Stadt steht zu Welterbe und Stadtentwicklung

Blick auf die FußgängerInnen-Zone am Graben

Das Welterbekomitee der UNESCO hat Wien am 6. Juli 2017 auf die Rote Liste für gefährdete Welterbestätten gesetzt. Dieser Beschluss bedeutet nicht die Aberkennung des Welterbe-Status für das historische Zentrum Wiens.

Anlass war die Umgestaltung des Areals Wiener Eislaufverein am Heumarkt. Die Wiener Stadtregierung, der Wiener Gemeinderat sowie zahlreiche Expertinnen und Experten sind jedoch der Auffassung, dass das Bauvorhaben am Heumarkt mit dem Welterbe vereinbar ist. Es handelt sich bereits jetzt um einen bestehenden Hochhausstandort, der Neubau ist niedriger als umliegende Gebäude. Das Areal wird durch das Projekt massiv verbessert.

Vizebürgermeisterin Maria Vassilakou: "Wien bekennt sich ausdrücklich zu seinem historischen Erbe und zu dessen Erhalt. Wien schützt sein historisches Erbe intensiv und baut diesen Schutz weiter aus. So hat der Wiener Gemeinderat sich klar dazu bekannt, dass es keine weiteren Hochhäuser in der Inneren Stadt geben wird. Entsprechend wird dieser Beschluss auch in den Planungsdokumenten der Stadt umfassend verankert."

Historisches Erbe mit Lebensqualität verbinden

Die Verträglichkeit der Entwicklung von Millionenmetropolen mit ihrem Status als Weltkulturerbe ist eine Herausforderung. Auf der Rote Liste finden sich aktuell 55 Kultur- und Naturdenkmäler. Wien ist also nicht allein mit der Herausforderung konfrontiert, den Weltkulturerbestatus an die Bedingungen des 21. Jahrhunderts heranzuführen. Auch in anderen Städten stößt man an Grenzen der Dialogfähigkeit mit dem Weltkulturerbekomitee. Weder gibt es die Möglichkeit, den eigenen Fall grundlegend vorzutragen, noch einen Austausch im eigentlichen Sinn zu pflegen.

Standpunkte der Stadt

Die Stadt Wien hat im Zuge der Sitzung des Welterbekomitees erneut ihren Standpunkt wie folgt dargelegt:

  • Die Stadt Wien hat auf die Entscheidung des Welterbekomitees von 2016 reagiert und das Projekt überarbeitet. Sowohl die Höhe als auch die Dimension des Turms wurden reduziert.
  • Das Projekt befindet sich in unmittelbarer Nähe von höheren Gebäuden, etwa Wien Mitte oder dem Vienna Hilton. Diese wurden vom Welterbekomitee in früheren Sitzungen akzeptiert. Diese Umstände sind in der jetzigen Entscheidung nicht ausreichend berücksichtigt.
  • Die derzeitige Situation am Eislaufverein und das in die Jahre gekommene Hotel Intercontinental sind einer Kulturmetropole wie Wien an diesem Standort nicht würdig. Dennoch wird die aktuelle Diskussion weniger um den Bestand oder qualitätsvolle Stadtplanung, sondern primär um Gebäudehöhen geführt.
  • Das historische Stadtzentrum von Wien wurde am 13. Dezember 2001 in die Liste des weltweiten Kulturerbes aufgenommen. Begründet wurde die Auszeichnung unter anderem so: "Die städtebaulichen und architektonischen Qualitäten des historischen Zentrums von Wien sind überragende Zeugnisse eines fortwährenden Wandels von Werten während des zweiten Jahrtausends."

Weitere Vorgangsweise

Die Stadt wird weiter im Dialog mit dem UNESCO-Welterbekomitee bleiben, auch weil Grundlagen für die UNESCO-Entscheidung unter anderem auch aus falschen Informationen bestehen, die in der Vergangenheit übermittelt wurden. Die Stadt wird bis 1. Februar 2018 einen Bericht über den Erhaltungszustand der Welterbestätte und die Umsetzung einer Welterbe-Verträglichkeitsprüfung für den Karlsplatz vorlegen. Diese Berichte werden vom Welterbekomitee 2018 erneut geprüft.

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