"Große Töchter Mariahilfs" - Die Lebensläufe

Im Frühjahr 2013 war das Leben und Wirken bedeutender Frauen auf Plakaten in Schaukästen und in Geschäftsauslagen im Mariahilf zu sehen. Die Mitglieder der Mariahilfer Frauenkommission recherchierten und sammelten Informationen und so konnten die Lebensläufe von 23 bedeutenden Mariahilferinnen zusammengestellt werden.

Emilie Louise Flöge

Schwarz-Weiß-Aufnahme von Emilie Louise Flöge

Modeschöpferin und Unternehmerin (30. August 1874, Wien bis 26. Mai 1952, Wien)

Emilie Louise Flöge wirkte ab 1904 als erfolgreiche Geschäftsfrau und Inhaberin des Wiener Haute-Couture-Salons "Schwestern Flöge" in der Mariahilfer Straße 1b. Auf ihren Reisen nach London und Paris informierte sie sich bei Coco Chanel und Christian Dior über die neuesten Modetrends. Ihr Modesalon wurde zum führenden Modetreffpunkt der Wiener Gesellschaft. In der besten Zeit beschäftigte sie bis zu 80 Schneiderinnen. Mariahilf ehrt sie durch eine Gedenktafel.


Lina Loos

Schwarz-weiß Portrait von Lina Loos

Schauspielerin und Feuilletonistin (9. Oktober 1882, Wien bis 6. Juni 1950, Wien)

Lina Loos, geboren als Carolina "Lina" Catharina Obertimpfler, war Schauspielerin, Feuilletonistin, stadtbekannte und vielfach verehrte Schönheit sowie auch kurze Zeit Ehefrau des Architekten Adolf Loos. Lina Loos war eine sogenannte "Institution" der Wiener Gesellschaft. Sie veröffentlichte ab 1904 Feuilletons in verschiedenen Zeitungen und Zeitschriften, nach 1946 bis 1949 vielfach in der kommunistischen Kulturzeitschrift "Österreichisches Tagebuch". Ihre, vor allem nach dem Ende des Ersten Weltkriegs, regelmäßig erscheinenden Beiträge zeichnen sich durch Mutterwitz, pointierte Formulierungen und kritische Schärfe der Beobachtung aus.

Als Schauspielerin und Kabarettistin trat Lina Loos vor 1914 unter anderem in New York, St. Petersburg, Leipzig, Frankfurt und Berlin auf sowie unter ihrem Künstlernamen Lina Vetter im Wiener Cabaret Fledermaus. In der NS-Zeit zog sich Lina Loos weitgehend aus der Öffentlichkeit zurück, publizierte aber bis 1943 noch gelegentlich im "Neuen Wiener Tagblatt". Nach 1945 engagierte sich die erklärte Christin und Pazifistin in der KPÖ-nahen Frauen- und Friedensbewegung, wurde Vizepräsidentin des Bundes demokratischer Frauen und Mitglied des Österreichischen Friedensrates.


Marianne Hainisch

Schwarz-Weiß-Aufnahme von Marianne Hainisch

Begründerin der österreichischen Frauenbewegung und Gründerin des Gymnasiums Rahlgasse (25. März 1839, Baden bei Wien bis 5. Mai 1936, Wien)

Marianne Hainisch war die Begründerin und Führerin der österreichischen Frauenbewegung sowie Gründerin des Gymnasiums Rahlgasse. 1870 forderte Hainisch die Errichtung von Realgymnasien für Mädchen und die Zulassung von Frauen zum Hochschulstudium. Sie schuf aus privaten Mitteln eine sechsklassige Unterrichtsstätte für Mädchen, die 1891 Öffentlichkeitsrecht erhielt. 1892 wurde das erste Gymnasium für Mädchen im deutschsprachigen Raum errichtet. Die erste Mädchenklasse wurde in den Räumen des Gymnasiums in der Hegelgasse 12 eingerichtet. 1910 übersiedelte die Schule in das Gebäude Rahlgasse 4.

Im Jahr 1902 gründete Hainisch den Bund österreichischer Frauenvereine, dessen Vorsitzende sie bis 1918 war. Im Jahr 1909 wurde sie zur Vizepräsidentin des Frauenweltbundes gewählt. Nach dem Ersten Weltkrieg arbeitete sie für die Fürsorge und die Friedensbewegung mit Bertha von Suttner zusammen. Nach deren Tod im Jahr 1914 übernahm sie die Leitung der Friedenskommission im Bund österreichischer Frauenvereine. Unter der Führung von Hainisch wurde 1929 die Österreichische Frauenpartei gegründet. Marianne Hainisch gilt als Initiatorin des Muttertags in Österreich, der seit 1924 hier gefeiert wird.


Marietta Blau

Schwarz-Weiß-Aufnahme von Marietta Blau

Pionierin der Kernphysik (29. April 1894, Wien bis 27. Jänner 1970, Wien)

Marietta Blau war Schülerin des Gymnasiums Rahlgasse. Sie studierte als eine der ersten Frauen an der Universität Wien Physik und Mathematik. Blau entwickelte eine fotografische Methode zur Registrierung von Kernteilchen. Am Höhepunkt ihrer wissenschaftlichen Karriere musste sie Österreich verlassen.

Nach ihrer Emigration nach Norwegen wurde sie auf Empfehlung Albert Einsteins Professorin für Physik an der Universität in Mexico City und wechselte 1944 nach New York. Schrödinger schlug sie zweimal für den Nobelpreis vor. Sie erhielt 1962 den Schrödinger Preis der Akademie der Wissenschaften. Stark beeinträchtigt durch das Experimentieren mit radioaktiven Strahlen, erkrankte sie und starb vereinsamt und fast blind unerkannt in einem Krankenhaus in Wien.


Gertrud Herzog-Hauser

Schwarz-Weiß-Aufnahme von Gertrud Herzog-Hauser

Klassische Philologin, Universitätsdozentin und Schuldirektorin des Gymnasiums Rahlgasse (15. Juni 1894, Wien bis 9. Oktober 1953, Wien)

Gertrud Herzog-Hauser studierte Klassische Philologie, Germanistik und Philosophie in Wien und Berlin. Nach dem Studium arbeitete sie als Lehrerin und schließlich Direktorin am Mädchengymnasium in der Rahlgasse. Neben dem Unterricht setzte sie ihre fachwissenschaftlichen Studien fort. Sie habilitierte sich als erste Frau an der Universität für Klassische Philologie. Durch das NS-Regime wurde ihre Laufbahn unterbrochen. 1939 emigrierte Gertrud Herzog-Hauser über die Niederlande in die Schweiz, wo sie mit ihrem Mann während des Zweiten Weltkriegs blieb.

Nach ihrer Rückkehr erhielt sie ihre Lehrbefugnis an der Universität zurück, nicht aber die Direktion des Gymnasiums. An der Universität Wien erhielt sie den Titel "außerordentliche Professorin", mit dem jedoch kein Gehalt und keine Stimme im Fakultätsrat verbunden war. Ein Ruf an die Universität Innsbruck kam 1950 wegen des noch immer herrschenden Antisemitismus nicht zustande. Gertrud Herzog-Hauser trat entschieden für die Gleichberechtigung der Frau im Schul- und Bildungswesen ein. Sie war Mitglied und langjährige Vorsitzende des Vereins der Schriftstellerinnen und Künstlerinnen.


Marie Geistinger

Schwarz-Weiß-Aufnahme von Marie Geistinger

Schauspielerin, Direktorin des Theaters an der Wien (26. Juli 1833, Graz bis 29. September 1903 Klagenfurt)

Bereits mit elf Jahren debütierte Marie Geistinger mit verschiedenen Kinderrollen in Graz. 1850 spielte sie in München, 1852 wurde sie an das Theater in der Josefstadt engagiert. Einige sehr erfolgreiche Jahre in Berlin, Hamburg und Riga folgten. 1865 holte sie Friedrich Strampfer an das Theater an der Wien, das sie von 1869 bis 1875 zusammen mit Maximilian Steiner leitete.

Marie Geistinger genoss als Operettensängerin ungewöhnliche Anerkennung. Vor allem in Operetten von Jacques Offenbach und Johann Strauss (Sohn), aber auch von Karl Millöcker und Franz von Suppé war sie oft zu hören. In einigen Uraufführungen von Strauss-Operetten, so in "Indigo" – Strauss erster Operette von 1871 – und "Die Fledermaus" (1874), sang sie in Hauptrollen ("Indigo": Fantasca, "Fledermaus": Rosalinde). Marie Geistinger wurde in einem Ehrengrab auf dem Wiener Zentralfriedhof (Gruppe 32 A, Nummer 18) beigesetzt.


Adele Sandrock

Schwarz-Weiß-Aufnahme von Adele Sandrock

Schauspielerin (19. August 1863, Rotterdam bis 30. August 1937, Berlin)

Adele Sandrock war von 1889 bis 1895 am Deutschen Volkstheater engagiert. Dort lernte sie den Dichter Arthur Schnitzler kennen und lieben. Sein Stück "Das Märchen" wurde mit Adele Sandrock in der Hauptrolle uraufgeführt. Der große Durchbruch gelang ihr 1898 am Theater an der Wien mit der Hauptrolle der Isabella in "Der Fall Clemenceau" von Alexandre Dumas und Armand d'Artois. Sie avancierte zum Star der "Wiener Moderne". Ihre Wiener Wohnung befand sich am Getreidemarkt in Mariahilf.


Therese Singer-Biedermann

Schwarz-Weiß-Aufnahme von Therese Singer-Biedermann

Burgschauspielerin (24. September 1864, Wien bis 25. Mai 1942, Wien)

Therese (von) Singer, geborene Biedermann, spielte 1877 am Wiener Hofburgtheater und ab 1878 am Wiener Stadttheater Kinderrollen. Ihre eigentliche Bühnenlaufbahn begann 1882 am Mödlinger Sommertheater, an dem sie in Schauspielrollen auftrat. Über Brünn, wo sie bei ihrem Debüt als Burgschauspielerin 1884 großen Erfolg hatte, und Graz kam sie 1886 ans Theater an der Wien, dessen Ensemble sie (mit einer Unterbrechung am Berliner Wallner-Theater von 1890 bis 1891) bis 1901 angehörte. Mit ihrer attraktiven Bühnenerscheinung, ihrem temperamentvollen Spiel und ihrer zwar nicht großen, aber besonders in den Couplets wirkungsvoll eingesetzten Stimme war sie eine der profiliertesten und beliebtesten Soubretten der sogenannten "Goldenen Zeit" der Wiener Operette.


Marie Lang

Schwarz-Weiß-Aufnahme von Marie Lang

Sozialarbeiterin, Frauenrechtlerin (8. März 1858, Altmünster bis 14. Oktober 1934, Wien)

Marie Lang führte ein Leben unermüdlicher Aktivitäten. Ende der 80er-Jahre des 19. Jahrhunderts lernte sie die erste österreichische Frauenbewegung kennen und gründete mit Rosa Mayreder und Auguste Fickert die Zeitschrift "Dokumente der Frau". Sie setzte sich unter anderem für die Forderung rechtlicher Gleichstellung von Frauen, den Mutterschutz oder gegen den Lehrerinnen-Zölibat ein. Mit ihrem Mann war sie Mittelpunkt eines feinsinnigen, künstlerischen, philosophischen und politisch interessierten Kreises.

Im Ersten Weltkrieg half sie im Kriegsspital im Akademischen Gymnasium. Nach einer Englandreise gründete sie das Wiener Settlement. In Ottakring stellte ihr die Bierbrauerei ein Haus zur Verfügung, in welchem sie Kinder berufstätiger Mütter betreute, unterrichtete, verköstigte und Kurse für Mütter anbot. Sie selbst hatte drei ungewöhnliche Kinder: Erwin wird Maler, Grafiker und Kostümbildner und heiratete die Tänzerin Grete Wiesenthal. Lilith studierte mit Oskar Kokoschka ("Das Mädchen Li" in dessen Märchenbuch "Der träumende Knabe"). Der älteste Sohn Heinz beging wegen seiner euphorischen Liebe zu Lina Loos Selbstmord. Danach zog sich Marie Lang zunehmend aus ihren öffentlichen Aktivitäten zurück.


Sonja Knips

Schwarz-Weiß-Aufnahme von Sonja Knips

Mäzenin, Kundin der Wiener Werkstätte (2. Dezember 1873, Lemberg bis Mai 1959, Seeboden)

Sie hieß eigentlich Sophia, heiratete 1896 Anton Knips und bezog eine Wohnung in der Gumpendorfer Straße. Die Wohnung ließ Sonja Knips 1903, im Gründungsjahr der Wiener Werkstätte, von Josef Hoffmann neu einrichten. Ihre Liebe zur Kunst von Gustav Klimt, ihre Vorliebe für die Produkte der Wiener Werkstätte und für den Gedanken des Gesamtkunstwerks ließen Sonja Knips zu einer der herausragenden Persönlichkeiten im Wien des frühen 20. Jahrhunderts werden. Die Mäzenin brachte durch ihre Unbeirrbarkeit und ihr unermüdliches Engagement die Wiener Moderne mit auf den Weg.


Marie Franzos

Schwarz-Weiß-Aufnahme von Marie Franzos

Schriftstellerin, Bibliothekarin des 1. Wiener Frauenklubs (17. September 1870, Wien bis 6. August 1941, Wien)

Nach Absolvieren der französischen Staatsprüfung an der Damenakademie in Wien und dem autodidaktischen Erlernen des Italienischen, Spanischen, Dänischen und Schwedischen begann Marie Franzos als Übersetzerin, oft unter ihrem Pseudonym Francis Maro, zu arbeiten. Sie übertrug Werke aus dem Schwedischen, Norwegischen, Dänischen, Italienischen, Spanischen und Englischen ins Deutsche und hielt zusätzlich literarische Konferenzen ab. Ihre bekannteste Übersetzung ist das Werk von Selma Lagerlöff aus dem Schwedischen. Ihr Arbeits- und Lebensmittelpunkt war in der 6., Gumpendorfer Straße 25. 1905 erhielt sie die goldene Medaille Litteris et Artibus durch den König Oskar von Schweden und Norwegen.


Malva Schalek

färbiges Arcyl-Selbstbildnis von Malva Schalek

Malerin (18. Februar 1882, Prag bis ermordet 24. März 1945, KZ Auschwitz)

Malva Schalek war eine einfühlsame, am Impressionismus orientierte Malerin, die ihre künstlerische Ausbildung an der Universität Wien vervollständigte. Sie lebte und arbeitete in ihrem Atelier im Haus des Theaters an der Wien. Sie nahm an Ausstellungen in der Wiener Secession, der Jahresausstellung des Österreichischen Künstlerbundes und des Verbands Wiener Bildender Künstler teil. 1938 flüchtete sie über Leitmeritz nach Prag, von wo sie nach Theresienstadt deportiert wurde. Einige ihrer Werke, die dort entstanden sind, befinden sich in einem Kibbuz in Israel. Kurz vor Kriegsende wurde sie in Auschwitz ermordet.


Alice Friedmann

Schwarz-Weiß-Aufnahme von Alice Friedmann mit Kind

Psychologin und Vertreterin der Individualpsychologie (17. März 1897, Wien bis Juni 1980 in New York City)

Alice Friedmann studierte Psychologie an der Universität Wien, wo sie auch promovierte. In der Zwischenkriegszeit war sie als Individualpsychologin tätig, wobei sie sich vor allem mit praktischen Erziehungsfragen beschäftigte. Sie leitete zusammen mit Dr. Stefanie Horovitz ein individualpsychologisches Kinderheim für schwer erziehbare und nervöse Kinder in der 6., Linken Wienzeile 36/10.

Alice Friedmann beschäftigte sich mit Fragen der individualpsychologischen Heilpädagogik und schrieb regelmäßig Artikel über ihre Praxis hierzu. Sie gehörte zu den Beraterinnen der Adlerschen Erziehungsberatungsstellen in Wien. Friedmann und Horovitz hatten großen Einfluss auf die theoretische Diskussion in der Individualpsychologie. So war Friedmann Vortragende auf dem großen, von Arthur Kronfeld organisierten und geleiteten V. Internationalen Kongress für Individualpsychologie in Berlin vom 26. bis 28. September 1930.


Isolde Ahlgrimm

Schwarz-Weiß-Aufnahme von Isolde Ahlgrimm

Cembalistin und Professorin an der Hochschule für Musik (31. Juli 1914, Wien bis 11. Oktober 1995)

Isolde Ahlgrimm war Absolventin im Fach Klavier und später Professorin für Cembalo der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Sie gab Meisterkurse in den USA und war regelmäßig Teilnehmerin an den Bach-Festen in Leipzig. Ab 1935 widmete sie sich der historischen Aufführungspraxis. Ahlgrimm spielte sämtliche Werke auch noch im hohen Alter grundsätzlich auswendig. Ab 1935 veranstaltete sie gemeinsam mit ihrem Ehemann Erich Fiala Konzerte auf Originalinstrumenten. Sie war die erste, die in den 1930er Jahren sämtliche Mozart-Sonaten auf einem historischen Hammerflügel spielte. Die erste Einspielung sämtlicher Werke für Cembalo von Johann Sebastian Bach erfolgte ab 1954 in ihrer Wohnung in 6., Linken Wienzeile 42.


Hedi Rosenbaum

Schwarz-Weiß-Aufnahme aus den 1930er Jahren; fünf Damen blicken aus dem Fenster eines Zuges

Hedwig "Hedi" Rosenbaum war eine waschechte Wienerin. Sie wurde am 10. Oktober 1908 in Wien geboren und verstarb am 11. Juli 1994 in Northbrook, Illinois. Hedi Rosenbaum besuchte von 1928 bis 1930 die Graphische Lehr- und Versuchsanstalt. Ab Mitte der 1930er-Jahre arbeitete sie zusammen mit Ilse Pisk unter dem Namen "Pisk & Rosenbaum" in deren Fotostudio an der 6., Linken Wienzeile 48–52. Dieses Atelier war Ort und Drehscheibe der künstlerischen und avantgardistischen Fotografie in Wien. Noch heute werden die damals entstandenen Werke zu Höchstpreisen gehandelt.

1938 heiratete Hedi Rosenbaum Paul Perles, den Juniorchef des Verlages Moritz Perles. Durch Empfehlungsschreiben von Freundinnen, Freunden und Bekannten, unter anderem des Schriftstellers James Joyce, gelang es Hedi und Paul Perles nach dem Anschluss 1938 Visa für England zu bekommen. Von dort aus führte sie ihr Weg weiter in die Vereinigten Staaten von Amerika. Hedi Perles arbeitete als Retoucheurin und Kinderfotografin in Chicago. 1942 ließ sich das Ehepaar Perles taufen.


Ilse Pisk

Schwarz-Weiß-Aufnahme eines Maschendrahtzaunes im Hintergrund die Überreste eines Konzentrationslagers

Ilse Henriette (Ilsa) Pisk wurde am 17. Februar 1892 in Mitsek, Mähren geboren und 1942 in Izbica, Polen ermordet. Die Fotografin arbeitete 1918 gemeinsam mit ihrer Berufskollegin Trude Fleischmann im Atelier von Hermann Schieberth. In den 1920er-Jahren betrieb Ilse Pisk ein eigenes Studio im Gebäude 6., Linke Wienzeile 48– 52. Ab den 1930er-Jahren ging sie ihrer Tätigkeit in Arbeitsgemeinschaften nach, unter anderem mit Norbert Kraus unter dem Namen "ilsebild", später mit Hedwig Rosenbaum als "Pisk & Rosenbaum".

Das Atelier von Ilse Pisk war in den 1930er-Jahren eines der bedeutendsten Studios für Fotografie in Wien. Berühmte Künstlerinnen und Künstler und die Oberschicht Wiens ließen sich von ihr porträtieren. 1942 wurde Ilse Pisk mit dem Häftlingstransport Nummer 20 und der Häftlingsnummer 1000 nach Izbica, einem sogenannten "Transit-Ghetto" (von dort wurden die Deportierten in verschiedene Vernichtungslager der Nazis weitertransportiert) deportiert und bereits dort ermordet.


Emma Adler

Schwarz-Weiß-Aufnahme von Emma Adler

Autorin und Übersetzerin, Lehrerin im Arbeiterbildungsverein (20. Mai 1858, Debrezin bis 23. Februar 1935, Zürich)

Emma Adler beherrschte neben Englisch und Französisch auch Ungarisch, Italienisch und Russisch. Sie veröffentlichte Texte in den Zeitschriften "Gleichheit" und "Arbeiterzeitung". 1906 erschien ihr Hauptwerk: "Die berühmten Frauen der Französischen Revolution". Im Arbeiterbildungsverein unterrichtete sie mit großem Erfolg Arbeiterinnen in Englisch und Französisch und entwickelte dafür eine eigene Unterrichtsmethode. Sie war mit Victor Adler - seines Zeichens Arzt, Sozialist und Mitbegründer der Ersten Republik 1918 - verheiratet.


Johanna Prangl

Ausschnitt des Stiftungsbriefes

Der Stiftungsbrief von Johanna Prangl

Johanna "Jenny" Prangl wurde am 6. Juni 1840 in Wien in Armut geboren, kam nach dem Tod ihrer Mutter zu neun verschiedenen Pflegestellen und schließlich in die Obhut des Findelhauses. Anschließend wurde sie in das Waisenhaus auf einen Bürgerspital-Stiftungsplatz überstellt. Ein weiterer Pflegeplatz folgte. Etwa 1874 heiratete sie den Privatbeamten und Agenten Eduard Prangl. Sie lebten in der 6., Bürgerspitalgasse 8, wo sich die Shawl-Fabrik des Schwiegervaters befand. 1874 erbte sie von ihrer Tante die Liegenschaft in der 6., Gumpendorfer Straße 64. Johanna Prangl verkaufte einen Teil des Grundstückes und ließ nur ein Jahr später einen dreistöckigen Neubau errichten. Nach ihrem Tod am 11. Dezember 1886 in Wien wurde entsprechend ihrem Testament das Haus in eine Stiftung eingebracht. Der Erlös des noch heute bestehenden Hauses wird jedes Jahr der Bezirksvorstehung für Hilfestellungen an sozial bedürftige Menschen übergeben.


Fanny Elßler

Schwarz-Weiß-Aufnahme von Fanny Elßler

Tänzerin (23. Juni 1810, Wien bis 27. November 1884, Wien)

Bereits mit sieben Jahren begann die Ausnahmetänzerin Fanny Elßler ihre Karriere als "Primaballerina der Welt". Mit 17 war sie eine umjubelte Künstlerin. Trotz der Geburt zweier Kinder setzte sie ihre internationalen Auftritte fort, die sie bis nach Amerika führten. Zurück in Wien löste sie als Superstar der Tanzszene eine wahre Hysterie aus. Als Solotänzerin am Theater in der Hofburg war sie die Verkörperung eines sogenannten emanzipierten Frauenbildes, das man sich mit dem damaligen liberalen und romantischen Kunstverständnis entwarf. Ihr Tanzstil charakterisierte einen Aufbruch in den romantischen Balletten im biedermeierlichen Wien.


Therese Šip

Schwarz-Weiß-Aufnahme von Therese Sip

Bezirksrätin und Fürsorgerätin (15. August 1883 bis 28. September 1969)

Therese Šip begann sich bereits als Jugendliche politisch zu engagieren. Ab 1938 verhalf sie bedrohten Menschen zur Flucht vor den Nazis. Zwischen 1946 und 1959 stand sie dem Fürsorgeamt im 6. Bezirk vor. Sie war 31 Jahre lang Bezirksrätin in Mariahilf und zog sich erst mit 80 Jahren aus ihrer Funktion zurück. Sie engagierte sich zeitlebens für die Ärmsten der Gesellschaft. "Sie war das Reserl, zu der man gegangen ist, wenn man was wollte!"


Adelheid Popp

Schwarz-Weiß-Aufnahme von Adelheid Popp

Schriftstellerin (11. Februar 1869, Inzersdorf bei Wien bis 7. März 1939, Wien)

Adelheid Popp war Schriftstellerin und eine der frühen Sozialdemokratinnen. Sie war eine für die Sozialdemokratie brennende Frau und Mitgestalterin der Ersten Republik. Lange Zeit wurden frauenpolitische Aktivitäten von der Partei überhaupt nicht unterstützt. Frauen wie Popp und andere Sozialdemokratinnen übten beständig Kritik und forderten eine Quotenregelung auf den Parteitagen. Die Gründung des Frauenzentralkomitees 1898 war deshalb ein wesentlicher Schritt zur autonomen Organisierung und Mobilisierung der Frauen.

Adelheid Popp war von Anfang an Mitglied des Frauenzentralkomitees und blieb es bis 1933. Sie hatte lange Zeit eine zentrale Stellung in der sozialdemokratischen Frauenorganisation und darf durchaus als "Gallionsfigur" bezeichnet werden. 1920 zog Adelheid Popp als eine von sieben Sozialdemokratinnen in den Nationalrat ein. Sie war die erste Frau, die eine Rede im Hohen Haus hielt. Bei Gesetzesvorlagen zur Verbesserung der Situation der Arbeiterinnen, wie gleicher Lohn oder eine Reform des Eherechts, war sie entscheidend beteiligt. 1933 zog Adelheid Popp sich aus dem öffentlichen Leben zurück.


Minna Lachs

Eine Schwarz-Weiß-Aufnahme von Minna Lachs

Germanistin, Pädagogin und Schriftstellerin (10. Juli 1907, Galizien bis 22. Juni 1993, Wien)

Nach Jahren in der Emigration kehrte Minna Lachs 1947 nach Wien zurück, wo sie als Mittelschullehrerin arbeitete und für den Englischunterricht Lehrbücher verfasste. Ein großes Anliegen bei dieser Tätigkeit war ihr die Verdrängung des aus der nationalsozialistischen Zeit stammenden Unterrichtsmaterials. Sie verfasste viele Bücher. Eines der bekanntesten ist das Kinderbuch "Was raschelt da am Bauernhof". Von 1956 bis an ihr Lebensende war sie die Vizepräsidentin der österreichischen UNESCO-Kommission. Mariahilf ehrt sie durch die Benennung des Minna-Lachs-Parks.


Amalie Seidel

Schwarz-Weiß-Aufnahme von Amalie Seidel

Sozialdemokratische Politikerin und Frauenrechtlerin (21. Februar 1876, Wien bis 11. Mai 1952, Wien)

1892 trat Amalie Seidel dem Gumpendorfer Arbeiterbildungsverein bei. Nachdem sie öffentlich als Rednerin aufgetreten war, wurde sie zu drei Wochen Haft verurteilt. Danach war sie Textilarbeiterin und organisierte den ersten Arbeiterinnenstreik Österreichs in der Firma Heller und Sohn in der 6., Gumpendorfer Straße 145 bei dem die Verminderung der täglichen Arbeitszeit von dreizehn auf zehn Stunden sowie der arbeitsfreie 1. Mai gefordert wurden. Sie engagierte sich in der Frauenbewegung und wurde Schriftführerin des Lese- und Debattierclubs Libertas.

Amalie Seidel wurde 1900 Vorsitzende des Frauenbezirkskomitees und 1902 des Frauenreichskomitees. Nach Ausrufung der Republik war Amalie Seidel von 1919 bis 1923 Gemeinderätin und von 1919 bis 1934 Abgeordnete zum Nationalrat. Die Schwerpunkte ihrer politischen Tätigkeit lagen bei der Jugendfürsorge und dem Gesundheitswesen. 1920 begründete sie das Wiener Jugendhilfswerk und initiierte die Kinderfreibäder in Wien. 1934 wurde sie einen Monat lang inhaftiert und zog sich daraufhin für immer aus der Politik zurück. Allerdings stellte sie ihre Wohnung für illegale Treffen sozialistischer Frauen zur Verfügung.

Sie heiratete 1942 den jüdischen Wiener Kommunalpolitiker Sigmund Rausnitz, um ihn durch diese Ehe zu schützen. Dieser verübte allerdings Selbstmord, was Amalie Seidel schwer traf. 1944, nach dem Attentat auf Hitler, wurde sie einige Tage im Landesgericht Wien inhaftiert. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebte Amalie Seidel schließlich bei ihrer Tochter Emma und deren Ehemann Karl Seitz, dem einstigen Bürgermeister von Wien.

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