Schulhöfe - Umsetzungsbeispiel von Gender Mainstreaming

Blick in einen Schulhof mit Klettergerüst, Bänken und Bäumen

Untersuchungen zur Nutzung des öffentlichen Raumes belegen deutliche Unterschiede zwischen Mädchen und Burschen. Im Bereich Schulfreiräume zeigen die wenigen bisher vorhandenen Studien, dass auch hier Mädchen ihre Schwerpunkte in der sozialen Interaktion setzen und Burschen verstärkt in der Bewegung.

Platz für alle Bewegungsarten

Für die gesundheitliche Entwicklung von Mädchen wird von Fachleuten ein Mehr an Bewegung empfohlen. Bei Burschen haben die Themen Risikoverhalten und Umgang mit Aggression große Bedeutung. Burschen haben wesentlich mehr Unfälle und sind öfter an Konflikten beteiligt, die mit körperlicher Gewalt ausgetragen werden. Lieblingsspiele von Mädchen auf dem Schulhof sind Klettern und Reckturnen, Fangen spielen, Gummi hüpfen, Ballspiele, Plaudern und Rollenspiele. Burschen bevorzugen Fußball, Klettern, Fangen spielen und Schaukämpfe.

Nur wenige Wiener Schulen verfügen über große Schulfreiräume. Umso wichtiger ist es, den geringen Platz gut zu nützen und faire Regeln für die Nutzung zu vereinbaren.

Anregungen zur Raumgestaltung und Ausstattung

  • Ein Ballspielplatz soll nicht nur auf Fußballspielen abgestimmt sein, weniger "Fußballkäfigcharakter", eine andere Form, weniger Zäune und andere Bodenmarkierungen haben. Das erlaubt vielfältigere Ballspiele, wie zum Beispiel Volleyball, Basketball, Merkball und ermöglicht den Zugang auch für Mädchen und kleinere Buben.
  • Die klassische Einzelschaukel verursacht lange Warteschlangen und regelmäßiges Gerangel. Das Aufstellen von Nestschaukeln ermöglicht, dass mehrere Kinder gleichzeitig schaukeln können. Mit Nestschaukeln wird gemeinsames Spielen und Sitzen und Kommunikation unterstützt - ein Wunsch, den vor allem Mädchen äußern.
  • Ein großer "Kletterdschungel" mit vielen Angeboten und Schwierigkeitsstufen zum Herumklettern kommt vor allem dem Bewegungsdrang von Burschen entgegen. Geschicklichkeitsklettern und Turnen wird aber auch von Mädchen geschätzt und ermutigt sie zu mehr Bewegung.
  • Zusätzliche Spielangebote werden empfohlen. Tischtennis-Tische können zum Beispiel von mehreren Kindern und von verschiedenen Altersgruppen genutzt werden.
  • Ein offener Platz zum Herumlaufen bietet auch Ausweichmöglichkeiten, wenn der Ballspielplatz besetzt ist.
  • Ausreichend mobile Sitzplätze auch für das Lehrpersonal werden empfohlen.

Umsetzung

Eine gemeinsame Planung ist nötig, die alle Beteiligten miteinbezieht: Schülerinnen und Schüler, Lehrende und die für die Wartung Verantwortlichen.

Beispiele

Bei der Neugestaltung eines Schulhofs im 12. Bezirk in der Schule am Johann Hoffmann Platz wurden Workshops für Schülerinnen und Schüler nach Geschlechtern getrennt und mit gemischten Gruppen durchgeführt. Zudem gab es Besprechungsrunden mit Lehrerinnen und Lehrern, den Schulwarten, dem Architekturbüro und den für den Bau verantwortlichen Magistratsabteilungen. Was auf den ersten Blick viel Zeit zu kosten scheint, bringt neue Ideen und Lösungen.

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