Verteilungsgerechtigkeit - Frauen in Wien

Verteilungsgerechtigkeit zwischen den Geschlechtern kann sich auf das Einkommen, Vermögen, die Zeitverwendung, bezahlte und unbezahlte Arbeit, Deutungs- und Entscheidungsmacht sowie Karrierechancen beziehen. Die tatsächliche Gleichstellung der Geschlechter ist erst dann erreicht, wenn diese Güter zwischen Frauen und Männern gleich verteilt sind.

Gldscheine werden von einer Hand in die andere gereicht.

Bei der Erledigung unbezahlter Arbeit, zum Beispiel im Haushalt, bei der Kinderbetreuung oder Pflege von Angehörigen, besteht nach wie vor ein geschlechtsspezifischer Unterschied. Frauen haben in den letzten Jahrzehnten gegenüber Männern zwar in vielen Bereichen aufgeholt. Zu den Bereichen zählen die schulische und universitäre Bildung, die berufliche Qualifikation, der Anteil der Erwerbstätigen und die politische sowie gesellschaftliche Partizipation. Die überwiegend alleinige Verantwortung für innerfamiliäre, unbezahlte Tätigkeiten konnten sie im Zuge dieser Entwicklung dennoch nicht abstreifen und gegen eine faire, partnerschaftliche Aufgaben- und Verantwortungsteilung eintauschen. Die Ungleichverteilung bezahlter und unbezahlter Arbeit zwischen Frauen und Männern widerspricht der Idee einer gleichberechtigten Gesellschaft. Die Doppel- und Mehrfachbelastungen für Frauen wirken sich nachteilig auf die Möglichkeiten für Erwerbsarbeit, die verfügbare Freizeit sowie die Gesundheit von Frauen aus.

Einkommensnachteile, erhöhtes Armutsrisiko und faktische Frauenarmut sind als direkte Konsequenzen der Ungleichverteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit mahnende Beispiele für die Notwendigkeit einer Umverteilung zwischen Frauen und Männern.

Einkommensschere

Frauen in Österreich verdienen immer noch rund 40 Prozent weniger als Männer, wenn die mittleren Bruttojahreseinkommen aller unselbständigen Erwerbstätigen (ohne Lehrlinge), inklusive Teilzeitbeschäftigte und nicht-ganzjährig Beschäftigte, herangezogen werden. Wien weist die geringsten Einkommensunterschiede auf. 2012 betrug die Einkommensschere in Wien 21,5 Prozent. Bei den Angestellten der Stadt Wien ist sie noch geringer und betrug knapp elf Prozent.

Equal Pay Day

Der Equal Pay Day ("Tag des gleichen Einkommens") findet in vielen Ländern im Frühling und/oder im Herbst statt. Er macht auf die bestehenden Einkommensunterschiede zwischen Frauen und Männern aufmerksam. Er wurde 1666 durch das "National Committee on Pay Equity" (NCPE) in den USA ins Leben gerufen.

Grundsätzlich sollen beide Tage sichtbar machen, um wie viele Tage Frauen mehr arbeiten müssen, um den gleichen Lohn wie Männer zu erzielen. Der Equal Pay Day im Herbst geht davon aus, dass ab diesem Tag Frauen unbezahlt weiter arbeiten, während die Einkommen der Männer weiterlaufen. 2014 fand der Equal Pay Day am 10. Oktober statt – zwei Tage später als 2013 (8.10.).

In Wien fiel der Equal Pay Day auf den 25. Oktober und rückte im Vergleich zu 2013 damit gleich drei Tage weiter nach hinten (22.10.). In Wien ist der Einkommensunterschied zwischen Männern und Frauen österreichweit am geringsten - trotzdem arbeiteten Wienerinnen ab dem 25.10. "gratis".

Die Rechenweise für den Equal Pay Day im Frühling geht davon aus, dass Frauen in Österreich noch bis 31. März weiterarbeiten müssen, um die Lohnschere auszugleichen. Männer verdienen demnach das Gehalt, für das Frauen bis zu dem errechneten Tag im Frühling arbeiten müssen, bereits bis 31. Dezember des Vorjahres.

Situationsbericht zum Thema Einkommensunterschiede

Die Einkommenssituation in Österreich ist von ausgeprägten geschlechtsspezifischen Differenzen gekennzeichnet. Männer verdienen deutlich mehr als Frauen. Die L&R Sozialforschung hat im Auftrag des Frauenservice der Stadt Wien (MA 57) einen Situationsbericht zu geschlechtsspezifischen Einkommensunterschieden erstellt. Der Bericht bereitet den wissenschaftlichen Diskurs zu diesem Themenbereich auf und legt Ansätze dar, die über die rein rechnerische Messung der Einkommensunterschiede hinausgehen. Der Bericht basiert auf einer mehrstufigen Forschungsarbeit. Die Grundlage bilden aktuelle Daten und bereits vorliegende nationale und internationale Analysen zum Thema.

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