Wiener Energiesparplan für weniger Energieverbrauch

Nach dem Lieferstopp von russischem Gas und der neuerlichen Eskalation des Krieges in der Ukraine betont die EU-Kommission die Dringlichkeit des Energiesparens. Bereits im Sommer 2022 hat sie die Mitgliedsstaaten dazu aufgerufen, ihren Energieverbrauch bis 31. März 2023 freiwillig um 15 Prozent zu senken. Darauf bereitet sich die Stadt Wien seit Wochen intensiv vor.

Ein mehrstufiger Punkteplan soll die Wiener*innen krisensicher durch Herbst und Winter begleiten. Zeitgleich werden sämtliche Bestrebungen der Klimamusterstadt Wien intensiviert, um Alternativen zu fossilen Energieformen und umweltbewusstes Handeln zu ermöglichen.

Bürgermeister Michael Ludwig: "Das Miteinander ist in Wien die wichtigste Grundlage, um gut und sicher durch schwierige Zeiten zu kommen. Das haben wir während der Pandemie bewiesen und das werden wir jetzt beweisen. Unser Motto heißt: Zusammenhalten, damit es warm für alle bleibt."

Wirtschaftsstadtrat Peter Hanke: "Für uns war immer klar, dass die Versorgung durch fossile Energieträger nur eine temporäre Lösung sein kann. Die kriegsbedingte Energiekrise hat die Dringlichkeit des Umstiegs auf erneuerbare Energie noch weiter verstärkt. Neben dem Ziel der Stadt bis 2040 klimaneutral zu sein, ist mir vor allem die Versorgungssicherheit der Wiener*innen wichtig. Bis 2030 investieren wir über die Wiener Netze rund 3 Milliarden Euro in die Netzsicherheit der Bundeshauptstadt Wien. Ein derart stabiles Stromnetz macht die Integration erneuerbarer Energien erst möglich, denn 90 Prozent der Energiewende finden im Verteilnetz statt."

Maßnahmen zu energiebewusstem Verhalten

  • Die schon seit Jahren laufende LED-Umstellung der Straßenbeleuchtung ist ein Musterbeispiel für die langfristige Reduktion des Energieverbrauchs. Sie spart bis zu 60 Prozent der Energie, ohne dabei den Interessen der Sicherheit und der Vermeidung von Angsträumen entgegenzulaufen. In Wien sind rund 153.000 Leuchten in der öffentlichen Beleuchtung verbaut. Rund die Hälfte der Lampen wurde bereits in energiesparende LED-Lampen getauscht. Derzeit läuft die Umrüstung der 80.0000 sogenannten Ansatz-Leuchten (auf den Masten) auf Hochtouren. Über 21.000 dieser Ansatz-Leuchten werden Ende 2022 bereits umgestellt sein. Auch die 8.000 Kugelleuchten auf der Donauinsel wurden bereits ausgetauscht. Um den Umrüstungsprozess zu beschleunigen, werden jetzt die über 7300 historischen Lampen in das aktuelle Umrüstungsprogramm integriert und damit vorgezogen.
  • Flankierend zum Ausbau der LED-Technik wurde auch der Einsatz der Straßenbeleuchtung in Wien bereits optimiert; ab 22 Uhr wird die Beleuchtung in verkehrsschwachen Bereichen auf 75 Prozent reduziert, ab 24 Uhr auf 50 Prozent.
  • Durch abgeschlossene Einspar-Contractings der Abteilung Bau- und Gebäudemanagement (MA 34) konnten bis 2022 bei 42 Objekten wie Amtshäusern, Kindergärten und Schulen Wärmeeinsparungen von rund 193.000 MWh erzielt werden. Das entspricht Kosten-Einsparungen von 14,7 Millionen Euro)
  • Seit 2000 wurden an 16 Standorten der Bäder (MA 44) durch Energieeinspar-Contracting in Summe circa 26.000 MWh Fernwärme, 6.500 MWh Gas und 2.600 MWh Strom erzielt. Weitere Energieeinspar-Contracting-Projekte im Jörgerbad, dem Floridsdorfer Bad und dem Kongreßbad sollen bald in Umsetzung gehen. Diese werden jährliche Einsparungen von rund 6.900 MWh Fernwärme und rund 100 MWh Strom erzielen, was dem Jahreswärmebedarf von etwa 690 Haushalten beziehungsweise circa 103.500 Euro pro Jahr und dem Jahresstrombedarf von etwa 35 Haushalten beziehungsweise 35.000 Euro pro Jahr entspricht.
  • Fernwärmeversorgte Magistratsobjekte unterliegen in Wien einer laufenden Überwachung. Kommt es zwischen Vorlauf- und Rücklauftemperatur zu Auffälligkeiten, werden diese schnell erkannt und behoben. Bisher wurde der Energieverbrauch bei 150 Gebäuden optimiert. Dadurch konnten jährlich Fernwärmeeinsparungen von circa 2.200 Megawattstunden erreicht werden, was circa 220 Haushalten beziehungsweise Jahreskosten von circa 330.000 Euro entspricht.
  • Neue Wiener Bildungsbauten wie die Bildungscampusse "Liselotte-Hansen-Schmidt" in der Donaustadt, Atzgersdorf in Liesing und Deutschordenstraße in Penzing werden ausschließlich mit Geothermie geheizt und gekühlt und verfügen über große Fotovoltaik-Anlagen. Je Standort werden jährlich circa 400 MWh Fernwärme beziehungsweise 60.000 Euro, 400 MWh Fernkälte und 150 MWh Strom beziehungsweise 52.300 Euro eingespart.
  • Als Hilfestellung beim privaten Energiesparen stellt die Stadt einen übersichtlichen Leitfaden bereit, der auch nützliche Links zu Beratungsstellen beinhaltet.

Rekord-Investitionen für Ausstieg aus fossiler Energie

  • Insgesamt nimmt die Wiener Stadtwerke-Gruppe von 2022 bis 2026 rund 6,2 Milliarden Euro in die Hand, um die entsprechende Infrastruktur aufzubauen. 91 Prozent oder 5,7 Milliarden Euro davon sind unmittelbar klimafördernde Investitionen. Alleine Wien Energie investiert bis 2026 1,2 Milliarden Euro in den Umbau des Energiesystems. Rund 400 Millionen sind dabei für den Ausbau der erneuerbaren Stromproduktion reserviert.
  • Bisher wurden seit 2000 durch Wien Energie bereits 50.000 Haushalte von Erdgas auf alternative Heizsysteme umgestellt. Das entspricht insgesamt einer Gaseinsparung von mehr als 5 Terawattstunden. Unter dem Intensivprogramm "Raus aus Gas" werden so rasch wie möglich weitere 400.000 Gasthermen umgestellt.
  • Um die Fernwärme klimaneutral zu machen, setzt Wien Energie neben der Müllverbrennung vor allem auf Geothermie und Großwärmepumpen wie jene am Kraftwerkstandort Simmering. Die Anlage ist die größte Wärmepumpe Österreichs und eine der stärksten Großwärmepumpen Mitteleuropas. Wien Energie baut bereits an der nächsten Großwärmepumpe: Bei der ebswien Kläranlage in Simmering entsteht derzeit eine der größten Großwärmepumpen Europas, die ab 2027 über 100.000 Wiener Haushalte mit grüner Wärme versorgen kann. Das Fernwärmesystem wird weiter massiv ausgebaut und durch Solarenergie, biogene Brennstoffe und den Einsatz von Großwärmepumpen optimiert. Bis 2030 wird Geothermie im Umfang von 120 MW thermisch ausgebaut. Dies entspricht einem Wärmebedarf von umgerechnet 125.000 Wiener Haushalten und einer Einsparung von jährlich etwa 1 Terawattstunden Erdgas.
  • Bis 2030 soll die Gesamtleistung der Fotovoltaik-Anlagen in Wien von derzeit 50 auf 800 MWp steigen. Dafür braucht es jährlich neue Fotovoltaik-Flächen in der Größe von 100 Fußballfeldern. Aktuell verdoppelt Wien die Fotovoltaik-Anlagen mit einer Leistung von 50 MWp. Die Anlagen werden auf allen öffentlichen und stadtnahen Gebäuden und Flächen, auf denen es technisch möglich, aufgestellt. Allein auf den Dächern stadteigener Gebäude stehen dafür rund 300.000 Quadratmeter zur Verfügung. Zu den derzeit größten Anlagen Wiens zählen das größte Solarkraftwerk Wiens in Unterlaa mit einer Gesamtfläche von 11.520 Quadratmetern (6.500 Module versorgen etwa 600 Haushalte mit Strom) sowie das Solarkraftwerk Liesing mit 6.000 Quadratmetern Fläche. Das 29. Bürger*innen-Solarkraftwerk am Wiener Zentralfriedhof ist seit Frühjahr 2022 in Betrieb. Die neue Anlage produziert jährlich rund 1.435 MWh Ökostrom.

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