4. Netzwerktreffen Pro- statt Antifeminismus - Auf der Suche nach Verbündeten! (Rückblick)

Das 4. Netzwerktreffen "Pro- statt Antifeminismus" am 5. Juni 2018 in der Wiener Urania beschäftigte sich mit der Frage, ob und inwieweit sich Feministinnen (mehr) Unterstützung aus "anderen Reihen", zum Beispiel von profeministischen Männern oder queeren Bewegungen, wünschen oder diese überhaupt zulassen.

Erörtert wurden Fragen wie: Welche gesellschaftlichen Verhältnisse machen es so schwierig, Männer als Unterstützer und Verstärker feministischer Forderungen zu sehen? Wer sind überhaupt "die Männer"? Welche Konstrukte und Machtverhältnisse prägen die Geschlechterverhältnisse?

Vortrag über Männlichkeiten

Mann auf einer Bühne hält einen Vortrag

Erich Lehner bei seinem Vortrag

Der österreichische Pionier im Bereich der Männer- und Geschlechterforschung Erich Lehner stellte zu Beginn seines Vortrags in Anlehnung an die australische Soziologin Raewyn Connell ein theoretisches Grundgerüst zur Analyse von Männlichkeit vor. Dieses geht davon aus, dass neben der dominanten hegemonialen Männlichkeit noch weitere Konstrukte von Männlichkeiten existieren und wirken, wie beispielsweise die untergeordnete, marginalisierte oder die komplizenhafte Männlichkeit.

Auch wenn untergeordnete oder marginalisierte Männlichkeiten (zum Beispiel schwule oder schwarze Männer) bei Weitem nicht so mächtig wie die hegemoniale und mit vielen Diskriminierungen und Abwertungen verbunden sind, profitieren sie trotzdem alle von der hegemonialen Männlichkeit. Diese verkörpert nur eine kleine Minderheit: weiße, reiche und heterosexuelle Männer. Die Mehrheit der Männer setzt sich aus der sogenannten komplizenhaften Männlichkeit, die wiederum die hegemoniale als Norm verinnerlicht hat, zusammen.

Bei dieser Theorie von Männlichkeit(en) muss davon ausgegangen werden, dass Männlichkeit die dominante Position im Geschlechterverhältnis darstellt und sowohl Männer als auch Frauen darin unterschiedlich verortet.

In der Diskussion stellten sich folgende weiterführende Fragen: Wie Weiblichkeiten in Relation dazu zu denken sind, ob beispielsweise Angela Merkel eine hegemoniale Weiblichkeit verkörpere? Wie die Männer, die nach diesem Konzept allesamt von der hegemonialen Männlichkeit profitieren, zu überzeugen wären, sich auf "die Seite der Frauen" zu schlagen und die Norm der hegemonialen Männlichkeit hinter sich zu lassen?

Laut Erich Lehner zeigen diverse Studien, dass Männer, die etwa einen gleichberechtigten Teil in der Haus- und Pflegearbeit übernehmen, viele Vorteile haben, zum Beispiel in der körperlichen und psychischen Gesundheit. Dennoch, abgesehen von den Vorteilen, sei es eine Frage der Gerechtigkeit, die Männer dazu bringen sollte, sich mit Frauen zu solidarisieren.

Weltcafés

Die aufgeworfenen Fragen wurden in Form von Weltcafés weiter diskutiert. Folgende Themen waren an den Tischen durch Referentinnen und Referenten sowie Organisationen vertreten:

  • "Anti-Feminismus in der queeren Szene" - Marty Huber, Verein Queer Base
  • "Critical Friends - Männer als gleichstellungspolitische Change Actors" - Elisabeth Cinatl, Verein Wendepunkt und Netzwerk Frauenberatung und Romeo Bissuti, MEN Männergesundheitszentrum
  • "Antifeminismus unter Jugendlichen oder Feminismus in der Jungenarbeit" - Rick Reuther, Poika - Verein zur Förderung von gendersensibler Bubenarbeit in Erziehung und Unterricht
  • "Antifeministische Reaktionen auf das Frauenvolksbegehren" - Lena Jäger, Frauenvolksbegehren
  • "Mediale Sichtbarkeit für profeministische Männer?" Brigitte Theißl, an.schläge
  • "Väterbeteiligung in Trennungsfamilien" - Sarah Zeller, Juno - Zentrum für Getrennt- und Alleinerziehende
  • "Zur Funktion von Schutzräumen für Frauen" - Tamara Stanzinger, Frauentelefon Stadt Wien
  • "Von den Schwierigkeiten, Männer für pro-feministische Arbeit zu gewinnen" - Bernhard Wimmer, HeForShe Wien und Graz
  • "Opferschutz - professionelle Arbeit von Frauen und Verbündeten" - Martina Steiner, 24-Stunden Frauennotruf Stadt Wien
  • "Antifeminismus und Gewalt gegen Frauen" - Gerhard Meschnigg, White Ribbon Österreich

Der Tenor der Weltcafés: Bestimmte Frauenräume, wie etwa der Opferschutz, sollten weiterhin ausschließlich von Frauen besetzt bleiben. Andere Vorhaben, wie etwa Gender Mainstreaming oder das aktuelle Frauenvolksbegehren, müssen offen gehalten werden, um mehr Solidarität und in Folge auch Gleichstellung zu erreichen.

Podiumsdiskussion

  • Teilnehmerinnen und Teilnehmer:
    • Erich Lehner
    • Marty Huber - Kulturarbeiterin und queer-feministische Aktivistin
    • Alyssa Schneebaum - wissenschaftliche Expertin zu Gender und Ökonomie
  • Moderation: Lea Susemichel - Redakteurin an.schläge

In der Podiumsdiskussion wurden verschiedene Positionen für oder gegen identitätspolitische Standpunkte innerhalb des Feminismus abgewogen: Haben sich die Linke und auch der Feminismus wirklich, wie oft behauptet, darin verzettelt? Hat man sich damit letztendlich selbst geschadet und antifeministischen Positionen in die Hand gespielt?

Zu diesen Fragen gab es sehr unterschiedliche Interpretationen. Es wurde vor allem versucht, Abgrenzungen beziehungsweise solidarisches Verhalten im historischen Kontext zu erklären, ohne es zu rechtfertigen.

Schneebaum sprach sich klar für eine Neuverteilung von bezahlter und unbezahlter Arbeit und vor allem für eine Neubewertung von Care-Arbeit aus, denn ohne eine Neu-, sprich Höherbewertung der reproduktiven Tätigkeiten, werde sich gesellschaftlich nichts ändern.

Nächste Veranstaltung

Das Thema des nächsten Netzwerktreffens steht bereits fest: "Pro- beziehungsweise antifeministische Auswirkungen des Regierungsprogramms"

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