Wiener Frauenpreis 2018 verliehen

Andrea Brem, Doris Damyanovic und Yvonne Scheer wurden am 11. Dezember 2018 mit dem Frauenpreis ausgezeichnet.

Drei Frauen, die je eine Trophäe in den Händen halten.

Die Preisträgerinnen Andrea Brem (links), Doris Damyanovic (mitte), Yvonne Scheer (rechts)

Am 11. Dezember wurde der 17. Wiener Frauenpreis im feierlichen Rahmen des Rathauses verliehen. Ausgezeichnet wurden 3 Wienerinnen, die sich für die Selbstbestimmung von Frauen engagiert haben.

In der Kategorie "Gewaltschutz" hat sich die Jury für Andrea Brem, Geschäftsführerin der Wiener Frauenhäuser, entschieden. In der Kategorie "Städtebau" erhält den Preis DIin Dr.in Doris Damyanovic, assoziierte Professorin am Institut für Landschaftsplanung an der Universität für Bodenkultur Wien. In der Kategorie "Gaming" wurde Yvonne Scheer, Genderbeauftragte des ÖESV, für ihre Leistung ausgezeichnet.

Die Preisträgerinnen erhielten neben 3.000 Euro Preisgeld die Statue "die mutige" von Ulrike Truger.

Stadträtin Kathrin Gaal: "Mit dem Wiener Frauenpreis machen wir seit vielen Jahren auf Frauen und ihre vielfältigen Leistungen aufmerksam. Das ist notwendig, da es oft das Wirken von Männern ist, das stärker von der Öffentlichkeit gesehen wird. Als Frauenstadträtin setze ich mich daher dafür ein, dass die Errungenschaften von Frauen und Männern sichtbar sind, um einer gleichgestellten Gesellschaft gerecht zu werden."

Jury-Begründungen im Wortlaut

Andrea Brem

Video: Frauenpreisträgerin 2018 - Andrea Brem

Man könnte ermüden nach all den Jahren des Kampfes gegen Gewalt an Frauen. Man könnte nachlassen im Engagement und dem Nachdruck, in dem man ihn betreibt. Man könnte manchmal auch verzweifeln, weil es diese alltägliche Gewalt immer noch gibt.

Andrea Brem aber ist eine der unermüdlich weiterkämpfenden Frauen. Sie wollte schon als Jugendliche Sozialarbeiterin werden und arbeitete bereits während ihres Studiums als Praktikantin in einem Frauenhaus. Seit den frühen Achtziger Jahren ist sie in Wiener Frauenhäusern aktiv, sie war eine der Initiatorinnen des Gewaltschutzgesetzes, das 1997 in Kraft trat, und ist seit 2001 Geschäftsführerin des Vereins Wiener Frauenhäuser. Sie setzt sich seit Jahrzehnten für Frauen ein, die Hilfe und Unterstützung bitter nötig haben. Sie hat sich dabei ihre Empathie bewahrt, aber auch die Kraft und den genauen Blick auf Rückschläge und notwendige Weiterentwicklung.

Jede Frau, so sagte sie in einem Interview, der es gelingt, aus der Gewaltsituation zu entkommen, und jedes Kind, bei dem es gelingt, dass es aus der Gewaltspirale aussteigt und später einmal nicht selbst Täter oder Opfer wird, sei unheimlich lohnend. Das ist ihre Motivation. Und jede ehemalige Klientin, die ihr erzählt, dass es ihr jetzt gut gehe, bestärkt sie in ihrer Arbeit.

Das Bedrückende an der Arbeit: Sie ist leider nicht überflüssig geworden. Die Gewalt ist nicht weniger geworden, die Warnungen sind im Grunde die gleichen geblieben, manches, wie die Gemeinsame Obsorge, macht Frauen den Ausbruch aus der häuslichen Gewalt noch schwerer, und der Backlash in Sachen Frauenpolitik ist unübersehbar.

Aber: Anders als vor Eröffnung des ersten Frauenhauses in Wien weiß heute jeder, wie notwendig Frauenhäuser leider sind. In Wien sind die 4 Frauenhäuser - im Unterschied zu anderen Frauenhäusern - von der Stadt finanziell abgesichert. Ihre Bekanntheit ist sehr groß. Und in den 40 Jahren ihres Bestehens wurde tausenden Frauen und Kindern geholfen. Andrea Brem und ihre Mitarbeiterinnen haben viele Frauenleben gerettet.

Ausruhen gibt es da nicht. Aber heute ist der Tag, an dem wir Andrea Brem ehren und ihr Danke sagen. Die Jury hat Andrea Brem den Wiener Frauenpreis zuerkannt, um ihre Arbeit und die ihrer Mitarbeiterinnen sichtbar zu machen, um die Frauen und Kinder, für die sie sich einsetzen, sichtbar zu machen - und, um ihr Mut zum Weiterkämpfen zu machen.

DIin Dr.in Doris Damyanovic

Video: Frauenpreisträgerin 2018 - Doris Damyanovic

In Wien-Mariahilf leben rund 30.000 Menschen auf knapp 1,5 Quadratkilometern. Nur 3 Prozent entfallen auf Grünflächen. Der Bezirk ist mit 4 U-Bahn-Linien, 5 Buslinien und 3 hochwertigen Straßenzügen verkehrstechnisch gut erschlossen. Aber: Ein Viertel der Gehsteige sind unter 2 Meter breit. An rund der Hälfte der Kreuzungen fehlen Querungshilfen, zwischen dem höchst- und dem niedrigstgelegenen Punkt liegen 31 Meter Höhenunterschied. Es gibt 50 Stiegen- und Stufenanlagen, mehr als 30 davon hatten keine Rampe. Hier war also dringend Gendermainstreaming in der Verkehrsplanung gefragt. Und nun kommt unsere Preisträgerin ins Spiel: Doris Damyanovic ist assoziierte Professorin für Landschaftsplanung am Department für Raum, Landschaft und Infrastruktur an der Universität für Bodenkultur in Wien. Sie beschäftigt sich seit über 20 Jahren in Forschung, Lehre und Praxis mit geschlechtsspezifischen Ansätzen in den Planungswissenschaften.

Konkret heißt das, dass so geplant und gebaut wird, dass die Haus- und Familienarbeit erleichtert wird. Eben zum Beispiel durch abgeflachte Gehsteigkanten, die das Rollen von Kinder- und Einkaufswägen einfacher machen. Oder der Bau von Wohnanlagen, wie die Frauen-Werk-Stadt I und II, die so errichtet sind, dass die nachbarschaftlichen Kontakte besser möglich sind. Dass eine Wohnanlage oder ein Straßenzug so beleuchtet ist, dass sich frau auch am Abend sicher fühlen kann. Dass ein Spielplatz so angelegt ist, dass er gut überschaubar und kindersicher ist.

Man sollte meinen - ganz selbstverständliche Dinge, die allen Menschen zum Vorteil gereichen. Aber Frauen denken eben eher daran als Männer, denen dann doch oft die Schönheit des Kanaldeckels wichtiger ist, als ein gut beleuchteter Durchgang.

Doris Damyanovic bearbeitet das Feld des gendergerechten Planens und Bauens wie gesagt seit 20 Jahren und sie tut dies unermüdlich zum Vorteil der Bürgerinnen der Stadt Wien. Und wer ihr Handbuch "Gender Mainstreaming in der Stadtplanung und Stadtentwicklung" aus dem Jahr 2013 in Händen hält, dem wird schnell klar, dass sie das mit großer Akribie und Ernsthaftigkeit tut.

Darüber hinaus ist es ihr wichtig, Frauen in Planungs- und Naturwissenschaften sichtbar zu machen. Und dann wurden für sie in den letzten Jahren auch immer mehr Umwelt-Themen, soziale Stadtentwicklung und Naturgefahrenmanagement von Bedeutung - auch Themen, die das Leben von Frauen oft stark beeinflussen.

Und weil uns diese Fülle an gendergerechten Themen und dieses Engagement für die Lebenswelten von Frauen sehr beeindruckt haben, schlagen wir Frau Diplomingenieurin Doktorin Doris Damyanovic für den Frauenpreis der Stadt Wien vor. Wir gratulieren.

Yvonne Scheer

Video: Frauenpreisträgerin 2018 - Yvonne Scheer

Auf Fotos ist Yvonne Scheer oft als einzige Frau abgebildet. Sie hat sich hochgekämpft in einer männergeprägten Domäne. Doch ihr Kampf ist nicht unbedingt der typische für eine Frau in einem von Männern geprägten Bereich, Yvonne Scheer kämpft auch etwa mit Schwertern. Sie ist Österreichs erste Genderbeauftragte für E-Sports, also für den Wettkampf zwischen Menschen durch Videospiele. Als solche möchte sie weibliche Spielerinnen fördern, die es in der SpielerInnen-Welt oft nicht leicht haben.

Es mag eine Welt sein, in die viele hier nie eingetaucht sind - gerade Frauen. Aber sie ist riesig: 2017 sahen etwa 335 Millionen Menschen weltweit Übertragungen dieser Wettbewerbe zu. Der Großteil der SpielerInnen sind männlich, die Entwickler sind männlich, die Figuren in den Spielen oft Ausprägungen männlicher Fantasien: Die männlichen Spielfiguren bis unter die Zähne bewaffnet und bis über beide Ohren in Rüstungen, die Frauen lasziv halb nackt mit einer Körbchengröße, die nach einem fähigen Chiropraktiker schreit.

So werden auch die spielenden Frauen oft nicht als Subjekte wahrgenommen. Sie werden belächelt und sexistisch beschimpft, sie werden mit Vergewaltigung bedroht oder aufgefordert, zurück in die Küche zu gehen, als hässlich bezeichnet und degradiert.

Das sorgt dafür - wer kann es ihnen verübeln -, dass Frauen sich nicht in die Welt der Spielwettkämpfe wagen. Oder - haben sie sich hineingewagt - sie bald wieder verlassen. Und dagegen kämpft Yvonne Scheer an. Damit Frauen Schritt für Schritt alle Domänen erobern, mit und ohne Schwert, mit und ohne Schild. Aber auf jeden Fall mit viel Talent und Mut, Kraft und Ausdauer.

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