Klausur der Stadtregierung: Wiens nächste Vorhaben

  • Die Stadt erstellt erstmals ein Klimabudget und setzt konkrete Maßnahmen in punkto Klimaschutz. Ein Klimabeirat wird installiert.
  • Es gibt einen ressortübergreifenden Hitzeplan für den Sommer 2020.
  • Erstversorgungsambulanzen, neue Rettungsstationen und der Ausbau der Primärversorgungseinheiten sind geplant.
  • Der Herbst-Schwerpunkt liegt auf "Digitalisierung und Frauen".
Bürgermeister Michael Ludwig mit allen Stadträtinnen und Stadträten

Die Wiener Stadtregierung traf sich am 11. September 2019 zu einer Regierungsklausur im Rathaus. Im Anschluss an die Klausur präsentierten Bürgermeister Michael Ludwig und Vizebürgermeisterin Birgit Hebein die Weichenstellungen für die Zukunft der Stadt.

Als eines der wichtigsten Zukunftsthemen machte Bürgermeister Michael Ludwig den Klimaschutz aus. "Wir stellen bei allen Maßnahmen das Miteinander in den Mittelpunkt", betonte Ludwig. "Im Herbst legen wir außerdem einen Fokus auf Digitalisierung und Frauen."

"Wien ist die lebenswerteste Stadt der Welt und das soll auch so bleiben. Deshalb gehen wir beim Klimaschutz in die Offensive", sagte Vizebürgermeisterin Birgit Hebein. Um das zu erreichen, werde die Stadt mehr in nachhaltige Verkehrspolitik investieren und Maßnahmen dafür diskutieren.


Maßnahmen im Detail

Folgende Programme kommen in den nächsten Monaten sukzessive zur Umsetzung:

Klimabudget und Klimabeirat

Im Rahmen des Klimabudgets wird im ersten Schritt ein Berichtswesen erstellt. Im zweiten Schritt werden empirische Grundlagen für die Bewertung von städtischen Maßnahmen und deren klimapolitischen Auswirkungen entwickelt. So soll im letzten Schritt bis April 2020 eine wirkungsorientierte Abschätzung der Folgen und eine nachvollziehbare Entscheidungshilfe für die Wiener Klimapolitik erreicht werden.

Ein vom Gemeinderat beschlossener Klimabeirat steht der Wiener Klimapolitik in den Bereichen Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft mit Expertise zur Seite und setzt neue Impulse.

Zentrale Anliegen sind der Schutz von Grünflächen im Öffentlichen Raum und Innovationen etwa bei den Wiener Fachhochschulen und bei nachhaltigen Wiener Unternehmen.

Hitzeplan für den Sommer 2020

Für die heißen Tage im Sommer 2020 sieht der ressortübergreifende Hitzeplan Maßnahmen wie gekennzeichnete Räume für Abkühlung, etwa in Kirchen, Büchereien oder Amtshäusern, den Ausbau des Fahrtendienstes für ältere Menschen und Fahrverbote für bestimmte Bereiche vor. Außerdem sollen weiterhin kühlere, schattige Straßenzüge den Wienerinnen und Wienern zur Verfügung stehen - künftig in allen 23 Bezirken. Damit soll weiterhin ein Cooles Wien sichergestellt werden.

Nachhaltige Wiener Schulen

Der nächste Bildungscampus in der Seestadt Aspern Nord wird durch ein neuartiges Energiekonzept energietechnisch weitgehend autark sein und weitgehend erneuerbare Energiequellen nutzen.

An 710 bestehenden Schulstandorte sollen Photovoltaikanlagen die Gebäude kühlen und wärmen. Gegen die sommerliche Erwärmung sind Maßnahmen wie Dachbegrünung, Begrünung von Fassaden und Innenhöfen, thermische Bauteilaktivierung oder automatisierte Beschattung vorgesehen.

Verträge zum Energiesparen für Wiener Bäder

Beim Energiespar-Contracting werden gemeinsam mit dem Auftraggeber Energie- und Wassersparmaßnahmen erarbeitet. Der Contractor wird in Höhe der eingesparten Energie- und Wasserkosten bezahlt. Für die Bäder Simmering, Hietzing, Großfeldsiedlung, Amalienbad, Donaustadt, Hütteldorf, Theresienbad, Ottakring und Schafbergbad laufen bereits die Energie-Einspar-Verträge. Für die Standorte Alte Donau und Krapfenwaldlbad ist der Vertragsabschluss derzeit im Laufen. Energie-Contracting spart 6.500 Tonnen Kohlenstoffdioxid und 5 Millionen Energiekosten im Jahr.

Umwelt in der Kinder- und Jugendstrategie

Die Werkstadt junges Wien, an der über 22.500 Kinder und Jugendliche teilgenommen haben, unterstreicht mit 2.000 Ideen und Vorschlägen zum Thema Umwelt und Natur den geplanten Schwerpunkt. Derzeit werden in allen Dienststellen der Stadt Maßnahmen gesammelt. Anfang nächsten Jahres beschließt der Wiener Gemeinderat die Kinder- und Jugendstrategie.

Mehr Bäume, Radwege, Öffis

Künftig werden noch mehr Schattenbäume für die natürliche Abkühlung sorgen, auch bei Straßenbauprojekten. Bestandteil der Ausweitung von Grünraum ist die sogenannte Schwammstadt, eine aktuell getestete Methode der Bewässerung.

Die Radwege und die öffentlichen Verkehrsmittel werden weiter ausgebaut, um den umweltschädlichen Verkehr mit Autos, Motorrädern und dergleichen zu senken. Daneben sollen mittelfristig auch Straßen in Wohngebieten rückgebaut werden.

Klimaschutz bei Wohnen und Wohnbau

Neben thermischen Maßnahmen (Dämmung) werden Energieversorgungssysteme saniert oder ersetzt, etwa durch Fernwärme, Biomasse, Wärmepumpen. Im geförderten Neubau gibt die Stadt das Kriterium Ökologie bei Bauträgerwettbewerben vor.

Im Gemeindebau werden vor allem Verschattungsmaßnahmen forciert. Eine Energiesparoffensive mit Nachrüstung bei Heizung, thermischer Sanierung und E-Sparlampen ist im Laufen.

Ein Mega-Speicherbecken, Donauhochwasserschutz und eine moderne Kanalnetzsteuerung schützen Wien bei Starkregenereignissen vor Hochwässern. Bei Stadtentwicklungsgebieten wird großer Wert auf ein zeitgemäßes Regenwassermanagement gelegt.

Aktuell gibt es Planungen zum Hochwasserschutz für den Rosenbach und den Kräuterbach.

Erstversorgungsambulanzen, Rettungsstationen und Primärversorgungseinheiten

Erstversorgungsambulanzen (EVA) sind als erste Anlaufstelle für Spontanfälle und die Vermittlung in den niedergelassenen Bereich gedacht. Außerdem sollen die Erstversorgungsambulanzen ein wichtiger Ausbildungsort für die moderne Allgemeinmedizin werden. Ein Pilot dazu startet im Herbst 2019 im Krankenhaus Hietzing.

Bis 2025 sollen 36 neue Primärversorgungseinheiten (PVE) in Wien gebildet werden. Erweiterte Öffnungszeiten sowie inter- und multiprofessionelle Zusammenarbeit sieht dieses Modell vor.

In Liesing und Aspern werden 2 neue Rettungsstationen bis 2022 errichtet.

Wiener Jugendunterstützung

Ab April/Mai 2020 wird die "Wiener Jugendunterstützung" die Lebenschancen für rund 27.000 junge Menschen zwischen 15 und 24 Jahren verbessern. Mit dieser Maßnahme werden die für die Mindestsicherung zuständige MA 40 und das AMS Wien ihre Zusammenarbeit neu organisieren und intensivieren. Die Arbeit wird in einem gemeinsamen Haus in Wien Meidling erfolgen. Durch die intensivere Betreuung sollen die jungen Menschen zurück am Arbeitsmarkt und bei Schulungsmaßnahmen erfolgreicher sein.

Digitalisierung und Frauen

In kostenlosen DigiGirlPower-Workshops vom Frauenservice Wien stehen Selbstbestimmung und Empowerment für junge Frauen zwischen 14 und 22 Jahren im Mittelpunkt. Darüber hinaus wird es mit dem waff einen Beratungsschwerpunkt Digitalisierung und Arbeitswelt sowie Digitalisierung und Alltag geben.

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