • Zusätzlich werden durch Strukturreformen aus dem laufenden Betrieb frei werdende Mittel der Stadtverwaltung für nachfragewirksame Investitionen genutzt.
  • Wir werden zusätzliche Investitionen vor allem in Wohnen, Kindergärten und Schulen, in Gesundheit und Soziales ebenso wie in ökologische Mobilität, Umwelt- und Klimaschutz sowie erneuerbare Energien vornehmen, denn die Infrastruktur der Stadt muss mit der Bevölkerung "mitwachsen". Das rechnet sich doppelt: Durch Investitionen wird die Konjunktur gestützt und zugleich werden nachhaltige Werte für künftige Generationen geschaffen.
  • Wien wird sich auch weiterhin für eine "Golden Rule" einsetzen, also für eine Ausnahme von Investitionen aus den Verschuldungskriterien, um hier den nötigen Spielraum zu erhalten.

Lokale, soziale und ökologische Auftragsvergabe

Aufgrund von nachfragewirksamen und direkten Investitionen in Milliardenhöhe sichert die Stadt Wien jährlich zigtausende Arbeitsplätze.

Daher vereinbaren wir:

  • Eine stärkere Berücksichtigung der Wiener Wirtschaftsbetriebe kann dafür sorgen, dass wesentlich mehr Arbeits- und Ausbildungsplätze gesichert beziehungsweise geschaffen werden.
  • Die Vergabekriterien der Stadt Wien werden zugunsten einer lokalen, sozialen und ökologischen Wirtschaft adaptiert. So sollen etwa mit der Anwendung des Bestbieterprinzips alle Möglichkeiten ausgeschöpft werden, um einerseits die Wiener Wirtschaft sowie Nachhaltigkeitsprinzipien und soziale Fairness zu stärken und andererseits den Verwaltungsprinzipien der Stadt Wien zu entsprechen.
  • Um noch mehr Rücksicht auf die Struktur der Wiener Wirtschaft zu nehmen, sollen beispielsweise über die Zulassung von Bietergemeinschaften auch Kleinstunternehmen Aufträge der Stadt Wien lukrieren können.
  • Weiters wird 2016 ein Arbeitskreis eingerichtet, der auf Basis der einschlägigen Rechtsnormen der EU und des österreichischen Bundesvergabegesetzes die rechtlichen, sozialen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für eine Nutzung des Vergaberechts zum Beispiel zur besseren Integration von Menschen mit Behinderung oder von anderen besonders benachteiligten Personengruppen analysiert. Dabei sollen auch Vorschläge für die Durchführung eines entsprechenden Pilotprojekts zu Gunsten von ausgrenzungsgefährdeten Gruppen wie beispielsweise BezieherInnen der Bedarfsorientierten Mindestsicherung erarbeitet werden.
  • Rot-Grün bekennt sich auch bei der Vergabe von Aufträgen zu den Zielen des in Begutachtung befindlichen Bundes-Informationsfreiheitsgesetzes und wird in diesem Rahmen die Informationen aktiv anbieten.

Wien - die "lernende Stadt"

Weiterbildung und Qualifizierung sind zentrale Instrumente, um die Qualifikationsstruktur der WienerInnen zu verbessern und so neue Beschäftigungschancen zu schaffen. Im Mittelpunkt steht die strategische Weiterentwicklung hin zur "lernenden Stadt" für das individuelle Vorankommen der Einzelnen und zur Weiterentwicklung des Wirtschaftsstandortes. Die Entwicklung und Umsetzung qualifikationsbezogener Strategien kann aber immer weniger in einzelnen Politikbereichen - wie zum Beispiel der "Bildungspolitik", der "Integrationspolitik", der "Arbeitsmarktpolitik" - bewältigt werden, sondern erfordert das bereichsübergreifende Zusammenwirken verschiedener VerantwortungsträgerInnen und damit eine koordinierte Vorgehensweise.

Daher vereinbaren wir:

  • Im Sinne der "lernenden Stadt" werden die Arbeitsmarkt- und Gleichstellungspolitik, die Berufsausbildung, die berufliche Erwachsenenbildung und andere damit zusammenhängende Politikbereiche unter gemeinsamen Gesichtspunkten analysiert, strategische Handlungsoptionen entwickelt und Strategieentwicklungsprozesse initiiert.
  • Der "Qualifikationsplan Wien 2020" ist die zentrale Strategie aller beteiligten AkteurInnen, den Anteil formal gering qualifizierter Personen in Wien zu reduzieren.
  • Auf Basis dessen wird der "Qualifikationspass" eingeführt, mit dem die Weiterbildungen besser aufeinander abgestimmt und die WienerInnen bei der Weiterbildung optimal unterstützt werden.

Mit der "Wiener Ausbildungsgarantie" sichert Wien die Ausbildung der jungen Menschen in der Stadt und sorgt dafür, dass Jugendliche beim schwierigen Übergang von der Schule in den Beruf beziehungsweise in eine weiterführende Ausbildung nicht ins Straucheln kommen.

  • Die "Wiener Ausbildungsgarantie" wird gemeinsam mit allen VerantwortungsträgerInnen auf Bundes- und Landesebene konsequent weiterentwickelt. Schwerpunkte sind dabei eine strukturierte, gendersensible und prozesshafte Berufsorientierung, "Drop out" Prävention, der Ausbau niederschwelliger Unterstützungsangebote und die Schaffung von zusätzlichen Ausbildungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten. Inwiefern Elternarbeit in der Unterstützung von jugendlichen "Drop outs" sinnvoll ist, wird mit ExpertInnen diskutiert.
  • Wir achten darauf, dass für junge Mütter ohne Ausbildung Arbeits- und Inklusionsangebote entstehen.
  • Im Rahmen öffentlicher Lehrwerkstätten wollen wir generationenübergreifende Zusammenarbeit unterstützen. Fachlich erfahrene, sozial kompetente PensionistInnen sollen durch ehrenamtliche Tätigkeit Wissen an die junge Generation weitergeben. Das wollen wir mit PartnerInnen auf Machbarkeit überprüfen.
  • Die Stadt Wien begrüßt die Initiative des Bundes "Ausbildung bis 18". Bei der Umsetzung wird besonders auf Qualitätssicherung geachtet. Jugendliche sollen jene Ausbildung machen können, die ihrem Lebenskonzept entspricht. Dafür braucht es jugendadäquate und vor allem ausreichende Angebote. Wien wird unter dem Motto "Jeden Tag eine neue Chance" an der Entwicklung solcher Angebote aktiv mitwirken.

Fit für den Arbeitsmarkt der Zukunft

Moderne Wirtschaftspolitik muss auch an der "Digitalen Agenda" arbeiten. Die weltumspannende Sprache der Zukunft sind digitale Codes. Auf dieser Basis entstehen neue Branchen, Unternehmen und Jobs. Die dafür erforderlichen Schlüsselqualifikationen sollten vom Kindergartenalter an auf dem allgemeinen Bildungsplan stehen. Es soll auch erforscht werden: Wo entstehen neue Jobs, welche Jobs wird es in Zukunft nicht mehr geben und welche Auswirkungen hat die Digitalisierung auf Frauen und Männer? Diese Erkenntnisse sollen im Bereich der Qualifizierungsmaßnahmen für den Arbeitsmarkt berücksichtigt werden.

Arbeit - mehr als Einkommen

Arbeit ist mehr als nur eine zentrale Einkommensquelle: Durch Arbeit können Menschen Selbstbestätigung bekommen, sie werden in ein soziales Umfeld integriert, sie können Ideen verwirklichen. Mit der Studie "Die Arbeitslosen von Marienthal" haben vor 80 Jahren Wiener Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die vielfältigen durch Arbeitslosigkeit verursachten Phänomene erstmals empirisch erfasst. Wien wird die sich durch Arbeitslosigkeit ergebenden Herausforderungen stärker thematisieren und damit ins Bewusstsein rücken.

Daher vereinbaren wir:

  • Wir wollen mit unserer Arbeitsmarktpolitik unsere Aktivitäten zur sozialen Inklusion verstärken, um besonders ausgrenzungsgefährdete Menschen zu erreichen.
  • Auf Grundlage der Strategie Qualifikationsplan Wien 2020 wird im Wiener ArbeitnehmerInnen-Förderungsfonds (waff) eine Budgetposition vorgesehen, die für die Entwicklung und Umsetzung experimenteller und innovativer Projekte bestimmt ist. Dabei sucht der waff aktiv die Kooperation mit Initiativen und Einrichtungen der aktiven Arbeitsmarktpolitik beziehungsweise beruflichen Erwachsenenbildung.

"Gute Arbeit für alle"

Der Wiener Arbeitsmarkt wird auch in den kommenden Jahren durch einen Zuwachs des Arbeitskräftepotenzials gekennzeichnet sein: durch Zuwanderung aus dem In- und Ausland, aber auch durch erreichte Verbesserungen wie etwa den Wiener Gratiskindergarten von null bis sechs Jahren und aktivierende Maßnahmen wie die Bedarfsorientierte Mindestsicherung. Die Gesellschaft droht auch bedingt durch die neue Welt des Arbeitens auseinanderzudriften - es kommt zusehends zu einer Erosion des Normalarbeitsverhältnisses. Einerseits führt die Verbreitung atypischer Beschäftigung zu einem quantitativen Bedeutungsverlust des Normalarbeitsverhältnisses. Und andererseits erhöhen Flexibilisierung, All-inclusive-Arbeitsverträge und Leistungsintensivierung immer stärker den Druck auf die einzelnen ArbeitnehmerInnen. Immer mehr Menschen sind dauerhaft aus dem Arbeitsmarkt ausgegrenzt oder "working poor".

Daher vereinbaren wir:

  • Wir orientieren uns bei allen Maßnahmen am Konzept der "Guten Arbeit". Gute Arbeit umfasst faire und existenzsichernde Löhne, Arbeitsplatzsicherheit, sozialen Schutz, Gesundheitsschutz, für Frauen gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit sowie eine familienfreundliche Arbeitsorganisation.
  • Ein breiter Niedriglohnsektor und eine stetige Ausweitung prekärer Beschäftigungsverhältnisse sollen in Wien ebenso wenig Platz haben wie unfairer Wettbewerb durch Lohn- und Sozialdumping.
  • Wien bekennt sich zu einem inklusiven und sozialen Arbeitsmarkt, der die Verwirklichungschancen der Menschen verbessert.

Gesellschaftlicher Dialog zu "Guter Arbeit"

Die Kluft in der Gesellschaft darf nicht weiter wachsen und soll auch wieder geringer werden. Dazu braucht es einen breiten gesellschaftlichen Dialog über die Ursachen und Folgen dieser Entwicklung. Eine Lösung kann nur auf breiter Basis in der Gesellschaft unter Einbeziehung der SozialpartnerInnen, der Zivilgesellschaft und Privater erfolgen. Dabei sind auch die Unternehmen, die diese Praxis fördern und von ihr profitieren, in die Pflicht zu nehmen.

Daher vereinbaren wir:

  • als ersten Schritt eine von der Stadt Wien initiierte Enquete zum Thema "Gute Arbeit", die als Auftakt für eine intensive Diskussion dienen soll.
  • Wien setzt sich so mit dem globalen Wandel der Arbeitswelt und ihren Folgen auf die Stadt und ihre Menschen in Kooperation mit Wissenschaft, Forschung, Politik und Praxis auseinander. Dabei geht es stets um die Erschließung von Potentialen für die Gestaltung einer menschengerechten Arbeitswelt, Ökologisierung der Wirtschaft, Arbeitszeitverkürzung und Nachhaltigkeit. Hierzu gehören auch Formen der Solidarischen Ökonomie und der Gemeinwohlorientierung, die sich bewusst einer reinen Profitlogik entziehen.
  • Im Rahmen der Diskussion zu "Guter Arbeit" gilt es auch, die Gruppe der längerfristig Ausgegrenzten und ihrer Lebenslagen zu berücksichtigen. Die Instrumente für Inklusion in den Arbeitsmarkt, die es dafür gibt, befürworten und unterstützen wir. In diesen Bereich soll weiterhin durch das AMS investiert werden. Wir kooperieren und planen gemeinsam und verstärken sektorenübergreifende Kooperationen zwischen NPO-, Profit-, und öffentlichem Bereich. Neue Angebote des erweiterten Arbeitsmarkts, die auch Langzeiterwerbslose in dauerhafte Beschäftigung führen, werden auf Machbarkeit geprüft.

Neue Berufsperspektiven ermöglichen

Ein wichtiger Beitrag für mehr Chancen auf "Gute Arbeit" ist die Stärkung der individuellen Handlungsfähigkeit von ArbeitnehmerInnen zur Verbesserung ihres Arbeitseinkommens und der Arbeitsbedingungen. Unselbständig beschäftigen WienerInnen steht schon heute im waff ein einzigartiges Unterstützungsangebot zur Verfügung: umfassende Information über berufliche Weiterbildungsangebote, kostenlose Beratung, wenn sich jemand beruflich verändern möchte und finanzielle Unterstützung bei berufsbezogener Aus- und Weiterbildung.

Daher vereinbaren wir:

  • Diese Angebote sollen weiter ausgebaut werden.
  • Das kostenlose Nachholen eines Lehrabschlusses wird dabei ebenso ein wichtiger Beitrag sein wie die Unterstützung von Betrieben, die soziale Innovationen zur Verbesserung von work-life-balance, Sabbaticals, altersgerechtes Arbeiten, betriebliche Frauenförderung oder Diversitätsmanagement verwirklichen wollen.

Impulse für die Gleichberechtigung

Nirgendwo in Österreich ist die Gleichberechtigung von Frauen und Männern weiter vorangeschritten als in Wien. Spezielle Weiterbildungsmaßnahmen, bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie durch Ganztagesschulen und Gratiskindergärten, die Unterstützung alleinerziehender Mütter und ein umfassendes Gewaltschutznetz sprechen für Wien. Viele Meilensteine wie die Frauenförderung in der öffentlichen Auftragsvergabe konnten bereits erreicht werden, dennoch sind wir noch nicht am Ziel: Frauen werden in vielen Bereichen immer noch diskriminiert. Die Stadt setzt daher immer wieder neue Impulse, um diese Ungleichheiten zu beseitigen. So wurde vom Wiener Gemeinderat beschlossen, dass alle Anstrengungen zu unternehmen sind, damit bis Ende des Jahres 2018 der Anteil von Frauen in Aufsichtsräten jener Unternehmen, die mehrheitlich im Eigentum der Stadt Wien stehen, auf zumindest 40 Prozent erhöht wird. Und auch in der Wiener Wirtschaftsförderung werden unter dem Titel "FemPower" Frauenförderung und Gender Mainstreaming konsequent weiter verfolgt. Unselbstständig beschäftigte Frauen, die sich grundlegend beruflich verändern wollen, finden mit dem Programm "Frech" umfassende Unterstützung. Gleiches gilt mit den speziellen Unterstützungsangeboten des waff für Wiedereinsteigerinnen. Wien ist bestrebt, das hohe Niveau des Wiener Beratungs- und Unterstützungsangebots für alle Frauen zu halten. Daher prüfen wir laufend, ob ergänzende Angebote für spezifische Ziel- und Altergruppen erforderlich sind.

Besonderes Augenmerk auf Ein-Personen-Unternehmen

Ein-Personen-Unternehmen (EPU) bilden mittlerweile die Mehrheit aller Wiener Selbständigen. Diese Entwicklung wird von der Stadt gefördert und beispielsweise durch Co-Working-Spaces und Public-Business-Places unterstützt. Für viele ist das Arbeiten als EPU nur ein Zwischenschritt zum Mehr-Personen-Unternehmen (MPU).

Daher vereinbaren wir:

  • Es wird überprüft, wie das Ziel erreicht werden kann, dass EPU bedarfsorientierte Mindestsicherung beziehen können, ohne dass sie dafür ihren Gewerbeschein zurücklegen müssen.
  • Die Stadt möchte so viel unternehmerische Kreativität und Innovationskraft wie möglich zulassen und unterstützen. Grenzen sollen nur dort gesetzt werden, wo der Schutz der KonsumentInnen und der ArbeitnehmerInnen, die Interessen der Bevölkerung oder der Umwelt dies erfordert. Regulierungen sind kein Selbstzweck. Sie dienen dazu, die verschiedenen Interessen gegeneinander abzuwägen.
  • In der kommenden Legislaturperiode wollen wir auch klären, welche Regulierungen im bürokratischen Gefüge in welcher Form aktuell notwendig sind. Gemeinsam mit allen AkteurInnen werden wir bereits laufende Überprüfungsprozesse fortführen und zur Effizienzsteigerung und Verfahrensbeschleunigung sowohl interne als auch externe Abläufe evaluieren.

Betrug ist kein Kavaliersdelikt

Die hohe Qualität der in Wien erzeugten Produkte und Dienstleistungen braucht einen starken und ausreichend finanzierten öffentlichen Sektor. Für ausgezeichnete Leistungen sind modernste Infrastruktur, exzellente Bildung und Ausbildung und ein herausragender Wissenschafts- und Forschungssektor notwendig. Gleichzeitig sollen die Menschen von ihren Leistungen profitieren - durch ein Einkommen zum Auskommen und bestmögliche soziale Absicherung.

Daher vereinbaren wir:

  • Ein Dumping über Steuer- und Abgabenbetrug werden wir nicht zulassen. Deswegen werden wir gemeinsam mit dem Bund weiter jede Art von Betrug bekämpfen, denn Betrug schadet nicht nur der Allgemeinheit, sondern auch jedem ehrlichen Unternehmer und jeder ehrlichen Unternehmerin.

Faire Internet-Ökonomie

Im Bereich der modernen "Internet-Ökonomie" orientiert sich Wien weiterhin am Konzept der "Guten Arbeit" mit existenzsichernden Einkommen und hoher Beschäftigungsqualität. Für eine faire "Digital Urban Economy" wird die Wiener Wirtschaftspolitik auf lokaler Ebene Maßnahmen setzen, um die Prinzipien der "Guten Arbeit", von zeitgemäßem KonsumentInnenschutz und von fairem Wettbewerb zwischen der "alten" und der "neuen" Ökonomie sicherzustellen. Wien will auch im wirtschaftlichen Bereich keine "duale Stadt" der Segmentierung sein, sondern: sowohl als auch, klein und groß, schnell und langsam, jung und traditionell.

Willkommenskultur und Standortmarketing

Auch Maßnahmen zur Verbesserung der "Willkommenskultur" sind erforderlich, denn wir wollen noch mehr kluge Köpfe und internationale Player nach Wien holen. Wie die mit der verstärkten Zuwanderung verbundenen Chancen genutzt werden, hängt auch davon ab, inwieweit zugewanderte Personen ihre Qualifikationen adäquat einsetzen können. Zur Präsentation des Wirtschaftsstandortes Wien und gezielten Ansprache potenzieller Investoren im Ausland wird im Rahmen des Markenbildungsprozesses "The Vienna Story 21" auch ein neues internationales Standortmarketing verankert.

"Die vielfältige Wiener Wirtschaft fördern"

Wien ist heute ein erfolgreicher Wirtschaftsstandort: Mehr Arbeitsplätze als je zuvor, 100.000 Unternehmen mit 800.000 unselbständig Beschäftigten, 200 multinationale Headquarter, 8.000 Unternehmensneugründungen pro Jahr – davon 650 technologieaffine Start-Ups - und mehr als die Hälfte aller internationalen Ansiedlungen in Österreich sind eine gute Ausgangsbasis. Darüber hinaus leisten UnternehmerInnen mit Migrationshintergrund einen maßgeblichen Beitrag für den Wirtschaftsstandort Wien – sie machen heute rund ein Drittel aller Wiener Selbstständigen aus und schaffen zigtausende Arbeitsplätze. Und Wien ist das wirtschaftliche Zentrum Österreichs: Mehr als 260.000 PendlerInnen aus dem Umland finden in Wien Arbeit. Wien hat auch die höchste Produktivität in Österreich und im internationalen Vergleich eines der höchsten BRP pro Kopf. Innovationen sind wesentlich für die Erhaltung und den Ausbau unserer Lebensqualität und sie sind ein zentraler Beitrag zur Smart City. Mit "Innovatives Wien 2020" hat der Wiener Gemeinderat eine neue, zukunftsweisende Innovationsstrategie beschlossen, an deren Zielen und Handlungsfeldern in den kommenden Jahren gearbeitet wird. Wien nützt alle Handlungsfelder für eine soziale und ökologisch nachhaltige Stadt.

Bestmögliche Förderungen und Finanzierungspartnerschaften

Wir freuen uns über mutige UnternehmerInnen, die mit viel Einsatz, viel Risiko und viel Engagement zur Lebensqualität in Wien beitragen. Nur eine funktionierende Partnerschaft öffentlicher und privater AkteurInnen wird Wien weiterhin auf dem Erfolgsweg halten. Innovative Lösungen wird die Stadt auch in Zukunft bestmöglich unterstützen.

Daher vereinbaren wir:

  • Im Bereich der Wirtschaftsförderung sollen die Unterstützungsmöglichkeiten flexibler werden und gleichzeitig niedrigschwellige Zugänge für den klassischen Handel und das Gewerbe gewährleistet bleiben.
  • Das in Österreich relativ junge Instrument des "Crowd-Funding" wird weiter aufmerksam beobachtet und in die kompetenten Beratungsangebote der Wiener Wirtschaftsagentur eingebaut.
  • Weiters wird anhand internationaler Beispiele geprüft, ob beziehungsweise unter welchen Umständen das Instrumentarium bedingt rückzahlbarer Zuschüsse angewendet werden kann.
  • Über das Gemeinnützigkeitspaket des Bundes könnte künftig mehr Geld aus privat-gemeinnützigen Stiftungen die öffentliche Finanzierung von Forschung und Innovation ergänzen.

Betriebsflächen sichern

Betriebe und Industrie brauchen Raum.

Daher vereinbaren wir:

  • Betriebsflächen im städtischen Bereich müssen durch qualitätsvolles Reaktivieren untergenutzter beziehungsweise brachliegender Flächen sowie durch ein neues Betriebszonenkonzept nachhaltig gesichert und Flächenvorhaltungen im Rahmen der Wirtschaftsförderung ermöglicht werden.
  • Für die Mobilisierung von Entwicklungszonen und neuen Betriebsansiedlungen müssen auch die Verkehrswege zur und durch die Stadt passend und entsprechend vielseitig sein. Bei allen Projekten im Bereich Planung und Stadtentwicklung ist insbesondere auf die wirtschaftlichen Erfordernisse der im jeweiligen Umfeld angesiedelten Unternehmen Rücksicht zu nehmen.

Wien als "Think Tank" für die Produktion von morgen

Neben dem Dienstleistungssektor mit insbesondere dem Handel soll in Wien die urbane Produktion ausgebaut werden. Wien bekennt sich ausdrücklich zu seiner Industrie und wird die Betriebe weiterhin dabei unterstützen, ihre Produktion in Wien zu halten und auszubauen.

Daher vereinbaren wir:

  • Mit der "Pilotfabrik Industrie 4.0" ist ein erster Schritt getan, dass sich Wien als "Think Tank" für den produzierenden Bereich in Österreich positioniert, wobei die klassischen Produktionsbetriebe verstärkt die Forschungsleistungen der Wiener Hochschulen und die Innovationskraft von jungen, innovativen Unternehmen am Standort nutzen.
  • Mit den zukunftsweisenden Themen Stadt- und Umwelttechnologie beschäftigen sich in Wien über 9.000 Unternehmen mehr als 90.000 Beschäftigten, unter anderem in den Teilbereichen Energiewirtschaft, Abfallwirtschaft, Wasser und Stadtentwicklung. Dieser Bereich "Smart Solutions" mit vielen sogenannten "Green Jobs" soll auch weiterhin ein Schwerpunkt der Wiener Wirtschaftsförderung bleiben.

Green-Jobs und Ökologisierung der Wirtschaft

Ökologisches Wirtschaften und die nachhaltige Nutzung von natürlichen wie sozialen Ressourcen sind in einer wachsenden Stadt besonders wichtig.

Daher vereinbaren wir:

  • aufbauend auf der Studie "Öko-Jobs in Wien - Bestandsaufnahme und Analyse", das "Greening" der Wiener Wirtschaft weiter vorantreiben. Dabei werden wir auch die Kreislaufwirtschaft in den Blick nehmen, um ökologische Aspekte mit lokalen Arbeitsplätzen zu verbinden.
  • Mögliche Qualifizierungsoffensiven, auch im Rahmen des Europäischen Sozial Fonds (ESF), werden überprüft und nach Möglichkeit implementiert.
  • Reparaturzentren helfen KonsumentInnen bei der Weiter- und Wiederverwendung von Geräten. Auch die Stadt selbst prüft eine Intensivierung der Reperaturtätigkeiten an Stelle von Neubeschaffungen.
  • Die Stadt arbeitet mit Wiener Unternehmen zusammen und bezieht Forschung und Entwicklung ein, weil wir am Weg zur sozialen Umweltstadt alle klugen Köpfe brauchen.
  • Im Bereich Klimaschutz und "Smart Energy" wird unter Beteiligung von Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung die Einrichtung eines Clusters geprüft.

ArbeitgeberInnenzusammenschlüsse (AGZ)

ArbeitgeberInnenzusammenschlüsse sind ein innovatives Modell, um zersplitterte, meist prekäre Jobs zu einem ordentlichen, fair bezahlten Arbeitsplatz zusammenzufassen. Sie schaffen zusätzliche Beschäftigung und sind dadurch arbeitsmarktpolitisch sehr erfolgreich und bringen Vorteile für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, Betriebe und die Stadt Wien.

Daher vereinbaren wir:

  • Basierend auf bestehenden Modellen wird die Möglichkeit für Arbeitgeberzusammenschlüsse in Wien geprüft.

Wien als "Ort der Begegnung"

  • Wien positioniert sich als "Ort der Begegnung". So soll etwa das außerordentlich hohe kreativwirtschaftliche Potenzial, durch das sich Wien von vielen anderen Städten Europas unterscheidet, gezielt mit der klassischen Industrie und dem Handwerk vernetzt werden. Insgesamt hat sich die Kreativwirtschaft immer mehr zu einer Querschnittsmaterie entwickelt. Auch neue Modelle des Arbeitens und Wirtschaftens - wie beispielsweise in den Co-Working-Spaces - entstehen hier.

Moderne Infrastruktur als Basis für Innovation

Zugängliche, zeitgemäße Infrastruktur ist ein entscheidender Standortvorteil. Sie ist die Grundvoraussetzung für Innovationen, insbesondere wenn bei gemeinsamer Nutzung von Büros, Labors und anderen Räumlichkeiten ein Gedankenaustausch entsteht, wie es erfolgreiche gemeinschaftlich genutzte Forschungsinfrastrukturen in Wien heute schon vorzeigen. Horizontale Verknüpfung über Sektoren, Branchen und Technologiefelder hinweg soll generell der Ansatzpunkt für Innovationen und die Wiener Wirtschaft von morgen sein.

Lebendige Grätzel

  • Wien bekennt sich zu den Technologien der Zukunft wie dem Ausbau der Breitbandinfrastruktur etwa über mögliche Kooperationen im städtischen Umfeld, will diese aber zugleich zur Re-Regionalisierung als Garant für eine gut versorgte, lebendige Stadt nutzen.
  • Die Belebung kleinteiliger städtischer Räume soll weiter aktiv vorangetrieben werden und neue Konzepte zur Leerstandsnutzung sollen für eine Attraktivierung der Erdgeschoßzonen überprüft werden.
  • Eine in allen Bezirken stattfindende "Shop-Local"-Kampagne für Wiens NahversorgerInnen sorgt für mehr Bewusstsein für die Grätzelwirtschaft.
  • Insbesondere in Nebenlagen sollen für freiberuflich Tätige wie beispielsweise TierärztInnen und Handwerksbetriebe wie etwa Reparaturwerkstätten Anreize zur Belebung der Erdgeschoßzonen geschaffen werden.
  • Ebenso können leerstehende Gassenlokale in Neubaugebieten von Vereinen/Community-Organisationen zeitlich befristet, kostengünstig und zweckgebunden für eine kulturelle beziehungsweise soziale Verwendung genutzt werden.
  • Als Steuerungsinstrument zur Attraktivierung der Erdgeschoßzonen wird die Einführung einer Leerstandsabgabe überprüft.
  • In neu entwickelten Stadtteilen wird geprüft, ob im Sinne der lokalen Nahversorgung die Einrichtung neuer Märkte möglich und sinnvoll ist.
  • Die Stadt Wien strebt auf Basis der Evaluierung und Einbeziehung der Bezirke eine flexible Lösung für kleine Schanigärten an.

Wien als "Stadt der Chancen"

Innovationen sind essenziell, um im internationalen Standortwettbewerb zukunftsfit aufgestellt zu sein. Hier spielen kleine und flexible Einheiten eine wichtige Rolle, da sie oft schnellere und höhere Innovationsschritte schaffen.

Daher vereinbaren wir:

  • Wien wird alle notwendigen Schritte unternehmen, um sich als "Top Start-Up City" in Europa zu positionieren und ist hier bereits auf einem sehr guten Weg.
  • Um den bei den technologieorientierten Start-ups derzeit noch eher geringen Frauenanteil zu erhöhen, werden wir - wie in der Wiener Wirtschaftsförderung allgemein - auch hier aktivierende Maßnahmen setzen.
  • Das Zusammenspiel von neuer Technologie und Kreativindustrie zeigt sich besonders gut auch in der Wiener Gaming-Industrie mit vielen Chancen für EPU und wachsende Unternehmen. Wien soll daher zur "Games-City" Europas werden.
  • Neben den eher technologiegetriebenen Gründungen sind der Stadt Wien auch "Social Business Projekte" zur Lösung gesellschaftlicher Probleme ein ganz besonderes Anliegen.

Wien wird Vorreiterin bei Social Entrepreneurship und gesellschaftlicher Innovation

Gesellschaftliche Herausforderungen werden auf viele Arten bewältigt, zunehmend adressieren auch UnternehmerInnen diese Herausforderungen. Social Business und damit Social Entrepreneurs streben nach der Lösung sozialer Herausforderungen mit unternehmerischen Mitteln und spielen auch in Wien eine immer größere Rolle. Bereits in der Vergangenheit hat die Stadt die Bedeutung dieser Unternehmensform in ihrer bestehenden Vielfältigkeit erkannt und entsprechend reagiert.

Daher vereinbaren wir:

  • Wien kennt das Potential von Social Business und wird Vorreiterin bei Social Entrepreneurship und gesellschaftlicher Innovation.

Die Wirtschaftsagentur Wien wird mit PartnerInnen aus diesem Bereich den bereits eingeschlagenen Weg, auf Social Business und Social Entrepreneurship zu fokussieren, als einen wichtigen Aspekt der Wiener Wirtschaft, weiterentwickeln.

Wien als Tourismusmetropole und Kongresshauptstadt

Wien erfreut sich bei TouristInnen und KongressbesucherInnen ungebrochener Beliebtheit. Die Erfolgsstrategie, die Wien zum globalen Magneten für Städtetourismus gemacht hat, soll fortgesetzt werden. Dafür ist nicht zuletzt das gastfreundliche, tolerante und weltoffene Klima der Stadt verantwortlich. Und Wien will seine Stellung als international gefragte und hervorragend erreichbare Top-Destination weiter ausbauen.

Unsere Stadt als Gastgeberin von internationalen Kongressen und Großveranstaltungen wie beispielsweise im Medizin-, Forschungs- und Sportbereich sowie als Drehort von TV- und Filmprojekten trägt zur Wirtschaftsbelebung und zur weltweiten Sichtbarkeit bei. Solche Unternehmungen sind daher auch in Zukunft bestmöglich zu unterstützen und zu fördern. Die weltweit bedeutende Position Wiens als Kongressstadt darf nicht gefährdet werden.

Das Modell der Wiener Wirtschaftspolitik

Wiens Wirtschaft ist vielfältig: Produktion und Dienstleistung, Tradition und Innovation, analog und digital. Diese Vielfalt macht Wiens Wirtschaft stärker, krisenfester und eröffnet viele Chancen. Um das für die Zukunft zu sichern, muss die eigenständige Wiener Standortpolitik fortgesetzt werden. Sie grenzt sich bewusst von der neoliberalen Austeritätspolitik ab. Das "Wiener Modell" fördert die Wiener Wirtschaft durch funktionierende Infrastruktur und Daseinsvorsorge, stellt den sozialen Zusammenhalt sicher und bekennt sich zur Vielfältigkeit unserer Stadt.

Wirtschaft braucht stabile Rahmenbedingungen und Sicherheiten, um sich entfalten zu können. Arbeit braucht eine Orientierung an "Guter Arbeit", um die Lebensqualität der Menschen sicher zu stellen. Die Förderung von Innovation ist immer schon Aufgabe öffentlich finanzierter Einrichtungen und der öffentlichen Hand, es braucht jedoch auch das Engagement der privaten AkteurInnen.

Regionale Konjunkturpolitik

Zentraler Ansatzpunkt der regionalen Konjunkturpolitik ist, dass die positiven volkswirtschaftlichen Wirkungen von öffentlichen Ausgaben in Bezug auf Arbeitsplätze und Wertschöpfung entsprechende Investitionen in Infrastruktur, Forschung, Innovation und Wirtschaft rechtfertigen. Unsere Konjunkturpolitik hat ein eindeutiges Ziel: Wir nutzen das Investitionspotential der Stadt zur Sicherung von Arbeitsplätzen und zum Ausbau der Infrastruktur.

Innovation aus Tradition

Der Wiener Weg der Innovation aus Tradition zeigt sich an den Strategien für die Zukunft unserer Stadt: Smart City Wien Rahmenstrategie 2050, Stadtentwicklungsplan 2025, Qualifikationsplan Wien 2020, Innovatives Wien 2020, Tourismusstrategie 2020 und die Leitlinien der Wiener Wirtschaftspolitik. Die Stadt Wien hält dabei immer am Ziel fest, nachhaltige Rahmenbedingungen zu schaffen, die zugleich die internationale Wettbewerbsfähigkeit und die soziale Dimension berücksichtigen - denn diese Kombination ist der wesentliche Standortvorteil unserer Stadt. Nun gilt es, an der Umsetzung der Strategien nicht nur für, sondern gemeinsam mit den Menschen in unserer Stadt zu arbeiten.

Stadtverwaltung auf der Höhe der Zeit

Wien bekennt sich zur innovativen Stadtverwaltung, denn Innovationen werden oft durch die öffentliche Hand vorangetrieben oder überhaupt ermöglicht. Wir wollen dafür auch die Innovationskultur im Magistrat der Stadt Wien weiterentwickeln. Und wir wollen die Finanzkraft der Stadt für Innovationen nutzen - sie soll noch öfter Leitkundin für innovative Lösungen "Made in Vienna" sein.

Leistungsfähige Strukturen und zeitgemäße Transparenz

Die Finanzierung der zahlreichen Aufgaben der Stadt Wien wird in den nächsten Jahren auf Grund der nach wie vor verhaltenen Wirtschaftsentwicklung eine Herausforderung darstellen.

Die Stadt Wien stellt sich dabei aber gegen die europaweit herrschende Austeritätspolitik und tätigt bewusst Investitionen, um die Konjunktur zu stützen und damit die Auswirkungen der Wirtschaftskrise, vor allem am Arbeitsmarkt, abzufedern.

Zugleich wird damit den Erfordernissen entsprochen, die das Bevölkerungswachstum von jährlich 25.000 bis 30.000 Personen an die Stadt stellt: Wohnraum, Kindergärten, Volksschulen, aber auch Infrastruktur wie Wasserversorgung beziehungsweise Abwasserentsorgung, öffentlicher Personennahverkehr, Krankenanstalten, Geriatrie, soziale Versorgung und viele andere Leistungen müssen ausreichend zur Verfügung gestellt werden.

Diese Investitionen leisten nicht nur für die heutige Lebensqualität der Stadt einen wichtigen Beitrag, sondern schaffen nachhaltige Werte für künftige Generationen.

Die Finanzierung der Infrastruktur in Wien ist unter den gegebenen Rahmenbedingungen eine große Herausforderung. Trotzdem sind in den Bereichen Gesundheit, Bildung, Kinderbetreuung und Wohnen in den vergangenen Jahren umfangreiche Investitionen gelungen. Dies bei weiterhin verhaltenen Konjunkturaussichten im selben Umfang zu finanzieren, ist sehr ambitioniert.

Daher vereinbaren wir:

  • Wien wird sich weiterhin für eine "Golden Rule" einsetzen, also für eine Ausnahme von Investitionen aus den Verschuldungskriterien, um hier den nötigen Spielraum zu schaffen.
  • Um den Vorgaben des Österreichischen Stabilitätspaktes 2012 für die folgenden Jahre nahe zu kommen, braucht es die Beibehaltung einer fairen Mittelausstattung (resultierend unter anderem aus den Zahlungsströmen des neu zu verhandelnden Finanzausgleichs) sowie sogenannte Gegensteuerungsmaßnahmen unter Berücksichtigung des wirtschaftlichen Gleichgewichts:
    • Die sehr verhaltene Entwicklung der Wirtschaft erfordert weiterhin gezielte öffentliche Investitionen, die sich auf längere Sicht für die öffentlichen Haushalte rechnen.
    • Strukturmaßnahmen und aktive Wirtschaftspolitik sollen in Zusammenwirken mit den externen Rahmenbedingungen (zum Beispiel Konjunktur- und Beschäftigungssituation, Einnahmen aus dem Finanzausgleich) dazu beitragen, dass das Budget in den künftigen Jahren möglichst ausgeglichen werden kann.
    • Rot-Grün setzt sich für eine grundlegende Reform der Grundsteuer ein, die sowohl die tatsächlichen Verkehrswerte als Grundlage der Besteuerung heranzieht als auch den sozialen Wohnbau begünstigt.

Strukturreformen im Magistrat Wien

Die Herausforderung der wachsenden Bevölkerungszahlen bewältigen die MitarbeiterInnen der Stadt und ihrer Unternehmen mit hohem Engagement und Fachwissen, und das seit Jahren trotz umfangreicherer und gestiegener Aufgaben mit de facto gleichem Personalstand.

Daher vereinbaren wir:

  • Um diese Qualität aufrechtzuerhalten, wird es zu Strukturveränderungen im Magistrat kommen. Diese umfassen gemeinsame Strukturen, Optimierungen der Organisationsformen und Bündelungen in folgenden Bereichen: Facility Management, Gebäudemanagement, Logistik, Labors, Infrastruktur insbesondere von Bildungsneubauten, IKT, KAV, Personalbereich, Märkte und Stadtteilarbeit.
  • Um zu einer besseren Planungssicherheit und Vorhersehbarkeit zukünftiger Erfordernisse beziehungsweise Entwicklungen zu kommen, wird der Prozess der Erstellung des Budgetvoranschlages der Stadt Wien neu gestaltet und zeitlich gestrafft. Dazu beitragen wird die Etablierung von mehrjährigen Finanzrahmen für zukünftige Voranschläge sowie ein entsprechendes Berichtswesen.
  • Die Stadt Wien muss sich auf Grund ihres dynamischen Wachstums sowie der Veränderung von Gesellschaft und Wirtschaft permanent mit der Reform ihrer bestehenden Strukturen auseinandersetzen. Rot-Grün bekennt sich dabei zu kontinuierlichen und konkreten Reformschritten. Das Alltagswissen der MitarbeiterInnen ist dafür wichtig und wird strukturiert in den Prozess einfließen.

Normen durchforsten, Verfahren kürzen

Die Stadt Wien möchte so viel unternehmerische Kreativität und Innovationskraft wie möglich zulassen und unterstützen. Regulierungen sind kein Selbstzweck, sondern bilden den Rahmen für ein gutes Zusammenleben und ein faires Zusammenarbeiten und dieser Rahmen soll immer wieder zeitgemäß angepasst werden.

Daher vereinbaren wir:

  • Die Stadt strebt die Reduktion von Verfahren in der Verwaltung, die Kürzung von Verfahrensdauern und die Überarbeitung und Vereinfachung von Normen an.
  • Ähnliches gilt auch für Abgaben, Gebühren und Steuern, die in den Hoheitsbereich der Stadt oder des Landes Wien fallen. Diese sind ebenfalls kein Selbstzweck, sondern leisten einen Beitrag – zum Teil zweckgebunden – für die Infrastruktur der Stadt, die wiederum den BürgerInnen und UnternehmerInnen zu Gute kommt.
  • Die Abgaben, Gebühren und Steuern werden zur zeitgemäßen Anpassung einer Überprüfung unterzogen, mit dem Ziel einer möglichst BürgerInnen- und UnternehmerInnen-freundlichen Gestaltung sowie zur Steigerung der Treffsicherheit.

Weiterentwicklung des Haushaltsrechts

Die Strukturreformen werden von einer Weiterentwicklung des Haushaltsrechts des Magistrats begleitet. Die Wiener Stadtregierung bekennt sich nachdrücklich zu den Grundsätzen der Transparenz, Berechenbarkeit, Nachhaltigkeit und Verbindlichkeit.

Daher vereinbaren wir:

  • Das System des kameralen Rechnungswesens wird - in Abstimmung mit Bund und Ländern - in Richtung eines sogenannten "Drei-Komponenten-Rechnungssystems" weiterentwickelt. Damit soll eine möglichst getreue, vollständige und einheitliche Darstellung der finanziellen Lage (Liquiditäts-, Ressourcen- und Vermögenssicht) von Ländern, Städten, Gemeinden und Gemeindeverbänden gewährleistet werden. Das soll für noch mehr Transparenz sorgen, vor allem beim Vergleich aller Gebietskörperschaften. Dafür auf Landes- und Gemeindeebene erforderliche Rechtsvorschriften werden zügig ausgearbeitet, angepasst und umgesetzt.
  • Die bisherige Politik der Transparenz bei Budget- und Finanzierungsangelegenheiten, die den Rechnungsabschluss beziehungsweise Voranschlag um einen detaillierten Finanzschuldenbericht und einen Beteiligungsspiegel ergänzen, wird fortgesetzt.
  • Es wird ein Subventionsbericht über alle Förderungen des Magistrats vorgelegt.

Weiterentwicklung Beteiligungsmanagement

Den kommunalen Unternehmen Wiens kommt gerade in Zeiten der anhaltenden Wirtschaftskrise und der von der Stadt explizit verfolgten antizyklischen Investitionspolitik eine entscheidende Rolle zu.

Daher vereinbaren wir:

  • Um die Abläufe und die Wirksamkeit strategischer Steuerung durch die Eigentümerin Stadt Wien weiter zu verbessern, wird das Beteiligungsmanagement weiterentwickelt.
  • Der Öffentlichkeit werden neben den Jahres- und Geschäftsberichten der kommunalen Unternehmen verstärkt auch Informationen der Stadt Wien selbst zur Verfügung stehen.
  • Noch mehr Transparenz soll zukünftig ein jährlicher Beteiligungsbericht schaffen, der alle direkten Beteiligungen der Stadt Wien an Kapitalgesellschaften in einem Set aus ökonomischen Kennzahlen darstellt. Dabei werden auch sogenannte Soft Skills der Beteiligungsunternehmen wie zum Beispiel der spezifische Beitrag zur Daseinsvorsorge oder der kulturelle beziehungsweise wirtschaftliche Auftrag berücksichtigt.
  • Darüber hinaus hat sich die Stadt Wien zum Ziel gesetzt, ihr Beteiligungscontrolling gemeinsam mit ExpertInnen weiter zu entwickeln.

Zukunftsorientierte Personalpolitik

Die wachsende Stadt ist eine große Herausforderung für die MitarbeiterInnen der Stadt Wien. Ziel ist es, dass die Stadt ihre Services und Dienstleistungen auch zukünftig in hoher Qualität zur Verfügung stellen kann.

Ein frühzeitiges Ausscheiden von MitarbeiterInnen aus dem Prozess der Erwerbsarbeit in Folge psychischer oder physischer Erkrankung bedeutet Verlust von Expertise und volkswirtschaftliche Belastungen. Auf der individuellen Ebene bringt es finanzielle und soziale Nachteile. Das Schaffen von Arbeitsbedingungen, die ein gesundes und erfüllendes Arbeiten altersunabhängig ermöglichen, ist der Stadt Wien ein wichtiges Anliegen.

Die Stadt Wien übernimmt Verantwortung als innovative und vorbildliche Arbeitgeberin. Die aktive Beteiligung und Einbindung der Bediensteten beziehungsweise der Personalvertretungen ist für ein gelingendes Miteinander von großer Qualität und Bedeutung. Gerade in Zeiten während beziehungsweise nach einer Wirtschaftskrise muss für eine offensive Beschäftigungs- und Arbeitsmarktpolitik gesorgt werden. Personalkosten sind ein entscheidender Budgetposten, der circa ein Drittel des Gesamtbudgets umfasst. Einseitige Maßnahmen führen nur kurzfristig zu einer Entschärfung, daher ist eine nachhaltige Reformierung unumgänglich. Die bereits begonnene Dienstrechts- und Besoldungsreform "Arbeiten für Wien" ist ein wichtiger Meilenstein für eine moderne und zeitgemäße Personalpolitik der Stadt Wien. Ziel ist ein objektives, gendergerechtes, diskriminierungsfreies und transparentes Bewertungssystem. Weg vom Senioritätsprinzip bei den Gehaltsverläufen hin zu höheren Einstiegsgehältern mit abgeflachter Gehaltskurve. Weg von den umfangreichen und intransparenten Zulagen und Nebengebühren hin zu einer gerechten und nachvollziehbaren Entlohnung mit Leistungsanreizen und mehr Durchlässigkeit und Mobilität.

Zu den wesentlichen Elementen einer Personalentwicklung gehören die Schaffung von flexiblen Arbeitszeitmodellen für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie und die kontinuierliche Weiterentwicklung des bisherigen Besoldungssystems. Diese sind ebenso wichtige Bausteine, wie das Ziel, MitarbeiterInnen länger gesund im aktiven Dienst halten zu können. Eine Balance von beruflichen und familiären Aufgaben wird durch die Gestaltung der Arbeitsbedingungen und des Arbeitsumfeldes beeinflusst.

In Wien wird Diversität gelebt: durch ein diversitätsorientiertes Personalmanagement wird unserer sozialen und demographischen Realität Rechnung getragen. Die Stadt Wien hat eine klare Haltung zur Gleichbehandlung von Frauen und Männern sowie zur Frauenförderung und dem Verbot von Diskriminierung. Diese Haltung ist im Wiener Gleichbehandlungsgesetz verankert. Die Stadt Wien setzt flankierende Maßnahmen gegen jede Form von Diskriminierung, Mobbing oder sexueller Belästigung. Das gleichstellungspolitische Ziel ist und bleibt die Beseitigung jeglicher sachlich nicht begründbarer Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern.

Um mit den sich ständig ändernden personalpolitischen Herausforderungen bestmöglich mithalten zu können, müssen Strategien evaluiert, Strukturen, Systeme und Prozesse entsprechend angepasst werden. Eine optimale Koordination und möglichst flache Führungsstruktur der strategischen, legistischen und operativen Personalbereiche ist hierzu Voraussetzung.

Daher vereinbaren wir:

  • Das "Haus des Personals" wird geschaffen: Durch die Bündelung von Personalzuständigkeiten unter einem Dach sowie durch die Neuorganisation und Modernisierung der Geschäftsfelder im Personalbereich wird modernes Personalmanagement erleichtert.
  • "Arbeiten für Wien": Die Dienstrechts- und Besoldungsreform wird fortgesetzt. Im Zuge der Umsetzung strebt die Stadt Wien einen Mindestlohn von 1.600 Euro an.
  • Der Employer-Branding-Prozess wird weitergeführt. Bewerbungsprozesse werden evaluiert und neuausgerichtet, die Möglichkeit eines anonymisierten Bewerbungsverfahrens wird dabei berücksichtigt. Ein wesentlicher Schritt ist die Verankerung von Gehaltstransparenz in allen internen und externen Stellenausschreibungen.
  • Änderung der gemeinderätlichen Personalkommission in ein angemessenes Instrument mit einem effizienten und aussagekräftigen Berichtswesen.
  • Wissensmanagement: Eine neue Wissensmanagementplattform wird eingerichtet.
  • Ein nachhaltiges und ganzheitliches betriebliches Gesundheitsmanagement inklusive Strukturbereinigungen zur Reduzierung von Schnittstellen und einer Bündelung der Verantwortlichkeiten wird implementiert. Auf Basis der Ergebnisse der Evaluation psychischer Belastungen der Bediensteten der Gemeinde Wien werden neue Angebote entwickelt. Eine flächendeckende Betreuung durch GesundheitslotsInnen als MultiplikatorInnen zur Frage der Gesundheit am Arbeitsplatz wird angestrebt.
  • Das Diversitätsmanagement der Stadt Wien wird kontinuierlich als eine wesentliche Grundlage für eine moderne und erfolgreiche Stadtverwaltung weiterentwickelt.
  • "Arbeitsplatz der Zukunft" im Magistrat: Durch neue Arbeitszeitmodelle beziehungsweise -formen unter Berücksichtigung neuer technischer Möglichkeiten schafft Wien gute Arbeitsplätze für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie.
  • Die Möglichkeit zur Altersteilzeit wird geschaffen.
  • Aktive Frauenförderung und Gleichstellungspolitik: Das Ergebnis des jährlich zu erstellenden Berichtes zur Einkommenstransparenz soll weiterhin als Grundlage für die Zielvorgaben des Gleichstellungsprogramms dienen, um die ungleiche Verteilung von Frauen und Männern und den damit verbundenen Einkommensunterschied auszugleichen und die Einkommensschere zu schließen.
  • Um finanzielle Risiken bei vorzeitiger Elternkarenz abzufedern, wird die Weiterentwicklung des Babymonats evaluiert.
  • Die Stadt Wien spricht sich für Eigenleistungen und gegen Privatisierungen aus.
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