Veranstaltung "PRO statt ANTI feministisch! Wider den Backlash!" (Rückblick)

Am 7. Juni 2017 lud die Frauenabteilung der Stadt Wien (MA 57) zum ersten Netzwerktreffen gegen Antifeminismus in die Wiener Urania.

Veranstaltet wurde das Treffen auf Initiative der Wiener Stadträtin für Soziales, Gesundheit und Frauen, Sandra Frauenberger, und in Kooperation mit den an.schlägen, das feministische Magazin.

Stadträtin Sandra Frauenberger mit Vortragenden der Veranstaltung

V.l.n.r.: Claudia Throm (MA 57), Sarah Diehl, Frauenstadträtin Sandra Frauenberger, Judith Goetz, Andrea Mautz (MA 57) auf der Veranstaltung

Seit längerer Zeit nehmen antifeministische Reflexe in der Gesellschaft wieder zu und explizite Stimmen gegen emanzipatorische Frauenpolitik werden lauter. Zwar rückt der Equal Pay Day langsam nach hinten im Kalender und Frauen erobern männlich-dominierte Sphären, dennoch bleibt es notwendig, über den Backlash zu sprechen:

Einen Backlash, der es möglich macht, die Forderung "Zurück an den Herd" nicht mehr nur hinter vorgehaltener Hand zu artikulieren, sondern wieder damit Politik zu machen. Einen Backlash, der sich gegen den Zugang zu reproduktiver Gesundheit und besonders gegen Schwangerschaftsabbruch stark macht. Einen Backlash, der Frauen als schönes Beistück zum erfolgreichen Mann begreifen will. Einen Backlash, der es scheinbar zulässig macht, auf die Argumente von Frauen mit Gewaltdrohungen zu antworten.

Vorträge und Statements

Dabei ist es kontext- und kulturabhängig, wie sich Misogynie und Antifeminismus äußern. Das zeigten die Berliner Autorin und Aktivistin Sarah Diel und die Wiener Politikwissenschaftlerin Judith Goetz in ihren Vorträgen.

In einem einleitenden Statement machte Sandra Frauenberger die Notwendigkeit des langen Atems deutlich. International und national lassen sich antifeministische Tendenzen bemerken. Dabei wird auch deutlich, dass Frauenrechte, die bereits als selbstverständlich erachtet wurden, nicht in Stein gemeißelt sind.

Sie sieht daher die Vernetzung und gegenseitige Solidarität von Frauen als wichtige Gegenmaßnahme gegen die antifeministischen Stimmen, denn diesen Trend gilt es zu analysieren und ihm gegenzusteuern.

Situation in den USA als Beispiel

Sarah Diehl lenkte den Blick in ihrem Vortrag "Bestrafungslust in Zeiten der Krise" in die USA, wo derzeit ein lautstarker Antifeminist und zugleich Inhaber des Präsidentenamts von sich reden macht.

Dabei skandalisierte sie die Tatsache, dass Donald Trump vor allem von einer ultrareligiösen Rechten kritiklos gewählt wurde - trotz seines eigenen ausschweifenden Lebensstils.

Diehl zeigte auf, dass die Leistungsgesellschaft alle Leidtragenden gegeneinander ausspielt und die Verfügungsgewalt von Staat und Männern über Frauen und Frauenkörper wieder steigt. Dagegen müssen sich Frauen gemeinsam wehren - was auch heißt, dass sich Frauen nicht gegenseitig ausspielen und ausspielen lassen dürfen.

  • Vortrag "Bestrafungslust in Zeiten der Krise" von Sarah Diehl: 297 KB PDF

Antifeministische Tendenzen in Österreich

Judith Goetz fokussierte in ihrem Vortrag "Vereint im Antifeminismus - Gemeinsamkeiten antifeministischer Akteur_innen in Österreich" auf das Erstarken der Antifeministinnen und Antifeministen hierzulande.

Sie leitete ihren Vortrag mit einer Definition ein - nämlich der wichtigen Unterscheidung zwischen Misogynie, Frauenfeindlichkeit und Antifeminismus: Während Misogynie die Frau an sich als minderwertig wahrnimmt, diskriminiert Frauenfeindlichkeit Frauen aufgrund ihrer gesellschaftlichen und biologischen Eigenschaften. Antifeminismus ist die gezielte Ablehnung von Emanzipations- und Gleichstellungsbestrebungen.

Judith Goetz machte drei Feindbilder von Antifeministinnen und Antifeministen aus: Gender Studies, LGBTIQ-Personen und das Unterrichten von frühkindlicher Sexualpädagogik.

(Potentielle) Akteurinnen und Akteure in Österreich macht Judith Goetz in der Politik aus, beispielsweise in den Parteien und in rechten Gruppierungen, in der institutionalisierten Religion, in den Medien, bei den Väter- und Männerrechtlern, aber auch unter Vertreterinnen und Vertretern der gesellschaftlichen Mitte. Ihr Ziel ist es, die Unabhängigkeitsbestrebungen von Frauen zu biologistischen Rollenvorstellungen und Vorstellungen von Familie zurückzudrängen.

Vernetzung und Diskussion

Anschließend gab es die Möglichkeit, sich an den Thementischen zu vernetzen, auszutauschen und Strategien gegen die Antifeministinnen und Antifeministen zu entwickeln:

  • Am Tisch von Sarah Diehl wurden traditionelle Rollenbilder diskutiert.
  • Judith Goetz eröffnete die Diskussion mit "Wie können wir rechten antifeministischen Bewegungen entgegentreten?".
  • Ricarda Götz (MA 57) suchte Gegenargumente auf antifeministische Kommunikationsstrategien, während am Tisch von Andrea Mautz-Leopold (MA 57) die Rolle der Politik diskutiert wurde.
  • Alina Zachar (MA 57) lotete Vernetzungs- und Mobilisierungsstrategien aus.
  • Die leitenden Redakteurinnen der an.schläge, das feministische Magazin, Lea Susemichel und Brigitte Theissl, nahmen die mediale Berichterstattung für beziehungsweise gegen antifeministische Reflexe in die Verantwortung.

Ausblick

Einigkeit herrschte im Plenum darüber, dass die Diskussion weitergeführt werden muss und gemeinsame Strategien gegen den Backlash gebraucht werden. Die feministische Bewegung kämpft nicht nur für Fortschritt, sondern auch gegen Rückschritte. Aus diesem Grund soll das Netzwerktreffen nur ein Auftakt gewesen sein.

Im Herbst wird es eine Fortsetzung im kleinen Rahmen und die Möglichkeit, sich gegen Antifeminismus zu vernetzen geben. Bei Interesse ist eine Anmeldung unter anmeldung@ma57.wien.gv.at mit dem Betreff "Vernetzung gegen Antifeminismus" möglich. Die Frauenabteilung nimmt mit Interessierten Kontakt auf.

Weiterführende Informationen

Verantwortlich für diese Seite:
Frauenabteilung der Stadt Wien (Magistratsabteilung 57)
Kontaktformular