Ergebnisse der größten Frauenbefragung präsentiert

Rund 15.500 Teilnehmerinnen und mehr als 77.000 Antworten gab es bei der größten Wiener Frauenbefragung "Wien, wie sie will". Die Ergebnisse sind Grundlage für konkrete Maßnahmen und Projekte der nächsten Jahre.

Bei der größten Wiener Frauenbefragung "Wien, wie sie will" konnten alle Wienerinnen mitmachen. 15.500 Frauen, also 3-mal mehr als die Zielvorgabe, haben mitgemacht.

Dabei wurden unterschiedliche Zielgruppen angesprochen, wie etwa junge Frauen, Frauen ab 60 Jahren, Frauen mit Migrationshintergrund, Mütter, Alleinerzieherinnen, erwerbstätige Frauen, Frauen mit gesundheitlichen Beeinträchtigungen und Frauen mit unterschiedlichen Bildungsabschlüssen.

Die Themen waren Herausforderungen durch die Corona-Krise sowie die Zufriedenheit mit den Lebensbereichen Wohnen, Ausbildung, Erwerbsarbeit, Kinderbetreuung/Schule, unbezahlte Arbeit, Gesundheit, Freizeit und Angebote für Frauen.

Bürgermeister und Vizebürgermeisterin mit Plakat "Wien, wie sie will"

Bürgermeister Michael Ludwig (2. von links) und Vizebürgermeisterin und Frauenstadträtin Kathrin Gaál (2. von rechts)

Bürgermeister Michael Ludwig: "Mehr als die Hälfte der Wiener Bevölkerung ist weiblich. Im Rahmen der größten Wiener Frauenbefragung haben uns rund 15.500 Wienerinnen ihre Ideen, Wünsche und Bedürfnisse mitgeteilt. Das Ziel war: Die Lebenssituation von Frauen und Mädchen in Wien etwa 2 Jahre nach Ausbruch der Corona-Pandemie zu verstehen. Ein wichtiges Thema für die Teilnehmerinnen war etwa Aus- und Weiterbildung. Bildung ist der Schlüssel, um neue Wege zu gehen und die eigene Persönlichkeit weiterzuentwickeln. Chancengleichheit muss das Ziel sein. Schon jetzt gibt es hier ein großes Weiterbildungsangebot über den waff, das nun weiter ausgebaut wird - um mehr Frauen in technische Berufe zu bringen."

Vizebürgermeisterin und Frauenstadträtin Kathrin Gaál: "Unter dem Motto 'Wien, wie sie will' haben wir die größte Wiener Frauenbefragung durchgeführt. Was mir dabei wichtig war und ist: Wir reden mit und nicht über Frauen. Die Ergebnisse sind so vielfältig wie die Wienerinnen selbst. In vielen Bereichen sind die Wienerinnen grundsätzlich zufrieden. Was sich zeigt: Mehrfachbelastungen für Frauen sind ein großes Thema. Und: Eine Stunde Frau ist nicht gleich eine Stunde Mann - im Gegenteil. Noch immer übernehmen Frauen einen Großteil an Kinderbetreuung und Co. Mit den Ergebnissen der Frauenbefragung fällt jetzt der Startschuss für zahlreiche Maßnahmen, die wir als Stadt Wien in den nächsten Monaten und Jahren setzen werden – um das zu schaffen, was sich die Wienerinnen wünschen: Mehr Zeit. Mehr Raum. Und mehr Chancen!"

Ergebnisse im Überblick

Mehrfachbelastung, Gewaltschutz, Weiterbildung

Die Ergebnisse zeigen Herausforderungen und Wünsche der Wienerinnen: Corona verfestigt alte Rollenbilder. Junge Frauen und Mädchen fühlen sich stärker belastet und nehmen verstärkt Spannungen wahr. Insgesamt weisen die Wienerinnen in vielen Bereichen eine hohe Zufriedenheit auf, egal ob es um Wohnen, Gesundheit, den öffentlichen Verkehr oder ihre Ausbildung geht.

Zeit: Ungleiche Verteilung von unbezahlter Arbeit

Unzufriedenheit besteht bei den Wienerinnen am ehesten mit der verfügbaren Zeit - Zeit für Sozialkontakte, Freizeitaktivitäten oder Zeit für sich selbst. Mit der Zeit für Freizeitaktivitäten sind insgesamt 46 Prozent "zufrieden" (nur 18 Prozent davon "sehr zufrieden"). Mehr als die Hälfte der Befragten ist hier eher unzufrieden.

Besonders Mütter fühlen sich durch den zusätzlichen Betreuungsaufwand - oft in Verbindung mit Homeschooling - belastet. Alleinerzieherinnen sind noch stärker betroffen. Die Befragung ergab, dass auch in Vollzeit berufstätige Frauen die unbezahlte Arbeit - also Kinderbetreuung, Hausarbeit und Pflege - zum großen Teil allein managen. Viele Frauen sind einer Mehrfachbelastung ausgesetzt.

Beim Thema "Unbezahlte Arbeit" geben 56 Prozent an, dass sie die Kinderbetreuung "überwiegend selbst" übernehmen. Nur 35 Prozent geben an, dass diese "von beiden ungefähr zu gleichen Teilen" übernommen wird, 6 Prozent, dass die*der Partner*in sich überwiegend darum kümmert. Das Schließen der Einkommensschere, die Unterstützung von Mädchen bei der selbstbestimmten Ausbildungswahl und Maßnahmen gegen Altersarmut gehören zu den vielen von den Frauen geäußerten Anliegen.

Raum: Schutzräume und Freiraum wichtig

Mit den vorhandenen Plätzen und anderen öffentlichen Freiräumen in der Wohnumgebung ist der überwiegende Teil, nämlich 68 Prozent aller Befragten, "zufrieden", davon 33 Prozent "sehr zufrieden". Ältere Frauen haben in der Pandemie mehr Zeit zu Hause verbracht und mussten auf Aufenthaltsmöglichkeiten im öffentlichen Raum verzichten.

Schutzräume für von Gewalt betroffene Frauen, wie zum Beispiel Frauenhäuser, sind für die Wienerinnen ein wichtiges Thema.

Chancen: Aus- und Weiterbildung, Angebote bei der Kinderbetreuung

Die Vereinbarkeit von Kindern und Karriere sowie kostenlose Betreuungsangebote waren ein großes Anliegen der Befragten.

Bei betrieblichen Weiterbildungsmöglichkeiten und bei Aufstiegsmöglichkeiten wünschen sich die Teilnehmerinnen mehr Chancen. Insgesamt 51 Prozent sind "zufrieden" (davon 22 Prozent "sehr zufrieden") mit den betrieblichen Weiterbildungsmöglichkeiten. Damit sieht fast die Hälfte der Teilnehmerinnen einen Verbesserungsbedarf. Bei den Aufstiegsmöglichkeiten sind insgesamt nur 41 Prozent zufrieden (davon 17 Prozent "sehr zufrieden").

Auch die Förderung von Frauen in technischen Berufen und die finanzielle Unterstützung bei technischen (IT)-Weiterbildungen wurden häufig genannt.

Solidarität

Viele Frauen sprachen Schwierigkeiten von Gruppen an, ohne selbst betroffen zu sein, etwa von Alleinerzieherinnen oder Altersarmut wegen niedriger Pensionen. Das zeigt, dass die Wienerinnen mit Frauen in anderen Lebenssituationen solidarisch sind und über den eigenen Tellerrand blicken.

Erste konkrete Maßnahmen starten

Mehr Zeit, mehr Raum und mehr Chancen: Das wünschen sich die Wienerinnen, die an der größten Wiener Frauenbefragung teilgenommen haben.

Die ersten Maßnahmen, die auf Basis der Ergebnisse umgesetzt werden:

  • Neues Mädchenzentrum: Mädchen und junge Frauen bekommen mehr Raum in unserer Stadt. Die "Mädchenzone" am Hebbelplatz in Favoriten ist ein niederschwelliger Ort ohne Konsumzwang, an dem sich Mädchen in ihrer Freizeit in einem geschützten Rahmen treffen und austauschen können.
  • 5. Frauenhaus: Die Stadt Wien baut bis Ende 2022 ein 5. Frauenhaus mit 50 zusätzlichen Plätzen für von Gewalt betroffene Frauen und Mädchen. Damit wird es noch heuer 5 Wiener Frauenhäuser mit insgesamt 225 Plätzen geben.
  • Neues Projekt "Mädchen feiern Technik": Die Stadt Wien will so früh wie möglich damit beginnen, Mädchen für technische Bereiche zu begeistern, zum Beispiel mit dem Töchtertag. Nächstes Jahr soll nun das Projekt "Mädchen feiern Technik" starten. Die Prüf- Inspektions- und Zertifizierungsstelle der Stadt Wien (MA 39) wird einmal im Monat ihre Türen für Schülerinnen öffnen und zeigen, welche spannenden Berufe es zu entdecken gibt - vom Bereich Brandschutz bis zur Wasserqualitätsprüfung.
  • Erhöhung des Frauenanteils in technischen Berufen - etwa über waff-Stipendien: Die Stadt Wien finanziert über den waff berufstätigen Frauen Stipendien von 10.000 Euro für ein Bachelor-Studium und 7.500 Euro für ein Master-Studium an Wiener Fachhochschulen. Bis zum Jahr 2025 werden ergänzend 300 zusätzliche Studienplätze an den Wiener FHs für berufstätige Frauen finanziert. Der Fokus liegt auf berufsbegleitenden FH-Studiengängen zu Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Technik in Wien, in denen der Frauenanteil unter 50 Prozent liegt.

Im Laufe der nächsten Monate und Jahre werden weitere konkrete Maßnahmen und Projekte auf Basis der Ergebnisse der Wiener Frauenbefragung folgen.

Ergebnisse im Detail

Die Ergebnisse der Frauenbefragung liegen nun in einem ausführlichen Bericht und in einer Zusammenfassung, die nach Themen und Zielgruppen gegliedert ist, vor.

Frauenbefragung: Ergebnisse im Detail

Die online verfügbaren Grätzlkarten ergänzen die Antworten der Wienerinnen mit statistischen Daten.

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