Fachkonferenz 2017: "Intersektionalität: LGBTIQ und Behinderungen"

Die WASt lud am 13. November 2017 zu einer Fachkonferenz in die Wappensäle des Wiener Rathauses.

Die Fachkonferenz trug den Titel "Intersektionalität: LGBTIQ und Behinderungen. Von den Wechselwirkungen mehrerer Diversitätsmerkmale in Theorie und Praxis".

Vorträge von internationalen Expertinnen und Experten widmeten sich dem Thema "Intersektionalität und Behinderungen". In vier parallelen Workshops wurden LGBTIQ, Behinderung und Intersektionalität in Schule, Pädagogik und in der psychosozialen Arbeit zur Diskussion gestellt. Außerdem wurden Barrieren und Freiheiten in der LGBTIQ-Community beleuchtet und ein geschützter Raum zum Austausch für LGBTIQ mit Behinderungen eröffnet.

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Themen und Inhalte

Intersektionalität, also die Überschneidung und Verwobenheit verschiedener sozialer Kategorien, hat eine lange Geschichte. Schon 1851 fragte Sojourner Truth "Ain't I a woman?" und kritisierte damit fehlende Frauenrechte ebenso, wie sie auf die Existenz von Rassismus und Klassismus in der Frauenbewegung hinwies. In den 1980er Jahren sprach die amerikanische Juristin Kimberlé Crenshaw erstmals von "Intersectionality". Es ging fortan darum, zu sehen, dass ein Mensch etwa Frau und schwarz ist, schwul und behindert.

Heute geht es im Konzept der Intersektionalität nicht mehr darum, unterschiedliche Kategorien additiv zu erfassen, sondern vielmehr darum, ihr zeitgleiches Zusammenwirken und sich daraus ergebende Wechselwirkungen zu berücksichtigen, um soziale Ungleichheiten und Machtverhältnisse zu analysieren. Das Forschungsfeld von Intersektionalität sind Macht- und Normierungsverhältnisse, die bestimmte Strukturen und Identitäten perpetuieren.

Wie gehen wir in modernen (Anti-)Diskriminierungsdiskursen mit intersektionalen Ansätzen um, wo wir doch wissen, dass gruppenbezogene Identitätspolitiken helfen, die Diskriminierung benachteiligter Gruppen zu überwinden, das Übersehen der Differenzen innerhalb der einzelnen Gruppen jedoch neuerliche Marginalisierungen schafft?

Die Fachkonferenz "Intersektionalität: LGBTIQ und Behinderungen" lud dazu ein, den Horizont zu erweitern, die manchmal engen Grenzen des eigenen Antidiskriminierungs- und Gleichstellungsinteresses zu erweitern und die Dynamiken von mit einander in Wechselwirkungen stehenden Dimensionen wahrzunehmen, zu analysieren und für die eigene Arbeit nutzbar zu machen. Wann und wo ist dies notwendig? Ist dies die Quadratur der Komplexität, die Arbeiten im Alltag fast verunmöglicht? Oder erlaubt uns erst dieser neue Orientierungsrahmen, Menschen wenigstens annähernd in ihrer individuellen Komplexität zu begreifen?

Vor diesem theoretischen Hintergrund wurde die geschichtliche Entwicklung beleuchtet, Wechselwirkungen zwischen sexuellen Orientierungen, Identitäten und unterschiedlichen Behinderungen zum Thema gemacht:

  • Wie beeinflussen Behinderungen, Heteronormativität und Queerness einander?
  • Welchen rechtlichen Rahmen schafft die UN-Behindertenrechtskonvention?
  • Welche Erfahrungen machen Aktivistinnen und Aktivisten in staatlichen und nicht-staatlichen Strukturen in der LGBTIQ- und der Behindertenwelt?
  • Welche Ansätze gibt es in verschiedenen Subsystemen unserer Gesellschaft?
  • Wie können "Good Practice"-Beispiele aussehen?

Veranstaltungsdetails

  • Termin: Montag, 13. November 2017, 9 bis 17.30 Uhr
  • Ort: 1., Wiener Rathaus, Wappensaal
    Fahrplanauskunft
  • Eintritt: Die Teilnahme an der Konferenz ist kostenfrei.
  • Anmeldung: Eine verbindliche Anmeldung per E-Mail an wast@gif.wien.gv.at ist erforderlich.
  • Eröffnung: Stadtrat Mag. Jürgen Czernohorszky
  • Wissenschaftliche Leitung und Moderation: Mag. Wolfgang Wilhelm (WASt)
  • Das Wiener Rathaus ist barrierefrei zugänglich. Die Fachkonferenz wird in ÖGS übersetzt und kommunikationsunterstützt (Graphic Recording).
Verantwortlich für diese Seite:
Mag. Wolfgang Wilhelm (Wiener Antidiskriminierungsstelle für gleichgeschlechtliche und transgender Lebensweisen)
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