Wiener Frauenpreis 2019 verliehen

Martina Mara, Traude Kogoj und Anna Steiger wurden am 3. Dezember 2019 mit dem Frauenpreis der Stadt Wien ausgezeichnet.

4 Frauen, 3 davon halten eine Troophäe in den Händen

V.l.n.r.: Traude Kogoj, Frauenstadträtin Kathrin Gaal, Anna Steiger und Martina Mara

Die Auszeichnung wurde zum 18. Mal im Wiener Rathaus verliehen.

In der Kategorie "Digitalisierung" hat sich die Jury für Martina Mara, Professorin für Roboterpsychologie am Linz Institute of Technology (LIT) der Johannes-Kepler-Universität Linz entschieden. In der Kategorie "Frauenförderung in Technischen Unternehmen" erhielt Traude Kogoj, Diversitätsbeauftragte der ÖBB, den Preis. In der Kategorie "Frauenförderung in der Wissenschaft" wurde Anna Steiger, Vizerektorin für Personal und Gender an der TU, ausgezeichnet.

Die Jury für den Frauenpreis 2019 bestand aus den Journalistinnen Tessa Prager, Hanna Herbst und Brigitte Handlos.

Stadträtin Kathrin Gaal: "Mit dem Wiener Frauenpreis machen wir Frauen und ihre Leistungen sichtbar. Wir holen starke Frauen vor den Vorhang, die sich auf ihrem Gebiet besonders für andere Frauen einsetzen. Sie sind Vorbilder. Mit dem Frauenpreis wollen wir allen Frauen und Mädchen Mut machen und ihnen zeigen: Traut euch alles zu! Euch stehen alle Chancen offen!"

Jury-Begründungen im Wortlaut

Preisträgerin in der Kategorie "Digitalisierung": Martina Mara

Martina Mara hat Kommunikationswissenschaften in Wien studiert und an der Universität Koblenz-Landau zur Nutzerakzeptanz menschenähnlicher Maschinen in Psychologie promoviert.

Nach langjähriger Forschungstätigkeit im außeruniversitären Bereich, unter anderem am Ars Electronica Futurelab, wurde sie im April 2018 als Professorin für Robopsychology an das Linz Institute of Technology (LIT) der Johannes Kepler Universität berufen. Im Mittelpunkt ihrer Arbeit stehen psychologische Bedingungen einer menschenzentrierten Technologie-Entwicklung und interdisziplinäre Forschungsstrategien.

Für Martina Mara sind Roboter nichts, das sich parallel zum Menschen entwickelt. Wir sind es, die Roboter erfinden und bauen. Der Roboter soll uns nicht ersetzen. Er soll uns ein Gehilfe sein. Er kann etwa Pflegerinnen und Pfleger bei der schweren physischen Arbeit unterstützen, damit diese mehr Zeit haben, emotional für die pflegebedürftigen Menschen da zu sein, sie anzulächeln, sie zu halten, ihnen zuzuhören. Roboter und Mensch als Team: Die Maschine hebt dem Menschen Unmögliches, der Mensch macht die Feinarbeit, der Roboter Unmögliches.

Und entlang dieses Weges gibt es noch sehr viel zu tun. Etwa die Frage zu stellen, weshalb die Alexas und Siris dieser Welt meist weiblich sind, obwohl hauptsächlich von Männern programmiert, und was das mit uns macht. Und wie es zu schaffen ist, dass mehr Frauen von Anfang an an diesen Programmierungen beteiligt sind, damit nicht erst Jahre später interveniert werden muss.

Martina Mara ist Mitglied des Österreichischen Rats für Robotik und Künstliche Intelligenz und Vorstandsmitglied der Ludwig Boltzmann Gesellschaft. Als Zeitungskolumnistin kommentiert sie das technologische Zeitgeschehen regelmäßig für ein breites Publikum.

Preisträgerin in der Kategorie "Frauenförderung in technischen Unternehmen": Traude Kogoj

Traude Kogoj ist Politikwissenschafterin und Historikerin, arbeitete als Journalistin, Organisations- und Unternehmensberaterin, hält Vorträge, lehrt an der Universität Wien und an Fachhochschulen und schreibt Bücher.

Seit 2012 ist sie Diversity-Beauftragte des ÖBB-Konzerns. Es wurden konkrete Ziele und Zahlen in einer Diversity-Charta festgelegt, sodass bis 2023 der Anteil der Frauen auf allen Ebenen deutlich erhöht wird. Ihr Grundsatz ist: "Gleichbehandlung und Antidiskriminierung sind nicht verhandelbar." Sie beschäftigt sich außerdem seit vielen Jahren mit Gender Mainstreaming, mit Veränderungsmanagement in Unternehmen und arbeitet daran, dass Digitalisierung nicht nur von Männern und für Männer eingesetzt wird, sondern dass in diesem Prozess die Gender-Dimension "eingeblendet" wird.

Ein wichtiges Projekt, das seit 2012 von Traude Kogoj geleitet wird, ist das Geschichtsprojekt "Verdrängte Jahre. Bahn und Nationalsozialismus in Österreich 1938 bis 1945", das sich mit der Aufarbeitung der dunklen Zeiten des Systems Schiene beschäftigt: Denn von 1938 bis 1945 waren die Österreichischen Bundesbahnen Teil der Deutschen Reichsbahn und eine der wichtigsten Stützen des nationalsozialistischen Staates.

Eine besonders wichtige und frauenpolitisch nachhaltige Aktivität war es, 1997 gemeinsam mit anderen Frauen das 1. Frauenvolksbegehren zu initiieren, das von 644.665 Österreicherinnen und Österreichern unterschrieben wurde.

In ihrem vielfältigen Engagement unterstützt sie Frauen und macht deren Leistungen sichtbar - und heute wird sie und ihre Leistung sichtbar gemacht: Die Jury entschied, den diesjährigen Wiener Frauenpreis an Traude Kogoj zu vergeben.

Preisträgerin in der Kategorie "Frauenförderung in der Wissenschaft": Anna Steiger

Anna Steiger ist - ausgestattet mit einem Jusstudium an der Uni Wien - eine unermüdliche Kämpferin für Gleichberechtigung und gleiche Chancen und Rechte für ALLE. Das hat sie schon in ihrem ersten großen Arbeitsfeld gezeigt, an der Akademie der Bildenden Künste, wo sie bereits Vizerektorin war.

Seit 2011 ist sie Vizerektorin für Personal und Gender an der TU Wien. Sie ist außerdem Mitglied im Dachverband österreichischer Universitäten, Senatsvorsitzende der Stipendienstelle Wien und sie sitzt im ExpertInnen-Rat von Social City Wien. Überall dort fließt ihre Überzeugung ein, dass gleiche Chancen und gleiche Gelder für alle das Um und Auf sind für eine gleichberechtigte Gesellschaft.

Seit eine Studie der TU Wien vor etlichen Jahren einen dramatisch sinkenden Frauenanteil an allen Studienrichtungen aufzeigte, ziehen sich die Handlungsempfehlungen dieser Studie wie ein roter Faden durch die Arbeit von Anna Steiger. Es wurde ein neuer Frauenförderplan erstellt, ambitionierte Ziele bei Frauenquoten angepeilt, es gibt einen jährlichen Frauenbericht. Mädchen und junge Frauen werden gezielt über technische Berufe informiert.

Frauen als "role models" - dieses Prinzip hat sich bewährt, sagt Anna Steiger. Sie selbst ist eine erfolgreiche Mentorin unter anderen beim Verein "Junge Musliminnen und Muslime in Ö". So werden Klischees aufgebrochen und Bilder verändert. Und Hand in Hand mit flexiblen Arbeitszeiten, Möglichkeiten, von zuhause aus zu arbeiten und einer internen Jobbörse verbessert sie die Chancengleichheit an der TU.

Daher entschied die Jury , dass Mag.a Anna Steiger für ihr vielfältiges Engagement den Frauenpreis der Stadt Wien verliehen bekommt.

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