Tagung "Nachhaltige Entwicklung braucht Bildung für alle" - Rückblick

Am 28. November 2019 fand im Wiener Rathaus die jährliche entwicklungspolitische Fachtagung statt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer waren sich einig, dass nachhaltige Entwicklung Bildungschancen für Menschen in Armutsregionen braucht.

Leon Tikly, Irene Katzensteiner, Bernhard Bouzek, Flutra Gorana, Margarita Langthaler, Bilal Barakat, Irita Opara, Olivia Tischler, Natalie Plhak und Stadtrat Peter Hanke

Leon Tikly, Irene Katzensteiner, Bernhard Bouzek, Flutra Gorana, Margarita Langthaler, Bilal Barakat, Irita Opara, Olivia Tischler, Natalie Plhak und Stadtrat Peter Hanke (v.l.n.r.)

Die entwicklungspolitische Fachtagung der Stadt Wien ist seit vielen Jahren ein fixer Bestandteil der Bildungs- und Informationsarbeit der Stadt Wien zu globalen Herausforderungen. Sie ist bewusst eine offene Publikumsveranstaltung für alle an entwicklungspolitischen Fragestellungen Interessierten und längst zu einem anerkannten Forum geworden, auf dem aktuelle Trends und Kernanliegen der Entwicklungszusammenarbeit diskutiert werden.

Der Titel "Nachhaltige Entwicklung braucht Bildung für ALLE" für die am 28. November 2019 im Wiener Rathaus abgehaltene Konferenz wurde sehr bewusst ausgewählt, denn er trifft exakt ein Hauptziel der Wiener Stadtregierung. Nämlich allen Menschen in unserer Stadt Zugang zu Bildung zu gewährleisten. Diese ermöglicht es ihnen, später ein Erwerbseinkommen zu erlangen, von dem sie in Würde leben können. Gute Bildungschancen sollen aber nicht nur bei uns in Wien Geltung haben, sondern müssen weltweit sichergestellt werden. Das Weltentwicklungsziel Nummer 4 der Vereinten Nationen gibt uns dazu die motivierende Rahmenbedingung vor: Bis zum Jahr 2030 sollen alle Menschen Zugang zu hochwertiger Bildung haben.

Bildung ist Voraussetzung für Armutsreduktion

Bilal Barakat stellte für die UNESCO die Ergebnisse des Global Education Monitoring Reports vor. Die multilateralen Organisationen haben zuletzt ihre Arbeitsweise stark um Aspekte des Social Investments und der Politikberatung erweitert. Trotzdem bestehen enorme Defizite und Herausforderungen in Bezug auf die Erreichung des SDG 4. Gegenwärtig sind rund 30 Millionen Menschen auf Grund von Armut oder Krieg von Bildung ausgeschlossen. Selbst ein Schulbesuch bedeutet nicht automatisch, dass auch elementare Bildungsziele erreicht werden. Beunruhigend ist jedenfalls, dass nur 0,5 Prozent der weltweiten Bildungsausgaben in Low-Income-Countries erfolgen.

Professor Leon Tikly von der Universität Bristol hob hervor, dass aus der Kolonialzeit vererbte Bildungsmuster wie Top-down-Ansatz, Auswendiglernen oder ein lehrerzentrierter Unterricht nicht zukunftsfähig sind. Vielmehr müsse sich die Bildung global an den Parametern nachhaltige Wirtschaft, Umwelt, Demokratie, Zivilgesellschaft, Kulturelle Diversität und Frieden orientieren.

Margarita Langthaler von der Österreichischen Forschungsstiftung für Internationale Entwicklung und Irene Katzensteiner vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung referierten über die Umsetzung des SDG 4 in Österreich, das sich mit 43 Indikatoren auf die Bildung bezieht. Der Schwerpunkt liegt dabei bei der Transformativen Bildung, also der Kompetenzsteigerung in den Bereichen Global Citizenship, Menschenrechte, Friedensbildung, Geschlechtergleichstellung und Interkulturalität.

Durch Bildung das Potenzial der Jugend entfachen

Irita Opara, Expertin für nachhaltige Energiesysteme bei Jugend Eine Welt, stellte als erfolgreiches Beispiel aus der Praxis ein Projekt zur Ausbildung von Jugendlichen im Bereich Solarenergie in Äthiopien und Uganda vor. Weiters plädierte sie auf Grund des Bevölkerungswachstums in Afrika für die massive Aufstockung der Entwicklungszusammenarbeit mit einem Fokus auf Bildung. Allein in Afrika werden bis 2030 zwischen 20 und 30 Millionen zusätzliche Lehrkräfte benötigt.

Zum Abschluss der Tagung präsentierte Flutra Gorana von der Organisation War Child Lebanon eine Initiative zur Bildung von Jugendlichen in Flüchtlingslagern. Dort setzt man besonders auf die Methode des Blended Learnings unter Einsatz von Büchern, Tablets und Lernspielen. Besonders wird auch auf die prekäre Lebenssituation der Kinder und ihr familiäres Umfeld geachtet.

Bei der zusammenfassenden Podiumsdiskussion betonten alle Vortragenden nochmals die zentrale Bedeutung von Bildung sowohl als Basis für die gesellschaftliche Teilhabe als auch als Voraussetzung für Entwicklung und Armutsreduktion.

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