Tierhaltenovelle für mehr Sicherheit in Wien

Am 29. November 2018 wurde die Tierhaltenovelle im Wiener Landtag beschlossen.

Das neue Wiener Tierhaltegesetz

Im Zentrum der Novelle steht eine 0,5 Promillegrenze für Halterinnen und Halter von Listenhunden, bessere Kontrollmöglichkeiten für die Polizei, strenge Strafen bei Verstößen und mehr Kompetenzen für die Prüferinnen und Prüfer des verpflichtenden Hundeführscheins. Es wird auch eine generelle Maulkorbpflicht für alle Listenhunde eingeführt.

Als Übergangslösung für bereits angemeldete Listenhunde, die älter als 3 Jahre sind, kann deren Halterin beziehungsweise Halter nach Absolvierung einer intensiven Ausbildung und einer Einzelfallprüfung vor einer Kommission von der Maulkorbpflicht befreit werden. Ebenso sind alle Assistenz- und Therapiehunde sowie Rettungshunde von der Maulkorbpflicht ausgenommen.

Ergänzend wird im Gesetz für die Halterinnen und Halter aller Hunde ein Sachkundenachweis vorgeschrieben. Er soll die artgerechte Tierhaltung fördern. Wer sich nach dem 1. Juli 2019 einen Hund nimmt, muss diesen Sachkundenachweis absolvieren.

Stadträtin Ulli Sima und Polizeipräsident Gerhard Pürstl

Stadträtin Ulli Sima und Polizeipräsident Gerhard Pürstl

Stadträtin Ulli Sima: "Nach dem tragischen Bissvorfall, bei dem im September ein Rottweiler einer stark betrunkenen Hundehalterin ein 17 Monate altes Kind tödlich verletzt hat, haben wir ein umfassendes Maßnahmenpaket geschnürt. Uns geht es um die Sicherheit der Menschen, vor allem der Kinder, in dieser Stadt und wir werden alles tun, um künftig so dramatische Vorfälle wie den Tod des kleinen Waris zu verhindern."


Zentrale Punkte der Novelle zum Wiener Tierhaltegesetz

  • Generelle Maulkorbpflicht und Leinenpflicht für Listenhunde
    • Ausgenommen sind Therapie- und Assistenzhunde sowie Rettungs- und Diensthunde
    • Ausnahme: umzäunte Hundezonen, in Hundeauslaufzonen nur Maulkorbpflicht
    • Übergangsregelung für Listenhunde, die vor Inkrafttreten des Gesetzes angemeldet und älter als 3 Jahre sind, nie bissig oder auffällig waren und
      • eine intensive Ausbildung vorzuweisen haben und
      • mit der Halterin beziehungsweise dem Halter gemeinsam eine Einzelfallprüfung vor einer Kommission absolvieren
    • Diese Hunde können von der Maulkorbpflicht befreit werden, es besteht jedoch – auch bei Absolvierung zusätzlicher Ausbildung - kein Rechtsanspruch auf die Ausnahmegenehmigung
    • Die Ausnahme wird auf dem Hundeführschein-Ausweis vermerkt, damit sie für die Polizei einfach zu kontrollieren ist
  • Alkoholgrenze für Halter von Listenhunden 0,5 Promille, wenn sie den Hund auf der Straße führen - analog zu den Regelungen in der StVO
  • Verbesserungen im Vollzug für die Behörde: Die Polizei bekommt bessere Möglichkeiten, die mangelnde Vertrauenswürdigkeit einer Tierhalterin oder eines Tierhalters rascher festzustellen.
  • Konkretisierung des Begriffes "Tierhalteverbot" und somit Schließung von Schlupflöchern: Wenn dieses verhängt wurde, darf kein Listenhund im selben Haushalt gehalten werden.
  • Bei Weitergabe eines Listenhundes an Personen ohne Hundeführschein: Mindeststrafe 200 Euro
  • Verschärfungen für die Prüfung zum verpflichtenden Hundeführschein, der in Wien seit 2010 gesetzlich vorgeschrieben ist:
    • Der Praxisteil bei der Prüfung wird erweitert
    • Befristung des Hundeführscheins
    • Prüferinnen und Prüfer können Wiederholungsprüfungen, Trainingseinheiten und Schulungen anordnen
  • Zuchtverbot für Listenhunde in Wien mit einer Übergangsfrist von einem Jahr
  • Sachkundenachweis für die Halterinnen und Halter aller Hunde: Wer sich nach dem 1. Juli 2019 einen Hund anschafft und in den letzten beiden Jahren keinen Hund gehalten hat, muss einen Sachkundenachweis absolvieren,
  • Für alle Hunde: Bei bissigen Hunden wird ein behördlicher Hundeführschein vorgeschrieben. Vor Antritt zur Prüfung ist die Absolvierung einer 10-stündigen Trainingseinheit bei einer Hundettainerin oder einem Hundetrainer mit Tierschutzqualifikation vorzuweisen.

Keine Konsequenzen für Hunde, die in "Notwehr" handeln

In den erläuternden Bemerkungen zur Novelle wird eine Klarstellung vorgenommen, um kursierende Falschmeldungen zu korrigieren: Hunde, die sich selbst - etwa nach Tierquälerei oder Misshandlung - verteidigen oder ihre Halterin beziehungsweise ihren Halter in "Notwehr" verteidigen, werden nicht abgenommen und nicht eingeschläfert.

Gesetzliche Bestimmungen zur Hundehaltung

  • Listenhunde - ohne wie oben ausgeführter Ausnahmeregelung - dürfen nach der neuen Novelle des Tierhaltegesetzes künftig nur mehr mit Maulkorb und Leine im öffentlichen Raum geführt werden. In umzäunten Hundezonen dürfen sie ohne Maulkorb und ohne Leine laufen, in Hundeauslaufzonen mit Maulkorb.
  • Nicht-Listenhunde müssen im öffentlichen Raum entweder Leine oder Maulkorb tragen.
  • In den Öffis und bei größeren Menschenansammlungen gelten für alle Hunde Maulkorb- und Leinenpflicht.
  • Kontrolliert werden diese Regelungen von der Polizei
  • Bei Schwerpunktaktionen kontrollieren Stadt Wien und Polizei gemeinsam die Spielregeln der Hundehaltung in der Stadt.

Breites Angebot für Hunde und ihre HalterInnen

In Wien gibt es für Hundehalterinnen und Hundehalter ein breites Angebot an Hundezonen und Hundeauslaufzonen. Konkret sind es aktuell 194 Hundeausläufe und Hundezonen mit rund 1,3 Millionen Quadratmetern, die den Vierbeinern zur Verfügung stehen. Zudem gibt es ausgewiesene Hundebadezonen in der Stadt.

Damit Hundehalterinnen und Hundehalter mit ihrem Vierbeiner Alltagssituationen gut meistern und als Team noch besser zusammenwachsen, bietet die Tierschutzombudsstelle Wien (TOW) seit vielen Jahren den freiwilligen Hundeführschein an. Wer die Prüfung erfolgreich absolviert hat, bekommt die Hundeabgabe (72 Euro) für ein Jahr erstattet.

Wien setzt auf ein Miteinander von Mensch und Tier und daher auch auf Bewusstseinsbildung schon ab dem Kindesalter. So unterstützt die Stadt Wien "Schulstunden der besonderen Art" in den Volksschulen sowie Veranstaltungen zur "Sprache der Hunde" in den Kindergärten. Die Kinder lernen bei beiden Modellen richtiges Verhalten gegenüber Hunden, alles über die Vermeidung von Gefahren- und Konfliktsituationen und respektvollen und sicheren Umgang mit Hunden.

Verantwortlich für diese Seite:
wien.at-Redaktion
Kontaktformular