Entwicklungspolitische Fachtagung im Rathaus

Bei der jährlichen entwicklungspolitischen Fachtagung der Stadt Wien sprachen internationale Expertinnen und Experten über die Situation von Menschen mit Behinderung in Entwicklungsländern.

Drei auf den Rollstuhl angewiesene Frauen in Burkina Faso

Bei der globalen Entwicklung soll niemand zurückgelassen werden. Eine Fachtagung im Wiener Rathaus widmete sich am 4. Dezember 2017 der Frage, wie Menschen mit Behinderung in Entwicklungsländern gesellschaftlich eingebunden werden können.

Weltweit leben rund eine Milliarde Menschen mit einer Behinderung, 80 Prozent davon in Ländern des Globalen Südens. Behinderungen und Armut sind eng miteinander verbunden: Mangelernährung und fehlende gesundheitliche Versorgung können zu dauerhaften Behinderungen führen. Andererseits tragen Behinderungen zu Armut bei. Betroffenen wird besonders der Zugang zu Bildung erschwert. Dadurch sind ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt erheblich eingeschränkt.

Nachhaltige Entwicklung für alle

Um die weltweite Situation von Menschen mit Behinderung zu verbessern und deren Rechte zu stärken, wurde 2006 die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung verabschiedet. Auch in den Nachhaltigen Entwicklungszielen (SDGs), zu deren Umsetzung sich alle UN-Staaten bekannt haben, wurde die Einbindung von Menschen mit Behinderung verankert. Trotzdem ist eine inklusive Gesellschaft in vielen Teilen der Welt noch lange nicht erreicht.

Vorträge und Beispiele aus der Praxis

Gruppenfoto von der entwicklungspolitischen Fachtagung 2017 im Rathaus

Victoria Lee vom Büro des UN-Hochkommissars für Menschenrechte in Genf unterstrich die Wichtigkeit, Menschen mit Behinderung wirtschaftlich einzubeziehen.

Der ehemalige Nationalratsabgeordnete Franz-Josef Huainigg präsentierte bewegende Beispiele von umgesetzter Inklusion aus Äthiopien und Albanien. Er plädierte für mehr Investitionen in den Bereichen Ernährungssicherheit und Gesundheit sowie für eine Verschränkung von humanitärer Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit.

Shitaye Astawes, Expertin für Behindertenrechte in Äthiopien, stellte das EU-Projekt "Bridging the gap - Disability and Inclusion in Ethiopia" vor.

Johanna Mang von der Organisation "Licht für die Welt" unterstrich die multidimensionale Armut von Menschen mit Behinderung, die es zu überwinden gilt. Rund 90 Prozent der Kinder mit einer Behinderung, die in einem Entwicklungsland leben, können nicht die Schule besuchen. Sie bleiben somit auf Dauer von Bildung, Arbeit, Einkommen und Gesundheitsversorgung ausgeschlossen.

Interessante Erfahrungen konnte Anja Pfaffenzeller einbringen, die als selbst Betroffene zwei Jahre in der Berufsförderung für Blinde und Sehbehinderte in Brasilien tätig war.

Abschließend wurde von Julia Webinger über die beeindruckenden Ergebnisse eines von der Stadt Wien ko-finanzierten Projekts der Volkshilfe in der Republik Moldau referiert. Dabei ist es gelungen, Menschen mit Behinderung eine Ausbildung im Bereich Gastronomie zu ermöglichen und diese langfristig am Arbeitsmarkt unterzubringen.

Dokumentation Tagung "Leave no one behind - Inklusion in der Entwicklungszusammenarbeit" mit Präsentationen und Audiomitschnitten - Südwind

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