Restitutionsbericht der Stadt Wien

Der aktuelle Restitutionsbericht weist insgesamt 7.268 Kunstobjekte aus, die von den Museen der Stadt Wien, der Wienbibliothek und dem Jüdischen Museum Wien an ihre rechtmäßigen Eigentümerinnen und Eigentümer restituiert wurden.

Zwei Frauen und Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny vor einem Gemälde

Die Direktorin des Jüdischen Museums, Danielle Spera und Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny bei der Rückgabe eines Gemäldes an Anne Starkey (li.), die Großnichte des Malers Jehudo Epstein.

Die Stadt Wien hat sich verpflichtet, jene Kunst- und Kulturgegenstände aus den Museen, Bibliotheken, Archiven, Sammlungen und sonstigen Beständen der Stadt, die von Verfolgten des Nationalsozialismus stammen, unentgeltlich an die ursprünglichen Eigentümerinnen und Eigentümer oder deren Rechtsnachfolgerinnen und Rechtsnachfolger zu übereignen.

Am 2. Juni 2015 präsentierte Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny den dreizehnten und vierzehnten Bericht über erfolgte Übereignungen von Kunst- und Kulturgegenständen aus den Sammlungen der Museen der Stadt Wien, der Wienbibliothek im Rathaus sowie dem Jüdischen Museum der Stadt Wien dem Gemeinderatsausschuss für Kultur und Wissenschaft.

Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny:

Wien ist in der Provenienzforschung und Kunstrestitution weiterhin sehr aktiv tätig. In den vergangenen Jahren wurden Tausende Objekte gescreent und an die rechtmäßigen Besitzer zurückerstattet. Restitution ist eine Frage des Anstandes und ein wichtiger Beitrag zum sorgsamen Umgang mit unserer Vergangenheit. Ich bin strikt dagegen, einen Schlussstrich unter die Restitutionsdebatte zu ziehen, wie dies leider immer wieder zu hören ist. Solange noch Kunstgegenstände auftauchen, die vor oder während der NS-Zeit geraubt wurden, ist es ebenso unsere moralische wie rechtliche Verpflichtung, diesen Raub aufzuklären und die Kunstgegenstände den rechtmäßigen Eigentümern zurückzugeben.

Im aktuellen Restitutionsbericht werden die Ergebnisse der bisherigen Provenienzforschung und Erbinnen- und Erbensuche sowie der Tätigkeit der Restitutionskommission zusammengefasst.

Museen der Stadt Wien

Die Museen der Stadt Wien haben seit 1999 rund 24.300 fragliche Erwerbungen systematisch auf ihre Rechtmäßigkeit überprüft. Auf Grundlage dieser Forschungen konnten etwa 4.400 Objekte aus 48 Sammlungen und Sammlungsteilen den ehemaligen Eigentümerinnen und Eigentümern beziehungsweise deren Rechtsnachfolgerinnen und Rechtsnachfolgern zurückgegeben werden.

Im Berichtszeitraum wurde ein Fall (Moritz Kronfeld) abgeschlossen. In neun Fällen wurde die Restitution durch Verständigung der Rechtsnachfolgenden der ehemaligen Eigentümerinnen und Eigentümer in die Wege geleitet. In vier Fällen liegt eine Restitutitonsempfehlung der Kommission vor, die jahrelange Suche nach Erbinnen oder Erben führte aber bislang zu keinem Ergebnis. Dennoch wird auf Empfehlung der Kommission weiter gesucht. Zehn weitere potenzielle Rückstellungsfälle sind in Arbeit.

Bei 144 Museumsankäufen aus dem Bestand der Verwertungsstelle für jüdisches Umzugsgut der Gestapo (Vugesta) und mehr als 200 Erwerbungen von "arisierten" Werken durch Julius Fargel, dem Restaurator der Städtischen Sammlungen und Schätzmeister der Vugesta, empfahl die Kommission die Restitution an den Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus, falls sich die früheren Eigentümerinnen oder Eigentümer nicht eruieren lassen.

Wienbibliothek

In der Wienbibliothek wurden seit 1999 alle Erwerbungsvorgänge der Jahre 1933 bis 1946, sämtliche Akten der Bibliothek von 1938 bis 1950 sowie 50.000 Druckschriften der Erwerbsjahre 1943 bis 1946 hinsichtlich ihrer Vorbesitzvermerke überprüft. Dazu kommen noch rund 32.000 Bände, die 2008 und 2009 im Rahmen der Übersiedlung älterer Drucke in den Tiefspeicher gesichtet wurden.

Im Berichtszeitraum wurden von der Kommission drei Fälle behandelt und zur Restitution empfohlen, die Objekte wurden aber aus unterschiedlichen Gründen noch nicht ausgefolgt. 2.855 einzelinventarisierte Objekte, sowie 24 zuvor nicht erschlossene Kartons wurden bislang an die Rechtsnachfolgenden der ursprünglichen Eigentümerinnen und Eigentümer restituiert. Dabei wurde der überwiegende Teil wieder angekauft oder der Bibliothek zum Geschenk gemacht.

Die Zahl der mangels aussagekräftiger Hinweise und Unterlagen nicht einzuschätzenden Erwerbungen aus der Wienbibliothek liegt derzeit bei 64 mit insgesamt 267 Werken. In den meisten Fällen wurden bereits alle zugänglichen Quellen konsultiert, weshalb eine Klärung nur mehr über externe Stellen oder Personen erfolgen kann. Zu diesem Zweck sind diese Objekte über Datenbanken abrufbar.

Jüdisches Museum Wien

Das Jüdische Museum Wien betreibt in allen Sammlungsteilen Provenienzforschung. Die Objekte aus den Sammlungen Berger, Schlaff und Stern sind im Besitz der Stadt Wien, die Sammlung JMW sowie Neuerwerbungen und Schenkungen sind im Besitz des Jüdischen Museums. Die Sammlung IKG ist eine Dauerleihgabe der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde. Aufgrund der unterschiedlichen Besitzverhältnisse werden die Berichte zuständigkeitshalber einerseits der IKG, andererseits der Wiener Rückstellungskommission vorgelegt.

Die gegenwärtige Forschung erfolgt auf Grundlage des unter der Leitung von Felicitas Heimann-Jelinek 2008 durchgeführten Screenings von Objekten, deren Provenienzkette nicht einwandfrei nachzuvollziehen ist. Darüber hinaus wurde 2009 ein Screening in der Bibliothek des Museums durchgeführt. Im Berichtszeitraum wurden der Kommission Dossiers zu dreizehn Objekten vorgelegt. Davon wurden fünf Objekte an ihre jeweiligen Rechtsnachfolgerinnen oder Rechtsnachfolger zur Restitution empfohlen und bereits übergeben.

Überblick über bisherige Restitutionen

Eine detaillierte Übersicht über Objekte, die bislang von der Stadt Wien restituiert wurden, eine genauere Beschreibung der damit verbunden gewesenen Aktivitäten und Listen sämtlicher ungeklärter Erwerbungen sind dem Band "Die Restitution von Kunst- und Kulturgegenständen aus dem Besitz der Stadt Wien 1998-2001" beziehungsweise den ergänzenden Restitutionsberichten von 2002 bis 2011 zu entnehmen. Diese sind auf der Homepage der Museen der Stadt Wien und auf der Homepage der Wienbibliothek im Rathaus veröffentlicht.

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