Infrastrukturoffensive für das wachsende Wien

Arbeiter im mit Wasser befüllten Speicherbecken Simmering

Bis 2020 werden über 1,3 Milliarden Euro in die Infrastruktur der Bereiche Trinkwasserversorgung, Abwasserentsorgung und Energieversorgung investiert, um auf das prognostizierte Wachstum Wiens rechtzeitig zu reagieren.

Die Wiener Netze sowie die entsprechenden städtischen Abteilungen wie Wiener Wasser (MA 31) und Wien Kanal werden künftig noch enger zusammenarbeiten, um den Infrastrukturausbau voranzutreiben. Auch bei der Stadt Wien sind seit der Regierungsbildung 2015 alle Bereiche der kommunalen Daseinsvorsorge in einer Hand.

Verbunden mit den Investitionen in die Daseinsvorsorge sind die Schaffung von Arbeitsplätzen und eine Ankurbelung der lokalen Wirtschaft. Diese Bereiche werden auch künftig in städtischer Hand bleiben.

Ulli Sima, Stadträtin für Umwelt und Wiener Stadtwerke: "Wir gestalten Wien mit moderner Infrastruktur gemeinsam zukunftsfit und garantieren damit auch den nächsten Generationen höchste Lebensqualität und höchste ökologische Standards."

50 Millionen Euro jährlich für die Wasserverteilung

Nach einem international beachteten Sechs-Säulen-Modell erneuert Wiener Wasser seit etlichen Jahren das mehr als 3.000 Kilometer lange Wasserrohrnetz. Jährlich werden rund 30 Kilometer davon erneuert oder Instand gesetzt. Insgesamt werden in die Wasserverteilung in Wien jährlich 50 Millionen Euro investiert. Das Sechs-Säulen-Modell umfasst neben einem Netzinformationssystem (NIS), eine umfassende Netzüberwachung, eine EDV-Auswertung aller Informationen, die Forcierung der grabungslosen noDig-Bauweisen, die Synergieeffekte durch akkordierte Baumaßnahmen mit anderen Bauträgern und die verstärkte Betrachtung der Einbauten auf den Hauptverkehrsstraßen.

Das noDig-Verfahren vermindert Grabungs- und Zeitaufwand und damit den Baustellenverkehr. Dabei wird das neue Rohr in das alte eingezogen. Daher muss nur bei den Anschlussleitungen lokal aufgegraben werden. Dadurch können rund die Hälfte der Grabungsarbeiten und rund ein Drittel der Kosten eingespart werden. Beeinträchtigungen werden durch den verminderten Baustellenverkehr und die geringere Bauzeit verringert.

Neue Kanäle in die Stadterweiterungsgebiete

Mit einer Leitungslänge von mehr als 2400 Kilometern ist Wien Kanal Österreichs größter Kanalnetzbetreiber. Täglich wird eine halbe Milliarde Liter Abwasser sicher und umweltgerecht zur ebswien hauptkläranlage in Simmering transportiert und dort nach dem Vorbild der Natur gereinigt.

99,7 Prozent der Wiener Haushalte sind an das öffentliche Netz angeschlossen. Das ist ein internationaler Spitzenwert. Um die nächsten Zwei zehntel Prozentpunkte zu erreichen, investiert die Stadt Wien in den nächsten fünf Jahren rund 54 Millionen Euro in den Neubau öffentlicher Kanäle in bereits bestehenden Stadtteilen. Mit dieser Investition werden 1.200 bestehende Haushalte an das öffentliche Kanalnetz angeschlossen. Insgesamt investiert Wien Kanal bis 2020 rund 80 Millionen in das Wiener Kanalnetz.

Allein für die Erschließung der zahlreichen Stadterweiterungsgebiete werden bis 2025 rund 31 Millionen Euro in eine rund 20 Kilometer lange Kanal-Infrastruktur investiert.

Kanalnetz

Sanierungsprogramm für Generationen

Um den hohen Standard des Wiener Kanalsystems zu erhalten, ist ein ambitioniertes Sanierungsprogramm bis 2035 geplant. Basis für dieses Programm ist die laufende Erhebung des Kanalzustandes. Dabei wird von den Abwasserprofis jährlich rund ein Sechstel des 2.400 Kilometer langen Kanalnetzes mittels Kameras oder elektronischer Aufnahmegeräten inspiziert.

Bis 2023 sind in einem ersten Schritt rund zehn Kilometer Streckeninstandsetzung, sowie neun gebietsweise Sanierungen mit einer Gesamtlänge von 54 Kilometern geplant. In weiterer Folge werden rund 135 Kilometer Kanalnetz entsprechend der bis dahin ausgewerteten Schadensaufnahmen saniert.

Regenwassermanagement als Reaktion auf den Klimawandel

Auch in Wien nehmen Starkregenereignisse mit Überflutungen drastisch zu. Wien Kanal hat daher in Simmering, dem tiefsten Punkt Wiens, ein 30 Millionen teures Speicherbecken und zwei neue Transportkanäle errichtet.

Die unterirdischen Bauwerke haben ein Fassungsvermögen von mehr als 34 Millionen Litern Regenwasser. Das Wasser wird zwischengespeichert und später der Hauptkläranlage in Simmering über die Kanalisation zugeleitet.

Das Speicherbecken und die beiden Transportkanäle sind die letzten Bausteine einer in der Folge insgesamt 86 Millionen Liter Regenwasser fassenden Speicherkette in und um den 11. Bezirk. 2016 wurde das 90 Meter lange, 45 Meter breite und sieben Meter tiefe Becken fertig.

Europas größtes Kanalbauprojekt in Simmering

Auch in der Wienerfeldsiedlung sind zusätzliche technische Schutzmaßnahmen gegen Überflutungen geplant. Die Stadt investiert rund zehn Millionen Euro in eine intelligente Abwasser-Infrastruktur in und um die Wienerfeldsiedlung. Erneuert wird das gesamte Abwassernetz. Zudem werden auch leistungsfähige unterirdische Abwasserspeicher für Regenwetterfälle gebaut. Insgesamt 1,2 Millionen Liter Wasser fassen die drei Speicherkanäle in der Eisenmengergasse und Per-Albin-Hanson-Straße im 10. sowie der Hochwassergasse im 23. Bezirk. Gemeinsam mit dem 2,8 Millionen Liter fassenden Speicherbecken in der Neilreichgasse verfügt Wien Kanal damit über ein Speichervolumen bei Regenwetter von mehr als 26.000 Badewannen.

Kanalneubau Siedlung Wienerfeld

Eine Milliarde Euro von Wiener Netze bis 2020

Die Wiener Netze sorgen für eine sichere und zuverlässige Energieversorgung in der Bundeshauptstadt und darüber hinaus. 23.000 Kilometer Stromnetz, 4.670 Kilometer Gasnetz, 1.200 Kilometer Fernwärmenetz und 2.000 Kilometer Glasfasernetz für insgesamt 1,6 Millionen Kundinnen und Kunden werden von Österreichs größtem Netzbetreiber betrieben und in Schuss gehalten.

Die Wiener Netze investieren bis 2020 mehr als eine Milliarde Euro in das Wachstum der Stadt Wien. Dadurch ergibt sich auch die langfristige Sicherung von Arbeitsplätzen innerhalb und außerhalb der Wiener Netze.

Die neuen Stadtentwicklungsgebiete müssen rechtzeitig und vorausschauend in die vorhandene Infrastruktur integriert werden. Für das Stadtentwicklungsgebiet "In der Wiesen Süd" im 23. Bezirk begannen 2016 die Arbeiten für die Herstellung der Energieversorgung für 2.000 Personen. Die Investitionskosten betragen alleine für diesen Abschnitt über eine Million Euro. In der endgültigen Ausbauphase werden die Wiener Netze "In der Wiesen" rund 24.000 Kundinnen und Kunden sicher mit Energie versorgen.

Investitionen in Strom- Gas und Fernwärmenetze

Die Wiener Netze investieren bis 2020 mehr als 650 Millionen Euro in den Ausbau und die Erneuerung der Strom-, Gas- und Fernwärmenetze.

Etwa 20 Millionen Euro werden im Zuge der U4-Sanierung, jeweils rund elf Millionen Euro in die Umspannwerke Stadlau und Eisenstadtplatz sowie rund drei Millionen Euro in den Neubau des Umspannwerks Arsenal investiert. 48 Millionen Euro fließen in Erhalt und Ausbau des Fernwärmenetzes, zum Beispiel allein acht Millionen Euro in die 3,5 Kilometer lange Fernwärmeleitung zur SCS. Auch das Gasnetz wird erhalten und verbessert. Bis 2020 fließen 30 Millionen Euro in die Erneuerung von Hausanschlussleitungen und 5,5 Millionen Euro in Gasdruckregelanlagen.

Planen für die Energie-Zukunft

Wind- und Sonnenenergie sind umweltfreundlich, erfordern allerdings eine starke Flexibilität des Netzes. Die Wiener Netze unterstützen die Entwicklung zur umweltfreundlichen Energieversorgung, indem sie ihre Energienetze im Rahmen von Forschungsprojekten auf die optimale Einbindung der erneuerbaren Energien vorbereiten. So sollen die Wiener Netze einer der sichersten und zuverlässigsten Verteilernetzbetreiber in Europa mit einer Versorgungssicherheit von 99,99 Prozent bleiben.

In der Hightech-Anlage Biogas Wien werden bereits pro Jahr insgesamt 22.000 Tonnen an Küchenabfällen verwertet. Das dabei entstehende Biomethan wird in das Gasnetz der Wiener Netze eingespeist. Die Anlage erzeugt jährlich über eine Million Kubikmeter Kohlenstoffdioxid-neutrales Biomethan. 900 Wiener Haushalte werden damit umweltfreundlich versorgt. Das spart jährlich 3.000 Tonnen Kohlenstoffdioxid und ist ein aktiver Beitrag zum Klimaschutz.

Auch die BürgerInnen-Kraftwerke von Wien Energie wurden in das Verteilnetz der Wiener Netze integriert. Mittlerweile wurden bereits 23 BürgerInnen-Solarkraftwerke im Großraum Wien ans Netz angeschlossen.

Synergien noch besser nutzen und ausbauen

Mit der neuen Geschäftseinteilung im Magistrat sind nun erstmals alle zentralen Einheiten der kommunalen Daseinsvorsorge in einer Hand. Schon bisher wurden Synergien genutzt. So tauschen die Wiener Netze die Wasserzähler für Wiener Wasser. Wiener Wasser und Wien Kanal legen gemeinsam Rechnungen und sparen damit Papier und Porto für über 100.000 Gebührenbescheide.

Zentral sind die intelligente Planung und ein effizientes Baustellenmanagement. So soll möglichst gemeinsam aufgegraben werden. Da es unterschiedliche Anforderungen an Trinkwasser- und Abwasserleitungen sowie für Strom- und Gasleitungen gibt, werden die Baustellen künftig noch besser koordiniert und teilweise auch gemeinsam ausgeschrieben.

Weiterführende Informationen

Verantwortlich für diese Seite:
wien.at-Redaktion
Kontaktformular