Wiener Frauenpreis 2016 verliehen

Maria Mayrhofer und Beate Wimmer-Puchinger wurden am 6. Dezember 2016 mit dem Frauenpreis ausgezeichnet.

Beate Wimmer-Puchinger, Maria Mayrhofer

Am 6. Dezember wurde der 15. Wiener Frauenpreis im feierlichen Rahmen des Rathauses verliehen. Ausgezeichnet wurden zwei Wienerinnen, die sich für die Selbstbestimmung von Frauen engagiert haben.

In der Kategorie "Gegen Hass im Netz" hat die Jury sich für Maria Mayrhofer, Leiterin der NGO #aufstehn entschieden. In der Kategorie "Frauengesundheit" wurde Beate Wimmer-Puchinger ausgezeichnet. Wimmer-Puchinger war bis 2015 Frauengesundheitsbeauftragte der Stadt.


Beate Wimmer-Puchinger, Stadträtin Sandra Frauenberger, Maria Mayrhofer

Stadträtin Sandra Frauenberger mit den Preisträgerinnen Maria Mayrhofer (rechts) und Beate Wimmer-Puchinger (links)

Stadträtin Sandra Frauenberger: "Mit dem Wiener Frauenpreis holen wir engagierte Frauen vor den Vorhang, die sich für gleiche Rechte engagieren. In diesem Jahr zeichnen wir einerseits eine langjährige Kämpferin aus, die Pionierin in einem wichtigen Thema der Frauenbewegung ist und eine engagierte Frau, die sich gegen Hass im Internet einsetzt. Das zeigt, wie vielfältig der Einsatz für Frauenrechte in Wien ist."

Die Preisträgerinnen erhalten neben 3.000 Euro Preisgeld eine Statue, die von Ulrike Truger gestaltet wurde.


Jury-Begründungen im Wortlaut

MMag.a Maria Mayrhofer

Video: Wiener Frauenpreis 2016 - Gegen Hass im Netz

Auch Männer bekommen Hasspostings und werden Opfer von Shitstorms im Internet. Richten sich die Aggressionen gegen Frauen, kommt allerdings ein spezieller Unterton dazu: Viele der Hasspostings sind sexuell konnotiert und damit sexualisierte Gewalt, der Frauen von einer kleinen, aber sehr lauten Gruppe im Netz ausgesetzt sind. Das ist - auch - eine Form der Einschüchterung, bei der jede Frau Hilfe und Solidarität brauchen kann.

#aufstehn bietet diese Unterstützung: Das Team thematisiert Hass und sexualisierte Gewalt im Netz, hilft mit, es zur öffentlich diskutierten Agenda zu machen und Politikerinnen sowie Politiker zum Handeln zu bewegen. Die Aktion #solidaritystorm war ein Beispiel einer digitalisierten Kampagne, um im Internet ein Gegengewicht zu Hasspostings zu schaffen.

Maria Mayrhofer leitet das #aufstehn-Team, eine relativ neu gegründete NGO. Als Geschäftsführerin plant und koordiniert die Politologin Kampagnen schmiedet Koalitionen und versucht, im Netz zu mobilisieren. Mayrhofer ist dabei stets eine laute und engagierte Stimme für Gender-Themen und hat einen wesentlichen Beitrag dazu geleistet, das Thema Hass im Netz zu einer Agenda zu machen, die nicht die Privatsache von Frauen ist, die von Hasspostings betroffen sind.

Daher hat sich die Jury entschieden, Maria Mayrhofer von #aufstehn den Wiener Frauenpreis zu verleihen.

Univ. Prof.in Dr.in Beate Wimmer-Puchinger

Video: Wiener Frauenpreis 2016 - Frauengesundheit

Schon mit einer ihrer ersten Forschungsarbeiten über die Motive zum Schwangerschaftsabbruch löste die klinische Psychologin heftige Diskussionen aus. Es waren die 1970er-Jahre, die Frauenbewegung kämpfte um das Selbstbestimmungsrecht der Frau. Noch galt der männliche Körper in der Medizin als die Norm, Frauen kamen nur am Rand vor. Waren sie krank, wurden Ihnen allzu schnell Medikamente verschrieben. Nach den Ursachen wurde damals wenig gefragt, und Prävention war kaum ein Thema. Wimmer-Puchinger forschte zu Geburtenregelung und Schwangerenbetreuung, baute an der Semmelweis-Frauenklinik eine psychosomatische Ambulanz und Österreichs erstes Frauengesundheitszentrum F.E.M. auf.

Sie erstellte den ersten Wiener Frauengesundheitsbericht, in dessen Folge das Wiener Frauengesundheitsprogramm erarbeitet wurde. 1999 wurde Professorin Wimmer-Puchinger Frauengesundheitsbeauftragte der Stadt, um das Programm umzusetzen. Sie blieb in dieser Funktion bis 2015. Mit großem Engagement forschte, informierte und entwickelte sie Programme zu Essstörungen, gegen mediale Schönheitsideale und den "Supermarkt" Schönheitschirurgie, zu postnatalen Depressionen, Brustkrebsscreening, Gewalt gegen Frauen, weiblicher Genitalverstümmelung, Gesundheitsförderung für sozial benachteiligte Frauen oder Schulungen für das Spitalspersonal zur Früherkennung von häuslicher Gewalt. Das sind Themen, die uns heute geläufig sind - und dazu hat Beate Wimmer-Puchinger entscheidend beigetragen.

Für sie war und ist die Gesundheit von Frauen ein Beitrag zu Chancengleichheit und Geschlechtergerechtigkeit. Beate Wimmer-Puchingers Arbeit war ein wesentlicher Beitrag zur Gesundheit von Frauen in Wien.

Deshalb hat sich die Jury entschieden, der Pionierin der Frauengesundheit den Wiener Frauenpreis zu verleihen.

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