Gemeinderat der Bundeshauptstadt Wien 22. Wahlperiode 13. Sitzung vom 27. April 2026 Wörtliches Protokoll Inhaltsverzeichnis 1. Entschuldigte Gemeinderätinnen bzw. Gemeinderäte S. 3 2. Fragestunde 1. Anfrage (FSP-590608-2026-KSP/GM) S. 3 2. Anfrage (FSP-593806-2026-KVP/GM) S. 5 3. Anfrage (FSP-594857-2026-KGR/GM) S. 8 4. Anfrage (FSP-587053-2026-KFP/GM) S. 10 5. Anfrage (FSP-586998-2026-KSP/GM) S. 11 3. ASTTH-611705-2026-KFP/AGTH: Aktuelle Stunde zum Thema "volle Härte bei Integration - kein Platz für Gewalt, extremistische Ideologien oder antisemitische Botschaften" Rednerinnen bzw. Redner: GR Maximilian Krauss, MA S. 13 GRin Mag. Caroline Hungerländer, MSc S. 14 GRin Mag. Dolores Bakos, BA S. 15 GRin Mag. Berivan Aslan S. 16 GRin Mag. Alexandra Rezaei S. 17 GR Hannes Taborsky S. 18 GR Thomas Weber S. 19 GR Jaafar Bambouk, MA S. 20 StR Dominik Nepp, MA S. 21 GRin Safak Akcay S. 22 4. Ordnungsruf an GR Jaafar Bambouk, MA S. 21 5. Mitteilung des Einlaufs S. 23 6. Gemäß § 26 WStV ohne Verhandlung angenommene Anträge des Stadtsenates S. 23 7. Umstellung der Tagesordnung S. 23 8. 28075-2026-GGS; MA 51, P 26: Genehmigung eines Rahmenbetrages für das Förderprogramm Wiener Sportförderungsbeitrag 2026 438635-2026-GGS; MA 51, P 27: Sachkreditgenehmigung für den Abbruch und Neubau des Verwaltungs- /Funktionsgebäudes in Wien 22, Erzherzog-Karl-Straße 108 441866-2026-GGS; MA 51, P 28: Förderung an den Verein Special Olympics Österreich, Landesverband Wien Berichterstatterin GRin Mag. Andrea Mautz S. 23 Rednerinnen bzw. Redner: GRin Ingrid Korosec S. 23 GRin Jing Hu, BA, MPharm S. 24 GR Theodor Felix Löcker S. 26 GRin Yvonne Rychly S. 27 GR Dr. Michael Gorlitzer, MBA S. 28 GRin Dr. Arabel Bernecker-Thiel S. 29 GR Johann Arsenovic S. 30 GR Harald Stark S. 32 GRin Mag. Stefanie Vasold S. 33 StRin Mag. Ulrike Nittmann S. 34 GRin Angela Schütz, MA S. 36 GRin Mag. Alice Seidl, BA S. 36 Abstimmung S. 37 9. 421704-2026-GBI; MA 10, P 1: Genehmigung der Änderung der Förderrichtlinie zur Förderung inklusiver Betreuung sowie eines Rahmenbetrages für das Förderprogramm Förderung inklusiver Betreuung für die Jahre 2026 bis 2029 Berichterstatter GR Nikola Poljak, BA, MA S. 37 Rednerin bzw. Redner: GR Harald Zierfuß S. 38 GRin Mag. Dolores Bakos, BA S. 39 GR Felix Stadler, BSc, MA S. 40 GR Leo Lugner S. 42 GR Mag. Marcus Gremel, MBA S. 42 GR Michael Stumpf, BA S. 44 Berichterstatter GR Nikola Poljak, BA, MA S. 45 Abstimmung S. 45 10. 377704-2026-GBI; MA 11, P 3: Förderung an den Verein DERAD - Extremismusprävention und Demokratie Berichterstatter GR Mag. Marcus Gremel, MBA S. 46 Rednerinnen bzw. Redner: GR Mag. Lukas Burian S. 46 GRin Mag. Berivan Aslan S. 46 GRin Lisa Frühmesser-Götschober S. 47 GRin Marina Hanke, BA S. 48 GR Michael Stumpf, BA S. 49 GRin Mag. Caroline Hungerländer, MSc S. 51 Abstimmung S. 52 11. 463855-2026-GBI; MA 13, P 5: Förderung an den Verein Homosexuelle Initiative (HOSI) Wien 474923-2026-GBI; MA 13, P 7: Förderung an QWIEN. Verein für queere Kultur und Geschichte Berichterstatterin GRin Mag. Stefanie Vasold S. 52 Rednerinnen bzw. Redner: GRin Mag. Caroline Hungerländer, MSc S. 52 GR Thomas Weber S. 52 GRin Mag. (FH) Susanne Haase S. 54 Abstimmung S. 55 12 464174-2026-GBI; MA 13, P 6: Genehmigung eines Rahmenbetrages für die Förderung von Einrichtungen der Erwachsenenbildung und von Bildungsangeboten für Kinder und Jugendliche Abstimmung S. 55 13. 409267-2026-GFW; MA 5, P 8: Förderung an den Verein Österreichischer Mieter- und Wohnungseigentümerbund, Landesgruppe Wien Abstimmung S. 55 14. 436995-2026-GFW; MA 5, P 10: Förderangebot an den Verein Bruno Kreisky Forum für Internationalen Dialog Abstimmung S. 55 15. 452813-2026-GFW; MA 68, P 11: Erweiterung einer Sachkreditgenehmigung für den Neubau Einsatzkräftestützpunkt Aspern, Planungs- und Realisierungskosten Berichterstatter GR Mag. Thomas Reindl S. 56 Rednerin bzw. Redner: GRin Mag. Nina Abrahamczik S. 56 GR Johann Arsenovic S. 57 Abstimmung S. 57 16. 464162-2026-GFW; MA 5, P 12: Kenntnisnahme des Jahresberichtes des Wiener ArbeitnehmerInnen- Förderungsfonds über Geschäftstätigkeiten im Jahr 2025 sowie eines Ausblickes auf Geschäftstätigkeiten im Jahr 2026 Berichterstatterin GRin Yvonne Rychly S. 57 Rednerinnen bzw. Redner: GRin Dr. Maria In der Maur-Koenne S. 57 GRin Angela Schütz, MA S. 58 GR Benjamin Schulz S. 59 Abstimmung S. 60 17. 428226-2026-GGK; MA 42, P 18: Sachkreditgenehmigung für die Errichtung einer Parkanlage in Wien 11 Abstimmung S. 60 18. 1647659-2025-GWS; MA 69, P 30: Abschluss eines Kaufvertrages für den Ankauf von Liegenschaften der KatG Siebenhirten für die Errichtung eines Retentionsbeckens für den Petersbach Berichterstatterin GRin Waltraud Karner- Kremser, MAS S. 60 Redner: GR Jaafar Bambouk, MA S. 60 GR Michael Niegl S. 61 Abstimmung S. 61 19. 414051-2026-GKU; MA 7, P 20: Förderung an den Verein Frauen*Stadt. Institut zur wissenschaftlichen Erforschung und Vermittlung von Frauen*Stadtgeschichte und Geschlechterverhältnissen in Wien Abstimmung S. 62 20. 428544-2026-GKU; MA 7, P 21: Förderung an CALLE LIBRE - Verein zur Förderung von Kunst, Kultur & Musik Berichterstatterin GRin Sara do Amaral Tavares da Costa S. 62 Rednerin bzw. Redner: GR Lukas Brucker, MA S. 62 GRin Patricia Anderle S. 63 Abstimmung S. 63 21. 422713-2026-GKU; MA 7, P 24: Genehmigung eines Rahmenbetrages für Einzel- und Gesamtförderungen im Bereich Darstellende Kunst für das Jahr 2027 Abstimmung 24 S. 63 22. 428381-2026-GKU; MA 7, P 25: Förderung an den Theaterverein Wien Abstimmung S. 63 23. 340446-2026-GGM; MA 21 A, P 13: Plandokument Nr. 8460 im 11. Bezirk, KatG Simmering 387672-2026-GGM; MA 28, P 15: Genehmigung eines Vertrages über die Errichtung von Infrastruktur, Umsetzung sonstiger Maßnahmen sowie Übertragung von Grundflächen und Einräumung einer Dienstbarkeit im Zusammenhang mit dem Projekt in Wien 11, Leberstraße 96 Abstimmung S. 63 24. 438855-2026-GGM; MA 28, P 16: Sachkreditgenehmigung für das Stadterweiterungsgebiet in Wien 22, Oberes Hausfeld Bauteil 2 Berichterstatterin GRin Cornelia Sucher, BA S. 64 Rednerin: GRin Dipl.-Ing. Selma Arapovic S. 64 25. DRI-609595-2026-KGR/GF: Dringliche Anfrage von GRin Christina Wirnsberger, GRin Mag. Heidemarie Sequenz, GR Kilian Stark, GRin Mag. Mag. Julia Malle, GRin Mag. Berivan Aslan und GRin Mag. Ursula Berner, MA betreffend "Flächenfraß, Ressourcenverschwendung und Emissionen: Milliardenschwere Straßenbauprojekte gefährden Wiens Klimaziele." Begründung: GRin Christina Wirnsberger S. 65 Beantwortung: Bgm Dr. Michael Ludwig S. 67 Rednerinnen bzw. Redner: StRin Mag. Judith Pühringer S. 71 GRin Dipl.-Ing. Elisabeth Olischar, BSc S. 73 GRin Mag. Angelika Pipal-Leixner, MBA S. 74 GR Anton Mahdalik S. 75 GR Dipl.-Ing. Omar Al-Rawi S. 77 GR Dipl.-Ing. Dr. Stefan Gara S. 78 GRin Mag. Heidemarie Sequenz S. 80 GR Thomas Kreutzinger S. 81 GRin Cornelia Sucher, BA S. 82 GR Kilian Stark S. 84 Abstimmung S. 86 Weitere Redner zur Postnummer 16: GR Kilian Stark S. 87 GR Dipl.-Ing. Omar Al-Rawi S. 88 Abstimmung S. 89 26. 178923-2026-GGM; MA 21 A, P 17: Plandokument Nr. 8414 im 15. Bezirk, KatG Sechshaus Abstimmung S. 89 (Beginn um 9.03 Uhr.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Schönen guten Morgen, meine Damen und Herren! Ich darf alle bitten, die Plätze einzunehmen. Die 13. Sitzung des Wiener Gemeinderates ist eröffnet. Ganztägig verhindert: GRin Mag. Berner, MA, GRin Mag. Dr. Johler, GRin Dr. Kickert, GRin Pany, BEd, MA und StRin Dr. Greco, MIEM. Zeitweise verhindert: GR Arsenovic, GRin Korosec, GR Mag. Kowarik, GR Prof. Mag. Dr. Schmid, GR Schulz, GR Felix Stadler, BSc, MA und GR Zierfuß. Wir kommen nun zur Fragestunde. Die 1. Anfrage (FSP-590608-2026-KSP/GM) wurde von Frau GRin Mag. Mautz gestellt und ist an die Frau Amtsführende Stadträtin der Geschäftsgruppe für Kultur und Wissenschaft gerichtet. In dieser Anfrage geht es um den Filmfonds Wien und den Filmstandort Wien. (Der Wiener Gemeinderat fördert jährlich den Filmfonds Wien mit dem Ziel, einen konsequenten Ausbau der filmischen Infrastruktur zu erzielen. Welche Wirkungen konnten für den Filmstandort Wien mit dieser Subvention in den letzten Jahren erzielt werden?)Schönen guten Morgen, Frau Stadträtin! Bitte um Beantwortung. Amtsf. StRin Mag. Veronica Kaup-Hasler: Guten Morgen, lieber Vorsitzender, liebe Kollegen aus dem Gemeinderat, lieber Herr Bürgermeister, liebe Stadträte und Stadträtinnen! Die erste Frage betrifft eben den Filmfonds Wien und auch die Frage nach der filmischen Infrastruktur, und konkret war die Frage: Welche Wirkungen konnten in den letzten Jahren mit der Subvention von unserer Seite erzielt werden? - Also es sind unheimlich viele. Ich greife ein paar Punkte heraus, die vielleicht besonders hervorstechen - und zwar zum Standort. Die Vienna Film Commission vermittelte im letzten Jahr in enger Zusammenarbeit mit diversen Magistratsabteilungen. Ich glaube, niemand ist so vernetzt wie die Film Commission: mit der MA 42, mit dem Marktamt, mit der MA 56 - den Schulen -, mit der MA 44 - Bäder, mit Wiener Wasser. Es sind also unglaublich viele Magistratsabteilungen, die gemeinsam auf Augenhöhe ermöglichen, dass Film hier in dieser Stadt gedreht werden kann und dass es eben auch nicht eine große Behördenlast und Einreichlast sozusagen für die Filmschaffenden gibt. Dazu haben wir auch die Hafenstudios, die HQ7-Studios in Simmering. Die haben sich als wirklich hochmoderne Filmstudios etabliert; der Österreichische Filmpreis wird dieses Jahr auch wieder dort vergeben. Also wir haben eine hohe Infrastruktur und eine große Lebensqualität für die Filmschaffenden und erzeugen somit optimale Bedingungen. Jetzt ein anderes Thema: die Publikumsentwicklung und die kulturelle Teilhabe. Wir haben natürlich in den letzten Jahren ganz intensiv geschaut, gerade nach Corona, die Qualität von Kinos zu heben, indem wir sie renoviert haben, gerade die alten Kinos, die ja wirklich sozusagen wie alte Wirtshäuser zum kulturellen Lebensstil dieser Stadt gehören. Die haben wir renoviert, ganz zuletzt eben das Bellaria, und das ist wirklich schön, dass dieses Kino wieder aufgemacht hat. Also vieles passiert da, vieles wurde gemacht - Gartenbaukino, Open-Air Spielstätten haben wir sowieso ganz viele, das ist ganz, ganz wichtig, weil auch im Sommer eben das gemeinsame Schauen im Kino einfach super ist. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Vielen Dank. Die 1. Zusatzfrage kommt von der SPÖ. - Frau GRin Mag. Mautz, bitte. GRin Mag. Andrea Mautz (SPÖ): Schönen guten Morgen, liebe Frau Stadträtin! Danke für die Infos und für die Antwort auf meine Frage. Ich möchte gerne noch nachfragen: Werden eigentlich die Filme, die vom Filmfonds gefördert werden, auch auf internationalen Filmfestivals wahrgenommen? Wie sieht es da aus? Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Frau Stadträtin, bitte. Amtsf. StRin Mag. Veronica Kaup-Hasler: Danke, Frau Gemeinderätin. Ja, das ist wirklich eine eigentlich unfassbare Erfolgsgeschichte. Also es gibt kein großes Festival in Europa, wo nicht österreichische Filme gezeigt werden. Wir hatten jetzt zwölf Filme bei der Berlinale, bei den Filmfestspielen von Berlin. Das ist enorm viel für diese Kleinheit unseres Landes und Marktes, deswegen sind wir auch darauf angewiesen, dass diese Filme im deutschsprachigen Raum, im europäischen und im internationalen Raum gezeigt werden. Und jetzt in Cannes gibt es wieder drei, und davon sind zwei im Hauptwettbewerb. Also das ist eine Sensation. Und noch dazu sind alles Filme von Frauen, also da hat sich auch gezeigt, dass dieses Incentive, dieses Modell, bei dem wir schauen, dass auch mehr Frauen an Fördertöpfe kommen, wirklich gewirkt hat. Jetzt gibt es drei Filme von Frauen in Cannes. Das eine ist von Marie Kreutzer "Gentle Monster", dann "Das geträumte Abenteuer" von Valeska Grisebach im Wettbewerb, und dann gibt es so eine Schiene, die heißt "Un Certain Regard" - da sind auch Newcomer-Filme, Filme, die nicht ganz so mainstream sind -, dort läuft "Everytime" von Sandra Wollner. Also wir können unfassbar stolz darauf sein, was wir mit unseren Mitteln eben auch internationale Präsenz erreichen. In den Zeitungen, auch überregional, steht immer wieder, dass Österreich, und Wien natürlich ganz besonders, wirklich ein Paradies für Filmschaffen ist, gar nicht so sehr wegen der enormen Ausstattung mit Geldern - die ist nicht schlecht, aber sie könnte noch größer sein -, aber weil sich das gegenseitig auch befruchtet. - Danke. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Die 2. Zusatzfrage kommt von der ÖVP. - Frau GRin Ing. Edelmann, bitte. GRin Ing. Judith Edelmann (ÖVP): Danke. - Guten Morgen, Frau Stadträtin! Der Dokumentarfilm "Wahlkampf", der den Nationalratswahlkampf rund um Andreas Babler begleitet und laut Medienberichten mit öffentlichen Fördermitteln unterstützt wurde, unter anderem eben auch vom Filmfonds Wien, hat zuletzt eine sehr, sehr breite Diskussion über die Abgrenzung zwischen Kunstförderung und politischer Kommunikation ausgelöst. Wie stellt die Stadt Wien im Rahmen der Förderung des Filmfonds Wien sicher, dass öffentliche Mittel ausschließlich der künstlerischen und standortpolitischen Entwicklung dienen und nicht auch indirekt für parteipolitische oder imagefördernde Zwecke eingesetzt werden? Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Frau Stadträtin, bitte. Amtsf. StRin Mag. Veronica Kaup-Hasler: Guten Morgen, Frau Gemeinderätin! Ich kann nur sagen: Wer diesen Film gesehen hat (Zwischenruf bei der FPÖ: Das sind nicht viele!), weiß, dass es sich nicht um Propaganda handeln kann. (StR Dominik Nepp, MA: ... das ist kein Lob für den Babler!) Mehr möchte ich dazu nicht sagen. Das ist so, ich habe ihn gesehen. Schauen Sie sich ihn an! - So, Nummer eins. Nummer zwei: ... (Neuerliche Zwischenrufe bei der FPÖ.) - Lassen Sie mich doch in aller Kürze ... (Anhaltende Zwischenrufe bei der FPÖ.) - Also schön, dass Sie hier alle so munter sind, das freut mich, auch die Damen und Herren im Livestream. Aber das ist die Wahrheit! Schauen Sie sich den Film an, und dann kommen ... (Neuerlicher Zwischenruf bei der FPÖ.) - Moment, darf ich auch mal ganz ... (GR Ing. Udo Guggenbichler, MSc: Ist das Ihre Rechtfertigung?) - Nein, das war der erste Satz, und dann haben Sie unterbrochen. Daher: Hören Sie mir bitte zu! Ich habe zu diesem Film noch mehr zu sagen. Nummer zwei: Er reiht sich ein in eine Reihe von Dokumentarfilmen in diesem Land, die sich mit dem politischen Geschehen in diesem Land befassen. Wir haben "Waldheims Walzer" von Ruth Beckermann gehabt. Wir haben übrigens, meine Damen und Herren in diesem (in Richtung FPÖ) Sektor, 1993 den Film "Die Wahlkämpfer" von Helmut Grasser gehabt. Das war damals eine Begleitung von Jörg Haider. Viele von Ihnen sind wahrscheinlich zu jung, aber es gibt diesen Film (Zwischenruf bei der FPÖ: Vom Filmfonds?), und auch damals wurde ein Politiker im Wahlkampf beobachtet. (GR Ing. Udo Guggenbichler, MSc: Von der Stadt Wien gefördert?) - Moment mal! Na, doch, natürlich! Bitte, ganz ruhig! Keine Aufregung! Wir haben ein fantastisches Prinzip, aber ich erzähle noch, welche Filme da noch hineinpassen. - "Projekt Ballhausplatz" von Kurt Langbein, auch gefördert durch das ÖFI - in dem Fall nicht vom Filmfonds Wien, aber durch das ÖFI -; "Für die Vielen" von Constantin Wulff, gefördert durch das ÖFI; "Der schönste Platz auf Erden" von Elke Groen, 2020 - da war Pinkafeld im Zentrum, das kennen Sie ja, auch da wurde Norbert Hofer begleitet. Also wir haben eine Fülle von Filmen, die sich immer wieder mit der politischen Realität auseinandersetzen. Wer darf darüber entscheiden? - Na sicher nicht die Politik. Dafür gibt es eben Jurys und Beiräte, die natürlich schauen: Wer reicht ein? Ist das jemand, der der Partei sehr nahesteht? Stimmt die künstlerische Ausrichtung und stimmt das Vorhaben? - Das entscheide nicht ich - Gott sei Dank, ich möchte das auch gar nicht -, sondern dafür haben wir Jurys und ein Beiratssystem. Und, by the way: Dieser Film wurde gefördert, und diese Entscheidung wurde noch in der Zeit der schwarz-grünen Koalition gefällt. Er wurde gefördert vom ÖFI, aber auch dem ÖFI unterstelle ich nicht, dass sich da jetzt irgendjemand hineingehängt hat, sondern ich unterstelle einfach, dass es da auch mit Jurys und Beiräten professionell entscheidet. Und das ist die einzige Grundlage, auf die es ankommt. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Die 3. Zusatzfrage kommt von den GRÜNEN. - GR Arsenovic, bitte. GR Johann Arsenovic (GRÜNE): Guten Morgen, Frau Stadträtin! Ich möchte ein kurzes Thema anschneiden, nämlich die Streaminggebühren. Wir wissen ja, dass ohne langfristige Besteuerung der Streaminganbieter die Zukunft der Film- und auch der Musikwirtschaft in Österreich gefährdet ist und dass die es sehr schwer haben. Von daher treten ja besonders auch der Fachverband in der Wirtschaftskammer und auch die Fachvertretung der Film- und Musikwirtschaft für eine europaweite gemeinsame Streamingbesteuerung ein, also für das Levy-System nach dem französischen Vorbild. Meine konkrete Frage jetzt: In Österreich hat es die schwarz-rot-pinke Bundesregierung auch im Kulturkapitel niedergeschrieben, dass es zu einer Streamingabgabe kommen soll. Jetzt rennt uns aber ein bisschen die Zeit davon. Wir haben de facto noch vier, fünf Wochen, sonst geht es sich einfach im Doppelbudget nicht mehr aus. Ich höre, dass es knirscht und knarrt, weil sich halt drei Parteien sehr schwertun, gemeinsam eine Lösung zu finden, und das ist sehr schade, weil es im Endeffekt dann wirklich die Filmwirtschaft treffen wird. Und deswegen meine Frage beziehungsweise Bitte an Sie: Was können wir als Wiener, Wienerin machen? Können Sie auch Ihren Einfluss zumindest gegenüber dem Kulturminister geltend machen, damit wir das möglichst rasch in den nächsten vier Wochen noch über die Bühne bekommen? Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Frau Stadträtin, bitte. Amtsf. StRin Mag. Veronica Kaup-Hasler: Danke, Herr GR Arsenovic. Ich glaube, das ist genau der Fall, wo wir alle gemeinsam ein Interesse haben. Und zwar wirklich alle, die hier sitzen, müssen das Interesse haben, dass diese Streamingabgabe kommt, einerseits für die Filmwirtschaft, vor allem weil wir auch sehen, wie stark sich der Mediengebrauch verändert hat und dass etwas zurückfließen muss. Ich werde es mit Sicherheit auf meiner Seite tun, und der Vizekanzler hat das ja in Berlin schon angekündigt. Ich hoffe, sie kriegen das rechtzeitig zu Stande, aber wir werden alle gemeinsam Gas geben müssen, vielleicht auch Sie in der Wirtschaftskammer. Ich glaube, hier müssen sich alle an der Hand packen und für die Filmwirtschaft erreichen, dass Streamingplattformen auch wieder etwas in die österreichische Filmszene, in die österreichische Musikszene zurückfließen lassen. Wir werden es in den nächsten Jahren auch dringend brauchen, allein wegen des Budgets und wegen dieser medialen Veränderungen. - Vielen Dank, aber wir kämpfen da gemeinsam. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Die 4. Zusatzfrage kommt von der FPÖ. - GR Brucker, bitte. GR Lukas Brucker, MA (FPÖ): Sehr geehrte Frau Stadträtin! Es freut mich, dass wir offenbar die einzige Zuseherin des Babler-Films im Kino heute gefunden haben. Wir wissen jetzt auch persönlich, wer es ist. Vielen Dank auf jeden Fall. Also wir sehen das natürlich anders. Selbst "Der Standard" schreibt, dass dieser Film nicht in die Breite geht. Deshalb frage ich Sie: Wie rechtfertigen Sie diesen Einsatz von Steuergeld? Und werden Sie dafür sorgen, dass diese Mittel an den Filmfonds zurückgehen, für andere Projekte verwendet werden und dieses Geld von der SPÖ- Parteikassa bezahlt wird? Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Frau Stadträtin, bitte. Amtsf. StRin Mag. Veronica Kaup-Hasler: Also wer mich kennt, Herr Gemeinderat - ja, ich bin eben für eine Streamingabgabe (Heiterkeit bei SPÖ, NEOS und GRÜNEN), auch im Gemeinderat. Nein, Herr Gemeinderat, ich bin auch da keine interventionistische Politikerin. Das mache ich nicht, natürlich nicht. Und vor allem ist die Arbeit ja geleistet. Hier gab es ja Menschen - Herr Babler wird nicht finanziert worden sein, denke ich, aber es gibt ja CutterInnen, Menschen, die für Licht und Ton zuständig sind, viele Menschen, die da arbeiten. Und wie gesagt: Schauen Sie sich das an! Wir werden natürlich nicht geltendes Recht brechen - das kommt sozusagen in keine Tüte oder in kein Sackerl, da gehört etwas anderes hinein -, und daher werden wir das natürlich nicht tun. Und schauen Sie sich den Film einmal an! Schauen Sie sich das an! Wie er gelungen ist, ist eine andere Frage, aber in jedem Fall ist das ein von der Jury klar befürworteter Film. Und wir werden sehen, inwieweit jetzt auch Rückflüsse durch Ticketeinnahmen kommen, aber auch das ist nicht meine Sorge oder Aufgabe. Da es sich nicht um einen Propagandafilm handelt, gibt es keinerlei Anlässe, so zu agieren. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Vielen Dank. Damit ist die 1. Anfrage beantwortet. Die 2. Anfrage (FSP-593806-2026-KVP/GM) wurde von Herrn GR Zierfuß gestellt und ist an die Frau Amtsführende Stadträtin der Geschäftsgruppe ... - Nein, Entschuldigung! Moment, da liegt ein Protokollfehler vor. - Okay, sie ist an die Frau Vizebürgermeisterin gerichtet. In dieser Anfrage geht es um eine Förderung an einen Kinderbetreuungsverein. (Drei Wirtschaftsprüfungsgesellschaften haben laut Stadtrechnungshofbericht (StRH I - 700090-2024) den Kinderbetreuungsverein Abendstern zwischen 2015 und 2020 geprüft. Bei jeder Prüfung wurden "schwerwiegende Verstöße" gegen die Grundsätze einer ordnungsgemäßen Buchführung festgestellt, wie etwa "In- sich-Geschäfte" mit Umgehungskonstrukten für "unglaubwürdig und völlig überhöhte Verwaltungsausgaben", zahlreiche Geschäfte mit Scheinunternehmen ohne entsprechende Gewerbeberechtigungen, die mittlerweile wegen "Sozialbetrug" amtswegig gelöscht wurden, überhöhte Gehälter für einen Teil des Vorstandes, der ausschließlich aus Familienmitgliedern besteht, sowie verrechnete Flugspesen nach Istanbul ohne Belege und vieles mehr. Laut einer Anfragebeantwortung der MA 10 nach Informationsfreiheitsgesetz vom 1. April 2026 habe es eine Rückforderung in der Höhe von 834 698,84 EUR (davon 130 563,97 EUR Zinsen) gegeben, die auf 490 000 EUR reduziert wurde. Dazu hält die MA 10 weiters fest: "Es wurden alle Rückforderungen beglichen." In der Tageszeitung "Der Standard" vom 7. April 2026 behauptet jedoch der Vereinsobmann Mehmet Akkaya, "sein Verein habe nie 490 000 EUR Fördergeld wegen Missbrauch zurückzahlen müssen." Nun steht Aussage gegen Aussage: Es stellt sich die Frage, was hier nun der Wahrheit entspricht. Hat der Kinderbetreuungsverein Abendstern nun missbräuchlich verwendetes Fördergeld zurückbezahlt oder nicht?)Bitte um Beantwortung. VBgm.in Mag. Bettina Emmerling, MSc: Sehr geehrter Herr Vorsitzender, lieber Herr Abgeordneter! In Ihrer Frage geht es darum, ob der Kinderbetreuungsverein Abendstern missbräuchlich verwendetes Fördergeld zurückbezahlt hat oder nicht. Dazu kann ich Ihnen berichten, dass die 490 000 EUR an Rückforderung vollständig beglichen wurden - und zwar im August 2020 100 000 EUR und ab September 2020 monatlich 30 000 EUR. Die letzte Zahlung erfolgte im September 2021. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Vielen Dank. Die 1. Zusatzfrage kommt von der ÖVP. - Herr GR Zierfuß, bitte. GR Harald Zierfuß (ÖVP): Vielen Dank für die Beantwortung, denn der Vereinsobmann hat das ja in Abrede gestellt, wobei die Zusammenarbeit mit diesem Partner generell als sehr dubios erscheint. Der Stadtrechnungshof hat ja selbstständig auf den Verein hingewiesen; dieser war ja noch nicht einmal in den zehn enthalten, die wir prüfen haben lassen, aber dort ist der Missbrauch so schlimm gewesen, dass der Stadtrechnungshof ihn selbst in den Bericht, den wir beantragt haben, hineingenommen hat. Da steht ja auch drinnen, dass die Hälfte des Geldes erlassen worden ist, was ja alleine schon sehr fragwürdig ist. Und nicht nur, dass dieser Bericht für den Verein Abendstern absolut verheerend ausgefallen ist, es gibt ja auch zahlreiche Mitarbeiter, die sich an Sie, an Ihr Büro, an Ihren Vorgänger gewandt haben, an die MA 10, jetzt auch an uns, und über die Missstände in diesem Verein aufklären wollten - dass dort teilweise zu wenig Essen für die Kinder da ist, dass dort die Betreuungspflichten verletzt werden, weil dort das Personal auch für das Kochen, Reinigen, Abwaschen, Wickeln und Co. zuständig ist und dann aber in der Gruppe keiner mehr da ist. Die sind überlastet, das Geld kommt ganz einfach nicht in den Gruppen selber an, und gleichzeitig wurde bei diesem Verein schon festgestellt, dass dort hunderttausende Euro in eigene Taschen, in In-sich-Geschäfte und Ähnliches geflossen sind. Trotzdem halten Sie zum Verein Abendstern und fördern dort weiter. Jetzt stellt sich für uns schon auch die Frage, ob Sie uns garantieren können, dass 100 Prozent der 2,5 Millionen EUR, die jährlich an Abendstern fließen, auch wirklich bei den Kindern ankommen und nicht in In-sich- Geschäfte fließen. Es gab ja auch - siehe Stadtrechnungshofbericht, Seite 50 - in der Vergangenheit schon Prüfungsberichte, die nicht festgestellt haben, dass hier In-sich-Geschäfte vorgenommen wurden ... Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl (unterbrechend): Darf ich bitten, zur Frage zu kommen? GR Harald Zierfuß (fortsetzend): ... obwohl hier eindeutig etwas vorgelegen ist. Also können Sie garantieren, dass da 100 Prozent der Fördergelder wirklich an die Kinder gehen? Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Frau Stadträtin. VBgm.in Mag. Bettina Emmerling, MSc: Das waren jetzt viele Fragen - oder in Wahrheit Aussagen, die, glaube ich, eine Stellungnahme von mir verlangen. Also der Kindergartenverein Abendstern ist dem Stadtrechnungshof aufgefallen, aber vor allem weil die MA 10 auf Grund ihrer eigenen Kontrollen diesen Missstand damals entdeckt hat. Auf Grund von all dem, was damals passiert ist, würde ich aus heutiger Sicht und aus meiner Perspektive sagen: Das ist ein Träger, den man sofort kündigen würde. Dass man im Jahr 2020 - das war im August 2020, also vor meiner Zeit, und auch darüber hinaus vor Christoph Wiederkehrs Zeit - diese Vereinbarung getroffen hat, muss ich hinnehmen. Die Rückforderung in der Höhe von 490 000 EUR ist eingelangt. Seitdem ist dieser Verein unter besonderer, unter wirklich besonderer Kontrolle der MA 10 sowie auch der MA 11, und natürlich - und das möchte ich auch hier noch einmal betonen - wird jedem einzelnen Verdachtsfall, jeder einzelnen Meldung, auch anonymen Meldungen, die von MitarbeiterInnen getätigt werden, sofort nachgegangen. Ich habe mir das natürlich noch einmal genau angeschaut. Ich persönlich habe in meiner Amtszeit keine anonyme Meldung bekommen. Es gab eine, die ist nicht zu mir gekommen; vielleicht ist sie ich weiß nicht wohin gekommen. Es ist kein Mail diesbezüglich an mich gekommen. (Zwischenruf von GRin Mag. Caroline Hungerländer, MSc.) - Moment einmal, ich muss da, glaube ich, schon einmal prinzipiell aufklären: Jeder einzelne Verdachtsfall, jede einzelne Meldung, die irgendwo ankommt, wird sofort an die zuständige Behörde weitergeleitet, und es wird ihr nachgegangen. Das ist beim Verein Abendstern so, das ist bei jedem anderen Verein so. Danach prüft die MA 11 - da geht es ja vor allem um die pädagogischen Sachen - auf der pädagogischen Seite, ob irgendwelche Mängel feststellbar sind. Das ist etwas, das wir bei jedem Kindergartenverein und mit jedem Träger so handhaben. Es gibt immer wieder Meldungen, denen sofort nachgegangen wird. Und dem gegenüber steht auch noch, dass es natürlich auch jährliche Kontrollen gibt, die die pädagogische Qualität betreffen. Was den Verein Abendstern betrifft, so haben da zum Beispiel in diesem Jahr, 2026, bis zum Stichtag 17. April 21 Kontrollen allein durch die MA 11 stattgefunden. Und ja, da kommen immer wieder Sachen raus, wo man sagt, diese Mängel gehören behoben - ich glaube, Sie wissen das auch von anderen Kindergartenvereinen. Manche sagen ja, sie werden da diesbezüglich viel zu viel kontrolliert. Im Fall Abendstern war es zum Beispiel so, dass eine Wickelauflage nicht korrekt war oder eine Matratze ausgetauscht werden sollte, und auch den Meldungen bezüglich des Essens ist man natürlich nachgegangen und ist hier dementsprechend nicht fündig geworden. Ich kann einerseits noch einmal betonen, dass wirklich alles, was einem Mitarbeiter, einer Mitarbeiterin, was Eltern auffällt oder was man irgendwie vermutet - dass etwas nicht rechtens ist oder dass mit Kindern nicht korrekt umgegangen wird -, sofort gemeldet wird. Es wird jeder Meldung sofort nachgegangen. Es wird sofort vor Ort kontrolliert, und das natürlich ohne es anzukündigen, und natürlich werden die entsprechenden Konsequenzen gezogen - sollte Gefahr im Verzug sein, natürlich sofort, sollten es kleinere Mängel sein, dann werden diese Mängel so dokumentiert, dass sie bei der nächsten Kontrolle behoben sein müssen. Das ist ein übliches Prozedere bei jedem Kindergartenträgerverein. Was ich schon noch einmal sagen möchte, was den Verein Abendstern betrifft: Ich habe mich natürlich mittlerweile sehr intensiv mit diesem Fall auseinandergesetzt, und ich habe es gerade vorhin gesagt, aber ich kann es noch einmal betonen: Diese Rückzahlung von 490 000 EUR, die getätigt worden ist, hat dazu geführt, dass man damals gesagt hat, man setzt die Arbeit mit diesem Kindergartenträgerverein weiter fort - eine Tatsache, mit der ich arbeiten muss. Seitdem wird dieser Verein nicht nur von der MA 10 mittels zusätzlich zugeschalteten Wirtschaftsprüfungsunternehmen, sondern auch durch die MA 11 extrem engmaschig kontrolliert. Ich glaube, da wird auch genauer hingeschaut als ... - nein, das möchte ich so gar nicht sagen, aber wirklich extrem kontrolliert. Zum derzeitigen Zeitpunkt gibt es keine rechtlichen und auch nicht sonst irgendwelche Möglichkeiten, einen Kindergartenträgerverein zu kündigen, wenn keine offensichtlichen Gründe vorliegen. Das ist hier der Fall. Und zu Ihrer letzten Frage, ob ich garantieren kann, dass Fördermittel immer auch dementsprechend zum Wohle der Kinder eingesetzt werden: Das kann ich nie garantieren, für keinen einzigen Verein, auch im städtischen Bereich nicht, weil dies zu überprüfen natürlich Aufgabe der Kontrollen ist. Die Förderung ist dazu da, es zu ermöglichen, die Kinder zu betreuen und zu bilden. Dementsprechend wurde im Zusammenhang mit der jährlichen Abrechnung beziehungsweise durch die Kontrolle, also die Fördermittelkontrolle, die ja im Bereich der MA 10 wirklich auf neue Beine gestellt wurde, vieles aufgedeckt. Entsprechenden Mängeln wird nachgegangen, es werden Nachforderungen gestellt beziehungsweise kann es bis zur Schließung von Kindergartenträgern kommen. Gerade erst vor zwei Monaten mussten wir acht Träger schließen, das kommt natürlich auch vor. - Danke. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Die 2. Zusatzfrage kommt von den GRÜNEN. - Frau GRin Mag. Malle. GRin Mag. Mag. Julia Malle (GRÜNE): Guten Morgen, Frau Stadträtin! Ich möchte auch ein bisschen in diesem Kontext bleiben, der gerade angesprochen wurde, nämlich einerseits die Kontrollen, andererseits die Meldungen. Sie haben vor kurzem auf Social Media dazu aufgerufen, es auch direkt bei Ihnen zu melden, wenn etwas in einem Kindergarten nicht ordnungsgemäß funktioniert. Und man hört es ja auch immer wieder in den eigenen Umfeldern, dass möglicherweise ein Kindergarten, sagen wir einmal, nicht so ideal arbeitet wie der andere - ich versuche, das möglichst wertfrei zu sagen. Jetzt denke ich mir, es wäre schon auch irgendwie die Aufgabe, das System grundsätzlich zu ändern, sodass nicht nur die Öffentlichkeit dem nachkommen muss - und ich glaube, auch Sie haben in Wirklichkeit andere Dinge zu tun. Meine Frage wäre aber: Wie schaut das in der Praxis aus? Haben Sie nach diesem Aufruf schon konkret Meldungen direkt bekommen? Wie gesagt, ich finde, es gibt andere Orte, wo man das eigentlich regeln müsste. Ich fand das ein bisschen seltsam, aber mich würde es trotzdem interessieren, ob Ihr Aufruf - wenn man quasi hört, dass man sich bei Ihnen melden kann - auch schon Konsequenzen hat. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Frau Stadträtin. VBgm.in Mag. Bettina Emmerling, MSc: Danke für die Frage. Ich glaube, da muss ich etwas klarstellen: Der Aufruf gilt nicht jenen, die etwas mir melden, denn es geht darum, Missstände bei der Behörde zu melden. Diese ist die Aufsichtsbehörde, und sie muss jedem einzelnen Fall nachgehen. Sie ist auch gesetzlich dazu verpflichtet, jedem einzelnen Fall nachzugehen. Das hat in der Vergangenheit gut funktioniert und soll einfach auch weiterhin so funktionieren. Das, was Sie dahin gehend verstehen, dass ich diesen Aufruf gemacht habe, war ein bisschen dem geschuldet, dass seitens der ÖVP MitarbeiterInnen des Kindergartens angeführt wurden, die Missstände sehen, irgendwie nicht vorankommen, nicht wissen, wo sie damit hinsollen, und sagen, da wird nichts getan. Sie fürchten sich aber, wenn sie das ansprechen, vor einer Kündigung des Trägers. Ich wollte hier diese Sache ein bisschen angreifen, denn es muss jeder Missstand aufgeklärt werden, es muss jedem nachgegangen werden, und deswegen auch mein Appell an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Kindergarten, wenn ihnen irgendetwas auffällt, und sei es noch so eine Kleinigkeit, dann bitte das an die Behörde zu melden. Und ich glaube, es muss sich niemand, der im Kindergarten arbeitet, und keine Pädagogin und kein Pädagoge davor fürchten, dass er oder sie gekündigt wird. Wie Sie wissen, haben wir in dieser Stadt, ja in ganz Österreich einen PädagogInnenmangel, es gibt also genügend Plätze, vielleicht auch bei Kindergartenträgern oder im städtischen Bereich, wo es der jeweiligen Person vielleicht dann eh lieber ist, zu arbeiten. Daher mein Aufruf, da keine Scheu zu haben und wirklich einfach der Behörde zu schreiben, zum Telefon zu greifen - und wenn es sein soll, auch über mich, aber das war nicht die Intention dieses Aufrufes. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Danke schön. Die 3. Zusatzfrage kommt von der FPÖ. - GR Blind, bitte. GR Armin Blind (FPÖ): Guten Morgen, Frau Stadträtin! Wir können uns, glaube ich, beide noch an die Stadtrechnungshofausschusssitzung erinnern. Sie war eine recht lebhafte mit vielen interessanten Feststellungen. Ich darf auf eine ganz besonders interessante Thematik zurückkommen - und zwar: Als wir entsprechende Fragen gestellt haben und dort auch aufgedeckt haben, dass Mittel, die zweckwidrig verwendet wurden - seien die Zwecke nur nicht förderungswürdig oder überhaupt die Mittel in dieser Form nicht verwendbar -, aus weiteren Fördermitteln "zurückgezahlt" wurden, unter Anführungszeichen - da sind wir wieder bei der Thematik des Zurückzahlens -, hat mich die Feststellung des dort anwesenden Beamten empört, der uns gesagt hat, das ist vollkommen in Ordnung, dass Fördermittel, die zweckwidrig verwendet wurden, mit weiteren Fördermitteln zurückbezahlt werden. Sie haben in der Sitzung gesagt, das wird in Zukunft nicht mehr vorkommen. Das war tatsächlich ein Lichtblick, muss ich sagen. Daraufhin haben wir es uns aber trotzdem nicht nehmen lassen, eine Anfrage an Sie zu richten, welche Konsequenzen es hatte, wenn eben diese missbräuchlich verwendeten Fördermittel aus Fördermitteln zurückbezahlt werden. Und Sie schreiben uns daraufhin, dass, wenn die missbräuchlich verwendeten Fördermittel zurückgezahlt wurden, die Stadt Wien quasi schadlos gestellt sei. Das ist natürlich nicht der Fall, weil es natürlich aus neuen Fördermitteln beglichen wurde ... Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl (unterbrechend): Darf ich bitten, zur Frage zu kommen? GR Armin Blind (fortsetzend): ... und damit die neuen Fördermittel tatsächlich wiederum missbräuchlich verwendet werden. Meine Frage daher: Glauben Sie tatsächlich, dass die Zurückzahlung missbräuchlich verwendeter Fördermittel aus weiteren Fördermitteln geschehen darf? Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Frau Stadträtin! VBgm.in Mag. Bettina Emmerling, MSc: Ganz klar nein, also ganz sicher nein. Ich muss mir das noch einmal anschauen. Ich habe die Anfrage eigentlich noch gut im Kopf und weiß genau, was ich da geschrieben habe, aber hier ist die Antwort ganz klar: Nein, definitiv nicht. Das muss aus anderem Vermögen des Trägers kommen. Und vielleicht zum Stadtrechnungshofbericht: Ja, das hat man damals gemacht. Das liegt einige Jahre zurück, dass man das akzeptiert hat, aber auch der zuständige Beamte hat damals schon gesagt, dass man das eben damals so gemacht hat; auch zum damaligen Zeitpunkt war das nicht mehr Usus. Und diese Klarstellung ist von meiner Seite erfolgt, sage ich Ihnen jetzt noch einmal in aller Deutlichkeit, und diese würde ich auch aus der Anfragebeantwortung herauslesen, die ich mir gerne noch einmal anschaue. Aber das ist ein ganz klares Nein: Rückzahlungen, die auf Grund von missbräuchlich verwendeten Förderungen zu tätigen sind, dürfen niemals aus weiteren Fördermitteln stammen. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Vielen Dank, Frau Stadträtin. Damit ist die 2. Anfrage beantwortet. Die 3. Anfrage (FSP-594857-2026-KGR/GM) wurde von Herrn GR Felix Stadler ebenfalls an die Frau Stadträtin für Bildung, Jugend, Integration, Transparenz und Märkte gerichtet. In dieser Anfrage geht es um den Kostenvergleich städtischer und privater Kindergartenplätze. (Sehr geehrte Frau Bildungsstadträtin! Bezugnehmend auf die Aussage im letzten Gemeinderatsausschuss für Bildung, Jugend, Integration, Transparenz und Märkte vom 9. April 2026, dass es in der MA 10 bereits eine Kostenaufschlüsselung für städtische und private Kindergartenplätze gibt, bitten wir um diese Zahlen. Deshalb hier meine konkrete Frage: Wie viel kostete der Stadt Wien im Jahr 2025 durchschnittlich ein Platz in einem städtischen Kindergarten im Vergleich zu einem Platz im privaten Kindergarten?)Bitte, Frau Stadträtin. VBgm.in Mag. Bettina Emmerling, MSc: Vielen Dank. - Lieber Herr Abgeordneter, danke für die Frage. Sie fragen mich: "Wie viel kostete der Stadt Wien im Jahr 2025 durchschnittlich ein Platz in einem städtischen Kindergarten im Vergleich zu einem Platz im privaten Kindergarten?" - Ich muss Ihnen mitteilen, dass ich für das Jahr 2025 noch keine detaillierten Aufschlüsselungen habe, da ja auch die Rechnungsabschlüsse noch nicht da sind und die aktuellen Daten erst bis Ende Juni eingearbeitet werden und dann voraussichtlich in zwei Monaten Ergebnisse für das Jahr 2025 verfügbar sein werden. Ich habe aber Zahlen für das Jahr 2023 - das sind die ersten ausgerechneten und wirklich validen Zahlen, die man vergleichen kann und die ich Ihnen natürlich gerne trotzdem mitteile. Ich kann die Kostenrechnung aus dem Jahr 2023 heranziehen, und da wurde von der Abteilung ein durchschnittlicher Kostensatz - über alle Gruppen hinweg - von 13 767 EUR berechnet. Dem gegenüber stehen, wenn man es auch durchschnittlich berechnet und sich anschaut, die Förderungen, die an Private ausbezahlt werden, mit einem Betrag von 9 088 EUR. Ich betone noch einmal, dass das ein durchschnittlicher Kostensatz aller Plätze ist, das heißt, da sind Integrationsgruppen, heilpädagogische Gruppen dabei, und daraus ergibt sich natürlich auch diese Kostendifferenz. Wenn man sich zum Beispiel anschaut, dass bei heilpädagogischen Gruppen und Integrationsgruppen der städtische Betreiber 90 Prozent des Bedarfs deckt und wir bei heilpädagogischen Gruppen Kosten von 34 000 EUR haben, dann sieht man, dass diese Zahl einfach dann im Durchschnitt massiv hinaufgeht. Was sind andere Gründe für die Differenz, was das betrifft? - Auf der einen Seite vergleichen wir Kosten mit einer Förderung. Wir haben die Kosten der privaten Träger nicht - das gibt es einfach nicht -, wir können die Förderung vergleichen. Weitere Gründe sind zum Beispiel so etwas wie die heilpädagogischen Gruppen oder die Integrationsgruppen. Weitere Gründe sind die höheren Personalkosten im städtischen Bereich. Der städtische Bereich wird ja nach dem Gehaltsschema der Stadt Wien abgerechnet, wogegen die privaten Träger nach dem Kollektivvertrag der Sozialwirtschaft Österreich verrechnet werden. Was sind noch Unterschiede? - Zum Beispiel Elternbeiträge, die private Träger einheben - das machen die städtischen nicht -, und auch zum Beispiel das Thema Sprachförderung, das im städtischen Bereich vor allem zu einem höheren Einsatz von Personal führt. Genau. - Danke. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Danke. Die 1. Zusatzfrage kommt von den GRÜNEN. - GR Stadler, bitte. GR Felix Stadler, BSc, MA (GRÜNE): Schönen guten Morgen, Frau Vizebürgermeisterin! Vielen Dank für die Beantwortung und auch einmal für diese zwei konkreten Zahlen. Es ist ja auch dank der anderen Oppositionspartei, der ÖVP, in diesem Haus schon seit Jahren Thema, wie viel welche Kindergartenplätze kosten. Jetzt fand ich diese Zahlen sehr spannend. Wenn man nämlich einfach nur die Kosten der MA 10 für die öffentlichen Kindergärten und die Kosten der Förderung durch die Plätze dividiert, kommt man auf 18 000 EUR in einem öffentlichen und auf 8 000 EUR in einem privaten Kindergarten. Ich nehme einmal an, dass es jetzt nur 13 000 EUR bei den öffentlichen Kindergartenplätzen sind, weil Leistungen der MA 10 auch den Privaten zugutekommen, und so ergibt sich dann die Differenz. Aber die genaue Aufschlüsselung dieser Kosten wird uns ja hoffentlich, so wie es auch im Ausschuss letztens war, zugetragen. Vielen Dank auch für die Erläuterungen. Meine Frage jetzt: Das ist immer noch ein Riesenunterschied an Kosten oder an Geldern, die den Kindergärten zur Verfügung stehen. Wie stellen Sie sicher, dass die privaten Kindergärten auch heuer schon und auch nächstes Jahr, bevor das neue Fördersystem kommt, genug Geld haben, damit sie den laufenden Betrieb bewerkstelligen können? Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Frau Stadträtin, bitte. VBgm.in Mag. Bettina Emmerling, MSc: Vielleicht vorneweg, was diese Unterschiedlichkeiten der Kosten betrifft: Diese Aufstellung der Kosten und der Kostenrechnung ist ein unglaublich komplexes Unterfangen. Und ja, da gibt es viele Leistungen, die natürlich auch den Privaten zur Verfügung stehen, die im städtischen Bereich erbracht werden. Das geht von der Platzvergabe bis zur Sprachförderung. Zum Beispiel bekommen die privaten Träger ja Sprachförderkräfte zugewiesen, die Kosten aber betreffen nur den städtischen Bereich. Also da wird auch nichts den Privaten zugerechnet. Deswegen muss man mit diesem Kostenvergleich einfach so aufpassen, weil wir auf der einen Seite wirklich Kosten haben, und auf der anderen Seite haben wir eine Fördersumme. Und diese Fördersumme deckt natürlich nicht den kompletten Betrieb des ganzen Trägers ab, sondern sie fördert ganz individuell das Kind je nach Gruppenform, je nach Alter und je nach sonderpädagogischem Förderbedarf. Und da sind die Sätze immer gleich. Natürlich ist es Anliegen und Ziel, dass private Träger mit ihrer Förderung ein gutes Auslangen finden. Die privaten Träger sind eine unglaublich wichtige Stütze in unserem System Kindergarten und sind unglaublich wichtig. Deswegen ist mir auch ganz wesentlich, dass wir im Bereich des neuen Fördersystems da Hand in Hand mit den privaten Partnern gehen und das gemeinsam erarbeiten. Was mir diesbezüglich noch wichtig ist, ist, dass wir in Zukunft hinsichtlich Sprachförderung und Inklusion mehr Steuerung über die Förderung erlangen können, um auch eine bessere Verteilung sicherzustellen. Allem Weiteren könnte ich jetzt nicht vorgreifen. Aber ja, definitiv müssen private Träger so das Auslangen finden, dass sie eine gute, qualitätsvolle Betreuung für unsere Kinder gewährleisten können. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Vielen Dank. Für das Protokoll darf ich bekannt geben, dass GR Guggenbichler ab 13 Uhr verhindert ist, an der Sitzung teilzunehmen. Die 2. Zusatzfrage kommt von der FPÖ. - GR Blind, bitte. GR Armin Blind (FPÖ): Guten Morgen noch einmal! Frau Stadträtin, Sie haben uns jetzt betreffend die Kosten von städtischen Trägern und privaten Trägern recht ausführlich Mitteilung gemacht. Jetzt wäre meine Frage: Kosten sind natürlich immer auch mit Personalkapazitäten verbunden. Können Sie uns Ihren Mittelfristplan darstellen, sowohl im öffentlichen als auch im privaten Bereich, wie Sie mit den Kindergartenplätzen anwachsen wollen, also welche Kapazitäten Sie in den nächsten zwei, drei Jahren definitiv vorhaben, in Wien vorrätig zu halten? Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Frau Stadträtin, bitte. VBgm.in Mag. Bettina Emmerling, MSc: Eine gar nicht so einfache Frage, weil Kapazitäten natürlich immer auf einer Prognose basieren, die von den tatsächlichen Zahlen der Kinder, die in Wien sind, aber auch den tatsächlich in Anspruch genommenen Kindergartenplätzen ausgeht - also sehr unterschiedlich. Wir haben momentan aus Kapazitätsgründen und auch was den quantitativen Ausbau der letzten Jahre betrifft, einen guten Polster, was Kindergartenplätze betrifft, das heißt keine Engstellen oder keinen Platzmangel. Wir haben im städtischen wie im privaten Bereich keine 100 Prozent Vollauslastung, das heißt überall noch Spielraum. Und natürlich ist in der MA 10 und in der Abteilung alles, was Prognosen betrifft - wo Standorte gebraucht werden, wo vielleicht zusammengelegt wird, wo ausgebaut werden muss, wo auf der anderen Seite aber auch wieder reduziert wird -, ein laufender Prozess. Also ganz konkrete Zahlen habe ich dazu nicht. Was ist mittelfristig wichtig? - Mir ist wichtig, dass wir natürlich weiterhin gute, qualitätsvolle Kindergartenplätze anbieten. Ganz entscheidend wird die Einführung des zweiten verpflichtenden Kindergartenjahres sein. Dahin gehend sind wir natürlich gut in Vorbereitung. Ein wichtiger Punkt sind auch die Inklusionsplätze; es ist also ganz wichtig, wenn wir vom zweiten verpflichtenden Kindergartenjahr sprechen, dass wir genügend Plätze für Kinder mit Beeinträchtigungen, mit besonderen Herausforderungen haben. Dahin gehend ist ja heute noch auf der Tagesordnung des Gemeinderates, dass wir die Inklusionsförderung für die privaten Träger massiv erhöhen, wodurch wir uns erwarten, dass hier mehr Plätze geschaffen werden. Was sonst noch wesentlich ist, ist die Neuaufstellung des Fördersystems, das habe ich jetzt eigentlich schon erläutert. Da gehen wir den Weg gemeinsam mit den privaten Partnern, mit dem Ziel, gemeinsam eine gute Platzvergabe auf Grund der tatsächlichen Notwendigkeiten steuern zu können, vor allem hinsichtlich der Sprachförderung und hinsichtlich der Inklusionsplätze. - Danke. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Die 3. Zusatzfrage kommt von der ÖVP. - GR Zierfuß, bitte. GR Harald Zierfuß (ÖVP): Sehr geehrte Frau Vizebürgermeisterin! Kollege Stadler hat es vorhin schon gesagt, es ist ja durchaus kein neues Thema, wir haben in der letzten Periode fünf Jahre lang permanent Anfragen an Ihren Vorgänger und an Sie gestellt, wie es dazu ausschaut. Ich erspare uns jetzt einige Zitate aus den Anfragebeantwortungen von Christoph Wiederkehr, der immer wieder versprochen hat: Und jetzt gibt es die Zahlen, und jetzt gibt es die Zahlen, und jetzt gibt es die Zahlen. - Und bis heute gibt es oder gab es sie nicht. Jetzt haben Sie erstmals mündlich eine verkündigt, deswegen haben wir dann nachher gesagt: Okay, wir beauftragen den Stadtrechnungshof, das zu prüfen! - Und siehe da, es ist möglich. Es gab ja dann im Ausschuss eine rege Debatte darüber, wie es sein kann, dass man die Zahlen hat, sie aber gleichzeitig den Ausschussmitgliedern nicht sagt. Jetzt kriegen wir sie mündlich irgendwie. Vielleicht nur, um es in einen Kontext zu setzen: 2023 waren es - wenn man es so macht, wie Kollege Stadler es vorhin gesagt hat, also Gesamtkostenstelle durch Plätze dividiert -, 16 000 EUR zu 7 000 EUR in etwa, beides gerundet. Sie sagen also hiermit, dass 2 300 EUR aus den städtischen Kosten rauszurechnen wären und dann 2 000 EUR den Privaten draufzurechnen wären - was sich dann auch nicht wirklich ausgeht, weil ja doppelt so viele Plätze bei privaten Trägern sind. Ich bin also gespannt darauf, wenn wir dann endlich die Zahlen schriftlich bekommen, das zu überprüfen. Ich stelle aber durchaus in Frage, ob mit Inklusionsplätzen und den wenigen Sprachförderkräften 2 000 EUR an Kosten draufkommen. Das scheint mir dann doch ein bisschen viel zu sein. Sei's drum. Wie kann es sein, dass Sie - sowohl Sie als auch Ihr Vorgänger - uns das so lange verschwiegen haben, obwohl Sie ja Transparenzstadtrat heißen? Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Frau Stadträtin, bitte. VBgm.in Mag. Bettina Emmerling, MSc: Ich würde wirklich davor warnen, da - es tut mir leid, wenn ich es so sage - Äpfel mit Birnen zu vergleichen oder Milchmädchenrechnungen anzustellen (GR Harald Zierfuß: Dann liefern Sie die Zahlen!): Das ist da und das ist da, und wenn das da wegfällt, kommt es da hin. - Das ist eine irrsinnig komplexe Kostenrechnung, die da aufgesetzt wurde, die, ich würde sagen, an Komplexität kaum zu überbieten ist, weil verschiedenste Kostenstellen und die Verrechnungen in der Stadt - ja, ich kann es nur sagen - äußerst komplex sind. Also da voreilig Schlüsse zu ziehen oder einfach Zahlen irgendwie heranzuziehen, weil man sich selbst irgendetwas durchdividiert, ist schwierig. (GR Harald Zierfuß: Sie geben uns ja nichts! Das ist ja das Problem!) Warum gibt es die Kostenrechnung erst jetzt, oder warum kann ich die Zahl erst jetzt nennen? - Weil sie tatsächlich mit dem jetzigen Zeitpunkt zur Verfügung steht, es gab sie vorher nicht. Ich weiß, dass Christoph Wiederkehr wirklich sehr viel Druck gemacht hat, diese Kostenrechnung anzustellen und wirklich auf die Beine zu stellen, damit wir valide Zahlen haben. Ich finde die validen Zahlen auch extrem wichtig - wenn wir daran denken, dass wir das Fördersystem neu aufstellen wollen, ist das ja ganz, ganz wesentlich. Tatsache ist, dass es jetzt wirklich erstmals diese Zahlen gibt - es gab vorher keine Zahlen, also Christoph Wiederkehr hat sie nicht verschwiegen, ich habe sie bisher nicht verschwiegen, es gab sie einfach nicht. Wir haben jetzt erstmals die Zahlen für 2023, also wirklich von diesem einen Jahr, und das ist etwas, was ich Ihnen jetzt sagen kann, was ich natürlich in meiner Rolle und Funktion auch gerne tue. Mir ist es wichtig, hier transparent zu sein, die Zahlen auch herzugeben, wenn ich sie habe. Was ich auch sagen kann, ist, dass ich vorhabe - nachdem diese Kostenrechnung auch mit den nötigen Ressourcen in der Abteilung jetzt bewerkstelligt wurde und auch aufgestellt ist -, dass wir diese Kostenrechnung auch für jedes Jahr anstellen. (Beifall bei NEOS und SPÖ.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Vielen Dank. - Damit ist die 3. Anfrage beantwortet. Die 4. Anfrage (FSP-587053-2026-KFP/GM) wurde von Herrn GR Niegl gestellt und ist an die Frau Amtsführende Stadträtin der Geschäftsgruppe für Wohnen, Wohnbau, Stadterneuerung und Frauen gerichtet. Es geht darin um Mietzins im sozialen Wohnbau. (Im ersten großen Interview in der Kronen Zeitung am 9. April 2026 gab die neue Wohnbaustadträtin ihre Vorstellungen von der für sie sozial verträglichen Miethöhe bekannt - statt dem bis dato gültigen Nettomietzins von 6,74 EUR/m² wären für Sie bis zu 10 EUR/m² vorstellbar. Das entspräche einer Erhöhung der Nettomiete (Richtwert) um 3,26 EUR/m², was einen Anstieg von 48,4 Prozent bedeute. Weshalb denken Sie, dass bis zu 10 EUR/m² Mietzins im sozialen Wohnbau angemessen und gerechtfertigt sind?)Ich möchte dazu darauf hinweisen, dass es zum Begriff des sozialen Wohnbaues schon in der Präsidialsitzung eine Klarstellung gegeben hat, die aber jetzt die Frau Stadträtin auch entsprechend umsetzen wird. Guten Morgen, Frau Stadträtin! Bitte um Beantwortung. Amtsf. StRin Mag. Elke Hanel-Torsch (SPÖ): Schönen guten Morgen! Vielen Dank, Herr Vorsitzender. Sehr geehrte Gemeinderätinnen und Gemeinderäte! Also ich muss sagen, ich war etwas verwundert ob dieser Anfrage, weil sie mir nämlich Worte in den Mund legt, die ich so nie gesagt habe. Denn in der Anfrage schreiben Sie: "Weshalb denken Sie, dass bis zu 10 EUR/m2 Mietzins im sozialen Wohnbau angemessen und gerechtfertigt sind?", und ich habe im besagten Interview, auf das Sie ja ansprechen, auf die konkrete Frage "Welche Nettomiete pro Quadratmeter halten Sie persönlich in Wien noch für sozial vertretbar?" wortwörtlich geantwortet - und bevor ich jetzt die Antwort noch einmal vorlese, weise ich nochmals darauf hin, dass die Frage war: "in Wien für sozial vertretbar", das heißt, wir sprechen von gesamt Wien für den gesamten Wohnungssektor, auch für den privaten Wohnungssektor. Meine Antwort war: 8 bis 10 EUR pro Quadratmeter Nettomiete, ohne Betriebskosten. Mein Ideal ist, dass es inklusive Betriebskosten maximal 10 bis 12 EUR sind. Wir sind aber im privaten Vermietungsbereich mittlerweile bei 20 EUR. Alles, was darunter ist und günstiger ist, geht immer. Wenn Sie jetzt daraus konstruieren, dass es zu einer Mietpreissteigerung im Gemeindebau kommen soll, dann ist das aus meiner Sicht sehr unseriös und entspricht nicht dem, was ich tatsächlich gesagt habe, denn Wiener Wohnen wird auch in Zukunft den reinen Richtwert weitergeben, der, wie wir alle wissen, vom Bund festgelegt wird. Wir gehen in Wien diesen Weg, nämlich der Bevölkerung leistbaren Wohnraum zur Verfügung zu stellen, und wir werden diesen auch in Zukunft unbeirrt weitergehen. Es gibt - im Interview habe ich es angesprochen - eine Entwicklung, die mir nicht gefällt, und das ist die Entwicklung am privaten Wohnungssektor. Denn dort ist es so, dass der Lagezuschlag teilweise den eigentlichen Basismietzins bei weitem übersteigt. Und das ist auch ein Unterschied, den es eben zum Mietzins im Gemeindebau gibt, denn im Gemeindebau gibt es keine Zuschläge - auch nicht in den zentralen Lagen wie auf der Wieden, in Margareten oder im 7. Bezirk -, es gibt auch keine Befristungen. Was es aber gibt, ist zu 100 Prozent Wohnsicherheit, und dafür stehen wir auch in Zukunft. (Beifall bei der SPÖ und von GRin Dipl.-Ing. Selma Arapovic.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Danke. Kollege Niegl, es ist üblich, dass der Fragesteller auch beim Mikrofon steht, denn Sie haben jetzt die 1. Zusatzfrage, und ich lade Sie auch dazu ein. - Bitte. GR Michael Niegl (FPÖ): Danke einmal für die aus Ihrer Sicht richtige Beantwortung. Aus meiner Sicht und auch aus der Sicht der Bürger, die ob Ihrer Aussage in der "Kronen Zeitung" mit großer Sorge an mich herangetreten sind, ist es natürlich klar, dass, wenn Sie als Wohnbaustadträtin und hundertprozentige Eigentümervertreterin von Wiener Wohnen so eine Aussage tätigen, dass 8 bis 10 EUR Nettomietzins für Sie sozial verträglich sind, dies auch auf den sozialen Wohnbau, insbesondere auf den Gemeindebau, umzulegen ist. Also müssten Sie vielleicht in Zukunft in Interviews präziser formulieren, denn meine Zusatzfrage wäre ja jetzt auch gewesen, ob Sie sich an die Mietpreisbremse gebunden fühlen. Das haben Sie jetzt beantwortet - ja, ist in Ordnung. Ich freue mich auch, dass das passiert ist, denn wir hatten große Sorge. Ich nehme also zur Kenntnis, dass Sie sich jetzt hier auf die 6,74 EUR pro Quadratmeter festgelegt haben, bitte aber, in Zukunft die Leute nicht so zu verunsichern. - Danke. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Gut, da Herr Kollege Niegl keine Zusatzfrage gestellt hat, möchte ich die Frau Stadträtin fragen, ob sie einen Kommentar zu seinen Ausführungen abgeben möchte. Amtsf. StRin Mag. Elke Hanel-Torsch (SPÖ): Nein, danke. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Gut. Die 2. Zusatzfrage kommt von der ÖVP. - GR Mayer, bitte. GR Lorenz Mayer (ÖVP): Guten Morgen, Frau Stadträtin! Ich möchte auch auf eine Aussage, die Sie im Rahmen Ihrer Antrittsinterviews getätigt haben, eingehen. Und zwar ging es da um die Leerstandsabgabe - etwas, was Sie vielleicht in einer Ihrer früheren Funktionen befürwortet haben, wovon Sie jetzt aber abzurücken scheinen, was aus unserer Sicht sehr gut und sehr wichtig ist, weil die Leerstandsabgabe etwas ist, was aus unserer Sicht Menschen, die sich etwas aufgebaut haben, belastet, die Eigentümer belastet beziehungsweise auch einen Eingriff in die Eigentumsfreiheit darstellt. Meine Frage dazu: Sie haben im Rahmen Ihrer Antrittsinterviews auch von einer Leerstandsmobilisierung gesprochen, Sie haben davon gesprochen, dass es da Zahlenmaterial braucht. Da würde mich interessieren: Was meinen Sie mit Leerstandsmobilisierung konkret? Und auf der anderen Seite: Welches Zahlenmaterial würden Sie denn dafür brauchen beziehungsweise wie gedenken Sie, da weiterzutun beziehungsweise wann können wir da mit einer entsprechenden Erhebung oder weiteren Maßnahmen Ihrerseits rechnen? Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Frau Stadträtin, bitte. Amtsf. StRin Mag. Elke Hanel-Torsch (SPÖ): Vielen Dank für die Frage. Ja, ich habe es in meinen Antrittsinterviews gesagt, für mich hat Priorität, den Leerstand zu mobilisieren, denn Wohnraum ist zum Wohnen da und soll den Wienerinnen und Wienern dafür zur Verfügung stehen. Was wir dafür brauchen, um zu schauen, welche konkreten Maßnahmen wir setzen können, sind Zahlen, Daten und Fakten. Wir müssen wissen: Wie viele Wohnungen stehen leer und teilweise auch aus welchen Gründen stehen sie leer? Denn was wir in Wien nicht haben wollen, ist Leerstand aus spekulativen Gründen. Ich glaube, da sind wir uns hier alle einig, das soll es nicht geben. Diese Wohnungen sollen für die Wienerinnen und Wiener zum Wohnen da sein. Meines Wissens arbeitet der Bund gerade an einer Erhebung - und zwar österreichweit - wie viele Wohnungen tatsächlich leer stehen. Wenn wir dann diese Zahlen haben, dann können wir hier in Wien überlegen: Welche Maßnahmen sind sinnvoll, wann sind sie zu setzen, und was muss genau getan werden? Wir müssen da aber noch abwarten, was diese Erhebung des Bundes tatsächlich an Zahlenmaterial zu Tage fördert. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Die 3. Zusatzfrage kommt von den GRÜNEN, GR Prack. GR Georg Prack, BA (GRÜNE): Guten Morgen, Frau Stadträtin! Ich muss auch ein bisschen weiter ausholen, weil mir zur Erstfrage jetzt nicht unbedingt etwas eingefallen ist, wo man sofort anknüpfen kann. Aus einer schriftlichen Anfragebeantwortung geht hervor, dass wir im Bereich Wiener Wohnen bei den Stellplätzen einen Leerstand von 8 242 Stellplätzen haben. Das sind immerhin 17,6 Prozent der Stellplätze und Garagenplätze, die Wiener Wohnen zur Verfügung hat. Wären diese Stellplätze vermietet, würden die Einnahmen natürlich in die Mietzinsreserve der jeweiligen Gebäude einbezahlt werden und würden dann helfen, diese Gebäude zu sanieren. Das sind dann zirka 10 bis 15 Millionen EUR pro Jahr, die Wiener Wohnen durch diesen Leerstand an Einnahmen entgehen, also in einer Legislaturperiode doch 50 bis 75 Millionen, je nachdem, welche Preise da verlangt werden, da gibt es ja bei Wiener Wohnen einen ziemlichen range. Meine Frage an Sie wäre: Was wollen Sie tun, damit man diesen Leerstand bei den Stellplätzen beseitigt und damit auch mehr Geld zur Verfügung hat, um die Gemeindewohnungen der Wienerinnen und Wiener zu sanieren? Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Frau Stadträtin, bitte. Amtsf. StRin Mag. Elke Hanel-Torsch (SPÖ): Vielen Dank auch für diese Anfrage. Was den Leerstand bei den Stellplätzen betrifft, muss ich mir auch noch genauer anschauen: Wie lange stehen Stellplätze tatsächlich leer? Liegt es daran, dass in den eigenen Wohnhausanlagen die Mieterinnen und Mieter nicht das entsprechende Interesse an den vorhandenen Stellplätzen haben? - Ich bitte Sie da um ein bisschen Verständnis, dass ich es mir anschauen werde und mich dann mit einer Antwort an Sie wenden werde. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Danke. - Damit ist die 4. Anfrage beantwortet. Die 5. Anfrage (FSP-586998-2026-KSP/GM) ist ebenfalls an die Frau Amtsführende Stadträtin der Geschäftsgruppe für Wohnen, Wohnbau, Stadterneuerung und Frauen gestellt - und zwar von GRin Ing. Rompolt. In dieser Anfrage geht es um den Wiener Töchtertag. (Am 23. April hat neuerlich der Wiener Töchtertag stattgefunden. Was ist das Ziel des Töchtertages, gab es Neuerungen und was bietet die Stadt Mädchen an stärkenden Maßnahmen auch über diesen Tag hinaus an?)Bitte um Beantwortung. Amtsf. StRin Mag. Elke Hanel-Torsch (SPÖ): Sehr geehrte Frau Gemeinderätin, wir haben ja letzte Woche einen ganz besonderen Töchtertag begangen, denn wir feierten 25 Jahre Wiener Töchtertag. Besonders erfreulich war, dass wir auch eine Rekordzahl an Teilnehmerinnen, also an jungen Mädchen, hatten: 6 200 junge Wienerinnen haben teilgenommen. Und es war gleichzeitig auch eine Premiere, denn zum allerersten Mal konnten die Wienerinnen vom vorletzten Kindergartenjahr bis zum Maturajahrgang durchgehend am Wiener Töchtertag teilnehmen. Ziel des Töchtertages ist es ja, Mädchen für Jobs und Ausbildungen im technischen, naturwissenschaftlichen und handwerklichen Bereich zu begeistern, und mittlerweile haben wir auch über 300 Unternehmen, die da Einblicke in die praktische Berufswelt geben, nämlich abseits von diesen traditionellen Rollenbildern. Die Mädchen können mit Geräten arbeiten, Materialien angreifen und überall dort, wo es möglich ist, natürlich auch weibliche Führungskräfte treffen. Das ist wirklich etwas ganz Besonderes. Wir haben da eine Botschaft an die Mädchen: Mädchen können alles, Mädchen schaffen alles! Und diese Phrasen: Das ist typisch Mädchen, das ist typisch Bursche!, sollen endlich der Vergangenheit angehören. Dass diese Initiative auch Wirkung zeigt, das durfte ich selbst erleben, denn ich war vergangenen Donnerstag bei Siemens - das war das erste Unternehmen, das am Wiener Töchtertag teilgenommen hat -, und dort war eine Frau anwesend, die tatsächlich beim allerersten Töchtertag im Jahr 2002 teilgenommen hat und dadurch auch ihren Traumjob, ihren Traumberuf gefunden hat. Es war einfach sehr, sehr schön, zu sehen, dass dieser Töchtertag auch Wirkung hat. Wir in Wien, wir stärken die Mädchen aber natürlich nicht nur am Töchtertag, sondern 365 Tage im Jahr. Deshalb haben wir ja auch ein weiteres Projekt mit MINT-Schwerpunkt, nämlich "Mädchen feiern Technik", das von der Prüf-, Inspektions- und Zertifizierungsstelle initiiert wurde und heuer sogar auf weitere Abteilungen ausgeweitet wurde. Dabei erhalten Schülerinnen von der 5. bis zur 8. Schulstufe bei Exkursionen praxisnahe Einblicke in die Berufe der Stadt Wien. Mittlerweile an Bord sind Wiener Wasser, Wiener Wohnen, das Bau- und Gebäudemanagement, die 48er, Wien Kanal und viele mehr. Es gibt natürlich auch noch Mädchen-Workshops, es gibt das Projekt "Gemeinsam stärker" in den Schulen - da, wo das Ziel ist, ein Klima zu schaffen, das von Rücksichtnahme geprägt ist, ohne Abwertung, ohne Mobbing, ohne Diskriminierungen auf Grund von Geschlecht, sexueller Orientierung und Herkunft. Es geht einfach darum, schon sehr, sehr früh das Bewusstsein für Gleichstellung zu schärfen und überholte Rollenbilder aufzubrechen. Die Palette, wie Sie sehen, wird also laufend breiter, und wir sind auch dran, das in Zukunft weiter auszuweiten. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Vielen Dank. Die 1. Zusatzfrage kommt von der ÖVP. - Frau GRin Keri, bitte. GRin Sabine Keri (ÖVP): Vielen Dank. - Guten Morgen, Frau Stadträtin! Danke für die ausführliche Antwort. Sie haben gesagt, es sind zirka 300 Unternehmen, die mitmachen. Gibt es hier eine Art Evaluierung oder ein Ranking, welche Unternehmen besonders beliebt sind? Wenn es das gibt: Sieht man, dass es immer sozusagen die gleichen Unternehmen sind? Und wenn dem so ist, gibt es dann auch Bemühungen, dass diese Partner oder Partnerinnen bleiben? Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Frau Stadträtin. Amtsf. StRin Mag. Elke Hanel-Torsch (SPÖ): Vielen Dank für die Frage. Mir liegt jetzt kein Ranking vor, ob manche Unternehmen besonders beliebt sind oder nicht. Ich kann der Frage aber gerne nachgehen und nachschauen, ob es Zahlen dazu gibt. Es gibt aber selbstverständlich Unternehmen, die Jahr für Jahr dabei sind, wie zum Beispiel Siemens vom ersten Tag an. Da kann ich auch aus eigener Erfahrung berichten: Das Interesse bei den jungen Mädchen war ungebrochen hoch. Es war wirklich ein tolles Angebot, das dort geschaffen wurde. Ich liefere das aber gerne nach. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Danke. - Die 2. Zusatzfrage kommt von den GRÜNEN. - GRin Mag. Malle, bitte. GRin Mag. Mag. Julia Malle (GRÜNE): Guten Morgen, Frau Stadträtin! Wir finden den Töchtertag natürlich großartig - ich glaube, das ist keine besondere Überraschung - und wollten als Grüner Klub im Rathaus in dem Sinn daran teilhaben, dass wir es Mädchen ermöglicht hätten, beispielsweise einmal einen Tag bei uns zu verbringen. Wir haben auch mit Ihrer Vorgängerin darüber geredet. Es gibt schon eine gewisse Offenheit, wenn das politisch natürlich ausgeglichen ist. Das ist sowieso klar. In unserem Sinne könnten sich also natürlich gern auch die anderen Fraktionen diesbezüglich etwas überlegen. Uns ist es wichtig, weil wir ein Bewusstsein dafür haben, dass Frauen in die Politik gehören. Ich wollte Sie fragen, wie Sie dazu stehen und ob Sie sich vorstellen könnten - wir sind damit heuer wie gesagt leider abgeblitzt -, dass wir auch als Fraktionen hier im Rathaus stärker am Töchtertag teilnehmen, als das bis jetzt der Fall ist. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Frau Stadträtin, bitte. Amtsf. StRin Mag. Elke Hanel-Torsch (SPÖ): Vielen Dank auch für diese Frage. Ich glaube, es ist wichtig, junge Mädchen und Frauen auch an die Politik heranzuführen. Es gibt ja mittlerweile das Format Girls in Politics, durch das wir sie aufmerksam machen und auch Gusto auf Kommunalpolitik machen. Die Frage ist, ob wir dieses Format besser ausweiten können, um auch unsere Arbeit hier im Landtag und im Gemeinderat sowie in den einzelnen Klubs schmackhaft zu machen oder ob wir das im Rahmen des Wiener Töchtertages machen. Ich glaube, das sollten wir uns gemeinsam näher ansehen. Fakt ist: Auch ich bin dafür, dass wir jungen Frauen und Mädchen zeigen sollen, dass wir sie in der Politik willkommen heißen und sie in der Politik brauchen. Deshalb danke auch für diese Anfrage. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Die 3. Zusatzfrage kommt von der FPÖ. - Frau GRin Frühmesser- Götschober, bitte. GRin Lisa Frühmesser-Götschober (FPÖ): Guten Morgen, Frau Stadträtin! Sie haben ja eh schon gesagt, dass die Entwicklung der letzten Jahre einen klaren Trend aufzeigt und immer mehr Mädchen in technische Berufe gehen - und das mit sehr großem Erfolg. Jetzt geht es eben darum, genau diesen Fortschritt nachhaltig abzusichern. Sie haben auch schon erwähnt - das ist sehr erfreulich -, dass es weitere Projekte mit MINT-Schwerpunkt geben wird: "Mädchen feiern Technik". Daher meine Frage: Welche konkreten Schritte plant die Stadtregierung, um vor allem dieses Potenzial der jungen Frauen in technischen Berufen konsequent zu fördern? Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Frau Stadträtin, bitte. Amtsf. StRin Mag. Elke Hanel-Torsch (SPÖ): Vielen Dank auch für diese Anfrage. Wir wollen in Wien ja ein ganzjähriges Angebot für Mädchen schaffen - und zwar unter dem Dach des Wiener Mädchenclubs, das heißt, mit neuen Projekten auch laufend spannende Einblicke rund um Mädchenrechte, Technik, Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Finanzbildung und Sport zu ermöglichen und die Mädchen eben nicht nur punktuell an einem Tag, sondern wirklich das ganze Jahr über zu begleiten. Aktuell befinden wir uns in der Konzeptionierungsphase. Deshalb bitte ich noch um etwas Geduld. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Vielen Dank. - Damit ist die 5. Anfrage beantwortet. Ich danke der Frau Stadträtin. Damit ist auch die Fragestunde beendet. Wir kommen nun zur Aktuellen Stunde. Gemäß § 39 Abs. 2 der Geschäftsordnung hat der Klub der Wiener Freiheitlichen für die Aktuelle Stunde das Thema "Volle Härte bei Integration - kein Platz für Gewalt, extremistische Ideologien oder antisemitische Botschaften" ordnungsgemäß vorgegeben. Als Erstredner ist GR Maximilian Krauss gemeldet - zehn Minuten Redezeit. - Bitte schön. GR Maximilian Krauss, MA (FPÖ): Sehr geehrter Herr Vorsitzender, meine sehr geehrten Damen und Herren! Seit mittlerweile mehr als zwei Jahrzehnten warnen wir Freiheitlichen vor der Entstehung von islamistischen Parallelgesellschaften mitten in Wien. Zuerst waren diese Parallelgesellschaften schleichend. Sie sind langsam mehr geworden. Mittlerweile sind sie in Wien mehr als offensichtlich. Seit mehr als zwei Jahrzehnten - seit wir eben genau davor warnen - werden diese Probleme von Ihnen geleugnet. Wir Freiheitlichen wurden dafür am Anfang belächelt. Man hat versucht, das Thema kleinzureden, oder, als man das Thema nicht mehr weg- und schönreden konnte, hat man gesagt, das wäre rechte Hetze. Aber, meine sehr geehrten Damen und Herren, heute, nach zwei Jahrzehnten, müssen wir feststellen: Wir hatten mit all unseren Warnungen recht, und Sie hatten unrecht. (Beifall bei der FPÖ.) Die Stadt Wien und die jeweiligen linken Koalitionen - ob es Rot-Grün war oder jetzt Rot-NEOS, ob Bgm Häupl war oder jetzt Bgm Ludwig - haben in Wien einen Nährboden dafür geschaffen, dass sich Parallelstrukturen in islamistischen Bereichen entwickeln konnten. Unter dem Deckmantel Ihrer absurden Willkommenspolitik, unter dem Deckmantel von Multikulti, falsch verstandener Toleranz und einer völlig naiven Integrationspolitik haben sich all diese Problembereiche in Wien massiv verbreitert. Wer das kritisiert hat, der wurde von Ihnen diffamiert und in ein rechtsextremes Eck gestellt. Wer diese Probleme benannt hat, der wurde von Ihnen selbst zum Problem erklärt. Integration an sich, die eine absolute Selbstverständlichkeit und Bringschuld sein sollte, wurde von Ihnen in den letzten zwei Jahrzehnten zu einer freiwilligen Option umgedeutet. Mittlerweile sind wir so weit, dass sich in Wien die Wienerinnen und Wiener anpassen müssen und nicht umgekehrt. Das ist das Ende der Stadt, wie wir sie kennen. (Beifall bei der FPÖ.) Die Folgen Ihrer fatalen linken Zuwanderungspolitik sehen wir in unserer Stadt ja jeden Tag und in allen unterschiedlichen Bereichen, ob es in unseren Schulen ist, in denen Bildungspolitik in Wahrheit vielfach nicht mehr stattfinden kann, ob es auf unseren Straßen ist, wo die Kriminalität zunimmt, oder ob es auch in vielen Grätzeln ist, wo man Wien mittlerweile überhaupt nicht mehr erkennen kann. Das erleben wir eben auch bei Kindern, die von Islamisten religiös unter Druck gesetzt werden, und bei Lehrerinnen, denen oftmals der Handschlag verweigert wird. Das erleben wir auch im Zuge eines immer weiter steigenden islamistischen Antisemitismus, der sich längst nicht mehr in Hinterhofmoscheen versteckt, sondern oftmals offen in Schulen auftritt oder auch bei Pro-Hamas-Demonstrationen in aller Öffentlichkeit zur Schau getragen wird. All das ist auch das Ergebnis Ihrer entsetzlichen Willkommenspolitik. (Beifall bei der FPÖ.) Auch wenn wir heute in Wien und in Österreich eine permanent erhöhte Terrorwarnstufe haben müssen und jüdische Einrichtungen dauerhaft unter Polizeischutz stehen müssen, dann ist das alles kein Zufall, sondern das Ergebnis politischer Fehlentscheidungen auf Landesebene von Rot und NEOS und auf Bundesebene von Schwarz- Grün in der vergangenen Periode beziehungsweise jetzt auch des ÖVP-Bundeskanzlers und des ÖVP- Innenministers. Denn Sie importieren Konflikte und wundern sich dann über die Probleme, über die Spannungen und über die Kriminalität. Die Leidtragenden dieser importierten Kriminalität sind die Wienerinnen und Wiener. (Beifall bei der FPÖ.) Wenn wir mittlerweile sechs Jahre zurückblicken, dann müssen wir auch an den 2. November 2020 denken. Denn dieser islamistische Terroranschlag war kein isoliertes Ereignis. Das war nichts Einmaliges in dieser Stadt. Nein, es war in Wahrheit ein brutales und blutiges Warnsignal für das, was in dieser Stadt mittlerweile jeden Tag passieren kann. Es war ein Angriff auf unsere Stadt, auf die Freiheit in dieser Stadt und auf unsere Lebensweise. Vier Menschen wurden von einem islamistischen Attentäter mitten in Wien ermordet. Nach diesem entsetzlichen Attentat ist eines passiert: Sie haben das Motiv totgeschwiegen. Sie sprechen bis heute nicht darüber, dass es ein islamistischer Anschlag war. Sie haben auch Ihre falsche politische Grundhaltung, die dazu beigetragen hat, dass dieser Täter erstens überhaupt in Österreich sein durfte und zweitens Islamismus hier überhaupt einen Nährboden gefunden hat, nicht geändert und nicht überdacht. Damit haben Sie sich politisch auch schuldig gemacht. (Beifall bei der FPÖ.) Wenn wir uns hier die nackten Zahlen ansehen, dann spricht auch der Verfassungsschutz von einem massiv angestiegenen islamistischen Gewaltpotenzial in Wien und in Österreich. Zehntausende Personen - viele davon mit Gewaltbezug - sind in den letzten Jahren in Österreich mit islamistischen Motiven aufgefallen. Auch die Zahl dieser einschlägigen Delikte, die dann auch strafrechtlich relevant werden, steigt massiv an. Wenig überraschend ist Wien auch da österreichweit wieder einmal der Negativ-Hotspot. Das ist auch kein politisches Narrativ. Das ist keine Erzählung. Das ist nichts, was sich nur in Zeitungsschlagzeilen wiederfindet. Nein, das sind die Fakten, die auch von den österreichischen Sicherheitsbehörden veröffentlicht werden. Diese Probleme erleben wir eben quer durch die entsprechenden Sicherheitsberichte, aber auch im Alltag der Wienerinnen und Wiener. All das ist auch das Ergebnis Ihrer falschen Willkommens- und Integrationspolitik. (Beifall bei der FPÖ.) Dass Ihre Reihen bei einer derartigen Aktuellen Stunde leer sind, zeigt ja auch, dass viele von Ihnen in Wahrheit wissen, dass Sie hier großen politischen Unfug betrieben haben, dass Sie für diese Zustände politisch verantwortlich sind und dass Sie dieses enorm wichtige Thema auch heute wieder einmal totschweigen wollen. Allein, wir werden nicht zulassen, dass es totgeschwiegen wird. Auch die Umfragen in Wien und in Österreich zeigen, dass die Menschen in diesem extrem wichtigen Bereich endlich ein Umdenken und eine andere Politik umgesetzt wissen wollen. (Beifall bei der FPÖ.) Ein ganz aktuelles sicherheits- und integrationspolitisches Beispiel ist natürlich auch das islamistische Zentrum in Floridsdorf - ein islamistisches Zentrum mit Verbindungen zum Regime im Iran, unter Beobachtung wegen möglicher islamistischer Umtriebe und auch in der persischen Community als Hort des Islamismus verschrien. Was macht die Wiener Stadtregierung diesbezüglich? - Der Bürgermeister und die Vizebürgermeisterin sagen, sie haben davon aus den Medien erfahren. Meine sehr geehrten Damen und Herren, das ist kein Versehen. Das ist nichts, wovon man als Bürgermeister per Zufall aus den Medien erfahren darf. Dieses Nichtwissen, dieses Nichthandeln und dieses Wegsehen sind ein sicherheitspolitischer Offenbarungseid dieser Stadtkoalition. (Beifall bei der FPÖ.) Während Sie auf der einen Seite eben immer von einer bunten Stadt und von Diversität sprechen, die Sie so gut finden, die Sie fördern wollen und die Sie loben, erleben wir auf der anderen Seite, dass in Wien massive Parallelwelten entstanden sind und es Gegenden gibt, in denen Gesetze nicht mehr gelten und vollzogen werden sollen, und dass unsere Werte in weiten Bereichen von islamistischen Communitys völlig abgelehnt werden und Integration von Ihnen überhaupt nicht mehr gewollt oder eingefordert wird. Meine sehr geehrten Damen und Herren, das sind auch keine Missverständnisse. Das sind bewusste Entscheidungen, die von dieser Stadtregierung in den letzten zwei Jahrzehnten getroffen wurden und die dazu geführt haben, dass der Islamismus in dieser Stadt weitergewachsen ist, dass mittlerweile sogar Terrorzentren wie im 20. Bezirk entstehen können und der Bürgermeister dann einfach davon spricht, dass er davon aus den Medien erfahren hat. So darf es definitiv nicht weitergehen. (Beifall bei der FPÖ.) Interessant ist in diesem Zusammenhang auch der Moscheen-Bericht des Österreichischen Integrationsfonds, der ganz klar zeigt: In einem erheblichen Teil der Einrichtungen und der Moscheen in dieser Stadt wird Integration nicht nur nicht gefördert, nein, sie wird sogar aktiv behindert, indem dort vielfach ein Weltbild vermittelt wird, das mit einer offenen Gesellschaft völlig unvereinbar ist. Gleichzeitig werden solche Strukturen von Ihnen eben nicht nur nicht bekämpft und nicht benannt, nein, sie werden oftmals auch mit Steuergeld gefördert und politisch unterstützt. Das ist nicht Integration. Das ist die politische Selbstaufgabe dieser Stadtregierung. (Beifall bei der FPÖ.) Meine sehr geehrten Damen und Herren, das Zentrum im 21. Bezirk ist kein Einzelfall. Es ist kein Zufall. Nein, es ist eben das Ergebnis politisch gewollter Fehlentscheidungen. Unsere freiheitlichen Positionen sind klar: Wir wollen endlich null Toleranz gegenüber islamistischem Extremismus. Wir wollen endlich ein Ende der Subventionen für diese dubiosen und fragwürdigen Vereine. Wir wollen endlich ein konsequentes Vorgehen gegen radikale Prediger und islamistische Moscheen. Meine sehr geehrten Damen und Herren, was wir definitiv auch endlich brauchen, ist ein sofortiger Asylstopp, das sind großflächige Abschiebungen und das Ende Ihrer linken Integrations- und Willkommenspolitik. (Beifall bei der FPÖ.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Bevor ich der nächsten Rednerin das Wort erteile, darf ich Damen und Herren der Sprachschule von Segovia in Spanien herzlich bei uns im Wiener Gemeinderat begrüßen. - Willkommen! (Allgemeiner Beifall.) Die Wortmeldungen dürfen ab jetzt fünf Minuten betragen. Frau Hungerländer weiß das. - Bitte, du bist am Wort. GRin Mag. Caroline Hungerländer, MSc (ÖVP): Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrte Gäste auf der Galerie! Ich habe es schon mehrfach gesagt, ich sage es noch einmal: Eine der Kernfragen bei Integration lautet nicht nur, nach welchen Regeln wir leben, sondern auch, nach wessen Regeln wir leben. Wenn man sich die SPÖ anschaut, ist das, meine ich, für die SPÖ eine sehr relevante Frage. Wir hatten in der jüngsten Vergangenheit einige politische Themen, bei denen man gesehen hat, dass die SPÖ schön langsam ihre Meinung den Zugewanderten anpassen muss, zum Beispiel beim Sobieski-Denkmal. Wir haben das Sobieski- Denkmal mehrfach beantragt. Es kam als Antwort: Nein, das machen wir nicht aus Rücksichtnahme auf türkische Migranten - wortwörtliches Posting einer Abgeordneten. Wir hatten einen Antrag zur Verurteilung des Genozids an den Armeniern und zur Aufstellung eines Denkmals. - Nein, das machen wir nicht aus Rücksichtnahme auf türkische Migrantengruppen. Vielfach hatten wir auch Anträge zum Kampf gegen den islamistischen Antisemitismus. Woran sind sie gescheitert? - Nicht an den GRÜNEN, nicht an den NEOS und nicht an der FPÖ. An der SPÖ sind sie gescheitert, weil Sie nicht mehr in der Lage sind, eine Linie bei diesem wichtigen Thema zu finden. (Beifall bei der ÖVP.) Meine Damen und Herren, an Ihrer Stelle würde ich mir schön langsam ernsthaft die Frage stellen: Inwiefern müssen sich nicht die Zuwanderer hier in Wien anpassen, sondern inwiefern passt sich inzwischen die SPÖ an die Zugewanderten an? Das ist meines Erachtens ein Armutszeugnis für eine Bürgermeisterpartei. (Beifall bei der ÖVP.) Es ist aber noch dramatischer. Inzwischen habe ich immer öfter den Eindruck, Sie sind nicht mehr Herr im eigenen Haus. Wir hatten vor zwei Sommern Bandenkriege zwischen Syrern und Tschetschenen. Diese wurden nicht vom Herrn Bürgermeister befriedet. Nein, sie wurden von Friedensrichtern aus der tschetschenischen und der syrischen Community befriedet, die extra aus diesem Grund eingeflogen sind. Ich erinnere an die Siegesfeiern für Präsident Erdogan im 10. Bezirk. Der gesamte 10. Bezirk war voll. Ich erinnere an die Proteste beim Putschversuch. Ganz Wien war auf den Beinen. Es war nicht mehr möglich, die Situation unter Kontrolle zu bringen. Ich erinnere auch an den jüngsten Wahlkampf, als Bürgermeister der AKP eingeflogen wurden und hier im Rathaus als kleine Wahlkampfhilfe für die Wiener SPÖ bedient und bewirtet wurden. Meine Damen und Herren, wer ist denn Herr im eigenen Haus? Noch Sie oder inzwischen türkische Communitys? (Beifall bei der ÖVP.) Es geht aber noch bunter. Offensichtlich sehen Sie oder zumindest Ihre Mitglieder das Problem noch nicht. Am Samstag hatten Sie, glaube ich, den SPÖ-Parteitag. Dort gab es einen Antrag auf Familiennachzug. Der Familiennachzug soll wieder stattfinden. Es gab einen weiteren Antrag: Die Mindestsicherung an subsidiär Schutzberechtigte soll wieder ausbezahlt werden. Meine Damen und Herren, die Stadt platzt aus allen Nähten. Das Bildungssystem schafft es nicht mehr, die Leute auszubilden. Das Budget kracht wie eine Kaisersemmel, aber die Wiener SPÖ-Mitglieder sind der Meinung, da geht noch mehr - noch mehr Zuwanderung. Das ist eindeutig nicht unsere Meinung, geschätzte Damen und Herren. (Beifall bei der ÖVP. - GR Jörg Neumayer, MA: Wie ist denn der Antrag ausgegangen? Er wurde nicht angenommen! - StR Dominik Nepp, MA - in Richtung GR Jörg Neumayer, MA: Man sieht, wie ihr denkt!) Jetzt muss ich mich aber ein wenig korrigieren. Ich habe ganz vergessen: Sie sind ja gar nicht mehr für Integration zuständig. Es sind ja die NEOS für Integration zuständig, deren Stadträtin ich leider nicht begrüßen darf. Was haben die NEOS im Regierungsprogramm nicht alles versprochen? - Es kommt ein neuer Integrationsleitfaden, es kommen neue Grundsatzdokumente. Bis jetzt kam überhaupt nichts. Der Integrationsmonitor sollte schon längst vorliegen. Er ist auch noch nicht da. Über die Deutschkenntnisse von Kindergartenkindern, die in Wien geboren sind und hier in den Kindergarten gegangen sind, brauche ich auch nicht länger zu sprechen. Das nennt man ein Totalversagen der zuständigen Fraktion NEOS im Integrationsbereich. (Beifall bei der ÖVP.) Wir von der Volkspartei haben auf Bundesebene, wo wir in Verantwortung sind, auch geliefert: Integrationsgesetz 2017. Wir haben zum ersten Mal eine Verpflichtung eingeführt, die die Integrationsleistung mit der Auszahlung der Mindestsicherung verknüpft. Wir haben den ÖIF aufgebaut, der exzellente Arbeit leistet. Wir haben die Dokustelle aufgebaut, die ein wichtiger Partner im Kampf gegen den politischen Islam ist - und das auf einer wissenschaftlichen Ebene. Wir haben unlängst das Kopftuchverbot durchgesetzt. Hier in Wien, meine Damen und Herren, waren wir diejenigen, die die Binnenmigration aufgezeigt, nachgerechnet und publik gemacht haben. Wir waren diejenigen, die über Jahre hinweg Druck gemacht haben, dass die Mindestsicherung nicht mehr an subsidiär Schutzberechtigte ausbezahlt wird. Nach fünf - was rede ich? - nach etlichen Jahren haben Sie dem endlich nachgegeben. Ich glaube, das war integrationspolitisch der sinnvollste Schritt, den Sie in den letzten Jahrzehnten gesetzt haben. - Danke schön. (Beifall bei der ÖVP. - GR Jörg Neumayer, MA: Was sind die Auswirkungen?) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Als Nächste ist GRin Mag. Bakos zu Wort gemeldet. - Bitte. GRin Mag. Dolores Bakos, BA (NEOS): Herr Vorsitzender, werte Kolleginnen und Kollegen, werte Zuseherinnen und Zuseher! Ich möchte vielleicht noch einmal zurechtrücken, worum es jetzt geht oder was hier passiert (StR Dominik Nepp, MA - erheitert: Zum Einordnen!): Es geht um eine Aktuelle Stunde der FPÖ, der Freiheitlichen Partei, zum Thema "Volle Härte bei Integration - kein Platz für Gewalt, extremistische Ideologien oder antisemitische Botschaften". So sehr es mir wirklich am Herzen liegt - Sie sind meine Zeuginnen und Zeugen -, hier über Integrationsprobleme zu sprechen und diese wirklich aufs Tapet zu bringen - denn ich bin immer der Ansicht, dass man die Dinge nur lösen kann, wenn man sie auch wirklich vorlegt und aufs Tapet bringt. So sehr das auch wirklich ein Anliegen von uns NEOS ist, so klar muss man eines trotzdem sagen, dass es wirklich eine Chuzpe und eine Warnung ist und dass solche Aktuellen Stunden auch als Boomerang zurückkommen können, wenn man gerade als FPÖ über diese Themen spricht, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall bei den NEOS.) Denn wir erleben von der FPÖ normalerweise ja etwas völlig anderes. Das sage ich jetzt gerade für die Zuseherinnen und Zuseher, damit sie es auch einordnen können. Jedes einzelne Mal, wenn wir hier über Integration nicht nur sprechen, sondern tatsächlich auch neue Initiativen einbringen, um diese vermeintliche volle Härte, wie Sie es nennen, bei Integration auch wirklich zu bewerkstelligen - so Ihr Wording, ich würde es vielleicht Chancengerechtigkeit nennen, allen voran für Kinder und Jugendliche in dieser Stadt, für die wir hier verantwortlich sind -, wird das von dieser Fraktion abgelehnt. Das heißt, was hier passiert, ist ein Muster, gegen Integration zu arbeiten, um sich dann zu beklagen, dass Integration nicht funktioniert. Das ist nicht nur widersprüchlich. Es ist vor allen Dingen unredlich, und es ist schäbig, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall bei den NEOS.) Bevor es jetzt heißt, ich würde hier lediglich große Worte schwingen, möchte ich vielleicht noch einmal ins Detail gehen und das herunterbrechen. Denn die FPÖ war ja vor nicht allzu langer Zeit auf Bundesebene auch schon einmal in Verantwortung. Es ist nicht so rühmlich zu Ende gegangen, wenn Sie sich erinnern. Was haben Sie dort bewerkstelligt, wenn wir über die Härte in der Integration sprechen? - Sie haben erstens die Deutschförderstunden für Kinder halbiert - im Übrigen auch mit der ÖVP. Das ist also etwas, was Sie uns hier eingebrockt haben und was wir hier wieder auslöffeln - Nummer eins. Nummer zwei: Sie haben einen 80-Millionen-EUR-Integrationstopf einfach abgedreht - Geld nicht nur für interkulturelle Arbeit, um zum Bespiel Konflikte im Klassenzimmer aus der Welt zu schaffen, sondern auch für Schulsozialarbeiter und Schulsozialarbeiterinnen. Sie haben das verpflichtende Integrationsjahr - so viel zur Härte in der Integration bei der FPÖ - gekürzt, statt zu investieren, sehr geehrte Damen und Herren. Das ist die Integrationspolitik der Freiheitlichen Partei Österreichs. (Beifall bei den NEOS. - Zwischenruf von StR Dominik Nepp, MA.) Wenn man hier die vermeintliche Wahrheit aus der Sicht der FPÖ sagt, dann sollte man die ganze Wahrheit und nicht nur die halbe Wahrheit sagen. Denn was Sie gut können, ist laut zu reden, aber vor allem leise zu kürzen. Vielleicht noch ein kleines Bonmot: Weiß vielleicht jemand - wenn ich das ein bisschen partizipativ gestalten darf -, wer damals Integrationsministerin war? Weiß das vielleicht jemand? - Es war Karin Kneissl. (Heiterkeit bei GR Thomas Weber.) Karin Kneissl war Integrationsministerin. (GR Lukas Brucker, MA: Falsch! Lüge!) Ich glaube, sie hatte leider nicht allzu viel Zeit für das Thema Integration. Sie war eher damit beschäftigt, Knickse vor Despoten zu machen, sehr geehrte Damen und Herren. So viel zur Integrationspolitik der FPÖ. (Beifall bei den NEOS.) Geschweige denn, dass es vielleicht auch sinnvolle Maßnahmen gegeben hätte, die es heute gibt, wie zum Beispiel den Chancenbonus oder die verpflichtende Sommerschule, wenn wir schon über Verpflichtungen sprechen. (GR Maximilian Krauss, MA: Das klappt nicht!) - Das klappt nicht? Ich frage mich, woher Sie das wissen wollen, wenn sie erst im Sommer erstmalig ins Leben gerufen wird. Das zweite verpflichtende Kindergartenjahr - wenn wir schon über Verpflichtungen sprechen wollen, wenn wir darüber sprechen wollen, dass es einen verpflichtenden Demokratieunterricht gibt, in dem Werte wie Respekt, Toleranz und Akzeptanz für alle Schülerinnen und Schüler vermittelt werden. All das hätten Sie damals unter Karin Kneissl umsetzen können, aber dafür war bei der FPÖ und auch bei der ÖVP scheinbar keine Zeit und vor allen Dingen auch kein politischer Wille da, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall bei den NEOS.) Ich sehe, meine Zeit ist zu Ende. Ich möchte aber vielleicht noch auf etwas anderes zu sprechen kommen, nämlich auf das Thema Extremismus und Antisemitismus. Da möchte ich eines ganz klar festhalten: Der Kampf gegen Antisemitismus ist kein politisches Werkzeug, das man einfach hervorholt, wenn es für einen gerade irgendwie opportun ist. Antisemitismus ist eine rote Linie - immer, überall und egal, von welcher Seite er kommt. (Beifall bei den NEOS und von GR Ing. Udo Guggenbichler, MSc.) Ich sage nur eines - das ist etwas, was ich im Kindergarten gelernt habe: Wer mit dem Zeigefinger auf andere zeigt ... Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl (unterbrechend): Darf ich um den Schlusssatz bitten? GRin Mag. Dolores Bakos, BA (fortsetzend): Ich komme zum Schlusssatz: Wer mit dem Zeigefinger auf andere zeigt, zeigt automatisch immer mit zumindest zwei Fingern auf sich selber, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall bei den NEOS.) In diesem Sinne: Unsere Politik besteht darin, Verantwortung zu übernehmen, nicht nur zu provozieren, sondern allem voran darin, Verantwortung zu übernehmen ... Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Die Redezeit ist vorbei. Es tut mir leid. Die Redezeit ist vorbei. Mehr, als dich dreimal darauf hinzuweisen, liebe Kollegin, kann ich nicht. Es tut mir sehr leid. (Beifall bei den NEOS.) Frau GRin Mag. Aslan, bitte. GRin Mag. Berivan Aslan (GRÜNE): Herr Vorsitzender, liebe Kolleginnen und Kollegen! Stichwort importierte Kriminalität: Ich glaube, jede Juristin und jeder Jurist kann Ihnen sagen, dass Kriminalität keine Frage der Herkunft ist, sondern eine Frage der Sozialisation. In den letzten Wochen und Monaten haben wir am Beispiel der Epstein-Files immer wieder gemerkt, dass es dort Täter von Christen bis hin zu Muslimen gibt. Es gab dort Menschen aus allen Ländern - reich oder nicht reich, mächtig oder weniger mächtig. All diese Täter, Vergewaltiger und Pädophile hatten eines gemeinsam: Es war nicht ihre Herkunft, es war nicht ihr Pass, es war nicht ihre Religion, sondern es war ihr Geschlecht. Es waren alles Männer. Ja, nicht alle Männer, aber trotzdem viele Männer waren Täter. Wenn ihr wirklich die Härte gegen alle Kriminellen führen wollt, dann gewinnt ihr alle Frauen. Da bin ich mir sicher. Denn alle Frauen haben ein Interesse daran, dass all diese Vergewaltiger, Pädophile und auch Kriminelle, die sexuelle Gewalt ausüben, härter bestraft werden. Es geht euch aber nicht um Frauenrechte. Es geht euch um Feindbilder. Es geht euch um rassistische Narrative. Es geht euch schlicht und einfach um politischen Profit, nur um politischen Profit, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall bei den GRÜNEN.) Dann stellt ihr euch hin und sagt, ihr seid gegen Islamismus und Extremismus. Sorry, Kickl war Innenminister. Warum habt ihr all diese islamistischen Zentren dann nicht zugesperrt? (StR Dominik Nepp, MA: Haben wir ja!) - Habt ihr nicht. Sie stehen immer noch. Wo wart ihr, als die mutigen Frauen im Iran, in Afghanistan und in Rojava gegen Islamisten gekämpft haben? Ich habe euch auf keiner einzigen Kundgebung gesehen. Anstatt euch gegen die Taliban zu stellen, habt ihr euch mit den Taliban gemeinsam an einen Tisch gesetzt. So schaut es aus, liebe Kollegen. (Beifall bei den GRÜNEN. - StR Stefan Berger: Geh, red' doch keinen Blödsinn!) Ich meine, wer soll euch das glauben? Ihr habt nicht nur dieselben Ausreden wie die Islamisten. Ihr habt auch die gleichen Feindbilder: queere Personen, kritische JournalistInnen, freie KünstlerInnen, Menschen, die Systeme hinterfragen, und Menschen, die die Menschenrechte verteidigen. All das sind Ihre gemeinsamen Feindbilder mit den Islamisten zusammen. Ihr sagt, ihr seid gegen Kriminelle. Gleichzeitig relativiert ihr Hass und Gewalt, wenn es nicht in euer Weltbild hineinpasst, zum Beispiel Angriffe auf Muslime oder Angriffe auf Menschen, die eine andere Herkunft haben. Ihr relativiert organisierten Rechtsextremismus, NS-Propaganda, Wiederbetätigung, Waffenlager und paramilitärische Gruppen. (GR Mag. Dietbert Kowarik - erheitert: So wie ihr GRÜNEN! - Neuerlicher Zwischenruf von StR Stefan Berger.) - Ja eh, wissen wir eh: alles Einzelfälle. Ihr seid nur der verlängerte Arm der Identitären im österreichischen Parlament. So schaut es aus. (GR Ing. Udo Guggenbichler, MSc: Sagen Sie einmal über die Gewalt der anderen auch etwas? Schwarzer Block!) Ihr redet laut über manche Täter und verdächtigt leise andere Täter: den Täter von Christchurch, der 51 Menschen ermordet hat und bei dem man gewusst hat, dass er Verbindungen zu Österreich hat. Ihr redet nicht über Hanau, nicht über Halle, nicht über Utøya, wo der rechtsextreme Breivik 77 junge Menschen aus Hass und Rassismus getötet hat. Wir müssen auch darüber reden, liebe Kolleginnen und Kollegin. (Beifall bei den GRÜNEN. - GR Ing. Udo Guggenbichler, MSc: Das war am Schwedenplatz?) Warum ist euer Schweigen genau bei diesen Fällen so leise? (Neuerlicher Zwischenruf von GR Mag. Dietbert Kowarik.) - Weil dieses Problem nicht in eurer Narrativ passt und weil ihr von Angst und Abschreckungspolitik mehr profitiert als von ehrlicher politischer Verantwortung. So schaut es aus. Jetzt frage ich mich: Wie soll Integration in diesem Land denn funktionieren, wenn eine bestimmte Partei ständig auf allen Ebenen Integration blockiert, wenn sich eine bestimmte Partei immer wieder aufregt, dass Menschen nicht gescheit Deutsch können, aber sich nie für einen Deutschkurs einsetzt? - Ihr blockiert Integration auf allen Ebenen. Ihr seid Integrationsverweigerer. Dann stellt ihr euch hin und macht euch über Menschen lustig, die keinen Deutschkurs bekommen. Wie soll Extremismusprävention denn überhaupt mit einer Partei möglich sein, deren Wurzeln aus dem Extremismus kommen und die uns dann hier erklärt, wie wir Extremismus zu bekämpfen haben? (Zwischenruf von GR Ing. Udo Guggenbichler, MSc.) Ihr seid einfach lächerlich, wirklich. (Beifall bei den GRÜNEN.) Sorry, wie glaubwürdig ist eine Politik, die durch Verschwörungstheorien, durch Hass im Netz, durch Nationalismus und durch Demokratiefeindlichkeit systematisch Radikalisierung betreibt? (GR Ing. Udo Guggenbichler, MSc: Das ist eine gefährliche Aussage!) Wer soll euch das abkaufen? Verkaufen Sie nicht alle Menschen für dumm! Viele Menschen durchschauen Ihre Spiele schon. - Danke sehr. (Beifall bei den GRÜNEN.) Vorsitzender GR Armin Blind: Als Nächste ist GRin Rezaei zu Wort gemeldet. - Bitte, Frau Kollegin. Die Zeit ist eingestellt. Sie sind am Wort. GRin Mag. Alexandra Rezaei (SPÖ): Herr Vorsitzender, liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Damen und Herren! Wir reden hier heute über Integration, doch was ich höre, sind einfach nur diese altbekannten Schlagworte: volle Härte, null Toleranz, kein Platz für Extremismus, Willkommenspolitik. Ich kann es nicht mehr hören. Es klingt zwar stark, aber es löst kein einziges Problem. Im Gegenteil, es schürt Ängste. Was bei mir hängenbleibt, ist einfach nur, dass zugewanderte Menschen pauschal verunglimpft werden. Das finde ich nicht in Ordnung. (Beifall bei der SPÖ. - StR Dominik Nepp, MA: Stimmt überhaupt nicht!) Ich gebe Ihnen aber zum Teil auch recht: Ja, es gibt Probleme. Es gibt Gewaltdelikte. Natürlich macht uns allen Sorgen, dass wir eine relativ hohe Anzahl an jugendlichen Straftätern haben. Wie aber unser Kollege Ackerl in einer Gemeinderatssitzung vor kurzer Zeit ausgeführt hat, ist Wien in den letzten 15 Jahren extrem gewachsen - um 400 000 Personen -, und es hat keinen nennenswerten Anstieg an Kriminalität gegeben. Das muss man hier auch einmal eindeutig sagen. Sie haben recht: Wir haben zu wenig Polizei. Wir wollen auch mehr Polizei auf den Straßen haben. Jetzt frage ich Sie aber: Wer ist denn dafür zuständig? (StR Dominik Nepp, MA: Euer Bürgermeister!) Wer ist in diesem Land für die Zuwanderung und für das Thema Asyl zuständig? (StR Dominik Nepp, MA: Der rote Bürgermeister!) Wer ist in diesem Land zuständig, dass wir ausreichend Polizei auf den Straßen haben? Wer ist in unserem Land dafür zuständig, Straftäter abzuschieben? - Mir fällt da schon jemand ein. Es ist auf jeden Fall nicht unser Bürgermeister. Es ist kein einziger Landeshauptmann. Es ist auch keine Landeshauptfrau. Na, wer ist es denn? (Beifall bei der SPÖ. - GR Ing. Udo Guggenbichler, MSc: Babler ist verantwortlich! Er ist der Steigbügelhalter der Schwarzen!) - Ich glaube, Sie kennen die Bundesverfassung genauso gut wie ich. Hier liegt die Zuständigkeit des Bundes vor und nicht des Landes. Hier ist tatsächlich der Bund im lead. Das muss man einmal sagen. (StR Stefan Berger: Ihr habt dort den Staatssekretär!) In den letzten 25 Jahren ist dieses Ministerium, das Innenministerium, von der ÖVP geführt worden. Entschuldigung, mit einer Ausnahme: Wir haben zwei Jahre einen Innenminister gehabt, der sich Herbert Kickl nennt. Den werden Sie gut genug kennen. Das ist nämlich Ihr Parteichef. (Zwischenrufe von StR Stefan Berger.) Wenn Sie hier heute erzählen, wie schlecht alles ist: okay. Das bedeutet für mich im Umkehrschluss aber selbstverständlich, dass die von Ihnen beschriebenen Zustände in erster Linie auch auf die Innenminister der letzten Jahre zurückzuführen sind. Auf wen denn sonst, bitte sehr, sehr geehrte Damen und Herren von der FPÖ? Das Thema Zuwanderung eignet sich natürlich wunderbar, um Ängste zu schüren und Hetze zu betreiben. Wenn es aber darum geht, echte Lösungen anzubieten, habe ich von Ihnen überhaupt nichts gehört. Fehlanzeige. Ich glaube, ... Vorsitzender GR Armin Blind: (unterbrechend): Frau Kollegin, wir haben hier im Haus eine gute Tradition, dass wir anderen Parteien keine Hetze vorwerfen. Würden Sie das zurücknehmen? Ich müsste Ihnen dafür sonst einen Ordnungsruf erteilen. GRin Mag. Alexandra Rezaei (fortsetzend): Ich nehme das Wort Hetze in diesem Kontext zurück. Ich gehe als positiver Mensch grundsätzlich davon aus, dass die Mehrheit der zugewanderten Menschen eigentlich genauso wie wir alle hier in diesem Raum in Freiheit und in Frieden leben will. Ich bin auch absolut dagegen, dass wir Menschen in Kategorien einteilen. Ich möchte auch nicht, dass wir zugewanderte Menschen automatisch unter Generalverdacht stellen. Das ist einfach nicht in Ordnung. Wie Sie wahrscheinlich wissen, beschließen wir in diesem Gremium regelmäßig ganz wunderbare Integrationsprojekte im Gemeinderat. (StR Stefan Berger: Wunderbar!) Das tun wir im Übrigen regelmäßig mit den Gegenstimmen der FPÖ, die aber andererseits ständig Integration einfordert. Das ist total widersinnig, absurd und fast eine schizophrene Haltung zu diesem Thema, sehr geehrte Damen und Herren. (Neuerlicher Zwischenruf von GR Ing. Udo Guggenbichler, MSc.) Wo wir als Stadt Wien Maßnahmen ergreifen, bieten wir auch Chancen. Ich möchte hier jetzt nur exemplarisch das Jugendcollege und das College 25+ erwähnen. Das ist die größte Arbeitsmarkt-Integrationsoffensive für junge, zu uns geflüchtete Menschen. (Zwischenruf von GRin Mag. Caroline Hungerländer, MSc.) Denn es geht in diesen Projekten auch um Arbeit, Bildung, Ausbildung und die begleitende Vermittlung von Werten. Das hat bei der Integration die allerhöchste Priorität. Man würde meinen, dass die FPÖ hier zustimmen könnte. - Nein, wir haben im letzten Jahr die Fortsetzung dieses Projektes im Gemeinderat beschlossen. Wer hat dagegen gestimmt? - Die FPÖ. Das ist vollkommen absurd und auch widersinnig. (Beifall bei der SPÖ. - Zwischenruf bei der FPÖ.) Jetzt habe ich nur noch kurz Zeit. Wir wollen in Wien nicht drohen, wir wollen befähigen. Wir haben eine super Jugendarbeit, die in unseren Bezirken Jugendliche stärken soll. Das müssen wir auch tun, bevor es Extremisten tun, egal, ob die von links oder von rechts kommen. Vergessen wir auch nicht die tausenden Wienerinnen und Wiener mit Migrationsgeschichte, die aktiv an unserem Leben teilnehmen und in unseren Betrieben die Zukunft aufbauen. Genau dort, wo Menschen das Gefühl haben, nicht dazugehören zu dürfen, haben Extremisten leider immer ein wirklich leichtes Spiel. Was unsere Probleme löst, sind funktionierende Schulen, eine starke Jugendarbeit, faire Chancen am Arbeitsmarkt, faire Chancen am Wohnungsmarkt und eine konsequente Strafverfolgung - da bin ich absolut bei Ihnen -, aber nichtsdestotrotz eine klare Haltung gegen jede Form von Hass. Vorsitzender GR Armin Blind: (unterbrechend): Frau Kollegin, Ihre Redezeit ist abgelaufen. GRin Mag. Alexandra Rezaei (fortsetzend): In diesem Sinne wünsche ich mir Ordnung statt Spaltung. - Vielen Dank. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Vorsitzender GR Armin Blind: Als Nächster ist GR Taborsky zu Wort gemeldet. - Bitte, Herr Kollege. Auch Ihre Redezeit ist eingestellt: fünf Minuten. GR Hannes Taborsky (ÖVP): Meine sehr verehrten Damen und Herren! An meine Vorrednerin gewandt, möchte ich kurz auch einen Appell an Sie richten. Vielleicht sorgt ihr dafür, dass beim SPÖ-Finanzminister mehr Budgetmittel für das Innenministerium zur Verfügung gestellt werden. Dann tut sich der Herr Innenminister auch leichter in den Dingen, die er zu erfüllen hat. (Beifall bei der ÖVP.) Meine sehr verehrten Damen und Herren, Wien ist ja Menschenrechtsstadt. Wenn wir hier Demonstrationen erleben, wo gerufen wird "Palästina vom Fluss bis zum Meer" und "Schlagt den Juden die Köpfe ab!", wie wir das bei Palästina-Demonstrationen schon gehört haben, dann ist das Schweigen der Stadtregierung in diesem Zusammenhang sehr lautstark. Mich hat das schon etwas gewundert. Meine Vorrednerin, Frau Caro Hungerländer, hat ja schon ausgeführt, was wahrscheinlich der Hintergrund dieser Sachen ist. Das stimmt mich durchaus traurig, denn es wäre doch notwendig, hier klar Position zu beziehen. Denn es gibt nun einmal den Extremismus von rechts, aber ganz klar auch den Extremismus von links. Von dem hört man von Seiten der Stadtregierung etwas wenig, meine sehr verehrten Damen und Herren. (Beifall bei der ÖVP.) Ich kann mich an eine Angelobung beim Bundesheer vor ein paar Monaten erinnern, bei der ein Iman, der dort anwesend war, sehr positiv gesprochen hat und gesagt hat: Antidemokratische Kräfte und Terror sind abzulehnen. Ich habe ihm nachher gratuliert, dass er das so deutlich gesagt hat, denn wir benötigen stärkere Gesetze gegen Extremisten und nicht gegen jene Menschen, die sich hier gut integrieren und in die Demokratie einfügen wollen. Dann bin ich halt schon irgendwo bei der FPÖ gelandet, meine sehr verehrten Damen und Herren. Als ich diese Aktuelle Stunde gelesen hab, hat mich das schon ein bisschen gewundert. Denn bei einer Partei, die aktiv gegen Gefährderüberwachung und härtere Vereinsgesetze eintritt, frage ich mich schon, wie Sie dazu kommen, diese Aktuelle Stunde hier einzuberufen, meine sehr verehrten Damen und Herren. (Beifall bei der ÖVP.) Ich verstehe das aber schon. Denn wenn ein Bundesparteiobmann Kickl die identitäre Bewegung quasi als NGO von rechts bezeichnet und ein Herr Landbauer Mitglied in einer Burschenschaft ist, in der in Liedern über die siebente Million sinniert wird, dann ist das natürlich schon ein Problem, das eine Partei ganz offensichtlich hat. Ich erinnere daran, was Bundesminister Kickl als Innenminister zusammengebracht hat: zehn Pferde, zwei Katzen, einen blauen Teppich, ein Schild (StR Dominik Nepp, MA: Sie sind wieder die Einheitspartei: Kickl, Kickl, Kickl!), und er hat den Nachrichtendienst ruiniert, meine sehr verehrten Damen und Herren. Das ist die Erfolgsbilanz der FPÖ zum Thema Sicherheit in dieser Republik. (Beifall bei der ÖVP. - StR Dominik Nepp, MA: Deshalb sind wir auch so beliebt! Darum wollen den 45 Prozent zum Kanzler!) Es stimmt schon, sehr geehrter Herr Krauss, wie Sie das aufgezeigt haben. All das, was Sie gesagt haben, stimmt schon. Nur haben Sie nichts dazu beigetragen, dass es besser wird. Meine sehr verehrten Damen und Herren, die ÖVP liefert. Im ersten Quartal 2026 gab es mehr Abschiebungen als Erstanträge: 2 270 Abschiebungen, 768 Erstanträge. Es gab 2026 29 Aufgriffe im Burgenland, aber null Anträge. Es gab einen Familiennachzugstopp - übrigens ein Antrag, gegen den die FPÖ im Nationalrat gestimmt hat. (StR Stefan Berger: Ja, weil es ...! - Zwischenruf von GR Maximilian Krauss, MA.) 2025 waren es 25, 2023 noch 3 400. Meine sehr verehrten Damen und Herren, die ÖVP liefert, die FPÖ liebt Pferde. Wir nehmen das zur Kenntnis. Die Schleppermafia meidet Österreich in der Zwischenzeit: minus 97 Prozent bei den illegalen Aufgriffen. Bei der Polizei wurde der Personalstand jeweils um über 1 400 pro Jahr ausgebaut. Jetzt zu den von Ihnen angesprochenen Terroranschlägen. Es ist natürlich eine Frage, wie man dem entgegentritt, wenn ich jetzt vom 2. November 2020 spreche und Sie allen Ernstes gegen den Antrag zur Gefährderüberwacher stimmen. Zur Verhinderung des Anschlages am Taylor-Swift-Konzert 2024 haben wir einen ausländischen Geheimdienst gebraucht. 2025 gab es eine Vereitelung eines islamistischen Anschlages auf den Wiener Westbahnhof. Wiederum hat uns ein ausländischer Geheimdienst dazu Hinweise gegeben. (StR Dominik Nepp, MA: Werden Sie nie ...! - GR Maximilian Krauss, MA: Die dürften überhaupt nicht im Land sein!) Meine sehr verehrten Damen und Herren, Sie als FPÖ-Patrioten fordern die Überwachung durch ausländische Geheimdienste. Nein, Sie lieben Pferde. Das ist entsprechend Ihr Problem. (Beifall bei der ÖVP.) Jetzt muss man sagen: Ich verstehe schon, was in Ihrer Aktuellen Stunde so plakativ steht. Nur wenn Sie bei 450 eigenen Fällen von 2014 bis 2024, wie SOS-Mitmensch und das Mauthausen-Komitee darstellen, allen Ernstes gegen Antisemitismus auftreten, dann sage ich Ihnen: Die Unappetitlichkeit dieser Dinge, die auf Facebook und auf sonstigen Seiten von Ihnen kundgetan werden, ist wörtlich dokumentiert: vier antisemitische Tätigkeiten pro Monat, meine sehr verehrten Damen und Herren. (StR Dominik Nepp, MA: Jetzt beruft sich die ÖVP auf SOS-Mitmensch! Und dann wundert ihr euch, dass ihr einstellig seid! - StR Stefan Berger: Steht da nicht Frau Kugler auch drinnen?) Wir stimmen aber zum Unterschied von Ihnen für die Verschärfung des Strafrechtes und für mehr Opferschutz. Wir werden diesem Antrag beitreten, und wir bringen in der Menschenrechtsstadt einen Antrag zum Thema Genozid an den Armeniern ein. Vorsitzender GR Armin Blind (unterbrechend): Herr Kollege, die Redezeit ist abgelaufen. GR Hannes Taborsky (fortsetzend): Ich ersuche um Unterstützung, denn wenn wir Menschenrechtsstadt sind, dann sollten wir uns auch um diese Dinge kümmern. - Danke schön. Vorsitzender GR Armin Blind: Als Nächster ist GR Weber zu Wort gemeldet. - Bitte, Herr Kollege, Sie sind am Wort. GR Thomas Weber (NEOS): Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Wir alle sind Zeugen davon, worum es der FPÖ bei der Aktuellen Stunde heute eigentlich wieder einmal geht. Es geht der FPÖ darum, ihr Narrativ zu platzieren, das Narrativ einer Stadt, in der angeblich alles außer Kontrolle geraten ist. Dieses Bild ist die Grundlage der Politik der FPÖ. Genau deshalb wird dieses Bild von der FPÖ auch so konsequent gezeichnet und so oft wiederholt. Es ist aber ganz einfach: Dieses Narrativ ist absurd. Es ist eine politische Konstruktion. (Beifall bei den NEOS.) Klar ist, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, wir haben Herausforderungen. Wer aber wie die FPÖ so tut, als wäre alles außer Kontrolle, der beschreibt nicht die Realität. Dieses Narrativ, das die FPÖ hier pflegt, hat nur einen Zweck: Es erzeugt Angst. Denn Angst ist die politische Währung der FPÖ. Von genau dieser Angst lebt die FPÖ. Deshalb wird Integration von der FPÖ auch immer als Dauerzustand des Scheiterns dargestellt. (StR Stefan Berger: Ist es ja! Vor allem in Wien!) Fakt ist: Wir brauchen klare Regeln und Konsequenzen bei Integrationsverweigerung. Wir müssen allen extremistischen Ideologien - rechtsradikalen, linksradikalen und religiös motivierten - ganz entschieden entgegentreten. Selbstverständlich hat Antisemitismus in Wien keinen Platz. (Beifall bei NEOS und SPÖ. - StR Stefan Berger: Das ist keine Selbstverständlichkeit! - GR Ing. Udo Guggenbichler, MSc: Das werden wir uns beim Songcontest anschauen!) Entscheidend ist aber - und jetzt kommt der Punkt: Wer Härte fordert, der muss glaubwürdig sein. (GR Ing. Udo Guggenbichler, MSc: Sie sind nicht glaubwürdig!) An dieser Glaubwürdigkeit scheitert die FPÖ. Wenn die FPÖ von voller Härte spricht, dann stellt sich die Frage: Gilt diese volle Härte auch für sie selbst? Denn volle Härte bedeutet: keine Ausreden, keine Relativierungen, keine doppelten Standards. Wenn es um Menschen mit Migrationshintergrund geht, dann wird immer pauschalisiert. Dann wird immer verallgemeinert. Wenn es um die eigenen Reihen geht, dann erleben wir genau das Gegenteil. Dann wird relativiert. Dann wird von Einzelfällen gesprochen. Dann wird Verantwortung abgeschoben. (Beifall bei NEOS und SPÖ sowie von StR Peter Kraus, MSc und GRin Mag. Heidemarie Sequenz. - StR Stefan Berger: Blödsinn! - StR Dominik Nepp, MA: Schwachsinn!) Die Liederbuchaffäre ist ein super Beispiel und ein bekanntes Beispiel: offen antisemitisch mit NS- verherrlichenden Inhalten. Statt klarer Konsequenz gibt es nur absurde Ausreden. (StR Stefan Berger: Erzähl die ganze Geschichte! Sag dazu, was ...!) Das ist Ihre Doppelmoral. Sie stellen sich hierher und reden ernsthaft über Antisemitismus. Ihr Parteiführer, Herbert Kickl, sagt im Nationalrat: Die SS kann man nicht kollektiv verurteilen. Sie stellen sich hierher und reden wirklich über Antisemitismus. Das ist ja vollkommen absurd. (Beifall bei NEOS, SPÖ und GRÜNEN.) Es zeigt sich übrigens auch bei denen, die von Antisemitismus betroffen sind: Alle jüdischen Organisationen sprechen der FPÖ ihre Glaubwürdigkeit ab, wenn es um den Kampf gegen Antisemitismus geht. (StR Stefan Berger: Falsch! - GR Ing. Udo Guggenbichler, MSc: Reden Sie mit den Kultusgemeinden von Salzburg und Tirol!) Hier wird selektiert. Hier wird Antisemitismus immer nur als importiertes Problem dargestellt, aber das ist falsch. Denn Antisemitismus kommt von rechts, er kommt von links, und er kommt aus einem religiösen Kontext. Wer ihn ernsthaft bekämpfen will, der muss Antisemitismus in allen Ecken der Gesellschaft bekämpfen und nicht nur in den Ecken der anderen in der Gesellschaft. (Beifall bei den NEOS.) Wenn man das weiterdenkt, dann erkennt man auch die Wirkung Ihrer Politik. Sie arbeiten mit Abwertung: wir gegen die anderen. Gerade in der Stadt von Sigmund Freud wissen wir aus der Tiefenpsychologie, wie das funktioniert: alles nach außen verlagern und die Verantwortung einfach abschieben. Es sind immer die anderen schuld. Projektion und Externalisierung nennen das die Tiefenpsychologen. (Heiterkeit bei StR Peter Kraus, MSc.) In der Politik heißt das: Schuldzuweisungen und keine Lösungen. Das hat auch Folgen. Schritt für Schritt schieben Sie in dieser Diskussion die Grenze des Sagbaren nach rechts. Was vor wenigen Jahren noch undenkbar war, wird heute normal. Begriffe und Konzepte, die historisch schwer belastet sind, tauchen im politischen Alltag immer wieder auf. (StR Dominik Nepp, MA: Remigration zum Beispiel! Ganz ein schlimmes Wort!) Rechtsextreme Milieus werden von Ihnen verharmlost. Das vergiftet den politischen Diskurs. Das untergräbt das Fundament der Demokratie. Gleichzeitig erleben wir, dass sich Antisemitismus zu einer Atmosphäre verdichtet. (Zwischenruf von StR Stefan Berger.) In so einer Situation braucht es vor allem eines: Es braucht Klarheit um unsere Werte. Es braucht eine Politik, die sich nicht von Angst und Hetze treiben lässt. Deshalb sind Menschenwürde, Pluralismus und Demokratie entscheidend. Alle Menschen sind gleich an Rechten und Würde. Religiöse Herabwürdigungen und LGBTIQ- Feindlichkeit haben keinen Platz. Es gilt in Wien nicht das Recht des Stärkeren, sondern das Recht. Daran muss sich Integration messen lassen. Integration bedeutet nicht Härte. Sie bedeutet Verantwortung, klare Regeln und eine Politik, die echte Chancen und nicht einfach nur billige Schlagzeilen liefert. - Vielen Dank. (Beifall bei NEOS und SPÖ.) Vorsitzender GR Armin Blind: Als Nächster ist GR Bambouk zu Wort gemeldet. - Bitte, Herr Kollege, Sie sind am Wort. GR Jaafar Bambouk, MA (GRÜNE): Sehr geehrter Herr Vorsitzender, geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Wir sprechen heute auf Verlangen der FPÖ in der Aktuellen Stunde über das Thema Integrationsverweigerung. So wichtig ich es finde, über dieses Thema zu sprechen, um so unglaubwürdiger finde ich, dass diese Debatte gerade von der FPÖ angestoßen wird. Wir wissen alle, dass Integration nur dann funktioniert, wenn es ein Angebot gibt. Wenn Menschen kein Angebot finden, also keinen Weg haben, sich zu integrieren, dann wird es schwierig. Ich finde diese Debatte deshalb so unglaubwürdig, weil die FPÖ jene Partei ist, die genau jenes Angebot zur Integration, wann und wo immer sie auch ist, kürzt, wegstreicht und den Menschen verweigert. Die FPÖ ist eine Partei, die Integration angeblich fordert, in Wahrheit aber kein Integrationsangebot macht. Die FPÖ ist eine Partei, die Integrationsversagen angeblich kritisiert, in Wahrheit aber genau jenes Versagen fördert und politisch davon lebt. (Beifall bei den GRÜNEN.) Dazu habe ich Ihnen auch ein paar Beispiele mitgebracht. Erstens war die FPÖ zwischen 2017 und 2019 in der Bundesregierung. Welches Integrationsangebot hat sie dort gemacht? - Kürzungen des AMS-Budgets im Integrationsbereich und Kürzungen der Budgetmittel für die Integration an Schulen. Meine Damen und Herren, wer bei Sprachkursen spart, bei der Bildung kürzt und bei Integrationsprojekten den Rotstift ansetzt, der bekämpft keine Parallelgesellschaften, sondern baut sie selbst auf. Zweitens regiert die FPÖ in Oberösterreich ebenfalls mit. Welches Integrationsangebot gibt es dort jetzt? - Die FPÖ-mitgeführte Regierung in Oberösterreich hat im Integrationsbereich Kürzungen um 40 Prozent geplant. (Zwischenruf bei der FPÖ: Bravo!) - Ja, bravo. (StR Dominik Nepp, MA: Weg mit den hinigen Vereinen!) - Herr Nepp, Sie sind nervös geworden. Sie können nachher eh sprechen. Sie haben fünf Minuten Zeit. (StR Dominik Nepp, MA: Ich bin nicht nervös!) Die FPÖ streicht Integrationsbudgets zusammen. Dann stellen Sie sich hierher und wollen über Probleme reden, die durch Ihre Streichungen überhaupt erst verschärft werden. Das ist politische Brandstiftung, meine Damen und Herren. (Beifall bei den GRÜNEN.) Vorsitzender GR Armin Blind (unterbrechend): Herr Kollege, bitte. Ihre Redezeit ist angehalten, keine Angst. Wir haben einen Konsens, dass wir hier auf einem gewissen Niveau miteinander diskutieren. Auch Brandstiftung geht nicht. Gut, wenn Sie es nicht einsehen wollen, erteile ich Ihnen dafür einen Ordnungsruf. Sie dürfen fortsetzen. GR Jaafar Bambouk, MA (fortsetzend): Wo regiert die FPÖ sonst? - In der Steiermark. In der Steiermark schaut das Integrationsangebot der FPÖ so aus: Die Fördersummen für Integration betrugen ohne FPÖ im Jahr 2025 noch 1,3 Millionen EUR. Jetzt sind es nur noch 212 000 EUR. Über 1 Million EUR für Integration wurde weggenommen. Die Wahrheit ist doch einfach: Die FPÖ verweigert Menschen die Chance auf Integration dort, wo sie es kann. Genau das macht die FPÖ zur größten Integrationsverweigerin dieses Landes. Ich würde Ihnen dazu gratulieren. Sie sollten sich aber dafür schämen. In Wahrheit haben wir es heute mit einer Scheindebatte zu tun. Denn die FPÖ ist nervös geworden. Zwar ist die FPÖ in Österreich die größte Kraft bei der Integrationsverweigerung, aber bei der europäischen Integrationsverweigerung hat die FPÖ ein internationales Vorbild. Dieses Vorbild heißt Viktor Orbán. Dieses Vorbild ist gefallen. Dieses Vorbild ist Geschichte, meine Damen und Herren. Genau deshalb sind Sie nervös geworden. (Beifall bei den GRÜNEN.) Denn damit ist eines klar geworden: Unsoziale Politik - so patriotisch sie sich auch verkaufen will und so stimmungsvoll sie sich zunächst auch anhören mag - bleibt unsoziale Politik und wird letzten Endes abgewählt, meine Damen und Herren. (Beifall bei den GRÜNEN. - Zwischenruf von GR Leo Lugner.) Kolleginnen und Kollegen, was ist unsere Aufgabe? - Extremismus in allen seinen Formen zu bekämpfen: islamistischen Extremismus, Rechtsextremismus und alle Formen von Extremismus. Darüber gibt es Konsens - bis auf die FPÖ. Die FPÖ kann diesen Satz nicht unterschreiben. Zweitens ist es unsere Aufgabe, Integration konsequent zu verlangen und sie gleichzeitig auch konsequent zu fördern. Ja, auch Wien muss sich bewusst machen: Einsparungen bei Deutschkursen, bei der Sozialhilfe und bei subsidiär Schutzberechtigten sind der falsche Weg. Integration gelingt nicht durch Sonntagsreden allein. Sie gelingt nur, wenn wir ausreichend in Bildung, Sprache, Arbeit und den Zusammenhalt in dieser Gesellschaft investieren. Da dürfen wir als Wiener Hauptstadt nicht auf halbem Weg stehenbleiben. (Beifall bei den GRÜNEN.) Vorsitzender GR Armin Blind: Als Nächster ist StR Nepp zu Wort gemeldet. - Bitte, Herr Stadtrat. StR Dominik Nepp, MA: Meine sehr geehrten Damen und Herren! "Kein Platz für Gewalt, extremistische Ideologien oder antisemitische Botschaften" - das ist nicht nur der Titel der Aktuellen Stunde, die wir beantragt haben, sondern es ist auch das, was die Bevölkerung längst will. Wenn Sie einmal draußen mit der Bevölkerung reden würden und sich nicht ständig hier im Rathaus verstecken würden, wenn Ihre Politiker - und vor allem die Wiener Landes- und Stadtregierung - einmal hinausgehen würden, dann würden Sie wissen, was die Wienerinnen und Wiener wollen, aber von Bgm Ludwig jahrelang nicht bekommen. Das ist der Vorwurf, den wir Ihnen machen, meine sehr geehrten Damen und Herren. (Beifall bei der FPÖ.) Wir erleben ja Entwicklungen, die man einfach nicht mehr beschönigen kann. Ich weiß, wir debattieren das hier jetzt schon mehr als ein Jahrzehnt. Man hat immer versucht, es zu beschönigen. Ich kann mich noch erinnern, da kam Sonja Wehsely hier heraus - damals war sie, glaube ich, Jugendstadträtin - und hat gesagt: Nein, es gibt keine islamistischen Kindergärten. Es gibt keine Parallelgesellschaften. Wir fördern so etwas nicht. Da gibt es strengste Kontrollen. - Das muss um das Jahr 2012/2013 gewesen sein. Bis jetzt hat sich nichts getan. Die Situation ist aber so eskaliert, dass Sie es einfach nicht mehr beschönigen können. Weil Sie gemeint haben, es gibt Doppelstandards, Herr Kollege Weber: Als wir gesagt haben, wir müssen gewalttätige Schüler, die unsere Gesellschaft ablehnen, unsere Sprache ablehnen und unsere noch anständigen Schüler malträtieren und am Schulhof zusammenschlagen, aus den Schulen nehmen und diese jungen Intensivtäter in Einrichtungen getrennt betreuen und mit ihnen arbeiten, kam sofort der Vorwurf: Boah, die böse FPÖ will Bootcamps. Sie will die Schüler separieren. Das geht ja gar nicht. Die beste Integration ist, wenn sie noch in der Klasse sitzen bleiben. Da gibt es kurz vielleicht fünf Auszeitminuten, indem man sagt: Bitte, stell dich kurz auf den Gang und beruhige dich! Steck dein Messer weg, oder schimpf jemand anderen! Beruhige dich! Dann kommst du wieder zurück. Jetzt kommen Sie mit diesen Auszeit-WGs daher, bei denen man das ein bisschen schöner benennt - im Endeffekt aber auch herzlos und lieblos - und die von Ihnen sehr sozialromantisch gestaltet werden. Das wird dennoch nichts bewirken. Das sind die Doppelstandards: Sie werfen immer jemand anderem etwas vor, doch anstatt uns recht zu geben, fallen Sie dann umso patscherter selber auf den Hintern, Herr Weber. (Beifall bei der FPÖ.) Auch heißt es ständig, wir haben keine Lösungen. Ich weiß nicht, wir bringen hunderte Anträge im Rahmen des Rechnungsabschlusses, in permanenten Sitzungen ein. Unsere Lösungen sind vielleicht nicht Ihre. Wir wollen die Strafmündigkeit auf zwölf Jahre senken, einen sofortigen Asylstopp, keinen Familiennachzug und ja, wir wollen die Remigration von Illegalen und Kriminellen. Darum geht es. Wer hier leben will, sich aber schlecht benimmt, gewalttätig wird und sich so gebärdet, dass er sagt, er möchte nicht Teil der Gesellschaft werden, gehört außer Landes gebracht, meine sehr geehrten Damen und Herren. (Beifall bei der FPÖ.) Wenn Sie sich dann immer wehleidig mit großen Krokodilstränen aufregen, wir seien so gegen Integration, weil wir Ihren Förderungen ja nie zustimmen würden: Ja, wir stimmen Ihren Förderungen nicht zu, weil wir kein Geld mehr in ein kaputtes System stopfen wollen. Sie sehen ja, dass Integration hier nicht funktioniert. (Beifall und Bravorufe bei der FPÖ.) Wenn wir regieren, gibt es Kürzungen für Ihre kaputten Integrationsvereine, die nur Parallelgesellschaften hervorbringen. Ja, wir kürzen Gelder für linke NGOs, die nichts anderes zu tun haben, als ständig irgendwelche Berichte zu schreiben und Leute zu vernadern, aber nichts für Integration tun. Ja, wir werden auch hier in Wien Rechtsabteilungen schließen. Da werden Sie sich wundern. Denn in Wien gibt es eine eigene Rechtsabteilung, die Asylbescheide bekämpft. Gegen den negativen Bescheid stellt die Stadt Wien noch eigene Juristen in einer eigenen Abteilung an. Obwohl der Bund in der Bundesregierung diese Menschen ja auch betreut, betreut man sie noch zusätzlich und steckt dort Geld hinein. Auch hier werden wir kürzen. Ja, wir werden hier beinhart kürzen. Jetzt sage ich Ihnen aber etwas: Für eine Position im Integrationsbereich wird es mehr Geld geben. Wissen Sie, für welche? - Für Kerosin für Abschiebeflieger. Das müssen wir bewerkstelligen. Diese Menschen, die Sie mit der Mindestsicherung und der Gemeindewohnung ab dem ersten Tag hierhergelockt und verhätschelt haben und die nie etwas zur Integration beitragen mussten, müssen unser Land verlassen. (Lang anhaltender Beifall bei der FPÖ.) Vorsitzender GR Armin Blind: Als Nächste zu Wort gemeldet ist GRin Akcay. - Bitte, Frau Kollegin, Sie sind am Wort. GRin Safak Akcay (SPÖ): Sehr geehrter Vorsitzender, werte Kolleginnen und Kollegen! Wenn ich mir anschaue, was die FPÖ in den letzten Wochen, aber auch heute hier sagt, dann denke ich mir oft: In welcher Stadt leben wir eigentlich? (Zwischenruf bei der FPÖ.) Ständig ist die Rede von importierter Gewalt und von Kontrollverlust, aber ganz ehrlich: Das hat mit dem Alltag in Wien oft wenig zu tun. Sorry. Ja, wir haben natürlich Herausforderungen. Es gibt Gewalt. Es gibt Extremismus. Es gibt auch antisemitische Vorfälle. Das ist ernst zu nehmen. Das müssen wir auch klar bekämpfen. Aber so zu tun, als wäre eine ganze Gruppe ein Problem, hilft eigentlich nicht weiter. Das spaltet nur, meine Damen und Herren. (Beifall bei der SPÖ.) Wenn ich nämlich selber mit Lehrerinnen und Lehrern rede, sagen die schon, dass es manchmal schwieriger ist, aber dass die meisten Kinder lernen wollen. Wenn ich mit Unternehmerinnen und Unternehmern rede, sagen die, ja, es gibt Herausforderungen, aber viele junge Menschen sind motiviert und wollen arbeiten. Und ich treffe auch Eltern, die einfach wollen, dass ihre Kinder eine bessere Zukunft haben. Das ist die Realität, meine Damen und Herren, und nicht die Schlagzeilen, mit denen Sie die Menschen spalten und verunsichern, indem Sie nur über die sogenannten Ausländer reden, als wären alle gleich. (StR Dominik Nepp, MA: Das stimmt doch nicht!) Das ist viel zu einfach und ehrlich gesagt auch unfair, weil es ein großer Unterschied ist, ob jemand Probleme macht oder ob jemand jeden Tag versucht, sich etwas aufzubauen. Wir sagen ganz klar: Wer Gewalt macht, wird bestraft, wer Hass verbreitet, wird verfolgt, wer antisemitisch ist, hat in unserer Stadt keinen Platz. Punkt. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Das setzen wir auch um, aber wir schauen genau hin. Wir unterscheiden, wir machen keine Politik mit dem Holzhammer. Und ich frage mich schon auch, wenn die FPÖ ständig von Härte redet, was heißt das eigentlich konkret? Mehr Polizei? - Das wollen wir auch. Strenge Gesetze? - Die haben wir. (GR Michael Stumpf, BA: Umsetzung!) Aber was ist mit dem, was wirklich langfristig wirkt? Wo sind die Ideen für unsere Schulen? Wo sind die Lösungen für Deutschkurse? Wie stellen wir sicher, dass Kinder von Anfang an mitkommen? Wie verhindern wir, dass Jugendliche überhaupt in Extremismus abrutschen? - Da hört man wenig. Beispiele gibt es nicht. Möglichkeiten, Maßnahmen gibt es nicht. Genau da liegt der Unterschied: Die FPÖ redet viel über Probleme, aber wir arbeiten an Lösungen. Wir investieren in Kindergärten, damit Kinder früh Deutsch lernen. Wir stärken Schulen, damit niemand zurückgelassen wird. Wir fördern Ausbildung und Jobs, weil Arbeit der Schlüssel ist. Wenn jemand Perspektiven hat und wenn jemand eine Chance sieht, dann ist er viel weniger anfällig für Hass und Extremismus. Das ist vielleicht wenig laut, aber es ist wirksam, meine Damen und Herren. Noch etwas ist mir ganz wichtig. Antisemitismus bekämpfen wir, ohne Wenn und Aber, egal von wem er kommt, da gibt es kein Wegschauen und auch keine Ausreden. Wir machen daraus kein politisches Spiel, wir benutzen das nicht, um ständig Angst zu schüren, denn genau das passiert nämlich - es wird ein Bild gezeichnet, das so pauschal einfach nicht stimmt, meine Damen und Herren. Wien ist nicht perfekt, aber Wien ist stark. Diese Stadt funktioniert, weil Menschen zusammenarbeiten, tagtäglich, in den Schulen, in den Betrieben, in den Vereinen und im Alltag, und genau das geht verloren, wenn man ständig zu hören bekommt, dass sie eigentlich nicht da hergehören oder nicht dazugehören. Die FPÖ setzt einfach auf Spaltung, das ist ein Faktum, meine Damen und Herren. Wir setzen auf Zusammenhalt, die FPÖ macht aus Einzelfällen ein Dauerproblem, wir lösen Probleme Schritt für Schritt. Und ja, das ist manchmal mühsam, aber es ist ehrlich, meine Damen und Herren. Am Ende geht es um eine einfache Frage: Wollen wir eine Stadt, in der wir gegeneinander leben, oder wollen wir eine Stadt, in der wir miteinander Lösungen finden? - Wir haben uns entschieden für klare Regeln, für Konsequenz bei Gewalt, aber auch für Respekt, für Chancen und für Zusammenhalt, weil Integration nur so funktioniert. - Danke schön. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Vorsitzender GR Armin Blind: Die Aktuelle Stunde ist damit beendet. Bevor wir zur Erledigung der Tagesordnung kommen, gebe ich gemäß § 15 Abs. 2 der Geschäftsordnung bekannt, dass von Gemeinderatsmitgliedern der Sozialdemokratischen Fraktion des Wiener Landtages und Gemeinderates keine, des NEOS Rathausklubs keine, des Klubs der Wiener Freiheitlichen 35, des Grünen Klubs im Rathaus fünf, des ÖVP-Klubs der Bundeshauptstadt Wien 13 schriftliche Anfragen eingelangt sind. Von den Gemeinderäten Wirnsberger, Sequenz, Kilian Stark, Malle, Aslan und Berner wurde eine Anfrage an den Herrn Bürgermeister betreffend "Flächenfraß, Ressourcenverschwendung und Emissionen: Milliardenschwere Straßenbauprojekte gefährden Wiens Klimaziele" gerichtet. Das Verlangen auf dringliche Behandlung dieser Anfrage wurde von der notwendigen Anzahl von Gemeinderatsmitgliedern unterzeichnet. Gemäß § 36 Abs. 5 der Geschäftsordnung wird die Beantwortung der Dringlichen Anfrage vor Schluss der öffentlichen Sitzung erfolgen. Ist diese um 16 Uhr noch nicht beendet, wird die Gemeinderatssitzung zur tagesordnungsgemäßen Behandlung der Dringlichen Anfrage unterbrochen. Vor Sitzungsbeginn sind von Gemeinderatsmitgliedern der Sozialdemokratischen Fraktion des Wiener Landtages und Gemeinderates keine, des NEOS Rathausklubs keine, des Klubs der Wiener Freiheitlichen drei, des Grünen Klubs im Rathaus keine, des ÖVP-Klubs der Bundeshauptstadt Wien keine Anträge eingelangt. Den Fraktionen wurden die Anträge schriftlich bekanntgegeben. Die Zuweisung erfolgt wie beantragt. Die Anträge des Stadtsenats zu den Postnummern 2, 4, 9, 14, 19, 22, 23, 29 und 31 gelten gemäß § 26 der Wiener Stadtverfassung als bekannt gegeben. Bis zu Beginn dieser Sitzung hat kein Mitglied des Gemeinderates zu diesen Geschäftsstücken die Verhandlung verlangt. Ich erkläre daher gemäß § 26 der Wiener Stadtverfassung diese als angenommen und stelle fest, dass die im Sinne des § 25 der Wiener Stadtverfassung erforderliche Anzahl von Mitgliedern des Gemeinderates gegeben ist. In der Präsidialkonferenz wurden nach entsprechender Beratung die Postnummern 26 bis 28 zum Schwerpunktverhandlungsgegenstand erklärt und gleichzeitig folgende Umreihung der Tagesordnung vorgeschlagen: Das sind die Postnummern 26, 27, 28, 1, 3, 5, 7, 6, 8, 10, 11, 12, 18, 30, 20, 21, 24, 25, 13, 15, 16 und 17. Die Postnummern werden daher in dieser Reihenfolge zur Verhandlung gelangen. Ich schlage vor, die Verhandlung über die Geschäftsstücke 26 bis 28 der Tagesordnung, sie betreffen die Genehmigung eines Rahmenbetrages für das Programm Wiener Sportförderungsbeitrag 2026, eine Sachkreditgenehmigung für den Abbruch und Neubau des Verwaltungs-/Funktionsgebäudes in Wien 22., Erzherzog- Karl-Straße 108 sowie eine Förderung an den Verein Special Olympics Österreich, Landesverband Wien für Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung zusammenzuziehen, die Abstimmung jedoch getrennt durchzuführen. Wird dagegen ein Einwand erhoben? - Das ist nicht der Fall. Ich bitte die Berichterstatterin, Frau GRin Mautz, die Verhandlungen einzuleiten und gebe zwischenzeitlich bekannt, dass zur Postnummer 26 Herr GR Baxant seine Befangenheit erklärt hat und zur Postnummer 27 GR Worotynski. Berichterstatterin GRin Mag. Andrea Mautz: Ich ersuche um Zustimmung. Vorsitzender GR Armin Blind: Ich eröffne die Debatte. Zu Wort gemeldet ist GRin Korosec, und ich erteile es ihr. - Bitte, Frau Gemeinderätin, Sie sind am Wort. GRin Ingrid Korosec (ÖVP): Sehr geehrter Herr Vorsitzender, sehr geehrte Frau Bereichsleiterin, sehr geehrte Damen und Herren vor dem Livestream und auf der Besuchergalerie, liebe Kolleginnen und Kollegen! Nach einer Aktuellen Stunde voller Emotionen komme ich zu einem Bereich, bei dem ich hoffe, dass sich alles wieder ein bisschen legt, denn es gibt Momente in der Politik, in denen es nicht um Parteien geht, nicht um Budgetzahlen, nicht um Zuständigkeiten, sondern um etwas, was uns alle gemeinsam verbinden sollte - um den Sport. (Beifall bei ÖVP und NEOS sowie von GRin Martina Ludwig-Faymann.) Um die Kraft, die er entfaltet, um die Gemeinschaft, die er schafft, um die Freude, aber auch um die Anstrengung, die er erfordert - unabhängig vom Alter, von der Herkunft und den Voraussetzungen, die man mitbringt. Heute spreche ich über so einen Moment, denn heute spreche ich über die Special Olympics Sommerspiele 2026, die in unserer Stadt, in Wien, stattfinden werden. Ein Sportereignis, das wie kaum ein anderes zeigt, was Teilnahme und Respekt bedeuten. Ich sage ganz offen, dieses Thema liegt mir ganz besonders am Herzen, und zwar nicht nur als Politikerin, nicht nur als Gemeinderätin der Wiener ÖVP, sondern ganz persönlich als Sportlerin. Wie Sie wissen, bin ich ja nicht jung an Jahren, sondern im sechsundachtzigsten Lebensjahr und bin noch immer eine begeisterte Sportlerin. Das sage ich jetzt nicht, um mich selbst zu loben, sondern weil ich aus eigener Erfahrung weiß, was Sport mit einem Menschen machen kann. (Beifall bei ÖVP, SPÖ, NEOS und von GR Theodor Felix Löcker.) Sport ist für mich weit mehr als ein Hobby. Sport ist Lebensqualität, Sport ist Disziplin, aber zugleich auch Freude. Sport gibt Kraft, ist eine Anstrengung - körperlich, aber auch seelisch. Sport schenkt einem das Gefühl, lebendig zu sein, die Möglichkeit, sich selbst herauszufordern und manchmal über sich selbst hinaus zu wachsen. Genau deshalb weiß ich auch, was es für einen Menschen bedeutet, Sport treiben zu können, sich mit anderen zu messen, Teil einer Gemeinschaft zu sein, Applaus zu bekommen, vielleicht eine Medaille zu erkämpfen. Meine sehr geehrten Damen und Herren, Special Olympics ist die weltweit größte Sportbewegung für Menschen mit einer kognitiven Beeinträchtigung. Gegründet 1968, ist diese Bewegung heute in knapp 200 Ländern vertreten und bietet mehr als 6,7 Millionen Athletinnen und Athleten die Möglichkeit, in 32 Olympischen Sportarten zu trainieren und an Wettkämpfen teilzunehmen. Es ist wichtig, bereits als Kinder zu beginnen, mit acht Jahren ist das möglich. Aber auch Jugendlichen, Erwachsenen, Menschen, die in unserer Gesellschaft allzu oft an den Rand gedrängt werden, Menschen, die viel zu selten die Chance bekommen zu zeigen, was in ihnen steckt, gibt Special Olympics genau diese Chance. Ich bin sehr stolz darauf, dass es die Wiener Volkspartei war, die bereits im Juni 2022 den Beschlussantrag in den Wiener Gemeinderat einbrachte, Wien als Austragungsort für die nationalen Sommerspiele zu bewerben. (Beifall bei der ÖVP.) Das wir jetzt auf eine baldige Austragung der Special Olympics in unserer Stadt hinfiebern können, zeigt uns, dass Inklusion kein Parteithema ist, sondern ein Thema, das uns alle betrifft und bei dem wir alle an einem Strang ziehen sollten und, ich glaube, auch werden. (Beifall bei der ÖVP.) Meine sehr geehrten Damen und Herren, Wien bezeichnet sich gerne als Stadt der Vielfalt, der Weltoffenheit, des Respektes miteinander. Das sind schöne Worte, aber Worte alleine genügen nicht. Inklusion muss gelebt werden und sie kann nirgends besser gelebt werden als im Sport. Im Sport zählt nicht, woher man kommt - weil gerade in der Aktuellen Stunde davon so viel die Rede war. Im Sport zählt nicht, welche Voraussetzungen oder Einschränkungen man hat. Im Sport zählt, dass man antritt, dass man sein Bestes gibt, dass man ein Teil der Gesellschaft und der Gemeinschaft ist. Das ist die Botschaft der Special Olympics. (Beifall bei der ÖVP und von GRin Martina Ludwig- Faymann.) Ich möchte auch erwähnen, dass die Stadt Wien diese Veranstaltung mit 835 000 EUR fördert, der Bund stellt ebenso diesen Betrag zur Verfügung. Das ist gut investiertes Geld. Denn was wir da fördern, ist nicht nur ein Sportereignis, es ist ein Zeichen für eine inklusive Gesellschaft. Was mich besonders freut, ist der nachhaltige Ansatz dieser Spiele. Es geht nicht nur um die sechs Tage, nein, es geht darum, den Landesverband Wien zu stärken, es geht darum, neue Vereine und Institutionen zu motivieren, Sport für Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen anzubieten - und zwar nicht nur während der Spiele, sondern davor und danach. Es geht um Trainingsangebote, um Kooperationen mit Schulen, um das Engagement von Volunteers, die auch nach den Spielen dem Thema treu bleiben. Auch das Schul- und Jugendprogramm verdient Erwähnung. Kindergärten, Schulen, Ausbildungseinrichtungen sollen einbezogen werden, das ist ganz entscheidend - als Besucherinnen, als Besucher, als Volunteers, mit Projekten und Aktionen. Denn wenn wir Inklusion wollen, dann müssen wir nicht erst im Alter anfangen, sondern in der Jugend. Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, ich habe am Anfang gesagt, Sport ist für mich mehr als ein Hobby. Lassen Sie mich das am Ende noch einmal unterstreichen. Sport hat mich bisher begleitet, und ich hoffe, er wird mich noch weiter mein ganzes Leben begleiten. Sport hat mir Freude geschenkt, hat mir Kraft gegeben - auch oft in leidvollen Phasen des Lebens, die jeder Mensch erleben muss. Aber er hat mich eines gelehrt: dass man nie aufgeben darf. Und wenn ich mit 86 Jahren noch die Energie habe, hier vor Ihnen mit, so glaube ich, Leidenschaft auf ein Thema einzugehen und dafür einzutreten, dann hat Sport einen großen Anteil daran. Genau dafür sind die Special Olympics da, genau dafür hat Wien als Gastgeber die Verantwortung und genau dafür setzen wir uns als Wiener Volkspartei ein. (Beifall bei der ÖVP.) Lassen Sie mich mit dem Eid der Special Olympics schließen, den jede Athletin, jeder Athlet bei der Eröffnung spricht: "Lasst mich gewinnen, doch wenn ich nicht gewinnen kann, lasst mich mutig mein Bestes geben." Meine Damen und Herren, mutig sein Bestes geben, das gilt für die Athletinnen und Athleten, das gilt auch für Wien als Gastgeber und das gilt auch für uns alle hier - unser Bestes für die Bürgerinnen und Bürger dieser Stadt zu geben. - Danke. (Beifall bei ÖVP und SPÖ sowie von GR Mag. Lukas Burian und GR Theodor Felix Löcker.) Vorsitzender GR Armin Blind: Als Nächste zu Wort gemeldet ist GRin Hu. - Bitte, Frau Kollegin, die Redezeit ist eingestellt, Sie sind am Wort. GRin Jing Hu, BA, MPharm (NEOS): Sehr geehrter Herr Vorsitzender, liebe Kolleginnen und Kollegen, werte Gäste hier im Saal und zu Hause an den Bildschirmen! Lassen Sie mich mit einem Gedanken beginnen, der so alt ist wie die Medizin selbst und heute aktueller denn je: Bewegung ist die beste Prävention. Sie schützt zum Beispiel vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und vor psychischer Erkrankung, und sie verbindet Menschen auf eine Weise, die keine andere Sprache braucht. Das ist kein politisches Schlagwort, das ist evidenzbasierte Gesundheits- und Sportpolitik. Wien ist eine Stadt mit über zwei Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern und eine Stadt, in der Menschen unterschiedlicher Herkunft, Generationen und Lebenswelten aufeinandertreffen. Wenn es eine Kraft gibt, die all diese Menschen verbinden kann, dann ist es der Sport. (Beifall bei den NEOS und von GRin Martina Ludwig-Faymann und GR Mag. Josef Taucher.) Denn auf dem Sportplatz gilt: gleiche Regeln, gleiche Chancen, egal woher man kommt und welche Sprache man zu Hause spricht. Jeder Euro, den wir in die Sportstätten investieren, spart uns in Zukunft ein Vielfaches an Gesundheitskosten, und eine gezielte Vorsorge ist die klügste Form von Stadtpolitik. Deshalb ist der Sport in Wien keine reine Freizeitbeschäftigung am Rande, denn Sport ist Gesundheitspolitik, Sport ist Sozialpolitik, und Sport ist Integrationspolitik. (Beifall bei den NEOS und von GRin Martina Ludwig-Faymann.) Was Wien im Sportbereich besonders stark macht, sind die Vereine, über 750 an der Zahl. Sie leisten täglich jene Arbeit, die keine Politikerin oder Ärztin ersetzen kann. Sie schaffen Gemeinschaften, sie fördern Talente und sie halten Türen offen für alle. Die Stadt Wien unterstützt diese Vereine gezielt mit Förderungen, und wir beschließen heute eine Reihe entsprechender Förderanträge. Dabei gilt ein klares Prinzip: Wir fördern jene Vereine, die sich speziell für den Nachwuchs einsetzen, die Mädchen und Frauen aktiv in den Sport bringen und die Inklusion nicht als Schlagwort sehen, sondern als gelebte Praxis. (Beifall bei NEOS und SPÖ.) Sport darf keine Frage des Geldbeutels oder der Herkunft sein, er muss für alle zugänglich bleiben, und diese Förderungen sind ein klares Bekenntnis dazu. (Beifall bei NEOS und SPÖ.) Vor einigen Wochen, am 17. April 2026, war es so weit: Das neu modernisierte Stadion des Wiener Sportclubs in Hernals wurde mit einem Eröffnungsspiel gegen den SV Horn feierlich in Betrieb genommen. Einige von uns waren dort vor Ort, unter anderem auch ich. Ich hatte die ehrenvolle Aufgabe, dieses Stadion gemeinsam mit dem Stadtrat offiziell zu eröffnen. Der Baustart erfolgte schon im Oktober 2024, seither wurde die traditionsreiche Anlage an der Alszeile von Grund auf modernisiert. Sie ist heute nicht nur die Heimstätte des Wiener Sportclubs, sondern ein echter Sporthub für ganz Wien. Das Stadion umfasst rund 5 600 Zuschauerinnen und Zuschauer bei nationalen Spielen. Bei internationalen Begegnungen sind es auf Grund der UEFA-Auflagen rund 4 600 Plätze. Diese UEFA-Zertifizierung ist übrigens nicht selbstverständlich. Sie bedeutet, dass dort zukünftig auch auf höchstem Niveau ÖFB-Frauennationalteamspiele, Nachwuchsbewerbe sowie Rugby oder American Football Matches stattfinden können. (Beifall bei den NEOS und von GR Mag. Josef Taucher.) Diese Anlage denkt nicht nur an den Sport von heute, sondern auch an die Herausforderung von morgen. Eine Photovoltaikanlage auf dem Dach der Haupttribüne produziert rund 100 000 Kilowattstunden Strom pro Jahr. Kombiniert mit einer modernen Wärmepumpe ist damit die weitgehend energieautarke Versorgung sichergestellt. (Beifall bei den NEOS.) Wir haben vor Ort Zisternen zur Bewässerung, TV-taugliche LED-Flutlichtanlagen, ein modernes Energiemonitoring - und die klimaaktive Zertifizierung rundet das Bild ab. Das ist Klimaschutz in der Praxis und nicht nur als Versprechen, sondern als Bauwerk, das jetzt vor Ort steht. Neben dem Spielbetrieb des Wiener Sportclubs inklusive aller Nachwuchsmannschaften sind 20 Prozent auch für den Breitensport gewidmet. Der Gemeinderat hat für dieses Projekt 22,9 Millionen EUR genehmigt, die aktuelle Kostenschätzung liegt bei 21,6 Millionen EUR. Das heißt für uns, wir liegen weit unter dem genehmigten Budget, und das ist gut so. Denn wir haben auch dieses Projekt innerhalb des Zeitplanes abgeliefert. Das ist in der heutigen Zeit keine Selbstverständlichkeit, und dafür gebührt allen Beteiligten der ausdrückliche Dank. (Beifall bei NEOS und SPÖ.) In Hernals passiert viel, ist neben dem Wiener Sportclub auch der Postsportplatz beheimatet. - 15 Hektar seit fast 100 Jahren durchgängig bespielt, das ist eine der größten zusammenhängenden Sportflächen der Stadt Wien. Die Situation ist bekannt, die Post AG hat als Eigentümerin entschieden, nach Auslaufen des aktuellen Pachtvertrages Ende 2027 den Betrieb neu auszuschreiben, damit - und ich zitiere den Pressesprecher der Post, Michael Homola - jeder zum Zug kommen kann. Die ursprünglichen Wohnbaupläne mit tausenden Einheiten sind mittlerweile vom Tisch. Der neue Plan sieht den Erhalt der Sportfläche vor. Eine neue Dreifeldhalle und allfällige Neubauten sollen ausschließlich auf bereits versiegelten Flächen entstehen. Als NEOS - das überrascht hier im Haus wohl keinen - begrüßen wir prinzipiell Ausschreibungen. Jedoch haben wir auf diese Ausschreibung wenig Einfluss. Es ist die Entscheidung der Post AG als Eigentümerin, und das respektieren wir. Was wir uns aber wünschen, ist ein faires und transparentes Verfahren, bei dem am Ende nicht nur die Rendite entscheidet, sondern das Gemeinwohl. Mit der SPÖ zusammen haben wir dazu heute einen Resolutionsantrag gestellt. Ein Sportplatz dieser Bedeutung ist keine gewöhnliche Immobilie. Es ist eine öffentliche Infrastruktur für tausende Menschen, das soll sich im Ergebnis dieser Ausschreibung klar widerspiegeln. Was wir von der Post AG erwarten, ist also klar. Die Sportflächen bleiben im vollem Umfang bestehen. Wer den Zuschlag bekommen soll, verpflichtet sich zum Breitensport und zur angemessenen Instandhaltung dieser Anlage. Der Postsportverein hat selbst angekündigt, sich zu bewerben. Das begrüßen wir auch. Wenn ich ganz ehrlich bin, dann bringt ein Betreiber, der dieses Areal fast hundert Jahre kennt, etwas mit, was vermutlich kein Mitbewerber vorweisen kann. Er weiß, wie man tausende Menschen zum Sport bringen kann, er kennt die Strukturen, die Vereine, die Kinder. Das sind Qualitäten, mit den man bei einer fairen Ausschreibung punkten kann und auch soll. Dieses Verfahren wird zeigen, wer sich am besten für diesen Sportpatz eignet. Ich bin gespannt, und ich bin zuversichtlich. Was wir heute beschließen, und was wir in der letzten Zeit eröffnet haben, sind keine Einzelmaßnahmen, das ist Teil der Gesamtstrategie des Sportstättenentwicklungsplanes "Sport Wien 2030". Im Rahmen dieses ambitionierten Programms stellen wir der Stadt rund 400 Millionen EUR bereit, um bestehende Anlagen zu sanieren und neue, moderne Sportstätten zu errichten. Die ökologischen Anforderungen, der Abschied von Gas, Klimaaktivzertifizierungen und nachhaltige Baumaterialen sind dabei Standard. Sport und Klimaschutz gehen in Wien Hand in Hand. Das ist für uns auch sehr wichtig. Wien beweist aber auch international, was möglich ist, wenn es um Sport geht. Von 25. bis 30. Juni 2026 finden hier die Special Olympics statt. Anfang Juni laden auch die Sportfinals Austria mit über 6 000 Athletinnen und Athleten in mehr als 40 Sportarten dazu ein, Sport mitten in der Stadt zu erleben - mit Titelentscheidungen auch bei uns am Rathausplatz. (Beifall bei den NEOS.) Es finden heuer noch viele weitere Großveranstaltungen statt, wie zum Bespiel der Frauenlauf, der Vienna Night Run, 3x3-Turniere, das Erste Bank Open und vieles mehr. Wien ist 2026 wieder einmal Sporthauptstadt und das nicht nur auf dem Papier, sondern auf den Plätzen und in den Sportstätten und auf den Straßen dieser Stadt. Meine Damen und Herren, lassen Sie mich zum Schluss klar sagen, worum es uns heute geht: Es geht nicht rein um Infrastruktur, sondern es geht um die Frage, in welcher Stadt wir leben wollen. Wien investiert in seine Menschen. Wien schützt seine Sporträume. Wien fördert gezielt Nachwuchs, Frauen und Inklusion. Und Wien zeigt, dass moderner Städtebau und Klimaschutz im Sportbereich keine Widersprüche sind, sondern zwei Seiten derselben Medaille. - Danke schön. (Beifall bei NEOS und SPÖ.) Vorsitzender GR Armin Blind: Als Nächster zu Wort gemeldet ist GR Löcker. - Bitte, Herr Kollege, Sie sind am Wort. GR Theodor Felix Löcker (GRÜNE): Sehr geehrter Herr Vorsitzender, werte Kolleginnen und Kollegen, werte ZuseherInnen im Livestream! "Lasst mich gewinnen! Aber wenn ich nicht gewinnen kann, dann lasst es mich mutig versuchen." - Das ist das Motto der Special Olympics Austria. Ich finde, das steht exemplarisch wahnsinnig gut dafür, worum es geht. Die Special Olympics sind für mich der Inbegriff von Sportlichkeit. Es geht um Zusammenhalt, egal, ob bei Sieg oder Niederlage. Trotz Behinderung werden Höchstleistungen erbracht. Wie schön, dass das in Wien stattfindet und dass wir zum zweiten Mal in der Geschichte Austragungsort dieser Sommerspiele sind. Wie schön, dass Wien endlich einen Landesverband hat und wir den jetzt zum zweiten Mal fördern dürfen. Für alle, die es nicht wussten: Den Landesverband Special Olympics Wien gibt es seit 2022 und seit 2025 fördern wir ihn. Das ist wahnsinnig toll. Ich gehe davon aus, dass heute auch noch Rednerinnen und Redner der Regierungsfraktionen herauskommen und die Special Olympics Austria in Wien abfeiern werden. Daran tun Sie recht. Das ist ein tolles Event. Aber die 1 800 Sportlerinnen und Sportler und alle Menschen mit Behinderung, die Ihnen zuschauen, die Sie anfeuern und die ein Gefühl von Selbstbestimmung haben, die ein Gefühl von Zugehörigkeit bekommen und die Sichtbarkeit erleben, gehen nach den Special Olympics nach Hause und sind mit Problemen konfrontiert. 424 Personen warten derzeit auf einen vollbetreuten Wohnplatz; 1 704 Personen warten auf einen teilbetreuten Wohnplatz; 940 warten auf einen Platz in einer Tagesstruktur; bei Wiener Wohnen gibt es kaum barrierefreie Wohnungen zur Vergabe; die Caritas und die Lebenshilfe Österreich warnen eindringlich vor Kürzungen in der Sozialhilfe bei Menschen mit Behinderungen. Aber etwas Positives zwischendurch: Die Zahl der inklusiven Lehrstellen ist von 2023 auf 2026 um sage und schreibe 366 Prozent gestiegen. Das ist fantastisch. - Ah, Moment, ich sehe gerade, in absoluten Zahlen heißt das von 3 auf 14 Lehrlinge mit Behinderung. Das ist nach wie vor nicht sehr viel. (Zwischenruf von GRin Mag. Stefanie Vasold.) Was tatsächlich mehr geworden ist, ist das Geld für die Inklusion im Kindergarten. Aber jedes Kind mit Behinderung, das auf einen Kindergartenplatz wartet, ist eines zu viel. Wie viele sind das momentan? - Mehrere hundert. 55 Prozent der Wiener Schulen sind nicht barrierefrei. Seit dem Schuljahr 2024/2025 gibt es in Wien sogar eine neue Sonderschule. Ich lese Ihnen ein Zitat vor: "Die neue Sonderschule sei problematisch und ein Bruch mit den Werten von UN-Konventionen, denen wir verpflichtet sind." - Wer hat das gesagt? - Bildungsminister Wiederkehr im November 2025. Es gibt zu wenig Ressourcen in den Schulen bezüglich Autismus, obwohl der Bedarf steigt. FachassistentInnen sind hoch gefragt - es gibt momentan neun Stück in Wiener Kindergärten. Vermutlich ist die Zahl der Kinder mit Autismus deutlich höher als neun. Bei der persönlichen Assistenz sind viele, die es bräuchten, davon ausgeschlossen und bei denen, die wegen einer körperlichen Behinderung Zugang dazu haben, ist die Unterstützungsleistung, die sie bekommen, leider bei weitem nicht kostendeckend. Das Projekt P.I.L.O.T. für Integration von jungen Menschen am Arbeitsmarkt wurde gestrichen. Beinahe hätten Sie auch den Fahrschein für Menschen mit Sehbehinderung, für Blinde gestrichen. Das konnte dann auf Grund des Druckes der Opposition verhindert werden. 21 Prozent der Menschen mit Beeinträchtigung in Österreich gelten als armuts- oder sozialausgrenzungsgefährdet. Das ist deutlich mehr als in der Gesamtbevölkerung. Die Menschen mit Behinderung in Österreich haben sich die Special Olympics verdient. Aber sie haben es sich genauso verdient, in einer Stadt zu leben, die ihnen zuhört, die sie ernst nimmt und die sie auf ihrem Weg in einem selbstbestimmten Leben unterstützt und ihnen Steine aus dem Weg räumt. (Beifall bei den GRÜNEN.) Und ich sage Ihnen etwas: Das haben sich Menschen mit Behinderung nicht nur verdient, darauf haben sie ein Recht. Wenn in dieser Stadt ein Kind mit Behinderung auf einen Kindergartenplatz wartet und keinen bekommt, dann macht mich das betroffen, obwohl es nicht mein Kind ist. Wenn in Wien eine alte Dame im Rollstuhl auf eine barrierefreie Wohnung wartet und keine bekommt, dann macht mich das betroffen, auch wenn es nicht meine Oma ist. Und wenn nach den Special Olympics eine Sportlerin nach Hause geht, die vielleicht sogar eine Medaille gewonnen hat, und sich zu Hause am Küchentisch den Kopf darüber zerbricht, wie sie die Rechnung für ihre persönliche Assistenz zahlen soll, dann macht mich das betroffen, selbst wenn ich sie gar nicht kenne. Zum Abschluss möchte ich uns allen eine exemplarische Frage stellen, denn es ist für mich mit der Krücke heute schon schwierig gewesen in diesem Saal. Was tun wir, wenn die erste Abgeordnete mit Rollstuhl in dieses Haus gewählt wird? - Sie sehen die Stufen. Was tun wir dann? (Beifall bei den GRÜNEN. - GRin Dipl.-Ing. Selma Arapovic: Es gibt einen Plan.) Vorsitzender GR Armin Blind: Als Nächster zu Wort gemeldet ist GR Brucker. (Zwischenrufe bei der FPÖ.) - Auf meiner Rednerliste ist GR Brucker vorgesehen, ich habe keine Meldung bekommen. Die Rednerliste ist einzuhalten. Bitte, Herr Gemeinderat, oder verzichten Sie auf die Wortmeldung? - Es gibt zwei Möglichkeiten: Entweder Sie lassen sich streichen oder Sie machen das nachher ... (Zwischenrufe bei der FPÖ.) - Gut. Dann ist als Nächste zu Wort gemeldet GRin Rychly. - Bitte, Frau Kollegin, Sie sind am Wort. GRin Yvonne Rychly (SPÖ): Sehr geehrter Herr Vorsitzender, sehr geehrte Damen und Herren, werte Gäste vor den Bildschirmen! Ich beginne über das Projekt an der Erzherzog-Karl-Straße 108 zu sprechen. Es geht hier nicht einfach um Beton, Pläne oder Bauphasen. Wir sprechen über einen Ort, an dem jeden Tag Leben passiert. Über Kinder, die zum ersten Mal ein Fußballtraining besuchen, über Jugendliche, die zum ersten Mal in der Kletterhalle über sich hinauswachsen, über Ehrenamtliche, die ihre Zeit schenken, damit Gemeinschaft entstehen kann. Diskutieren Sie jetzt weiter (in Richtung der FPÖ und SPÖ) oder darf ich meine Rede halten? (GR Anton Mahdalik: Ich höre eh zu.) Vorsitzender GR Armin Blind (unterbrechend): So. Die Frau Kollegin ist am Wort. Ich bitte, die Debatten in den Bänken auf ein erträgliches Maß zu reduzieren. - Bitte, Frau Kollegin. GRin Yvonne Rychly (fortsetzend): Danke schön. - Genau für diese Menschen bauen wir. Dieses Projekt ist ein Versprechen - ein Versprechen, dass wir den Sport in Wien nicht nur halten, sondern weiterentwickeln, dass wir ihm den Raum geben, den er verdient. Mit diesem Neubau schaffen wir nicht nur moderne Garderoben oder funktionale Räume, wir schaffen Möglichkeiten, wir schaffen Platz, echten, greifbaren Platz. 1 000 Quadratmeter für Mut, für Fortschritt, für Erfolgserlebnisse. Stellen Sie sich vor, was das bedeutet: Mehr Kinder, die klettern; mehr Jugendliche, die ihre Leidenschaft entdecken; mehr Menschen, die Platz finden für Sport. Gleichzeitig geben wir dem Fußball mit dem FC Stadlau genau jene Infrastruktur, die er braucht: bessere Bedingungen, mehr Qualität, mehr Zukunft. Aber wir denken noch weiter. Wir bauen nicht auf Kosten der nächsten Generation, wir bauen für sie - mit Geothermie statt fossiler Energie, mit Photovoltaik statt Stillstand, mit entsiegelten Flächen statt versiegelter Vergangenheit. Das ist Verantwortung. Das ist Weitsicht. Das ist Wien. Und das Wichtigste vielleicht: Wir lassen den Sport währenddessen nicht stehen. (Beifall bei SPÖ, NEOS und von GRin Ingrid Korosec.) Wir sorgen dafür, dass der Betrieb weitergeht, dass der Alltag weiterläuft, dass die Vereine weiterleben können, weil wir wissen, wie viel daran hängt. Dieses Projekt zeigt, was möglich ist, wenn man nicht verwaltet, sondern mitgestaltet. Es zeigt, dass Sportpolitik mehr ist als nur Förderung. Der Sport in unserer Stadt ist weit mehr als Zahlenwerk, Prozentsätze oder Budgetposten, es ist das Leben von Kindern am Fußballplatz, das Durchhaltevermögen junger Athletinnen und Athleten und das unermüdliche Engagement tausender Ehrenamtlicher, die Woche für Woche ihre Freizeit investieren für unsere Gemeinschaft. Genau dafür tragen wir heute und in Zukunft Verantwortung. Mit der Erhöhung des Sportförderungsbeitrages auf 12,5 Prozent treffen wir keine abstrakte finanzpolitische Entscheidung. Wir entscheiden uns bewusst dafür, den Wiener Sport zu stärken. Wir entscheiden uns dafür, dass Vereine auch morgen noch Trainings anbieten können, dass Nachwuchsarbeit nicht an fehlenden Mitteln scheitert und dass Sport in Wien für alle zugänglich bleibt. Genau deshalb ist dieses Modell so kraftvoll. Wer ein großes Sportereignis besucht, unterstützt damit direkt die Basis, das ist Solidarität, die man spürt - vom Stadion bis zum kleinen Verein ums Eck. Mit der heutigen ersten Tranche geben wir Sicherheit - Sicherheit für jene, die jeden Tag auf den Sportplätzen stehen, Sicherheit für jene, die Kinder trainieren, Turniere organisieren und Gemeinschaft schaffen. Und ja, es ist auch ein Zeichen des Respekts gegenüber all jenen, die diesen Sport erst ermöglichen. Dass der Wiener Fußballverband einen größeren Anteil erhält, ist kein Privileg, es ist ein Ausdruck seiner Wertschätzung und der enormen Verantwortung für tausende Spielerinnen und Spieler dieser Stadt. Gleichzeitig stärken wir mit ASKÖ, ASVÖ und Union bewusst den Breitensport, also dort, wo Teilhabe beginnt. Dieser Beschluss ist mehr als eine Auszahlung, er ist ein Bekenntnis, ein Bekenntnis für Chancen für alle, ein Bekenntnis für Fairness und ein Bekenntnis zu einer Stadt, in der Sport nicht vom Geldbörserl abhängt. Lassen Sie uns heute nicht die Zahlen abstimmen, sondern über die Zukunft des Sports in Wien - über den Zusammenhalt, über Chancen, über das, was uns als Gesellschaft stärker macht. Wir sprechen über das Fundament einer funktionierenden Stadt, über Sport. Sport ist dort, wo Menschen einander begegnen, die sich sonst vielleicht nie treffen würden - am Fußballplatz, in der Turnhalle, auf der Laufbahn. Dort verschwinden Herkunft, Einkommen und alle Unterschiede. Dort zählt nicht, woher jemand kommt, sondern wohin man gemeinsam will. Sport schafft Gemeinschaft, er schafft Zusammenhalt und gerade in einer wachsenden Stadt wie Wien ist dies unbezahlbar. Aus sozialer Sicht ist Sport oft der erste Ort, an dem Integration wirklich gelingt. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Kinder lernen Teamgeist, Respekt und Fairness, Vereine werden zu zweiten Familien. Ehrenamtliche leisten tagtäglich Arbeit, die man gar nicht hoch genug schätzen kann. Sie halten unsere Gesellschaft zusammen - still, verlässlich und mit ganzem Herzen. Aber Sport ist auch ein Wirtschaftsfaktor, er schafft Arbeitsplätze, direkt und indirekt, von Trainerinnen und Trainern über Platzwarte bis hin zur Gastronomie rund um alle Sportstätten. Große Sportveranstaltungen bringen Wertschöpfung in unsere Stadt, beleben den Tourismus und stärken den Standort Wien. Jeder Euro, den wir in den Sport investieren, kommt vielfach zurück, wirtschaftlich und gesellschaftlich. Dann ist vielleicht noch der wichtigste Aspekt unsere Gesundheit. Sport ist die beste Prävention, die wir haben. Er hält Menschen fit, reduziert Krankheit, stärkt das Immunsystem und entlastet langfristig unser Gesundheitssystem. Wer sich bewegt, lebt gesünder, bleibt länger aktiv und hat mehr Lebensqualität. Das betrifft Kinder genauso wie ältere oder behinderte Menschen. Wenn wir also in Sport investieren, dann investieren wir nicht nur in Infrastruktur, wir investieren in die Menschen in unserer Stadt, in ihre Chancen, in ihre Gesundheit und in das Miteinander unserer Stadt. Eine Stadt, die den Sport stärkt, stärkt ihre Zukunft. Eine Stadt, die Bewegung ermöglicht, ermöglicht Teilhabe. Und eine Stadt, die in den Sport investiert, investiert in Lebensqualität für uns alle. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Ich habe natürlich nicht auf unsere Special Olympics vergessen, aber darüber wird meine Kollegin Stefanie Vasold sprechen. Lassen Sie uns zusammenfassen und gemeinsam diesen Weg weitergehen, entschlossen, solidarisch und mit dem klaren Ziel, Wien als lebenswerteste, gesunde, starke Stadt für alle zu gestalten. Sport ist kein Nice-to-have, Sport ist ein Must-have. - Vielen Dank. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Vorsitzender GR Armin Blind: Als Nächster zu Wort gemeldet ist GR Gorlitzer. - Bitte, Herr Gemeinderat, die Redezeit ist eingestellt, Sie sind am Wort. GR Dr. Michael Gorlitzer, MBA (ÖVP): Sehr geehrter Herr Vorsitzender, sehr geehrter Herr Stadtrat, meine Damen und Herren! Heute geht es um das Wiener Sportförderprogramm, und es ist ein sehr wichtiger Punkt, den wir heute hier diskutieren. Was ist der Hintergrund? - Der Hintergrund ist der, dass in Wien 23 Prozent aller Kinder zwischen fünf und neun Jahren übergewichtig sind, 6 Prozent leiden unter Adipositas und die Tendenz ist stark steigend. Wir erwarten, dass in Wien in den nächsten zwei Jahren fast ein Drittel aller Kinder übergewichtig sind. Die Folgen sind schon von unserer Sportheldin Ingrid Korosec - das muss ich echt sagen mit dem Alter -, aber auch von Mag. Hu und Yvonne Rychly genannt worden. Die Folgen sind zunehmender Diabetes, Herz- und Gelenkprobleme und psychische Belastungen. Was kann man dagegen tun? - Sich gesund ernähren, das ist klar, aber vor allem Sport betreiben und Bewegung machen. (Beifall bei der ÖVP.) Der Sportstättenentwicklungsplan "Sport Wien 2030" sieht 400 Millionen EUR vor, die investiert werden sollen. Es ist auffällig, dass vor allem Sportstätten in Flächenbezirken gebaut und erneuert werden und vor allem kleinere Bezirke oder die Bezirke im Westen Wiens vernachlässigt werden. Ich gebe Ihnen dazu ein paar Beispiele: zum Beispiel das Leichtathletikzentrum im 2. Bezirk. Wenn man da die Laufbahn anschaut, dann ist das keine Laufbahn, sondern eher eine Stolpersteinbahn, da gibt es viele Löcher, die beim Laufen sehr hinderlich sind. Es gab einen gemeinsamen Antrag von allen hier vertretenen Parteien in der Bezirksvertretungssitzung 2021, hier wurde beantragt, Gespräche mit dem zuständigen Bezirksvorsteher Nikolai aufzunehmen, damit die Trainingszeiten der Verbände besprochen werden sollten. Beim Spatenstich der Sportarena 2022 wurde das wiederholt gefordert. Passiert ist bis jetzt nichts, und das ist sehr traurig, weil genau eine Abstimmung der Trainingszeiten der Sportverbände maßgeblich ist. Ein anderes Beispiel ist mein Heimatbezirk. Der ASV13, das ist die einzige große Sportstätte in Hietzing mit 500 Kindern, die hier fleißig trainieren, Matches spielen und Wettkämpfe austragen. Ich habe gerade am Sonntag beim Praterblütenlauf die Astrid Rompolt gesehen, sie hat sich ein bisschen gerissen, weil mein Name aufgerufen worden ist, weil da ein Herr Gorlitzer auf dem Siegespodest gestanden ist. Das war nicht ich, ich laufe nicht mehr fünf Kilometer unter 20 Minuten, das ist schon lange, lange her, also ich brauche da schon viel länger. (Heiterkeit bei der ÖVP. - GRin Dipl.-Ing. Selma Arapovic: Kann noch werden!) Aber ich war natürlich froh, dass das Team ASV13 im Teamwettbewerb mit meinem Sohn den 1. Platz geholt hat. (Beifall bei der ÖVP und von GRin Ing. Astrid Rompolt, MA.) Es ist immer schön zu sehen, wenn die Kinder und Jugendlichen mit viel Freude Sport betreiben. Ich war auch ganz erstaunt, Ingrid, dass da einige über 70 Jahre alt waren, die auch erstaunliche Zeiten gelaufen sind im 5- Kilometer- und 10-Kilometer-Lauf. Zurück zum ASV13. Das ist ein großer Sportplatz, allerdings sind die Umkleidekabinen und Duschmöglichkeiten vor Ort dringend sanierungsbedürftig. Da geht also kein Mensch mehr duschen, das ist schon so alt, dass es schon fast zusammenfällt. Man wartet auch hier schon seit vielen Jahren auf eine klare Entscheidung, wann und ob diese Anlage renoviert wird. Ein weiteres Thema, das wirklich auffällig ist, ist, dass 10 Prozent der Kinder in Wien nicht schwimmen können. Das sind mehrere tausend Kinder, die nicht schwimmen können in Wien, weil es auch da an Organisation, aber auch an Sport- und Schwimmbecken fehlt. Auch den Schwimmsportvereinen fehlt eigentlich eine klare Schwimmbahn zum Trainieren. Das ist oft überfüllt und sie stehen natürlich in Konkurrenz zu anderen Sportarten. Aber der Schwimmleistungssport wird hier in Wien stark vernachlässigt und das muss sich ändern. (Beifall bei der ÖVP.) Das letzte Thema, zu dem die SPÖ-NEOS-Regierung einen eigenen Antrag gestellt hat, zu dem wir auch einen einbringen, ist der Postsportplatz in Hernals. Dessen Zukunft ist ungewiss, der aktuelle Pachtvertrag mit der Post AG läuft 2027 aus, das soll neu ausgeschrieben werden, und man befürchtet, dass dieser Verein nach mehr als hundert Jahren sein Ende findet. Es gibt eine Bürgerinitiative "Rettet den Post SV Wien", diese Petition hat bis jetzt 16 000 Unterschriften erreicht. Ziel ist der Erhalt dieses Areals als frei zugängliche Sportstätte. Wir haben schon gehört, dieser Post Sportverband zählt 5 000 Mitglieder, darunter 2 000 Kinder und Jugendliche. Dieser Verein arbeitet auch selbst an einem Zukunftskonzept, das sie dem Herrn Stadtrat gern präsentieren wollen, kriegen leider keinen Termin. Aber vielleicht kann sich das ändern. Im Sommer soll außerdem ein Leitbild für die zukünftige Entwicklung des Areals erstellt werden. Deswegen ist auch meine Aufforderung: Herr Stadtrat, bitte, treten Sie in diese wichtigen Gespräche ein, Sie haben dabei auch eine sehr wichtige Rolle und die Chance, alle Beteiligten anzuhören. Es ist auch wichtig, schließlich eine Lösung für diese Vereine und auch für die Schulen, die dort Sport betreiben, zu finden. (Beifall bei der ÖVP.) Deswegen bringen wir auch diesen Antrag ein und fordern Sie auf, konkrete Gespräche mit allen beteiligten Akteuren aufzunehmen, um einen dauerhaften Erhalt dieses Sportplatzes zu sichern. Zusammenfassend kann man sagen, Sie, liebe SPÖ, hatten jetzt am Wochenende einen Parteitag, der stand unter dem Motto "Wien schafft Zukunft". Ja, Wien braucht wirklich eine ehrliche, konsequente und nachhaltige Sportpolitik. Ich glaube, da sind wir uns alle miteinander einig. Das ist die Zukunft, auch eine Zukunft für unsere Kinder. Das bedeutet für uns als Wiener Volkspartei: Erstens, eine Priorität setzen für den Nachwuchs und für den Breitensport; jeder Euro muss dort ankommen, wo die Kinder und Jugendlichen Sport machen können. Zweitens, eine Offensive für die Schwimmflächen, da braucht Wien mehr Strategie. Drittens, Sanierung vor Neubau, wo es sinnvoll ist; das betrifft vor allem die Bezirkssportplätze, aber auch den Postsportplatz. Viertens, Transparenz und Prioritätenklarheit; die Wienerinnen und Wiener haben ein Recht zu wissen, wann welche Projekte umgesetzt werden. - Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. (Beifall bei der ÖVP.) Vorsitzender GR Armin Blind: Als Nächste zu Wort gemeldet ist GRin Bernecker-Thiel. - Bitte, Frau Kollegin, Sie sind am Wort. GRin Dr. Arabel Bernecker-Thiel (NEOS): Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Damen und Herren! Jeder spricht über den Eurovision Song Contest, aber das, worüber man wirklich reden sollte, ist ein Event, das frei von weltpolitischen Spannungen ist, das unberührt von Sonntagsöffnungsdiskussionen ist und bei dem die Tickets weniger kosten als ein Kurzstreckenflug. Ich glaube, Sie haben schon erraten, worum es geht. Es geht um die nationalen Sommerspiele der Special Olympics. (Beifall bei den NEOS.) Ein Event, bei dem wirklich jeder und jede willkommen ist und das von 25. bis 30. Juni in Wien stattfindet. Was sind die Special Olympics? - Das ist die weltweit größte Sportbewegung für Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung. Damit grenzen sie sich ab von den Paralympics, die für Sportler mit körperlichen Behinderungen sind. Der Verein wurde 1968 gegründet, es gibt mittlerweile 4,2 Millionen aktive Sportler weltweit, 256 lokale Programme, und es werden über 30 Sommer- und Wintersportarten ausgeführt. In Wien gibt es die Special Olympics auch schon seit über 20 Jahren mit jährlich über 250 Trainingsangeboten und 200 kleineren und größeren Bewerben, also wirklich einer Vielzahl an Aktivitäten. Für Wien sind diese Sommerspiele der Special Olympics ganz besonders, weil es zum ersten Mal seit 28 Jahren ist, dass dieses Event wieder in Wien stattfindet. Shakespeare wird mir das jetzt verzeihen, wenn ich ein Zitat etwas abwandle, aber man kann wirklich sagen: "Die ganze Stadt wird Bühne!" An ganz vielen Orten in Wien finden Veranstaltungen statt, also wirklich quer durch die Stadt. Wir rechnen mit 1 800 SportlerInnen, davon rund 350 aus Wien, die anderen kommen aus ganz Österreich, mit 600 TrainerInnen, ungefähr 100 aus Wien, und auch 800 Volunteers werden dort miteingebunden. Also es ist beileibe keine kleine Veranstaltung, sondern auch tatsächlich ein Wirtschaftsfaktor, der für die Stadt interessant ist. (Beifall bei den NEOS und von GRin Ingrid Korosec.) Was wird gemacht? - Wir haben 20 Sportarten, also es geht wirklich quer durch. Wir haben Leichtathletik, Radsport, Schwimmen, Reiten, alle Ballsportarten, Golf, Boccia, Bowling, Judo, Segeln et cetera. Es wird mehr als 100 Siegerehrungen geben und ich hoffe, dass einige von uns Gelegenheit haben werden, bei der einen oder anderen dabei zu sein. Neben dem olympischen Fackellauf, den es gibt, und der feierlichen Eröffnung der Sportarena wird es noch ein anderes dichtes Rahmenprogramm in der Stadt geben, einen Inklusionstag am Donauinselfest und eine ganze Reihe von Schulprojekten. Ich kann wirklich die Bedeutung dieser Special Olympics nicht genug unterstreichen. Inklusion in allen ihren Formen hat in Wien einen großen Stellenwert, und das ist ein Beispiel dafür. Zum Thema Inklusion ist da natürlich zu sagen - wir werden es heute noch mehrfach hören -, wir haben die bezahlten Inklusionsplätze in Kindergärten gerade vervielfacht. Meine Kollegin Dolores Bakos wird darauf näher eingehen. Wir gestalten den Ring neu. Und was machen wir da? - Natürlich schauen wir auch auf die Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung, das ist ganz wichtig. Und natürlich gibt es im Sozial-, Berufs- und Freizeitbereich eine Vielzahl an Unterstützungen. Da fällt der Sport darunter. Klar, Sport ist gesund, das wissen wir alle. Aber er ist natürlich auch persönlichkeitsbildend und er hebt das Selbstbewusstsein der Akteure. Sie bekommen positives Feedback, ihr Selbstwertgefühl wird gehoben und ein ganz wichtiger Faktor ist das Element der Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft und zu einer Gesellschaft. Also ist Sport nicht nur wichtig für die Inklusion, sondern auch ganz wichtig für die Integration. Wenn wir uns anschauen, welche Strukturen es hier in Wien gibt, dann ist das als zentrale Struktur der Wiener Behindertensportverband, der 16 Vereine zusammenfasst mit 1 300 Aktiven und Trainings für zahlreiche unterschiedliche Sportarten. Dann fördert Wien den Projektfonds "Sport", das waren zuletzt 500 000 EUR. Da ist es wichtig und erfreulich zu sehen, dass ein Drittel dieser Förderung zweckgewidmet ist - und zwar für Frauen- und Mädchensport und Sport für Menschen mit Behinderungen. Dann gibt es noch spezifische Sportveranstaltungsförderungen wie jetzt für die Special Olympics. Dieser ganze Strauß an Förderungen ermöglicht eine ganze Reihe von Sportveranstaltungen, wie zum Beispiel die Schoool Games, die ich gerne erwähnen möchte. Bei den Schoool Games, mit drei Os geschrieben, waren zuletzt 19 Schulen beteiligt mit 240 Kindern und Jugendlichen und mit Tischtennis, Tischball für Menschen mit Behinderungen et cetera. Also da geht es darum, Kindern, die eine Behinderung haben, in Wiener Schulen eine Chance zu geben, sich sportlich zu betätigen und zu messen. Diese Förderungen ermöglichen auch nicht nur Events, sie ermöglichen veritable Karrieren. Wir haben zum Beispiel mit Janina Falk eine Paraschwimmerin, die auf internationalem Niveau mitschwimmt. Wir haben den in Afghanistan geborenen Hassanzada, der im Para-Taekwondo nicht nur Inklusion erfahren hat, sondern auch Integration. Und wir haben jetzt gerade vor ein paar Tagen beim Wiener City Marathon gesehen, dass eine Frau mit einer schweren Sehbehinderung einen neuen Streckenrekord aufstellen kann: Tigist, mit einem Nachnamen, den ich nicht aussprechen kann, eine Läuferin aus Äthiopien. Aber gehen wir zurück in die Zukunft! Noch einen Satz zu den Special Olympics, die ja in wenigen Wochen starten: Sie bringen wirklich das Allerbeste im Sport: sich zu fordern, Grenzen zu überwinden, sich im fairen Wettkampf zu messen, aber auch gleichzeitig Gemeinschaft zu erfahren und Lebensfreude zu verbreiten. Wir haben den Eid der Special Olympics schon vom Kollegen Löcker heute gehört. Ich erlaube mir, ihn noch einmal zu zitieren, weil er wirklich schön ist - und zwar: Ich will gewinnen, aber wenn ich nicht gewinnen kann, dann werde ich es mutig versuchen. - Damit ist, glaube ich, alles gesagt. - Danke sehr. (Beifall bei NEOS und SPÖ.) Vorsitzender GR Armin Blind: Als Nächster zu Wort gemeldet ist GR Arsenovic. -Herr Gemeinderat, Sie sind am Wort. GR Johann Arsenovic (GRÜNE): Danke, Herr Vorsitzender! Herr Stadtrat! Ja, wir reden heute über Sport. Vielleicht zur Einordnung, damit wir ungefähr wissen, wovon wir reden, die Flächen: Wien hat zirka 10 Millionen Quadratmeter - damit man ungefähr ein Gefühl hat, wie groß das ist: das ist größer als fünf kleine Innenstadtbezirke - nur an Sportflächen, und das ist ohne Donauinsel und ohne Prater, also das sind nur die reinen Sportflächen. Ein Drittel davon wird direkt von der Stadt Wien über die MA 51, das Sportamt Wien, verwaltet, und diese Anlagen müssen natürlich gebaut werden, in Schuss gehalten werden und natürlich auch immer wieder für neue Sportarten adaptiert und neu errichtet werden. Leider, Herr Gorlitzer - dazu komme ich auch noch -, gehören eben nicht alle Sportflächen der Stadt Wien, und das gibt manchmal Probleme, auch beim ASV-13-Platz oder beim Postplatz, aber ich komme vielleicht dann später noch dazu. Insgesamt reden wir von 17 großen Sporthallen, wir reden von 13 Jugendsportanlagen, und wir reden von insgesamt 151 an Vereine verpachteten Sportanlagen, die natürlich größtenteils Fußballanlagen sind, wie Sie wissen. Und weil sich natürlich der Sport immer weiterentwickelt, sich die Stadt entwickelt, die Sportanlagen neue Bedürfnisse haben - es entstehen natürlich auch neue Sportarten, die hypen und die vielleicht nicht mehr so aktuell sind wie früher -, hat StR Hacker damals noch unter Rot-Grün einen Sportstättenentwicklungsplan in Auftrag gegeben. Damals wurde jede Sportstätte in Wien durchgecheckt. Wie ist der bauliche Zustand? Was gehört saniert, was gehört generalsaniert, oder was gehört vielleicht sogar erneuert? Wo gibt es vielleicht überhaupt Bedarf an neuen Sportstätten, wo müssen wir sogar einen Neubau machen? Herausgekommen - und dafür bin ich wirklich sehr dankbar - ist die größte Investition in diesem Bereich, die es in der Stadt Wien jemals gab. Und was mich auch besonders freut, ist, dass man bei all diesen Sanierungen und Neuausrichtungen dieser Sportanlagen immer versucht hat, auch mit dem Klimaschutz Hand in Hand zu gehen, wofür ich auch danke sagen muss. Wir haben wie gesagt 2020, damals noch unter unserer Regierungsbeteiligung, vereinbart, dass eben alle Sportgebäude und jede Sportinvestition bereits klimaneutral gebaut wird beziehungsweise dann im Betrieb natürlich klimafit betrieben wird und dass der Energieverbrauch immer der aktuelle State oft the Art ist und dass es wie gesagt immer der neueste Stand der Technik ist. Danke auch dafür an die jetzige Regierung, dass dieser Pfad eingehalten wurde - dafür bin ich sehr dankbar -, auch an das Sportteam dafür, dass wir das so weiterführen. Ich möchte an dieser Stelle auch danke an alle Fraktionen sagen, die im Landessportrat vertreten sind, nämlich allen dafür, dass die diesen Weg immer mitgehen und immer mit Einstimmigkeit mitgehen. Danke dafür. (Beifall bei GRÜNEN, SPÖ und NEOS.) Und wenn ich beim Danke sagen bin: natürlich auch danke an die MA 51 und an die Wien Holding, die über ihre Tochter diese Baustellen und diese Projekte umsetzt. Aktuell waren es wie gesagt über 100 Baustellen. Sie kennen die großen Sachen natürlich. Es sind die Sportarena Wien, die gebaut worden ist, der Sportclub-Platz wurde schon erwähnt, aber natürlich darüber hinaus alle großen Sportrundhallen, mehr als 50 Fußballanlagen die nachhaltig saniert wurden - mit neuen Garderobengebäuden, mit Photovoltaikanlagen, neuen Spielfeldern, statt Erdgas Erdwärme zum Beispiel, Flutlichtanlagen, die alle auf LED umgestellt worden sind. Danke deshalb auch hier im Namen der vielen Pächter, der Vereine, die dadurch auch Energiekosten sparen konnten. Jetzt komme ich aber leider auch zum Aber. Frau Kollegin Hu, Sie haben es gesagt, aber es stimmt nicht so ganz. Die zukünftigen Sportstättenausgaben, also ich sage es jetzt ganz krass: Die finanziellen Mittel für den zukünftigen Sportstättenausbau sind nämlich eigentlich gestrichen. Das geht auf ein Minimum zurück, nicht die Euphorie, die ich da vielleicht vorhin noch gehört habe. Das stimmt leider so nicht. Der zweite Aspekt, das zweite Aber: Da muss man vielleicht wissen, dass die Sportanlagen sehr, sehr günstig meistens an Vereine verpachtet werden, wirklich günstig. Es sind ungefähr 3 Cent pro Quadratmeter und Jahr. Und diese Vereine haben dann zwei Aufgaben zu erfüllen. Einerseits müssen sie schauen, dass die Sportanlage in Schuss bleibt. Und das Zweite ist: Sie sollten natürlich ihre gesellschaftliche Verantwortung erfüllen, die wir ihnen als Stadt vorgeben, indem wir sagen: Okay, du kriegst diese Anlage günstig, aber dafür musst du halt schauen, dass du dich um Jugendliche kümmerst, dass Bewegung gemacht wird! Der Gesundheitsaspekt, der soziale Aspekt sind natürlich im Sport und besonders auch im Fußballsport in den großen Bezirken ganz wichtig. Aber auch immer mehr und immer wichtiger ist - auch das ist eine wichtige Entscheidung - die Förderung von Frauensport. Und ich kann Ihnen nur sagen, ich schaue mir sehr, sehr viele Plätze an. Ich war am Wochenende auf vier Fußballplätzen, was schlecht für mich ist, weil ich natürlich dann immer eine Schnitzelsemmel essen muss und dann vielleicht in der Kantine noch sitzen bleibe. Aber auf der anderen Seite - und ich habe wirklich alle Sportanlagen, alle Fußballanlagen, in Wien öfters besucht, ja - rede ich, wenn ich dort bin - ich schaue mir das Match nicht nur an, sondern ich quatsche natürlich mit den Leuten -, natürlich auch mit den Pächtern und mit den Vereinsobleuten, wie es ihnen so geht, wie es so läuft. Und ich muss sagen, viele leisten wirklich großartige Arbeit, weil sie in Wahrheit größere Kosten und geringere Einnahmen haben. Das ist das Hauptproblem, das sie alle haben, und sie tun trotzdem weiter, kämpfen und beuten sich ehrenamtlich aus, und das ist der Grund, warum viele Vereine gerade noch überleben können. Die meisten machen wie gesagt ihre Arbeit auch recht gut. Es gibt aber leider auch einige, die das weniger gut machen. Die machen Folgendes: Die nehmen diese extrem günstig gepachteten Anlagen her, haben den Auftrag, dort Sport zu machen, Fußball zu machen, und denken sich, es ist gescheiter, andere Geschäftsmodelle zu verwirklichen, die mehr Geld bringen, indem sie halt die Anlage untervermieten, unterverpachten zum Beispiel, indem sie da halt andere Geschäftsfelder zulassen bis dorthin, dass es Sportvereine gibt, die ein Geschäftsmodell entdeckt haben, indem sie zum Beispiel Autoparkplätze am Fußballplatz, auf der Anlage, vermieten und sagen, das bringt ihnen eigentlich viel mehr, als wenn sie da vielleicht eine U 10 haben, für die sie einen Nachwuchstrainer machen müssen. Daher möchte ich sagen, hier müssen wir wirklich mutiger sein und viel, viel kritischer hinschauen. Ich sehe jetzt den StR Hacker nicht, aber ich weiß - und deswegen wollte ich auch noch einmal danke sagen -, er hat das zum Beispiel in einem konkreten Fall von einem Fußballplatz gemacht, bei dem sie sogar noch den Mut gehabt haben - das ist wirklich Chuzpe -, nicht nur die Autos dort gegen viel Geld stehen zu lassen, sondern die, die kurz stehen geblieben sind, abschleppen zu lassen und noch 300 EUR zu verlangen. Die haben das als Geschäftsmodell gemacht. Daher finde ich es wichtig, dass wir auch mutig sind und sagen, dass es bei Dingen, die wir nicht wollen, auch eine Sanktion gibt. Jetzt spreche ich konkret natürlich auch die MA 51 an, die ja quasi Hüterin dieser Verträge ist und neue Verträge immer wieder abschließt oder verlängert. Da muss man einfach sagen: Leute, wir haben einen Auftrag. Diese Plätze werden mit viel Geld gefördert. Wenn jemand das nicht erfüllt, wenn jemand glaubt, er muss da - keine Ahnung; Gebetsstätten hatten wir schon am Ankerbrotplatz zum Beispiel - etwas anderes machen als Sport und damit Geld verdienen, dann muss man dem einen Riegel vorschieben. (Beifall bei den GRÜNEN.) Und die Kritik - und das muss man sich auch anschauen - betrifft natürlich auch die einzelnen Verbände. Die meisten Verbände leisten wie gesagt sehr, sehr gute Arbeit. Manchmal habe ich das Gefühl, dass man es vielleicht noch ein bisschen besser machen könnte, auch beim Fußballverband. Obwohl das meine Sportart ist, möchte ich da schon auch einmal ein kritisches Wort sagen. Wie ihr seht, ist das der Verband, der mit Abstand die größte Förderung bekommt. Heute beschließen wir - ich weiß es gar nicht - 550 000 EUR, und dann gibt es noch die Jugendförderung. Ich weiß, was bei den Vereinen ankommt, und das ist leider ein Bruchteil. Das heißt, da geht noch sehr viel in die Verbandsarbeit selber. Man ist mit sich selbst beschäftigt, schafft es vielleicht auch zu wenig, neue Sponsoren und neue Mittel zu bekommen, aufzutreiben, verwendet das Geld quasi dazu, sich selbst zu erhalten, und die, die es eigentlich brauchen, werden dann oft im Regen stehen gelassen und leiden darunter. Ich möchte auch ganz konkrete Beispiele sagen, bei denen ich echt das Gefühl habe, dass Vereine, die ehrenamtlich gute Arbeit leisten, vielleicht wirklich ein bisschen mehr Unterstützung bräuchten, als sie derzeit bekommen. Ich fange vielleicht gleich bei den Beispielen an, die genannt worden sind. ASV 13, Kollege Gorlitzer, ich weiß nicht, ob du das weißt: Das sind zwei Plätze, und nur der hintere Platz gehört der Stadt Wien, also der Kunstrasenplatz hinten, wo man über die Straße gehen muss, und der ist einem Topzustand. Bei dem haben wir auch forciert, dass das gemacht wird. Was nicht passiert, ist das beim Platz vorne. Der gehört nicht der Stadt Wien, Eigentümer ist der ASVÖ in dem Fall, und warum die das nicht machen, ist mir ein Rätsel, weil die auf der anderen Seite auch heute wieder Förderungen von uns bekommen, um solche Dinge zu machen. (GR Mag. Dietbert Kowarik: Das geht sich aber nicht aus!) - Ja, aber sie gehen es seit Jahrzehnten nicht an, sie machen es einfach nicht. Aber es ist jetzt keine Geschichte der Stadt Wien, um das ganz konkret zu sagen. Zum Postsportplatz möchte ich vielleicht auch noch etwas sagen. Die Kollegin - wo ist sie jetzt? Sie ist gar nicht mehr da, okay -, die Frau Hu, ist gar nicht mehr da? - Nein? Okay. Ich war überrascht, dass die Kollegin weiß, was da passiert, weil ich es noch nicht weiß. Und wir haben uns auch - Peter Kraus, Judith Pühringer, wir waren zu viert - mit den Postvertretern getroffen. Es gibt dort Ideen, aber einen Plan gibt es noch nicht. Es gibt einfach noch keinen Plan, um das jetzt konkret zu sagen. Und auch zu den zwei Anträgen die heute von der Regierung und von euch gestellt werden: Ja, klar werden wir denen zustimmen, weil es so No-na-Anträge sind. Ja eh, wir wollen alle mehr Sport. Nur, sich hinzustellen und zu sagen wir können nichts tun, stimmt auch nicht ganz. Weil wer ist verantwortlich dafür, dass Grundstücke gewidmet werden? Wer macht das? - Das macht weder die Post, noch der Postverein. Das machen schon noch wir da. (Beifall bei den GRÜNEN.) Also wir hätten sehr wohl auch Möglichkeiten, dass wir durch die Widmung ganz konkret sagen, wo wir Sportflächen wollen und wo wir halt Bauwidmungen wollen oder auch nicht. Das ist unsere Entscheidung, ja. Das will ich nur gesagt haben. Also zu sagen, wir haben da überhaupt keinen Einfluss, stimmt auch nicht ganz. (Zwischenruf von GR Markus Ornig, MBA.) - Ja eh. Deswegen finde ich bei diesem Antrag, es wäre gescheiter, dass man sich hinsetzt und sagt: Wie hätten wir es gerne? Wie würden wir uns die Widmung aussuchen? - und eine Widmung beschließen. Ja, das könnten wir ja machen. Weiters möchte ich einen Verein nennen, der mich sehr betrifft: die Wiener Viktoria. Ich sehe ja auch, wie teilweise Ungleichgewichtung in dieser Verteilung der Förderung passiert. Wir haben heute über den Sportclub-Platz sehr viel gesprochen, und ja, wir sind alle Sportclub-Fans, ich auch. Aber fairerweise muss man sagen, dort sind 25 Millionen insgesamt hineingeflossen, die der Sportclub bekommen hat, für einen Verein, der das in Vergangenheit nicht immer ganz toll gemacht hat, um es jetzt so zu sagen, und der ja auch jetzt nicht die große Anzahl an Mannschaften hat und der sich sehr dem Leistungssport ... Vom Sportclub werden Kinder auch weggeschickt, da sagt einem einer: Du spielst zu schlecht Fußball. Der kriegt aber 25 Millionen von uns, ich möchte es nur gesagt haben. Auf der anderen Seite erlebe ich Vereine wie zum Beispiel Süßenbrunn. Ich war am Wochenende in Süßenbrunn. Ich habe gesagt, ich war am Wochenende bei vier Anlagen, aber auch in Süßenbrunn. Ja, wir haben sehr viel Geld investiert, um Spitzenvereine zu unterstützen - ich habe ja gesagt: Sportclub - aber das in Süßenbrunn ist eine Anlage, die eine Traditionsanlage ist, der Verein ist ein Traditionsverein. Die Anlage wurde dem Verein weggenommen, Betreiber dieser Anlage ist jetzt der FAC, ein Bundesligaverein. Okay, soll so sein. Obwohl der eh mehrere Anlagen hat, hat er jetzt auch in Süßenbrunn eine Anlage. Okay, soll so sein. Aber der Verein Süßenbrunn ist jetzt Untermieter von diesem FAC, und die Kosten wurden vom FAC in die Höhe geschraubt, sodass der jetzt 20 000 EUR Pacht im Jahr zahlen muss bei einem Gesamtbudget von 30 000 EUR. Also der Obmann - ich habe lange mit ihm und mit den Verantwortlichen geredet - hat mir klipp und klar gesagt, sie haben einen Nachwuchs - also dort wird Nachwuchs sogar forciert -, drei Us. Die müssen jetzt überlegen, ob sie zusperren, weil es sich hinten und vorne nicht ausgeht. Und da müssen wir schon mutiger sein und uns überlegen: Ist es wirklich gescheit, dass wir nur große Vereine und die großen Anlagen unterstützen? Bitte vergessen wir da nicht die Kleinen! Ich möchte jetzt meinen Verein noch einmal zum Schluss nennen: die Wiener Viktoria. Wir haben eine kleine Anlage in (StR Peter Kraus, MSc: Meidling) - Meidling, danke -, einen kleinen Kunstrasenplatz, 24 Teams inklusive Special Needs Teams und aller Us mal zwei, mal drei - ich weiß nicht, wie viele Kinder wir mittlerweile haben -, Frauenteam, Mädchenteams, alles. Wir haben uns auf einer Anlage beworben, die die MA 51 selbstverwaltet, der Eibesbrunnergasse, die für die MA 51 fast 1 Million EUR Steuergeld verschlingt, wo wirklich wenig Fußball auf fünf Fußballplätzen betrieben wird. Wir sind drei Jahre hingehalten worden und haben jetzt eine Absage bekommen, die ich bis heute nicht verstehe, dass der Fußballverein, der wirklich am meisten tut oder sehr viel tut, null EUR Finanzierung bekommt. Das heißt abschließend noch einmal: Ich sage danke. Ja, es ist viel Gutes passiert. Auf der anderen Seite bitte ich wirklich, dass wir uns trauen, hinzuschauen, dass wir auch Dinge, die suboptimal laufen ..., in die Verpachtungsverträge hineinschauen, uns auch überlegen, was wir wirklich wollen, wenn wir was fördern. Da müssen wir viel mutiger sein, und ich hoffe, dass wir das in Zukunft auch sind. - Danke auf jeden Fall. (Beifall bei den GRÜNEN.) Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abg. Stark. GR Harald Stark (FPÖ): Sehr geehrte Frau Vorsitzende, sehr geehrte Frau Berichterstatterin, werte Kolleginnen und Kollegen! Sport ist Gemeinschaft, Sport ist Unterhaltung, Sport ist Freizeitbeschäftigung, Sport ist Gesundheit. All das sind wohl die Gründe, warum wir hier im Gemeinderat Förderungen und Unterstützungen im Sportbereich parteiübergreifend so gut wie immer einstimmig genehmigen. Nicht jede Förderung ist perfekt oder zu 100 Prozent treffsicher, daher diskutieren wir zumindest intern manchmal auch länger, dies beispielsweise bei einem finanziellen Zuschuss zur Erneuerung eines Sporthallenbodens, weil dann auch die Mieter um eine Förderung angesucht haben, da die Sporthallenmiete gestiegen ist. Wir sind grundsätzlich der Meinung, dass unterstützte Investitionen nicht auf die Mieter abgewälzt werden sollen. Trotzdem haben die positiven Aspekte überwogen, sodass auch bei diesen Anträgen Einstimmigkeit geherrscht hat. (Beifall bei der FPÖ.) Wir hoffen jedoch, dass ähnliche Förderungsüberschneidungen in Zukunft anders gehandhabt werden. Was die Zukunft betrifft, wünsche ich mir eine verstärkte Sichtbarkeit von geförderten Sportvereinen im öffentlichen Raum, denn wir sehen auch an den Gesundheitsdaten, dass die Sportbegeisterung zurückgeht. Wir haben daher einen Antrag eingebracht, den ich kurz verlesen darf: Der Gemeinderat fordert den amtsführenden Stadtrat für Soziales, Gesundheit und Sport auf, ein Konzept zu entwickeln, wonach geförderte Sportvereine verpflichtet werden, an öffentlichen Orten, wie Parks oder Spielplätzen, regelmäßig Schnuppertage abzuhalten. In formeller Hinsicht wird die sofortige Abstimmung dieses Antrags verlangt. (Beifall bei der FPÖ.) Wenn Sie von der SPÖ und Sie von den NEOS den Imkern in Burkina Faso Geld schicken, dann ist dieses am Ende des Tages für die Wienerinnen und Wiener verloren. Im Bereich der Sportförderung können wir aber dafür sorgen, dass die Steuerzahlerinnen und Steuerzahler auch einen Nutzen aus den von ihnen finanzierten Förderungen ziehen, indem sie die Vereine im öffentlichen Raum kennenlernen können. Pensionisten sind nicht zu alt, um etwas Neues auszuprobieren, und können ihre neu gewonnene Freizeit auch mit Sport füllen. Vereine können im Park Jugendliche aktiv ansprechen und zu Bewegung animieren, um die Bildschirmzeiten zu verkürzen, denn im Fußballkäfig muss ja nicht immer Fußball gespielt werden, und Neues ist immer reizvoll. Wir haben auch immer mehr Kinder, die an Adipositas leiden. In Wien sind 33 Prozent der Burschen und 25 Prozent der Mädchen übergewichtig. Auch diesen könnte man zu mehr Bewegung verhelfen, indem ihnen erreichbare Ziele und Sportarten, die auch ihnen Spaß bereiten, aufgezeigt werden, zum Beispiel, wie sie mit Körperspannung ihre Wasserbombe vom Sprungturm verbessern können oder welche coolen Sprünge es noch gibt. Ich habe auch schon einige Gespräche über Sport und Leistungssport mit unserem Gemeinderatsvorsitzenden Reindl geführt, der gemeint hat, gerade beim Football ist es so, dass man nicht nur die schnellen Sprinter braucht, sondern auch die festen Blocker in der Defense. Wenn ich an den Tag des Sports auf dem Heldenplatz denke: Rugby, Lacrosse, Bobfahren, Rodeln, im Bereich der Leichtathletik Hammerwerfen, Kugelstoßen. Wien hat so viele Vereine, so viele Möglichkeiten. Wir sollten sie daher besser nutzen. (Beifall bei der FPÖ.) Und neben dem Bekanntmachen der eigenen Sportart können die Vereine auch neue Mitglieder anwerben - also eine klassische Win-win-Situation für alle. Im Optimalfall entwickelt sich das Konzept in den nächsten Jahren dahin, dass jede Wienerin und jeder Wiener weiß, in seinem Lieblingspark oder im Park im Bezirk findet beispielsweise jeden Mittwoch ab 15 Uhr ein Vereinsschnuppertraining statt. Das Ziel ist also, aus dem großartigen einmaligen Tag des Sports auf dem Wiener Heldenplatz einen Wochentag des Sports für die Wienerinnen und Wiener sowie alle Sportvereine zu schaffen und Wien zur tatsächlichen Sporthauptstadt zu machen. Ich bitte daher um Zustimmung zu unserem Antrag. (Beifall bei der FPÖ.) Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abg. Vasold GRin Mag. Stefanie Vasold (SPÖ): Danke, Frau Vorsitzende! Sehr geehrte Kollegen und Kolleginnen! Ja, wie es scheint, haben wir nicht nur die nationalen Sommerspiele der Special Olympics heuer in Wien, was mich natürlich sehr freut, sondern auch hier am Rednerpult die Festspiele der Special Olympics. Auch das freut mich sehr, dass eigentlich quer durch alle Fraktionen heute auf dieses Thema eingegangen wurde. Ich darf das abschließend jetzt auch noch einmal tun. Vielleicht vorab doch ein paar Anmerkungen zum GR Löcker, der ja in verschiedenen Bereichen, was Inklusion und Barrierefreiheit betrifft - er ist leider nicht da; ich sage es trotzdem -, aufgezeigt hat, dass es Luft nach oben gibt. - Ja eh, es gibt Luft nach oben. Inklusion und Barrierefreiheit sind ganz sicher ein Prozess, der dauert und der uns auch vor immer neue Herausforderungen stellt, insbesondere wenn wir eben die ganz verschiedenen Bereiche, um die es da geht, und die ganz unterschiedlichen Gruppen, die auch sehr verschiedene Förderungen und Maßnahmen brauchen, mitdenken. Aber die Bilanz, die da dargestellt wurde, klingt schon so, als würde irgendwie alles im Argen liegen, was in Wien passiert. Sogar 300 Prozent mehr Lehrlinge bei der Stadt Wien scheinen in den Augen des Kollegen Löcker irgendwie ein Skandal zu sein. Wirklich, bei aller Selbstkritik - und da stehe ich nicht an, zu sagen, natürlich gibt es Bereiche, in denen wir weitertun und besser werden müssen. Zeigen Sie mir eine Stadt in Österreich, zeigen Sie mir ein Bundesland, wo es nur annährend solche Angebote gibt, wie wir sie für Menschen mit Behinderungen in Wien haben, nämlich quer durch die Bank! (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Was finanzielle Förderungen betrifft, erlaube ich mir, noch einmal darauf hinzuweisen, wenn die GRÜNEN sich sehr darüber empören, dass es bei der Mindestsicherung eine Reduktion der Extrazahlungen gibt, dass es Bundesländer gibt, wo die GRÜNEN mitregieren, wo es überhaupt keine Extrazahlungen gibt. Aber es geht auch darüber hinaus um vielfache Leistungen. Es geht um Fahrtendienste, um Mobilitätsangebote. Es geht um Bildungsmaßnahmen, um inklusive Plätze auch in Kindergärten. Auch das ist ein Thema, das wir heute noch diskutieren werden. Es geht aber auch um barrierefreie Infrastruktur im öffentlichen Raum und vieles andere mehr. Alles das führt nicht nur dazu, dass uns die EU-Kommission letztes Jahr mit dem Access City Award ausgezeichnet hat, sondern auch dazu, dass wir erleben, dass es gar nicht so wenige Menschen mit Behinderungen gibt, die von den Bundesländern nach Wien ziehen, weil es eben hier Unterstützungsangebote und Möglichkeiten für ein selbstbestimmtes Leben gibt, die sich in ganz Österreich wirklich suchen lassen müssen. Vielleicht zurück zum Akt: Was wir jetzt konkret in dem Akt beschließen, ist ja eigentlich nicht die Finanzierung der Special Olympics. Auch die fördert die Stadt Wien mit über 800 000 EUR, also es ist durchaus ein großer Betrag, der da hineinfließt. Aber jetzt in dem Akt geht es um die Förderung des Wiener Landesverbandes der Special Olympics, und das ist quasi die Basis dafür, dass auch diese Sommerspiele so stattfinden können. Der Landesverband bietet über das ganze Jahr ganz vielfältige Möglichkeiten zum Training, zum Schnuppern, zum Mitmachen in allen möglichen Sportarten an, für Kinder und Jugendliche, aber auch für Erwachsene mit intellektuellen Beeinträchtigungen. Ein Projekt, das man vielleicht nennen kann, ist der Solidaritätsrun, der jeden Herbst stattfindet. Da möchte ich Sie gern einladen, vorbeizukommen. Das sind wirklich schöne und tolle Veranstaltungen. Das Budget mit den 35 000 EUR, die wir für den Wiener Landesverband beschließen, macht 70 Prozent des Gesamtbudgets aus. Also auch hier sieht man, dass die Stadt da durchwegs gewichtig für die Arbeit einsteht und das unterstützt. Und das führt dazu, dass eben über 300 Sportler und Sportlerinnen aus Wien auch an den nationalen Sommerspielen diesen Sommer teilnehmen werden. Es sind ganz viele Menschen, die da mit Engagement und mit Herzblut über das ganze Jahr sich für Sportmöglichkeiten, für Bewegungsmöglichkeiten für Menschen mit und ohne Behinderungen einsetzen. Zu den Special Olympics Sommerspielen haben wir schon vieles gehört. Ich wiederhole es vielleicht nicht, aber ein Hinweis auch noch einmal zu den Sportstätten. Da ist, glaube ich, wirklich auch im Bereich von Inklusion und Barrierefreiheit was gelungen, das sich nicht nur in der Sport Arena, die eine wichtige Veranstaltungslocation, ein Ort sein wird bei den Special Olympics, sondern eigentlich wirklich quer durch die Stadt zeigt. Also auch im Sport, glaube ich, kann man unser Bestreben und die Bemühungen, was Inklusion und Barrierefreiheit betrifft, wirklich herzeigen. Es sind 1 800 Sportler und Sportlerinnen, es sind 600 Trainer und Trainerinnen, und es sind 800 Helfer und Helferinnen. Da werden übrigens auch noch Menschen gesucht, vielleicht sowohl in diesen Reihen - bei der Begeisterung für die Special Olympics - als auch darüber hinaus, die sich vorstellen können, als Streckenposten mitzumachen, als Unterstützung bei den Siegerehrungen, als was auch immer. Man kann sich immer noch auf der Homepage dafür anmelden. Es wäre schön, wenn das Bekenntnis zu diesen Special Olympics nicht nur eines am RednerInnenpult ist, sondern eben dann auch wirklich bei der Veranstaltung selbst stattfindet. Auch die Sommerspiele sind mehr als ein Event Ende Juni. Sie sind auch eine Vorlage, ein Modellprojekt, wie zukünftige Großevents inklusiv und barrierefrei stattfinden können. Sie wissen, wir machen das nicht nur im Sport, sondern zum Beispiel auch beim Song Contest, der heute auch schon angesprochen worden ist. Auch hier gibt es einen ganz großen Schwerpunkt darauf, diese Veranstaltung inklusiv und so barrierearm wie möglich zu organisieren, damit es eben auch für so viele Menschen wie möglich machbar ist, daran teilzunehmen. Zusammenfassend: Die Special Olympics - ich glaube, da sind wir uns ja einig, wenn man den Reden heute zugehört hat - sind eine tolle Veranstaltung. Es geht um Emotionen, um Anerkennung, um Teilhabe, um Selbstvertrauen, um Teamgeist, darum, sich zu begegnen und sozusagen abseits von Konflikten miteinander etwas zu tun. Deshalb freut es mich, dass wir das heute beschließen. Es freut mich, dass da sichtlich alle Fraktionen dabei sind, und ich freue mich auf wunderbare nationale Sommerspiele im Juni in Wien. Weil alle sind anders, und alle sind gleich. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau StRin Nittmann. StRin Mag. Ulrike Nittmann: Sehr geehrte Frau Vorsitzende, sehr geehrte Frau Berichterstatterin, werte Kollegen! Ich möchte mich bei der Debatte nur zu einem Thema einklinken - und zwar ist das der Beschlussantrag der SPÖ zum Postsportplatz. Die ÖVP hat auch einen diesbezüglichen Antrag eingebracht. Und das ist mir als Hernalserin wirklich ein Herzensanliegen, weil wir von der FPÖ Hernals aber auch hier in der Gemeinde schon lange aufzeigen - eigentlich muss man sagen, seit es ruchbar ist -, dass das mit dem Postsportverein ein Ende nimmt und es zu Friktionen zwischen Liegenschaftseigentümer Post AG und dem Postsportverein kommt. Der Beschlussantrag der SPÖ sagt, dass sie sich ausdrücklich für eine gemeinwohlorientierte Nutzung ausspricht. Das finde ich sehr richtig und sehr gut. Die Kollegin von den NEOS hat dann noch ergänzt, dass man sich natürlich für den Erhalt der Sportstätte ausspricht. Da haben ein bisschen bei mir die Alarmglocken geläutet, weil wir eine aufrechte Widmung, eine Sportstättenwidmung, haben. Und da stellt sich für mich gar nicht die Frage, ob Sie sich für den Erhalt der Sportstätte aussprechen, weil das im Umkehrschluss bedeuten würde, dass Sie daran denken, da vielleicht Umwidmungen vorzunehmen. Also das hätte ich gerne nur klargestellt gewusst, aber die Kollegin Seidl von der SPÖ wird nach mir sprechen und wird mir sicher beantworten, ob es da Überlegungen gibt, dass man vielleicht, die Sportstätte in Bauwidmung oder wie auch immer, weil das die Post AG so gerne hätte, andenkt. Also mit uns wird es das sicher nicht geben, aber ich bin schon gespannt, was die SPÖ dann zu dem Thema sagt. Da halte ich es schon sehr mit dem Hans Arsenovic. Zu sagen, als SPÖ hat man eigentlich wenig damit zu tun, weil der Liegenschaftseigentümer die Post AG ist und der Postsportverein halt ein Pächter ist: Pfft! Schauen wir einmal! Die schreiben das aus, und alles wird halt irgendwie werden! - Nein, das sehe ich natürlich nicht so. Weil eines muss man sagen: Wenn die SPÖ in Wien etwas möchte, dann passiert das. Also wirklich da zu sagen: Da habe ich überhaupt keinen Einfluss! Na, mit wem soll ich da ein Gespräch führen? Das ist alles für uns überhaupt kein Thema, und die Dinge werden kommen, wie sie kommen! - Man könnte Gespräche mit der Post AG führen, ja. Ich habe mit dem StR Hacker das Thema auch schon besprochen. Ich bin ihm sehr dankbar, dass er mir zugesagt hat, dass es im Mai auch einen Termin mit dem Postsportverein geben wird. Und ich sage das ganz explizit, weil ich sage, es gibt den Postsportplatz aus unserer Sicht nicht ohne den Postsportverein. Ich weiß, dass das bei der SPÖ ein bisschen anders gesehen wird. Ihr redet von internationalen Ausschreibungen, und dann werden wir einmal schauen, wer sozusagen das beste Angebot ... Die Frage ist immer: Das beste Angebot wofür? Das beste Angebot für den Sport? Das beste Angebot für die Eltern, für die Kinder, für die Jugendlichen, die dort ihre Kindheit in ihrer Heimat verbringen? Oder das beste Angebot für jemanden, der einen wirtschaftlichen Nutzen daraus zieht? Und das sehen wir komplett anders. (Beifall bei der FPÖ.) Und ich sage auch zu dem Thema, dass die SPÖ es natürlich in der Hand hat. Ich meine, wir haben einen Bezirksvorsteher von der SPÖ, von dem ich weiß, dass der natürlich den Erhalt der Sportstätte vollumfänglich unterstützt, so wie alle im Bezirk vertretenen Parteien. Auch dort haben wir unzählige Anträge eingebracht. Also da gab es auch nie eine Gegenstimme, ja. Da gab es auch ... (Zwischenruf von GRin Mag. Alice Seidl, BA.) - Ja, gemeinsam. Ich glaube, es ist unstrittig, dass wir im Bezirk den Erhalt dieser Sportstätte unbedingt wollen, aber nicht nur den Erhalt dieser Sportstätte, sondern es geht auch um den Postsportverein, ja. Darauf komme ich noch zurück. Jetzt haben wir einen Bezirksvorsteher von der SPÖ, jetzt haben wir einen Stadtrat von der SPÖ, der für Sport zuständig ist - er geht, weil das nicht ganz so sein Thema ist -, und dann haben wir einen Sportminister Babler von der SPÖ. Dass es der mit dem Sport nicht so hält, wissen wir. 300 000 EUR für Beachvolleyball werden so mir nichts, dir nichts gestrichen, damit ZARA weiter unterstützt wird. (GRin Dipl.-Ing. Selma Arapovic: Dieses Ausspielen ist so typisch FPÖ! Wirklich!) Also da sieht man natürlich, wo die Prioritäten bei der SPÖ sind, ja. Und deshalb ist es für uns so wichtig - und da lassen wir auch nicht locker -, dass diese Sportstätte so, wie sie jetzt ist, in der Widmung, wie sie jetzt vorhanden ist, unstrittig sein muss. Es stellt sich vielmehr die Frage, ob man nicht eben als derjenige, der die Instrumente der Widmungen in der Hand hat, ob wir hundert Personen hier uns was überlegen: Wie könnte man denn die Post AG dazu bewegen, diese Sportstätte so zu betreiben, wie wir es als Stadt Wien gerne möchten, als gemeinnützigen Verein, der Randsportarten eine Heimat gibt, der 5 000 Mitgliedern eine Heimat gibt - wobei wir wissen, fast 40 Prozent davon sind Kinder -, der Ersatz für viele, sage ich, nicht so ideal ausgestattete Turnsäle in der Gegend ist? Das heißt, dieser Postsportverein hat eine extrem wichtige Aufgabe hier in Hernals. Er betreibt die mit 15 Hektar österreichweit größte Sportstätte. Das ist die größte Sportstätte Österreichs. Den Postsportverein gibt es seit hundert Jahren, und der ist eng mit dieser Sportstätte verwoben. Und ich finde es - wie soll ich sagen? -, ja, ganz schwierig, dass man jetzt sagt: Na ja, hundert Jahre! Was sind schon hundert Jahre? Es kommt ein neuer, und schauen wir, welcher Sportbetreiber, nicht gemeinwohlorientiert, weil es sich ja rechnen muss, da kommt! Wenn die Stadt Wien oder die SPÖ mir sagt, sie können der Post AG keine Auflagen erteilen, sind das ja nur leere Worte. Da sagt man, das hätten wir alles gern. Also wenn die SPÖ - und das weiß sie - die entsprechenden Hebel hat, um mit Grundeigentümern zu reden und mit Grundeigentümern entsprechende Vereinbarungen abzuschließen, damit das durchgesetzt wird, was sie will, und damit diese Sportstätte so betrieben wird, wie es die SPÖ will, kann mir das keiner erklären. Und da fehlt es mir an einem klaren Bekenntnis der SPÖ, einem klaren Bekenntnis zu dem Postsportverein. (Beifall bei der FPÖ.) Und der Postsportverein: Wir haben selber Kontakt zu dieser Initiative "Rettet den Post SV" gehabt. Die stecken unglaublich viel Expertise und Herzblut seit Monaten in dieses Projekt. Richtig ist, dass es in der Vergangenheit schwierig war, einen Termin zu bekommen, um einmal die Situation darzulegen. Die kommen ja nicht nur und sagen einfach: Wir wollen da weiter bleiben, und wir liefern nichts! Ganz im Gegenteil, die haben sich unglaublich viele Gedanken darüber gemacht: Wie kann man diese Sportstätte zukünftig entwickeln, sodass die Randsportarten weiter gesichert sind, der Leistungssport weiter gesichert ist? Und vor allem, was ganz wichtig ist, hat sich der Verein Gedanken darüber gemacht hat: Wie kann man eine adäquate Finanzierung aufstellen? Und da finde ich es schwierig, wenn man Leute, die neben ihrem Hauptberuf sich derartig viel antun, eigentlich abschasselt, ja. Und wahrscheinlich erst durch diesen massiven Druck, der über soziale Kanäle gegangen ist, aber auch, sage ich, über Anträge aus der Opposition, hat sich die SPÖ jetzt bereit erklärt, wie gesagt im Mai einen Termin mit dem Postsportverein abzuhalten. Und ich finde es schade, dass es solcher Initiativen bedarf und dass die Stadt Wien selber so wenig Wert darauflegt, dass diese riesengroße Sportstätte - wie gesagt: die größte Sportstätte in Österreich -, die so vielen Kindern und Jugendlichen Heimat gibt ... Und ich glaube, jeder dritte Wiener, den man anredet, hat einen Bezug zu dem Postsportplatz, weil es einfach das größte Areal ist. Und dass man das so schleifen lassen hat, finde ich, ist eigentlich ein Skandal. (Beifall bei der FPÖ.) Und wie gesagt, der Postsportverein ist eben nicht nur irgendein Verein wie vielleicht viele andere, sondern ich finde, das ist ein Verein, den es seit hundert Jahren gibt, der viele Hundertausende oder Millionen in der Vergangenheit auch in die Entwicklung des Sportplatzes investiert hat, natürlich in letzter Zeit weniger, weil ja auch sozusagen die Zukunft des Vereines ungewiss war. Aber genau deshalb sagen wir - und wir unterstützen selbstverständlich die Anträge, die da gestellt wurden; aus unserer Sicht gehen sie nur nicht weit genug - ganz klar - ich sage nicht, Erhalt des Postsportplatzes, weil das für mich überhaupt nicht zur Diskussion steht - Ja zum Postsportverein, Ja zu den Sportflächen. Wir sind gegen eine schleichende Verbauung. Ich möchte schon darauf hinweisen, dass ich es eigentümlich finde, dass die SPÖ jetzt mit diesem Antrag kommt. Aber wahrscheinlich hat sie gesehen, dass der politische Druck über diese Initiative "Rettet den Post SV" so groß war, dass sie nicht mehr auskommt. In der Vergangenheit war es immer nur die Opposition, die darauf hingewiesen hat, dass hier dringender Handlungsbedarf besteht. (Beifall bei der FPÖ.) Und wie gesagt, das, was wir wollen, sind keine unverbindlichen Bekenntnisse. Wir wollen ein ganz klares Bekenntnis des SPÖ haben - und ich bin gespannt, was mir die Kollegin aus dem Bezirk dann sagen wird -, nämlich auch ein klares Bekenntnis nicht nur zur Sportstätte an sich, sondern auch zum Postsportverein, zur Absicherung der gemeinwohlorientierten Führung dieser Sportflächen, zu einer Zusage zur Nutzung für die Schulen, für die Kinder, für den Breitensport, aber auch für den Randsport. Der Postsportplatz muss Sportplatz bleiben, und der Post SV muss bleiben. Ich möchte da mit einem Zitat schließen, das nicht von mir stammt, sondern von einer der engagierten InitiatorInnen der Initiative "Rettet den Post SV", die da sagt - und ich finde, das bringt es total auf den Punkt: Der Postsportverein gehört zum Postsportplatz wie das Riesenrad zu Wien. (Beifall bei der FPÖ.) Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abg. Schütz. GRin Angela Schütz, MA (FPÖ): Frau Vorsitzende, Frau Berichterstatterin, werte Kollegen, liebe Zuhörer! Es ist heute schon sehr viel zum Sport gesagt worden. Einigem kann man wortlos zustimmen, und man kann nur sagen, dem ist nichts hinzuzufügen, aber es gab auch viel Beweihräucherung. Ich möchte einmal etwas ganz klar festhalten: Die Förderungen für den Behindertensport sind gut, und sie sind wichtig. Sie stehen für Inklusion, für Respekt und für die Sicherheit von Menschen mit Behinderung in unserer Gesellschaft. Das ist etwas, was wir als Gesellschaft zu unterstützen haben und auch unterstützen müssen. Jetzt haben wir die Gelegenheit, die Special Olympics in Wien abzuhalten, und daher sehe ich es eigentlich auch als Notwendigkeit an, dass wir in diesem Fall auch bei Förderungen nicht sparen sollten. Jetzt gibt es die Förderung für den Wiener Behindertensportverband. Die geht zu einem großen Teil in den Breitensport, die geht in die paraolympischen Disziplinen, aber sehr, sehr wenig geht in den Bereich der Special Olympics. Die bleiben nämlich immer wieder bei allen Förderungen auf der Strecke. Da gibt es Projektförderung oder etwas aus dem Titel der Inklusion, aber nicht wirklich Förderungen. Und ich habe mir auch die Mühe gemacht, die Gesamtförderungen des Bundes anzuschauen: Da ist es genauso, ja. Es wird der Spitzensport gefördert, und die Paralympics sind Spitzensport. Die bekommen Geld, die bekommen Sponsoring, die bekommen Förderungen, aber die Special Olympics kriegen nicht wirklich viel in diesem Bereich. Die werden hauptsächlich aus der Sozial- und Inklusionsförderung gesponsert, aber nicht so viel wie alle anderen in diesem Bereich. Wir erkennen aber den besonderen Wert dieser Veranstaltungen, besonders für die Athleten und auch für die Familien, die sich mit großem Engagement dafür einsetzen. Sie sind stolz, da gibt es Freude, da gibt es Spaß, und das ist natürlich auch ein wichtiger Bestandteil neben einer Leistung. (Beifall bei der FPÖ.) Wir werden natürlich, so wie wir es im Ausschuss auch gesagt haben, dieser Förderung zustimmen. Wir finden es aber beschämend. Wir haben hier 35 000 EUR wie 2025 für ein Jahr, in dem die Special Olympics in Wien ausgerichtet werden. Das ist einfach wenig. (GRin Mag. Stefanie Vasold: Die sind aber extra finanziert mit 800 000 EUR!) - Ja, das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Wir reden von der Sportförderung für den Landesverband, ja, und das sind 35 000 EUR. Auch die haben mehr Aufwand in einem Jahr, in dem in Wien die Special Olympics stattfinden. Das eine ist das Event, und das andere ist die Förderung für die Organisation. Wir haben davon gehört: 6,7 Millionen Athleten, 170 Länder, die daran teilnehmen. Da wird Leistung erbracht, da ist Freude dahinter, da ist Engagement dahinter, da ist Aktivität dahinter, und da sind sehr viel Stolz und natürlich auch Anerkennung ein ganz wichtiger Punkt, den man nicht vergessen soll. Wir haben 6 500 Schüler mit sonderpädagogischem Förderbedarf in 720 Schulklassen, und ich würde mir schon wünschen, dass man da auch ein bisschen mehr fördern würde. Aber was man nicht vergessen soll: Die Sportförderung ist das eine. Wir haben es aber heute auch schon einmal gehört. Wir brauchen auch dauerhaft nachhaltige Verbesserung im Alltag bei diesem Thema. Wir brauchen vermehrt barrierefreie Infrastruktur, wir brauchen bessere Betreuungseinrichtungen, ausreichend Personal im Pflege- und Sozialbereich, echte Entlastung für die betroffenen Familien, wir brauchen echte Sportförderung für alle und nicht nur für Spitzensportler, und all das sollten wir hier nicht vergessen. Es ist schon so - und ich habe es schon kurz erwähnt: die Special Olympics werden immer wieder benachteiligt, ja. Sie sind aber auf diese Förderung angewiesen, nicht nur auf Projektförderung. Sie würden es sich auch verdienen, einen fixen Bestandteil an Förderbeiträgen zu bekommen. Wir haben heute gehört, dass Sport ganz wichtig ist: die Bewegung, Sport für die Gesundheit. Das kann man nicht oft genug betonen. Wer Sport betreibt, bleibt sicher länger fit im Alter. Und wie gesagt: Auch da finde ich es halt sehr traurig, dass wir da nicht wirklich mehr Geld investieren und in die Hand nehmen. Was nützt ein großer internationaler Event, wenn im Alltag genau jene Menschen weiterhin mit Problemen kämpfen müssen, für die wir angeblich so viel tun, nämlich bei genau einem Event? Wir wollen daher einen anderen Zugang. Nicht nur Symbolpolitik und große Prestigeprojekte, sondern gezielte Hilfe da, wo sie tatsächlich benötigt wird! (Beifall bei der FPÖ.) Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abg. Seidl. GRin Mag. Alice Seidl, BA (SPÖ): Danke, Frau Vorsitzende! Sehr geehrte Frau Berichterstatterin, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Zuseherinnen und Zuseher via Livestream! In Wien gibt es ein breites Sportangebot und unglaublich viele Vereine, die dazu beitragen, dass Menschen in unserer Stadt Sport machen können. Einer dieser Vereine ist der Postsportverein. Beheimatet ist er am Postsportplatz in Hernals, wie wir ja heute auch schon gehört haben, zumindest noch bis zum Jahresende 2027, denn die Post AG hat mit diesem Zeitpunkt den Pachtvertrag aufgekündigt. Die Post AG plant jetzt schon seit einigen Jahren, das Areal neu zu nutzen. Die ersten Pläne wurden dafür 2019 präsentiert. Da wurden dann Renderings veröffentlicht, da gab es dann eine eigene Homepage, einige Aussendungen. Da sind sehr umfangreiche Wohnbauten vorgesehen gewesen, und es wurde dann auch ein sogenannter Verständigungsprozess gestartet, der allerdings 2022 seitens der Post wieder gestoppt wurde. Letztes Jahr im Sommer hat die Post dann bekannt gegeben, dass sie das Projekt nun doch weiterverfolgen möchte. Neben den geplanten Wohnbauten soll es auch weiterhin eine Sportnutzung geben. Allerdings möchte die Post AG einen neuen Pächter im Wege einer EU-weiten Ausschreibung suchen. Der Pachtvertrag des Postsportvereines wurde dann eben mit Ende 2027 gekündigt, was nicht nur den Post SV hart trifft, sondern auch zahlreiche Vereine, die ebenfalls auf dem Postsportplatz trainieren, dort eingemietet sind, wie etwa den Gersthofer SV. Im Postsportverein trainieren rund 5 000 Mitglieder, davon etwa 2 000 Kinder. Sie alle könnten nun - vielleicht - bald ihren Sportplatz verlieren. Aktuell gibt es weder die angesprochene Ausschreibung, noch sind Details zu den Vorstellungen der Post AG bekannt. Nun kann sich natürlich der Post SV hier bewerben, er muss dann aber vielleicht mit kommerziellen Sportanbietern konkurrieren und hat dann natürlich auch das Risiko, diese Ausschreibung nicht zu gewinnen und am Ende ohne Sportplatz dazustehen. Inzwischen haben sich ja bekanntlich schon, glaube ich, fast alle Parteien dafür ausgesprochen, dass der Sport am Postsportplatz bleiben muss, dass der Post SV dort bleiben soll. Und es ist ja schön, wenn man sich da über die Parteigrenzen hinweg einmal einig ist. Wir haben daher heute auch einen Resolutionsantrag eingebracht. Der ist auch schon einige Male angesprochen worden, auch von der Hernalser Kollegin Nittmann. Es ist ein gemeinsamer Antrag, an dem schreiben am Ende ziemlich viele Menschen mit, und da einigt man sich auf Formulierungen. Da Sie es aber ganz klar von mir jetzt hören möchten: Meine persönliche Meinung ist, der Post SV der gehört auf den Postsportplatz. Er ist historisch betrachtet ein Betriebssportverein gewesen, eng verknüpft mit der Post, mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Post, mit deren Familien und natürlich auch mit diesem Gelände. Und jetzt zur Behauptung die SPÖ, wie es geheißen hat, habe erst jetzt Termine vergeben und das Problem erst jetzt erkannt: Da habe ich ein bisschen in meinen Kalender geschaut, und der erste Termin, den ich da gefunden habe, war der 20.2.2020, als ich bei einer BürgerInneninformationsveranstaltung in der Bezirksvorstehung dabei war. Der letzte Termin war ein runder Tisch, als Bezirksvorsteher Peter Jagsch einerseits die VertreterInnen der Initiative "Rettet den Post SV", andererseits die Post AG selbst, die MA 51, die MA 21 eingeladen hat, und da waren noch einige VertreterInnen mit dabei. (Zwischenruf von StR Stefan Berger. - StRin Mag. Ulrike Nittmann: Ja, aber ... abgelehnt!) Und da möchte ich wirklich den Vorwurf ein bisschen beiseite wischen, man habe das Thema erst jetzt entdeckt, weil das sicher nicht so ist. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Wer den Ball jetzt aber der Stadt Wien und dem StR Peter Hacker zuspielen möchte, macht es sich wirklich ein bisschen zu einfach. Es ist einfach so, dass der Postsportplatz im Eigentum der Post AG steht, und die steht wiederum zu 52,8 Prozent im Eigentum der ÖBAG und damit der Republik Österreich. Zuständiger Minister ist als ÖBAG-Eigentümervertreter Bundesminister Wolfgang Hattmannsdorfer. Da möchte ich vielleicht auch einen Wunsch in Richtung der ÖVP-Reihen richten. Sie haben da ja heute ebenfalls einen Resolutionsantrag eingereicht, Sie haben ein Video auf Social Media gestellt. Es wäre wirklich zielführend und wichtig, wenn Sie da auch direkte Gespräche mit Ihrem ÖVP-Parteikollegen führen könnten, einfach weil es in diesem Fall wirklich um die Sache geht. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Bis es aber so weit ist, bringen wir in der heutigen Sitzung folgenden Resolutionsantrag ein: Der Wiener Gemeinderat spricht sich ausdrücklich für die gemeinwohlorientierte Nutzung der Sportflächen am Postsportplatz aus und bekennt sich zu einem niederschwelligen Zugang zu Sport für alle Wienerinnen und Wiener. Die Sportflächen sollen auch bei etwaigen zukünftigen Vorhaben nicht reduziert werden und den Wienerinnen und Wienern zur Verfügung stehen. Ich ersuche um Ihre Zustimmung. - Danke schön. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Zu Wort ist niemand mehr gemeldet. Die Frau Berichterstatterin verzichtet auf das Schlusswort. Wir kommen damit zu den Abstimmungen und beginnen mit der Abstimmung über die Postnummer 26. Ich darf noch einmal bekannt geben, dass Herr GR Baxant sich für befangen erklärt hat, und ich darf jene Damen und Herren, die der Postnummer 26 ihre Zustimmung erteilen, um ein Zeichen mit der Hand ersuchen. - Das ist einstimmig. Wir kommen zur Abstimmung über die vorliegenden Beschluss- und Resolutionsanträge. Erster Antrag der FPÖ betreffend mehr Zugang zum Vereinssport für Wienerinnen und Wiener durch regelmäßige Schnupperstunden. Wer dem Antrag zustimmt, den bitte ich um ein Zeichen. - Das sind ÖVP und FPÖ gegen die Stimmen von SPÖ, NEOS und GRÜNEN. Antrag Nummer zwei betreffend Erhalt des Postsportplatzes für den gemeinnützigen Breitensport von den GemeinderätInnen der SPÖ und der NEOS. Wer dem Antrag zustimmt, den bitte ich um ein Zeichen. - Das ist einstimmig. Dritter Antrag der ÖVP betreffend langfristige Sicherstellung des Postsportplatzes. Wer dem Antrag zustimmt, den bitte ich um ein Zeichen. - Das sind ÖVP, FPÖ und GRÜNE gegen die Stimmen von SPÖ und NEOS, das ist somit nicht die erforderliche Mehrheit. Wir kommen zur Abstimmung über die Postnummer 27, zu der ich bekannt geben darf, dass Herr GR Worotynski sich für befangen erklärt hat. Wer der Postnummer 27 die Zustimmung erteilt, den bitte ich um ein Zeichen. - Das ist wiederum einstimmig.Und wir kommen damit zur Abstimmung über die Postnummer 28. Wer hier die Zustimmung erteilt, den bitte ich um ein Zeichen. - Auch das ist einstimmig so angenommen. Es gelangt nur mehr die Postnummer 1 der Tagesordnung zur Verhandlung. Sie betrifft die Genehmigung der Änderung der Förderrichtlinie zur Förderung inklusiver Betreuung sowie eines Rahmenbetrages für das Förderprogramm Förderung inklusiver Betreuung für die Jahre 2026 bis 2029, und ich darf den Herrn Berichterstatter, Herrn Abg. Poljak, ersuchen, die Verhandlung einzuleiten. Berichterstatter GR Nikola Poljak, BA, MA: Ich bitte um Zustimmung. Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Vielen Dank, Herr Berichterstatter. Ich eröffne die Debatte. Zu Wort gemeldet ist Herr Abg. Zierfuß, und ich erteile es ihm und darf um ein bisschen Ruhe im Saal ersuchen. Es ist schon jetzt sehr schwer, zu folgen. Herr Abgeordneter, bitte. GR Harald Zierfuß (ÖVP): Sehr geehrte Frau Vorsitzende, sehr geehrte Frau Stadträtin, Herr Berichterstatter, werte Kolleginnen und Kollegen! Wir werden dem heutigen Poststück zustimmen. Wir finden es gut, dass im Inklusionsbereich auch Privaten Geld zur Verfügung gestellt wird - das war jahrelang nicht der Fall -, und es ist auch gut, dass es jetzt erhöht wird. Vielleicht nur - und ich glaube, es werden die GRÜNEN auch noch darauf eingehen -, es gibt ja nicht nur im Bereich der Förderung für private Träger einiges an Unklarheit, sondern es ist ja auch in diesem Bereich so, dass uns Zahlen fehlen. Danach haben die GRÜNEN schon ein paarmal gefragt, wir haben auch schon nachgefragt - in Ausschusssitzungen, in Fragestunden, bilateral; ich glaube, schriftliche Anfragen habt ihr auch gestellt -, ob diese neue Förderung für Inklusionsplätze denn tatsächlich neue Plätze schafft oder ob bestehende Kinder Förderung erhalten. Auch das ist gut, keine Frage. Es ist gut, dass Kinder, die schon im Kindergarten sind, die Förderung bekommen, die sie brauchen, aber ein großes Problem sind ja die vielen Kinder mit Inklusionsbedarf auf der Warteliste, die keine Plätze bekommen. Und Sie haben uns bis heute keine Antwort geliefert, ob diese Förderung effektiv ist. Das finden wir schade. Liefern Sie die bitte endlich nach! (Beifall bei der ÖVP.) Unabhängig von dieser Förderung möchte ich auch noch auf Förderungen im Kindergartenbereich ganz allgemein eingehen. Und ich will ganz zu Beginn sagen, dass die meisten Partner im Kindergartenbereich der Stadt großartige Arbeit leisten, das mit Herz und Seele machen, es als Passion sehen und wirklich auch mit dem Geld, das sie zur Verfügung gestellt bekommen, schwer auskommen, weil sie jeden Cent dreimal umdrehen, damit Kinder die bestmögliche Ausbildung bekommen. Das sind viele. Ich möchte es betonen: Viele sind so. Es gibt aber gleichzeitig Betreiber, die ganz offenkundig Förderungen im Kindergartenbereich, im Kindergruppenbereich ganz besonders, in Wahrheit als ein Geschäftsmodell sehen, um sich selber zu bereichern, und wir werden nicht aufhören bis diese Betreiber endlich zusperren, ganz im Gegensatz zu den NEOS. Wir werden nicht locker lassen bis die endlich zu haben. (Beifall bei der ÖVP.) Und wenn Sie vorhin auf die Frage in der Fragestunde, Frau Stadträtin, gesagt haben, Sie können nicht garantieren, nicht bei Abendstern und generell auch bei keinem anderen Betreiber, ob das Geld wirklich bei den Kindern ankommt, weil Sie selber die Kontrolle nicht machen: Gut, geschenkt, das müssen Mitarbeiter der MA 10, der MA 11 machen. Aber gleichzeitig haben Sie damit schon etwas sehr Offenbarendes gesagt, nämlich dass die Förderkontrolle in der Stadt ganz offenkundig so schlecht läuft - nicht nur von uns aufgedeckt, vom Stadtrechnungshof aufgedeckt; jedes halbe Jahr gefühlt vor Gericht ein Prozess zu Fördermittelmissbrauch -, dass die zuständige Stadträtin sagt, sie kann nicht garantieren, dass das Geld bei den Kindern ankommt. (Zwischenruf von VBgm.in Mag. Bettina Emmerling, MSc.) Das ist ja eine Bankrotterklärung für die Stadt, meine sehr geehrten Damen und Herren. (Beifall bei der ÖVP.) Wenn Sie vorhin gesagt haben, es gab ja jetzt tolle Kontrollen bei Abendstern, es ist ja jetzt so, dass dort ganz viel kontrolliert wird: Ich glaube, Sie haben gesagt, 21 Kontrollen haben stattgefunden. Gut, man kann das bei 20 Gruppen relativieren. Jetzt weiß ich nicht, ob das standortmäßig 21 waren oder ob das nur heißt, dass jede Gruppe einmal kontrolliert worden ist, so wie eigentlich vorgesehen, aber das ist ein eigenes Kapitel. Man muss schon sagen, bei diesem Kindergruppenbetreiber Abendstern, bei dem mehrfach festgestellt worden ist, dass dort Missstände sind ... Und Sie haben recht, das war schon vor Ihrer Zeit, aber auch jetzt. Und wir haben Nachrichten, die uns vorliegen, die sehr wohl an Sie gerichtet sind. Aber gut, fair enough, es kann sein, dass manche Sachen nicht zu Ihnen durchwandern. Aber ich glaube, der entscheidende Punkt in der Frage ist, wenn sich diese Mitarbeiter an die Stadt wenden, egal wohin - und ja, das ist passiert -, dass dort das Essen in Wahrheit mangelhaft ist ... Ich habe Fotos geschickt bekommen, was dort ... Vielleicht, um es konkreter zu machen: Bei Abendstern - die haben es der Behörde geschickt, aber ich kann es gerne noch einmal weiterleiten - heißt es, wird selber gekocht. Das ist ja grundsätzlich etwas, das unterstützenswert, begrüßenswert ist, wenn dann die Qualität entsprechend passt. Wie ist es dort? - Dort ist es so, dass sich der Betreiber halt ganz einfach gern Geld erspart. Der kauft dann nicht das Essen bei Gourmet, bei MAX Catering, wie auch immer zu, wo die Stadt oder größere Betreiber halt auch ihre Bestellungen machen, wo das Essen für ein Kind am Tag 3, 4 EUR kostet, sondern der bestellt dann bei irgendwelchen dubiosen Scheinfirmen halt kleinere Mengen von Sachen. Vielleicht stimmt die Rechnung dann nicht. Das ist ja alles schon aufgedeckt worden, dass hier auch sehr häufig mit Scheinfirmen kontrahiert wird - in dem Fall, aber natürlich auch bei vielen anderen; das steht ja nur exemplarisch dafür. Wo dann nachher die Kinder mit, glaube ich, 300 Gramm Fleisch, zwei Semmeln und vier Kartoffeln einen Tag versorgt werden sollen. Ich habe die Fotos bekommen, und jetzt kann man schon auch sagen, dass es nicht nur um die Menge des Essens geht, denn darüber lässt sich streiten, sondern vor allem auch darum, was das beim Personal auslöst. Bei Kindergruppen mit 14 Kindern ist eine Person als Kindergruppenbetreuer oder -betreuer zuständig. Wenn aber ein Kind unter zwei Jahren in der Gruppe ist, dann müsste es bei 14 Kindern zwei Betreuer geben oder die Zahl - was wurscht ist - auf zehn reduziert werden. Wenn nur eine Person fürs Herrichten der Jause, fürs Kochen, fürs Abwaschen, fürs Reinigen, fürs Wickeln und, und, und zuständig ist, dann hat sie natürlich überhaupt keine Zeit, an den Kindern zu arbeiten. Und im Hinblick darauf ist es nicht verwunderlich, dass die Kinder aus diesen Kindergruppen keine Chancen haben, dass sie außerordentliche Schüler sind, wenn das Personal dort keine Zeit hat, weil der Betreiber sich kein Geld einsteckt. - Meine sehr geehrten Damen und Herren, das kann es nicht sein! (Beifall bei der ÖVP.) Es gibt da Beschreibungen, dass an allen Standorten gleichzeitig ganz zufällig im Winter die Therme ausfällt und nicht geheizt wird, um einzusparen. Da muss ich Ihnen jetzt ganz offen sagen: Wenn solche Nachrichten kommen und dann gesagt wird, dass es irgendwie schwierig ist, das festzustellen ... (VBgm.in Mag. Bettina Emmerling, MSc: Nein! Ist es nicht!) Es hat sogar der Stadtrechnungshof gesagt, dass der Betreiber mit Scheinfirmen, wo er selbst Geschäftsführer ist, Geschäfte macht, damit er Geld rausschafft. Armin Blind, der Kollege von der FPÖ, hat vorhin darauf hingewiesen, dass zu Recht im Stadtrechnungshofbericht steht, dass der Betreiber die Fördergelder, die er missbraucht hat, nachher aus Förderungen zurückgezahlt hat. Jetzt sagen Sie - und das finde ich gut -, dass das nicht so sein kann. (VBgm.in Mag. Bettina Emmerling, MSc: Das war vor elf Jahren!) Ja. Dann erhebt sich aber wohl die richtige Frage: Wie kann es sein, dass so etwas passiert, dass der Stadtrechnungshof das festhält und dass das trotzdem so läuft? So kann es nicht gehen, meine sehr geehrten Damen und Herren, dass der Steuerzahler auch noch den Fördermissbrauch zu tragen hat! Das war 2021, in Ihrer Amtszeit, als das zurückgezahlt worden ist. Sie haben es vorhin schon gesagt: Die Rückzahlung war dann in Ihren Jahren. (Zwischenruf von VBgm.in Mag. Bettina Emmerling, MSc.) - Das können wir gerne machen! Die Rückzahlung aus Förderungen selber war in Ihrer Amtszeit. (Beifall bei der ÖVP. - Zwischenruf von GR Mag. Thomas Reindl.) Herr Kollege Reindl! Vor fünf Jahren war die SPÖ in der Stadtregierung und waren die NEOS in der Stadtregierung. Ich weiß nicht, ob es für die SPÖ gut ist, das zu sagen! Sie waren in der Verantwortung, als das passiert ist. Das ist einer der Zwischenrufe, die ich mir sparen würde. Sie tragen nämlich auch Verantwortung im Bereich Abendstern, liebe SPÖ! (Beifall bei der ÖVP. - GR Mag. Thomas Reindl: Und die ÖVP wäscht ihre Hände in Unschuld?) Ich muss Ihnen sagen: Der letzte Bildungsstadtrat der ÖVP war noch in Proporzregierungen hier im Haus. Insofern kann ich Ihnen wirklich sagen: Ein Verein wie Abendstern hat nie Geld bekommen, als die ÖVP in Verantwortung war. Ich finde das gut. Ich finde das richtig. Solche Vereine sollten kein Steuergeld bekommen, nämlich Vereine, die nur als Geschäftsmodell funktionieren, ihre Mitarbeiter ausbeuten, die Kinder in den Gruppen ausbeuten, weshalb die Kinder nachher keine Chancen haben. Und Sie sagen auch noch, dass das toll ist und dass man mit denen weiterarbeiten muss. Schämen Sie sich! (Beifall bei der ÖVP. - GR Mag. Thomas Reindl: Das sind alte Hüte!) Wenn aber vorhin die Frau Stadträtin gesagt hat, sie könne nicht garantieren, dass im Rahmen von Kindergruppen das Geld bei den Kindern ankommt, dann kann ich Ihnen sagen: Wir stellen heute einen Antrag, dass die Förderkontrolle neu aufgestellt werden muss. (Zwischenruf von VBgm.in Mag. Bettina Emmerling, MSc.) - Ja. Sie haben erste Schritte gesetzt. Jetzt sind es statt sieben zwölf Leute, und trotzdem gibt es noch viele Missstände, und trotzdem braucht es noch den Stadtrechnungshof, um aufzudecken. Von den Institutionen der zehn Betreiber, die wir überprüfen ließen, sind mittlerweile vier zugesperrt. Ihr Vorgänger hat uns noch gesagt: Befremdlich ist das, was die ÖVP macht. Ich entgegne: Befremdlich ist eher, dass Sie solche Träger verteidigen, die Kinder ausbeuten! (Beifall bei der ÖVP. - Zwischenruf von GR Dipl.-Ing. Dr. Stefan Gara.) Stimmen Sie heute unserem Antrag zu! Vom Verein Abendstern haben sich, nachdem wir das Hintergrundgespräch geführt haben, noch mehr Mitarbeiter bei uns gemeldet, und es gab auch zu anderen Vereinen Reaktionen. Der Verein Nordstern wird ja von der gleichen Familie betrieben, und da gab es die gleichen Missstände. Wir reden diesfalls von Millionen EUR Förderung im Jahr, und da handelt es sich nur um einen Betreiber. Und es schreiben uns auch Mitarbeiter von anderen Kindergruppen, dass dort ähnlich gearbeitet wird. Ich betone noch einmal: Es gibt großartige Betreiber. Es gibt großartige Träger von Kindergärten und Kindergruppen, im Hinblick auf welche es positiv ist, diese zu fördern. Gleichzeitig gibt es aber auch solche, wo Sie ganz gezielt wegschauen, wo die Förderkontrolle versagt, wo sozusagen den Kindern das Geld geraubt wird, wo das Geld nicht ankommt und die Kinder nachher keine Chancen haben. Stellen Sie die endlich die Förderkontrolle gescheit neu auf! Hören Sie auf die Hinweisgeber! Hören Sie, anders als es bei Minibambini, Abendstern - und wie sie alle heißen - der Fall war, auf die Mitarbeiter! Und stoppen Sie jetzt endlich die Förderung für Abendstern! (Beifall bei der ÖVP.) Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Als Nächste zu Wort gemeldet ist Frau Abg. Bakos. - Bitte. GRin Mag. Dolores Bakos, BA (NEOS): Sehr geehrte Frau Vorsitzende, werter Herr Berichterstatter, werte Frau Stadträtin, werte Kolleginnen und Kollegen! Ich möchte, bevor ich zum Poststück komme, das wirklich sehr erfreulich ist und auf das wir sehr stolz sind, mit einer Replik beginnen - und zwar zu meinem Vorredner zum Thema Abendstern. Die Frau Stadträtin hat in der Fragestunde wirklich schon alles sehr ausführlich beantwortet. Ich möchte mich daher entsprechend kurzhalten und nur zum Wesentlichen kommen, worum es hier geht. Die Rückforderungen wurden beglichen, und es gibt seitdem und aktuell nach den uns vorliegenden rechtlichen Gesichtspunkten keine Kündigungsgründe. Und die Frau Stadträtin hat das sehr ausführlich beantwortet und auch begründet. Wir können uns wirklich - das sage ich jetzt hier in aller Form - ganz, ganz sicher sein, dass die MA 10 hier ganz engmaschig kontrolliert. Ich möchte jetzt noch einmal betonen, wo das hingehört, nämlich zur zuständigen Behörde und nirgends anderswo hin. Das gehört zur zuständigen Behörde, die, wenn sie davon Kenntnis bekommt, sofort entsprechende Konsequenzen bis zum Förderstopp einleitet. Das ist ganz klar zu unterstreichen, und es wird auch entsprechende Konsequenzen geben, egal, um welchen Trägerverein es sich handelt, wenn auch nur der Verdacht eines Fördergeldmissbrauches aufkommen sollte. Obgleich ich gleich etwas dazusagen möchte: Worum geht es? - Es geht vor allem um das Wohl von Kindern, und das fehlt mir in dieser Debatte ganz oft. Es geht um das Wohl von Kindern, und das steht bei uns an absolut oberster Stelle und hat oberste Priorität, sehr geehrte Damen und Herren! (Beifall bei NEOS und SPÖ. - GR Michael Stumpf, BA: Das merkt man aber nicht!) Es wurde von Neuaufstellung gesprochen, um Fördergeldmissbrauch hintanzuhalten. Ich möchte nochmals daran erinnern: Es gab 2023 die "Aktion scharf", in deren Rahmen wir hier ganz genau hingeschaut haben. Schon seit der Einführung des Beitrages für einen Kindergarten gab es natürlich entsprechende Schritte. 2023 haben wir aber gesehen, dass es - wie schon der Name sagt - eine "Aktion scharf" braucht, um gemeinsam mit Expertinnen und Experten Schritte zu setzen, die diesem Fördergeldmissbrauch wirklich jeden Riegel vorschiebt. Was war das zum Beispiel? - Es gibt neue standardisierte Prozesse zur Prüfung von Belegen, eine ganz neue Prüfstrategie, ein neues Förderhandbuch, eine Dokumentation zur Kontrolle von Belegen, die ganz neu aufgestellt wurde. Es gibt entsprechende Rückforderungen, und ab diesem Jahr wird auch künstliche Intelligenz zum Einsatz kommen. Ich habe jetzt auch des Wohl von Kindern angesprochen. Ebenso beschäftigt uns auch sehr stark - und hat entsprechende Priorität - die Weiterentwicklung hinsichtlich diesbezüglicher Verbesserungen in diesem System. Daher ist es, glaube ich, auch keine Überraschung, dass das eine Säule des Reformprojektes "Kindergarten neu denken" ist. Das hat auch die Frau Stadträtin stets gesagt. Dabei geht es vor allen Dingen darum, ein stabiles, zeitgemäßes, effizientes, verwaltbares und kontrollierbares Fördersystem auf die Beine zu stellen. Das ist vorgesehen und ist und wird auch ein wichtiger Schritt in diesem Bereich sein. Ich möchte jetzt aber zum Poststück kommen, weil dieses wirklich ein sehr erfreuliches Poststück ist. Wir setzten einen ganz wichtigen Schritt. Wenn es nämlich darum geht, eine inklusive Gesellschaft zu sein, dann ist inklusive Bildung die Basis für eine inklusive Gesellschaft. Das darf nicht einfach nur ein Schlagwort sein, sondern das muss wirklich gelebte Realität sein. Es muss ein selbstverständliches Recht von Kindern sein, dass sie Teil einer Gemeinschaft sind und dass sie gesehen und gehört werden, ganz egal, welche Bedingungen sie mitbringen, welchen Förderbedarf sie haben, ob sie eine Behinderung, eine Beeinträchtigung oder eine chronische Erkrankung haben. Weil wir es ernst meinen mit der Chancengerechtigkeit, müssen wir ganz früh ansetzen. Deshalb haben wir bereits 2024, wie Sie sich vielleicht erinnern werden, bei den privaten Trägerorganisationen einen Schritt gesetzt, massivst auch in inklusive Betreuungsplätze zu investieren. Wir haben damals schon gesagt: Es muss diesen Start in eine gelungene Bildungslaufbahn wirklich für alle geben, und das muss selbstverständlich sein, sehr geehrte Damen und Herren! (Beifall bei NEOS und SPÖ.) Aber es reicht, wenn ich das jetzt so salopp formulieren darf, nicht einfach nur - unter Anführungszeichen - "Plätze zu schaffen", sondern das muss strukturell verankert sein. Es muss auch nachhaltige Rahmenbedingungen geben, damit dieser Alltag so funktionieren kann. Und deshalb setzen wir einen weiteren wichtigen Schritt im Inklusionsbereich, wo wir die Förderungen für private Kindergärten, Kindergruppen und Tageseltern erhöhen - und zwar erhöhen wir diese Zuschüsse teilweise bis zum Dreifachen. Das ist nicht nur ein finanzielles Signal, sondern es gibt eben, was mir eigentlich noch viel wichtiger ist, eine strukturelle Verankerung für dieses Recht aller - wirklich aller! - Kinder, nicht nur einen Betreuungsplatz zu bekommen, sondern auch gehört und gesehen zu werden, gemeinsam aufzuwachsen, gemeinsam nicht nur zu spielen, sondern zu lernen und auch in diesem kleinen Bereich eine inklusive Gesellschaft zu sein, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall bei den NEOS.) Mit dieser Förderung schaffen wir genau die Rahmenbedingungen, nicht - unter Anführungszeichen - "nur" für Plätze, sondern wir schaffen die Möglichkeit für die Einrichtungen, zusätzliches Fachpersonal einzustellen, zusätzliche Ausstattung zur Verfügung zu stellen, pädagogische Konzepte weiterzuentwickeln und vieles mehr, weil es am Ende des Tages eben um viel mehr geht als um Bildung: Es geht darum, wie wir in unserer Gesellschaft vor allem auch zusammenleben wollen, weil wir als Stadt nicht nur das Motto, sondern das Selbstverständnis haben, dass wir Vielfalt leben und dass alle Kinder, ganz gleich, woher sie kommen, ganz gleich, welche Sprache sie sprechen, ganz gleich, welche Bedingungen sie auch mitbringen, ihren Weg gehen können, weil jedes Kind einzigartig ist. Wir setzen mit diesem Poststück einen weiteren, ganz wichtigen Schritt genau in diese Richtung. - Vielen Dank. (Beifall bei NEOS und SPÖ.) Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abg. Stadler. - Bitte. GR Felix Stadler, BSc, MA (GRÜNE): Sehr geehrte Frau Vorsitzende, sehr geehrte Frau Vizebürgermeisterin, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Auch wir werden dem vorliegenden Poststück natürlich zustimmen. Es ist gut, dass wir mehr Geld für Inklusion ausgeben, beziehungsweise - um es genauer zu sagen - es ist gut, dass die Stadt jedes einzelne Kind mit mehr Geld fördert, damit alle Kinder, auch jene mit einer Behinderung oder Beeinträchtigung, in dieser Stadt in Zukunft hoffentlich tatsächlich einen Kindergartenplatz bekommen. Wir werden diesem Poststück also zustimmen, denn das finden wir gut. Man muss aber dazusagen: Es warten jedoch in dieser Stadt - jetzt noch! - weiterhin 500 Kinder, die eine Beeinträchtigung oder Behinderung haben, auf einen Kindergartenplatz. Wir sind eine der reichsten, modernsten und wahrscheinlich lebenswertesten Städte auf dieser Welt, und trotzdem warten 500 Kinder nur deswegen, weil sie eine Behinderung oder Beeinträchtigung haben, auf einen Kindergartenplatz. Das ist tatsächlich der Bildungspolitik dieser Stadtregierung und dieser Stadt absolut unwürdig, und das müssen Sie schleunigst ändern, liebe Kolleginnen und Kollegen! (Beifall bei den GRÜNEN.) Ich möchte ganz kurz - beziehungsweise vielleicht auch nicht ganz so kurz - ein bisschen auf die Historie dieser Förderung eingehen, weil ich glaube, dass es im Hinblick auf den heutigen Beschluss auch wichtig ist, zu verstehen, was hier beschlossen wird. Begonnen hat das Ganze damit, dass wir als grüne Fraktion bereits 2021/2022 Anfragen gestellt haben, wie viele Kinder, die eine Behinderung oder eine Beeinträchtigung haben, denn in Wien überhaupt auf einen Kindergartenplatz warten, und damals waren die Zahlen noch verheerender als heute. Bei der ersten Anfrage hat sich gezeigt, dass es 1 000 Kinder waren. Gemäß der zweiten Anfrage haben 1 200 Kinder gewartet, und dann wurden es irgendwann 1 500 Kinder. 1 500 Kinder mit einer Behinderung oder Beeinträchtigung haben auf einen Platz gewartet! Dann gab es endlich eine Förderung. Es wurde diese Förderschiene ins Leben gerufen, welche beinhaltete, dass auch den privaten Kindergarten-Trägervereinen, die Kinder mit Behinderung und Beeinträchtigung aufnehmen wollen, Geld zur Verfügung gestellt wird - und zwar waren es damals pro Kind 500 EUR, und wenn zwei behinderte Kinder in einer Gruppe waren, was die Maximalanzahl war, dann waren es 750 EUR. Unsere Kritik war damals schon, dass sich sehr viele Trägerorganisationen das Geld nicht holen werden, weil das zu kompliziert ist, weil damit zu viel bürokratischer Aufwand verbunden ist, weil die Vereine die Förderung erst bekommen, nachdem eine Diagnose gestellt wurde. Da es zu wenige Diagnoseplätze gibt, wird es ganz einfach viel zu lange dauern bis die Trägerorganisationen eine entsprechende Diagnose bekommen. Aber so weit, so gut. Man hat die Förderung ins Leben gerufen. Und was ist dann passiert? - Wir haben dann weiter gefragt, wie viele Kinder denn auf der Warteliste sind und wie viele zusätzliche Plätze geschaffen wurden. - Das konnte uns bis heute nicht beantwortet werden! Kollege Zierfuß hat es vorher schon gesagt: Die Frau Vizebürgermeisterin ist hier hinter mir gestanden und hat gesagt: Wir werden euch sagen, wie viele Plätze wir geschaffen haben. Bis heute konnte uns aber niemand sagen, wie viele zusätzliche Plätze für Kinder mit Behinderung oder Beeinträchtigung geschaffen wurden. Und auch das ist dieser Stadt und dieser Bildungspolitik völlig unwürdig. Sie können nicht einmal sagen, wie viele Plätze für Kinder Sie geschaffen haben! (Beifall bei GRÜNEN und ÖVP.) Dann ging es weiter. Ein paar Monate später haben wir wieder eine Anfrage gestellt, und plötzlich lautete die Antwort, dass nur noch 499 Kinder, also rund 500, auf einen Kindergartenplatz warten. Zwei Monate davor waren es laut einer schriftlichen Anfrage noch 1 500 Kinder. Da erhob sich natürlich die große Frage: Wo sind diese 1 000 Kinder hingekommen? Sie konnten uns ja nicht beantworten, dass die 1 000 Kinder über die Förderung einen Platz bekommen haben, weil man bis heute nicht weiß, wie viele Kinder durch diese Förderung einen Platz bekommen haben. Was war eigentlich die Antwort auf diese Frage? - Die 1 000 Kinder waren vorher schon gar nicht mehr auf der Warteliste, denn die Zahlen, die jetzt vier Jahre lang genannt wurden, waren eigentlich eh falsch. - Ihr hantiert also mit Zahlen, die gar nicht stimmen, die aber schwarz auf weiß in von Ihnen unterschriebenen Anfragebeantwortungen standen! Diese Zahlen haben gar nicht gestimmt, denn es sind nur 500 Kinder, die restlichen waren noch auf der Warteliste, obwohl sie eigentlich eh schon einen Platz haben. Die Zahlen zwischen MA 10 und MA 11 werden nicht regelmäßig verglichen, daher konnte man es nicht sagen. Diese Art von Bildungspolitik, bei welcher nicht einmal zwischen zwei Magistratsabteilungen Zahlen abgeglichen werden können, ist wirklich dieser Stadt unwürdig! Wenn wir hier ordentliche Bildungspolitik machen wollen, dann brauchen wir richtige Zahlen, mit denen wir als Opposition und mit denen Sie als Regierung arbeiten können! (Beifall bei GRÜNEN und ÖVP sowie von GR Armin Blind.) Aber gut, man ist dann draufgekommen, dass 1 000 Kinder doch nicht auf einen Platz warten, denn die MA 10 und die MA 11 konnten ihre Daten dann doch abgleichen. Jetzt sind wir beim letzten Punkt. Die Förderung wird verdreifacht. Das ist gut. Wie Kollegin Bakos schon gesagt hat, haben die Trägerorganisationen 500 EUR pro Kind pro Gruppe bekommen. Jetzt sind es über 1 600 EUR. Das ist gut! Was man aber auch dazusagen muss: Die Gesamtsumme, mit der Sie jetzt Inklusion fördern, hat sich kaum oder nicht erhöht. Es gab nur, wie schon unsere allererste Kritik an diesem Fördersystem lautete, viel weniger Ansuchen, als Sie gedacht haben, sodass Sie bei jedem einzelnen Ansuchen mehr Geld geben können. Es stimmt also ganz einfach nicht, wenn Sie sich hierherstellen und sagen: Das ist ein großer, weiterer Schritt und ein Meilenstein, dass wir jetzt mehr Geld für Inklusion geben. - Das stimmt nicht! Es gibt eine höhere Förderung pro Kind, aber die Fördersumme insgesamt wird nicht erhöht. Sie können ganz einfach, weil es weiterhin weit weniger Ansuchen gegeben hat, als Sie gedacht haben, die Pro-Kind-Förderung erhöhen, was gut ist. Stellen Sie sich dann aber bitte nicht hierher und sagen: Das ist ein großer Meilenstein! - Tatsächlich verteilen Sie nämlich das Geld nur anders. (Beifall bei den GRÜNEN und von GR Harald Zierfuß.) Nun möchte ich auch noch ein paar Worte zum generellen Fördersystem der privaten Kindergartenträgerinnen und -träger in dieser Stadt sagen. Das derzeitige System ist ganz einfach nicht nachhaltig. Es funktioniert nicht. Private Kindergartenorganisationen, vor allem die großen Organisationen, bekommen pro Kind zu wenig Geld, um ihren Betrieb professionell und laufend weiterführen zu können - und zwar planmäßig weiterführen zu können. Daher klopfen sie ja auch bei allen Parteien in diesem Haus, glaube ich, mit dem berechtigten Anliegen regelmäßig an, dass sie mehr Geld bekommen wollen, damit sie ihren Pädagoginnen mehr Geld zahlen können, damit sie mehr Kinder mit Behinderung aufnehmen können, damit sie mehr AssistentInnen zahlen können und damit sie kleinere Gruppen haben können. Es braucht endlich ein Fördersystem von SPÖ und NEOS, das diesen Anforderungen gerecht wird, damit auch die privaten großen Trägerorganisationen die gleiche Summe bekommen wie die MA-10-Kindergärten. Wir haben heute in der Früh auch gehört, dass es rund 9 000 EUR derzeit als Förderung für die privaten Kindergärten gibt, für einen Kindergartenplatz in der MA 10 hingegen13 700 EUR. Das sind ein paar tausend Euro Unterschied! Und ich meine, dass sich die privaten Trägerorganisationen auch eine ordentliche Finanzierung verdient haben, wenn ich bedenke, welch unfassbar wichtige Bildungs- und Betreuungsarbeit zum Beispiel die St. Nikolausstiftung, aber auch die Kinderfreunde, KIWI, die Diakonie und all die großen Trägervereine leisten. Die Stadt kann darauf vertrauen, dass die Kindergärten dieser privaten Trägerorganisationen die gleich wichtige Arbeit leisten wie die MA-10-Kindergärten. Daher werden wir für diese Trägerorganisationen heute wieder einmal eine ordentliche Finanzierung beantragen. (Beifall bei den GRÜNEN.) Es gibt jetzt endlich diese Zahlen. Wir haben diese heute Früh schon gehört. Dank der Anfragen der ÖVP und auch unserer Anfragen hat es - nur - sechs Jahre gedauert, bis diese Zahlen endlich vorliegen. Wir hoffen, dass es nicht sechs Jahre dauern wird bis endlich auch ein neues Fördersystem da ist! Daher stellen wir heute wieder einen Antrag auf Zuweisung an den Bildungsausschuss, dass es ein neues Fördersystem braucht. Dieses Fördersystem muss vor allem zwei Kriterien erfüllen. Erstens braucht es, wie gerade ausgeführt, Gerechtigkeit zwischen privaten und öffentlichen Trägerorganisationen. Private Trägerorganisationen haben sich eine ordentliche, nachhaltige und planmäßige Finanzierung verdient, damit sie ihre Arbeit machen können. Zweitens muss das neue Fördersystem einfacher werden. Wir haben derzeit 14 bis15 verschiedene Förderrichtlinien, und diese verursachen einen enormen bürokratischen Aufwand bei der MA 10, aber auch bei den Trägerorganisationen. Die Trägerorganisationen müssen dafür extra Leute anstellen, damit sie entsprechend diesen Förderrichtlinien einreichen und abrechnen können und so weiter. Das ist ein unglaublicher bürokratischer Aufwand für beide Seiten. Daher beantragen wir wieder einmal ein neues Fördersystem, das Gerechtigkeit zwischen den Trägerorganisationen schafft und das eine bürokratische Vereinfachung für die MA 10, aber auch für die Trägervereine darstellt, damit wir mehr Geld für die Kinder bereit haben und damit das Geld wirklich bei den Kindern ankommt, denn dort brauchen wir es am dringendsten. - Vielen Dank. (Beifall bei den GRÜNEN und von GR Harald Zierfuß.) Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr GR Lugner. - Bitte. GR Leo Lugner (FPÖ): Werte Vorsitzende, sehr geehrte Stadträtin, meine sehr verehrten Damen und Herren! Ich möchte jetzt bei der Kritik von Herrn Kollegen Zierfuß anschließen, der ich beipflichten muss und von der ich sagen möchte: Diese hat den Kern des Problems getroffen. Kindergärten werden teilweise in der Stadt Wien subventioniert, und man muss wirklich aufpassen, dass man nicht alle in einen Topf wirft. Sehr viele leisten sehr gute Arbeit, es gibt aber leider auch schwarze Schafe, denen sehr viel Geld von der Stadt Wien in den Rachen geschoben wurde. Dazu gehören die Kindergruppen Morgenstern beziehungsweise Abendstern. Die Organisation Abendstern wurde hier schon genannt, und Frau Dolores Bakos hat gesagt, man solle in diesem Zusammenhang auf den Magistrat beziehungsweise die Behörde vertrauen, denn hier wird genau kontrolliert und hingeschaut. Im Hinblick darauf muss ich Ihnen sagen, dass die Behörde teilweise gar nicht die Möglichkeit hat, genau hinzusehen und genau zu kontrollieren. Leider wird in einigen dieser Trägervereine so vorgegangen, dass sich dort Geschäftsführer beziehungsweise Leiter der Kindergärten abenteuerliche Gehälter, teilweise wie beim ORF, ausbezahlen und folglich dann die Kinder und vor allem auch die Kindergärtnerinnen und Kindergärtner zu wenig bekommen. Dahingehend werden wir heute einen Antrag einbringen, dass es in Zukunft so sein soll, dass bei einem Förderansuchen durch einen Verein im Vorfeld auch die Gehälter der Vereinsvorsitzenden beziehungsweise Geschäftsführer offengelegt werden müssen und dass auch die Tätigkeiten und Nebentätigkeiten dieser Leute offengelegt werden müssen, weil man nur so ausschließen kann, dass es In-sich-Geschäfte gibt, so wie es Kollege Zierfuß angedeutet hat. So ist möglicherweise in anderen Firmen, die in einer Geschäftsbeziehung mit dem Verein stehen, dann wiederum der Vereinsobmann angestellt und versickert das Geld der Stadt Wien in dubiosen Kanälen. Ich appelliere daher an die Vernunft der SPÖ, dass man diesem Antrag auch zustimmt. Auch die Umsetzung dauert immer länger. Wir haben es heute auch gesehen an der Debatte um das Alkoholverbot Gumpendorfer Straße/Westbahnhof. Das ist eine langjährige Forderung von FPÖ und ÖVP. Heute wurde diese nach vielen Jahren hier umgesetzt. In diesem Sinn bin ich überzeugt, dass irgendwann einmal auch die Stadt Wien, die SPÖ und die NEOS einsehen werden, dass die Kritik der Opposition am Förderwesen der Kindergärten doch richtig war und dass man auch die Förderrichtlinien dahingehend verändert und verbessert. (Beifall bei der FPÖ.) Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr Abg. Gremel. - Bitte. GR Mag. Marcus Gremel, MBA (SPÖ): Sehr geehrte Frau Vorsitzende, werter Herr Berichterstatter, liebe Kolleginnen und Kollegen, meine sehr geehrten Damen und Herren! Dass man von einer durchaus spannenden inhaltlichen Debatte im Zusammenhang mit dem Kindergartenbereich zum Alkoholverbot kommt, halte ich für einen spannenden Switch! Ich sage aber: Liebe FPÖ, glücklicherweise! Herzlich willkommen in der Kindergartendebatte! Es freut mich, dass Sie hier auch einmal partizipieren! Eigentlich wollte ich aber, wahrscheinlich weniger überraschend, auf die Worte von Kollegen Stadler und von Kollegen Zierfuß eingehen, und tue das hiermit auch. Herr Kollege Stadler hat seine Ausführungen wieder einmal recht ausführlich dem Vergleich der Finanzierung der privaten und der öffentlichen Kindergärten gewidmet. Die Frau Vizebürgermeisterin hat in der Fragestunde vorher eigentlich schon alles Relevante dazu gesagt beziehungsweise ganz gut eingeordnet, wie der aktuelle Stand in unserer Debatte ist. Ich möchte jetzt nur noch einmal die wichtigsten Eckpunkte erwähnen, weil ich den Eindruck habe, dass noch nicht ganz angekommen ist, von welchen Zahlen wir hier jetzt sprechen. Was uns jetzt vorliegt, nämlich die Zahlen, die Frau VBgm.in Emmerling genannt hat, bringen auch keinen Eins-zu-eins-Kostenvergleich zwischen den städtischen und den privaten Kindergärten, weil das einfach nicht möglich ist, weil uns dafür Daten fehlen, die wir von den Privaten bräuchten, um einen solchen Vergleich herstellen zu können. Was ist nicht inkludiert in den verschiedenen Summen, die genannt worden sind? - Nicht inkludiert sind die Elternbeiträge, die die privaten Kindergärten einheben. Nicht inkludiert ist, dass die städtischen Kindergärten im Schnitt längere Öffnungszeiten und weniger Schließtage haben. Nicht inkludiert ist, dass 90 Prozent der inklusions- und heilpädagogischen Plätze, die ein Vielfaches an finanziellen Mitteln benötigen, im Bereich der Stadt eingesetzt werden. Nicht inkludiert ist, dass wir auch im Bereich der Stadt einen höheren Sprachförderbedarf und damit auch höhere Aufwendungen für die Sprachförderung haben. Ebenso gibt es unterschiedliche Besoldungsschemata. All diese Unterschiede bestehen zwischen den privaten und den öffentlichen Trägern, und diese sind in dem Kostenvergleich - und zwar auch in den neuen, schon besseren Zahlen - nicht inkludiert. Warum aber sind die neuen dann besser und ein bisschen näher dran? - Weil alle Aufwendungen, die die MA 10 in ihrem Ansatz tätigt, die eins zu eins für die Förderung der Privaten beziehungsweise auch für die Kontrolle und für die Abwicklung der gesamten Förderung an die Privaten eingesetzt werden, herausgerechnet sind. Deswegen sind wir näher dran als bei diesem sehr lapidaren Durchdividieren, wie das die ÖVP in diesem Haus normalerweise tut. Die von mir genannten Unterschiede sind aber alle auch nicht drin. Das heißt, es ist noch immer kein valider Vergleich möglich. Und das freut mich nicht, denn das ist ärgerlich. Das ist aber mit der Datengrundlage, die wir haben, nicht möglich, weil wir entsprechende Daten von den Privaten nicht haben. Somit kommen wir zu der Frage: Warum nicht? - Diese Frage haben wir uns natürlich auch gestellt, und diese stellen wir uns alle miteinander. Und wir haben auch schon ins Regierungsprogramm geschrieben, dass wir ein neues Fördersystem brauchen. Wir haben das hier auch schon oft gesagt. Sie leiten das selbst genau deswegen, wenn auch nicht nur deswegen, davon ab und stellen Anträge dazu. Ich verstehe nicht ganz, warum Sie Anträge dazu stellen, weil wir eh schon mehrfach gesagt haben, dass wir daran arbeiten, und weil es, wie gesagt, auch im Regierungsprogramm steht. Aber sei es darum! Inhaltlich ist das richtig. Das brauchen wir. Das wird allerdings nicht von heute auf morgen gehen, das habe ich hier auch schon gesagt, weil das sehr komplex ist. Es geht bei einem neuen Fördersystem ja nicht nur um die technische Umsetzung des Ganzen, sondern auch um sämtliche Rahmenbedingungen. Es geht um inhaltliche Leitlinien, die festzuzurren sind. Es geht um Gruppengrößen, es geht um Betreuungsschlüsse, es geht um etwaige Beiträge, die Eltern zu leisten haben, wie aktuell im privaten Bereich. Es geht um die Öffnungszeiten, die wir definieren müssen. Es geht um Schließtage. Es geht um Inklusion. Es geht um Sprachförderung. - Das waren jetzt einmal nur die inhaltlichen Punkte, mit denen wir uns auseinandersetzen müssen. Dafür müssen wir klare Richtlinien vorgeben, die die Grundlage für die Abrechnung in einem neuen Fördersystem sein können. Weiters geht es darum, dass auch eine gewisse Transparenz, eine Kontrolle und auch ein Zugriffsrecht der Stadt möglich sein müssen. Das bedeutet: Wir brauchen eine einheitliche Platzvergabe. Wir brauchen grundsätzlich in den Zahlen eine umfassende Transparenz, um genau auch diese Daten, die wir jetzt leider nicht haben, bekommen zu können. Außerdem brauchen wir effiziente Kontrollmöglichkeiten. Und wenn wir all das haben, dann geht es noch um die technische Umsetzung. Das ist nämlich auch nicht so trivial. Es geht darum, sozusagen ein System aufzusetzen, das all das widerspiegelt und auch leisten kann. Herr Kollege Stadler! Ich glaube und hoffe auch nicht, dass das sechs Jahre dauern wird, doch Hamburg hat auch fünf Jahre dafür gebracht. Sprint wird es also jedenfalls keiner, es wird ein Marathon, wie schon öfter gesagt. Sie können gerne in der nächsten Sitzung wieder einen Antrag dafür einbringen. Ich werde das wieder richtig finden, und das vielleicht auch noch die nächsten fünf Male. Ich werde Ihnen aber immer das Gleiche sagen: Wir arbeiten daran, es dauert jedoch leider ein bisschen. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Jetzt aber noch zum Akt, weil wir hier heute einen wirklich wesentlichen Punkt beschließen, nämliche eine massive Erhöhung der Ausgaben im Inklusionsbereich im Kindergarten. Es gibt eine Verdreifachung der Abrechnungsmöglichkeit der Plätze. Damit schaffen wir zwei Dinge, und das ist sozusagen aus meiner Sicht die große Neuerung: Erstens sichern wir eine ausreichende Finanzierung insbesondere der großen privaten Träger, und zweitens wird gleichzeitig der Ausbau der Plätze für behinderte Kinder gesichert. Herr Kollege Zierfuß! Ich kann Ihnen jetzt natürlich auch nicht genau sagen, wie viele Plätze davon genau neu geschaffen werden, weil wir das nicht verordnen können. Wir setzen aber einen klaren und starken Anreiz, selbiges zu tun - und zwar mit einer dreifach höheren Fördersumme, als es bisher der Fall war. Das ist ein deutlicher Anreiz. Außerdem tun wir noch etwas, und auch das ist aus meiner Sicht wesentlich: Wir schütten zusätzliche finanzielle Mittel an die privaten Träger nicht einfach ohne Bedingungen mit der Gießkanne aus, sondern wir knüpfen das an die Inklusion, an den Erhalt und an die Schaffung von Inklusionsplätzen. Und warum tun wir das? - Weil uns beides sehr wichtig ist. Nur das eine ohne das andere anzugehen, wäre zu kurz gegriffen. Uns geht es darum, dass insbesondere die großen privaten Träger, die verlässliche Partner für unsere Stadt sind, ausreichend finanziert sind, um ihre Leistungen für die Kinder in unserer Stadt gut erbringen zu können. Gleichzeitig geht es aber auch darum, dass wir einen weiteren Schritt machen, um diese himmelschreiende Ungerechtigkeit, dass behinderte Kinder keinen Platz finden, endlich zu beseitigen. - Danke. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Als Nächster zu Wort gemeldet ist Herr GR Stumpf. - Bitte. GR Michael Stumpf, BA (FPÖ): Sehr geehrte Frau Vorsitzende, Herr Berichterstatter, sehr geehrte Frau Stadträtin! Wir behandeln heute mit Postnummer 1 einen Akt, dem wir Freiheitliche, wie Sie wissen, bereits im Ausschuss zugestimmt haben und dem wir auch heute im Gemeinderat zustimmen werden. Warum? - Weil es hier um etwas geht, das man den Menschen draußen auch erklären kann. Es geht nämlich um niemanden Geringeren als um die Kinder in unserer Stadt, die einen erhöhten beziehungsweise einen wesentlich erhöhten Betreuungsbedarf aufweisen. Es geht in diesem Zusammenhang um Kinder mit besonderen Bedürfnissen. Es geht um Familien, die im Alltag nicht irgendeine ideologische Broschüre, sondern konkrete Hilfe brauchen. Und der vorliegende Akt sieht für die Jahre 2026 bis 2029 einen Rahmenbetrag von 86,64 Millionen EUR vor; für das Jahr 2026 sind 20,84 Millionen EUR vorgesehen. Es werden Förderrichtlinien zusammengeführt, Förderbeträge angepasst und Abläufe zum Teil auch vereinfacht. Das ist also ein Bereich, im Hinblick auf welchen man durchaus sagen kann: Ja. Da gibt es einen nachvollziehbaren Zweck und einen konkreten Nutzen, hier kommt das Geld bei den Kindern, bei den Eltern und natürlich auch bei den Betreuungseinrichtungen an. Und genau deswegen stimmen wir Freiheitliche diesem Akt, wie gesagt, auch zu. Genau dieser Akt führt uns aber auch zu einer größeren Frage: Was ist der Stadt Wien beziehungsweise der rot- pinken Stadtregierung in Wien eigentlich wichtig? - Diese Frage erhebt sich, denn auf der einen Seite beschließen wir heute Millionen für Kinder mit besonderen Bedürfnissen, für Teilhabe, für Betreuung, für Familien. Das ist gut und richtig. Auf der anderen Seite erleben wir aber eine Förderpolitik, bei der man manchmal den Eindruck hat: Je linker, je lauter und je näher am rot-pinken Milieu, desto schneller geht das Geldbörsel der Stadt Wien auf. Da wird nicht gefragt: Bringt das den Wienerinnen und Wienern etwas? Vielmehr wird da eigentlich eine Frage gestellt: Gehört der Verein eh zum richtigen Politbiotop, nämlich zu jenem von Rot und Pink? Und wenn dann noch irgendwo ein Antirassismus-Label draufgepickt wird oder Awareness, Diversität oder Haltung draufsteht, dann klappern im Rathaus offenbar schon die Förderautomaten. (Zwischenruf von GR Mag. Josef Taucher.) - Herr Kollege, genau deshalb bringen wir bei diesem Poststück heute einen Beschlussantrag zum sofortigen Förderstopp für den Verein ZARA ein. (Beifall bei der FPÖ.) Vor wenigen Tagen wurde ja bekannt, dass das bisher zuständige Familienministerium die Förderung für ZARA stoppt. Und was passiert dann? - Dann kommen Vizekanzler Babler und Frauenministerin Holzleitner, beide von der SPÖ, und sagen sinngemäß: Keine Sorge, wir springen schon ein! (Beifall von der SPÖ.) Das heißt: Jeweils 150 ... (Zwischenruf von GR Mag. Josef Taucher.) - Ja, du machst schon wieder die Faust! Das habe ich gesehen. - Jeweils 150 000 EUR kommen aus dem Medienministerium und 150 000 EUR aus dem Frauenministerium. Somit sind es also insgesamt rund 300 000 EUR. Und Frau Ministerin Holzleitner erklärt dazu - O- Ton-Zitat: "Es sind Rest-Euro, die man aus den letzten Sofaritzen zusammengekratzt hat ..." Meine Damen und Herren! Das muss man sich wirklich einmal auf der Zunge zergehen lassen! Die Bürger draußen kratzen aus ihren Sofaritzen vielleicht noch das Kleingeld zusammen, damit sie ihren Einkauf, ihre Stromrechnung, ihre Fernwärme Wien, ihre Miete zahlen können. Bei der SPÖ kratzt man aus den Sofaritzen offenbar 300 000 EUR für ZARA zusammen! (GR Mag. Josef Taucher: Ja, so geht das!) Bei dieser Dimension ist das aber keine Sofaritze mehr, sondern das ist ein rotes Fördermöbelhaus! (Beifall bei der FPÖ. - Zwischenruf von GR Jörg Neumayer, MA.) Da müssen die Genossen ja ein sehr großes Sofa haben! Aber wie hat es Lady Margaret Thatcher einmal wirklich vortrefflich auf den Punkt gebracht? - Sie hat gesagt: "Das Problem mit dem Sozialismus ist es, dass einem irgendwann das Geld der anderen Leute ausgeht." - Und genau vor dieser Situation stehen wir in Wien und im Bund! (Beifall bei der FPÖ.) Während der normale Wiener beziehungsweise die normale Wienerin in seiner beziehungsweise ihrer Sofaritze maximal vielleicht einen verlorenen Knopf, ein Brösel oder vielleicht einen alten Parkschein - welcher in wenigen Wochen auch seine Gültigkeit verliert, weil der neue, teurere Parkschein kommt - finden, findet die SPÖ dort hingegen 300 000 EUR Steuergeld! - Genau das ist das Problem: Bei den Familien heißt es: Gürtel bitte enger schnallen! Bei den Gebührenzahlern heißt es: Leider wird wieder alles teurer. Bei den Autofahrern heißt es: Zahlen, zahlen, zahlen! Und bei den Leistungsträgern heißt es: Wir brauchen mehr Solidarität. Das haben wir auch auf dem Landesparteitag der SPÖ Wien gehört. Wenn es aber um einen politisch genehmen Verein geht, dann wird plötzlich nicht gespart, sondern Geld gesucht, offenbar sogar in der Sofaritze! Sehr geehrte Damen und Herren, Steuergeld ist kein Spielgeld. Steuergeld ist kein Parteigeld! Steuergeld ist auch kein Notgroschen für ideologische Lieblingsprojekte. Das Steuergeld gehört den Bürgerinnen und Bürgern. Es gehört der Krankenschwester, die Nachtdienst macht. Das Steuergeld gehört dem Vater, der Überstunden schiebt. Das Steuergeld gehört der Mutter, die jeden Euro zweimal umdreht. Diese Menschen haben ein Recht darauf, dass mit ihrem Geld sorgfältig umgegangen wird! (Zwischenruf von GRin Yvonne Rychly.) Darum ist der heutige Akt zur inklusiven Betreuung ein gutes Beispiel für eine sinnvolle Förderung. Dazu kann man sagen: Das Geld erfüllt einen Zweck. Ja. Kinder mit besonderem Betreuungsbedarf sollen bessere Unterstützung bekommen. Familien sollen entlastet werden. Betreuung soll verbessert werden. 1 000 Rosen! - Erklären Sie aber einmal draußen einem Wiener, warum für ZARA plötzlich aus allen möglichen Ministeriumsritzen Geld hervorgekratzt wird! Erzählen Sie das den Menschen! Erklären Sie das einer Familie, die sich keinen Urlaub mehr leisten kann! Oder erklären Sie das einem Pensionisten oder einer Pensionistin, der bei der Fernwärmenachzahlung nur mehr schlucken kann! Und das ist der Punkt! Sagen Sie ihm oder ihr: Für dich haben wir leider kein Geld, lieber Herr beziehungsweise liebe Frau, für ZARA haben wir aber noch etwas im Sofa gefunden. Das ist doch der Punkt, das ist der wahre Skandal! Hier geht es nicht nur um einen Verein, hier geht es um ein System. Es geht um ein System, in dem die SPÖ und ihre Freunde seit Jahren einen politischen Fördergarten pflegen. Da wird gegossen, da wird gedüngt, da wird umgetopft. Und wenn ein Pflanzerl einmal zu welken droht, dann kommt sofort jemand mit der großen roten Gießkanne. Die Wiener Bevölkerung steht allerdings daneben und fragt: Wer gießt eigentlich uns? - Die Antwort lautet leider: Niemand. Die Bürger werden nicht gegossen. Sie werden von Ihnen gepflanzt. (Beifall bei der FPÖ.) Die Stadt Wien hat ZARA ebenfalls gefördert. Zuletzt wurden in der Sitzung vom 25. März im Gemeinderat 93 575 EUR beschlossen. Wir sagen heute mit unserem Antrag: Stopp! Schluss mit dieser Doppelmoral! Schluss mit dieser Förderautomatik! Schluss mit dieser roten Sofaritzenpolitik! Wenn die finanzielle Lage angespannt ist, dann muss man Prioritäten setzen, und Prioritäten setzen heißt: Kinder statt Klientel, Familien statt Förderfreunden, Pflege statt Politvereinen, Sicherheit statt Symbolpolitik, Leistungsträger statt linker Lieblingsprojekte. Deshalb lautet unser Antrag auch ganz klar und deutlich: Der Wiener Gemeinderat soll sich für den sofortigen Stopp der Förderung des Vereines ZARA aussprechen. (Beifall bei der FPÖ.) Das ist nicht nur ein Gebot der Fairness gegenüber den Steuerzahlern und all jenen Menschen, die das Geld dringend brauchen. Das ist auch ein Gebot der politischen Ehrlichkeit. Das ist ein Gebot hinsichtlich Prioritätensetzung, wie ich schon gesagt habe, denn jeder Euro kann nur einmal ausgegeben werden. Wenn ich oder meine Fraktion die Wahl hätte, ob ein Euro in die Betreuung eines Kindes mit besonderem Bedarf oder in einen umstrittenen Verein, einen Vernaderungsverein, geht, dann ist für uns Freiheitliche die Antwort ganz klar. (GRin Mag. Stefanie Vasold: Vernaderungsverein!) Der Euro gehört zum Kind. Der Euro gehört zur Familie. Der Euro gehört dorthin, wo er unmittelbar hilft. Daher sagen wir heute Ja zur Förderung inklusiver Betreuung und natürlich auch Ja zur Unterstützung von Kindern mit besonderen Bedürfnissen. Wir sagen Ja zur Unterstützung von Familien, die Hilfe brauchen. Wir sagen aber ein klares Nein zu ZARA-Förderungen und ein klares Nein zu einer Stadtpolitik, die bei den Bürgern spart und bei den eigenen Freunden ganz großzügig wird. - Danke. (Beifall bei der FPÖ.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Zu Wort ist niemand mehr gemeldet, Die Debatte ist geschlossen. Der Herr Berichterstatter hat das Schlusswort. - Bitte. Berichterstatter GR Nikola Poljak, BA, MA: Sehr geehrte Damen und Herren! Ich habe nicht gewusst, dass ZARA einen Kindergarten betreibt. Das ist mir irgendwie neu! Ganz kurz: Als Mensch mit Migrationshintergrund, der in Wien aufgewachsen ist, sage ich: Solange Ihre Plakate so sind, wie sie sind, solange werden wir ZARA brauchen. (Beifall bei SPÖ und NEOS. - GR Maximilian Krauss, MA: Das ist keine Berichterstattung!) Weil die entsprechende Frage gestellt wurde: Uns geht es um unsere Kinder, und uns geht es um unsere MitarbeiterInnen in den Kindergärten, die Tag für Tag einen Wahnsinnsjob leisten. - Danke. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Wir kommen nun zur Abstimmung über die Postnummer 1. Wer dem beitritt, den bitte ich um ein Zeichen mit der Hand. - Die Zustimmung erfolgt einstimmig. Es liegt eine Reihe von Anträgen vor. Antrag der ÖVP: Förderstopp für Kinderbetreuungsverein Abendstern. Wer dem beitritt, den bitte ich um ein Zeichen. - Zustimmung bei ÖVP, FPÖ und GRÜNEN gegen SPÖ und NEOS. Das ist nicht die erforderliche Mehrheit und daher abgelehnt. Antrag der ÖVP: Neuaufstellung der Kindergarten-Fördermittelkontrolle. Wer dem beitritt, den bitte ich um ein Zeichen mit der Hand. - Zustimmung bei ÖVP, FPÖ und GRÜNEN gegen SPÖ und NEOS. Das ist nicht die Mehrheit und somit abgelehnt. Antrag der FPÖ: Förderstopp ZARA. Ich bitte um ein entsprechendes Zeichen der Zustimmung. - Zustimmung bei FPÖ und ÖVP gegen SPÖ, NEOS und GRÜNE. Das ist nicht die erforderliche Mehrheit und daher abgelehnt. Antrag der FPÖ: Offenlegung der Angestelltenverhältnisse. Ich bitte um ein entsprechendes Zeichen der Zustimmung. - Zustimmung bei FPÖ gegen die Stimmen von ÖVP, SPÖ, NEOS und GRÜNEN. Das ist nicht die Mehrheit und daher abgelehnt. Antrag der GRÜNEN: Neuaufstellung des Fördersystems für private Kindergärten. Diesfalls wird die Zuweisung an den Bildungsausschuss beantragt. Wer tritt der Zuweisung bei? - Die Zustimmung erfolgt durch GRÜNE, SPÖ, NEOS und ÖVP gegen die Stimmen der FPÖ, daher mehrstimmig zugewiesen. Wir kommen nun zur Postnummer 3. Sie betrifft eine Förderung an den Verein DERAD - Extremismusprävention und Demokratie. Ich bitte den Berichterstatter, Herrn GR Mag. Gremel, die Verhandlungen einzuleiten. Berichterstatter GR Mag. Marcus Gremel, MBA: Ich bitte um Zustimmung. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Ich eröffne die Debatte. Zum Wort gemeldet ist Herr GR Mag. Burian. Ich erteile es ihm. GR Mag. Lukas Burian (NEOS): Sehr geehrter Herr Vorsitzender, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Wenn wir über Sicherheit sprechen, dann sprechen wir gerne oft über Polizei, über Strafrecht und über Maßnahmen, die dann greifen, wenn bereits etwas passiert ist. Was dabei aber oft zu kurz kommt - und genau darum geht es in diesem Poststück - ist eben der Moment davor: Der Moment, in dem sich Einstellungen verhärten, der Moment, in dem Menschen beginnen, sich von unserer Gesellschaft zu entfernen, aber auch der Moment, in dem wir eigentlich noch die Chance haben, gegenzusteuern. Genau hier setzt die Arbeit von DERAD - Netzwerk Sozialer Zusammenhalt für Dialog, Extremismusprävention und Demokratie an. Und DERAD arbeitet gar nicht abstrakt, sondern ganz konkret im Einzelfall mit Menschen, die bereits mit extremistischen Ideologien in Berührung gekommen sind, teilweise im Kontext mit Justiz und Bewährung, teilweise im Umfeld von Jugendlichen, bei denen wir sehen: Wenn wir jetzt nichts tun, wird es kippen, und dann ist der Zug abgefahren. Das ist keine niederschwellige Maßnahme, sondern da geht es um intensive und oft jahrelange Arbeit, und diese beginnt nie oder zumindest ganz selten mit Zustimmung, sondern häufig mit Widerstand. Viele Klientinnen und Klienten kommen nicht freiwillig. Das heißt: Am Anfang steht nicht Überzeugung, sondern Beziehungsarbeit. Es geht darum, Vertrauen aufzubauen, Gespräch zu ermöglichen und überhaupt erst einen Zugang zu schaffen. Und genau darin liegt auch die besondere Qualität der Arbeit von DERAD. Sie strukturiert und baut professionell auf. Es geht hier um Biografie-Arbeit, um Brüche und Radikalisierungsdynamiken zu verstehen. Es geht um ideologiekritische Arbeit, die extremistische Weltbilder systematisch hinterfragt. Und es geht immer auch um das Aufzeigen von realen Alternativen im Alltag. Das Ziel ist also nicht kurzfristige Zustimmung, sondern das Ziel ist nachhaltige Veränderung, und das braucht Zeit, Kontinuität und Verlässlichkeit. Ein Punkt ist mir besonders wichtig: Deradikalisierung ist keine weiche Maßnahme, sondern sie ist ein zentraler Teil moderner Sicherheitspolitik, denn wer Radikalisierung früh unterbricht, verhindert Eskalation, und genau darum geht es ja. (Beifall bei den NEOS.) Deradikalisierung braucht Verlässlichkeit. Sie braucht gut abgestimmte Zusammenarbeit zwischen Justiz, Sozialarbeit, Bildung, Jugendhilfe und zivilgesellschaftlichen Trägern. Und gerade, weil die öffentlichen Mittel begrenzt sind, müssen wir sie professionell und koordiniert dort einsetzen, wo sie Wirkung entfalten. Es geht bei diesem Förderbetrag also nicht um symbolische Budgetdebatten, sondern es geht um kluge Priorisierung, klare Schnittstellen und nachhaltige Wirkung. Ich möchte ganz kurz - das ist mir aber wirklich auch besonders wichtig - auf den Antrag der Freiheitlichen eingehen. Der geschilderte Anlassfall über den sexuellen Missbrauch macht natürlich betroffen. Wenn Kinder Opfer sexualisierter Gewalt werden, erschüttert das nicht nur menschlich, sondern auch gesellschaftlich. Und wir in der Politik stehen in diesem Zusammenhang besonders in der Verantwortung. Klar ist aber auch: Das Strafrecht und die konkrete Strafbemessung sind Bundesmaterie. Dort wird man sich sehr genau anschauen müssen, ob die bestehenden gesetzlichen Rahmenbedingungen, deren Anwendung und der Opferschutz in dieser Form tatsächlich ausreichend sind. (Beifall bei den NEOS.) Unsere Aufgabe hier in Wien ist es, gleichzeitig dort konsequent zu handeln, wo wir Verantwortung tragen, nämlich beim Kinderschutz, bei der Prävention, bei Unterstützungssystemen und bei einer starken Kinder- und Jugendhilfe - und zwar ganz aktuell zum Beispiel mit der Auszeit-WG. Was heißt das für uns als Stadt Wien? - Wir begreifen Prävention und Deradikalisierung als Teil einer modernen Sicherheitspolitik. Wir stärken die Zusammenarbeit der relevanten Stellen weiter, und wir achten immer auch darauf, dass Maßnahmen nicht nebeneinander, sondern ineinander greifen. Gerade in Wien mit seiner großartigen Vielfalt und den unterschiedlichsten Lebensrealitäten ist diese Arbeit zentral für eine funktionierende und sichere Stadt. Darum stehen auch wir hier weiterhin zur Förderung von ZARA. Ich und wir alle freuen uns sehr, dass hier auf Bundesebene so rasch eine weitsichtige Lösung gefunden werden konnte, denn es ist durchaus ernüchternd zu sehen, dass manchen in der Politik die Menschen vielleicht doch nicht so wichtig sind, wie sie immer gerne behaupten. Sehr geehrte Damen und Herren, Radikalisierung ist ein Prozess, und genauso ist auch Deradikalisierung ein Prozess. Es gibt keine schnellen Lösungen, es gibt aber wirksame Ansätze, und die Arbeit von DERAD ist ein solcher Ansatz. Wenn wir Sicherheit ernst meinen, dann investieren wir eben nicht nur dort, wo Probleme sichtbar werden, sondern auch dort, wo wir verhindern können, dass sie überhaupt erst entstehen - und zwar strukturiert, verlässlich und mit dem klaren Ziel: Weniger Radikalisierung und mehr Zusammenhalt für ein sicheres Wien. - Vielen Dank. (Beifall bei NEOS und SPÖ.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Zum Wort gemeldet ist Frau GRin Mag. Aslan. - Bitte. GRin Mag. Berivan Aslan (GRÜNE): Herr Vorsitzender, liebe Kolleginnen und Kollegen! Ja, wir stimmen diesem Punkt zu, weil auch wir der Meinung sind, dass Extremismusprävention sehr wichtig ist. Und es ist gerade jetzt, da wir steigenden Rechtsextremismus, Frauenhass und Islamfeindlichkeit haben, mehr denn je wichtig, dass man Vereine wie DERAD unterstützt. Wir sind sogar für eine Basisfinanzierung derartiger Vereine, denn da geht es um die Herausforderungen unserer Zeit. Die steigende Radikalisierung in all ihren Formen spaltet uns und schwächt uns gesellschaftlich, und aus diesem Grund ist es mehr denn je wichtig, dass wir uns geschlossen hinter diese Vereine stellen. Stichwort ZARA: Wenn eine Politik beginnt, bei Antirassismusarbeit und beim Schutz vor Hass zu sparen, dann spart sie nicht nur bei einem Verein, sondern dann spart sie bei Demokratie und Menschenwürde, beim Schutz von Frauen und gleichzeitig beim gesellschaftlichen Frieden. Und genau deshalb war die Einstellung beziehungsweise die Kürzung des Budgets für den Verein ZARA ein politischer Fehler. Wir wissen schon längst: Hass beginnt nicht nur mit physischer Gewalt, sondern er beginnt mit Worten, mit Hetze, mit Entmenschlichung. Besonders Frauen erleben das tagtäglich - Aktivistinnen, Journalistinnen, Künstlerinnen, Frauen mit Migrationsgeschichte, jüdische Frauen, muslimische Frauen, sichtbare Musliminnen. Sie erleben tagtäglich Hass und Hetze. Sie werden bedroht, beleidigt, sexualisiert, eingeschüchtert, und zwar nicht deshalb, weil sie irgendetwas falsch gemacht haben, sondern weil sie sichtbar sind und ihre Stimme erheben. Genau deshalb ist die Arbeit von ZARA keine Zusatzleistung der Politik. Dabei geht es nicht um eine Zusatzleistung der Bundesregierung, eines Ministeriums oder der Stadtregierung, sondern um eine demokratiepolitische Grundversorgung, für die wir alle einstehen müssen. (Beifall bei GRÜNEN, SPÖ und NEOS.) Die kurzfristige Finanzierung des Vereines ZARA durch das Frauenministerium und auch durch Vizekanzler Andi Babler ist zwar enorm wertvoll und sehr wichtig. Damit wurde sozusagen kurz für ein Aufatmen gesorgt. Aber seien wir uns ehrlich: Eine kurzfristige Finanzierung ist noch lange keine Rettung. Eine kurzfristige Finanzierung ist nur ein Wundpflaster. Das bedeutet, dass man die Menschenrechte nur befristet fördert. Und es kann doch nicht sein, dass Menschenrechte und der Schutz vor digitaler Gewalt nur auf ein Projekt befristet sind! Es geht ja nicht nur ZARA, sondern auch vielen anderen NGOs so, die wichtige Antirassismusarbeit leisten und die sich auch gegen Hass im Netz wirklich wehren. Die Arbeit all dieser Vereine und Organisationen, die enorm wichtige gesellschaftspolitische Arbeit leisten, ist befristet. Es kann doch nicht sein, dass wir von demokratiepolitischer Notwendigkeit sprechen und dann all diese Vereine nur für eine kurze Dauer finanzieren. Zum Status quo im Fall ZARA: Es besteht Unsicherheit, und zwar nicht nur für die MitarbeiterInnen, sondern auch für die Betroffenen und für all jene, die tagtäglich Demokratiearbeit leisten. Das kann doch nicht sein! Diese kurzfristige Finanzierung von ZARA sorgte für ein Aufatmen, Fakt ist aber, dass die Zivilgesellschaft sich vor allem gegen diese Kürzung gestellt hat: 80 000 Menschen haben die "Aufstehen"-Petition gegen diese Kürzung unterzeichnet. 80 000 Stimmen haben gesagt: Nein, das lassen wir nicht zu! Wir lassen nicht zu, dass Österreich auf Antirassismusarbeit verzichtet! Wir lassen nicht zu, dass der Kampf gegen digitale Gewalt aufhört! Wir lassen nicht zu, dass derartige Projekte irgendwie ausgehungert werden! Ich glaube, diesen Widerstand haben wir all jenen Menschen zu verdanken, die sich im Social Media-Bereich und auch auf der Straße enorm gegen diese Kürzungen gewehrt haben. Und das hat gezeigt: Widerstand wirkt. Daher möchte ich an dieser Stelle all diesen 80 000 Menschen und darüber hinaus allen danken, dass sie es geschafft haben, mit uns gemeinsam für die Kürzung betreffend ZARA einzutreten. - Danke nochmals! (Beifall bei GRÜNEN und SPÖ.) Wie schon vorher erwähnt: Gerade in einer Zeit, in der Frauenfeindlichkeit, Frauenhass, Antisemitismus, Islamfeindlichkeit und auch Rechtsextremismus immer lauter werden, dürfen wir natürlich nicht jene schwächen, die tagtäglich dagegenhalten, denn das gehört ganz einfach zur demokratischen Infrastruktur, und wer dort kürzt, der kürzt an den demokratischen Basics dieser Republik und dieser Stadt, und das dürfen wir nicht zulassen. Deswegen bringen wir heute einen Antrag zur nachhaltigen Förderung des Vereines ZARA und auch aller anderer Vereine ein, die diese wichtige demokratiepolitische Aufgabe für uns erfüllen: Demokratie darf nämlich nicht von Spenden oder von kurzfristig finanzierten Projekten abhängig sein. Menschenrechte dürfen kein Projekt auf Zeit sein. Und der Schutz von Frauen vor Hass und Gewalt darf niemals verhandelbar sein. - Danke sehr. (Beifall bei GRÜNEN und SPÖ.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Zum Wort gemeldet ist Frau GRin Frühmesser-Götschober. - Bitte schön. GRin Lisa Frühmesser-Götschober (FPÖ): Sehr geehrter Herr Vorsitzender, sehr geehrter Herr Berichterstatter, meine Damen und Herren! Wenn wir uns die aktuellen Entwicklungen ansehen, dann dürfen wir nicht die Augen verschließen vor der Gewalt, die deutlich ansteigt - und zwar vor allem gegenüber Frauen und Kindern. Auch die explodierenden Kriminalitätszahlen sprechen eine klare Sprache. Radikalisierung verlagert sich zunehmend in den digitalen Raum, und wir erleben eine besorgniserregende Verschiebung von Hemmschwellen. Gerade durch die permanente Verfügbarkeit extremistischer Inhalte, durch radikale Parallelwelten und einseitig geprägte Weltbilder entsteht ein Umfeld, in dem Gewalt und Gesetzesverstöße nicht mehr als klare Grenze wahrgenommen werden, sondern zunehmend als legitimes Mittel erscheinen. Die Verschiebung der Hemmschwelle, sich strafbar zu machen oder extremistischen Ideologien anzuschließen, ist spürbar. Diese Entwicklung wurde nicht zuletzt nach dem islamistischen Anschlag in Villach besonders deutlich, der auch die zunehmende Radikalisierung von Jugendlichen über Onlinekanäle in den Fokus gerückt hat. Man braucht einen Offlineeinfluss. Noch vor zehn Jahren hat man gesagt: Radikalisierung spielt sich nie komplett online ab. Jetzt sieht man aber immer deutlicher, dass sich Radikalisierungsverläufe fast ausschließlich nur mehr online abspielen - und zwar binnen kürzester Zeit in den sozialen Netzwerken. Und auch die Wahrnehmung der Bevölkerung ist eindeutig. Laut Österreichischem Integrationsfonds nennen rund 60 Prozent der Bevölkerung den politischen Islam und die Radikalisierung als zentrales Problem beziehungsweise als große Sorge. Das unterstreicht, dass in diesem Bereich ein reales Problem besteht, das nicht relativiert werden darf, und dabei ist klar festzuhalten: Es geht nicht um die Religion als private Glaubensausübung, sondern um deren politische Instrumentalisierung. Der politische Islam stellt die Demokratie beziehungsweise demokratische Grundwerte in Frage, fördert Parallelstrukturen und trägt zur Radikalisierung bei, wie wir heute schon in der Aktuellen Stunde betreffend das Imam-Ali-Zentrum diskutiert haben. Erst vorige Woche wurde im Nationalrat einstimmig beschlossen, dass rechtliche Schritte zu einer möglichen Schließung geprüft werden sollen. Die Verbindungen zwischen gewaltbereitem Frauenhass und extremistischen Strömungen sollen genau unter die Lupe genommen werden. Es ist besorgniserregend, dass erst jetzt gehandelt wurde, obwohl schon seit Jahren entsprechende Hinweise bestehen, und auch der Bürgermeister meint, dass er das erst durch die Medien erfahren hat. - Diese zögerliche Herangehensweise im Umgang mit Extremismus ist nicht zu dulden! (Beifall bei der FPÖ.) Es ist daher notwendig, klar zwischen Religion und politischem Extremismus zu unterscheiden. Während Religionsfreiheit selbstverständlich geschützt ist, darf die politische Instrumentalisierung von Religion nicht dazu führen, dass unsere gesellschaftliche und vor allem verfassungsrechtliche Ordnung untergraben wird. Vor diesem Hintergrund sehen wir Organisationen wie den Verein DERAD, der in enger Kooperation mit staatlichen Stellen, etwa dem Bundesministerium für Justiz oder Einrichtungen der Stadt Wien, im Bereich der Extremismusprävention tätig und sogar in der Betreuung einschlägig verurteilter Straftäter eingebunden wird. Das zeigt deutlich, dass wir es längst nicht mehr mit Einzelfällen zu tun haben, sondern ein strukturelles Problem haben, das tief in unsere Gesellschaft hineinwirkt. In Kombination mit zunehmender Onlineradikalisierung führt das dazu, dass, wie gesagt, die Hemmschwellen sinken und Gewalt und Übergriffe eher in Kauf genommen oder sogar gerechtfertigt werden. Man denke in diesem Zusammenhang zum Beispiel an die Gruppenvergewaltigungen, die stetig zunehmen, an die Ehrenmorde, an die Genitalverstümmelungen, an Kinderehen, an Zwangsehen. All das findet bei uns statt. Und genau an diesem Punkt beginnt unsere Aufgabe: Der Rechtsstaat hat hier klar und konsequent zu reagieren. (Beifall bei der FPÖ.) Genau deshalb braucht es jetzt notwendige Reformen im Bereich der Opferrechte - konsequente Verschärfungen im Strafrecht und einen umfassenden Schutz von Kindern vor sexuellem Missbrauch. Und der Kollege Burian von den NEOS hat eben gesagt, es ist Bundesmaterie. Ja, das ist ganz klar, das ist auch bei unserem Antrag herauszulesen, dass wir hier wirklich die Bundesregierung und auch die Bundesministerin für Justiz auffordern, dass sie dem Nationalrat eine Regierungsvorlage zur Beschlussfassung mit unseren Punkten zuleiten. (Beifall bei der FPÖ.) Dazu bringen wir zwei zentrale Anträge ein, die eben auf die Verbesserung im Strafrecht und im Opferschutz abzielen. Unser Antrag Opferrechte und notwendige Reformen zeigt die gravierenden Defizite im Bereich des Opferschutzes und der Transparenz der Strafrechtspflege auf. Mit dem Antrag setzen wir uns für eine umfassende Stärkung der Opferrechte sowie für mehr Transparenz und vor allem Nachvollziehbarkeit im Strafverfahren ein. Konkret fordern wir daher ein umfassendes Berufungsrecht für Opfer von schweren Gewalt- und Sexualdelikten, insbesondere bei Straftaten gegen Kinder, das sich auch auf die Tat- und Schuldfrage sowie auf die Strafzumessung erstreckt. Auch bestehende Regelungen etwa im Bereich der Fortführungsanträge sollen so reformiert werden, dass die Opfer ihre Rechte früher und vor allem effektiver wahrnehmen können, um eben deren Durchsetzung sicherzustellen. Insgesamt verfolgt der Antrag das Ziel, die Rechte der Opfer zu verstärken, im Strafverfahren deutliche Sicherheit zu geben, vor allem die Nachvollziehbarkeit und Transparenz gerichtlicher Entscheidungen zu verbessern und das Vertrauen der Bevölkerung in ein faires und nachvollziehbares Strafsystem zu stärken. Es soll sichergestellt werden, dass das Strafmaß bei Sexualdelikten gegen Minderjährige deutlich verschärft wird und stärker dem Ausmaß des verursachten Leids Rechnung trägt. (Beifall bei der FPÖ.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Zu Wort gemeldet ist GRin Hanke, ich erteile es ihr. GRin Marina Hanke, BA (SPÖ): Sehr geehrter Herr Vorsitzender, Herr Berichterstatter, werte Kolleginnen und Kollegen! Bei diesem Poststück kann man in der Debatte zumindest mit einer erfreulichen Nachricht anfangen, nämlich, es ist die Förderung für den Verein DERAD im Ausschuss einstimmig beschlossen worden, was natürlich sehr positive Nachrichten sind. Warum, weil der Verein DERAD in dieser Stadt schon sehr lange intensiv und gut mit dem Justizministerium, der Kinder- und Jugendhilfe und auch der Landesstelle Extremismusprävention zusammenarbeitet und wir sehr froh sind, dass wir so gute Partner und Partnerinnen in unserer Stadt haben, die in so wichtigen Bereichen wie der Extremismusprävention mit Bildungsangeboten und umfassender Expertise zur Verfügung stehen. Ich finde, da sieht man auch sehr schnell mit einem Blick auf die Fachpublikationen, Vorträge, Konsultationen, die der Verein DERAD auch international durchführt, nicht nur in Österreich, dass wir im Bereich Extremismusprävention wirklich eine sehr solide Partnerin haben. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Die dann eher schlechtere Nachricht ist, dass es dann auch schon wieder aus ist mit der Einigkeit, nämlich vielleicht auch in Fragen, was denn jetzt alles als Extremismus gilt oder nicht gilt. Jetzt muss man sich nicht inhaltlich einig sein, aber es ist dann schon irgendwann eine Frage der Glaubwürdigkeit. Und gerade da muss ich den Blick zur FPÖ wenden, wenn wir von Extremismus und Extremismusprävention reden, dann ist es bei Ihnen trotz vieler holder Worte hier im Gemeinderat und anderswo oft sehr schnell aus bei allem, was Ihnen politisch nicht ins Konzept passt. Dann kommt schnell der Vorwurf, irgendwas ist ideologisch und linksideologisch und so weiter. Dann wird gesagt, ZARA ist eine linke NGO oder ein Sitzkreisverein - das hat auch irgendwer von Ihnen gesagt. Da wird dann, finde ich, sehr deutlich, wer wirklich ideologisch arbeitet. Das ist ja jetzt für mich per se kein Schimpfwort, Sie verwenden es dann immer. Aber natürlich, ein Verein, der im antirassistischen Bereich tätig ist, passt Ihnen gleich gar nicht. Ich möchte mich an dieser Stelle nicht über Kontakte, zögerliche Herangehensweise in der Distanzierung oder Überschneidungen der FPÖ zu rechtsextremen Organisationen oder Inhalten verbreiten, das ist ordentlich aufgearbeitet, vielleicht inhaltlich aber schon auch noch auf den Vorwurf eingehen, der immer wieder gemacht wird, dass die Stadt Wien und auch vor allem die Regierungsparteien irgendwie das Problem von Extremismus und Radikalisierung nicht ernst nehmen würden oder vielleicht gerade erst draufgekommen wären, dass das ein Thema ist. Die Stadt Wien nimmt seit sehr langer Zeit die Problematik von Extremismen, nämlich von sehr unterschiedlichen und somit allen Formen von Extremismus ernst. Das machen wir mit einem Netzwerk, das sich dem Thema Extremismusprävention, Demokratiestärkung widmet, schon sehr lange Zeit, seit einem Zeitpunkt, als andernorts noch gar nicht viel darüber gesprochen worden ist. Das machen wir durch enge Kooperation mit Vereinen wie zum Beispiel DERAD. Das machen wir aber auch zum Beispiel in der außerschulischen und offenen Jugendarbeit, wenn es darum geht, junge Menschen schon sehr früh zu begleiten, wenn sie radikalisierenden Tendenzen und Einflüssen ausgesetzt sind, offline wie online, zum Beispiel auch noch einmal verstärkt jetzt in den letzten Jahren mittels der Fachstelle Demokratie, die eine ganz wichtige ExpertInnenstelle ist, wenn es darum geht, JugendarbeiterInnen, aber auch Pädagogen, Pädagoginnen in vielen anderen Bereichen genau zu den wichtigen Themen Antisemitismus, Extremismus und Radikalisierung, aber auch Rechtsextremismus und andere extreme Tendenzen zu beraten und auch zu schulen, damit eben auch präventiv vorgegangen werden kann. Ich möchte aber noch auf einen anderen Bereich eingehen, der den Verein ZARA betrifft, weil er auch sehr relevant in der Debatte und wie sie hier jetzt verläuft beziehungsweise auch beim vorherigen Poststück ist. Ich war ein bisschen irritiert über die Wortmeldung von Frau Frühmesser, die darüber spricht, dass digitale Gewalt ansteigt, dann aber Teil einer Fraktion ist, die einen Antrag einbringt, dass man einer Stelle, die die Stelle in Österreich ist, die gegen Hass im Netz agiert und Betroffene unterstützt, das Geld wegnimmt. Das ist ein Widerspruch, der sich für mich nicht ganz ausgeht. (Beifall bei SPÖ und NEOS. - Zwischenruf von GR Armin Blind und GR Michael Stumpf, BA.) - Wenn das für Sie so ist, dann mag das so sein. - Was mich aber wirklich anders emotional bewegt hat, als diese meiner Meinung nach nicht Auflösbarkeit der Frau Kollegin Frühmesser, war die Wortmeldung vom Herrn Kollegen Stumpf. Sie haben sich da hingestellt und haben gesagt: Erklären Sie das den WienerInnen, was bringt ihnen das, auch in Ihrem Antrag führen Sie es nicht einmal näher aus, erklären Sie das den Steuerzahlerinnen! (GR Michael Stumpf, BA: Jetzt haben Sie die Gelegenheit!) - Wissen Sie was, ich erkläre sehr gerne den Steuerzahlerinnen - da wäre ich nämlich ein bisschen vorsichtig, wenn ich bei der FPÖ bin -, dass es zum Beispiel Ihre Fraktion im Europäischen Parlament war, wo 2016 478 000 EUR für Champagner, für kostspieliges Essen, für teure Weine und andere Sachen ausgegeben worden sind, die dann vom Europäischen Parlament zurückgefordert worden sind. Das erkläre ich den SteuerzahlerInnen sehr gerne. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Und ja, ich erkläre auch sehr gerne Betroffenen von Onlinegewalt, dass wir eine Stelle unterstützen, die ihnen dabei zur Seite steht. Sie nehmen immer für sich in Anspruch, dass Sie von den Wienerinnen und Wienern reden, und meinen dabei aber nur eine kleine Gruppe. Ja, es gibt sehr viele Frauen in unserer Stadt und auch sehr viele andere Menschen, aber vor allem Frauen, die von Onlinegewalt betroffen sind, die von Hass und Hetze im Internet betroffen sind, im digitalen Raum, und ich kann Ihnen sagen, das ist nichts, was man irgendwie lustig weg lacht. Das ist unangenehm, das schränkt ein, das ist auch genau das Ziel von digitaler Gewalt: Frauen sollen dabei eingeschränkt werden, dass sie ihre Meinung sagen, dass sie sich äußern, dass sie, wenn sie Journalistinnen sind, Politikerinnen oder auch in irgendeinem anderen Berufsfeld, auffallen und öffentlich auftreten. Und ja, all diesen Betroffenen erkläre ich sehr gerne, dass wir als Stadt Wien hinter einer Stelle wie ZARA stehen, die genau da unterstützt, genau wie hinter sehr vielen anderen Vereinen und Organisationen, die im Gewaltschutz, im Antirassismus und sonstigen Antidiskriminierungsbereichen tätig sind. Und ich bin dankbar, auch im Interesse der Wienerinnen, dass unser Vizekanzler und unsere Frauenministerin ZARA weiter unterstützen. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Zu Wort gemeldet ist GR Stumpf. Ich erteile es ihm. GR Michael Stumpf, BA (FPÖ): Sehr geehrter Herr Vorsitzender, Herr Berichterstatter, Frau Stadträtinnen. Also wenn zu unserer Stoßrichtung, dass man ZARA die Förderung streichen sollte, so viel Rückmeldung kommt, und es ist eigentlich das dominierende Thema auch im nächsten Poststück, dann wissen wir, wir haben eigentlich alles richtig gemacht. Es geht genau um diese rot-pinken Freunde, die trotz budgetär angespannter Zeiten weiterhin auf Ihre großzügige Unterstützung natürlich vom Steuergeld der Wienerinnen und Wiener rechnen können. Also Sie haben uns in Wirklichkeit das erklärt, was ich schon den Leuten gesagt habe, und Sie haben es noch einmal bestätigt. - Danke dafür. (Beifall bei der FPÖ.) Bei Postnummer 3 reden wir über die Förderung des Vereines DERAD, das haben Sie auch versucht darzustellen, als wäre es uns ein Dorn im Auge. Wir sind durchaus sehr zufrieden mit der Arbeit von DERAD, und falls es Ihnen entgangen sein sollte, wir stimmen dem auch zu. Wir haben im Ausschuss zugestimmt, wir werden es jetzt auch in dieser Sitzung machen. Trotzdem packen Sie halt Ihre alte notorische Kiste aus, die vielleicht maximal am Parteitag ankommt, bei den letzten SPÖlern, die noch mit der geballten Faust in der ersten Reihe stehen, aber die Wienerinnen und Wiener kaufen Ihnen den Schmäh nicht ab, dass wir gegen Extremismusprävention wären. Ganz im Gegenteil, gerade wir sind ja jene, die unser Land, unsere Gesellschaft vor gewissen extremistischen Tendenzen bewahren wollen, während Sie diese tendenzfördernden Vereine weiter fördern wollen. Das ist hier genau der springende Punkt. Niemand in dieser Stadt kann ernsthaft bestreiten, dass Prävention gerade im Extremismusbereich, gerade bei Kindern und Jugendlichen wichtig ist. Und genau bei diesem Punkt beginnt dann die eigentliche Frage. Meine Damen und Herren, wenn wir uns im Bereich der Extremismusprävention prinzipiell einig sind und wenn wir bei der Deradikalisierung auch sagen, Prävention, Betreuung, Intervention und Schutz sind notwendig, warum schaffen wir es dann nicht, dieselbe Entschlossenheit dort aufzubringen, wo die Schwächsten in unserer Gesellschaft betroffen sind, nämlich bei unseren Kindern? Denn wenn es um Kinder geht, darf es keine halben Antworten geben, kein Wegschauen, keine Ausreden, keine milden Worte für harte Verbrechen, und schon gar keine Justiz, bei der die Bevölkerung den Eindruck bekommt, der Täter bekommt eine zweite Chance, aber das Kind bekommt sein altes Leben nie wieder zurück. Sie wissen, worauf ich jetzt zu sprechen kommen werde, eine schockierende Sache, nämlich, wie wir vor einigen Wochen erfahren haben, ein Prozess, ein Urteil über einen aus Syrien zugewanderten Kinderschänder, der mit lediglich viereinhalb Jahren Haft bestraft wurde, nachdem er ein sechsjähriges Mädchen in seine Wohnung gelockt und vergewaltigt hat. Und da sogar der Richterspruch in diese Richtung argumentiert wurde, er hat ja, bevor er dem Mädchen aufgelauert hat, potenzsteigernde Mittel zu sich genommen und konnte deswegen nicht mehr seine Hand an sich halten. Solche Entwicklungen in justiziellem Sinne, in der gesellschaftlichen Debatte, solche wahnsinnigen und abstrusen Argumentationen führen dazu, dass das Vertrauen der Bevölkerung in den Rechtsstaat und auch in justizielle Entscheidungen verschwindet. Und solch ein Urteil, viereinhalb Jahre Haft, nachdem dieser Syrer ein Kinderleben für immer zerstört hat, steht in keinem Verhältnis zur Schwere dieser Tat. Und Sie senden ein fatales Signal, an Täter, an Opfer, an die Eltern und an die gesamte Gesellschaft. Genau dazu haben wir einen Antrag eingebracht, wo wir festhalten wollen, dass Kinder in diesem Rahmen besonderen Schutz verdienen, dass Kinder kein statistisches Zahlenmaterial sind, Kinder sind keine Aktenzahl, sie sind auch keine Fußnote in einem Strafverfahren. Kinder sind das Wertvollste, was wir haben, das sage ich auch als Vater von drei Kindern. Wer ein Kind missbraucht, wer ein Kinderleben für immer zerstört, wer einem Kind seine Sicherheit, seine Unbeschwertheit und seine Würde raubt, der darf nicht mit einem Strafmaß davonkommen, dass die Menschen nur noch fassungslos zurücklässt. (Beifall bei der FPÖ.) Was fordern wir in diesem Beschlussantrag? - Erstens fordern wir die Bundesministerin für Justiz auf, endlich deutlich höhere Freiheitsstrafen für alle Arten von Straftaten an Kindern vorzulegen - und zwar ohne vorzeitige Entlassung. Denn, wer sich an Kindern vergeht, hat sein Recht auf milde Behandlung verwirkt. Da geht es nicht um Symbolpolitik, da geht es um Gerechtigkeit, da geht es um Schutz und da geht es um ein klares Signal, der Staat steht auf der Seite der Opfer und nicht auf der Seite der Täter. Zweitens fordern wir eine kindergerechtere Justiz mit verpflichtendem Verfahrensbeistand. Ein Kind darf in einem Verfahren nicht noch einmal zum Opfer werden. Es braucht daher Begleitung, Schutz, klare Abläufe und Menschen, die dafür sorgen, dass ein Kind in einem Verfahren nicht untergeht. Drittens fordern wir ein Verbot von Kindersexpuppen und pädophilen Handbüchern, inklusive Handel und Handelsplattformen. Wer solche Dinge bestellt, herstellt, verbreitet, verkauft, nutzt, der bewegt sich nicht in irgendeiner Grauzone, das ist Teil einer widerlichen Täterkultur, die bekämpft und um keinen Preis toleriert werden darf. (Beifall bei der FPÖ.) Viertens fordern wir bessere Handlungsinstrumente für Polizei und Staatsanwaltschaft. Unsere Behörden müssen handeln können, bevor aus Gefahr Realität wird, sie brauchen auch die rechtlichen Möglichkeiten, die personellen Ressourcen und den politischen Rückhalt. Fünftens fordern wir Konsequenzen für Personen im Staatsdienst oder in staatsnahen Organisationen, wenn sie wegen schwerer Sexualdelikte gegen Kinder rechtskräftig verurteilt wurden. Es kann doch nicht sein, dass jemand, der nach § 206 Strafgesetzbuch verurteilt wurde, jemals wieder in einem Bereich tätig ist, in dem er mit Kindern oder Jugendlichen, also sogenannten vulnerablen Gruppen zu tun hat. Hier braucht es Klarheit, und hier braucht es null Toleranz. Und unser Antrag geht sogar noch weiter, wir fordern auch die zuständigen Bundesminister auf, Psychotherapieplätze für Kinder, Jugendliche und Familien flächendeckend auszubauen, denn Opfer brauchen Hilfe, Familien brauchen Unterstützung, und Prävention heißt auch Probleme früh erkennen, Kinder stärken, Familie nicht alleine lassen. Hier wird das Geld benötigt, nicht bei irgendwelchen Günstlingsvereinen. (Beifall bei der FPÖ.) Weiters fordern wir die laufende Finanzierung der Gewaltschutzambulanzen - ein wichtiges Thema. Wir fordern rechtsmedizinische Unterstützung für Kinderärzte bei der Dokumentation von Verletzungen, wir fordern schärfere Kontrollen in Kindercamps und wir fordern professionellere Strukturen bei der Betreuung von Opfern, mit besserem Austausch zwischen Ärzten, Jugendamt und Polizei. Schließlich betrifft dieser Antrag auch Wien ganz konkret. Wir fordern den zuständigen Stadtrat, in dem Fall die zuständige Stadträtin auf, verstärkte Kontrollen in Kindergärten und Volksschulen einzuführen. Wir wollen verpflichtende Aufklärung gegen Missbrauch, wir fordern Quartalsgespräche von Kinderpsychologen mit jedem Kind, vom Kindergarten bis zur Volksschule, mit Einsicht für die Eltern. Wir fordern ein unabhängiges Gremium über dem Jugendamt, sobald es um Fremdunterbringung geht, und wir fordern mehr finanzielle Unterstützung für Kinderhilfseinrichtungen. Meine Damen und Herren, heute zeigt sich, wer Kinderschutz ernst meint. Heute zeigt sich, wer nur dann von Schutz spricht, wenn es politisch bequem ist, und heute zeigt sich, wer bereit ist, Täter beim Namen zu nennen und Opfer wirklich zu schützen. Wir werden der DERAD-Förderung natürlich zustimmen, weil Prävention wichtig ist, aber Prävention darf nicht dort enden, wo es unangenehm wird. Wer Extremismus bekämpft, muss auch Gewalt gegen Kinder mit voller Härte bekämpfen. Wer Jugendliche vor Radikalisierung schützen will, muss Kinder vor Missbrauch schützen. Und wer Verantwortung sagt, muss auch Konsequenz meinen. Deshalb ersuche ich Sie, auch im Namen meiner Fraktion, stimmen Sie diesem Antrag zu, nicht für die FPÖ, nicht für irgendeine parteipolitische Schlagzeile, sondern für die Kinder in unserer Stadt. Für die Opfer, für die Familien und für einen Rechtsstaat, der wieder klarmacht, wer Kinder angreift, bekommt keine Nachsicht, sondern die volle Härte des Gesetzes, und im Falle des Syrers, der dieses Menschenkinderleben zerstört hat, ein One-way-Ticket in seine Heimat, wo er seine Haftstrafe in einem Kerker absitzen kann. (Beifall bei der FPÖ.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Als Nächste ist GRin Mag. Hungerländer zu Wort gemeldet. GRin Mag. Caroline Hungerländer, MSc (ÖVP): Sehr geehrter Herr Vorsitzender, ich habe mich zu Wort gemeldet, weil ZARA öfters genannt wurde und ich auf ein paar der Vorwürfe eingehen möchte. Zunächst aber zu dem Poststück selbst, wir haben es bereits gehört, es ist einstimmig, das bedeutet, auch wir stimmen dieser Förderung zu, halten die Arbeit des Vereins für durchaus wichtig und notwendig. Frau Kollegin Aslan hat mit dem Thema ZARA-Kürzung begonnen, und ich schaue in die Reihen, vielleicht hört sie zu. Da war vieles schlichtweg nicht richtig und das möchte ich erstens gerne richtigstellen, was mich aber ausgesprochen ärgert und emotionalisiert, ist die automatische Gleichsetzung mit Demokratiefeindlichkeit. Ich bemerke dieses Argumentationsmuster hier in der letzten Zeit öfter, wenn wir etwas nicht gutheißen, wenn wir etwas durchaus sachlich kritisieren, dann ist es demokratiefeindlich. Also, wir kürzen die ZARA-Förderung: demokratiefeindlich. Wir zeigen uns kritisch bei einigen LGBTIQ-Förderungen: demokratiefeindlich. Das ist demokratiefeindlich, meine Damen und Herren, nämlich eine legitime Meinung und eine legitime Kritik von der Opposition automatisch als demokratiefeindlich zu framen. Das weise ich ganz deutlich von mir, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall bei der ÖVO und von GR Wolfgang Irschik.) Wenn wir jetzt zu ZARA selbst kommen, der erste und logische Kritikpunkt ist die Doppelgleisigkeit, und das ist auch der Grund, warum diese Förderung dieses Mal nicht gegeben wurde. Meine Damen und Herren, es gibt eine Stelle, die den gesetzlichen Auftrag hat, genau das zu tun, was auch ZARA tat, und das ist die Gleichbehandlungsanwaltschaft. Die ist nicht nur in Wien angesiedelt, sondern in allen Bundesländern, und erfüllt genau diese Aufgabe, nämlich, dass sich Opfer von Rassismus, aber auch Opfer von Onlinehetze an die Gleichbehandlungsanwaltschaft wenden können. Das wird dort aufgenommen, und die Menschen werden beraten. Daneben gibt es noch zig weitere Vereine, die Beratung für Rassismus und Diskriminierung machen. Sie alle können das nachvollziehen, es steht nämlich auch im ZARA-Bericht drinnen. Hier steht: Es gibt neben ZARA viele andere Stellen, die Ihnen Unterstützung bieten! - Eine gesamte Auflistung, die meisten sind von der Stadt Wien gefördert, unter anderem auch die Gleichbehandlungsanwaltschaft. - Das heißt, erste Fake-News, die in den Medien kursierten und leider auch von den GRÜNEN aufgenommen wurden. Es ist nicht so, dass ZARA etwas erfüllt, was keine andere Stelle in Österreich erfüllen würde. (Beifall bei der ÖVP.) Zweitens, diese Förderung gehört strukturell überhaupt nicht in das Familienministerium. Das ist ein historisches Relikt. Es ist einmal unter einer ehemaligen Staatssekretärin in das Familienministerium gekommen, hätte aber eigentlich in das Medienressort mitwandern müssen. Das hat es nicht getan, es wäre aber eine inhaltliche Bereinigung, wenn es jetzt im Medienressort bleibt. Und wenn der zuständige Vizekanzler meint, er muss das weiterfördern, dann ist es auch logischer, wenn es aus seinem Ressort resultiert. Des Weiteren wurde gesagt, die Arbeit von ZARA muss eingestellt werden. Meine Damen und Herren, ich weise Sie darauf hin, dass laut Transparenzdatenbank der Verein rein aus Bundesmitteln etwa 600 000 EUR an Förderungen nur für ein Jahr hat. Dazu kommen die Förderungen der Stadt Wien und dazu kommt eine ganze Auflistung von Inseraten im ZARA-Bericht. Ich gebe Ihnen eine Auswahl: die ehemalige Bezirksvorsteherin von Margareten - hier übrigens mit Kopf abgebildet -, der Bezirksvorsteher von 1030 Wien - hier ebenfalls mit Kopf abgebildet, außerdem der SPÖ-Rathausklub, die SPÖ-Frauen, die Frauensolidarität, die NEOS, die GRÜNEN, die ÖH, die Partei LINKS, die Dokustelle Islamfeindlichkeit, die Arbeiterkammer Wien, Wien Energie und BFI Wien. Also alles, was Rang und Namen links der Mitte hat, inseriert bei ZARA. Ich habe den Eindruck, dass dieser Verein gut genug von Ihnen finanziert wird. (Beifall bei der FPÖ.) Kommen wir zum Thema Trusted Flagger. Ja, es stimmt, ZARA ist ein Trusted Flagger, genauso wie die sieben weiteren Trusted Flagger, die es in Österreich gibt. Trusted Flagger haben die Vorgabe, dass sie einen Bericht legen müssen. Jetzt habe ich versucht, diesen Bericht von ZARA zu finden, auf der Website war nichts, im Jahresbericht war nichts. Dann habe ich mir die Website der Medienbehörde angeschaut, da haben andere Trusted Flagger Berichte gelegt, von ZARA habe ich leider keinen Bericht gefunden. Offensichtlich wurde er nicht gelegt oder vielleicht kommt er noch, aber irgendetwas ist uns ZARA schuldig geblieben. (GRin Dipl.-Ing. Selma Arapovic: Den gibt es, der ist verschickt worden!) - Dann freue ich mich, wenn Sie mir den zukommen lassen, bis zu mir hat er es nicht geschafft, denn er steht auf keiner Website, weder auf der von ZARA noch auf der der Medienbehörde. Und schlussendlich, meine Damen und Herren, den ideologischen Grund, warum wir in Wien auch diese ZARA- Förderung immer ablehnen, habe ich Ihnen schon öfter vorgetragen, die ideologische Einteilung zwischen Täter und Opfer, wobei Täter als Weiß und Opfer als Schwarz bezeichnet werden. Und das erfinde ich nicht, sondern da steht gleich zu Beginn unter sensibler Sprachgebrauch: Die Begriffe Schwarz und Weiß werden nicht entsprechend der Hautfarbe verwendet, sondern bei dem Begriff Schwarz handelt es sich um eine Selbstbezeichnung, die sich auf gemeinsame Erfahrungen bezieht. Der Begriff Weiß wird kursiv geschrieben, um bewusst zu machen, dass er sich auf soziale, wirtschaftliche sowie politische Privilegien von Menschen bezieht ebenso wie auf deren machtvollere Position in der Gesellschaft! - Bei dieser theoretischen Grundlage, meine Damen und Herren, können wir nicht mitgehen. Das ist keine wissenschaftliche Grundlage für Antirassismusarbeit. Das ist reine Ideologie, die Menschen in Täter- und in Opfergruppen einteilt. (Beifall bei der ÖVP.) Und wenn wir uns nicht einmal darauf einigen können, dass Rassismus und Unterdrückung auch "weiße" Menschen betreffen kann, dann haben Sie kein vollständiges Bild von Rassismus, und das ist die inhaltliche Kritik, die wir seit Jahren an diesem Verein äußern. (Beifall bei der ÖVP.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Der Herr Berichterstatter verzichtet auf das Schlusswort. Wer daher der Postnummer 3 zustimmt, bitte um Zeichen mit der Hand. - Die Zustimmung erfolgt einstimmig. Es liegen Anträge vor. Antrag der GRÜNEN, Verletzung von Frauenrechten in Afghanistan. Wer dem beitritt, bitte um ein Zeichen. - Zustimmung bei den GRÜNEN gegen SPÖ, NEOS, ÖVP und FPÖ, ist nicht die erforderliche Mehrheit, daher abgelehnt. Antrag der GRÜNEN, Nachhaltige Finanzierung von ZARA. Wer dem beitritt, bitte um ein Zeichen. - Zustimmung bei den GRÜNEN gegen SPÖ, NEOS, ÖVP und FPÖ, ist nicht die erforderliche Mehrheit und abgelehnt. Antrag FPÖ, Opferrechte und notwendige Reformen. Bitte um ein Zeichen, wer hier zustimmt. - Zustimmung bei FPÖ und ÖVP gegen SPÖ, NEOS und GRÜNE, nicht die erforderliche Mehrheit und abgelehnt. Antrag FPÖ, Konsequente Verschärfung und so weiter. Wer dem beitritt, bitte um ein Zeichen. - Zustimmung bei FPÖ und ÖVP gegen SPÖ, NEOS und GRÜNE, hat auch nicht die erforderliche Mehrheit. Ich schlage vor, die Verhandlungen über die Geschäftstücke 5 und 7, das betrifft Förderungen im LGBTIQ- Bereich, zusammenzulegen. Gibt es hier einen Einwand? - Das ist nicht der Fall. Ich bitte die Kollegin Vasold, die Verhandlungen einzuleiten. Berichterstatterin GRin Mag. Stefanie Vasold: Ich bitte um Zustimmung Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Ich eröffne die Debatte. Zu Wort gemeldet ist Frau GRin Mag. Hungerländer. GRin Mag. Caroline Hungerländer, MSc (ÖVP): Meine Damen und Herren, lassen Sie mich einige Worte zu QWIEN sagen. Dabei handelt es sich um einen Verein, der ein Museum betreibt und Veranstaltungen durchführt, der aus zwei Ressorts gefördert wird, nämlich aus dem Kulturressort und neuerdings auch aus dem Bildungsressort. Der Verein hat zwischen 2021 und 2026 knapp 3 Millionen EUR bekommen, das ist sehr viel Geld, und erhält dieses Jahr 600 000 EUR aus zwei Ressorts. Das ist keine Kürzung im Vergleich zu den Vorjahren - und das trotz angespannter Budgetsituation. Nun gibt es Teile dieser Arbeit des Vereines, die ich durchaus für richtig und wichtig erachte, beispielsweise die historische Aufarbeitung von Verfolgung von LGBTIQ-Personen während des Nationalsozialismus. Ich verstehe auch, und ich kann auch nachvollziehen, dass man die Geschichte historisch aufarbeiten möchte, und ich verstehe auch, dass man das mit einer gewissen Leidenschaft macht. Die Frage ist nur, wie viel Geld sollte der Steuerzahler dafür zur Verfügung stellen. 600 000 EUR erscheinen uns eine sehr hohe Summe für historische Aufarbeitung und für Veranstaltungen. Und es gibt durchaus auch Veranstaltungen, die wir ideologisch nicht nachvollziehen können und vor allem als nicht förderungswürdig erachten. Es hat im Herbst 2025 eine Ausstellung zu 40 Jahre LMC Vienna gegeben. Ich habe ich nicht gewusst, was das ist. Das ist irgendein Lederfetischverein, bei dem ein als Papi verkleideter Mann als "Deckrüde" auf dem Bild ausgezeichnet ist. Schauen Sie, das ist halt nichts, was wir als Volkspartei für förderungswürdig erachten. Das soll es geben, sollen sie tun, was sie möchten, aber dass Steuergeld für die Aufarbeitung und Darstellung der Vereinsgeschichte herangezogen wird, erscheint uns als nicht sinnvoll. Da gäbe es deutlich sinnvollere Investitionen, beispielsweise die Erhaltung der Bücherei Donaustadt, wenn ich Ihnen einen kleinen Tipp mitgeben darf. (Beifall bei der ÖVP.) Das heißt, kurzum, es ist eine gemischte Bilanz, die ich bei diesem Verein ziehe. Ich anerkenne absolut die Aufarbeitung der Geschehnisse im Nationalsozialismus und was den Menschen angetan wurde, ich sehe absolut die Notwendigkeit, das auch weiterzugeben. Aber wir sehen auch Veranstaltungen, die wir kritisch beurteilen, erstens. Und zweitens 600 000 EUR als Jahresbudget erscheint mir sehr, sehr übertrieben, wohlwissend, mit welchen Budgets andere historische Vereine kämpfen müssen. - Danke schön. (Beifall bei der ÖVP.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Zu Wort gemeldet ist GR Weber, ich erteile es ihm. Ich darf um etwas Ruhe im Saal bitten. GR Thomas Weber (NEOS): Sehr geehrter Herr Vorsitzender, danke für die Ruhe im Saal. Liebe Kolleginnen und Kollegen, lieber Stadtrat, liebe Frau Berichterstatterin! Wir sprechen heute über zwei Förderungen im LGBTIQ-Bereich, über die Förderung von QWIEN, dem Zentrum für queere Geschichte und Kultur, und über die Förderung der HOSI Wien. Bei beiden Themen geht es um ein sehr klares Bekenntnis unserer Stadt, nämlich, dass queeres Leben in unserer Stadt sichtbar sein darf, dass queere Geschichte nicht vergessen wird und dass Menschen allgemein in Wien frei, sicher und egal, wer sie sind, auch ein selbstbestimmtes Leben leben können. Und es geht bei dem Thema natürlich auch um die Freiheit, um gleiche Rechte, um Würde, um eine Stadt, die nicht fragt, wen liebst du oder wie lebst du oder wer bist du, sondern eine Stadt, die sagt, du gehörst dazu. (Beifall bei NEOS und SPÖ.) Beginnen möchte ich mit QWIEN, Österreichs erstem queeren Kulturzentrum, seit 2025 am neuen Standort im 5. Bezirk. QWIEN sammelt, dokumentiert, forscht, vermittelt. Mit Archiv, Bibliothek, Ausstellung, Stadtspaziergängen, Bildungsangeboten macht QWIEN die queere Geschichte unserer Stadt zugänglich, für Schulen, für Studierende, für Forschung, für die breite Öffentlichkeit. Das klingt vielleicht auf den ersten Blick alles ein bisschen sachlich, in Wirklichkeit ist das aber hochpolitisch. Denn wer Geschichte erzählt, der entscheidet natürlich darüber, wer in dieser Geschichte vorkommt. Und queere Menschen, das wissen Sie, sind in unserer Geschichte viel zu lange kriminalisiert worden, viel zu lange verfolgt worden, sie wurden in Familiengeschichten, in der Stadtgeschichte, in Sachbüchern, in der öffentlichen Erzählung unsichtbar gemacht. Genau deshalb ist die Arbeit von QWIEN, dem Zentrum für queere Geschichte, so wichtig. Weil QWIEN das sichtbar macht, was eben viel zu lange unsichtbar gemacht worden ist, nämlich queere Menschen. Queere Geschichte ist die Geschichte von Verfolgung, von Ausgrenzung, von Pathologisierung, aber queere Geschichte ist auch eine großartige Geschichte von Mut, von Selbstorganisation, von Solidarität und von Emanzipation. Und genau deshalb braucht queere Geschichte Orte wie QWIEN, und sie braucht Menschen, die sie erzählen. Und deshalb möchte ich mich an der Stelle bedanken bei den Menschen, die bei QWIEN queere Geschichte sichtbar machen, bewahren, vermitteln. Ohne euch wäre unsere Geschichte um einen großen Fleck ärmer, weniger bunt, und das wäre nicht so schön, wie es ist, weil es euch gibt. (Beifall bei NEOS und SPÖ.) Und damit komme ich zur Förderung für die HOSI Wien, seit Jahrzehnten eine der wichtigsten Interessenvertretungen für LGBTIQ-Personen in Österreich: rechtliche Gleichstellungen initiiert, Anlaufstelle für Betroffene von Diskriminierung und Gewalt und für alle, die Beratung, Austausch und Unterstützung brauchen, und mit dem Gugg einer der wahrscheinlich wichtigsten Community-Orte, ein Ort, wo sich Menschen organisieren, austauschen und gegenseitig stärken. Ein ganz wesentlicher Teil der HOSI ist natürlich die Regenbogenparade. Ich sage es jedes Jahr, und es ist jedes Jahr richtig und wichtig. Die Regenbogenparade ist nicht irgendeine Party, die Regenbogenparade ist die größte politische Demonstration des Landes. Die Regenbogenparade war immer mehr als eine Feier, sie ist und war auch immer eine Demonstration für gleiche Rechte. Die Regenbogenparade heißt, wir verstecken uns nicht, wir nehmen uns den öffentlichen Raum, wir erinnern uns auch daran, dass Rechte nicht einfach so vom Himmel fallen, sondern dass sie von jenen Menschen erkämpft werden, die ihre Stimme erheben, nämlich von mutigen Menschen, die sichtbar waren, als queere Sichtbarkeit noch viel gefährlicher war als es heute ist. Und genau deshalb ist die Regenbogenparade, die Sichtbarkeit durch die Regenbogenparade wichtig, denn sie zeigt jedes Jahr, wofür unsere Stadt steht. Sie steht für Freiheit, sie steht für Vielfalt, sie steht für gleiche Rechte. Und an der Stelle möchte ich daher der HOSI, aber vor allem auch den vielen Ehrenamtlichen meinen Dank aussprechen, denn die Regenbogenparade entsteht ja nur deshalb, weil viele Menschen sie wochen- und monatelang organisieren, ihre Freizeit, ihre Energie und auch oft ihre Nerven investieren. Viele von diesen Menschen sieht man nicht, weil diese Menschen nicht auf einer Bühne stehen, nicht auf den Fotos sichtbar sind, aber ohne sie würde es die Regenbogenparade nicht geben. Daher möchte ich den Menschen, die die Regenbogenparade organisieren, an dieser Stelle sagen: Unsere Stadt sieht euch, wir sehen eure Arbeit, wir schätzen eure Arbeit, und wir sagen euch danke für eure großartige Arbeit! (Beifall bei NEOS und SPÖ sowie von GRin Christina Wirnsberger.) 2026 findet die Regenbogenparade zum 30. Mal statt. 30 Jahre Sichtbarkeit, 30 Jahre Kampf um gleiche Rechte, 30 Jahre Menschen, die gesagt haben, wir gehen auf die Straße, weil unser Leben nicht weniger wert ist. Am 13. Juni wird die Regenbogenparade daher wieder zum Ort der Freiheit werden, zugleich wird das Pride Village am Rathausplatz für einen Tag das Zentrum der LGBTIQ-Community. Es wird auch wieder den Pride Run geben, viele Veranstaltungen und eine Ausstellung im Rathauspark, die an die verstorbenen queeren Menschen erinnert, an Opfer des Nationalsozialismus, an Opfer von Hassverbrechen. Kolleginnen und Kollegen, wenn wir heute über die Regenbogenparade und über Vielfalt sprechen, dann müssen wir auch über jene sprechen, die die Sichtbarkeit bekämpfen. Der politische Angriff auf queere Menschen, auf queere Vereine, auf die Regenbogenfahne, als Symbol für all das, der ist ja schon längst Realität geworden. Die sogenannte Neue Rechte hat queere Menschen zu einem zentralen Feindbild gemacht, nicht nur in Österreich, sondern auch international, immer nach demselben Muster. Zuerst heißt es Genderwahn, dann heißt es der angebliche Kinderschutz und dann wird Gleichstellung als Angriff auf die Familie und auf Normalität gesehen. Das ist in Wirklichkeit das zentrale Brückenthema der Neuen Rechten, ein ideologischer Kitt zwischen den Rechtsextremen, den Identitären, rechtskatholischen Kreisen, autoritären Bewegungen. Vereint sind sie da alle in ihrem Hass. Und in Österreich ist die FPÖ Teil der Strategie: Menschen markieren, Minderheiten abwerten, Ängste schüren und so tun, als ob man selbst der Verteidiger der Normalität ist. Aber ich sage Ihnen, an der Liebe zwischen zwei Menschen ist nichts abnormal, an Transjugendlichen ist auch nichts degeneriert, und an einer Regenbogenfahne ist auch nichts gefährlich. Gefährlich ist eine Politik wie die der FPÖ, die den Menschen die Würde abspricht, eine Partei, die queere Menschen zuerst zum Problem erklärt und sich dann wundert, wenn sie angegriffen werden. Das Problem ist nicht die Regenbogenfahne, das Problem ist der Hass und die Hetze gegen die Regenbogenfahne. Das Problem ist auch nicht die Regenbogenparade, das Problem ist eine Politik, die Jugendlichen vermittelt, du bist falsch. (Beifall bei NEOS und SPÖ.) Und wer wissen will, wohin diese Politik führt, der muss ja nur nach Ungarn schauen. Viktor Orbán hat 2021 ein Anti-LGBTIQ-Gesetz durchgesetzt, das queere Menschen unter dem Vorwand des Kinderschutzes stigmatisiert und aus der Öffentlichkeit gedrängt hat. In der Praxis hat das Zensur, Unsichtbarmachung und politische Hetze bedeutet. Mittlerweile hat der Europäische Gerichtshof dieses Gesetz klar als Verstoß gegen das EU-Recht beurteilt. Die gute Nachricht: Viktor Orbán ist krachend abgewählt worden. Das Vermächtnis von Orbán ist noch sehr bitter, Ungarn ist das korrupteste Land in der Europäischen Union und liegt beim Wohlstand pro Kopf deutlich unter dem EU-Schnitt. Das ist die Bilanz von autoritärer Politik: viel Pathos, viel Hetze, viel Machtmissbrauch und wenig Zukunft. Und gerade in Ungarn ist auch die ganze Doppelmoral für diese Politik sichtbar, denn während Orbán queere Menschen unter dem Vorwand des Kinderschutzes zum Feindbild machte, lag ein interner Regierungsbericht vor, der rund 3 000 mutmaßliche Missbrauchsfälle in ungarischen Kinderheimen dokumentierte. Also dort, wo echter Schutz notwendig gewesen wäre, wurde weggeschaut. Dort, wo Hilfe für Kinder notwendig gewesen wäre, wurde vertuscht. Dort, wo Verantwortung gefragt gewesen wäre, wurde geschwiegen. Das ist die Doppelmoral autoritärer Politik, sie redet vom Schutz der Kinder, wenn sie Minderheiten angreifen will, aber sie schweigt dort, wo es um echte Verantwortung geht. Und ich sage es auch ganz klar in Richtung der FPÖ, wer in Österreich Orbán feiert, der feiert nicht Familienpolitik, wer Orbán feiert, der feiert auch nicht Kinderschutz. Wer Orbán feiert, der feiert ein System aus Hetze, Korruption, Kontrolle und Machtmissbrauch. Aber wissen Sie was das Schöne ist? - Das Schöne ist, dass Wien niemals zu einer Außenstelle autoritärer Männerphantasien werden wird, denn Wien ist das Gegenmodell, eine Stadt für Freiheit, für Vielfalt, eine Stadt für gleiche Rechte, eine Stadt, die Menschen nicht unsichtbar macht, sondern sichtbar, eine Stadt, die Vielfalt nicht bekämpft, sondern als Mehrwert sieht. Und deshalb möchte ich Sie alle einladen, kommt am 13. Juni zur 30. Regenbogenparade, weil Freiheit sichtbar sein muss, weil gleiche Rechte nie selbstverständlich sind, weil wir gemeinsam zeigen, was diese Stadt ist, nämlich ein Ort, der Menschen frei, sicher und selbstbestimmt macht, an dem Menschen frei, sicher und selbstbestimmt leben können. Und das ist in Wahrheit Wiens größte Stärke, dass Menschen hier unterschiedlich leben, unterschiedlich lieben, unterschiedlich sind und dass wir alle gemeinsam trotzdem unsere schöne Stadt ausmachen. - Vielen Dank. (Beifall bei NEOS und SPÖ.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Zu Wort gemeldet ist GRin Mag. Haase. - Bitte schön. GRin Mag. (FH) Susanne Haase (SPÖ): Sehr geehrter Herr Vorsitzender, sehr geehrte StadträtInnen, liebe Zusehende vor dem Livestream! Ja, wir haben heute zwei Förderungen zu beschließen, einmal QWIEN und einmal die Jahresförderung der HOSI Wien. Mit der Förderung für die HOSI Wien sichern wir ihre Jahresarbeit und damit sichern wir auch ganz konkrete Hilfe und Unterstützung für die queeren Menschen in dieser Stadt. Die HOSI Wien wurde 1979 gegründet, das war vor fast 50 Jahren und damals waren es andere Zeiten. Es hat sich vieles geändert, auch und vor allem durch die großartige und beständige Arbeit der HOSI Wien. Gesetze haben sich geändert, Ungerechtigkeiten wurden beseitigt, leider oftmals nicht nur durch politische Entscheidungen, sondern fast immer durch die Gerichte. Ich kann mich noch gut erinnern, 2017 als der Verfassungsgerichtshof entschieden hat, dass das Verbot der gleichgeschlechtlichen Ehe verfassungswidrig ist, gab es von der HOSI T-Shirts für die Community mit dem Aufdruck "Bei der nächsten Wahl wähle ich den VfGH". Das war damals auch die Stimmung, es gab sehr wenig Vertrauen in die Politik, vor allem nicht auf Bundesebene. Aber Wien war schon immer anders, Wien hat 2004 mit dem Wiener Antidiskriminierungsgesetz einen wichtigen Schritt gesetzt und alle Landesgesetze auf Diskriminierung geprüft und geändert. Das hat uns als Stadt einen nachhaltigen guten Ruf in der Community verschafft, den wir auch bis heute aufrechterhalten können, und deshalb sind wir auch die Regenbogen-Hauptstadt. Was ich damit sagen möchte, ist, ja, es hat sich viel geändert seit dem Bestehen der HOSI, aber vieles hat sich auch nicht geändert. Die gesellschaftlichen Vorurteile sind nach wie vor da, es sind manchmal nur andere Gruppen in den Fokus gerückt. Und wenn ich heute die Hetze gegen Transpersonen beobachte, dann sehe und höre ich dieselbe Wortwahl, dasselbe Mindset und dieselbe Menschenverachtung, die früher Lesben und Schwulen gegolten haben. Und, liebe Kolleginnen, das ist kein Fortschritt, sondern nur eine Verlagerung und ein neues Feindbild. Und ich warne all jene, die hier einen Keil in die Community treiben und mit einer Appeasement-Haltung gegenüber den Rechten den konservativen Religionskreis treffen wollen, wenn es hart auf hart kommt, dann werdet ihr die Ersten sein, die sie opfern. Liebe KollegInnen, der Angriff letzte Woche auf die HOSI Tirol, wo die ... (GRin Mag. Caroline Hungerländer, MSc: Unverschämt! Sie haben geopfert gesagt!) - Was haben Sie jetzt für ein Problem? (GRin Mag. Caroline Hungerländer, MSc: Sie haben geopfert gesagt!) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl (unterbrechend): Ich darf bitten, die Zwischenreden einzustellen. Falls sich jemand noch zu Wort melden möchte, bitte, sich hier bei der Kollegin Olischar zu melden. - Bitte fortsetzen. GRin Mag. (FH) Susanne Haase (fortsetzend): Liebe KollegInnen, zum Thema Opfer, der Angriff letzte Woche auf die HOSI Tirol, wo die Regenbogenfahne gezielt heruntergerissen wurde und es offensichtlich auch zu einem gezielten Brandanschlag gekommen ist, zeigt uns, dass unser Kampf für gleiche Rechte und Akzeptanz noch lange nicht gewonnen ist. Und genau deshalb ist die Arbeit der HOSI Wien nach wie vor so wichtig, denn die HOSI leistet seit Jahrzehnten Lobbyarbeit für rechtliche Gleichstellung. Sie bietet Beratung und Unterstützung für Menschen, die Diskriminierung oder Gewalt erfahren. Sie begleitet Menschen beim Coming-out, in Krisensituationen und in allen Lebensphasen. Die HOSI schafft Angebote für alle Gruppen, von Jugend bis hin zu Menschen über 50 Plus. Und sie ist die zentrale Anlaufstelle auch für internationale LGBTIQ-Personen. Mit diesem Akt fördern wir nicht nur die Jahresarbeit, sondern auch die Side Events der Regenbogenparade. Und ein Punkt ist mir auch wichtig hier zu betonen: Die Regenbogenparade an sich wird nicht von der Stadt gefördert. Sie ist und bleibt eine politische Demonstration, und eine politische Demonstration kann nicht gefördert werden. Seit 1996 ist sie ein starkes Zeichen für Sichtbarkeit, Gleichstellung und Menschenrechte, unabhängig und stark. Was wir fördern, ist das Drumherum. Wir fördern das Pride Village, die Community-Angebote, Räume für Austausch und Sicherheit. Für 2026 wurde das Konzept etwas adaptiert. Das Pride Village findet jetzt eintägig am Tag der Parade selbst statt, und dafür gibt es ein großes Community-Fest im Prater, das kombiniert mit dem Vienna Pride stattfindet. In diesem Sinne möchte ich dem Team der HOSI Wien von ganzem Herzen für die große Arbeit danken. Macht weiter so, wir brauchen euch! Der zweite Akt, der uns heute zum Beschluss vorliegt, ist die Jahresförderung von QWIEN, dem queeren Archiv- und Kulturzentrum. Es kann schon sein, dass manche hier im Haus die Themensetzung nicht ganz nachvollziehen können, aber ich glaube, das liegt auch grundsätzlich daran, dass Sie unsere Community einfach nicht verstehen. Aber das ist auch kein Problem, denn wir werden diese Förderung trotzdem heute freigeben. Das QWIEN bietet Ausstellungen, Veranstaltungen, Forschungen, Bildungsangebote, hat eine öffentlich zugängliche Bibliothek mit rund 3 500 Titeln und ein stetig anwachsendes Archiv. Es läuft auch momentan eine Ausstellung zum Eurovision Song Contest, United bei Queerness, die die queeren Dimensionen des ESC sichtbar machen. Sie ist sehr zu empfehlen, und ich lade auch alle KollegInnen in diesem Haus ein, sich diese Ausstellung anzuschauen. Ich sage, die Arbeit von QWIEN ist kein Nice-to-have, sie ist dringend notwendig. Warum? - Weil auch die queere Community ein Recht auf ihre Geschichte hat, weil wir sichere Orte zum Austausch brauchen, weil die queere Geschichte noch lange nicht ausreichend erzählt wurde, und weil unsere Geschichte auch eure Geschichte ist. Und genau dafür steht QWIEN, um aufzuarbeiten, was noch in den Schubladen liegt, um zu dokumentieren, was geschehen ist, um unsere Geschichte für alle zugänglich zu machen und um zu erzählen, was noch nicht erzählt wurde. Und vor allem auch eines: um die Gegenwart und die Zukunft mitzugestalten. Genau das leistet QWIEN. Dafür möchte ich auch an dieser Stelle an das ganze Team herzlich für diese großartige Arbeit ein Danke sagen, denn Wien steht für Respekt, Vielfalt und ein Miteinander, das niemanden ausschließt. Diese Förderungen sind kein Symbol, sie sind eine konkrete Politik für ein besseres Zusammenleben und eine gute Zukunft für alle in dieser Stadt. Ich ende mit dem Satz, mit dem ich schon öfter hier geendet habe: Wir wollen nicht mehr als andere, wir wollen nur das Gleiche - gleiche Rechte, gleiche Sichtbarkeit, gleichen Respekt und die gleiche Selbstbestimmung. Solange das nicht der Fall ist, werden wir nicht aufhören, für unsere Rechte zu kämpfen. - In diesem Sinne bitte ich um Zustimmung und danke für die Aufmerksamkeit. (Beifall bei SPÖ und NEOS sowie von StR Peter Kraus, MSc.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet, die Debatte ist geschlossen. Die Frau Berichterstatterin verzichtet auf das Schlusswort. Wir kommen nun zur Abstimmung der Postnummern 5 und 7, die wir aber getrennt durchführen. Wer der Postnummer 5 zustimmt, bitte um ein Zeichen mit der Hand. - Es erfolgt die Zustimmung durch SPÖ, NEOS und GRÜNE gegen FPÖ und ÖVP, daher mehrstimmig angenommen. Postnummer 7, bitte um ein Zeichen, wer zustimmt. - Zustimmung bei SPÖ, NEOS und GRÜNE gegen FPÖ und ÖVP, auch diese Post ist mehrstimmig angenommen. Mir liegt hier ein Antrag der ÖVP vor, betreffend Verurteilung des Genozids an Armeniern. Wer dem beitritt, bitte um ein Zeichen mit der Hand. - Zustimmung bei den GRÜNEN, bei der FPÖ und bei der ÖVP gegen SPÖ und NEOS, ist nicht die erforderliche Mehrheit, daher abgelehnt. Für das Protokoll darf ich feststellen, dass GR Löcker seit 14.35 Uhr entschuldigt ist. Postnummer 6 der Tagesordnung ist ein Rahmenbetrag für die Förderung von Einrichtungen der Erwachsenenbildung. Es liegt keine Wortmeldung mehr vor. Wer Postnummer 6 zustimmt, bitte um ein Zeichen mit der Hand. - Die Zustimmung erfolgt durch SPÖ, NEOS, GRÜNE und ÖVP, daher mehrstimmig angenommen. Postnummer 8 ist ein Förderangebot an den Verein Österreichischer Mieter- und Wohnungseigentümerbund, Landesgruppe Wien. Es liegt keine Wortmeldung vor. Wer dem beitritt, bitte um ein Zeichen. - Zustimmung bei SPÖ, NEOS und ÖVP gegen FPÖ und GRÜNE, mehrstimmig angenommen. Postnummer 10 ist ein Förderangebot an das Bruno Kreisky Forum. Bitte um ein Zeichen, wer dem zustimmt. - Zustimmung bei SPÖ, NEOS, GRÜNE und ÖVP, ist mehrstimmig angenommen. Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Es gelangt nunmehr die Postnummer 11 der Tagesordnung zur Verhandlung. Sie betrifft die Erweiterung einer Sachkreditgenehmigung für den Neubau Einsatzkräftestützpunkt Aspern, Planungs- und Realisierungskosten. Herr Berichterstatter, GR Reindl, ich darf Sie ersuchen, die Debatte einzuleiten. Berichterstatter GR Mag. Thomas Reindl: Ich bitte um Zustimmung. Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Zu Wort gemeldet ist Frau GRin Abrahamczik. GRin Mag. Nina Abrahamczik (SPÖ): Frau Vorsitzende, sehr geehrter Herr Berichterstatter, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Ich freue mich sehr, dass wir heute, und das darf ich vielleicht zu Beginn schon spoilern, den Ausbau der bestehenden Infrastruktur für unsere Einsatzkräfte gerade im Bereich der Seestadt und der anliegenden Gebiete einstimmig beschließen werden. Ich halte das auch für wichtig. Es ist ein Bereich, in dem es ein sehr starkes Bevölkerungswachstum gibt. Das wird auch in den kommenden Jahren so weitergehen. Gerade da ist es natürlich wichtig, dass die Einsatzkräfte der Stadt die beste Infrastruktur haben, um ihre besonders wichtige Arbeit zu machen. Ich möchte mich da auch bei der MA 68 bedanken, die bei uns für die Feuerwehr und den Katastrophenschutz zuständig ist. Warum wird dieses Poststück heute trotzdem aufgerufen? - Es waren vor 40 Jahren Einsatzkräfte in Tschernobyl im Einsatz. Wir wussten damals noch nicht, wie gefährlich das war, denn die damalige Sowjetunion hat in den ersten Tagen die Staatengemeinschaft nicht informiert. Es kam nämlich dort zu einer Katastrophe, einem Super-GAU, zum größten anzunehmenden Unfall. Und was wir daraus gelernt haben, gerade in Österreich, und wozu es auch eine wirkliche Einigkeit gibt, ist, dass wir den Einsatz von Atomkraft ablehnen. Ich weiß, dass das etwas ist, das uns in diesem Haus verbindet. Es ist etwas, wo wir in guter Tradition, möchte ich schon sagen, alle paar Jahre gemeinsam, alle fünf Parteien, die hier sind, Anträge beschließen, um diese Position auch zu bekräftigen. Und warum tun wir das gerade heute wieder? - Der Zwischenfall in Tschernobyl hat sich gestern zum 40. Mal gejährt. Ebenfalls heuer haben wir 15 Jahre Fukushima. Ich war eigentlich ein bisschen erschrocken, dass es schon wieder so lange her ist, denn in meiner Erinnerung ist es noch gar nicht so lange her. Ich sage das auch deswegen, weil alle Abgeordneten dieses Hauses natürlich vor 15 Jahren schon auf der Welt waren. Bei Tschernobyl ist das nicht der Fall und wir sehen hier auch immer wieder, dass gerade in jüngeren Generationen dieses Bewusstsein oft wegfällt. 1986, als das passiert ist, war ich vier Jahre alt. Ich habe dunkle Erinnerungen an diese Zeit, ich weiß, es gab eine gewisse Aufregung unter den Erwachsenen. Das größte Problem für mich als Vierjährige war, dass gerade im Frühling, wo man wieder viel draußen unterwegs ist, plötzlich die Sandkisten gesperrt waren und den ganzen Sommer auch nicht zurückgekommen sind. Aber die Leute waren, nachdem die Information überhaupt da war, beunruhigt. Es gab wenig Wissen, und dieses wenige Wissen hat im Übrigen auch die Einsatzkräfte vor Ort betroffen, die sogenannten Liquidatoren. Da waren tausende Leute im Einsatz mit de facto keiner Schutzausrüstung, die gar nicht wussten, was an Folgen für sie möglich ist, während sie ganz, ganz wichtige Arbeit geleistet haben, um dort abzusichern, was irgendwie möglich war, damit sich die Radioaktivität nicht noch weiterverbreitet. Ich glaube, was viele auch vergessen, ist - sie denken, gut, das war in der Vergangenheit, ist vor 40 Jahren passiert, aber es ist nicht so, als wäre dieser Ort sicher -, das Gebiet rund um Tschernobyl ist noch immer nicht bewohnbar. Damals wurde ein Sarkophag rund um das Kernkraftwerk gebaut, der ist nicht mehr dicht. Das heißt, vor einigen Jahren wurde ein zusätzlicher Bau erstellt, der über dem Sarkophag ist und das absichern soll. Wir wissen, was in der Ukraine durch den Angriffskrieg gerade los ist und letztes Jahr ist eine Drohne in dieses Gebäude hineingekracht. Das ist bis heute nicht wieder gut abgesichert. Also was wir sehen, ist, es ist nicht sicher. Es ist nicht mit einem Mal erledigt. Und auch nach vier Jahrzehnten beschäftigt uns, was damals passiert ist, weil es dort nicht sicher ist. In Österreich gab es damals schon keine große Begeisterung für die Atomkraft, wenige Jahre zuvor gab es in den USA bei Three Mile Island Zwischenfälle bei einem Kernkraftwerk. Das hat sich auch in den letzten Jahren immer weiter fortgesetzt. Vor einigen Jahren ist da einfach ein Auto hineingekracht. Die Person ist ausgestiegen, verschwunden und wurde stundenlang nicht gefunden. Vor wenigen Jahren hat es dort gebrannt. Wir haben bei Fukushima gesehen, was passieren kann. Ich glaube, die eine große Lehre, die man daraus nicht nur ziehen kann, sondern ziehen muss, ist, dass Atomkraft niemals sicher ist. Es können Naturkatastrophen auftreten, es kann zu kriegerischen Auseinandersetzungen kommen, wir haben das auch bei Saporischschja gesehen, wo der Strom ausgefallen ist, weil dort kriegerische Kampfhandlungen stattgefunden haben. Die Dieselgeneratoren haben zum Glück gehalten, als das wieder passiert ist, denn, wenn die Kühlung wegfällt, dann kommt es zur Kernschmelze und zu einem ungeahnten Ausmaß an Katastrophen. Gerade deswegen freue ich mich, dass wir in Wien eine klare Position haben. Mit der Wiener Umweltanwaltschaft gibt es auch die Antiatombeauftragte der Stadt. Auch unser Herr Stadtrat ist sehr aktiv, auch im europäischen Austausch, was dieses Thema betrifft. Ich möchte mich bei der Wiener Umweltanwaltschaft bedanken, weil sie letzte Woche wieder einmal eine Veranstaltung organisiert hat. Ich habe vorher schon gesagt, wir merken ein bisschen, dass das Bewusstsein gerade bei jüngeren Generationen abnimmt. Deswegen nimmt die Wiener Umweltanwaltschaft bei diesen Veranstaltungen auch ganz bewusst immer Schulklassen mit, um diese zu informieren und dieses Bewusstsein am Leben zu erhalten. Ich habe mich sehr gefreut, weil wir letzte Woche bei der Veranstaltung so viele Abgeordnete aus diesem Haus wie noch nie waren. Ich möchte auch ein großes Danke sagen, denn was wir immer machen, ist, gemeinsam Anträge zu stellen. Die Wiener Umweltanwaltschaft hat uns einen großartigen Textentwurf vorgelegt, den ich gemeinsam mit den anderen Fraktionen verhandeln durfte. Wobei ein Verhandeln war es eigentlich gar nicht, denn es war für alle ganz klar. Deswegen möchte ich mich auch explizit bei den Kolleginnen und Kollegen bedanken, die diesen Antrag heute mit mir einbringen, bei Elisabeth Olischar, bei Michael Stumpf, bei Stefan Gara und bei der Tina Wirnsberger. Ich freue mich sehr, dass wir das gemeinsam auf den Weg bringen können. Ich freue mich zu wissen, dass auch dieser Beschluss einstimmig sein wird, und freue mich auch darauf, wenn wir das in ein paar Jahren wieder bekräftigen werden. Denn ich bin mir sicher, wir hier wissen, dass Atomkraft keine Zukunft hat, dass sie nie sicher sein wird, egal, aus welchen Gründen, und dass sie mit unfassbaren Kosten verbunden ist. - Dementsprechend danke ich hier wirklich allen für diese Einigkeit und freue mich auf den Beschluss. (Beifall bei SPÖ, NEOS und GRÜNEN.) Vorsitzende GRin Marina Hanke, BA: Zu Wort gemeldet ist Herr GR Arsenovic. - Bitte. GR Johann Arsenovic (GRÜNE): Frau Vizebürgermeisterin, Herr Stadtrat, Frau Vorsitzende, Herr Vorsitzender! Ich möchte nur ergänzen und noch einen Satz loswerden, natürlich danke für die Rede. Ich bin Jahrgang 1968, ich habe natürlich sowohl 1976 die Abstimmung, als auch dann 1986 miterlebt. Wir haben jetzt im Fernsehen auch oft wieder die Bilder von Tschernobyl vor 40 Jahren gesehen. Was mir dabei hängengeblieben ist, sind die vielen Menschen, nämlich die Betriebsfeuerwehr des Reaktors Tschernobyl, die damals haben arbeiten müssen und die ohne Schutzausrüstung Unglaubliches geleistet haben. Von daher bin ich froh, dass wir jetzt diesen Antrag einbringen, der auch die Wiener Feuerwehr betrifft. Ich bin sehr glücklich, dass wir - auch immer einstimmig - der Wiener Feuerwehr eine gescheite Schutzausrüstung und gescheite Anlagen geben, damit die eben solche Sachen nicht erleben müssen. Und weil ich gerade den Branddirektor der Wiener Feuerwehr Mario Rauch dort hinten sehe: Stellvertretend ein großes Dankeschön und einen Applaus für die unglaubliche Arbeit, die ihr immer wieder leistet! - Danke. (Allgemeiner Beifall.) Vorsitzender GR Armin Blind: Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Der Berichterstatter verzichtet auf das Schlusswort. Wir kommen nun zur Abstimmung über die Postnummer 11. Ich bitte jene Damen und Herren des Gemeinderates, die der Postnummer 11 zustimmen, um ein Zeichen mit der Hand. - Ich sehe, das ist einstimmig. Zu Postnummer 11 liegt noch ein Beschluss- und Resolutionsantrag der Gemeinderäte Abrahamczik, Gara, Olischar, Wirnsberger und Stumpf vor betreffend ablehnende Haltung der Stadt Wien zur Kernenergie. Ich bitte jene Damen und Herren, die diesem Antrag beitreten wollen, um ein Zeichen mit der Hand. - Das ist einstimmig angenommen. Es gelangt nunmehr die Postnummer 12 der Tagesordnung zur Verhandlung, sie betrifft die Kenntnisnahme des Jahresberichtes des Wiener ArbeitnehmerInnen-Förderungsfonds über Geschäftstätigkeiten im Jahr 2025 sowie eines Ausblickes auf die Geschäftstätigkeiten im Jahr 2026. Ich bitte die Berichterstatterin, Frau GRin Rychly, die Verhandlungen einzuleiten. Berichterstatterin GRin Yvonne Rychly: Ich bitte um Zustimmung. Vorsitzender GR Armin Blind: Zu Wort gemeldet ist GRin In der Maur-Koenne. - Bitte, Frau Kollegin, Sie haben das Wort. GRin Dr. Maria In der Maur-Koenne (NEOS): Sehr geehrter Herr Vorsitzender, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte ZuseherInnen auf der Galerie und im Livestream! Wir NEOS sind davon überzeugt, dass Bildung der Schlüssel zu einem selbstbestimmten und geglückten Leben ist. Bildung beginnt in der ersten Bildungseinrichtung, dem Kindergarten, und setzt sich dann in der Schule fort. Bildung endet aber nicht, wenn SchülerInnen zum letzten Mal aus dem Schultor gehen. Der heutige Arbeitsmarkt setzt lebenslange Aus- und Fortbildung voraus, Berufswege sind nicht mehr so geradlinig wie vielleicht früher. Der Wirtschaftsstandort Wien lebt davon, dass Fachkräfte nachkommen, sich fort- und weiterbilden und sich immer öfter auch umschulen lassen. Er lebt auch davon, dass immer mehr Frauen in MINT-Berufe kommen, und er lebt davon, dass Jugendliche nicht verloren gehen und auch jene eine Chance bekommen, die vielleicht nicht den besten Start ins Berufsleben hatten. Der waff ist ein zentraler Baustein dafür, dass aus Weiterbildung ganz konkrete Zukunftschancen in Wien werden können. Das zeigt auch der heute vorliegende Jahresbericht 2025. Im Jahr 2025 wurden im Rahmen des Finanzierungsübereinkommens 39 657 Teilnehmerinnen und Teilnehmer erreicht, davon 22 464 Frauen. Allein im Bereich der beruflichen Entwicklungschancen waren es 28 196 Menschen und davon 17 444 Frauen. 21 000 Wienerinnen und Wiener nutzten im Jahr 2025 die Angebote des waff-Beratungszentrums für Beruf und Weiterbildung, wobei der Frauenanteil hier bei erfreulichen 64 Prozent lag. 12 612 Wienerinnen und Wiener profitierten von Förderungen in der Höhe von insgesamt 16,24 Millionen EUR. Mehr als 5 000 Wienerinnen und Wiener nutzten 2025 die Möglichkeit des Chancenschecks. Besonders erfolgreich zeigte sich im Jahresbericht 2025 das Programm FRECH, das sich speziell an Frauen richtet. Auch die Ausbildungsinitiative für Frauen im MINT-Bereich, also bei Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Technik, war mit 134 Stipendien zu einem berufsbegleitenden Studium sehr erfolgreich. Vor allem ist die Abbruchquote mit nur 6,7 Prozent und eine Regelstudiendauer bei immerhin 88,6 Prozent aller TeilnehmerInnen ein deutliches Zeichen für den Erfolg. Das Ziel des waff geht auch aus dem Jahresbericht 2025 klar hervor: Mehr Frauen in Fachhochschulstudiengänge, mehr Frauen in Technik, mehr Frauen in Zukunftsberufe, denn jede qualifizierte Frau in dieser Stadt stärkt nicht nur ihr eigenes Leben, sondern auch den Wirtschaftsstandort Wien. (Beifall bei den NEOS.) Genauso wichtig ist dem waff die Unterstützung junger Menschen. Der Wirtschaftsstandort Wien von morgen wird durch die heutigen Bildungs- und Ausbildungswege junger Wienerinnen und Wiener bestimmt. "Jobs PLUS Ausbildung" zeigt, worauf es ankommt: kostenlose Ausbildung in einem Zukunftsberuf und eine soziale Absicherung während der Ausbildung. 2025 wurden in diesem Bereich 2 002 Personen vom waff unterstützt, und 98 Prozent dieser 2 002 Personen wurden dann auch in Beschäftigung aufgenommen. Das ist eine wahnsinnig hohe Zahl, üblicherweise werden zirka 56 Prozent aller Auszubildenden dann auch weiter beschäftigt. Sehr geehrte Damen und Herren, lassen Sie mich meine heutige Rede auch als kleine Werbeeinschaltung für das "Future Fit Festival" nutzen. Es findet vom 18. Mai bis 15. Juni in Wien statt. Es wird über 65 Veranstaltungen in der ganzen Stadt geben, mit 190 Partnerinnen und Partnern. Eine Premiere wird dabei die "Gaming Challenge" feiern, etwas, das mir beim Lesen besondere Freude gemacht hat. Dabei sollen nämlich junge Wienerinnen und Wiener dort abgeholt werden, wo sie sehr, sehr viel Zeit verbringen, am Computer. Der waff hat sich überlegt, dass man das Computerspielen von jungen Menschen gemeinsam nutzen kann, um ihnen zu zeigen, dass sie dabei eigentlich bestimmte Talente und Fähigkeiten entwickeln, die sonst völlig untergehen. Hier geht es um Problemlösung, um Teamfähigkeit, um Reaktionsfähigkeit, aber auch um Strategieentwicklung. Der waff hat sich überlegt, dass man diese jungen Menschen eigentlich dort erwischen kann, wo sie ihre Freizeit verbringen und hat ihre Freizeitgestaltung mit Berufsorientierung verbunden, also ein besonders schönes Projekt, das im Rahmen des "Future Fit Festivals" gestartet wird. (Beifall bei den NEOS.) Der Abschluss wird dann am 15. Juni hier im Rathaus beim Event "Future Unlocked" stattfinden. Wenn Sie also junge Wienerinnen und Wiener kennen, die viel Zeit am Computer verbringen, oder auch Wienerinnen und Wiener, die sich gerade beruflich umorientieren wollen oder an Aus- und Weiterbildung interessiert sind, dann machen Sie sie doch auf das "Future Fit Festival" aufmerksam. Zum Abschluss noch ein kleiner Ausblick auf das Jahr 2026: Im Jahr 2026 plant der waff einen Mitteleinsatz von 149 Millionen EUR für 41 563 Teilnehmerinnen und Teilnehmer und 1 333 Unternehmen. Ich kann Ihnen versichern, der waff setzt diese Fördermittel weiterhin für seine Kernaufgaben ein, nämlich für den Chancenscheck, das Programm FRECH, für "Jobs PLUS Ausbildung", das Wiener Ausbildungsgeld, die überbetriebliche Lehrausbildung und die "Joboffensive 50plus". Wichtige Instrumente werden 2026 weiterhin vor allem die Jugendstiftung Wien, die Frauenstiftung Wien, die Wiener Klima-Lehrlingsausbildungsinitiative, das "College 25+" und die Joboffensive für Jugendliche sein. Der waff bleibt damit auch 2026 eines der wichtigsten Instrumente der Stadt, wenn es darum geht, Aufstieg durch Qualifikation zu ermöglichen, Fachkräfte zu sichern, Frauen auf ihrem beruflichen Weg zu unterstützen und Jugendliche beim Berufseinstieg zu begleiten. Der Jahresbericht 2025 des waff zeigt, dass Arbeitsmarktpolitik in Wien auch Aufstiegspolitik ist. Bildung ist und bleibt der Schlüssel für ein selbstbestimmtes und geglücktes Leben - nicht als Selbstzweck, sondern als Türöffner für selbstständige Lebensführung und gesellschaftliche Teilhabe und nicht zuletzt für einen erfolgreichen Wirtschaftsstandort Wien. - Vielen Dank. (Beifall bei NEOS und SPÖ.) Vorsitzender GR Armin Blind: Als Nächste zu Wort gemeldet ist GRin Schütz. - Bitte, Sie haben das Wort. GRin Angela Schütz, MA (FPÖ): Herr Vorsitzender, Frau Berichterstatterin, werte Kollegen, liebe Zuhörer! Wir haben hier einen Jahresbericht vorliegen, der mehr oder minder eine Pflichtaufgabe ist, nämlich eine Verpflichtung, die sich daraus ergibt, dass wir eine Förderung an den waff ausschütten. Wir sehen den waff nun einmal als eine Stelle, die ausschließlich Fachkräfte entwickelt und Arbeitnehmer für den Arbeitsmarkt fördert. Das ist leider nicht immer ganz so. Es ist einfach die Aufgabe des waff, Projekte zu fördern, die ausschließlich mit den Kernaufgaben zu tun haben und nichts anderes. Wenn ich mir die Arbeitslosenzahlen aus dem März 2026 anschaue, dann hat Wien fast 128 000 Arbeitslose. Das ist genau so viel wie de facto alle anderen Bundesländer zusammen; also sie haben ein bisschen mehr, aber es ist nicht wirklich viel mehr. Wenn man es als Kernaufgabe sieht, sich darum zu kümmern, dann hat der waff einiges zu tun, und da mangelt es ein bisschen. Wir haben uns daher erlaubt, einen Antrag einzubringen, der darauf hinweist, dass der waff sich ausschließlich um seine Kernaufgaben zu kümmern hat und nicht um anderes, nämlich einfach nur darum, die Entwicklung und die Chancen der Wiener am Arbeitsmarkt zu garantieren. (Beifall bei der FPÖ.) Dazu gehört auch, dass der waff die Verpflichtung hat, seine Overheadkosten so gering wie möglich zu halten und die Verwendung der Mittel muss für jedermann nachvollziehbar sein. Auch das ist aber leider nicht so einfach der Fall. Wir haben uns erlaubt, auch dazu einen Antrag einzubringen, nämlich den Antrag, die Mittelverwendung für die Übersiedelung des waff klar und transparent vorzulegen, weil die Kosten um einiges an Mehraufwand von fast 800 000 EUR an doppelten Gebühren, Nebengebühren und vor allem an erhöhten Mietzahlungen betreffen. Das ist nicht wirklich transparent kommuniziert worden und daher soll es auch da eine Aufschlüsselung geben. (Zwischenruf von GR Ing. Christian Meidlinger.) Es ist auch nicht in Ordnung, Projekte zu fördern oder sie auch in irgendeiner Form zu unterstützen, die schon von anderen Stellen Gelder bekommen. Und es ist auch nicht die Aufgabe des waff, in irgendeiner Form politisch aktiv zu sein oder sich in die Politik einzumischen. (Zwischenruf von GR Ing. Christian Meidlinger.) - Auch das ist der Fall, Herr Kollege. Was mich persönlich an der Leistungsbilanz des waff wirklich ganz massiv stört, ist, sie haben so wunderschöne Tabellencharts drinnen stehen, eine Ist- und eine Soll-Tabelle und wie viele Frauen da sind und der Anteil der Frauen. Wo sie das leider ganz vergessen haben, ist bei ihren eigenen Aufzeichnungen, nämlich wie viele Frauen im Personalaufwand und wie viele Frauen in der Personalentwicklung des waff tatsächlich zu finden sind. Das finde ich leider inakzeptabel und daher werden wir dem Bericht nicht zustimmen. (Beifall bei der FPÖ.) Vorsitzender GR Armin Blind: Als Nächster zu Wort gemeldet ist GR Schulz. - Bitte, Herr Kollege, Sie sind am Wort. GR Benjamin Schulz (SPÖ): Danke, Herr Vorsitzender, sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrte Frau Vizebürgermeisterin, sehr geehrter Herr Stadtrat, liebe Kolleginnen und Kollegen! Wir diskutieren heute den Jahresbericht des Wiener ArbeitnehmerInnen Förderungsfonds für das Jahr 2025, den Ausblick 2026 und was die Schwerpunktsetzungen auch in den kommenden Jahren sind. Dieser Bericht ist nicht nur ein Bericht mit bloßen Zahlen, sondern er zeigt sehr deutlich, wie aktiv, vorausschauend und sozial verantwortlich Wien Arbeitsmarktpolitik gestaltet. Der waff ist eine tragende Säule in der Wiener Arbeitsmarktpolitik und zugleich eine der wichtigsten sozialen Einrichtungen in dieser Stadt. Er steht für ein zentrales Versprechen, nämlich dass Arbeit nicht nur das Einkommen sichert, sondern auch Würde, Perspektive und Teilhabe ermöglicht. Gerade in einer wachsenden Stadt, die so vielfältig ist wie Wien, braucht es Institutionen und Organisationen, die Orientierung geben, die neue Chancen ermöglichen und auch konkrete Unterstützung anbieten. Genau das leistet der waff Tag für Tag für tausende Wienerinnen und Wiener. Ich möchte daher die Gelegenheit nutzen und mich gleich zu Beginn bei Geschäftsführer Marko Miloradovic und seinem gesamten Team für die großartige, engagierte und erfolgreiche Arbeit im vergangenen Jahr bedanken. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Der Jahresbericht zeigt sehr, sehr deutlich, dass die Herausforderungen am Arbeitsmarkt weiter zunehmen. Die Digitalisierung schreitet voran, Berufsbilder verändern sich im rasanten Tempo, der ökologische Umbau der Wirtschaft bringt neue Anforderungen mit sich und gleichzeitig bleibt der Fachkräftemangel in vielen Bereichen auch eine zentrale Herausforderung. Genau hier setzt der waff an. Im Jahr 2025 konnten tausende Wienerinnen und Wiener durch Beratung, Förderung und Qualifizierung konkret unterstützt werden. Besonders deutlich wird dabei die hohe Nachfrage nach Weiterbildung sowie der Fokus auf Menschen mit niedriger Qualifikation und auf Beschäftigte, die sich beruflich neu orientieren wollen und auch müssen. Der waff reagiert dabei nicht nur auf Entwicklungen, sondern gestaltet diese auch aktiv mit. Programme wie "Jobs PLUS Ausbildung" zeigen das sehr, sehr deutlich, weil sie Menschen nicht nur eine Ausbildung ermöglichen, sondern gleichzeitig auch konkrete Jobperspektiven für nachher schaffen und damit echte Sicherheit bieten. Ein weiteres zentrales Instrument ist das Weiterbildungskonto des waff, das es Beschäftigten ermöglicht, selbstbestimmt und flexibel in ihre Qualifikation zu investieren. Ergänzt wird das mit umfassenden Beratungsangeboten, die Menschen individuell begleiten und ihnen helfen, ihren beruflichen Weg aktiv zu gestalten. Darüber hinaus setzt der waff auch klare Schwerpunkte bei der Förderung von Frauen, insbesondere auch in technischen Berufen. Damit wird ein wichtiger Beitrag geleistet, um bestehende strukturelle Ungleichheiten abzubauen und neue Chancen zu eröffnen. Sehr geehrte Damen und Herren, wenn wir sehen, wie erfolgreich Arbeitsmarktpolitik in Wien funktioniert, dann lohnt es sich auch, einen Blick auf die anderen Bundesländer zu richten. Im niederösterreichischen Landtag hat die Freiheitliche Partei einen Antrag eingebracht, der darauf abzielt, dass Jugendliche künftig länger arbeiten sollen. Konkret geht es darum, dass auch minderjährige Jugendliche bis zu zehn Stunden täglich arbeiten sollen. So könne man die Lehre aufwerten. Ich halte das für einen völlig falschen Zugang. Es ist wichtig, dass es Arbeitszeitregelungen gibt. Es ist wichtig, dass die Lehrlinge gescheit und qualitativ hochwertig ausgebildet werden. An der FPÖ sieht man auch, wie Ihr in den letzten Jahren und Monaten zu Lehrlingen und jugendlichen ArbeitnehmerInnen steht. Noch deutlicher wird diese Haltung, wir haben es auch heute in der Früh in der Aktuellen Stunde gehört, wenn davon gesprochen wird, dass Förderungen kaputt sind und gestrichen gehören. Tatsächlich bedeutet das aber, dass konkrete Unterstützungen auch für Lehrlinge und jugendliche Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer reduziert werden sollen. (Beifall bei der SPÖ.) Die Beihilfe zur DLU, der Deckung des Lebensunterhaltes, dem Lehrlingseinkommen von Lehrlingen in den überbetrieblichen Lehrausbildungen, wurde 2018 von Schwarz-Blau gekürzt. Das ist kein abstraktes Budgetthema, sondern hat ganz konkrete Auswirkungen auf die Kinder und Jugendlichen in dieser Stadt, die auch eine Ausbildung machen wollen. Sehr geehrte Damen und Herren, es zeigt sich sehr klar, worum es hier geht. Auf der einen Seite stehen Vorschläge, die Belastungen erhöhen und Unterstützung kürzen. Auf der anderen Seite steht Wien mit dem waff, wo gezielt in Chancen, Ausbildung und Zukunft investiert wird. Als Lehrlingssprecher ist es mir auch noch ein besonderes Anliegen, die Klimaschutz-Lehrausbildungsprämie des waff hervorzuheben, wo wir gezielt Betriebe unterstützen, die in die Lehrausbildung investieren, und wir fördern mehr als 41 Berufsbilder. Für all jene Firmen, die Lehrlinge ausbilden, übernimmt die Stadt Wien das komplette Lehrlingseinkommen im ersten und zweiten Lehrjahr und darüber hinaus ist es uns auch wichtig, dass Frauen in technischen Berufen ausgebildet und unterstützt werden. Da zahlen wir auch 1 000 EUR extra. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Meine Bitte auch an die Wirtschaftskammer und an die ÖVP, an die Wiener Betriebe: Es gibt viele Förderungen in Wien, ich glaube, es ist ganz, ganz wichtig, dass wir Betriebe unterstützen. Es ist aber auch ganz, ganz wichtig, dass wir die Jugendlichen abholen und dass vor allem die Betriebe den Jugendlichen auch Zukunftsperspektiven und vor allem Jobmöglichkeiten bieten. Insofern die große Bitte an die Wiener Betriebe: Machen Sie von diesen Förderungen Gebrauch und geben Sie vor allem den Jugendlichen Zukunftsperspektiven. Der Blick nach vorne, 2026, zeigt sehr, sehr deutlich, wie wir unsere Schwerpunkte in Zukunft setzen. Dazu zählt Qualifizierung in Zukunftsbranchen, die gezielte Fachkräftesicherung, die Förderung benachteiligter Gruppen und die weitere Verbesserung der Zugänglichkeit zu den Angeboten. Besonders wichtig dabei bleibt die Veränderung von ökologischer Transformation und Qualifikation, denn der Wandel ist bereits voll im Gange. Entscheidend ist daher, dass wir ihn aktiv und sozial gerecht gestalten. Der Erfolg des waff ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer klaren politischen Entscheidung. Es liegt an uns, diesen Weg konsequent weiterzugehen, den waff weiter zu stärken, seine Angebote auszubauen und sicherzustellen, dass möglichst viele Menschen davon profitieren. Ganz kurz noch zu den beiden eingebrachten Anträgen der FPÖ: Zum einen, Udo Guggenbichler sitzt im waff- Kuratorium, wir haben das Thema dort thematisiert, auch im letzten Finanzausschuss war das Thema, was wir da einbringen. Das ist ein Thema, wo Geschäftsführer Marko Miloradovic sehr, sehr explizit reagiert und auch dargelegt hat, wie das vonstattengegangen ist. Reden Sie bitte mit Ihrem Kollegen, der war dort vertreten. Und zum zweiten ist es auch wichtig, ich habe es schon ausgeführt, der Arbeitsmarkt verändert sich, Diversity, auch Vielfalt, ist ein wichtiges Thema. Es ist ganz, ganz wichtig, dass man auch am Arbeitsmarkt darauf reagiert, dass man die Wiener Betriebe hereinholt und dass man vor allem auf der Seite der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer steht. Ich bitte um Zustimmung. - Vielen Dank für die Aufmerksamkeit. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Vorsitzender GR Armin Blind: Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Die Berichterstatterin verzichtet auf das Schlusswort. Wir kommen nun zur Abstimmung über die Postnummer 12. Ich bitte jene Damen und Herren des Gemeinderates, die der Postnummer 12 ihre Zustimmung geben wollen, um ein Zeichen mit der Hand. - Das sind ÖVP, NEOS, SPÖ und die GRÜNEN, daher gegen die Stimmen der FPÖ mehrheitlich angenommen. Mir liegen zwei Anträge zu Postnummer 12 vor. Der erste Antrag des Klubs der Wiener Freiheitlichen betreffend Offenlegung des Mehraufwandes bei der Übersiedelung des waff. Ich bitte jene Damen und Herren, die diesem Antrag beitreten wollen, um ein Zeichen mit der Hand. - Das sind die ÖVP und die FPÖ, daher mehrheitlich abgelehnt. Ein weiterer Antrag des Klubs der Wiener Freiheitlichen betrifft die Einsetzung der Mittel des waff nur für Kernaufgaben. Auch dazu bitte ich um ein Zeichen der Zustimmung. - Auch hier die ÖVP und die FPÖ, daher ist der Antrag mehrheitlich abgelehnt. Es gelangt nunmehr die Postnummer 18 der Tagesordnung zur Verhandlung. Sie betrifft eine Sachkreditgenehmigung für die Errichtung einer Parkanlage in Wien 11, Döblerhofstraße 18/Medwedweg (Gasometervorfeld). Es gibt dazu keine Wortmeldungen, daher kommen wir gleich zur Abstimmung. Wer der Postnummer 18 beitreten will, den bitte ich um ein Zeichen mit der Hand. - Das ist gegen die Stimmen der FPÖ mehrheitlich angenommen. Es gelangt nunmehr die Postnummer 30 der Tagesordnung zur Verhandlung. Sie betrifft den Abschluss eines Kaufvertrages für den Ankauf von Liegenschaften der KatG Siebenhirten für die Errichtung eines Retentionsbeckens für den Petersbach zum Zwecke des Hochwasserschutzes. Ich bitte die Berichterstatterin, Frau GRin Karner- Kremser, die Verhandlung einzuleiten. Berichterstatterin GRin Waltraud Karner-Kremser, MAS: Ich bitte um Zustimmung. Vorsitzender GR Armin Blind: Zu Wort gemeldet ist GR Bambouk. - Herr Gemeinderat, Sie sind am Wort. GR Jaafar Bambouk, MA (GRÜNE): Sehr geehrter Herr Vorsitzender, geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Zuerst kurz zu Postnummer 30 selbst: Wir als GRÜNE werden diesem Antrag natürlich zustimmen. Wenn es um Hochwasserschutz geht, wenn Wohngebiete, Infrastruktur und Menschen vor Überflutungen geschützt werden müssen, dann ist es eine notwendige Investition, die die Stadt Wien hier macht, und es ist wichtig und richtig, dass wir da handeln. Wenn wir aber heute über Grundstückspolitik sprechen, meine Damen und Herren, dann sollten wir auch darüber sprechen, wofür wir städtische Flächen nutzen und welche politischen Prioritäten wir als Stadt dabei setzen. Denn ebenfalls heute läuft an einem anderen Ort in Wien die Zeit ab, nämlich im 13. Bezirk, in der Schloßberggasse 8. Dort befindet sich nämlich seit 2022 ein Ankunftszentrum für ukrainische Kriegsvertriebene. Es ist ein Ort, an dem Menschen, die vor Bomben, Krieg und Zerstörung fliehen mussten, in Wien ankommen konnten; ein Ort, an dem vor allem Frauen und Kinder eine erste sichere Unterkunft bekommen haben und ein Ort, an dem bisher Beratung, Unterstützung und Orientierung angeboten worden sind. Das ist ein Ankunftszentrum für Menschen, die oft nichts mitgebracht haben, außer Angst, Unsicherheit und Hoffnung auf Schutz. Mit Freitag, den 30. April, also in wenigen Tagen, endet die bestehende Vereinbarung für diesen Standort, und die Liegenschaft wurde an Wiener Wohnen übertragen, weil dort künftig ein Gemeindebau entstehen soll. Ich möchte eines ganz klar sagen: Leistbarer Wohnraum ist wichtig und ja, wir brauchen mehr Gemeindebauten in Wien, daran gibt es gar keinen Zweifel. Genau so klar ist aber auch, dieser Bau beginnt nicht heute, der beginnt nicht morgen, der beginnt auch nicht am Freitag, den 30. April und solange dort noch nicht gebaut wird, stellt sich eine sehr einfache Frage: Warum schließen wir ein funktionierendes Ankunftszentrum, wenn wir gleichzeitig nicht wissen, wie lange der Krieg in der Ukraine noch dauert? Warum nehmen wir einer funktionierenden humanitären Infrastruktur den Stecker heraus, obwohl weiterhin Menschen Schutz brauchen? Der russische Angriffskrieg dauert mittlerweile über vier Jahre. 5,9 Millionen Menschen mussten laut UNHCR ihre Heimat verlassen, und wir alle wissen, die humanitäre Lage ist weiterhin dramatisch. Russische Angriffe auf zivile Infrastruktur dauern an, Familien werden weiterhin auseinandergerissen, Kinder wachsen im Krieg auf. Wien war in den letzten Jahren zu Recht stolz darauf, schnell geholfen zu haben. Viele Freiwillige, viele NGOs, die ukrainische Community, städtische Einrichtungen, all diese Menschen haben mitgeholfen, dass Wien seinem Ruf, seiner humanitären Verantwortung gerecht wird und ein sicherer Hafen für Menschen bleibt, die in Not sind. Genau deshalb wäre es jetzt ein völlig falsches Signal, dieses Ankunftszentrum einfach auslaufen zu lassen, obwohl es bis zum tatsächlichen Baustart weiter genutzt werden könnte, und genau das fordern wir heute mit unserem Antrag. (Beifall bei den GRÜNEN.) Eigentlich ist der Antrag ganz simpel. Wir fordern die zuständigen Stadträtinnen und Stadträte auf, alle notwendigen Schritte zu setzen, damit das Ankunftszentrum in der Schloßberggasse 8 bis zum tatsächlichen Baubeginn der Gemeindewohnungen weitergeführt werden kann. Solange dort nicht gebaut wird, soll weiterhin geholfen werden. Wien darf nicht jene Stadt werden, die bei Solidarität große Worte findet, aber bei konkreter Hilfe zu früh die Türen schließt. Lassen wir diese Türen zumindest bis zum Baustart noch offen. - Danke. (Beifall bei den GRÜNEN.) Vorsitzender GR Armin Blind: Als Nächster zu Wort gemeldet ist GR Niegl. - Bitte, Herr Kollege, Sie sind am Wort. GR Michael Niegl (FPÖ): Werter Herr Vorsitzender, werte Berichterstatterin, geschätzte Stadträtin, werte Zuseher! Wir haben heute ein Geschäftsstück, bei dem es um die notwendige Schaffung eines Rückhaltebeckens für Hochwasser geht, das von Privat angekauft worden ist. Das ist durchaus in Ordnung. Was für mich ein wenig hinterfragenswürdig war, das habe ich im Ausschuss bereits gesagt, ist der Preis. Auch im Gutachten ist ein Preis von 86 EUR pro Quadratmeter als gut erachtet worden, und wir haben dann letztendlich 92,50 EUR pro Quadratmeter gezahlt. (Zwischenruf von GR Georg Niedermühlbichler.) - Du sagst jetzt "na", aber das sind trotzdem 286 240 EUR an Steuergeld. Nur einmal so. Na, ich weiß schon, aber Tatsache ist, dass wir hier schlecht verhandelt haben. Das ist nach wie vor meine tiefste Überzeugung. Mit Steuergeld muss man vorsichtig und sparsam umgehen. (Beifall bei der FPÖ. - Zwischenruf von GR Georg Niedermühlbichler.) Das ist aber halt leider die Stadt Wien im Allgemeinen. Deswegen habt ihr auch so viele Schulden, weil man das Geld mit vollen Händen ausgibt. Und wenn es nicht mein Geld ist, dann ist es mir wurscht. Das ist, glaube ich, so irgendwie eure Politik, und das finde ich nicht richtig. Dass ihr dann jetzt dasitzt und den Kopf schüttelt - na ja, tu dir nichts an, so viel Geld ist es nicht! - das finde ich besonders verwerflich im Sinne der Wiener. (Beifall der FPÖ.) Nichtsdestotrotz ist es eine gute Sache, und es ist auch notwendig, aber vielleicht in Zukunft ein wenig mehr auf das Geld der Wiener zu achten! Auf das Geld der Wiener sollte man auch in einer anderen Frage achten, nämlich wenn es um den Mietzins geht, um die sogenannte Mietzinssenkung im Gemeindebau. Da wäre es vielleicht interessant, das Mietzinsniveau auf das genossenschaftliche Mietzinsniveau zu senken, denn da haben wir doch eine Differenz von mehreren Euros. Im genossenschaftlichen Wohnbau haben wir 4,53 EUR pro Quadratmeter und im Gemeindebau verlangen wir 6,74 EUR pro Quadratmeter. Und da stelle ich mir halt schon die Frage, warum der Gemeindebau Wiener Wohnen nicht mit demselben Preis wie das genossenschaftliche Wohnen auskommt. Warum müssen wir da mehr verlangen? Das wäre einmal zu hinterfragen, und deswegen stellen wir diesbezüglich auch einen Antrag. Wir würden also den Mietern pro Quadratmeter 2,21 EUR ersparen und das könnten wir tun. Wenn man dann sagt, ja, aber Wiener Wohnen braucht mehr Geld wegen der Sanierungen, dann sage ich: Um die Sanierungen kann es nicht gehen, denn bei einem Sanierungsrückstand von fast 10 Milliarden EUR haben wir das Geld vermutlich woanders verbraten. Sie, werte Stadträtin, werden vermutlich noch nicht wissen, wo das Geld hingegangen ist, weil Sie all die Jahre nicht im Amt waren, aber die Genossen wissen es vielleicht. (Beifall bei der FPÖ. - Zwischenruf von GRin Martina Ludwig- Faymann.) Wir stellen also den Antrag, dass Wiener Wohnen dahingehend anzuweisen wäre, die Mieten in ausfinanzierten Gemeindebauten für 30 Jahre beziehungsweise bis nach erfolgter durchgreifender Sanierung auf genossenschaftliches Niveau Grundmiete zuzüglich EVB abzusenken. Das wäre auch im Sinne der Sparsamkeit. Und im Sinne der Mietpreisbremse des Genossen Babler wäre das vielleicht etwas, was wir machen könnten, wo wir dann wirklich Nägel mit Köpfen machen und nicht nur Worthülsen verbrauchen. - Danke. (Beifall bei der FPÖ.) Vorsitzender GR Armin Blind: Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Die Berichterstatterin verzichtet auf das Schlusswort. Wir kommen nun zur Abstimmung über die Postnummer 30. Ich bitte daher jene Damen und Herren des Gemeinderates, die der Postnummer 30 die Zustimmung geben wollen, um ein Zeichen mit der Hand. - Das ist, soweit ich sehe, einstimmig angenommen. Dazu liegen nunmehr zwei Beschlussanträge vor. Der erste Antrag des Grünen Klubs im Rathaus betreffend Weiternutzung des Ankunftszentrums Schloßberggasse 8 bis Baustart. Wer diesem Antrag beitreten will, den bitte ich um ein Zeichen mit der Hand. - Das sind die ÖVP und die GRÜNEN, daher mehrheitlich abgelehnt. Der nächste Antrag des Klubs der Wiener Freiheitlichen betreffend Mietensenkung bei Wiener Wohnen auf genossenschaftliches Niveau. Auch hier ersuche ich um ein Zeichen der Zustimmung. - Das sind die ÖVP und die Freiheitliche Partei, daher mehrheitlich abgelehnt. Es gelangt nunmehr die Postnummer 20 der Tagesordnung zur Verhandlung. Sie betrifft eine Förderung an den Verein Frauen*Stadt, Institut zur wissenschaftlichen Erforschung und Vermittlung von Frauen*Stadtgeschichte und Geschlechterverhältnissen in Wien. Mir liegt dazu keine Wortmeldung vor. Wir kommen sogleich zur Abstimmung über die Postnummer 20. Ich bitte jene Damen und Herren des Gemeinderates, die der Postnummer 20 die Zustimmung erteilen wollen, um ein Zeichen mit der Hand. - Das sind ÖVP, NEOS, SPÖ und die GRÜNEN und daher mehrheitlich angenommen. Es gelangt nunmehr die Postnummer 21 der Tagesordnung zur Verhandlung. Sie betrifft eine Förderung an CALLE LIBRE - Verein zur Förderung von Kunst, Kultur & Musik. Ich bitte die Berichterstatterin, Frau GRin do Amaral Tavares da Costa, die Verhandlung einzuleiten. Berichterstatterin GRin Sara do Amaral Tavares da Costa: Ich bitte um Zustimmung. Vorsitzender GR Armin Blind: Zu Wort gemeldet ist GR Brucker. - Bitte, Herr Gemeinderat. GR Lukas Brucker, MA (FPÖ): Danke schön, Herr Vorsitzender. Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es geht hier um die Förderung für die Gestaltung des alten APA-Towers. Zugegebenermaßen ein Schandfleck, aber ehrlich gesagt, dieses Projekt ist ein reines LGBTIQ-Projekt und nichts für die Allgemeinheit. Daher werden wir diesem Projekt nicht zustimmen. Sehr geehrte Damen und Herren, Wien ist eine Filmstadt, Wien ist eine Kulturstadt. Wir haben unzählige gute Filmproduktionen in Wien, von "Der dritte Mann" über "Sissi" bis zu "Muttertag" und anderen Produktionen. (GRin Martina Ludwig-Faymann: Sehr aktuell!) Offenbar gibt es jetzt ein neues Genre bei der Filmförderung, nämlich den steuerzahlerfinanzierten SPÖ-Film-Flop. (Beifall bei der FPÖ. - Zwischenruf bei der SPÖ.) Wir sprechen über den Film "Wahlkampf", in dem über Andreas Babler berichtet wird. (Zwischenruf bei der SPÖ.) Und wir sprechen da nicht über irgendeinen kleinen Studentenfilm, sondern über ein Projekt, das insgesamt 500 000 EUR gekostet hat. Davon sind rund 180 000 EUR über den Filmfonds der Stadt Wien beigetragen worden. Sehr geehrte Damen und Herren, das ist kein Kleingeld. Nein, dieses Geld wurde für SPÖ-Politpropaganda ausgegeben, und das muss unterlassen werden. Ich verweise ein bisschen auf die Medienberichterstattung, die schon irgendwie bekannt ist. Es wurde über den Film, der vorgestern angelaufen ist, geschrieben: "eine Vorstellung ohne Publikum". Auf X gibt es Ausschnitte aus den Kinosälen: keine einzige verkaufte Karte. Nikolaus Kern - ich glaube, Sie kennen ihn hier von der SPÖ - sagt: "Gesamtes Kino ist frei. Kein einziges Ticket verkauft. Und zwar in allen 7 Vorstellungen." Irgendetwas ist immer. (Zwischenruf bei der SPÖ.) Der User schreibt: "Würde die Babler-SPÖ nur irgendeine Verantwortung gegenüber den steuerzahlenden Menschen empfinden, würde sie die dafür ausbezahlte Filmförderung aus ihrer millionenschweren Parteiförderung zurückzahlen." - Und recht hat er. Es schreibt der "Tiger von Neubau" etwas pointiert: "Falls jemand schon immer Sex in einem Kino haben wollte, beim Andi Babler Movie stört euch garantiert niemand." (Heiterkeit beim Redner. - Beifall und Heiterkeit bei der FPÖ.) Und hier kommen wir auch schon zum Kernproblem. Das Ganze ist nicht nur ein Flop, nein, es hat einfach einen parteipolitischen Charakter, und es ist nicht die Aufgabe der Allgemeinheit, parteipolitische Eigenwerbung zu finanzieren. Wenn ein Privatfilm floppt, dann zahlt das der Produzent. Hier zahlt es der Steuerzahler, und das ist nicht akzeptabel. Eines muss ich Ihnen aber schon sagen: In Wahrheit sind wir ja froh, wenn Andreas Babler in mehreren Filmen auftritt - vielleicht gibt es noch mehr Filme, die Sie finanzieren? -, denn je mehr Leute Andreas Babler irgendwo sehen, desto mehr verliert er nämlich an Wählerzustimmung. Das ist nur gut für uns, und das sieht man auch in den neuesten Umfragen. Wir sind ja bei Nationalratswahlen schon stärkste Partei, auch bei der Wien-Wahl holen wir auf. Andreas Babler ist Ihr politisches "Stirb langsam" und Ihr "Armageddon" und das Ende der SPÖ, und bitte machen Sie nur weiter so. (Beifall bei der FPÖ. - GR Ing. Christian Meidlinger: "Armageddon" ist aber gut ausgegangen!) Ich hätte auch noch einen anderen Vorschlag, wo Andreas Babler mitwirken könnte. (GR Ing. Christian Meidlinger: "Armageddon" ist gut ausgegangen!) Wissen Sie eigentlich, was heuer in Mörbisch spielt, wissen Sie was es dort spielt? - "Ein Käfig voller Narren." Da könnte Herr Babler gleich die Hauptrolle übernehmen mit dem gesamten Ensemble der SPÖ-Zentrale, und der Herr Doskozil hätte auch noch seine Riesengaudi dabei. (Zwischenrufe bei der SPÖ.) Aber auch im Bereich des Films, um die marxistischen Gelüste des Herrn Babler zu befriedigen, wäre da etwas möglich. Wenn er da einen Filmauftritt hätte, dann wohl im "Panzerkreuzer Potemkin", irgendwo zwischen Meuterei und Revolutionsromantik, ganz nach dem Motto Klassenkampf statt Klassenfahrt. Oder man könnte auch im Stil von Laurel und Hardy Herrn Babler im Duo mit Bgm Ludwig auftreten lassen, aber ich glaube, das wäre dann eher kein kongeniales Duo, wie es nämlich Laurel und Hardy waren, sondern dann eher eine Produktion "Der Strippenzieher und sein Tölpel". Sehr geehrte Damen und Herren, das ist alles vielleicht unterhaltsam (Zwischenrufe bei der SPÖ: Sicher nicht!), auch dieser Babler-Film, aber das ist mit Steuergeld finanziert. Deshalb ist meine Aufforderung: Zahlen Sie diesen Film aus der roten Parteikasse, dann können Sie so viele Flops liefern, wie Sie wollen, aber geben Sie das Geld den Kulturschaffenden zurück, damit sie unabhängige Filmprojekte damit finanzieren können. (Beifall bei der FPÖ.) Vorsitzender GR Armin Blind: Als Nächste zu Wort gemeldet ist GRin Anderle. - Bitte, Frau Kollegin. GRin Patricia Anderle (SPÖ): Sehr geehrter Herr Vorsitzender, liebe Frau Stadträtin, sehr geehrte Damen und Herren! Der Antrag der FPÖ ist kein Antrag zur Kontrolle, wie Sie glauben, es ist auch kein Beitrag zur Transparenz und schon gar kein Beitrag zur Kulturpolitik. Es ist einfach ein durchschaubares politisches Ablenkungsmanöver. (GR Maximilian Krauss, MA: Wovon wird abgelenkt?) Hier wird versucht, einen Skandal zu konstruieren, wo unabhängige Förderentscheidungen getroffen wurden. Unsere Kulturstadträtin hat es heute in der Früh in der Fragestunde bereits klargestellt, die Fakten sind eindeutig. Die Förderung für die Dokumentation "Wahlkampf" wurde zu einem Zeitpunkt genehmigt, als Andi Babler noch lange nicht Kulturminister war. Zuständig waren unabhängige Förderstellen wie das Österreichische Filminstitut, der Filmfonds Wien und das Land Niederösterreich. Diese entscheiden nach künstlerischen, wirtschaftlichen und fachlichen Kriterien und nicht nach Parteibuch und nicht auf Zuruf eines Ministers. Wer hier so tut, als hätte Andi Babler als Kulturminister Einfluss auf diese Förderentscheidung, auf die künstlerische Gestaltung oder gar auf den Final Cut genommen, sagt schlicht nicht die Wahrheit. Sie als FPÖ sprechen ständig von Freiheit, aber was Sie hier machen, ist das Gegenteil davon. Sie stellen unabhängige Kunst- und Kulturförderung unter Generalverdacht, sobald euch ein Thema politisch nicht passt. Heute ist es eine Dokumentation, morgen vielleicht ein Theaterstück, ein Buch oder eine Ausstellung über gesellschaftliche Entwicklungen, die der FPÖ nicht ins Weltbild passen. Dokumentarfilme über politische Prozesse sind kein Skandal, sie sind Teil einer lebendigen Demokratie und die FPÖ sollte sich fragen lassen, warum sie so nervös wird, wenn politische Realität dokumentiert wird. Wer Demokratie ernst nimmt, muss auch kritische politische und zeitgeschichtliche Dokumentationen aushalten. Wenn die FPÖ heute von der "roten Sofaritze" spricht, dann sagt das vor allem eines: welchen Respekt sie vor zivilgesellschaftlicher Arbeit hat -nämlich gar keinen. Das ist eine reine Verhöhnung. Und an Kollegen Stumpf, der jetzt offenbar nicht da ist, aber vielleicht können Sie es ihm ausrichten: Wenn er sich so gerne mit der "roten Ritze" beschäftigt, kann ich ihm nur zwei Liedtitel empfehlen, nämlich "Der Träumer" von Danzer und "Tagwache" von Ambros. Jeder Traum ist mit dem Aufwachen beendet. (Beifall bei SPÖ und NEOS. - Zwischenruf bei der FPÖ: Hört, hört!) Wir lehnen diesen Antrag natürlich ab, denn egal, ob es um ZARA, um CALLE LIBRE oder um die Filmförderung geht, es ist immer dasselbe Muster: Antirassismus - verdächtig, Kunst im öffentlichen Raum - verdächtig, eine Doku über Politik - verdächtig. Hier wird das eigene Weltbild entlarvt und unsere Antwort auf den Kulturkampf der FPÖ ist: Wir machen Räume auf für Kunst, für Vielfalt, für Beteiligung. Ob bei CALLE LIBRE am APA-Turm, wo ein ehemaliger grauer Leerstand zu einem weithin sichtbaren Zeichen für Offenheit, Zusammenhalt und Toleranz wird oder bei unabhängiger Filmförderung (GR Michael Niegl: Es lebe der Vorsitzende Babler!), Kultur gehört nicht einer Partei, die am lautesten schreit, Kultur gehört den Menschen. (GR Mag. Dietbert Kowarik: Der sozialistische Traum!) Nicht engstirnig, nicht Zensur, nicht Gesinnungsprüfung, sondern die Einladung an die Menschen, Stadt und Gesellschaft gemeinsam weiterzuentwickeln, genau dafür stehen wir. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Vorsitzender GR Armin Blind: Zu Wort ist dazu niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Die Berichterstatterin verzichtet auf das Schlusswort. Wir kommen nun zur Abstimmung über die Postnummer 21. Wer der Postnummer 21 beitreten will, den bitte ich um ein Zeichen mit der Hand. - Das ist die ÖVP, NEOS, SPÖ und die GRÜNEN gegen die Stimmen der FPÖ, und daher mehrheitlich angenommen. Mir liegt zu Postnummer 21 ein Beschluss- und Resolutionsantrag des Klubs der Wiener Freiheitlichen vor, betreffend Rückforderung von Fördermitteln des Filmfonds Wien im Zusammenhang mit der sogenannten "Babler- Doku". Wer diesem Antrag beitreten will, den bitte ich um ein Zeichen mit der Hand. - Das bleibt bei der FPÖ und ist daher mehrheitlich abgelehnt. Es gelangt nunmehr die Postnummer 24 der Tagesordnung zur Verhandlung, sie betrifft die Genehmigung eines Rahmenbetrages für Einzel- und Gesamtförderungen im Bereich der Darstellenden Kunst für das Jahr 2027. Zu Wort ist dazu niemand gemeldet. Wir kommen daher gleich zur Abstimmung. Wer der Postnummer 24 beitreten will, den bitte ich um ein Zeichen mit der Hand. - Das ist NEOS, SPÖ und GRÜNE und mehrstimmig angenommen. Es gelangt nunmehr die Postnummer 25 der Tagesordnung zur Verhandlung, sie betrifft eine Förderung an den Theaterverein Wien. Auch dazu ist niemand zu Wort gemeldet. Wir kommen ebenfalls gleich zur Abstimmung. Wer der Postnummer 25 die Zustimmung erteilt, bitte um ein Zeichen mit der Hand. - NEOS, SPÖ und GRÜNE, mehrstimmig angenommen. Ich schlage vor, die Verhandlung über die Geschäftsstücke 13 und 15 der Tagesordnung - sie betreffen das Plandokument Nr. 8460 im 11. Bezirk, KatG Simmering sowie Genehmigung eines Vertrages gemäß § 1a der Bauordnung für Wien über die Errichtung von Infrastruktur sowie die Umsetzung von sonstigen Maßnahmen samt Leistung eines Kostenbeitrages sowie die unentgeltliche Übertragung von Grundflächen an die Stadt Wien und die Einräumung einer unentgeltlichen Dienstbarkeit zu Gunsten der Stadt Wien im Zusammenhang mit dem Projekt in Wien 11, Leberstraße 96 - zusammenzuziehen, die Abstimmung jedoch getrennt durchzuführen. Wird dagegen ein Einwand erhoben? - Das ist nicht der Fall. Auch dazu ist niemand zu Wort gemeldet. Daher kommen wir jetzt zur getrennten Abstimmung, zunächst über die Postnummer 13. Ich bitte jene Damen und Herren, die der Postnummer 13 die Zustimmung erteilen, um ein Zeichen mit der Hand. - Das sind die NEOS, die SPÖ, die GRÜNEN und die ÖVP, daher gegen die Stimmen der FPÖ angenommen. Wir kommen nun zur Abstimmung über die Postnummer 15. Ich bitte auch hier jene Damen und Herren um ein Zeichen der Zustimmung. - NEOS, SPÖ und GRÜNE gegen die Stimmen der FPÖ und ÖVP, mehrheitlich angenommen. Es gelangt nunmehr die Postnummer 16 der Tagesordnung zur Verhandlung, sie betrifft eine Sachkreditgenehmigung für das Stadterweiterungsgebiet 22.008.02 in Wien 22, Oberes Hausfeld Bauteil 2, Straßenbau- und Nebenarbeiten. Ich bitte die Berichterstatterin, Frau GRin Sucher, die Verhandlung einzuleiten. Berichterstatterin GRin Cornelia Sucher, BA: Ich bitte um Zustimmung. Vorsitzender GR Armin Blind: Ich eröffne die Debatte. Zu Wort gemeldet ist GRin Arapovic. Ich darf darauf hinweisen, wir haben um 16 Uhr Debatte, ich stelle Ihnen neun Minuten ein. - Bitte. GRin Dipl.-Ing. Selma Arapovic (NEOS): Vielen Dank, Herr Vorsitzender, ich werde mich bemühen, in diesen neun Minuten mit meinem Redebeitrag fertig zu werden. Sehr geehrte Frau Berichterstatterin, werte Damen und Herren! Mit dem vorliegenden Tagesordnungspunkt erteilen wir den Auftrag für ein neues, klimafittes Stadtquartier der Zukunft. Wir schaffen dort neue hochwertige Radwege, wir schaffen dort neue hochwertige Gehwege, wir schaffen aber auch klimafitte, schattige Vorplätze mit einer sehr hohen Aufenthaltsqualität, mit mehr Sitzmöglichkeiten, mit mehr Begrünung zum Verweilen und einen öffentlichen Raum, der wirklich einladend, offen und ein Vorzimmer unserer Stadt ist. Mit dem Oberen Hausfeld schaffen wir ein neues, lebendiges Stadtzentrum im 22. Bezirk, ein Zentrum, das eigentlich super angebunden ist, auch an die öffentlichen Verkehrsmittel, das nämlich auch gleich zwei U-Bahn-Stationen der U2 hat. Und wenn wir schon über die neuen Radwege, über die neuen Gehwege, über die Hebung der Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum sprechen, wenn wir auch über die U2 sprechen, dann möchte ich auch auf den Antrag eingehen, den wir gemeinsam mit der SPÖ in Bezug auf die Umgestaltung der Ringstraße einbringen. Denn, meine Damen und Herren, genau das wird auch entlang der Ringstraße passieren. Es war 1857 und der Satz prägend: "Es ist mein Wille." Es war der Wille von Kaiser Franz Joseph, die Stadtmauern niederzureißen und anstatt der Stadtmauer einen Prachtboulevard zu errichten. Da sieht man auch, dass es manchmal so radikale, so durchsetzungsstarke Worte braucht, damit man die Stadtentwicklung weiter vorantreibt. Wenn wir heute die Ringstraße entlanggehen, sehen wir, dass das wirklich eine wunderschöne Bühne unserer Stadt mit einer wirklich sehr hochwertigen Kulisse ist. Was wir aber auch sehen, ist, dass sich die Ringstraße mit der Zeit auch immer sehr gewandelt und verwandelt hat. Was man an der Ringstraße sieht, ist, dass es, wenn es um den öffentlichen Raum geht, immer ein Ausverhandeln braucht. Es braucht ein Ausverhandeln von unterschiedlichen Interessen. Es geht nämlich auch darum, dass wir schauen, dass die Bedürfnisse der Bevölkerung der Zeit und den Anforderungen entsprechend gestillt werden. Ich muss auch ehrlich sagen, ich habe die Ringstraße als Architekturstudentin kennengelernt. Wir sind mit einer StudentInnengruppe aus Graz nach Wien gekommen und haben einen Bau nach dem anderen besichtigt. Das Wetter war nicht schön, es war windig, für uns aus Graz eine große Herausforderung. (Heiterkeit bei der Rednerin.) Da hat man auch ganz, ganz viel über die Geschichte unserer Stadt gelernt, aber auch über die Baukultur, die sie so prägt. Mich hat das schon sehr beeindruckt, muss ich sagen, diese Dichte an öffentlichen Bauten, an Monomentalbauten, an Prachtbauten, die nicht nur für unsere Stadt, sondern auch für das ganze Bundesland und darüber hinaus sehr prägend und eigentlich sehr markant sind und wofür Wien bekannt ist, ohne die Inhalte zu besprechen. Also die Inhalte jedes einzelnen Gebäudes - sei es die Universität, sei es das Parlament, sei es das Burgtheater - sind auch für sich eine Einzigartigkeit. (Beifall bei den NEOS und von Amtsf. StRin Mag. Veronica Kaup- Hasler.) Also die Ringstraße ist durch und durch ein Gänsehautmoment, muss ich sagen. Als Wienerin oder als Benutzerin des öffentlichen Raumes, als Radfahrerin, muss ich aber gestehen, die Ringstraße momentan eher zu umfahren als zu befahren. Warum? - Jeder, der in Wien und entlang der Ringstraße unterwegs ist, weiß es: zu viel los, unterschiedliche Geschwindigkeiten, die Trennungen nicht ganz klar, wenig Platz, einige Engstellen und viele Konflikte. Da bin ich, die eigentlich schnell ans Ziel kommen möchte, besser dran, wenn ich sie umfahre, wenn ich Nebenfahrbahnen nutze, wenn ich vielleicht quer durch die Stadt fahre, anstatt am Ring entlang. Das soll sich ändern. Diese Konfliktzonen, diese Konfliktpotenziale, die wir jetzt entlang der Ringstraße haben, diese Engstellen, diese Engpässe sollen entschärft werden. Das Gute, das Schöne an der Ringstraße ist, dass sie damals so geplant wurde, dass wir dort wirklich viel Potenzial haben. Wir haben nämlich das, was wir in Angriff nehmen werden, wir haben die Potenziale der Nebenfahrbahnen, die wir jetzt nutzen werden, um Orientierungssicherheit und bessere Nutzbarkeit entlang der Ringstraße zu machen. (Beifall bei den NEOS und von Amtsf. StRin Mag. Veronica Kaup-Hasler.) Die Ringstraße ist nicht nur eine Prachtstraße beziehungsweise sie ist auch nicht nur ein Verkehrsverbindungspunkt. Die Umgestaltung der Ringstraße verfolgt genau auch die Ziele, die wir uns schon vor sechs Jahren in der Fortschrittskoalition strategisch ausgemacht haben, indem wir gesagt haben, wir wollen, dass die Stadt 2040 klimaneutral ist. Jeder Gehweg, jeder Radweg ist ein Beitrag zu diesem Ziel. Es ist aber natürlich auch eine Frage der Gesundheit, denn wir möchten, dass die Menschen möglichst lang, möglichst sicher, möglichst aktiv mobil sind in unserer Stadt. Wir möchten auch, dass die Stadt dementsprechend ausgestaltet ist, dass dieses lange Aktivsein, die Stadt zu erleben, möglichst lange erhalten bleibt. Wir werden mit dieser Umgestaltung an den zentralen Punkten beginnen, nämlich zwischen Schottentor und Schottenring. Das ist auch der erste Abschnitt, der umgesetzt wird, und wo man auch gleich sehen wird, was diese Veränderung bringen wird. Man wird auch ganz gut merken, dass die Ringstraße nicht nur eine Verkehrsstraße ist, sondern dass sie ein Stadtraum mit ganz, ganz besonderen Qualitäten ist. In diesem Bereich haben wir zum Beispiel die Börse. Dieser Platz vor der Börse wird aufgewertet, schöner und einladender gestaltet. Wenn wir über die Ringstraße sprechen, sprechen wir aber auch über die Wirtschaft, denn die Ringstraße ist auch einer der zentralen Motoren für den Tourismus, wie zuvor gesagt, für die Kultur, aber auch für die Gastronomie in unserer Stadt. Bessere Aufenthaltsqualität dort bedeutet auch höhere Frequenz, längere Verweildauer und Lebendigkeit in dieser wichtigen Straße. Wie man sieht, Wien wird, wie alle anderen Städte, ständig weiterentwickelt, denn eine Stadt ist nie fertig, und das ist auch die Stärke der Stadt. Das ist aber auch die Herausforderung und eigentlich auch das Schöne an der Kommunalpolitik, dass man immer mitgestalten und mitentwickeln kann, sich auf Sachen im Sinne der Bevölkerung einigen kann. Ich habe es schon gesagt, es ist irgendwann einmal damit begonnen worden, indem jemand "Es ist mein Wille" gesagt hat. Wir sind davon abgekommen. Es reicht nicht, Wille einzelner Menschen zu sein, sondern es muss der Wille von möglichst vielen sein, damit unsere Stadt auch weiterhin eine lebenswerte und liebenswerte Stadt ist. Daher freue ich mich, wenn möglichst viele einen Willen haben und diesen Willen auch bei der Zustimmung zu diesem Antrag zeigen und wir dann gemeinsam unsere Stadt noch schöner und noch lebenswerter machen. - Danke schön. (Beifall bei NEOS und SPÖ.) Vorsitzender GR Armin Blind: Es ist nun 16 Uhr. Ich unterbreche daher die Sitzung zur Behandlung der Dringlichen Anfrage. Wir kommen daher nun zum Verlangen, dass die von den Gemeinderäten Wirnsberger, Sequenz, Kilian Stark, Malle, Aslan und Berner eingebrachte, an den Herrn Bürgermeister gerichtete Dringliche Anfrage betreffend "Flächenfraß, Ressourcenverschwendung und Emissionen: Milliardenschwere Straßenbauprojekte gefährden Wiens Klimaziele" vom Fragesteller mündlich begründet werde und hierauf eine Debatte über den Gegenstand stattfinde. Auf die Verlesung der Dringlichen Anfrage wurde seitens der GRÜNEN verzichtet. Für die Begründung der Dringlichen Anfrage sieht die Geschäftsordnung gemäß § 37 Abs. 1 eine Redezeit von 20 Minuten vor. Zur Begründung der Dringlichen Anfrage erteile ich nun GRin Wirnsberger das Wort. - Bitte Frau Kollegin, Sie sind am Wort. GRin Christina Wirnsberger (GRÜNE): Herzlichen Dank. Sehr geehrter Herr Bürgermeister, werte StadträtInnen, Herr Vorsitzender, geschätzte KollegInnen, liebe ZuschauerInnen auf der Tribüne und via Livestream! Wer die Debatte heute schon verfolgt hat, hat bemerkt, der Schwerpunkt der heutigen Gemeinderatssitzung waren die Sportförderungen und das Thema Sport. Ich habe mir gedacht, ich spanne hier jetzt auch den Bogen zu unserer Dringlichen Anfrage. Ich habe mir nämlich heuer zu Jahresanfang einen Neujahrsvorsatz vorgenommen - und zwar wollte ich einfach wie so viele zu Jahresbeginn etwas für meinen Körper tun. Ich habe mir gedacht, ich möchte wieder ein bisschen beweglicher werden. Deswegen habe ich mir vorgenommen, dass ich gerne den Spagat lernen möchte. Das dauert in meinem Alter so ungefähr zwei bis sechs Monate, bis man das erreicht hat, und erfordert einiges an Übung. Ich übe fleißig, und wir haben jetzt Ende April, und ich kann es noch immer nicht. Da muss ich ganz ehrlich sagen, da blicke ich dann doch ab und zu neidvoll auf die KollegInnen von der SPÖ, denn ich frage mich: Wie schafft ihr das? Wie schafft ihr regelmäßig diese Verrenkungen, wenn es um das Thema Lobauautobahn geht? Wie bekommt ihr diesen Spagat hin? Was ist das Geheimnis von eurem kollektiven Spagat? (Beifall bei den GRÜNEN.) Wie schaffen Sie den Spagat, dass Sie auf der einen Seite den WienerInnen vollmundig erklären, dass Sie eine bessere Zukunft für sie bauen wollen, und auf der anderen Seite Sie sich gleichzeitig hinstellen und ohne Rücksicht auf Verluste ein Projekt aus dem vergangenen Jahrhundert auf Biegen und Brechen durchdrücken wollen? Wie geht sich das aus? Die Planungen für die Lobauautobahn sind aus den 1970er Jahren. Die stammen aus einer Zeit, als es in Österreich noch nicht einmal die Gurtenpflicht gegeben hat. Die stammen aus einer Zeit, als ich noch nicht geboren war und sehr viele hier drinnen auch nicht. Das heißt, dass die Grundannahmen, dass die Zielsetzungen und die Bewertungsmaßstäbe von diesem Projekt, so wie Sie es umsetzen wollen, aus einer Zeit stammen, die völlig anderen energie- und klima- und verkehrspolitischen Rahmenbedingungen entsprochen haben. Es war eine völlig andere Zeit als die, in der wir jetzt leben, in der Sie heute politische Verantwortung tragen, meine Damen und Herren. (Beifall bei den GRÜNEN.) Gerade erst letzten Freitag waren wieder hunderte junge Menschen mit Fridays for Future in Wien auf der Straße und haben darauf aufmerksam gemacht, wie das Festhalten an einer Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen ihre Zukunft verspielt. Und was ist Ihre Antwort? - Die Jugend fordert politische Entscheidungen, die ihnen Hoffnung geben, und Sie halten weiterhin an Tunnelfantasien aus vergangenen Epochen fest - und das ohne grundlegende Neubewertung unter den heutigen Voraussetzungen. Das nennen Sie zukunftsfit? Das nennen Sie jüngeren, kommenden Generationen gegenüber gerecht? Wie geht sich das aus? Ich verstehe es nicht. (Beifall bei den GRÜNEN.) Alle Untersuchungen - und davon gibt es inzwischen wirklich sehr, sehr, sehr viele -, alle wissenschaftlichen Untersuchungen unter zeitgemäßen Maßstäben zeigen, dass die Lobauautobahn, so wie Sie sie jetzt umsetzen wollen, die schlechteste aller Varianten ist. In der Variantenuntersuchung der strategischen Umweltprüfung für den Entwicklungsraum Nordosten sind die Schwächen sehr klar benannt worden: hoher Flächenverbrauch, massive Zersiedelung, schlechte Anbindung an den öffentlichen Verkehr, fehlende Impulse für regionale Zentren, mangelhafte Nahversorgung. Diese Variante wurde nicht nur am schlechtesten bewertet, sondern sie hat eine, wie ich finde, sehr treffende Bezeichnung erhalten, sie nennt sich nämlich jetzt Speckgürtelvariante. Da frage ich Sie, Herr Bürgermeister, neben all den Fragen, die wir jetzt mit dieser Dringlichen Anfrage stellen: Wie schaffen Sie den Spagat, dass Sie regelmäßig davon sprechen, dass Sie den Wirtschaftsstandort in Wien stärken wollen und gleichzeitig eine Speckgürtelvariante umgesetzt wird, die doch die Impulse aus der Stadt hinauszieht und nicht die lokalen Wirtschaftstreibenden stärkt? Wie geht sich das aus? Wie schaffen Sie diesen Spagat? (Beifall bei den GRÜNEN.) Dies jetzt auch in einer Zeit, in der wir eine massive, akute, fossile Energiekrise erleben. Wie geht es sich da für Sie aus, dass Sie mit dem Ausbau einer neuen Autobahn diese kritische Abhängigkeit von fossiler Mobilität noch weiter verstärken und damit die Menschen langfristig den unkontrollierbaren Preisschwankungen der Mineralölindustrie ausliefern? Jede zusätzliche Autobahn zementiert ein Verkehrssystem, das auf diesen fossilen Energieträgern basiert. (Beifall bei den GRÜNEN. - Zwischenruf von GRin Dipl.-Ing. Elisabeth Olischar, BSc.) Damit erleichtern Sie den Wienern und Wienerinnen das Leben nicht, sondern Sie machen einzig und allein den Ölmultis eine Freude, die sich nämlich schon die Hände reiben, weil sie eine Freude damit haben, dass politische Entscheidungen getroffen werden, von denen sie profitieren können. Sie verlängern damit die Lebensdauer eines Modells, das ökologisch nicht tragfähig ist und auch sozial, wie wir jetzt sehen, zunehmend problematischer wird. Wer ernsthaft Entlastung für die Menschen bei Energiekosten schaffen will, der muss dringend Alternativen zur fossilen Mobilität vorantreiben und nicht den Ölkonzernen weiterhin mit Autobahnen den Weg pflastern, meine werten Kolleginnen und Kollegen. (Beifall bei den GRÜNEN. - Zwischenruf von GR Mag. Dietbert Kowarik.) Es ist heute im 21. Jahrhundert durch zahlreiche Studien und auch durch praktische Erfahrungen bestätigt, neue Straßen schaffen neuen Verkehr. Das ist eine Tatsache. Sie lösen bestehende Probleme nicht, sie sind keine Antwort auf Herausforderungen, sie verlagern oder verschärfen diese Probleme und Herausforderungen nur noch mehr. Mehr Straßenkapazität bedeutet mehr Fahrten, längere Distanzen, letztlich höhere Emissionen und auch eine Verschlechterung der Luftqualität. Damit steht die Lobauautobahn in klarem Widerspruch zu so vielen Zielen, die die Stadt Wien sich gesetzt hat. Während Sie zwar in allen relevanten Strategien zumindest auf dem Papier festhalten, dass Sie den Anteil des öffentlichen Verkehrs erhöhen wollen, die aktive Mobilität stärken und den motorisierten Individualverkehr reduzieren wollen, machen Sie mit der Lobauautobahn das genaue Gegenteil davon. Da frage ich Sie, Frau Verkehrsstadträtin Sima, wie schaffen Sie diesen Spagat? Wie schaffen Sie diesen Spagat zwischen den erklärten Zielen einer nachhaltigen Mobilitätswende und dem gleichzeitigen Festhalten an einem Autobahnprojekt, das nachweislich zusätzlichen Individualverkehr in unsere Stadt holen wird? Wer Straßen baut, fördert Autoverkehr. Wie soll sich das ausgehen mit den Mobilitätszielen, die die Stadt Wien sich selbst auferlegt hat? (Beifall bei den GRÜNEN.) Dieses Projekt bedroht aber nicht nur die nachhaltige Verkehrswende, nicht nur die Wiener Wirtschaft, es bedroht nicht nur das Geldbörserl der WienerInnen, die durch die fossile Energiekrise gerade vor so vielen Teuerungen stehen, sondern es bedroht auch Umwelt, Natur und damit die Gesundheit der Menschen. Die Messwerte bei der Luftqualität an der Messstelle Lobau sind schon heute regelmäßig hart an den aktuell geltenden Grenzwerten. Da frage ich mich wirklich, wie sich das noch positiv entwickeln soll, wenn man jetzt noch mehr Autos in diese Umgebung holen will. Wie soll sich das ausgehen? (Beifall bei den GRÜNEN. - Zwischenruf bei der FPÖ: Durch weniger Stau!) Die Lobau ist eines der letzten intakten Augebiete Europas. Das heißt, sie ist einer der bedeutendsten Naturräume, die wir überhaupt noch haben. Sie ist ein einzigartiges Ökosystem mit hoher Biodiversität, und nicht nur wir GRÜNE, sondern auch UmweltexpertInnen warnen seit Jahren vor den Risken, die die Lobauautobahn mit sich bringt: mögliche Auswirkungen auf das Grundwasser, Gefährdung von Lebensräumen, langfristige und, wenn sie einmal geschehen sind, nicht mehr umkehrbare ökologische Schäden. Diese Bedenken sind nicht, so wie Sie gerne behaupten, ideologisch motiviert, sondern sie sind durch die Wissenschaft fachlich fundiert und breit abgestützt, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall bei den GRÜNEN.) Da frage ich Sie, Herr Umweltstadtrat Czernohorszky - auch wenn er gerade nicht da ist: Wie schaffen Sie diesen Spagat? Wie geht sich das aus, dass Sie sich auf der einen Seite letzte Woche bei dem 30-jährigen Jubiläum des Nationalparks Donauauen hinstellen und dort feiern und zum Auftakt der Jubiläumsfeierlichkeiten sagen - ich zitiere unseren Umweltstadtrat: "Der Nationalpark Donauauen ist eine einzigartige Erfolgsgeschichte." - Wie geht sich das aus, dass man sich bei dem Jubiläumsfest hinstellt und den Nationalpark feiert und auf der anderen Seite mit der Lobauautobahn ein Projekt unterstützt, dass genau diesen Nationalpark jetzt gefährdet? (Beifall bei den GRÜNEN.) Dass es diesen Nationalpark überhaupt gibt, das ist das Ergebnis eines historischen, gesellschaftlichen und politischen Lernprozesses. Ich möchte Sie alle wirklich dringend dazu einladen, so einen Lernprozess auch heute wieder zu vollziehen. Dass es den Nationalpark Donauauen überhaupt gibt, ist eine direkte Folge des zivilgesellschaftlichen Widerstandes in der Hainburger Au. Damals wollte die SPÖ dort ein Kraftwerk errichten, heute feiert sie das 30-jährige Jubiläum des Nationalparks. (GR Mag. Josef Taucher: So lange habt ihr das schon verhindert?) Die Besetzung der Hainburger Au war ein Wendepunkt in der österreichischen Umweltpolitik. Dieser Wendepunkt hat gezeigt, dass kurzfristige, vermeintliche wirtschaftliche Interessen nicht über den Schutz einzigartiger Natur gestellt werden dürfen. Dieser Wendepunkt hat gezeigt, dass moderner Naturschutz möglich ist, er hat diesem modernen Naturschutz den Weg geebnet. Diesen Weg wollen Sie jetzt mit Baggern und Beton wieder zunichtemachen. Gerade vor diesem historischen Hintergrund wirkt Ihr Festhalten an der Lobauautobahn wie ein Rückschritt in eine Zeit, als wir uns im Auto noch nicht angeschnallt haben, in eine Zeit, von der wir eigentlich inzwischen wirklich lernen sollten, liebe Kolleginnen und Kollegen. (Beifall bei den GRÜNEN.) Dass Sie den Spagat bestens beherrschen, das haben Sie ausreichend bewiesen, allerdings leider nicht zum Wohle der Wienerinnen und Wiener. Ich würde vorschlagen, dass wir heute nicht nur über Sport sprechen, sondern dass Sie eine neue Übung in Ihr Programm aufnehmen, geschätzte Kolleginnen und Kollegen, nämlich den Aufschwung. Nehmen Sie sich ein Vorbild an Ihren VorgängerInnen, die Ihre unvernünftigen Pläne damals in der Hainburger Au begraben haben und lassen auch Sie von Ihren Autobahnplänen aus einem vorigen Jahrhundert ab! (Beifall bei den GRÜNEN.) Lassen Sie das mit dem Spagat bleiben und üben Sie stattdessen den Aufschwung - den Aufschwung für die Wirtschaft, den Aufschwung für die nachhaltige Mobilität, den Aufschwung für die Natur und vor allem für die Lebensqualität der Wienerinnen und Wiener! - Herzlichen Dank. (Beifall bei den GRÜNEN.) Vorsitzender GR Armin Blind: Danke der Gemeinderätin für die Begründung. Zur Beantwortung der Dringlichen Anfrage hat sich nun der Herr Bürgermeister zu Wort gemeldet. - Herr Bürgermeister, bitte. Ich erteile Ihnen das Wort. Bgm Dr. Michael Ludwig: Das ist sehr nett. Sehr geehrter Herr Vorsitzender, werte Mitglieder des Gemeinderates! Wenn Sie mich fragen, Frau Gemeinderätin, wie ich diesen Spagat schaffe: Ganz einfach, so wie der grüne Landesrat Kaineder aus Oberösterreich, der vor der Landtagswahl in Oberösterreich sehr viele Argumente dafür gehabt hat, Umfahrungen zwischen Freistadt und Rainbach zu machen, zum Wohle der Bevölkerung, damit die Bevölkerung vom Durchzugsverkehr befreit wird. Also ich denke mir, wenn das in Oberösterreich möglich ist, werden wir den Spagat in Wien auch schaffen. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Sie brauchen keine Sorge zu haben, insbesondere auch deshalb, weil Wien in Sachen Klimaschutz, aktiver Mobilität und geringen Flächenverbrauches in Österreich seit Jahren absolut Vorreiter ist. Als erstes Bundesland hat Wien ein verbindliches Klimagesetz eingeführt (StR Peter Kraus, MSc: Das die Lobau nicht betrifft!), mit dem Ziel, bis 2040 klimaneutral zu sein. Und ich möchte sagen, wir waren die erste Gebietskörperschaft, im Bund hat es das unter Regierungsbeteiligung der GRÜNEN nicht gegeben. Also von daher, glaube ich, können wir in Wien stolz sagen, wir waren Vorreiter. Wir waren es, sind es und werden das auch in Zukunft bleiben. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Dabei legt die Stadt bereits seit langem den Fokus auf klimafitte Stadtentwicklung, stetigen Öffi-Ausbau und wenig Flächenverbrauch. Bei der Stadtentwicklung setzt Wien auf kurze Wege, Fernwärme und kompakten Wohnbau mit wenig Flächenverbrauch. Der Bodenverbrauch für Wohnraum, Straßen, Wege, Infrastruktur, Geschäftsflächen ist in Wien um ein Vielfaches niedriger als in allen anderen Bundesländern - und zwar trotz des stärksten Bevölkerungswachstums. Während er in Wien zirka 120 Quadratmeter pro Kopf beträgt, sind es im Österreichschnitt über 750 Quadratmeter. Ich darf Ihnen dazu auch eine aufschlussreiche Relation aus einer Untersuchung der ÖROK zur Kenntnis bringen: Während 44,3 Prozent des österreichischen Bevölkerungswachstums der Jahre 2022 bis 2025 in Wien stattfand, entfielen nur 1,2 Prozent der zusätzlichen Flächeninanspruchnahme auf Wien. Die Stadt investiert massiv in den Ausbau der Öffis und in den Ausbau der Radwege. Derzeit läuft der Ausbau von U2 und U5; damit werden Kapazitäten für künftig 300 Millionen zusätzliche Fahrgäste pro Jahr geschaffen. Drei neue Straßenbahnlinien wurden in den letzten Jahren auf Schiene gebracht. 190 Millionen EUR wurden seit 2021 in Wiens große Radwegeoffensive investiert. Damit wurden über 100 Kilometer neue Radwege allein im Hauptradwegenetz geschaffen und zusätzlich 50 Kilometer in den Bezirksnetzen. Der Anteil der mit dem Rad zurückgelegten Alltagswege ist in den letzten Jahren stetig gestiegen, auf mittlerweile 11 Prozent. Insgesamt werden dreiviertel aller Alltagswege der Wiener zu Fuß, per Rad oder mit den Öffis zurückgelegt. Knapp 1,34 Millionen Menschen sind bereits Stammkunden der Wiener Linien. Der Großteil davon sind Besitzer von Jahreskarten, gefolgt von Klimatickets und Top- beziehungsweise Jugendtickets. Damit gibt es in Wien weit mehr Menschen mit einer Jahreskarte oder einem anderen Dauerticket als Pkw, denn nicht einmal die Hälfte der Wiener besitzt ein Auto. Weiters zitiere ich auch gerne den VCÖ zum Thema Pkw der privaten Haushalte. Im Oktober 2025 hat der VCÖ einen Vergleich zwischen Bundesländern veröffentlicht und dabei festgestellt: In Wien sind es 284 Pkw pro 1 000 Personen, im Burgenland 614, in Kärnten 581 und in Niederösterreich 572. (Zwischenrufe bei den GRÜNEN. - GR Mag. Thomas Reindl - in Richtung der GRÜNEN: Vertragts die Wahrheit nicht, oder was?) Wien ist also auf einem sehr guten Weg in Sachen Klimaschutz, von Flächenfraß und Ressourcenverschwendung kann keine Rede sein. Darüber hinaus ist grundsätzlich festzuhalten, dass es sich bei der S1-Nordostumfahrung um ein Projekt der ASFINAG, also ein Projekt auf Bundesebene, handelt. Dementsprechend wird die S1 inklusive der S1-Spange auch durch den Bund beziehungsweise die ASFINAG aus ihren Einnahmen aus Vignetten und Maut finanziert. Bei der durch die Stadt errichteten Stadtstraße finanziert der Bund bekanntlich die Hälfte. Kürzlich wurde seitens der ASFINAG mit den ersten bauvorbereitenden Maßnahmen für die sogenannte Spange S1, nämlich dem Bauabschnitt zwischen dem Knoten Süßenbrunn und Groß-Enzersdorf, begonnen. Soweit mir bekannt, liegen dafür die erforderlichen Genehmigungen vor. Entgegen manchen öffentlichen Behauptungen handelt es sich dabei aber nicht um den Tunnel 60 Meter unter dem Nationalpark. Weitere Abschnitte sind Gegenstand von Planungen und laufenden Verfahren. Wozu die GRÜNEN hier und jetzt das Instrument der Dringlichen Initiative bemühen, kann ich daher überhaupt nicht nachvollziehen, außer dass hier eine politische Kampagne betrieben wird. Als Stadt Wien ... (Zwischenruf bei den GRÜNEN.) - Ja, ja, da muss man aber dazu stehen, dass es inhaltlich nicht viel Neues gibt. (Beifall bei der SPÖ, von GRin Jing Hu, BA, MPharm und von GRin Dipl.-Ing. Elisabeth Olischar, BSc.) Es scheint ja offensichtlich das einzige Thema zu sein, aber man muss dann fairerweise auch immer den richtigen Stand des Projektes präsentieren und darstellen. Als Stadt Wien begrüßen wir das Projekt Nordostumfahrung. Ich brauche da gar keinen Spagat zu machen, ich kann mich an keine Phase erinnern, in der wir das Projekt nicht unterstützt hätten. Ich glaube, das ist für die Wiener Bevölkerung, für den Wirtschaftsstandort, für die Menschen, die in der Stadt leben, so wichtig, dass wir da keinen Spagat machen wollen und müssen. Im Übrigen glauben wir an das Elektroauto, also gehen wir von daher einmal davon aus, dass der Verkehr in der Zukunft mit anderen Emissionen sein wird als jetzt. (Zwischenruf bei der FPÖ: Elon Musk macht das!) Von daher glauben wir an die Elektromobilität und zweifeln nicht an diesem Transformationsprozess. (Beifall bei SPÖ, NEOS und ÖVP.) Und im Übrigen bringt die Nordostumfahrung eine längst fällige Entlastung vom Transit für die Wiener und Wienerinnen und ist im Wesentlichen Baustein für die klimafitte Stadtentwicklung im Nordosten unserer Stadt. Dies erfolgt nicht zuletzt, um dringend benötigte leistbare Wohnungen herzustellen und den Menschen zur Verfügung zu stellen. Ich möchte jetzt im Einzelnen Ihre Fragen beantworten. Zur Frage 1: Einleitend gilt es, festzuhalten, dass aktuell die hochrangige und übergeordnete Straßenverbindung im Nordosten Österreichs mit der A23 mitten durch Wien verläuft. Auf Grund des Mangels an Alternativen wird der Transitverkehr entlang der transeuropäischen Netze vom Baltikum bis zur Adria unnötig nahe am Stadtzentrum vorbeigeführt. Das führt zu Belastungen im Stadtgebiet und zu einer Überlastung der Tangente. 195 000 Fahrzeuge sind an einem klassischen Werktag im Abschnitt St. Marx - Prater unterwegs. Zu Spitzenzeiten sind es sogar über 220 000. Rund 5,5 Stunden stehen die Autos dort jeden Tag still. Allgemein wissen wir aus der Kordonerhebung, dass rund 23 Prozent der Autos, die von außerhalb Wiens kommen, die Stadtgrenze queren, durch Wien durchfahren. Dieser Transitverkehr stellt in Wien eine hohe Belastung der Bevölkerung dar. Ein besonderes Problem ist der massive Lkw-Verkehr von vier Millionen Fahrzeugen pro Jahr, davon rund eine Million auf der Durchfahrt, also Transit-Lkws. Jede größere Stadt in Österreich und Europa hat eine Umfahrung, nur die Zwei-Millionen-Stadt Wien nicht. (GR Georg Prack, BA: Manche bauen sie schon zurück!) Es ist mir unverständlich, weshalb manche innerhalb der grünen Partei diesen Zustand und diese Belastung der Wiener beibehalten wollen. Meinerseits begrüße ich jede Entlastung der Wiener Bevölkerung. Man muss auch zur Kenntnis nehmen, dass sich in den letzten Jahrzehnten, seit die Südosttangente geplant und gebaut worden ist, vieles in Europa geändert hat, nicht zuletzt auch der Umstand, dass der Eiserne Vorhang erfreulicherweise gefallen ist und wir einen anderen Transitverkehr haben als in der Zeit, als die Nordostumfahrung geplant und die Südosttangente errichtet worden ist. Man würde die Südosttangente heute mit Sicherheit nicht mehr so durch Wien bauen, das war den Planungs- und Vorbereitungsarbeiten in einer Zeit, in der es den Eisernen Vorhang noch gegeben hat und die Transitbelastung deshalb eine deutlich niedrigere war, geschuldet. (Beifall bei der SPÖ und von GR Dipl.-Ing. Dr. Stefan Gara.) Wie ich bereits ausgeführt habe, handelt es sich bei der S1 um ein Projekt des Bundes. Dazu zitiere ich gerne auch eine ehemalige Wiener Vizebürgermeisterin der GRÜNEN, namentlich Maria Vassilakou. So schreibt der ORF im Jahr 2018: Es ist nicht die Stadt Wien, die jetzt eine Entscheidung zu treffen hat, betont Vassilakou einmal mehr. - Zitatende. Der Stadt Wien oblag beziehungsweise obliegt weder die Planung noch die Verfahrensführung des Vorhabens S1 Schwechat-Süßenbrunn. Die Entscheidung für die Streckenführung der S1 wurde auf Bundesebene getroffen. Entsprechend der gesetzlichen Grundlagen wurden die Fixpunkte der Strecke im Nationalrat beschlossen und die S1 per Novelle aus dem Jahr 2002 in den Anhang 2 zum Bundesstraßengesetz aufgenommen. Der Eintrag der S1 ins Bundesstraßenverzeichnis ist seitdem aufrecht und wurde nur zweimal redaktionell angepasst. Es ist daher unverändert von einem gesetzlichen Auftrag zur Errichtung der S1 auszugehen. Gemeinsam mit der Landeshauptfrau von Niederösterreich habe ich als Bürgermeister von Wien bereits 2021 auf die Einhaltung der Gesetze hingewiesen. Daher ist auch davon auszugehen, dass die ASFINAG bestehende Genehmigungen konsumiert beziehungsweise zu konsumieren hat. Die Frage, ob das Land Wien am Bau festhält, stellt sich insofern nicht, als weiterhin ein vom Nationalrat beschlossener, aufrechter Gesetzesauftrag an die ASFINAG besteht, das Vorhaben umzusetzen. Zur von Ihnen erwähnten SUPerNOW-Studie ist festzuhalten, dass dieser, wie auch die Dringliche Anfrage erwähnt, zahlreiche weitere Studien und Prüfungen folgten. Anders als in der Anfrage impliziert, waren diese Studien aber keineswegs negativ, wie zum Beispiel der Bericht des Rates der Sachverständigen für Umweltfragen aus Juni 2004 oder die 2018 vor dem Bundesverwaltungsgericht abgeschlossene positive Umweltverträglichkeitsprüfung für das Gesamtvorhaben. Die SUPerNOW-Studie bildete keineswegs die einzige Grundlage für die Auswahl der Trasse, sondern war eine von mehreren Studien, wie auch eine Prüfung der ASFINAG im Rahmen der Evaluierung aufzeigt. In der vorliegenden Anfrage sind vor allem negative Punkte der damaligen Studie SUPerNOW erwähnt, die aber heute keine Gültigkeit mehr besitzen. Alleine der stattgefundene U-Bahn-Ausbau, insbesondere jener der U2 in diesem Bereich, und die Siedlungsentwicklung in der Donaustadt zeigen dies. Dass sich die GRÜNEN nun auf ein Planungsszenario aus 2003 kaprizieren, kann ich nicht nachvollziehen. Tatsächlich ist dieses Szenario nie Realität geworden. Im Gegensatz zu dem angesprochenen Szenario hat Wien bereits umfassende Maßnahmen umgesetzt, die der Verlagerung des Verkehrs hin zu Öffis, zu Fuß gehen und Radfahren dienen. Ich erwähne an der Stelle gerne die Ausweitung der Parkraumbewirtschaftung, den gerade in der Donaustadt bereits massiv erfolgten Öffi-Ausbau, die Radoffensive oder auch die Masterpläne Gehen. Im Übrigen ist zu erwähnen, dass noch unter Vizebürgermeisterin und Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou ein Expertenpapier erstellt wurde, das die letztlich weiterverfolgte Variante der Umfahrung für Wien empfiehlt. Abschließend zu diesem Punkt erinnere ich die Gemeinderätinnen und Gemeinderäte der GRÜNEN auch noch gerne daran, dass auch die Trassenfestlegung der Stadtstraße seitens der Stadt Wien von den GRÜNEN mitbeschlossen wurde; eingebracht von der damals grünen Vizebürgermeisterin und Verkehrsstadträtin wurde die Flächenwidmung im März und im Juli 2015 in diesem Gremium mit den Stimmen der GRÜNEN fixiert. Zur Frage 2: Auf Grund der Historie ist die Stadtstraße ein umfassend zwischen Bund und Stadt Wien abgestimmtes Projekt. Finanziert wird das Projekt zu jeweils 50 Prozent vom Bund und der Stadt Wien. Wie die GRÜNEN bestens wissen, sind mit dem Sachkreditbeschluss für die Stadtstraße Kosten in Höhe von 460 Millionen EUR genehmigt. In diesem Zusammenhang ist anzuführen, dass zahlreiche Beschlüsse zu dem Projekt in der Zeit erfolgten, als die GRÜNEN in der Stadtregierung beteiligt waren und das zuständige Ressort geführt haben. (Zwischenruf bei der FPÖ: Interessant!) Ich gebe einige Beispiele: Übernahme der Planungen durch die Stadt Wien von der ASFINAG im November 2011; Sachkreditgenehmigung von 11,3 Millionen EUR für Planungsleistungen der Stadtstraße von der A23 bis zur S1-Anschlussstelle Heidjöchl; der Beschluss im Gemeinderat am 26. April 2012 mit Zustimmung der GRÜNEN, eingebracht von der damaligen VBgm.in Maria Vassilakou; der UVP-Antrag für die Stadtstraße vom 25. Juni 2014; die Erweiterung der Sachkreditgenehmigung von 11,3 Millionen EUR auf 94,1 Millionen EUR für Planungsleistungen; Grundeinlösung und vorbereitende Bauleistungen der Stadtstraße von der A23 bis zur S1-Anschlussstelle Heidjöchl; der Beschluss im Gemeinderat am 25. März 2015, eingebracht beziehungsweise abgestimmt wie oben für 2012 dargelegt (Zwischenruf von GR Mag. Dietbert Kowarik.); Vergabegenehmigung für die begleitende Kontrolle sowie ergänzende Probebohrungen, beschlossen im Gemeinderatsausschuss vom 9.10.2019 unter VBgm.in Hebein. Ich kann also davon ausgehen, dass die GRÜNEN bestens über die Kosten und Planungshistorie der Stadtstraße Bescheid wissen. Details zu den Kosten der Stadtstraße sind in den Ihnen zugänglichen Rechnungsabschlüssen der Stadt Wien auffindbar. Zur Frage 3: Ursprünglich war die Planung, Finanzierung und die Errichtung der Anschlussstelle Seestadt West im Zuge des Bauvorhabens S1-Spange Seestadt Aspern durch die ASFINAG vorgesehen. Auf Grund der Verzögerungen auf Seiten des Bundes, ausgelöst durch die ehemalige Bundesministerin Gewessler von den GRÜNEN, konnte nicht rechtzeitig durch die ASFINAG begonnen werden. Um eine Inbetriebnahme der Stadtstraße sicherzustellen, erfolgt die Errichtung der Anschlussstelle Seestadt West durch die Stadt Wien, um eine Verbindung der Stadtstraße in die Seestadt zu schaffen. Dabei tritt die Stadt Wien bei der Finanzierung in Vorlage und die ASFINAG refundiert die Errichtungskosten der Anschlussstelle Seestadt West nach tatsächlichem Aufwand. Den dazugehörigen Gemeinderatsbeschluss erwähnen Sie selbst, sodass ich für weitere Details darauf verweisen kann. Im Hinblick auf die Kosten verweise ich wiederum auf die Ihnen bestens bekannten Rechnungsabschlüsse. Zur Frage 4: Das angesprochene Gutachten ist nicht von der Stadt Wien in Auftrag gegeben worden und bezieht sich auf das nämliche Projekt der ASFINAG. Laut den Experten aus der Magistratsdirektion Recht sind die Voraussetzungen des § 16 der Wiener Stadtverfassung damit nicht gegeben. Zur Frage 5: Zu der gegenständlich angesprochenen Umweltverträglichkeitsprüfung ist darauf hinzuweisen, dass diese eine Angelegenheit der Landesvollziehung darstellt und daher nicht vom gemeinderätlichen Interpellationsrecht umfasst ist. Gleiches gilt im Ergebnis auch bezüglich des von Ihnen angeführten selbstständigen Rechtsträgers Wien 3420 Aspang Development AG, zumal dessen privatrechtliche Tätigkeit nicht der Gemeindeverwaltung zuzurechnen ist. Unabhängig davon kann festgehalten werden, dass, während in der Seestadt Süd bereits 12 000 Menschen wohnen, Parks und Schulen errichtet wurden, der Nordteil mangels Straßenanbindung noch ein vergleichsweise ausbaufähiges Dasein fristet, denn in der UVP bildet die Errichtung der Straßeninfrastruktur eine behördliche Auflage. Nach dem Stopp der S1-Nordostumfahrung durch die ehemalige Verkehrsministerin und der damit verbundenen Verzögerungen des Straßenbaues konnte die Stadt Wien den Ausbau der Seestadt Nord nicht zeitgerecht fortsetzen. Somit erscheint der Nordteil der Seestadt bedauerlicherweise weiterhin als Wüste mit U-Bahn-Anschluss. (StR Peter Kraus, MSc: Das stimmt ja nicht!) Erfreulicherweise kam mit dem Go für den Bau der Nordostumfahrung durch Bundesminister Hanke endlich Bewegung in die Sache und ganz dringende, geförderte Wohnungen sind damit umsetzbar. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Insgesamt werden in der Seestadt Aspern künftig 25 000 Menschen wohnen und an die 20 000 Menschen arbeiten oder ausgebildet werden. Wir haben in Wien unsere Hausaufgaben gemacht und die Öffis in der Donaustadt massiv ausgebaut; es gibt dort U-Bahn, Schnellbahn, Busse und Straßenbahnen. Erst kürzlich ging die neue Straßenbahnlinie 27 in Betrieb. Diese verbindet die Donaustadt und Floridsdorf - endlich (GR Mag. Josef Taucher: Wachs ma zam!), darf man sagen, kommt zusammen, was zusammengehört. Auch Radwege wurden und werden gebaut. Es braucht aber eben auch eine Straßenanbindung für so große Stadtentwicklungsgebiete. Neben der Seestadt sind auch das Hausfeld oder Am Heidjöchl an die Straßeninfrastruktur gebunden. Wir sprechen hier von Stadtentwicklungsgebieten, in denen künftig rund 60 000 Menschen leben werden. All das wird verzögert. Die Kosten, die dadurch bei den unterschiedlichsten Trägern auftreten, lassen sich kaum quantifizieren. Die Schäden gehen dabei weit über die Stadt Wien hinaus. Sie fallen bei der ASFINAG als von den Verzögerungen betroffener Projektbetreiber an, sie fallen als volkswirtschaftliche Schäden in Form von entgangener Wertschöpfung, Arbeitslosigkeit und fehlenden Steuereinnahmen an und treffen damit in Wirklichkeit uns alle. Anhand der Frage nehme ich allerdings wahr, dass die GRÜNEN vielleicht doch noch zu einer Einsicht gelangen werden und die Blockadehaltung gegen die nachhaltige Stadtentwicklung in Wien, die sie selbst mitbeschlossen haben, bald aufgeben werden. Die Hoffnung stirbt zuletzt. (Heiterkeit bei StRin Mag. Ulli Sima.) Zur Frage 6: Es gibt dazu eine sehr klare Festlegung. Die Flächen sind gemäß dem Agrarstrukturellen Entwicklungsplan für Wien 2024 teilweise als Vorranggebiet Landwirtschaft eingestuft. Gemäß dem Leitbild Grünräume des Wienplans sind sie teilweise als grüne Reserve - also das bezieht sich auf die Landwirtschaft - oder formbares Grün ausgewiesen. Es ist nicht geplant, dies in irgendeiner Weise zu ändern. Zur Frage 7: Das Flächenmonitoring der ÖROK beweist, dass Wien im Bundesländervergleich den mit Abstand niedrigsten Flächenverbrauch pro Person aufweist. Da in Wien flächensparende Planung eine Maxime ist und das auch für übergeordnete, aber notwendige Infrastrukturen gilt, ist Wien auch das Bundesland mit der niedrigsten Flächeninanspruchnahme pro Kopf für Verkehrsflächen. Damit ist klar, Stadtentwicklung in Wien ist flächensparender und schont landwirtschaftlich genutzte Böden besser als anderorts. Speziell zu erwähnen ist, dass die S1-Spange möglichst flächensparend entlang eines schon bestehenden Infrastrukturkorridors parallel zur Marchegger Ostbahn angelegt ist. Bezüglich der Umfahrung von Wien ist auch anzumerken, dass sich die Tunnelportale der S1 nicht auf Wiener Stadtgebiet befinden. Der konkrete Verbrauch landwirtschaftlicher Flächen der von Ihnen angesprochenen Lobauautobahn als Projekt des Bundes beziehungsweise der ASFINAG ist mir nicht bekannt. Zur Frage 8: Das Gesamtsystem aus S1, S1-Spange und Stadtstraße ist eine infrastrukturelle Voraussetzung für eine sehr gute standortadäquate Nutzbarkeit der Betriebsgebiete in der nordöstlichen Donaustadt, wie sie von der Wirtschaft real nachgefragt wird. Dies betrifft insbesondere die Betriebsansiedlungspotenziale in der Seestadt, am ehemaligen Stellantis-Areal, am Logistikstandort des ehemaligen Konsum-Zentrallagers sowie zusätzliche betriebliche Nutzungen in deren Umfeld. Ohne hochrangige Straßenerschließung sind diese Flächen für viele Unternehmen weitgehend unattraktiv und würden daher deutlich weniger nachgefragt werden. Im Detail sind die Überlegungen der Stadt im Wien-Plan Stadtentwicklungsplan 2035 exakt nachlesbar. Zu den Fragen 9 bis 13: Ich erlaube mir, zu diesem Fragenkomplex kumuliert zu antworten. Weder in der "Smart Klima City Strategie Wien" noch im Klimafahrplan noch im Klimagesetz ist die Verbannung des motorisierten Individualverkehrs aus der Stadt vorgesehen. In den bereits durchgeführten Verwaltungsverfahren, sowohl auf Bundes- als auch auf Landesebene, wurden die Umweltauswirkungen detailliert auf die genannten Schutzgüter geprüft und das Projekt für genehmigungsfähig befunden. Das Wiener Klimagesetz nimmt auf einzelne Projekte, die ohnehin einer UVP zu unterziehen sind, nicht Bezug. Daher können Zielkonflikte mit dem Wiener Klimagesetz ausgeschlossen werden. Besonders hervorheben möchte ich an dieser Stelle das Vorgehen der ehemaligen Bundesministerin Gewessler, die an zahlreichen Stellen in Österreich neue Straßen, auch Umfahrungen, bauen ließ. Zu erwähnen sind hier etwa die S10 Mühlviertler Schnellstraße mit der Umfahrung für die rund 3 000 Einwohnerinnen und Einwohner zählende Gemeinde Rainbach, welche seit 2023 gebaut wird (StRin Mag. Ulli Sima: Aha!), die S7 Fürstenfelder Schnellstraße, welche 2024 für den Verkehr freigegeben wurde (StR Peter Kraus, MSc: Im Klimacheckbericht steht alles drin!), oder die S36 Murtal Schnellstraße, die seit der Ägide Gewessler in Planung ist. Ich bin für all diese Straßen. Ich frage mich nur, warum die Wienerinnen und Wiener kein Recht hätten, eine Umfahrung für ihre Stadt zu haben, das ist eigentlich die entscheidende Frage. Warum geht das alles, auch mit den GRÜNEN, in ganz Österreich, nur nicht in Wien? (Beifall bei SPÖ und NEOS sowie von GR Mag. Dietbert Kowarik und GRin Mag. Caroline Hungerländer, MSc.) Als Wiener Bürgermeister kümmere ich mich um die Anliegen der Wiener Bevölkerung, und man sieht, in anderen Teilen des Landes geht das auch. (Zwischenruf bei den GRÜNEN.) Nur für den Großraum Wien sollte gespart werden, nur die Metropolregion Wien haben die GRÜNEN im Bund blockiert. Es zählen für Wien anscheinend andere Bewertungen als bei grünen Autobahnen. Von daher setze ich mich wie gesagt für die Interessen der Wiener Bevölkerung ein. Zur Frage 14: Seitens der Experten des Hauses wurde darauf hingewiesen, dass Angelegenheiten der Luftreinhaltung gemäß Art. 10 Abs. 1 Z 12 des Bundes-Verfassungsgesetzes der Gesetzgebungs- und Vollzugskompetenz des Bundes zuzuordnen sind. Unabhängig davon kann ich zum einen festhalten, dass die Auswirkungen von Bundesstraßen auf das Schutzgut Luft im Rahmen von Umweltverträglichkeitsprüfungsverfahren durch das zuständige Bundesministerium geprüft werden. Zum anderen ist zu betonen, dass an den Messstellen Lobau und A23-Wehlistraße im Jahr 2025 sowohl die derzeit gültigen Grenzwerte für Feinstaub als auch die ab 2030 diesbezüglich gültigen Grenzwerte eingehalten werden. Generell im Zusammenhang: Spagat müssen wir keinen machen. Wir stehen zu den Vereinbarungen, die wir am Beginn des Projektes getroffen haben. - Danke für die Aufmerksamkeit. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Vielen Dank, Herr Bürgermeister, für die Beantwortung. Ich eröffne die Debatte, wobei ich anmerke, dass die Dauer der Diskussion mit maximal 180 Minuten beschränkt ist. Zur Debatte über die Beantwortung hat sich Frau StRin Mag. Pühringer gemeldet. 20 Minuten Redezeit. - Bitte schön. StRin Mag. Judith Pühringer: Sehr geehrter Herr Bürgermeister, sehr geehrte Stadträtinnen und Stadträte, sehr geehrter Herr Vorsitzender, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Wienerinnen und Wiener, liebe Gäste auch auf der Galerie! Ich mache kurz einen Sprung zurück, heute ist nämlich der 27. April. Genau vor einem Jahr hatten wir die Wien- Wahl, und ich erinnere mich sehr gut an die Wien-Wahl zurück, an den heutigen Tag, aber auch an die Wochen davor, als ich sehr, sehr viele Gespräche mit Wienerinnen und Wienern geführt habe. Ich erinnere mich vor allem wirklich gut an die Gespräche, die ich zum Thema Lobautunnel geführt habe. Da waren nämlich viele Menschen, die mich damals sehr besorgt gefragt haben: Wie ist denn das jetzt mit dem Tunnel? Wird er kommen oder wird er nicht kommen? Und ich kann mich an viele Menschen erinnern, die sich wirklich besorgt gezeigt haben - um ihre Lobau, um diese Wildnis mitten in Wien, um dieses Naturschutzgebiet. Viele Wienerinnen und Wiener haben damals gesagt: Eine Autobahn mitten unter einem Naturschutzgebiet durch, das geht sich für uns einfach nicht mehr aus! (Beifall bei den GRÜNEN.) Schauen Sie genauer hin, Kolleginnen und Kollegen von der SPÖ: Es sind Ihre eigenen Wählerinnen und Wähler, die mittlerweile zur Hälfte, zu 50 Prozent sagen, da können sie nicht mehr mit. Genau die waren das nämlich, die gekommen sind und gesagt haben: Normalerweise wähle ich die SPÖ, aber jetzt wähle ich euch, weil bei einer Autobahn durch ein Naturschutzgebiet mit einer SPÖ, die sich mit allerletzter Sturheit und Zukunftsvergessenheit an dieses Projekt klammert, da können wir einfach nicht mehr mit! (Beifall bei den GRÜNEN.) Genauso ist es ja auch gekommen, genau jetzt, ein Jahr später sind die Bagger angerollt, die Vorarbeiten für die Lobauautobahn mit der Spange haben begonnen, das Milliardengrab soll also geschaufelt werden. Damit werden historische Fehlentscheidungen, die Sie getroffen haben, jetzt einfach in Beton gegossen. Dabei ist glasklar, dieses Projekt ist völlig veraltet, völlig aus der Zeit gefallen und absolut zukunftsvergessen, Kolleginnen und Kollegen. (Beifall bei den GRÜNEN. - GR Mag. Dietbert Kowarik: Ihre Vorgängerinnen ...!) Stichwort Spagat: Es geht um viel. Es geht nämlich vor allem um sehr viel Geld, Geld, das anderswo dringend benötigt wird. Ich komme zum Spagat noch einmal zurück - ich finde, das ist ein großartiges Bild -, meine Frage ist nämlich: Wie geht sich das eigentlich aus, dass wir einerseits den größten Sozialabbau in der jüngeren Geschichte Wiens erleben, dass wir erleben, wie die Verzweifelten in Wien verzweifelter werden, dass wir erleben, wie Suchtkranke allein gelassen werden, wie Maßnahmen für Menschen mit Behinderungen, für MindestsicherungsbezieherInnen, für subsidiär Schutzberechtigte aus budgetären Gründen zurückgefahren werden, und dass wir gleichzeitig Milliarden in die Hand nehmen, um einen Tunnel und eine Autobahn zu bauen? Wie geht sich das eigentlich aus? (Beifall bei den GRÜNEN.) Diese Gleichzeitigkeit ist niemandem zu erklären, diese Gleichzeitigkeit können Sie niemandem in Wien erklären. Auf diese Gleichzeitigkeit werden wir angesprochen. Diese Gleichzeitigkeit geht sich einfach nicht mehr aus. In Wirklichkeit offenbart diese Gleichzeitigkeit altes Denken, eine alte Politik und das Gegenteil von einer Politik, die zukunftsfähig ist, das Gegenteil von einer Politik für die nächste Generation, für unsere Kinder und für unsere Enkelkinder, Kolleginnen und Kollegen! (Beifall bei den GRÜNEN.) Es ist doch so: Wenn wir genau hinschauen, dann explodiert diese Welt rund um uns gerade, und wir erleben auf schmerzliche Art und Weise (StR Peter Kraus, MSc stellt der Rednerin ein Glas Wasser auf das Rednerpult) - danke! -, wie die fossilen Abhängigkeiten gerade schlagend werden und wie wir in Wirklichkeit jeden Tag versuchen müssen, diese fossilen Abhängigkeiten aufzugeben. Nein, noch mehr Elektromobilität ist nicht die Antwort auf diese Frage alleine, das ist es nicht alleine, und statt diese fossilen Abhängigkeiten aufzugeben, betonieren wir sie jetzt also auf Jahrzehnte ein. (StRin Mag. Ulli Sima: Das ist so ein Blödsinn!) Es geht um Natur, um Natur, die versiegelt werden soll; und ja, es ist die Fläche des gesamten 6. Bezirkes, wie ein neuer Bericht vom Verkehrsclub Österreich gezeigt hat. Es geht um alte Probleme, die das Betonprojekt nicht lösen kann, und es geht um neue Probleme, die dieses Betonprojekt bringen wird. Die Lobau betrifft uns alle, sie betrifft uns alle! Sie betrifft unser Wien, unsere Stadt, unsere Luft und unsere Natur. Es geht um das Klima, und es geht um sehr viel Geld. Es geht heute um uns alle, und es geht vor allem um die nächsten Generationen. (Beifall bei den GRÜNEN.) Wir haben das schon oft gesagt, und wir werden es noch öfters sagen: Dieser Tunnelbau und alle Vorarbeiten, die jetzt begonnen werden, sind wirklich ein historischer Sündenfall der SPÖ, an den sich viele Generationen noch erinnern werden, und ist, und dabei bleiben wir, die schlechteste aller Alternativen. Und es gibt viele Alternativen, Kolleginnen und Kollegen. (Beifall bei den GRÜNEN.) Schauen wir uns doch einmal die Fakten an, und damit komme ich auch zu einigen Argumenten, die vorhin vom Herrn Bürgermeister genannt wurden. Erstes Fakt: Der Lobautunnel ist ein Milliardengrab. Sie sagen immer, es sind Gelder der ASFINAG, aber was sind denn die Gelder der ASFINAG? - Das sind Steuergelder, das sind die Gelder der Österreicherinnen und Österreicher, das sind unsere Gelder. Es ist ein Milliardengrab, und es drohen Kosten von bis zu 6 Milliarden EUR. Zweiter Punkt: Ja, die Lobauautobahn ist klima- und umweltschädlich. Die ASFINAG spricht von 60 000 Fahrzeugen, die täglich im Lobautunnel fahren werden. Das heißt, das sind zusätzliche CO2-Emissionen, und da rede ich noch gar nicht von den zusätzlichen Emissionen, die durch den Bau und durch Beton und Zement erzeugt werden. Und weil wir ja die Frage stellen: Lobau oder Tunnel?, hören wir oft: Na ja, es ist ja der Tunnel, der geht ja unten durch! - Glauben Sie allen Ernstes, dass die Grundwasserströme bei so einem Tunnel nicht verletzt werden? Alle Untersuchungen zeigen es, alle Tunnelprojekte, die wir kennen, zeigen, dass die Grundwasserströme empfindlich gestört werden und damit auch der Nationalpark und unsere Au. Dritter Punkt - und das haben wir jetzt ausführlich vom Herrn Bürgermeister gehört: die Verbindung zwischen Straße und leistbarem Wohnbau. Sie stellen diese Verbindung regelmäßig her, und ich sage Ihnen, das ist in Wirklichkeit eine Selbstgeißelung der SPÖ, diese Verbindung muss es nicht geben. Es muss keine Verbindung zwischen hochrangigen Straßen und weiterem Wohnbau für leistbares Wohnen geben. Sie können das jederzeit über einen Abänderungsantrag bei der UVP ändern. Sie haben es ja auch schon gemacht, machen Sie es wieder! Sie verbinden diese Themen, es ist eine Selbstgeißelung der SPÖ, es stimmt einfach nicht. Sie können weiterhin leistbare Wohnungen bauen. (Beifall bei den GRÜNEN. - StRin Mag. Ulli Sima: Das stimmt überhaupt nicht! Da ist wirklich einfach falsch!) Vierter Punkt: Das hören wir auch immer wieder, dass die Wiener Wirtschaft gestärkt wird. Ich sage Ihnen, die Wiener Wirtschaft wird durch dieses Projekt geschwächt, weil wir durch ganz viele Untersuchungen und Beobachtungen wissen, dass bei den Autobahnausfahrten Gewerbegebiete entstehen werden, dass dort die Wirtschaft gestärkt wird, dass es im Umland passiert und nicht bei der lokalen Wiener Wirtschaft. Also hören Sie mit dem Argument der Stärkung der Wiener Wirtschaft auf! Das Gegenteil ist der Fall, im Umland werden Einkaufszentren entstehen, aber sicher nicht in Wien. Und der Punkt zur Entlastung der Südosttangente: Ja, es gibt Verkehrsprobleme, es gibt Probleme im 22. Bezirk, aber die werden wir nicht lösen, wenn wir weitere Straßen bauen. Wir wissen, weitere Straßen heißt weiterer Verkehr, und die Probleme werden nicht gelöst. Was wir wirklich brauchen, sind bessere Öffis, bessere Querverbindungen. Auch dazu, wie das funktionieren kann, haben wir schon viele Pläne vorgelegt. Neue Straßen bringen mehr Verkehr und nicht weniger. Zum letzten Argument, dem Transitverkehr - das kommt ja auch immer wieder, das wurde auch von Ihnen nochmals erwähnt, Herr Bürgermeister: Der Anteil des donauquerenden Schwerverkehrs auf der Südosttangente liegt bei 4 bis 8 Prozent. Das ist nicht das Thema! Das ist nicht das Thema, also hören Sie auf, immer wieder über den Schwerverkehr zu reden, Kolleginnen und Kollegen! (Beifall bei den GRÜNEN.) Noch ein Punkt ist die Umfahrungsstraße - wir kennen die Argumente ja hinlänglich: Alle Metropolen haben eine Umfahrungsautobahn, nur Wien nicht! - Schauen wir doch einmal nach Paris! Wissen Sie, was in Paris gerade passiert? - Da wurde eine Umfahrungsautobahn gebaut, die jetzt zurückgebaut wird. Sie wird zurückgebaut, und auf dieser Umfahrungsautobahn entstehen jetzt Fahrradwege und Bäume, weil Paris verstanden hat, dass wir die Klimakrise nur dann in den Griff bekommen, wenn wir anfangen, die Straßen zurückzubauen und endlich zu kühlen, anstatt weitere Straßen zu bauen, Kolleginnen und Kollegen. (Beifall bei den GRÜNEN.) Was mich immer wieder erstaunt und auch wirklich fassungslos macht: Ich habe den Eindruck, wir ringen gar nicht mehr um die besten Lösungen. Wir hören einfach nur mehr Lösung Lobauautobahn, wir hören Glaubenssätze aus den 70er Jahren, die werden jetzt auch einbetoniert. In Wirklichkeit sollten wir ja um ganz andere Dinge ringen, nämlich um sogenannte multimodale Verkehrskonzepte. Wie können wir tatsächlich Mobilität für alle Wienerinnen und Wiener verbessern? Wie kommen wir schneller von A nach B? - Das wird nur dann funktionieren, wenn wir verschiedene Verkehrsmobilitätsmöglichkeiten verbinden - Bus, Bahn, Straßenbahn, Fahrrad, Carsharing, zu Fuß gehen -, all diese Dinge gut miteinander verbinden. Anstatt zu ringen, was das beste Projekt ist, was die beste Lösung für die Flächenbezirke ist, sagt die SPÖ: Autobahn! - Das ist einfach zu wenig im Jahr 2026, Kolleginnen und Kollegen. (Beifall bei den GRÜNEN.) Bezahlen werden nicht nur wir, bezahlen werden unsere Kinder und Enkelkinder. Ich frage mich wirklich, wie Sie das denen erklären. Ich führe ganz andere Diskussionen mit den jungen Menschen. (GR Mag. Dietbert Kowarik: Sonst sind Sie nicht so zurückhaltend mit dem Geld ausgeben!) Ich komme zum Abschluss, ich komme noch einmal zurück zum Frühling 2025. Wir GRÜNE haben damals auch ganz klar gesagt, wir stehen dafür, dass wir mit Mut und Entschlossenheit die Lobau schützen. Ich kann allen Wienerinnen und Wienern, die sich zu Recht Sorgen um die Lobau machen, weil die SPÖ nicht und nicht zur Vernunft kommen will, nur sagen, wir bleiben mutig, wir bleiben entschlossen. Wir GRÜNE erneuern heute auch unser Versprechen an die Wienerinnen und Wiener, nämlich für alle, die sagen: Da komme ich nicht mehr mit!, für alle, die sagen: Milliarden Euro sind doch wohl besser in den besten Schulen, in der besten Gesundheitsversorgung, im besten Sozialsystem untergebracht als unter einer Lobau zubetoniert zu werden! Für alle, die das so sehen, werden wir GRÜNE weiterhin mit Leidenschaft und mit Mut für die Lobau kämpfen. - Danke. (Beifall bei den GRÜNEN.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Zu Wort gemeldet: GRin Dipl.-Ing. Olischar. Ich erteile es ihr. GRin Dipl.-Ing. Elisabeth Olischar, BSc (ÖVP): Sehr geehrte Damen und Herren, sehr geehrter Herr Bürgermeister, Frau Stadträtin, sehr geehrter Herr Vorsitzender! Ich fand das Sportbild von Kollegin Wirnsberger ganz charmant, aber mich erinnert die Debatte eher ein bisschen an Seilspringen, muss ich gestehen, denn es geht irgendwie nur der Puls hinauf und man kommt nicht von der Stelle. (Beifall bei der ÖVP und von GR Mag. Josef Taucher.) Ich erkenne es ja an, dass die GRÜNEN dieses Thema bemühen, sie versuchen es da auch anhand der SPÖ abzuarbeiten, aber ich habe deswegen meine Rede heute sehr grün angelegt. Ich habe nämlich viele verschiedene Reden aus der Vergangenheit recycelt, weil es de facto überhaupt nicht wirklich viel Neues gibt. Der Herr Bürgermeister hat schon gesagt, die Dringlichkeit ist ein bisschen hinterfragungswürdig (Zwischenruf von StR Peter Kraus, MSc.). Aber ich nehme das zur Kenntnis und möchte dazu natürlich auch einen entsprechenden Beitrag bringen. Und zwar möchte ich gleich damit starten: "Wien bekennt sich zur Notwendigkeit einer sechsten Donauquerung, die unter bestmöglicher Berücksichtigung des Umwelt- und Naturschutzes ohne Beeinträchtigung des Nationalparkgebiets geplant werden soll." - Sehr geehrte Damen und Herren, das ist ein Zitat aus dem Regierungsprogramm Rot/Grün zwei, in dem explizit festgehalten wurde, dass man sich zu einer sechsten Donauquerung bekennt. Dies auch aus gutem Grund, wenn wir uns die Entwicklung der Donaustadt anschauen. Ich habe mir da ein paar Zahlen herausgesucht. Mit Stand 1.1.2025 hatte die Donaustadt 228 000 Einwohner. Das entspricht 11 Prozent Wiens. 11 Prozent der Wiener Bevölkerung wohnen in der Donaustadt. Seit 2011 ist die Donaustadt um 41 Prozent gewachsen, insgesamt um etwa 66 000 Menschen. Das entspricht Villach. Das entspricht der Größe von Villach, die da quasi in diesem Bezirk entstanden ist. Das passiert aber auch nicht von selbst, sehr geehrte Damen und Herren, denn die damals zuständige grüne Planungsstadträtin hat auch fleißig Stadtentwicklungsgebiete gewidmet - die Seestadt Aspern, das Flugfeld rundherum, Hausfeldstraße, Berresgasse, Oberes Hausfeld, Donaufeld, dann Richtung Essling et cetera, et cetera. Es sind ungefähr 60 000 Leute, die in diesen Stadtentwicklungsgebieten wohnen. Ich habe jetzt extra nur die Flächenwidmungen herausgesucht und recherchiert, die seit grüner Regierungsbeteiligung in Wien umgesetzt wurden. (StR Peter Kraus, MSc: Danach war es eh viel weniger, weil ...!) - Na ja, das ist nämlich genau der Punkt. Man hat da also quasi das Feld im wahrsten Sinne des Wortes aufbereitet, gewidmet, im weitesten Sinne auch schon Wohnraum geschaffen, wenn man sich die Bevölkerungsentwicklung ansieht, und jetzt wundert man sich, dass die Menschen dort vor Ort nicht nur von Luft und Liebe leben, sondern auch ihren täglichen Bedarf decken müssen - Arbeitsplätze, Ausbildungsplätze, Gesundheitseinrichtungen, Kultureinrichtungen, Einkaufsmöglichkeiten und, und, und. Aber darum hat man sich nicht rechtzeitig gekümmert, Hauptsache Wohn- und Schlafburgen in der Donaustadt, Stadtentwicklung quasi mit dem Keksausstecher, nur nicht schauen, was das Umland macht, kein Blick über die Planungsgrenzen hinweg. (Beifall bei der ÖVP.) Bekenntnis zur Donauquerung, fleißiges Flächenwidmen und jetzt gegen die Verkehrsanbindung zu sein, ist alles andere als konsequent. Sehr geehrte Damen und Herren, das ist für mich ein gewisser Spagat von den GRÜNEN. Also wenn wir schon dieses Bild des Spagates bemühen, dann muss ich schon sagen: In der Vergangenheit haben Sie ja de facto den Weg bereitet, dieses Gebiet dahin gehend zu entwickeln, dass es auch einen entsprechenden Anschluss braucht. Seit 1994 gibt es Planungen rund um die sechste Donauquerung. Es wurden verschiedene Varianten bis ins Detail geprüft; wir haben das an dieser Stelle schon mehrfach durchdiskutiert. Die Fertigstellung damals war bereits für 2014 geplant. Das heißt, zwölf Jahre lang könnten wir jetzt schon die Donaustadt entlasten. (StR Peter Kraus, MSc: Belasten durch mehr Verkehr!) Was dann aber passiert ist, das wissen wir: Verzögerungen, Verzögerungen, Verzögerungen, weitere Prüfungen, erste UVP positiv abgeschlossen, Einspruch folgt, zweite Instanz, UVP positiv abgeschlossen. Und dann? - Dann kommt eine grüne Ministerin und pfeift auf den Rechtsstaat, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall bei ÖVP und SPÖ. - Zwischenruf von GR Georg Prack, BA.) - Na ja, natürlich, anders ist das nicht einzuordnen. Sie pfeift auf den Rechtsstaat, damit auf Wien, auf die Wirtschaft und auf die Bevölkerung, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall bei der ÖVP.) Die Nordostumfahrung ist nicht nur für die Donaustadt per se wichtig, sondern für ganz Wien. In Wahrheit ist es der letzte Abschnitt des Regionenringes, der noch fehlt, ein Lückenschluss also. Sehr geehrte Damen und Herren von den GRÜNEN, Lückenschlüsse sind ja doch etwas, auf das Sie ja doch immer wieder Wert legen, vor allem wenn es in der Radinfrastruktur darum geht. Warum können wir da jetzt nicht den Lückenschluss machen? Das verstehe ich nicht. (Beifall bei ÖVP und SPÖ. - Zwischenruf bei den GRÜNEN.) Das ist ja immer wieder ein treffendes Argument bei der Infrastruktur, wenn es um einen Lückenschluss geht. Es wäre eine dringende Entlastung der Tangente. Der Herr Bürgermeister hat es schon gesagt, knapp 200 000 Fahrzeuge queren täglich die Tangente. Sie zählt damit zu den meistbefahrenen Straßen in Österreich. Ich muss gestehen, ich bin eine sehr treue Radiohörerin, vor allem in der Früh, und ich kann mich nicht erinnern, dass die Tangente und dass dort Stau ist, irgendwann einmal unter der Woche nicht im Verkehrsservice war. (GRin Mag. Heidemarie Sequenz: Das stimmt nicht!) - Ich glaube, Sie verkennen schon ein bisschen die Realität, wie es den Leuten geht. Glauben Sie wirklich, die Leute finden das klasse und dass sie ins Auto steigen und sich denken: Herrlich, jetzt steh ich wieder zwei Stunden im Stau, weil ich es so super finde!? (Beifall bei der ÖVP. - Zwischenrufe bei den GRÜNEN.) - Na entschuldige! (StR Peter Kraus, MSc: Es ist schrecklich, aber es wird schlimmer werden dadurch! Zu glauben, es wird besser, ist falsch!) Gut, also im Stau zu stehen ist nicht nur ärgerlich per se, sondern es ist auch für die Wirtschaft eine sehr große Herausforderung - und zwar in mehrfacher Hinsicht. Das ist etwas, das Sie in Ihren Wortmeldungen nicht berücksichtigt haben. Erstens macht es den Standort per se für die Wirtschaft und für die Betriebe unattraktiv. Das ist problematisch, denn wie schon erwähnt, wenn Sie quasi nur Wohnen und Schlafen in einem Stadtentwicklungsgebiet vorsehen, es dort aber keine Arbeitsplätze gibt, dann müssen die Leute irgendwohin. Na wo sollen sie denn hinfahren? Glauben Sie, die schauen den ganzen Tag aus dem Fenster und drehen Däumchen? Also ich weiß nicht, wie Sie sich den Alltag von Menschen, die in der Donaustadt wohnen, vorstellen. (Zwischenrufe bei den GRÜNEN.) Zweitens, ein weiteres Thema, das sehr belastend ist: Nicht nur, dass sich die Betriebe nicht ansiedeln wollen, haben diejenigen, die schon dort sind, irrsinnige Herausforderungen, wenn es um das pünktliche Einhalten von Terminen geht - die stehen nämlich im Stau auf der Tangente - oder wenn es den Lieferverkehr betrifft, worunter auch die Zuverlässigkeit leidet. Es gibt Betriebe, die sagen: Wisst ihr was? Das interessiert mich nicht, ich ziehe weg nach Niederösterreich oder an einen anderen Standort, weil durch die Stadt zu stauen, das interessiert auf lange Sicht einfach niemanden! (StRin Mag. Ulli Sima: Ja, ganz genau!) Dann brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn der Bezirk oder die Stadtentwicklungsgebiete per se sich nicht weiterentwickeln, auch von der Attraktivität her abnehmen und die Leute dort vor Ort keine Infrastruktur finden. Ich weiß nicht, wie Sie sich das konkret vorstellen, Betriebe brauchen eine leistungsstarke und verlässliche Infrastruktur! Natürlich brauchen wir auch den Ausbau der Öffis, das ist ja klar. Aber das ist gerade für den Wirtschaftsverkehr nur mittelwitzig, denn der Installateur wird nicht mit dem Bus zu Ihnen nach Hause kommen, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall bei der ÖVP.) Weil Sie immer das Argument von mehr Straßen, mehr Verkehr und fossilen Abhängigkeiten bemühen: Na, wo soll denn der Bus fahren, wenn Sie die Öffis ausbauen? Soll der drüber fliegen? (GRin Mag. Heidemarie Sequenz: Das ist so ...! - StR Peter Kraus, MSc: Der Bus, der die Donaustadt entlastet, fährt nicht ...!) Ich weiß es nicht. Was ist mit Wasserstofftechnologie? Was ist mit E-Mobilität? Was ist mit alternativen Technologien? Wo ist Ihre Wissenschaftsfreundlichkeit, wenn es ums Weiterentwickeln von verschiedenen Technologien im Mobilitätsbereich geht? Das frage ich mich. (Zwischenruf von GR Felix Stadler, BSc, MA.) Eines muss ich schon sagen. Ich habe mir jetzt Anträge, die von der ÖVP hier in diesem Hause gestellt wurden und von Ihnen abgelehnt wurden, zusammengesucht - fairerweise seit 2015, denn ich habe jetzt einmal meine Wirkungszeit hier im Gemeinderat hergenommen: Attraktivierung des tangentialen öffentlichen Verkehrs in Wien - abgelehnt; Maßnahmenpaket zur Verlagerung des Pendlerverkehrs auf die öffentlichen Verkehrsmittel - abgelehnt; Ausbau des Wiener Busnetzes zur besseren Erschließung der Stadterweiterungsgebiete und Außenbezirke - abgelehnt von den GRÜNEN; Förderung der E-Mobilität in Wien - abgelehnt von den GRÜNEN; Masterplan für die Donaustadt - abgelehnt von den GRÜNEN; Mobilitätskonzept für die Donaustadt - abgelehnt von den GRÜNEN; Bezirksentwicklungskonzept für die Donaustadt - abgelehnt von den GRÜNEN. (Neuerlicher Zwischenruf von StR Peter Kraus, MSc.) Sich hier herzustellen und nur darauf zu schimpfen, dass es jetzt einen Vorschlag für ein Infrastrukturprojekt gibt, um diesen Bezirk besser anzuschließen, ist zu wenig, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall bei der ÖVP und von GR Petr Baxant, BA.) Tatsächlich - der Bürgermeister hat es gesagt - ist schon auch noch eine weitere Komponente im Spiel, wenn es um den Ausbau der Seestadt Aspern geht. Es ist nun einmal so, dass vertraglich abgesichert ist, dass die letzte Ausbaustufe der Seestadt nur im Zusammenhang mit der Verbindung der Donauquerung ... (Zwischenruf von GRin Mag. Heidemarie Sequenz. - StR Peter Kraus, MSc: Was heißt vertraglich abgesichert? Wo?) - Es steht vertraglich drinnen, dass die dritte Ausbaustufe von Aspern nur dann erfolgen kann, wenn die Umsetzung der Donauquerung erfolgt ist. (GRin Mag. Heidemarie Sequenz: Das stimmt nicht!) - Bitte, dann studieren Sie einmal die Unterlagen dazu! Was glauben Sie, warum das dort nicht weitergeht? Glauben Sie, man versucht, Dinge aus Jux und Tollerei mit der Pinzette herauszulösen, um das nicht weiterzubringen? Ich meine, das ist ja wirklich eine Chuzpe. (GRin Mag. Heidemarie Sequenz: Das ist unglaublich!) Insofern sind wir nach wie vor für die Umsetzung dieses Infrastrukturprojektes. Es braucht eine Entlastung der Donaustadt. Es braucht eine Entlastung von Wien. Wir setzen uns dafür ein, dass dieser Lückenschluss auch tatsächlich erfolgt, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall bei ÖVP und SPÖ sowie von GR Leo Lugner.) Vorsitzender Mag. Thomas Reindl: Zu Wort gemeldet ist GRin Mag. Pipal-Leixner. - Bitte schön. GRin Mag. Angelika Pipal-Leixner, MBA (NEOS): Sehr geehrter Herr Vorsitzender! Jetzt wollte ich sagen: Lieber Herr Bürgermeister, liebe Frau Stadträtin! Vielleicht sind Sie noch hinten im Saal. (StR Peter Kraus, MSc: Die Stadträtin ist noch da!) - Die Frau Stadträtin ist da. Liebe Kolleginnen und Kollegen, werte ZuhörerInnen im Saal und via Livestream! Wir haben schon viele, viele Male über die S1 und den Lobautunnel debattiert. Es wurde von allen wirklich alles gesagt. Also auf ein Neues. Ich gebe zu, das ist ein wichtiges Thema. Insofern kann ich nachvollziehen, dass die GRÜNEN das Thema wieder aufs Tapet bringen. Vorab dazu: Oft wird die Gefährdung des Nationalparks Donauauen ins Treffen geführt. Es ist allerdings populistisch und falsch, zu behaupten, dass der Lobautunnel die Lobau gefährden wird. Solche Übertreibungen schaden einer sachlichen Debatte. Aber nur weil der Tunnel den Nationalpark nicht zerstört, ist er noch lange keine gute Idee. Das Problem ist vielmehr: Der Bau der S1 schafft eine neue attraktive Transitroute für den überregionalen europaweiten Schwerverkehr. Wer glaubt, damit die Anrainerinnen und Anrainer in der Donaustadt zu entlasten, irrt. (Beifall von GR Felix Stadler, BSc, MA.) Wir holen uns massiven zusätzlichen Lkw-Verkehr nach Ostösterreich, der derzeit weiträumig herumfährt. Das ist keine Entlastung. Das Problem stammt aus einer Zeit, in der man glaubte, Verkehrsprobleme durch das Bauen neuer Straßen lösen zu können. Heute wissen wir es eigentlich besser. Wir investieren in Wien massiv in den öffentlichen Verkehr. Wir stärken den Radverkehr. Wir schaffen auf allen Gebieten Alternativen zum Auto. (Beifall bei den NEOS.) Warum ist das wichtig? - Einerseits natürlich für Lebensqualität, Klima und Umwelt, aber auch aus budgetären Gründen. Denn für das gleiche Geld, das ein Kilometer Tunnel kostet, können wir zig Kilometer Schieneninfrastruktur und Radwege bauen. Die würden tausenden Pendlerinnen und Pendlern wirklich täglich Zeit sparen. Wir müssen den Wirtschaftsstandort Wien stärken. Ja, aber das tun wir durch moderne, digitale und klimafreundliche Infrastruktur. Weil es immer heißt: Das zahlt eh die ASFINAG. Was hält uns eigentlich davon ab, aus der ASFINAG eine Mobilitätsinfrastruktur-Finanzierungsgesellschaft zu machen, die die Einnahmen aus dem Autobahnbetrieb nutzt, um die Bahninfrastruktur mitzufinanzieren? Das wäre wirklich eine zukunftsfähige Verkehrspolitik mit Verantwortung für Klima und Budget. (Beifall bei NEOS und GRÜNEN.) Die ASFINAG selbst erwartet von der S1 - der Lobautunnel ist ein Teil der S1 - nur eine 10- bis 15-prozentige Reduktion des Verkehrs auf der Südost-Tangente. Nur deswegen - wegen 10 bis 15 Prozent - dieses milliardenteure Projekt umzusetzen, zahlt sich nicht aus. Diese geringe Verkehrswirkung der S1 zeigt uns auch: Selbst wenn sie gebaut wird, werden wir immer noch massiv in den öffentlichen Verkehr investieren müssen. Eine Entlastung der Tangente in diesem geringen Ausmaß lässt sich aber auch locker mit einer intelligenten modernen Transitsteuerung und einer teilweisen Verlagerung von Pkw-Fahrten auf die Öffis erzielen. (Beifall bei NEOS und GRÜNEN.) Es wäre viel gescheiter, diese Milliarden von vornherein in den Öffi-Ausbau zu investieren. Das würde uns wirklich voranbringen. Ja, die Menschen in der viel zitierten Donaustadt, aber auch generell all jene im Osten Wiens und auch jene außerhalb von Wien über die Stadtgrenzen hinaus brauchen Lösungen, aber die brauchen sie jetzt und nicht erst in - was weiß ich? - 20 Jahren, wenn der Tunnel vielleicht einmal fertig wird. Deshalb sage ich: Setzen wir auf den Ausbau und auf die Verdichtung des Öffi-Netzes in Wien und in der gesamten Region: auf die Bahn, auf den S-Bahn-Ring und auf bessere Intervalle! Das ist schneller und billiger umsetzbar und bringt mehr Menschen sowie dem Klima und der Natur etwas. - Danke schön. (Beifall bei NEOS und GRÜNEN.) Vorsitzender Mag. Thomas Reindl: Bevor ich dem nächsten Redner das Wort erteile, darf ich bekannt geben, dass GR Flicker seit 16 Uhr und GRin Keri seit 17 Uhr entschuldigt sind. Dann darf ich noch Gäste von der Volkshochschule Floridsdorf - Teilnehmer des Kurses Politische Bildung und Recht - bei uns begrüßen. Recht herzlich willkommen im Wiener Rathaus! (Allgemeiner Beifall.) Zu Wort gelangt - wie ich und die Floridsdorfer auch ein Links-der-Donau-Mensch - GR Mahdalik. - Bitte. (Heiterkeit bei SPÖ und FPÖ.) GR Anton Mahdalik (FPÖ): Sehr geehrter Herr Vorsitzender, werte Damen und Herren! (Der Redner stellt eine Tafel mit der Aufschrift "NO-Umfahrung jetzt bauen, 75 000 Tonnen CO2 weniger" auf das RednerInnenpult.) Das Taferl ist jetzt nicht wirklich neu. Die, die schon ein paar Jahre da sind, kennen es schon. Ich habe nur ein Taferl, nicht gefühlte 23 oder 43 wie Ulli Sima - für die Eröffnung jedes klimafitten Zebrastreifens eines. Darum muss ich mit einem auskommen. Heidi, zeigst du einmal - da ist nämlich die Donaucity auch oben -, damit du es weißt, wie viel CO2 wir uns nur durch diesen Lückenschluss durch die S1 pro Jahr in Wien ersparen würden, nämlich 75 000 Tonnen? (Zwischenruf von GRin Mag. Heidemarie Sequenz. - GR Dipl.-Ing. Dr. Stefan Gara: Was ist das Problem bei CO2? Wozu Klimaschutz?) Ich habe es schon ein paarmal erwähnt: das Klimaschutzprojekt Nummer eins in Österreich. Darum bin ich Heidi Sequenz wirklich dankbar, dass sie dieses Thema heute auch gegen interne Widerstände bei der Dringlichen Anfrage durchgedrückt hat. Sie wird aber auch deswegen immer einen Platz in meinem Herzen haben, weil sie - ich habe es bei der vorigen Sitzung, glaube ich, ja schon einmal gestreift - zehn Jahre lang die Speerspitze der GRÜNEN im 22. Bezirk für den Bau der Stadtstraße war und dort dem SPÖ-Bezirksvorsteher den Rücken freigehalten hat. Im Rathaus haben wir Peter Kraus als Büroleiter gehabt, der klar Schiff gemacht hat und alle Widerstände aus dem Weg geräumt hat. Also einen herzlichen Applaus - es klingt ein bisschen nach einem Schlagerduo - für Heidi und Peter. - Bitte schön. (Beifall und Bravorufe bei der FPÖ. - Zwischenrufe bei den GRÜNEN.) Weil ich die Taferln von Ulli Sima erwähnt habe: Ich habe ja nichts gegen Taferln. Einige meiner besten Freunde früher waren Taferln. Na klar: Taferlaktionen sind gut für die Medien. Meine Vorrednerin ist ja auch sehr, sehr oft dabei. Ich habe mir das angeschaut: Im Vorjahr haben sich ja immer noch drei Leute an einem großen Taferl festgehalten. Der Bezirksvorsteher war dann also auch dabei, die Frau Stadträtin und die Mobilitätssprecherin - also der Bezirksvorsteher, sofern er halt ein Roter war. Heuer ist man dazu übergegangen, dass jeder ein Taferl in der Hand hält: zwei, drei Stück. Frau Pipal-Leixner hat jetzt auch ein eigenes Taferl. Also, da ist etwas weitergegangen. Da gratuliere ich auch recht herzlich. Bei der Nordostumfahrung ist in den letzten Jahren leider aus bekannten Gründen nichts weitergegangen - der Herr Bürgermeister hat es ja erwähnt: Leni Gewessler. Ich habe dem Bürgermeister heute überall recht gegeben. Ich war ja schon fast versucht, andauernd zu applaudieren, aber das haben eh die Genossen erledigt. Am Schluss hat er eines gesagt: Die Südosttangente, die A23, wäre nicht so gebaut worden, wenn wir in den 1970er Jahren den Fall des Eisernen Vorhanges vorausgeahnt hätten. Das stimmt natürlich alles. Das unterschreibe ich auch. Ich darf aber noch einmal daran erinnern - der jetzige Bürgermeister war damals auch schon im Gemeinderat: Als es darum ging, die Trasse für die künftige Nordostumfahrung - für die S1 zwischen Schwechat und Süßenbrunn - festzulegen, war die SPÖ für welche Variante? - Astrid, du (in Richtung GRin Ing. Astrid Rompolt, MA) warst damals noch nicht da. (GRin Ing. Astrid Rompolt, MA - erheitert: Nein!) Die SPÖ wollte die Nordostumfahrung offenbar nach dem Vorbild der Südosttangente, die ja keine Tangente ist, sondern mitten durch die Stadt führt. Die SPÖ wollte, dass die Nordostumfahrung durch die Seestadt führt, direkt neben der Seestadt. Also nicht wie jetzt zwischen ... (Zwischenruf bei der SPÖ.) - Trotzdem hätte ich mich, glaube ich, nicht gefreut. Ich bin ja ein direkter Anrainer der Seestadt. Ich glaube aber, auch die Seestädter hätten sich nicht so gefreut. Ich glaube, eine zweite Südosttangente können wir hier drinnen alle miteinander nicht brauchen. Damals war das Glück, dass Hubert Gorbach Verkehrsminister war. Ich bin ihm gemeinsam mit anderen quasi auf dem Schoß gesessen und habe gesagt - in Vorarlberg hat er Kreiselhubsi geheißen, weil er viele Kreisverkehre eröffnet hat: Das kann man so nicht machen. Bitte, zwischen Essling und Groß-Enzersdorf ist die beste Umfahrung. Es hätte noch eine weiter im Osten gegeben, aber die wäre nicht verkehrswirksam geworden. Also danke, liebe FPÖ, und danke, lieber Toni, dass wir diese Trasse haben, wie wir sie heute haben, und bald zu bauen beginnen werden. (Beifall bei der FPÖ. - StR Dominik Nepp, MA: Danke, Toni!) Die Straße wird wie gesagt der Umwelt etwas bringen, weil sie 75 000 Tonnen CO2 pro Jahr einsparen wird. Sie wird den Menschen etwas bringen. Sie wird gemeinsam mit der Stadtstraße, die die GRÜNEN durchgeboxt haben, den Menschen in den Ortsteilen Aspern, Breitenlee, Essling, Hirschstetten und Stadlau pro Tag 70 000 Autofahrten ersparen und natürlich dementsprechend weniger Lärm, weniger Feinstaub, weniger Treibstoffverbrauch und weniger CO2 bringen - 75 000 Tonnen im Jahr. Das ist gut für die Menschen. Das ist gut für die Umwelt. Das ist gut für die Wirtschaft. Deswegen bleiben die Freiheitlichen auch bei ihrer Meinung, dass wir leider viele Jahre verschenkt haben. Auch die SPÖ hat aus unserer Sicht zu wenig Druck gemacht. Wenn Frau StRin Pühringer hinausgeht und sagt, es werden täglich 60 000 Autos durch den Tunnel fahren und das wären 60 000 zusätzliche Autos, dann stimmt das natürlich nicht, denn die Autos werden woanders nicht fahren. (Heiterkeit bei GRin Mag. Heidemarie Sequenz. - GRin Christina Wirnsberger: Das stimmt nicht!) Dass Wien wächst, dafür können wir nichts. Es wird sich besser aufteilen, und besser aufgeteilter flüssiger Verkehr ist umweltfreundlich. Das sollte auch den GRÜNEN ... Vielleicht glauben es eure Wähler noch, aber ihr werdet es ja nicht selber glauben. 60 000 Autos werden dann woanders nicht fahren, sondern werden durch den Tunnel fahren. Eines, liebe GRÜNE: Es gibt keinen induzierten Verkehr. Ihr braucht nicht alles glauben, was euch der Knoflacher erzählt. (Beifall bei der FPÖ. - Heiterkeit bei GR Mag. Dietbert Kowarik.) Aber natürlich tut sich eine Heidi Sequenz leicht, wenn sie sagt: Wir brauchen keine Straßen, es geht doch eh alles mit den Öffis. - Ja, wenn man in der Donau City wohnt - die ist ja da (auf die Tafel zeigend) auch zu sehen - dann steigt man in die U1, steigt am Praterstern um und ist im Rathaus. Ich tue mir auch leicht: Ich steige in der Früh aufs Rad, und wenn es quer hagelt, gehe ich fünf Minuten zur U2 und fahre von der Seestadt ins Rathaus - super. Das ist bei 99,5 Prozent der Menschen nicht die Lebensrealität. Das ist vielleicht da herinnen für manche Privilegierte die Lebensrealität, aber nicht für die Menschen da draußen, die berufstätig sind. (Zwischenruf von GRin Mag. Heidemarie Sequenz.) Wieder irgendein Beispiel: Wenn man in Probstdorf, in Gänserndorf, in Mühlleiten oder sonst wo wohnt, arbeiten fährt und den Arbeitsplatz im 12. Bezirk oder im 23. Bezirk hat - das soll ja alles vorkommen - und dann noch zwei Kinder hat und eines in den Kindergarten und eines in die Schule bringt, dann braucht man für den Arbeitsweg, wenn man öffentlich fahren würde - wenn das überhaupt technisch möglich ist - zweieinhalb Stunden. In der Nacht ist es das Gleiche noch einmal. Das ist natürlich nicht machbar. Mit dem Auto braucht man, wenn man Glück hat, vielleicht eineinviertel Stunden. Wenn es dann irgendwann die Nordostumfahrung und auch den Lobautunnel gibt, braucht man vielleicht nur 45 Minuten. Das ist gut. Das ist bewältigbar. Zweieinhalb Stunden für einen Arbeitsweg geht einfach nicht. Das sind grüne Lebensrealitäten, aber nicht die der Menschen da draußen. (Beifall bei der FPÖ.) Eigentlich war es das schon. (Heiterkeit bei Amtsf. StRin Mag. Ulli Sima.) Ich kann nichts dafür, dass die GRÜNEN eine neue Kampagne gestartet haben und dafür einen Aufhänger brauchen. Dafür können auch die Kollegen der anderen Fraktionen nichts. - Darum sage ich Danke für die Aufmerksamkeit. (Beifall bei der FPÖ.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Nun darf ich den nächsten Besuch auf der Galerie begrüßen. Es ist eine Gruppe der Jungen ÖVP Wien. Recht herzlich willkommen im Wiener Gemeinderat! (Allgemeiner Beifall.) GR Dipl.-Ing. Al-Rawi ist der Nächste. - Bitte schön. GR Dipl.-Ing. Omar Al-Rawi (SPÖ): Herr Vorsitzender, liebe Frau Stadträtin, liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Besucherinnen und Besucher auf der Galerie! Ich möchte die Debatte auch historisch ein bisschen anders aufzäumen. (GRin Mag. Heidemarie Sequenz: Da musst du weit zurückgehen!) Ich habe auch den Ausführungen von Frau GRin Wirnsberger sehr genau zugehört. Heute hat Frau Nina Abrahamczik in ihrer Rede über den Atomunfall in Tschernobyl einen sehr prägenden Satz gesagt: Viele von uns, die heute leben, haben das damals nicht miterlebt. Ich gehöre zu jenen, die schon ein bisschen älter sind und das, aber auch die ganze Historie der Stadtentwicklung, sehr gut miterlebt haben. Ich bin im Ausschuss wahrscheinlich der Dienstälteste, weil ich schon die sechste Legislaturperiode habe. Ich habe all das miterlebt, was man da geplant hat. Fangen wir aber von ganz von vorne an! Ich bin 1978 nach Österreich gekommen. Das war einen Monat, bevor die Volksabstimmung über Zwentendorf gewesen ist. Da habe ich mir gedacht: Aha, da gibt es überall so Plakate mit der Aufschrift "Atomkraft? Nein, danke". Ich habe mir die ganzen Debatten angehört und war dann sehr sensibilisiert in Bezug auf Umweltthemen und dafür, wie die Energieversorgung sein wird. Ich habe dann auf der TU Bauingenieurwesen studiert und war dann natürlich sehr interessiert am Ausbau der Wasserkraftwerke, an der Schiffbarkeit der Donau und an den ganzen Staustufen, die es geben soll, damit die Donauschifffahrt auch bleibt. Immer wieder wird dieser Vergleich mit Hainburg wirklich falsch gezogen und instrumentalisiert. Was war Hainburg? - Hainburg war der Versuch, saubere Wasserkraftwerke zu installieren. Das ist es. Da kann man nicht dagegen sein. Das ist eine super Sache. (GRin Christina Wirnsberger: ... wollt ihr schmutzige Tunnel unter ...!) - Frau Wirnsberger, warten Sie einmal ab! Ich habe Ihnen auch wirklich sehr geduldig zugehört und habe Sie auch kein einziges Mal unterbrochen. Um ein solches Wasserkraftwerk zu bauen, hat es damals zwei Baumethoden gegeben, die sogenannte Trockenbaumethode oder die Nassbaumethode. Bei der Nassbaumethode baut man ein Kraftwerk sozusagen im Wasser. Das ist sehr teuer und anstrengend. Die andere Methode, die man gemacht hat, ist sehr einfach. Ich war ja selber Ferialpraktikant in Melk, wo man neben der Donau ein Riesenloch gebaggert hat. Bei der trockenen Bauweise baut man zuerst in Ruhe das ganze Kraftwerk und installiert auch schon die ganzen Turbinen und so weiter. Wenn das fertig ist, leitet man die Donau in dieses Wasserkraftwerk hinein. Der alte Arm wird dann so eine Art touristischer Platz, wo man schwimmen und mit Booten fahren kann und so weiter. So ist es in Greifenstein und so weiter. Die Freudenau wurde anders gebaut. Da erfolgte es eben in der Nassbauweise. Der Fehler war die Gier. Ich weiß nicht, ob es damals die DOKW, der Verbund oder die ganze Bauwirtschaft war, die sich gedacht haben: Das machen wir dort in Hainburg genauso. Wir machen ein Riesenloch neben dem Platz. Dort bauen wir das Kraftwerk, und dann leiten wir die Donau um. Nur war dieses große Loch, das sie bauen wollten, die Stopfenreuther Au. Das war die Au, die man schützen wollte. Hätte man damals die Weisheit gehabt zu sagen, wir suchen nach einer Methode, dieses Kraftwerk so zu errichten, dass wir die Au nicht zerstören und keine Riesengebiete kaputt machen, indem wir das Wasserkraftwerk in Hainburg so bauen, dass es den anderen nicht weh tut, hätten wir heute ein Kraftwerk mit sauberer Energie. Deswegen möchte ich die Klammer damit schließen: Auch hier geht es ja gar nicht darum, ob wir einen Tunnel bauen wollen. Ich weiß nicht: Wir sind ja keine Tunnelfetischisten. Wir müssen ja nicht irgendetwas nur aus Prinzip errichten, sondern wir brauchen eine Umfahrung für die Stadt Wien. Diese Umfahrung wollen wir errichten. Da waren halt seit 25 Jahren die Diskussionen - Toni Mahdalik hat es erwähnt, ich kann es bestätigen - um Gorbach und Häupl und den Hauptbahnhof und so weiter. Da war die Rede von der innenliegenden Variante und der außenliegenden Variante. Es ging ja immer um die Donauquerung. Diese Donauquerung zu erreichen, darum ging es eigentlich bei der ganzen Diskussion. Ich darf Sie wirklich beruhigen, Frau Wirnsberger. Ich war ja auch eine Zeit lang Aktivist, als es um den Wildschweintunnel gegangen ist (Heiterkeit bei GRin Mag. Heidemarie Sequenz.) und um die Untertunnelung des Lainzer Tiergartens. Wo kommt dann die Bahn heraus? Ich kann Ihnen eines versichern: Der Tunnel wurde gebaut. Kein einziges Wildschwein ist seitdem deswegen umgekommen. Kein einziger Baum ist gestorben. (GRin Christina Wirnsberger: Was ist das für ein Vergleich?) Keine einzige Grundwasserproblematik ist entstanden. Der Lainzer Tiergarten ist heute einer der wunderschönsten Plätze, wo die Wienerinnen und Wiener auch ihre Freizeit verbringen. Wir haben eine leistungsfähige Umfahrung für den Schienenverkehr, der durch den Wildschweintunnel dort passiert. Zur Geschichte, dass Autobahnen nur fossile Energie fördern, hat, glaube ich, der Bürgermeister schon erwähnt: Wir setzen auf Elektromobilität. Wir setzen auf die Forschung. Wir setzen auch darauf, dass Wasserstoff eine Alternative sein wird. (StR Peter Kraus, MSc: Niemals für private Pkw!) Hier geht es also noch. Wenn wir schon über die Geschichte reden: Eines der Dinge, die ich in meinem ganzen politischen Leben auch miterlebt habe, war, dass, als Österreich die Verhandlungen um den Beitritt zur EU geführt hat, immer der Brenner und der Transit ein Thema waren. Der Brenner war für mich immer der Maßstab. Boah, da ist ein Stau. Da gibt es eine Belastung. Wissen Sie, wie viele Autos am Tag über den Brenner fahren? - 38 000 Fahrzeuge. Im Vergleich: Bei der Tangente sind es 195 000 Fahrzeuge. In der Spitzenzeit fahren 46 000 Fahrzeuge über den Brenner, auf der Tangente sind es 220 000 Fahrzeuge, davon 8 Prozent Schwerverkehr. 16 000 Lkw sind reiner Transitverkehr. Um es noch einmal zu sagen: Hier geht es um die Umfahrung von Wien. Wenn jeder kleine Ort, jedes kleine Tschocherl in Österreich das Recht hat, eine Umfahrung zu haben, wird die Bundeshauptstadt Wien genauso das Recht auf eine Umfahrung haben. Das hat die Wiener Bevölkerung einfach verdient. (Beifall bei der SPÖ und von GRin Dipl.-Ing. Selma Arapovic.) Als wir vor Jahren auch unter Frau VBgm.in Vassilakou die ersten Stadtentwicklungspläne bearbeitet haben, war immer die Rede davon, dass Wien pro Jahr um 25 000 Menschen wächst. Da war immer dieser ganz große Plan von Wien. Ich weiß jetzt den Maßstab nicht. Wenn man diesen Plan angeschaut hat, hat man gesehen, dass die Seestadt Aspern in etwa eine Handfläche ausmacht. Diese Handfläche hat bedeutet - wir wissen es, da wir sie geplant haben -, dass am Ende 25 000 Menschen dort wohnen werden. Das heißt, wir würden - plastisch gesehen - auf diesem Plan jedes Jahr so eine Handvoll Plätze in Wien finden müssen, um dieses Bevölkerungswachstum unterzubringen. (Zwischenruf von StR Dominik Nepp, MA.) Das ist keine einfache Geschichte. Wir haben jahrelang die sogenannten Brownfields genutzt, also eine Umstrukturierung vieler Gebiete gemacht, die nicht mehr gebraucht werden, zum Beispiel am Hauptbahnhof. Wir hatten das Gebiet am Nordbahnhof, den Bahnhof in Aspern - bei allen Bahnhöfen, die wir haben. Uns gehen schon langsam die Bahnhöfe aus, um dort Stadtentwicklung zu machen. Eines dieser Brownfields war natürlich auch ein ehemaliges Flughafenareal. Das ist die Seestadt Aspern, die ja sozusagen dazu auserkoren worden ist, auch ein neues Stadtentwicklungsgebiet zu sein. Es gibt heute wirklich keine einzige Delegation, die nach Wien kommt, die auf ihrem Programm nicht den Besuch der Seestadt Aspern hat, weil diese mit dem ganzen Hochleistungsverkehr, der dort gebaut worden ist, mit der U-Bahn, als Vorbild in der Entwicklung gesehen wird. Wenn sie dann dort stehen, haben wir dauernd die Frage: Na, wieso ist nur der eine Teil schon errichtet und fertig? Was ist mit dem anderen Teil, der eine Wüste mit einer U-Bahn-Station darstellt? Dann müssen wir ihnen sagen: Da gibt es das Problem mit der UVP, dass wir diese Verkehrsproblematik lösen müssen. So können wir halt nicht weitermachen. (Zwischenruf von GR Georg Prack, BA und von StRin Mag. Judith Pühringer.) Im Moment leben, glaube ich, 12 000 oder 15 000 Menschen in der Seestadt Aspern. Im Endstadium sollen es über 25 000 sein. Wenn man Am Heidjöchl, die Berresgasse und das Hausfeld dazu nimmt - Kollegin Olischar hat es erwähnt -, sind es in etwa 60 000 Menschen, die dort leben. Diese Menschen haben nun einmal das Recht, dass wir ihnen leistbaren Wohnbau bieten, der in einer Art und Weise geplant ist, dass wir ihnen dort Geothermie, Fernwärme und Hochleistungsverkehr anbieten. Dazu bekennen wir uns. Das wollen wir auch wirklich so realisieren. Um es am Ende abzuschließen, kann ich eines noch einmal unterstreichen: Wir bekennen uns zu Klimaschutz, aktiver Mobilität und geringem Flächenverbrauch. Ich glaube, die Statistiken hat der Herr Bürgermeister in der Beantwortung eh schon erwähnt. Wir haben in Wien weniger Flächenverbrauch als jeder andere. Für die Zuseherinnen und Zuseher, die jetzt gekommen sind: In Wien verbrauchen wir 120 Quadratmeter pro Kopf. Österreichweit sind es 750 Quadratmeter. Das heißt, das Bekenntnis zur Entsiegelung, zur Ressourcenschonung sowie zu "Raus aus Gas" und "Raus aus Asphalt" ist ein Grundpfeiler unserer Stadtentwicklung. Dazu stehen wir einfach. (Beifall bei der SPÖ.) Wir haben auch als einziges Bundesland ein verbindliches Klimagesetz mit dem Ziel, 2040 klimaneutral zu sein, beschlossen. In unserem Stadtentwicklungsplan für Wien bekennen wir uns zu einer klimafitten Stadtentwicklung. Das sind die berühmten drei K, die Frau Kollegin Arapovic immer sehr gerne zitiert: Klimawandel, Klimaanpassung und Kreislaufwirtschaft. In diesem Sinne möchte ich die Debatte auch nicht weiter in die Länge ziehen. Das ist unser Bekenntnis. Dazu stehen wir. - Ich bedanke mich herzlich. (Beifall bei der SPÖ und von GRin Dipl.-Ing. Selma Arapovic.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Bevor ich dem nächsten Redner das Wort erteile, darf ich nun die letzte Gruppe - zumindest die letzte angekündigte Gruppe - bei uns im Haus begrüßen: Gäste der FPÖ aus den Bezirken 1, 4, 6, 7 und 8. - Recht herzlich willkommen im Wiener Gemeinderat! (Allgemeiner Beifall.) Als Nächster ist GR Dipl.-Ing. Dr. Gara zu Wort gemeldet. Ich erteile es ihm. - Bitte. GR Dipl.-Ing. Dr. Stefan Gara (NEOS): Sehr geehrter Herr Vorsitzender, sehr geehrte Damen und Herren auf der Galerie, sehr geehrte Damen und Herren via Livestream, geschätzte Kolleginnen und Kollegen! Kollege Mahdalik von der FPÖ hat mich wirklich überrascht. Denn Kollege Mahdalik von der FPÖ kämpft gegen den Klimawandel. (GR Maximilian Krauss, MA: Nur Teilzeit! - Heiterkeit bei GR Felix Stadler, BSc, MA.) Bis dato habe ich das von der FPÖ so noch nie gehört. Denn er hat ja gesagt, die Nordostumfahrung - da war bei dem Schild nicht klar, heißt das jetzt No-Umfahrung oder Nordost-Umfahrung (Allgemeine Heiterkeit.) - reduziert 75 000 Tonnen CO2. Ich weiß nicht, warum der FPÖ das Thema CO2 so wichtig ist, aber ich lerne dazu. Ich finde es sehr positiv, dass sich mittlerweile auch die FPÖ für den Klimaschutz einsetzt. (Beifall und Heiterkeit bei den NEOS.) Zum Lobautunnel wurde an dieser Stelle tatsächlich schon sehr, sehr viel gesagt. Ich versuche, noch ein paar Punkte aufzugreifen, die mir auch wichtig sind und die, glaube ich, auch für die Einordnung ganz wichtig wären. Zum einen wird eine Diskussion über den Lobautunnel immer sehr stark klimapolitisch konnotiert. Es wird immer gesagt, wir erreichen dadurch die Klimaziele in Wien nicht. Das sehe ich überhaupt nicht so, denn wenn der Lobautunnel einmal stehen sollte - es wurde heute auch schon gesagt -, dann werden mit großer Wahrscheinlichkeit zu über 90 Prozent Elektrofahrzeuge durchfahren. Es wird die Emissionsbelastung also durch ein solches Projekt und auch durch andere Straßenprojekte sicherlich nicht größer im Sinne von Treibhausgasemissionen. Da möchte ich auch eine Studie unter Ministerin Gewessler zitieren, nämlich den Mobilitätsplan 2030. Darin wurde klar gesagt, dass der Hauptteil der Emissionsreduktion de facto durch einen Technologiewechsel kommt. Der Hauptteil entsteht durch einen Technologiewechsel. Das ist wirklich der Switch in Richtung Elektromobilität. Nur ein relativ kleiner Teil ist durch die Veränderung des Mobilitätsverhaltens möglich. Das ist uns wichtig, das ist uns in der Stadt sehr wichtig. Das haben wir durch den Ausbau der Radwege und durch den Ausbau des öffentlichen Verkehrs über die letzten Jahre auch massiv bewiesen. Das sind uns wirklich wichtige Prioritäten. Denn dabei geht es um die Mobilität der Wienerinnen und Wiener und auch um die Mobilität im Umland Wiens. Die ist für uns immer ein ganz wichtiger Faktor, den wir ins Zentrum stellen. Ein Punkt ist diese relativ isolierte Betrachtung dieses einen Straßenstückes oder Lückenschlusses. Ich habe bei der gesamten Diskussion Schwierigkeiten, denn letztendlich geht es um eine großräumige Mobilitätsplanung für Wien und Umgebung, für die Metropolregion-Umgebung und für viele Teile Niederösterreichs. Da muss man ganz ehrlich sagen: Wo die FPÖ in Regierung ist, nämlich in Niederösterreich mit Karl Landbauer, der für Mobilität und Verkehr zuständig ist (Zwischenruf bei der FPÖ: Udo! - GRin Dipl.-Ing. Selma Arapovic: Udo!) - Udo Landbauer -, weigert man sich, wichtige Vernetzungen mit Wien zu machen, zum Beispiel - dafür hat sich Frau StRin Ulla Sima massiv eingesetzt - die Ausweitung der Linie 72 nach Schwechat. (GR Maximilian Krauss, MA: Sie schaffen es einfach nicht! Sie ist seit 25 Jahren Stadträtin. Wenn sie es wollte, hätte sie es schon gemacht! - Amtsf. StRin Mag. Ulli Sima - in Richtung GR Maximilian Krauss, MA: Es sind erst 22 Jahre!) Das verstehen wir eigentlich nicht, weil es gerade für Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher so wichtig wäre, eine sehr schnelle Verbindung auch nach Wien zu haben. Da geht es um genau diesen PendlerInnenverkehr, den wir natürlich hinsichtlich des - ich sage einmal - Zwangsindividualverkehrs reduzieren wollen. Es ist ja nicht so, dass jeder und jede täglich mit dem Auto nach Wien pendeln möchte. So ist das nicht. Für viele ist es notwendig, weil einfach viele Verkehrsverbindungen vor allem auch in Niederösterreich nicht entsprechend umgesetzt und so angepasst werden, dass es möglich ist, dass Menschen auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs sein können. Das ist eines der Hauptprobleme. (Beifall bei NEOS und GRÜNEN.) Da sage ich ganz klar - das gilt sowohl für die FPÖ als natürlich auch für die ÖVP: Sie sollten endlich einmal Ihrer Verantwortung nachkommen und den PendlerInnen die öffentlichen Verbindungen zur Verfügung stellen, die sie letztendlich verdient haben. Denn genau das ist das Problem, warum wir in vielen Bereichen einen massiven Stau auf den Straßen haben. Das heißt, ich hoffe, dass diese Blockadehaltung von Ihrer Seite endlich einmal aufgegeben wird, weil das letztendlich zu nichts führt. Ich verstehe auch jede Wienerin und jeden Wiener sowie jede Niederösterreicherin und jeden Niederösterreicher, die auf der Tangente stehen, weil vielfach die Möglichkeiten beschränkt sind, aus dem Umland mit öffentlichen Verkehrsmitteln nach Wien zu kommen. Man muss aber auch eines sagen - ich glaube, das ist in einer ehrlichen Debatte auch wichtig: Der Großteil des Verkehrs auf der Tangente ist Individualverkehr. Der Großteil des Verkehrs auf der Tangente führt nach Wien hinein. Nur ein Bruchteil geht an Wien vorbei in den Süden. Wir haben auch sehr intensive Gespräche geführt. Ich halte das für wichtig. Ich versuche wirklich, alle Seiten zu hören. Wir haben auch mit der ASFINAG intensive Gespräche geführt. Auch die ASFINAG selber sagt, der Lobautunnel würde den Verkehr auf der Tangente nur um 10 bis 15 Prozent entlasten. Der Lobautunnel alleine löst unser Mobilitätsproblem also nicht. Das ist das Problem. (Beifall bei NEOS und GRÜNEN. - StR Dominik Nepp, MA: ... Koalitionspartner als Beiwagerl!) Man kann für oder gegen den Lobautunnel sein. Ich halte das für wichtig. Das ist in einer Demokratie auch wichtig. Der grundsätzliche Punkt ist für mich aber tatsächlich eine gesamthafte Mobilitätsplanung. Nur dann kann man Diskussionen darüber führen, die ich auch für wichtig erachte, welche Art von Donauquerung es vielleicht doch braucht. Ich schließe das auch nicht aus. Das haben wir auch nie ausgeschlossen. (StR Dominik Nepp, MA: Ihr wart dagegen! Im Wahlkampf wart ihr noch dagegen! Da gab es Taferl!) Das ist nicht schwarz-weiß. Das ist wichtig für eine verantwortungsvolle Mobilitätspolitik. Ich habe in meiner letzten Rede von der Magie der Politik gesprochen. Das ist der springende Punkt. Denn wenn man sich heute hinstellt und sagt: Der Lobautunnel würde alle Probleme lösen, dann sage ich: Ups, wann ist der fertig? In 20 Jahren? - Das heißt, wir haben eine sogenannte Umsetzungslücke. Zwischen der Magie der Politik, die die Lösung verspricht, und der tatsächlichen Umsetzung dieser Lösung vergehen 20 Jahre. Das heißt, wir brauchen Mobilitätslösungen. Wir brauchen Entlastung. Wir brauchen eine Beschleunigung auch für den Güterverkehr. Der ist zentral. Dann kann man über eine gesamthafte Lösung sprechen. Das ist, glaube ich, immer unser Anliegen für die BürgerInnen gewesen: Den BürgerInnen nicht zu sagen, dass die Lösung so einfach ist. Sie ist es nicht. Das ist ein komplexes Mobilitätssystem. Deswegen ist es wichtig - da nehme ich vor allem die FPÖ in die Verantwortung -, hier letztendlich auch dafür zu sorgen, dass in Niederösterreich Verkehrslösungen und Mobilitätslösungen angeboten werden, damit die Menschen nicht mit dem Auto fahren müssen. Das heißt, dass sie mit dem Auto fahren dürfen. Viele wollen das aber gar nicht. Das ist springende Punkt. Da muss ich ganz ehrlich sagen: Kehren Sie vor Ihrer eigenen Tür! Setzen Sie endlich Maßnahmen um! Übernehmen Sie Verantwortung dort, wo Sie in der Regierung sind! (Beifall bei den NEOS und von GRin Mag. Heidemarie Sequenz.) Ich denke, rund um dieses ganze Mobilitätsthema Lobautunnel gibt es viele Mythen, sehr viele Diskussionen und unterschiedliche Zahlen. Wir stehen für eine Mobilitätspolitik für die Menschen. Wir schließen kein Verkehrsmittel aus, überhaupt nicht. Es geht immer um eine multimodale Verknüpfung aller Verkehrsmittel. Das ist nur fair enough. Wir wollen niemandem das Auto verbieten, aber wir wollen den Menschen Möglichkeiten geben, dass sie auch öffentlich unterwegs sind. Daher setzen wir uns immer für diese Lösungen ein und sind hier auch immer für einen konstruktiven Dialog ganz im Sinne der BürgerInnen. (Beifall bei den NEOS und von GR Felix Stadler, BSc, MA.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Als Nächste ist GRin Mag. Sequenz zu Wort gemeldet. Ich erteile es ihr. - Bitte. GRin Mag. Heidemarie Sequenz (GRÜNE): Liebe Kolleginnen und Kollegen! Mobilität ist für mich eine Frage der Gerechtigkeit und nicht der Ideologie. - Jetzt würde ich mir wirklich einen tosenden Applaus von der SPÖ erwarten. Ich habe nämlich gerade Ihren Minister Hanke zitiert. Dieser Satz kam von ihm letzte Woche bei einer Mobilitätskonferenz in seinem Ministerium. Das klingt doch super, oder? Bevor ich mich aber jetzt mit der Frage befasse, was er wirklich damit gemeint hat und ob diese Aussage auch einem Faktencheck standhält, möchte ich schon noch ein, zwei Bemerkungen zu meinen Vorrednern machen. Ich weiß nicht mehr, wie sich dieser Mythos, wonach die Tangente durch die Lobauautobahn entlastet wird, aus der Welt schaffen lasst, wenn selbst die ASFINAG sagt, es stimmt nicht. (GR Dipl.-Ing. Omar Al-Rawi: Umfahrung!) Ich finde es für einen Gemeinderat in Wien wirklich unwürdig, dass hier Leute draußen stehen und sagen, es stimmt nicht, was Experten sagen. Wenn das von der FPÖ kommt, ist es genauso arg, auch wenn man von euch wirklich viel gewohnt ist, wie etwa das Pferdeentwurmungsmittel, das gegen Corona gekämpft hat. Trotzdem passt das nicht. (Beifall bei den GRÜNEN. - StR Dominik Nepp, MA: Geh bitte! Ihr seid schon wo angerannt! Gegen einen Baum angerannt!) Der zweite Mythos: Bitte hört auf, diese Geschichten zu drucken, dass die Seestadt Nord auf Grund einer Verknüpfung mit der Lobauautobahn nicht gebaut werden kann. Das ist falsch, weil es nicht die Lobauautobahn ist, mit der die Seestadt Nord verknüpft ist, sondern die Spange und die Stadtstraße - Nummer eins. Nummer zwei: StRin Sima hat vorhin, als Judith Pühringer das vollkommen korrekt erklärt hat, den Kopf geschüttelt. Ich habe mir gedacht: Jetzt schüttle ich aber auch den Kopf. Denn sie war es, die genau diese Koppelung schon mehrfach gelöst hat. Sie hat das schon mehrfach getan und sitzt dann da und sagt: Nein, das geht doch gar nicht. Das können wir nicht machen. - Sie hat es bereits gemacht. Ich denke mir: Bei so einer Haltung wundert es mich eigentlich nicht, wenn ich mir Wien und die Verteilung der Verkehrsflächen anschaue, wenn ich hier einen Bürgermeister sehe, der sagt: Es kann gar nicht genug Straßen geben. Österreich ist Europameister. Wir haben fast doppelt so viele Straßenkilometer pro Einwohner wie Deutschland. (Amtsf. StRin Mag. Ulli Sima: Das geht sich nicht aus!) Dann stellt sich der Bürgermeister hier heraus und sagt: Es kann gar nicht genug Straßen geben. Wir müssen weiterbauen. Das bedeutet ja nicht nur Kosten für den Bau. Das bedeutet ja auch Erhaltung. Das tragen dann alle. Das ist schon einmal der erste Faktencheck, wenn ich sage: Mobilität ist für mich eine Sache der Gerechtigkeit. Das ist schon einmal der erste Faktencheck, wo das Ganze fällt. (Beifall bei den GRÜNEN. - Zwischenruf von GR Hannes Taborsky.) In Wien sind 30 Prozent der Leute zu Fuß unterwegs. (StR Dominik Nepp, MA: Die fahren auch Auto, die fahren auch ...!) 25 Prozent fahren mit dem Auto, und denen stehen zwei Drittel der Verkehrsflächen zur Verfügung. Ich frage Sie: Ist das gerecht? Ist das wirklich etwas, was wir verteidigen wollen? Ich verstehe es nicht. Das wird ja noch ärger, wenn wir mehr Straßen bauen. Ich kenne in Wien auch keinen Autofahrer, der sagt, er fährt eine bestimmte Straße nicht, weil er dort Angst hat. Für Radler ist das oft der Alltag. Es war erst letzten Monat, als, glaube ich, sogar SPÖ-GemeinderätInnen hier gemeint haben: Nur Todesmutige fahren auf der Brünner Straße mit dem Rad. (StR Dominik Nepp, MA: Geh bitte!) - Ja, es ist so. In Wien starben letztes Jahr 15 Menschen im Straßenverkehr. Die große Mehrheit davon waren SeniorInnen. Das hat der VCÖ jetzt recherchiert. (StR Dominik Nepp, MA: Die grüne Tarnorganisation!) Ich würde einmal sagen: Eine Fußgängerin hat bei einem Zusammenstoß mit einem Auto keine Überlebenschance, wenn es schneller als 30 km/h fährt - Personen über 65. Das heißt, wir nehmen ganz bewusst den Tod von Menschen in Kauf. (StR Dominik Nepp, MA: Geh bitte!) - Ja, das machen wir, wenn wir sagen, wir ändern da nichts. (GR Mag. Dietbert Kowarik: Im Lobautunnel rennen die Leute herum?) Dass es anders geht, hat jetzt Helsinki bewiesen. Die haben null Verkehrstote. Das ist kein Zufall. Das ist eine politische Entscheidung gewesen. Dort sind 30 km/h Standard. Das wird überwacht. Die Kreuzungen sind einsichtig, und die Ampeln sind so geschaltet, dass sie den Fußgängern entgegenkommen. (StR Dominik Nepp, MA: In Helsinki haben sie keinen Lobautunnel!) Ich möchte jetzt wirklich nur mehr Minister Hanke zitieren, der auch gesagt hat: Menschen brauchen Lösungen, die im Alltag funktionieren. - Helsinki zeigt das. Man braucht nur mit der Geschwindigkeit herunterzugehen, und man macht diese Stadt sicherer. Ein weiterer entlarvender Satz - ich muss das jetzt sagen, weil mich diese Aussagen damals bei dieser Mobilitätskonferenz wirklich so empört haben - war: Hören wir auf, Verkehrsträger gegeneinander auszuspielen! (GR Klemens Resch: Ja, genau!) Wenn das von jemandem kommt, der sich eh schon auf Straßen festgelegt hat, der eh schon weiß, wie das Match ausgeht, und der zeigt, auf welcher Seite er ist, dann weiß ich nicht, wie ernst ich diese Aussage nehmen soll. (GR Mag. Dietbert Kowarik: Der Gehsteig gehört auch zur Straße!) Genau das ist es ja: Weil wir die Straße so billig machen und die Straßen weiterbauen, geht zum Beispiel beim Güterverkehr auf der Bahn überhaupt nichts weiter. Was heißt, es geht nichts weiter? Er stürzt ab. Wir sind jetzt bei 25 Prozent. Das ist Politik, das ist kein Zufall. Schauen wir uns einmal an - wieder nach Wien -, was die Ausgaben für diverse Mobilitätsformen in Wien sind! Die Stadt Wien hat ohne Not 70 Millionen EUR in die Hand genommen, um eine Autobahnauffahrt in die verkehrsberuhigte Seestadt zu bauen. Das müsste eigentlich die ASFINAG bauen. Ich lade Sie wirklich ein: Schauen Sie sich das an! Ich war letzte Woche dort. Das ist dystopisch. Es ist wirklich furchtbar, wenn diese Autobahn einmal in der verkehrsberuhigten Seestadt mündet. (GR Michael Niegl: Alle fürchten sich! - StR Dominik Nepp, MA: Da ziehen alle weg aus der Seestadt!) Dafür ist das Geld da. Für den Radweg in den Gewerbepark oder über den Gewerbepark ist das Geld nicht da. Da lässt man die Leute wieder im Stich, sodass die eine halbe Stunde zum Spar laufen müssen. 100 Millionen EUR flossen nur dieses Jahr in den Bau der Stadtstraße. Beim Radweg in der Donau City heißt es: Boah, der kostet aber viel Geld. Den können wir uns nicht leisten. - Dort kommt es fast minütlich zu Konflikten mit FußgängerInnen. Die PR- Abteilung von StRin Sima nennt das dann einen Rad-Megahighway. Sie sehen sowohl bei der Platzverteilung als auch beim Tempo der Umsetzung als auch beim Budget überall dieselbe Schieflage, wenn es um nachhaltige Mobilität geht. Selbst dann, wenn es nichts kostet, werden lebensrettende Maßnahmen wie eine Temporeduzierung nicht umgesetzt. Für mich ist das eine organisierte Ungerechtigkeit. Das ist das Gegenteil von moderner Verkehrspolitik, wie wir es in dieser Sonntagsrede vom Minister gehört haben. Denn die Realität schaut anders aus. Kollegin Wirnsberger hat diesen Spagat wirklich sehr anschaulich beschrieben: Wir müssen gegen den Flächenfraß kämpfen, wir brauchen die Verkehrswände und ich weiß nicht, was noch alles. In Wirklichkeit läuft es aber dann darauf hinaus, dass wir genau das Gegenteil tun. Ich rede jetzt wirklich von der SPÖ, weil die in dieser Stadt dafür verantwortlich ist, dass sich hier auf allen Ebenen PolitikerInnen hinstellen und sagen: Wir wollen mehr Beton in die Felder von Wien und Niederösterreich bringen. Genau darauf läuft es ja hinaus. Es ist ja nichts anderes. Denn die stehen ja im Nichts. Schauen Sie sich einmal die Trasse an! Das sind alles landwirtschaftliche Flächen. Die Spekulanten haben sich auf den elf Kilometern entlang des oberirdischen Teiles der Lobauautobahn ohnehin schon eingekauft. Der "Standard" hat auch wunderbar dokumentiert, was sich bei der Spange abspielt. Da hat ein Mann beim Verkauf von landwirtschaftlichen Flächen, die er sehr billig gekauft hat, innerhalb von Minuten 19 Millionen EUR verdient. Das heißt, in Wien kann man durch das Zocken mit Agrarflächen derart viel Geld machen. Dass die SPÖ da mitspielt, finde ich einfach wirklich traurig. (Beifall bei den GRÜNEN. - GR Maximilian Krauss, MA: Mitverdient wahrscheinlich!) Machen wir uns doch nichts vor: Die Lobauautobahn hat doch schon lang nichts mehr mit Mobilität zu tun. Da wird doch nicht Mobilität gestaltet. Da geht es echt nur mehr darum, die Renditen zu sichern. Ich meine, ihr glaubt doch nicht, dass die Leute, die da ihre Investitionen den Bach hinunterschwimmen sehen, Ruhe geben werden. Die werden weiterhin beim Minister und beim Bürgermeister anklopfen. Die werden sicher nicht zulassen, dass sie um ihr Geld umfallen. (GR Leo Lugner: So ist es! - Heiterkeit bei der FPÖ.) - Ja, so ist es. Die Autobahnen schaden Wien. Das weiß hier jeder. Es sitzen ja keine dummen Leute herinnen. Ihr wisst es alle. Ich denke, ihr werdet einmal auch daran gemessen werden, warum ihr trotzdem mitmacht. Ich möchte jetzt noch ein Thema aufgreifen, weil auch das immer wiederholt wird: Der Nationalpark wird von dieser Autobahn nicht betroffen, das geht ja alles 70 Meter darunter. Also vor ein paar Tagen hat ein Wissenschaftler bei einer Konferenz folgenden Satz gesagt: Das ist so, als würden Pathologen feststellen, es wäre gar nichts passiert, weil bei einem Getöteten an der Oberfläche keine Schäden festzustellen sind. Genauso ist es. Deswegen könnt ihr euch dieses Argument auch gleich streichen. Wir GRÜNE werden bei diesem zerstörerischen Projekt nicht mitmachen. Wir werden das wie schon seit Jahrzehnten weiter bekämpfen. Ich habe auch einen Antrag eingebracht, der sich an die zuständigen Politikerinnen und Politiker wendet, die Lobauautobahn aus dem Bundesstraßengesetz 1971 zu streichen. Diese Abstimmung ist nicht einfach nur ein Antrag. Diese Abstimmung wird auch eine Haltung zeigen, nämlich auf welcher Seite Sie stehen: auf der Seite der Lobau oder auf der Seite des Tunnels. - Vielen Dank. (Beifall bei den GRÜNEN.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Zu Wort gemeldet ist GR Kreutzinger. Ich erteile es ihm. - Bitte. GR Thomas Kreutzinger (FPÖ): Sehr geehrter Herr Vorsitzender, sehr geehrte Damen und Herren! Wenn man den verkehrspolitischen Debatten hier zuhört, dann entsteht ein Bild, das mit der Realität der Bevölkerung kaum noch etwas zu tun hat. Da ist die Rede von Flächenfraß, von Ressourcenverschwendung und von Emissionen. Am Ende läuft alles auf einen hinaus: den Autofahrer. Denn worüber wird hier nicht gesprochen? - Über die massive Wertschöpfung, die rund um das Auto entsteht, vom Fahrzeughandel über Werkstätten, vom Transportgewerbe bis zur Bauwirtschaft, von Zulieferern bis zu Dienstleistern, und vor allem über unsere kleinen und mittleren Unternehmen, den KMU, die tagtäglich dafür sorgen, dass diese Stadt funktioniert. (Beifall bei der FPÖ.) Diese Betriebe sind auf das Auto angewiesen: der Installateur, der mehrere Einsätze am Tag hat, der Elektriker, der Material transportieren muss, die mobile Krankenschwester, die ihre Patienten versorgen muss, aber auch alle anderen, die auf das eigene Kfz angewiesen sind. Diese Menschen können nicht auf ideologische Experimente warten. Sie brauchen funktionierende Rahmenbedingungen. Was erleben diese Betriebe und Autofahrer in Wien? - Fahrstreifen werden reduziert, Parkplätze verschwinden, und Zufahrten werden erschwert. Gleichzeitig wird eine Verkehrspolitik betrieben, die sich immer stärker an einer kleinen, lauten Minderheit orientiert. Diese Radfahrerpolitik ist in vielen Bereichen realitätsfern und wirtschaftsfeindlich. (Beifall bei der FPÖ. - Zwischenruf von StR Peter Kraus, MSc.) Sie mag in einzelnen Grätzeln funktionieren, aber sie ersetzt keine funktionierende Gesamtinfrastruktur für eine Millionenstadt. Meine sehr geehrten Damen und Herren, wer ernsthaft glaubt, dass man eine wachsende Stadt wie Wien durch Einschränkung des Individualverkehrs steuern kann, der irrt gewaltig. (Beifall bei der FPÖ.) Denn die Realität ist: Der Verkehr verschwindet nicht, er verlagert sich. Stau wird nicht weniger, er wird mehr. Emissionen sinken nicht, sie steigen durch Stop and Go. Genau deshalb sind moderne Straßenbauprojekte kein Problem, sondern Teil der Lösung. Ein konkretes Beispiel ist der Lobautunnel. Dieses Projekt wird seit Jahren blockiert, verzögert und ideologisch bekämpft. Dabei ist seine Bedeutung klar: Entlastung des innerstädtischen Verkehrs, bessere Verbindung für den Wirtschaftsverkehr, Reduktion von Ausweichverkehr durch Wohngebiete und Stärkung des gesamten Standortes Wien. Wer den Lobautunnel verhindert, verhindert den Verkehr nicht. Er verlagert ihn mitten in die Stadt und belastet damit die Wiener Bevölkerung. (Beifall bei der FPÖ.) Das nächste Beispiel ist die Nordbrücke. Die Nordbrücke ist eine der wichtigsten Verbindungen über die Donau. Sie ist die letzte Donaubrücke in Wien. 2027 wird sie saniert, und es wird wieder über den Steinitzsteg umgeleitet, wie das auch schon 1996 der Fall war. Denn dafür wurde der Steinitzsteg gebaut: als Ersatzbrücke für den Autoverkehr und nicht für die Radfahrer. Wenn man die Nordbrücke saniert, dann hätte man sie auch gleich verbreitern können, um zusätzliche Fahrstreifen zu schaffen. Eine Verbreiterung hätte klare Vorteile: einen flüssigeren Verkehr über die Donau, weniger Stau in den Zufahrtsbereichen, eine bessere Erreichbarkeit für die Betriebe sowie Zeit- und Kostenersparnis für die Autofahrer. (Beifall bei der FPÖ.) Sehr geehrte Damen und Herren, die wirtschaftlichen Folgen dieser Politik sind längst spürbar. Die Lieferzeiten verlängern sich, die Kosten steigen, die Kunden werden schwerer erreichbar, und die Standorte verlieren an Attraktivität. Am Ende trifft es immer wieder die Gleichen: unsere KMU, unsere Handwerker, unsere Betriebe, diejenigen, die nicht ausweichen können und die täglich auf funktionierende Straßen angewiesen sind. Hören Sie endlich damit auf, den Autofahrer ständig zum Problem zu erklären! Der Autofahrer ist Steuerzahler, Leistungsträger, Unternehmer und Arbeitnehmer. Er hält diese Stadt am Laufen. Was bekommt er dafür? - Weniger Platz, mehr Hürden und mehr Einschränkungen. Das ist keine ausgewogene Politik. Das ist eine Politik gegen die eigene Bevölkerung. (Beifall bei der FPÖ.) Meine sehr geehrten Damen und Herren, ... Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl (unterbrechend): Herr Kollege, Entschuldigung. Ich verstehe, dass Sie (in Richtung Galerie) die Wortmeldung vielleicht unterstützen wollen, aber ich darf Sie bitten, nicht zu klatschen. Es ist bei uns hier im Haus nicht üblich, dass auf der Besuchergalerie geklatscht wird. - Entschuldigung, Kollege Kreutzinger. GR Thomas Kreutzinger (fortsetzend): Meine sehr geehrten Damen und Herren, wenn wir über Zukunft sprechen wollen, dann brauchen wir leistungsfähige Straßen statt künstliche Verknappung, Infrastrukturprojekte wie den Lobautunnel statt Dauerblockaden, die Erweiterung zentraler Verkehrsachsen und vor allem Respekt vor den Menschen, die täglich arbeiten und diese Stadt am Laufen halten. (Beifall bei der FPÖ.) Eine Stadt, die ihre Mobilität einschränkt, schränkt auch ihre Wirtschaft ein. Deshalb sage ich ja zur Straße, ja zum Auto und ja zu einer starken Wirtschaft und nein zu einer ideologischen Verkehrspolitik, die an der Realität vorbeigeht. (Beifall und Bravorufe bei der FPÖ.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Zu Wort gemeldet ist GRin Sucher. Ich erteile es ihr. - Bitte. GRin Cornelia Sucher, BA (SPÖ): Sehr geehrte Frau Stadträtin, sehr geehrter Herr Vorsitzender, liebe Kolleginnen und Kollegen, sehr geehrte Zuseherinnen und Zuseher! Die Debatte ist ja jetzt schon sehr weit fortgeschritten, aber ich muss an eine meiner Vorrednerinnen zu Beginn anschließen. Kollegin Olischar hat es heute schon gesagt. - Danke dafür. Du hast mir aus der Seele gesprochen. Liebe GRÜNE, ich habe eure Dringliche Anfrage gelesen. Ich habe mich ob der Dringlichkeit gefragt. Anscheinend gehen euch die Themen aus. Ich kann es mir nicht anders erklären. Denn wir haben das Thema mittlerweile durch alle politischen Instanzen, die wir haben - Bezirksvertretung, Gemeinderat, Landtag bis hin zum Nationalrat - auch schon sehr ausgiebig, wie ich glaube, durchdiskutiert. (GR Georg Prack, BA: ... Bauarbeiten, die gerade beginnen!) Ich weiß, ihr braucht eine neue Kampagne und deswegen kramt ihr das Thema jetzt wieder heraus. Aber wenn man immer wieder dasselbe sagt, dann hat man irgendwie am Schluss gar nichts mehr zu sagen. Das kommt mir bei euch wirklich schon so vor, dass ihr immer wieder dasselbe bringt. (GRin Christina Wirnsberger: Jetzt ist Baubeginn! - GR Georg Prack, BA: Mehr als 50 Prozent Ihrer Wähler sind dagegen ...) - Ich weiß, das schmerzt, mich hat es auch geschmerzt beim Lesen. (GR Georg Prack, BA: Geh bitte.) Ich muss auch sagen, auch die Ausführung der Dringlichen fand ich ein bisschen irritierend, weil ich finde es schon spannend, wie ihr versucht, die gesamte Klimapolitik der Stadt auf ein einziges Thema herunterzubrechen und ganz dramatische Bilder zu zeichnen mit - wie heißt es - Flächenfraß, Ressourcenverschwendung und Emissionen. (Zwischenruf bei den GRÜNEN: ... 800 Hektar ...) Das ist schön dramatisch, passt in Ihre Kampagne, das mag politisch vielleicht auch sehr bequem für euch sein, inhaltlich ist es aber leider trotzdem falsch. Ja, leider. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Ihr tut immer so, als wäre Klimapolitik eine einzelne Entscheidung, ein einziges Projekt und daran arbeitet ihr euch ab. (GR Georg Prack, BA: Sechs Milliarden!) Das sei euch auch unbenommen, aber diese einfache Gleichung, die ihr aufstellen wollt, nämlich Straße ist gleich böse und Nichtstun ist gleich gut, die wird sich auf Dauer leider nicht ausgehen. (Zwischenruf bei den GRÜNEN: ... wie viele Milliarden ... etwas anderes tun!) In Wirklichkeit trägt das alles nicht zur tatsächlichen Verbesserung der konkreten Lebensrealitäten von fast zwei Millionen Menschen in unserer Stadt bei. Und bis jetzt ... (GR Georg Prack, BA: Sechs Milliarden!) - Willkommen in meiner Rede. Es ist schön, dass Sie so lebhaft teilnehmen. (Heiterkeit bei den NEOS.) Es ist zwar kein Gruppenreferat, aber ich freue mich trotzdem über Ihre Teilnahme. Ich kann Ihnen nur sagen, bis dato fehlt mir jede politisch relevante und auch umsetzbare Alternative von Ihnen zu den vorliegenden Projekten. (StR Peter Kraus, MSc: Ich drucke euch die Alternativen für ... auf Papier aus! - GR Mag. Josef Taucher: Was ist die Alternative? Nix?) Auch die Frau Gewessler ist noch sämtliche Alternativen, die sie versprochen hat, schuldig. Ich habe da nie wieder etwas gehört. Also das ist schon sehr spannend. Es ist immer alles nur schlecht und pfui, aber irgendwelche Alternativen, die sich umsetzen lassen, gibt es leider keine. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Ich muss schon sagen, Klimapolitik in Wien ist ganz klar ein Bündel an Maßnahmen, die ineinandergreifen. Das muss Ihnen doch wohl klar sein. Wir sprechen immerhin von einer der lebenswertesten Städte der Welt, von einer Stadt, in der jeden Tag Menschen in die Arbeit fahren, Kinder in die Schule gehen, Unternehmen produzieren und wo auch Wohnungen gebaut und gebraucht werden. Im Übrigen entscheidet sich dann auch genau dort, ob Klimapolitik funktioniert - im Alltag der Menschen. Die Zahlen zeigen, die Menschen leben gerne bei uns in der Stadt, die Stadt wächst. Die Antwort der GRÜNEN auf dieses Wachstum ist immer nur ein reflexartiges Nein. (StR Peter Kraus, MSc: Das stimmt überhaupt nicht.) Nein zu Projekten, nein zur Infrastruktur, nein zu Entwicklungen. Ich sage, unsere Antwort muss einfach eine bessere sein. Wir geben die besseren Antworten, die bessere Verkehrsinfrastruktur, die bessere Stadtplanung, die bessere Klimapolitik. Das Wachstum unserer Stadt lässt sich nicht wegdiskutieren, aber man kann es aktiv gestalten, und das tun wir auch. (GRin Mag. Heidemarie Sequenz: Ja, mit Beton aus den 70er Jahren! Mit Beton aus den 70er Jahren!) Das tun wir auch. Bitte, liebe Heidi, schauen wir gerne hinaus vor die Tore des Wiener Rathauses. Dort tun sich große Löcher im Boden auf, die haben wir nicht ausgehoben, weil wir die Tulpenzwiebel für die nächste Saison pflanzen, sondern weil dort eines der (Zwischenruf von GR Georg Prack, BA.) größten Klimaschutzprojekte dieser Stadt entsteht, ein Zukunftsprojekt der Wiener Linien. (Zwischenruf von GR Georg Prack, BA.) Der Ausbau der Wiener Linien, der Ausbau der U2/U5 passiert da (StR Peter Kraus, MSc: Die U-Bahn, die ihr gerade verschoben habt!), und das ist, wenn man so will, das Wort ist heute schon gefallen, in Beton gegossene Klimapolitik, meine lieben GRÜNEN! (Beifall bei SPÖ und NEOS. - StR Peter Kraus, MSc: Das ist ein sehr schönes Wort! Haben wir das eh drin?) Stichwort Mobilität, weil auch die zuständige StRin Ulli Sima da ist - das sechste Jahr in Folge nimmt die Radwegoffensive Fahrt auf. (StR Peter Kraus, MSc: Dank an die GRÜNEN!) Man muss auch sagen, danke liebe Frau Stadträtin. Diese Radwegoffensive hat überhaupt erst Fahrt aufgenommen, seit das Ressort zu ihr gewechselt ist. (Zwischenrufe bei den GRÜNEN.) Unter der grünen Stadträtin weiß ich nicht, dass da viel passiert ist. (GR Mag. Josef Taucher: Das waren nicht die GRÜNEN, das waren die Roten!) Ich kann mich leider nicht erinnern. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Ich weiß es schmerzt. (StR Peter Kraus, MSc: Nichts schmerzt hier.) Ich bin selbst in einem Außenbezirk zu Hause, und ich kann sagen, endlich hat sich auch dort einiges getan, was die Radwegoffensive betrifft. Endlich können auch in meinem Bezirk die Menschen zwischen verschiedenen Mobilitätsangeboten wählen. Das ist wichtig in unserer Stadt, denn nur so kann es funktionieren. (StR Peter Kraus, MSc: Ja warum hat ...) Spannend - das möchte ich Ihnen schon auch noch sagen - ist auch das Abstimmungsverhalten zu diesen Radwegen. Auch das hat die Kollegin Olischar heute schon gesagt. Ganz viele der Projekte sind von den GRÜNEN mit einem Nein quittiert worden. Die selbsternannte Klimaschutzpartei sagt nein zu Radwegen. Das finde ich spannend, ich lasse das jetzt einmal so stehen. Stichwort Boden - ihr sprecht von Versiegelung und Flächenfraß. (StR Peter Kraus, MSc: Ja warum hast ...) Ich sage, wir schaffen die Naturschutzareale der Zukunft. Schauen wir einmal kurz in die Donaustadt, zum Verschiebebahnhof Breitenlee, ein Mosaik aus ganz vielen verschiedenen schützenswerten Lebensräumen. Wir schützen dort eine Fläche, die fast so groß ist wie die Josefstadt, ja, fast so groß wie die Josefstadt! (StR Peter Kraus, MSc: Die Versiegelung der S1-Spange ist Mariahilf.) Die haben wir jetzt ausgewiesen als ein Natura-2000- Gebiet. In welcher Stadt gibt es das? (Zwischenruf von StR Peter Kraus, MSc.) So, das ist ganz klar Klimapolitik. Auch ... (Zwischenruf von StR Peter Kraus, MSc.) - Genau, auch kleine Initiativen (Zwischenruf bei den GRÜNEN.) in einem dicht verbauten ... Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl (unterbrechend): Entschuldige bitte kurz. Die Kollegin Sucher spricht jetzt sieben Minuten, und sie hat sieben Minuten Zwischenrufe. Ich finde das eigentlich von euch GRÜNEN sehr ungebührlich, möchte ich sagen. (Beifall bei SPÖ und NEOS. - GR Mag. Dietbert Kowarik: Wo steht das? ... Gesetze erfinden, Herr Vorsitzender ...) GRin Cornelia Sucher, BA (fortsetzend): Danke schön. Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl (unterbrechend): Ich sage das jetzt einmal so. Es war auch bei anderen Rednern so. Ich toleriere eh viel, aber jetzt ist es aus. Herr Klubobmann, du bist heute sehr gerne beim Rufen. Wenn ihr eine Wortmeldung habt, dann bitte meldet euch zu Wort. Bitte fortzufahren. GRin Cornelia Sucher, BA (fortsetzend): Worauf ich hinauswill, ist, dass wir auch in dichter bebauten Gebieten darauf schauen, dass die grüne Lunge unserer Stadt weiterwächst, zum Beispiel mit dem Wiener Wäldchen oder auch jetzt neu mit dem Wiener Straucherl. Das zeigt, dass bei uns auch Klimaschutz keine billige Polemik ist. Ich glaube - auch das ist heute schon gefallen -, wir haben das ganz klar letztes Jahr bewiesen, als wir hier in diesem Saal Geschichte geschrieben haben. Wir haben hier als erstes österreichisches Bundesland ein eigenes Klimaschutzgesetz verabschiedet. Ein Gesetz, das sicherstellt, dass die städtische Klimapolitik über die Legislaturperiode hinaus wirken kann. Auch da muss ich fragen, und es ist jetzt fast schon eine Fangfrage, aber ich stelle sie trotzdem: Was glaubt ihr, hat die GRÜNE-Fraktion zu diesem Klimaschutzgesetz gesagt? - Nein. Da ist es schon wirklich spannend, dass man sich selbst permanent als Klimaschutzpartei hervortut und dann, wenn es darauf ankommt, immer nur ablehnt. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Das kann sich nicht ausgehen. Das geht sich auf keinem Papier für mich aus. Wien ist Gott sei Dank nicht nur eine Klimastadt, wir sind auch der Wirtschaftsmotor Österreichs. Auch das wird oft von der grünen Fraktion ausgeblendet. Unsere Stadt sichert hunderttausende Arbeitsplätze, sie zieht Unternehmen an, und wir investieren ganz klar in die Zukunftsbranchen. Genau das ist kein Widerspruch zum Klimaschutz, sondern das ist vielmehr eine Voraussetzung für funktionierenden Klimaschutz. Wer glaubt, dass Klimaschutz und Klimapolitik ohne wirtschaftliche Stärke funktionieren, der irrt sich gewaltig. Deswegen investieren wir in Verkehrsinfrastruktur, wir bieten Planungssicherheit und stärken unseren Standort ganz aktiv. Ohne eine soziale Realität funktioniert Klimaschutz nicht. Das muss ich euch schon mit auf den Weg geben. Wenn das Leben für die Menschen in unserer Stadt nicht funktioniert, wird die Klimapolitik scheitern. Das zu erkennen, ist politische Verantwortung, die wir hier tragen. Das ist ganz klar. Eure Ablehnungspolitik (in Richtung der GRÜNEN) macht in meinen Augen noch ganz lange keine Klimapolitik. Aber es bleibt euch eh unbenommen, seid weiterhin dagegen, das ist ja in Ordnung. Aber in Wirklichkeit bedeutet es einen Rückschritt für unsere Stadt. Wenn wir nämlich die S1-Nordostumfahrung nicht bauen, bauen wir in der Seestadt zum Beispiel den leistbaren Wohnraum nicht weiter aus, die klimafitte Stadtplanung und Stadtentwicklung kommt ins Stocken. Und das kann doch nicht in unserem Sinn sein. Wir haben unsere Hausaufgaben auf dem Gebiet gemacht, und wir werden diese konsequente klimafitte und sozial gerechte Stadtplanung fortsetzen. Das kann ich versprechen. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Klimaschutz ist für uns eben nicht nur das polemische Widerkäuen ein und desselben Themas, sondern Klimaschutz ist für uns eine Politik, die alle mitdenkt, für eine Stadt, die für alle funktioniert. Das ist nicht unwesentlich, weil am Ende nicht entscheiden wird, wer am lautesten und öftesten zu allem immer nein sagt, sondern in Wirklichkeit wer die Stadt voranbringt. Ich kann sagen, wir werden die Stadt voranbringen, Wien schafft Zukunft. Jetzt darf ich mir zum Schluss noch eine Spitze erlauben, weil das auch immer wieder gekommen ist: Lobau bleibt - ja eh. - Danke schön. (Anhaltender Beifall bei SPÖ und NEOS. - Heiterkeit bei den GRÜNEN.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Zu Wort gemeldet ist GR Kilian Stark, und ich erteile es ihm. - Bitte, Herr Gemeinderat, Sie sind am Wort. GR Kilian Stark (GRÜNE): Danke schön für den Auftrittsapplaus. Uns wurde heute öfters schon die Frage gestellt, warum wir das schon wieder diskutieren. Ich glaube, die Dringlichkeit ist ganz klar. Die Dringlichkeit ergibt sich daraus, dass das ein Projekt ist, von dem das vitale Interesse der Wienerinnen und Wiener ist, dass es nicht gebaut wird und bei dem Sie mit Ihrem Betonminister Hanke jetzt den Baustart eingeleitet haben. Und das gilt es zu verhindern. (Beifall bei den GRÜNEN. - GR Petr Baxant, BA: Woher wollen Sie wissen ...) Während Sie 6 Milliarden EUR - 6 Milliarden EUR - in Beton auf Feldern und durch ein Naturschutzgebiet investieren wollen, versuchen wir alles zu tun, um Schadensbegrenzung zu betreiben, liebe Sozialdemokratie. (Beifall bei den GRÜNEN. - Zwischenruf von GR Petr Baxant, BA.) Es ist schon sehr auffällig, dass jedes Mal, wenn wir hier die Lobauautobahn auf die Agenda setzen, die Sozialdemokratie über alles redet, nur nicht über dieses Projekt, das sie ja eigentlich so gerne hätte. Da wird über alle möglichen Dinge gesprochen - über Renaturierung irgendwo in Breitenlee, über ein Klimagesetz, das nicht einmal für zehn Bauprojekte im Jahr gilt, dann wird diskutiert über irgendwelche Radwege, die man auf ehemaligen Fußwegen gemacht hat und so weiter. Sie reden über alles, nur nicht über die Lobauautobahn, weil Sie eines genau wissen: dass dieses Projekt nicht verteidigbar ist! (Beifall bei den GRÜNEN. - GR Petr Baxant, BA: Ihr habt es mitentwickelt! - GR Mag. Marcus Schober: Ihr habt es mitentwickelt! - GR Petr Baxant BA: ... historische Verantwortlichkeiten!) Ich hoffe, dass die Redenschreiber und -schreiberinnen vom Herrn Bürgermeister zuhören, weil ich etwas jetzt wirklich leid bin, nämlich hier jedes Mal die Fakten zurechtzurücken und der gewünschten Realität die echte Realität gegenüberzustellen. (GR Petr Baxant, BA: Genau, und du hast die Fakten.) - Ich trete hier für einen ordentlichen Parlamentarismus ein. Mir ist das sehr wichtig und auch die parlamentarischen Mittel sind mir sehr wichtig. Wenn man eine parlamentarische Anfrage stellt, dann erwarte ich mir von einem Bürgermeister einer demokratischen Partei, wie ich die Sozialdemokratie nenne, dass wir korrekte Antworten kriegen und dass nicht immer die Realität schöngeredet wird. (Beifall bei den GRÜNEN.) Es ist schon sehr auffällig, dass hier manche Fragen nicht beantwortet werden, und dass dafür andere Fragen, die nicht gestellt wurden, beantwortet werden. Mir ist schon klar, dass der Herr Bürgermeister lieber über etwas redet, was er sich wünscht, als über etwas, was passiert. Gefragt war, wie viel Geld die Stadt Wien in die Stadtautobahn, in die Stadtstraße, investiert. - Keine Antwort hier im Haus der Wienerinnen und Wiener. Nicht beantwortet wird, wie viel hunderte Millionen die Stadt Wien in den Bau einer einzigen Stadtautobahn investiert. (GR Petr Baxant, BA: Das wisst ihr ... Vassilakou selbst beschlossen. Der Bundesminister hat gesagt ...) Dafür wird behauptet, dass die Stadt Wien in der letzten Legislaturperiode 100 Kilometer Radwege gebaut hat. Ich muss Sie leider korrigieren: Sie haben nicht einmal die Hälfte davon zu Stande gebracht! (Beifall bei den GRÜNEN. - GR Petr Baxant, BA: Die Vassilakou hat das ... und ihr wisst es auch.) Behauptet wird, dass 25 Prozent der Wege der Wienerinnen und Wiener im Umweltverbund zurückgelegt werden. (GR Mag. Josef Taucher: 75! 75!) Das ist auch nicht richtig. Warum? - Die Stadt Wien rechnet sich ihre Verkehrsmittelwahl schön, weil sie nämlich bei den Wegen, die über die Stadtgrenze gehen, einfach die Augen zu macht. Aber worum geht es bei der Lobauautobahn? - Da geht es genau darum, dass wir uns den Verkehr in die Stadt hineinziehen und nicht darum, dass man sich die Realität schönredet! (Beifall bei den GRÜNEN.) Dann gibt es auch die Frage, wie sich der Bau dieser Autobahn auf die Klimaziele und auf die Ziele, die man sich im Stadtentwicklungsplan gesetzt hat, auswirkt. Da wird behauptet, es hat überhaupt keine Auswirkungen. Ich darf Sie daran erinnern, dass wir uns hier gemeinsam in diesem Haus das Ziel gesetzt haben, den einpendelnden Verkehr zu halbieren. - Den Autoverkehr, der über die Stadtgrenze hereinkommt, zu halbieren! Da frage ich Sie, was glauben Sie, wird mit dem einpendelnden Verkehr passieren, wenn man eine Autobahn baut, die in einer Stadtentwicklungsanalyse die Speckgürtelvariante genannt wird? (GR Mag. Marcus Schober: Warum ist es eine Speckgürtelvariante ...?) Glauben Sie, dass der weniger wird, oder glauben Sie, dass dieser Speckgürtel auch mit dem Auto nach Wien hereinfahren wird und unsere Bilanz dadurch einfach massiv belasten wird? (Beifall bei den GRÜNEN.) Und um auch gegenüber den Freunden Putins Österreich, der FPÖ, die Realität ein bisschen zurechtzurücken: Auch wenn der Herr Bürgermeister die Frage nicht beantworten möchte, wie viel die Wienerinnen und Wiener der Bau der Stadtautobahn kosten wird ... (GR Petr Baxant, BA: Frag die Vassilakou, die weiß das.) Wir haben hier im Haus schon 460 Millionen EUR beschlossen. 460 Millionen EUR haben wir schon beschlossen. Wir gehen davon aus, dass es mindestens noch 150 Millionen mehr kosten wird. Aber das ist ganz egal. Alleine diese 460 Millionen EUR, die die SPÖ in den Bau einer einzigen Straße investiert, ist mehr Geld als Wien jemals, seit es Wien gibt, in den Bau von Radwegen investiert hat! (GR Anton Mahdalik: Da wart ihr nicht dabei?) Eine einzige Straße, alle Radwege jemals in Wien - das sind die Dimensionen, von denen wir reden, und das ist auch der Grund, warum wir eine Dringlichkeit sehen. Das Geld ist nur einmal da, liebe SPÖ! (Beifall bei den GRÜNEN.) Ich würde ja ganz gerne sehen, wenn es Spatenstiche in dieser Stadt gibt für einen Bildungscampus, für eine neue integrative Schule im 11. Bezirk oder für eine Schulerweiterung im 5. Bezirk. (GRin Dipl.-Ing. Selma Arapovic: Wie die FPÖ! Das ist das eine gegen das andere ausspielen. Gratuliere!) Aber diese Schulen haben Sie abgesagt. Während Sie für die Kinder in Wien die Schulausbauten absagen, wollen sie 6 Milliarden EUR ins Naturschutzgebiet betonieren. (GRin Dipl.-Ing. Selma Arapovic: Das eine gegen das andere, genau! - Zwischenruf von GR Dipl.- Ing. Dr. Stefan Gara.) - Ja, ich geben Ihnen recht, liebe NEOS. Das ist genau das, lieber Kollege Gara, was wir auch wollen. Nehmen wir bitte das Geld, das derzeit für den Autobahnbau reserviert ist und geben es für sinnvolle Zukunftsalternativen aus. (Beifall bei den GRÜNEN. - GRin Dipl.-Ing. Selma Arapovic: Wirklich, so tief.) Dann möchte ich nur eines noch zu meiner Vorrednerin, Kollegin Sucher von der SPÖ, sagen. Die Lobauautobahn ist gerade beim EuGH, beim Europäischen Gerichtshof. Warum? - Weil damals unter Schwarz-Blau gemeinsam mit dem Bürgermeister Häupl diese Variante beschlossen wurde. (GR Mag. Dietbert Kowarik: Wer war da Vizebürgermeisterin?) Unter Schwarz-Blau hat man es nicht für notwendig empfunden, eine Umweltprüfung, eine strategische Prüfung Verkehr zu machen. Das ist aber EU-recht-mäßig notwendig. Unsere Ministerin hat begonnen, diese Prüfung nachzuholen. Dafür gibt es einen Umweltbericht, und da gibt es eine Alternativen-Prüfung. Da sieht man ganz eindeutig: entweder Milliarden in die Autobahn oder 400 Millionen in die Alternativen. (Zwischenruf bei der SPÖ.) Was die Alternativen sind, steht da auch ganz genau drin. Da wird von Öffi-Ausbau geredet, da wird vom Ausbau der Radwege geredet, und da wird auch von der Reduktion von Autoverkehr geredet. (Zwischenrufe bei der SPÖ.) Das ist die Alternative zu dem Mehr an Autoverkehr, den Sie mit der Lobauautobahn nach Wien bringen wollen. (Beifall bei den GRÜNEN. - Zwischenruf bei der FPÖ.) Also ich verstehe schon, dass Sie lieber über die Dinge reden, die Sie gut finden oder die die Wienerinnen und Wiener gut finden, wenig Versiegelung, Radwege und so weiter. Aber wir müssen leider Gottes auch über das reden, über das Sie nicht so gerne reden, und wir müssen auch die Fragen beantworten, die der Bürgermeister nicht beantworten möchte, und auch über die Milliarden, die einfach den Bach hinuntergehen. Wir haben jetzt eine Dringliche Debatte. Sie sprechen immer wieder davon, dass diese Autobahn schon seit Jahrzehnten diskutiert, beschlossen und geprüft wird und dass es da eine Umweltverträglichkeitsprüfung gibt. Ich möchte Sie aber daran erinnern, warum der Wohnbau da mit dem Autobahnbau verknüpft ist. Es wird immer wieder behauptet, das Gericht hätte uns gesagt, wir müssen eine Autobahn bauen, bevor wir den Wohnbau bauen dürfen. Wissen Sie, was die Wahrheit ist? - Die Wahrheit ist, dass man diese Projekte gemeinsam eingereicht hat, und dann hat das Gericht gesagt, Sie dürfen diese bauen. Aber niemand hat die Stadt Wien und die Bauträger und die Gesellschaften der Stadt Wien gezwungen, das gemeinsam einzureichen! Das haben ganz alleine Sie zu verantworten. Seit Jahren reden wir uns den Mund fusselig, man kann diese Verkettung auch lösen! Man kann die Ketten sprengen! (Beifall bei den GRÜNEN. - GRin Dipl.-Ing. Selma Arapovic: Was war die Einreichung?) Dann sagt die Planungsstadträtin: Nein, das geht nicht. Das Gericht hat uns das vorgeschrieben, dass wir das machen müssen. Wir sagen nein, trennt doch den Wohnbau vom Autobahnbau. Still und heimlich passiert einige Jahre später genau das. Plötzlich reichen die Bauträger eine Änderung der Umweltverträglichkeitsprüfung, des Bescheides ein, sagen: Vielleicht können wir jetzt doch einen Teil des Wohnbaues ohne Autobahn bauen. Und oh Wunder - Wohnungen ohne Autobahn sind eine geringere Umweltbelastung als Wohnungen mit Autobahn, deswegen ist es auch umweltverträglich, deshalb können Sie jetzt Wohnungen bauen, und deshalb werden jetzt Wohnungen gebaut. Das ist mit dem Rest der Wohnungen im Nordosten Wiens auch möglich! (Beifall bei den GRÜNEN.) Und wenn der Bürgermeister hier die Krokodilstränen verdrückt und sagt, na, wir haben einen solchen Schaden, weil die Umweltschutzministerin nicht die Autobahn gebaut hat, sonst hätten wir ja schon längst die Wohnungen. - Wir hätten diese Wohnungen schon längst, wenn Sie sie nicht an den Autobahnbau geknüpft hätten oder wenn Sie auf uns gehört hätten und sie viel früher vom Autobahnbau gelöst hätten! Diese Verzögerungen haben einzig und allein Sie zu verantworten und nicht eine Umweltschutzministerin, die ihren Job macht, nämlich die Umwelt für unsere Kinder und Enkelkinder zu schützen. (Beifall bei den GRÜNEN. - GR Mag. Josef Taucher: Danke für die Aufklärung. - Zwischenruf bei der FPÖ.) Was mir auch auffällt in dieser Debatte: Ja, sie wird seit Jahren geführt, aber wir müssen uns auch an die neuen Gegebenheiten anpassen. Das wurde heute auch schon gesagt. Dann wundert es mich schon, wenn hier der Bürgermeister einfach von alten Annahmen ausgeht, wie im Übrigen natürlich auch die ASFINAG es getan hat. 2005, vor über 20 Jahren - so alt sind die ganzen Unterlagen schon - ist die ASFINAG nämlich davon ausgegangen, dass viel mehr Leute mit dem Auto fahren. Warum tun sie das nicht, obwohl Wien, wir haben es heute schon gehört, um zigtausende Menschen gewachsen ist in der Zwischenzeit? Warum tun sie das nicht? - Weil progressive Verkehrspolitik in Wien unter Rot-Grün und auch im Bund unter der Klimaschutzministerin Gewessler gewirkt haben! (Beifall bei den GRÜNEN.) Heute haben wir langsam, langsam immer weniger Autoverkehr auf der Tangente als überhaupt prognostiziert. Während der Bürgermeister noch von knapp 200 000 Fahrten redet, liegen wir 2025 tatsächlich bereits nur noch bei 186 000 Autos - es ist immer noch ein Wahnsinn -, aber das sind heute schon weniger Fahrten, als die ASFINAG prognostiziert für Ihre große Entlastung der Tangente. Die ASFINAG sagt, mit der Lobauautobahn würden mehr Autos auf der Tangente fahren, als es heute der Fall ist, sehr geehrte Damen und Herren. (Beifall bei den GRÜNEN.) Das heißt, zum Glück hat sich das Verkehrsverhalten der Menschen verändert, haben wir Radwege ausgebaut, haben wir den öffentlichen Verkehr ausgebaut, gab es eine 365-EUR-Jahreskarte, gibt es ein Klimaticket. All diese Maßnahmen haben dazu geführt, dass weniger Menschen mit dem Auto und mehr mit dem öffentlichen Verkehr und mit dem Rad fahren und auch mehr Leute zu Fuß gehen. Deswegen brauchen wir diese überdimensionierten Autobahnen nicht. (GR Mag. Josef Taucher: ... Arlbergtunnel, Koralmtunnel ...) Ich sehe das ja anders als die Kollegin der ÖVP, die gesagt hat, na, die Leute brauchen nicht nur Luft und Liebe, sondern die brauchen auch die Autobahn. Nein, die brauchen sehr viel anderes. Die brauchen Arbeitsplätze (Zwischenruf von GR Wolfgang Irschik.), die brauchen Plätze, wo sie sich abkühlen können, dir brauchen Felder, von denen sie ihr Essen bekommen. (Zwischenruf von GRin Mag. Stefanie Vasold.) All das zerstört die Lobauautobahn. Deshalb ist es von vitalem Interesse für die Wienerinnen und Wiener, für unsere Kinder und Enkelkinder, dass diese nicht gebaut wird. Ein Letztes: Ja, auch der Klimarat der Stadt Wien hat zweifelsfrei festgestellt, die Lobauautobahn, die Stadtstraße und die Spange sind unvereinbar mit den Klimazielen der Stadt Wien. Ihre eigenen Untersuchungen sagen das ja auch. Die sagen, die Lobauautobahn verursacht mehr Verkehr, und wir müssen Kompensationsmaßnahmen auslösen, nur um gleich zu bleiben. Wir wollen aber immer weniger CO2 und deshalb ist es wichtig, dass diese Autobahn nicht gebaut wird, dass die Milliarden in soziale Infrastruktur, in umweltfreundliche Alternativen und in den Klimaschutz investiert werden und nicht in die Vergangenheit. (GR Mag. Josef Taucher: ... nicht verstanden, dass das Geld ...) Deshalb ist das weiterhin dringlich. Wir haben noch ein Jahr Zeit, diesen Bau zu verhindern, und da werden wir nicht lockerlassen. Denn wenn man uns fragt: Lobau oder Tunnel, ist für uns die Antwort: Lobau. Ich hoffe, für die Wienerinnen und Wiener auch. (Beifall bei den GRÜNEN.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Zu Wort ist niemand mehr gemeldet, die Debatte über die Beantwortung der Dringlichen Anfrage ist somit beendet. Es liegt ein Antrag der GRÜNEN vor, Lobauautobahn aus dem Bundesstraßengesetz streichen. Wer dem zustimmt, bitte um ein Zeichen mit der Hand. - Die Zustimmung erfolgt bei den GRÜNEN gegen alle anderen Parteien und ist damit abgelehnt. Wir kommen zurück zur Tagesordnung. Es gelangt nunmehr die Fortsetzung von Postnummer 16 zur Verhandlung, eine Sachkreditgenehmigung für das Stadterweiterungsgebiet 22.008.02 in Wien 22, Oberes Hausfeld Bauteil 2, Straßenbau und Nebenarbeiten. Ich darf die Berichterstatterin, Frau GRin Sucher, bitte, die Verhandlungen fortzusetzen. Kollegin Arapovic, bist du fertig mit deiner Wortmeldung? - Danke. Damit ist als Nächster wieder GR Kilian Stark am Wort. - Bitte schön. (GR Dipl.-Ing. Omar Al-Rawi: Jetzt hast du alles schon verschossen! - Heiterkeit bei der SPÖ und bei GR Kilian Stark.) GR Kilian Stark (GRÜNE): Ich habe es mir so nicht ausgesucht. - Ja, wir kommen zurück, der Herr Vorsitzende hat es schon gesagt, zum Oberen Hausfeld, Stadtentwicklungsgebiet, Stadterweiterungsgebiet, Straßenbau und Nebenarbeiten. Wir werden diesem Poststück auch zustimmen, weil das aus unserer Sicht ein zukunftsträchtiges Stadterweiterungsgebiet ist, unter anderem wird da bei den Ausbauten darauf geachtet, dass es gute und kurze Fußwege gibt, und darauf möchte ich gleich zu sprechen kommen. Sehr geehrte Damen und Herren, auch wenn wir jetzt über Milliarden für Beton und Autobahnen gesprochen haben, ist heute nämlich eigentlich der Tag des Zu-Fuß-Gehens. Und ich finde es sehr positiv, dass die Stadt Wien und viele Initiativen und zivilgesellschaftlichen Organisationen heute viele Aktionen machen und dass die Stadt Wien auch einige öffentlichkeitswirksame Aktionen macht, um das Zu-Fuß-Gehen zu promoten. Das finde ich durchaus positiv. Was man allerdings sagen muss, ist, dass man, aus unserer Sicht, über das Z-Fuß-Gehen nicht nur reden und es bewerben sollte, sondern, dass man auch Maßnahmen setzen muss. Warum? - Wenn man sich die Zahlen der letzten Jahre anschaut, dann zeigt sich nämlich leider Gottes ein dramatischer Befund: dass die letzten Jahre über der Anteil des Zu-Fuß-Gehens in Wien immer weiter sinkt. Hatten wir 2022 noch 35 Prozent, also über ein Drittel, waren es ein Jahr später nur noch 32 Prozent und im letzten verfügbaren Jahr, 2024, nur noch 30 Prozent. Also der Anteil des Zu-Fuß-Gehens sinkt immer weiter und weiter. Aus unserer Sicht hat das einen ganz klaren Grund: dass einfach die Maßnahmen und die Infrastrukturprojekte fehlen. Wenn man sich anschaut, wie es in den großen Geschäftsstraßen der Stadt ausschaut, haben wir einfach eine große Umsetzungslücke. Es gibt zwar viel PR und Beteiligung, aber am Ende passiert wenig. Schauen wir uns drei Beispiele an: Wallensteinstraße, Gumpendorfer Straße, Landstraßer Hauptstraße - drei wichtige, in ihren jeweiligen Bezirken ganz zentrale Geschäftsstraßen. Die Gumpendorfer Straße geht mitten durch den 6., die Wallensteinstraße mitten durch den 20. und die Landstraßer Hauptstraße, nomen est omen, mitten durch den 3. Bezirk. Was haben alle drei Straßen noch gemeinsam? - Bei allen drei Straßen haben Sie vor der Wahl versprochen, dass Sie sie umgestalten. Was haben alle drei Straßen noch gemeinsam? - Bei allen drei Straßen machen Sie es nicht. (GR Mag. Marcus Schober: Die Landstraßer Hauptstraße wird gerade umgebaut.) Was es überall gegeben hat, waren Beteiligungen. Die Landstraßer Hauptstraße war überhaupt das Projekt in Wien, bei dem die allermeisten Menschen jemals in Wien mitgemacht haben. Aber auch in der Gumpendorfer Straße gab es Beteiligungsformate, in der Wallensteinstraße haben wir die Menschen eingeladen, in die Bezirksvorstehung zu kommen, haben Hausbesuche gemacht und so weiter. Die Wünsche sind in Wirklichkeit überall die gleichen. Was wollen die Menschen? - Sie wollen mehr Platz zum Gehen, mehr Platz zum Radfahren, Begrünung, Aufenthaltsqualität und Verkehrsberuhigung. Stattdessen bleiben alle drei Straßen weiterhin vom Autoverkehr dominiert, und das ist auch der Grund, warum immer weniger Leute in Wien zu Fuß gehen. Deshalb fordern wir heute endlich einen Zeitplan ein für alle diese drei Straßen. In der Wallensteinstraße haben Sie es schon offiziell abgesagt, bei der Gumpendorfer Straße haben Sie es auf die lange Bank geschoben und in der Landstraßer Hauptstraße haben wir bis heute keinen Zeitplan für die Umsetzung der Begegnungszonen. Diesen fordern wir heute ein, damit zu Fuß gehen in Wien endlich wieder attraktiver wird. (Beifall bei den GRÜNEN.) Was brauchen Fußgängerinnen und Fußgänger noch außer Begegnungszonen? Was könnte man noch machen? - Man kann zum Beispiel Platz umverteilen. Und eine ganz zentrale Maßnahme dafür ist natürlich die Parkraumbewirtschaftung, die dafür sorgen soll, dass weniger Autos auf der Straße und mehr zum Beispiel in Garagen wohnen und wir die Straße für Bäume, für Aufenthalt und so weiter haben. (Zwischenruf bei der FPÖ: Das kostet alles Geld.) Was dieses Jahr natürlich noch passiert ist, ist, Sie haben die Wiener Jahreskarte um über 100 EUR verteuert. Jetzt fand ich sehr positiv, dass es aus Ihrer Partei einen Vorschlag gibt, wie man das alternativ machen könnte. Diese Sektion 8 hat nämlich einen recht progressiven Vorschlag gemacht, den wir uns auch angeschaut haben. Wir würden ein bisschen etwas tweaken, aber das geht absolut in die richtige Richtung. Was schlagen die nämlich vor? - Ein Jahr parken auf den Straßen Wiens darf nicht billiger sein als ein Jahr mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren, weil das eine der Allgemeinheit den Platz wegnimmt und das andere gut für uns ist. Deshalb haben sie gesagt, machen wir das doch gemeinsam. So viel wie die Jahreskarte kostet, soll auch das Parken in Wien kosten. Das Schöne daran ist: Damit würde man ungefähr so viel Geld einnehmen, wie Sie durch die Verteuerung der Jahreskarte eingenommen haben. Das heißt, man könnte die Jahreskarte auf 365 EUR belassen und hätte noch einen positiven Effekt. (GR Mag. Marcus Schober: Wie kommen Sie ...?) Es würden mehr Leute mit dem öffentlichen Verkehr fahren und mehr Leute das Auto stehen lassen. Diesen Vorschlag unterstützen wir. Ich habe gehört, Sie haben das auf Ihrem Parteitag diskutiert. Ich glaube, die NEOS hätten nicht unbedingt etwas dagegen, die Jahreskarte billiger zu machen und dafür ein bisschen mehr fürs Parken zu verlangen. Also es liegt an Ihnen. Nehmen Sie sich doch diese progressiven Vorschläge aus der eigenen Partei zu Herzen und machen wir das Öffi-Fahren in Wien wieder für 1 EUR pro Tag und Parken dann auch für 1 EUR pro Tag. Das wäre ein wirklich gutes Angebot für die Wienerinnen und Wiener und auch für die Klimaschutzpolitik in Wien. (Beifall bei den GRÜNEN.) Damit komme ich zum dritten Punkt, den auch meine Vorrednerin vor etlichen Stunden kurz vor 16 Uhr angesprochen hat, nämlich die Wiener Ringstraße. Sie haben selber gesagt, Sie machen jetzt, was Sie sich vor sechs Jahren vorgenommen haben. Aber das muss man eigentlich korrigieren: Sie machen das jetzt nicht, das wissen ja viele Wienerinnen und Wiener nicht, die glauben, Sie gestalten jetzt die ganze Straße um. Wahr ist allerdings, dass wir heute leider Gottes keinen Umsetzungsakt auf der Tagesordnung haben. Dieser Beschluss, den wir heute vielleicht treffen oder nicht treffen, der verändert nichts, das ist reine PR. Uns liegt bis heute kein Umsetzungsakt vor. Dem Planungsausschuss, dem Mobilitätsausschuss liegt bis heute kein Plan vor. Es ist reine PR. Bis jetzt ist nichts passiert. Weiters muss man wissen, Sie nennen das jetzt das größte Projekt, das Sie in dieser Legislaturperiode umsetzen. Nicht einmal Ihr eigener Plan sieht vor, dass Sie ganz um den Ring herumkommen. Den letzten Teil, den lassen Sie dann der nächsten Regierung als Hausaufgabe über. Und auf den knapp 1,5 Kilometer am Kai passiert überhaupt nichts. Ich muss tatsächlich sagen, als ich diesen Plan gesehen habe, war ich schockiert, enttäuscht. Denn Sie haben das so groß angekündigt und dann werden nicht einmal um den ganzen Ring beide Seiten angeschaut. Also die Hälfte des Ringes bleibt sowieso, wie sie ist. Sie machen nur die halben Sachen. Aber ich gebe schon zu, es ist ein Schritt in die richtige Richtung, und wir möchten Ihnen heute die Möglichkeit geben, einen weiteren Schritt zu machen mit unserem Antrag. Wir wollen nämlich, dass der ganze Ring klimafreundlich wird. Wir wollen, dass der ganze Ring innen und außen angepasst wird. Wir wollen, dass die vielen gefährlichen, ungeregelten Kreuzungen geschlossen werden, nämlich dort, wo die Unfälle passieren. Das würde uns auch die Möglichkeit geben, die vielen Baumlücken am Ring zu schließen. Wir könnten 10 bis 15 Prozent mehr Bäume pflanzen. Wir hätten durchgängige Fußwege, wo auch die FußgängerInnen Vorrang haben und nicht vor einbiegenden Autos Angst haben müssen. Genau deshalb bringen wir heute diesen Antrag ein. Wir wollen einen guten Radweg rund um den 1. Bezirk. Wir wollen bessere Bedingungen fürs Zu-Fuß-Gehen, nicht nur auf der Reitallee, sondern auch entlang der Geschäfte, der Fassaden. Auch dort könnte man Bäume pflanzen. Das wäre mehr Mut und mehr Konsequenz, denn wir wollen nicht, dass dieser kleine Schritt vorwärts jetzt die nächsten 30 Jahre die Zukunft der Ringstraße bestimmt. Fassen Sie sich ans Herz. Gehen Sie einen weiten Schritt. Nutzen Sie das ganze Potenzial, denn Wien hat es sich verdient. Das Geld ist nicht weg, sondern ist nur an der falschen Stelle. Setzen wir die richtigen Prioritäten, dann können wir den Ring auch zukunftsfit gestalten. - Danke. (Beifall bei den GRÜNEN.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Zu Wort gemeldet ist GR Dipl.-Ing. Al-Rawi, und ich erteile es ihm. - Bitte. GR Dipl.-Ing. Omar Al-Rawi (SPÖ): Ich will mich nicht unbeliebt machen als letzter Redner heute. Ich glaube, das viele sich freuen würden, wenn sie früher nach Hause gehen. (GRin Dipl.-Ing. Selma Arapovic: Verschrei's nicht!) Liebe Selma, hättest du dich kürzer gehalten, hätte ich mich vielleicht streichen lassen, dann wäre die Debatte gleich danach fertig gewesen. Ich mache es ganz kurz. Ich möchte auch über den Akt reden. Es geht um den Ausbau der Hausfeldstraße und auch die Straße An der Schanze. Dort entstehen zwei ganz große und leistungsfähige Radwege. Ich weiß nicht, ob ich den Herr Stark jetzt richtig verstanden habe, dass er das kritisiert - der ist jetzt ein bisschen beschäftigt, Selfies zu machen -, dass dort die Straßen innerhalb des Hausfeldareals nur Zubringerstraßen sind und dass dort die Menschen viel mehr zu Fuß gehen und das auch für die Radfahrer positiv ist. Es wird jetzt nichts nützen, er hört noch immer nicht zu. Die Landstraßer Hauptstraße, Herr Stark, ist schon im Bau. - Weil er da gesagt hat, er will, dass endlich die Landstraßer Hauptstraße gebaut werden soll. Zu glauben, mit dem Parkpickerl soll man gleichzeitig eine Jahreskarte kaufen, ist eine Milchmädchenrechnung. Ich würde behaupten, dass ein Großteil der Menschen, die ein Parkpickerl haben, die Jahreskarte schon besitzen. Wenn wir vom Modalsplit reden, dann ist es ja so, dass die Menschen sowohl Auto fahren, zu Fuß gehen, mit dem Rad fahren als auch die Öffis verwenden. Also zu glauben, das ist so eine Eins-zu-eins-Rechnung - allen Autopickerln noch zusätzlich eine Jahreskarte zu geben -, damit haben wir das Problem gelöst ... Zur Ringstraße - jetzt hört er mir zur, sehr gut - möchte ich eines sagen: Der Kai ist nicht ein Teil der Ringstraße. Also im Moment haben wir uns vorgenommen, die Ringstraße so umzugestalten. Das ist ein sehr ambitioniertes Projekt, ein ganz tolles Projekt, wo wir entflechten, wo wir der gesamten Gefahrenzone, wo man im Moment nicht wirklich weiß, bin ich jetzt am Fußweg, kreuze ich jetzt wieder den Radweg, eine intuitive, verständliche Anordnung geben, wo es ganz klar ist, wo gehen die Fußgänger, wo sind die Radfahrer, und wo ist der Platz zum Verweilen. Dort entsteht ein ganz attraktiver öffentlicher Raum, wo man sich wohlfühlt. In unserem Antrag, den wir heute beschließen, wird eben die Frau Stadträtin aufgefordert, die Umsetzung zeitnah zu bringen, mit im kommenden Jahr klar definierten Etappen, die abschnittsweise zu realisieren sind. Also zu sagen, wir haben keinen Umsetzungsplan, kann ich nicht nachvollziehen. Bei all den anderen positiven Dingen würde ich verweisen auf die Rede der Frau Kollegin Arapovic. Die hat das sehr detailliert dargestellt. Da wurden Universitätsprofessoren, ArchitektInnen, die TU Wien, ein internationales Büro beauftragt, ein wirklich tolles Konzept auszuarbeiten. Ich glaube, wir werden mit diesem Projekt international europäische Maßstäbe setzen. In diesem Sinne bitte ich um Zustimmung zu dem Akt und auch zu unserem Resolutionsantrag. - Danke. (Beifall bei SPÖ und NEOS.) Vorsitzender GR Mag. Thomas Reindl: Zu Wort ist niemand mehr gemeldet. Die Debatte ist geschlossen. Die Frau Berichterstatterin verzichtet auf das Schlusswort. Wer Post 16 zustimmt, bitte um Zeichen mit der Hand. Zustimmung erfolgt bei SPÖ, NEOS, GRÜNE und ÖVP gegen die FPÖ. Das ist mehrstimmig angenommen. Es liegen vier Anträge vor. Antrag der GRÜNEN, Öffi-Fahren inklusive beim Parkpickerl. Wer dem beitritt, bitte um ein Zeichen. - Zustimmung bei den GRÜNEN gegen alle anderen Fraktionen, ist nicht die Mehrheit und abgelehnt. Antrag der GRÜNEN, Begegnungszonen umsetzen. Wer dem beitritt, bitte um ein Zeichen. - Zustimmung bei den GRÜNEN gegen alle anderen Fraktionen, ist nicht die erforderliche Mehrheit und abgelehnt. Antrag von SPÖ und NEOS, Ring neu denken und gestalten. Wer dem beitritt, bitte um ein Zeichen. - Zustimmung bei SPÖ, NEOS, ÖVP und GRÜNEN gegen die FPÖ, somit mehrstimmig angenommen. (Zwischenruf.) - Ja, wir sind es gleich - ganz, ganz cool. Antrag der GRÜNEN, Ringstraße umgestalten und so weiter. Es wird auch die sofortige Abstimmung verlangt. Wer dem beitritt, bitte um ein Zeichen. - Zustimmung bei den GRÜNEN gegen alle andere Fraktionen, ist nicht die erforderliche Mehrheit, daher auch abgelehnt. Wir kommen zu Post 17, das ist das Plandokument Nummer 8414 im 15. Bezirk, Sechshaus. Es liegt keine Wortmeldung mehr vor. Wer der Post 17 zustimmt, bitte um ein Zeichen mit der Hand. - Zustimmung bei SPÖ, NEOS, GRÜNEN und ÖVP gegen die FPÖ, das ist mehrstimmig angenommen. Damit ist die Tagesordnung abgearbeitet. Ich wünsche allen einen schönen Abend, danke für die recht disziplinierte Sitzung. Die Sitzung ist geschlossen. Auf Wiedersehen. (Schluss um 18.42 Uhr.) Gemeinderat, 22. WP 27. April 2026 13. Sitzung / 3