"Gewalt macht krank!"-Kampagne

Gewalt gegen Frauen ist ein hohes Gesundheitsrisiko. Die Stadt Wien startete im Juli 2015 eine Kampagne zur Sensibilisierung bei Gewalt gegen Frauen.

Plakat zur Kampagne "Gewalt macht krank!": Besorgte Ärztin mit Patientin, dazu der Text "Jede 5. Frau in Österreich hat seit ihrem 15. Lebensjahr körperliche und/oder sexualisierte Gewalt erfahren. Davon könnten auch Ihre Patientinnen betroffen sein. Viele Gewaltopfer schämen sich und haben Angst. Gewalt macht krank! Machen Sie den ersten Schritt! Fragen Sie Ihre Patientin, ob sie Hilfe braucht. Coaching bei Fragen zu Beziehungsgewalt und sexualisierter Gewalt: 24-Stunden Frauennotruf der Stadt Wien 01-71 71 9"

"Gewalt macht krank! Es gibt Hilfe, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder mit Ihrem Arzt!" - Unter diesem Motto steht die Kampagne gegen Gewalt gegen Frauen. Sie thematisiert die Schlüsselrolle von Ärztinnen und Ärzten sowie des Krankenhauspersonals bei der Früherkennung und Prävention von häuslicher und sexualisierter Gewalt.

Zwei Poster wenden sich direkt an das Gesundheitspersonal beziehungsweise in vier Sprachen an die Patientinnen selbst. Die Poster werden im niedergelassenen Bereich und in Spitälern aufgehängt.

Frauenstadträtin Sandra Frauenberger, die Wiener Frauengesundheitsbeauftragten Beate Wimmer-Puchinger und Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely  mit Plakat

Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely, die Wiener Frauengesundheitsbeauftragten Beate Wimmer-Puchinger und Frauenstadträtin Sandra Frauenberger (v.r.n.l)

Gesundheitsstadträtin Sonja Wehsely: "Wir wollen die Wiener Krankenhäuser und Ordinationen als erste Anlaufstellen kompetent für den Umgang mit Gewaltopfern machen. Dies erleichtert einerseits Diagnose und Therapie, andererseits kann aufmerksames Gesundheitspersonal mithelfen, einer Patientin den Weg aus einer oft jahrelangen Gewaltbeziehung zu öffnen. Die Kampagne will Personen im Gesundheitsbereich bewusst machen, welchen Beitrag sie bei der Früherkennung von Gewalt leisten könnten."


Enttabuisierung und frühzeitige Hilfe

Plakat zur Kampagne "Gewalt macht krank!": Finger zeigt auf einen Bluterguss, dazu der Text "Gwalt macht krank! Es gibt Hilfe! Sprechen sIe mit Ihrer Ärztin oder mit Ihrem Arzt! Ihr Freund schlägt Sie? Ihr Mann zwingt Sie zum Sex? Jemand beschimpft und erniedrigt Sie? Ihr Ex verfolgt Sie? Bei Beziehungsgewalt und sexualisierter Gewalt hilft: 24-Stunden Frauennotruf der Stadt Wien 01-71 71 9, Wiener Frauenhäuser 05 77 22"

Jede fünfte Frau in Österreich hat seit ihrem 15. Lebensjahr körperliche oder sexualisierte Gewalt erlebt. 20 Prozent der Frauen mit Gewalterfahrung werden auch in der Schwangerschaft von ihrem Partner körperlich misshandelt.

Frauenstadträtin Sandra Frauenberger: "Nicht zuletzt aus frauenpolitischer Sicht ist es äußerst wichtig, dass im Gesundheitsbereich genau hingeschaut wird. Das Gesundheitspersonal kann dazu beitragen, Beziehungsgewalt und sexualisierte Gewalt zu enttabuisieren und Opfern frühzeitige Hilfe zukommen zu lassen."

Schulungen sensibilisieren das Spitalspersonal

Ärztinnen und Ärzte sowie Krankenhausmitarbeiterinnen und -mitarbeiter sind häufig die ersten Personen, mit denen ein Opfer von Beziehungsgewalt oder sexualisierter Gewalt in Kontakt kommt.

27 Prozent der gewaltbetroffenen Frauen in Österreich suchen nach dem gravierendsten Vorfall von Beziehungsgewalt ein Spital oder eine Arztpraxis auf. Sie gehen bis zu zehnmal öfter in ein Krankenhaus als nicht von Gewalt betroffene Frauen. Sie wechseln häufig ihre Ärztin beziehungsweise ihren Arzt, um möglichst anonym zu bleiben und den Täter zu schützen. Sie schweigen aus Angst vor dem gewalttätigen Partner, schämen sich oder geben sich selbst die Schuld, Opfer von Gewalt geworden zu sein.

Im Wiener Krankenanstaltenverbund (KAV) findet in Kooperation mit dem Wiener Programm für Frauengesundheit eine interdisziplinäre Fortbildungsreihe statt, die die Rolle des Gesundheitspersonals bei der Früherkennung häuslicher und sexualisierter Gewalt thematisiert. Zusätzlich organisieren Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Opferschutzgruppen in den einzelnen Krankenanstalten laufend Schulungen, um die Kolleginnen und Kollegen im Umgang mit Gewaltopfern zu trainieren, Know-how zur gerichtlich verwertbaren Dokumentation zu vermitteln und einen Überblick über das Angebot von Opferschutzeinrichtungen außerhalb des Krankenhauses zu geben.

Poster bei ÄrztInnen und in Spitälern

Körperliche, psychische und sexualisierte Gewalt verursacht behandlungsintensive Erkrankungen. Neben Verletzungen und körperlichen Behinderungen können auch chronische Unterbauchschmerzen, Frühgeburten, Angststörungen, Depressionen oder Suchterkrankungen auf eine Gewalterfahrung zurückgehen.

Beide Poster werden niedergelassenen Allgemeinmedizinerinnen und -medizinern sowie Gynäkologinnen und Gynäkologen zur Verfügung gestellt. Zudem werden sie in Spitalsabteilungen, die am häufigsten von Gewaltopfern aufgesucht werden, aufgehängt.

Die Initiative "Gewalt macht krank!" verstärkt sichtbar die Botschaft der Checkliste bei Gewalt gegen Frauen. Die Checkliste erinnert an die wichtigsten Schritte zu Gesprächsführung, Dokumentation und Spurensicherung, und enthält außerdem opferschutzrelevante Kontaktdaten für das Gesundheitspersonal.

Poster und Checkliste sind per E-Mail an frauengesundheit@ma24.wien.gv.at und beim Wiener Programm für Frauengesundheit unter der Telefonnummer 01 4000-84200 erhältlich.

Zudem berät der 24-Stunden Frauennotruf der Stadt Wien Frauen in Gewaltsituationen sowie Angehörige und Gesundheitspersonal rund um die Uhr.

Verantwortlich für diese Seite:
Frauenservice Wien (Magistratsabteilung 57)
Kontaktformular