Die wirtschaftliche Entwicklung

An der wirtschaftlichen Entwicklung lassen sich die großen ökonomischen Umwälzungen der letzten Jahrhunderte besonders gut verfolgen. Viele hundert Jahre lang dominierte die Landwirtschaft. In der Laimgrube etablierte sich schon früh die Ziegelerzeugung, während sich an den Ufern des Wienflusses Müller, Wäscher, Bleicher, Färber und Gerber ansiedelten.

Als sich die dörflichen Siedlungen im Laufe des 18. Jahrhunderts zu dichter verbauten Vorstädten entwickelten, wurden die landwirtschaftlich genutzten Flächen immer mehr reduziert. Demgemäß änderte sich auch die Bevölkerungsstruktur. Die starke Bautätigkeit ging einher mit der Ansiedlung von Gewerbetreibenden und Handwerkern. Bereits vor den ersten Türkenbelagerung war auf dem Gebiet des heutigen Mariahilf eine Vielzahl verschiedener Berufe vertreten.

Gewerbe- und Fabriksbezirk

Im 18. Jahrhundert begann die Industrialisierung, von der im 19. Jahrhundert die alten Handwerksbetriebe Mariahilfs ganz besonders betroffen waren. Die Wassermühlen am Wienfluss verschwanden und aus Handwerkern wurden Heim- und Fabriksarbeiter. Frauen- und Kinderarbeit breitete sich aus.

Zwischen 1703 und 1770 wurden mehrere große Fabriken in den Mariahilfer Vorstädten errichtet, unter anderem eine Lederfabrik, eine Metall- und Reißbleifabrik. In Folge von das heimische Gewerbe fördernden Maßnahmen Josephs II. entstanden in Gumpendorf mehrere Textilfabriken wie Samt-, Seiden- und Tuchwebereien. Zu den Webwarenfabriken gesellten sich bald Schafwollfabriken, aber auch eine Tapeten- und Möbelfabrik. Auch Handel und Gewerbe blühten gegen Ende des 18. Jahrhunderts auf.

Nach der Revolution von 1848 kam es zum vorübergehenden Stillstand der Industrialisierung, dem jedoch bald eine noch rasantere Entwicklung folgte. Mariahilf wurde zum wichtigsten Gewerbe- und Fabriksbezirk Wiens. Fast 30 Prozent aller Wiener Maschinenfabriken und Werkzeugmacher befanden sich damals im 6. und 7. Bezirk.

Die soziale Kluft vergrößerte sich durch die industrielle Entwicklung sprunghaft. Während Fabriksherren immer reicher wurden und sich prachtvolle Häuser erbauen ließen, verfügte nicht einmal die Hälfte der unselbstständigen Arbeiterinnen und Arbeiter über eine eigene Wohnung. Die weniger Glücklichen fristeten ihr ärmliches Dasein als Untermieterinnen oder Untermieter oder gar als Bettgeherin oder Bettgeher, die ihr Lager schichtweise mit anderen Arbeiterinnen und Arbeitern teilten. Es wundert also nicht, dass gerade in jenem Bezirk, in dem die Metall- und Textilindustrie am stärksten vertreten war, auch die Arbeiterbewegung ihren Ausgang nahm.

Der Geschäftsbezirk

Ende des 19. Jahrhunderts war Mariahilf der wichtigste Geschäftsbezirk der Stadt.

Nicht nur bei Gewerbe, Industrie und Arbeiterbewegung spielte Mariahilf eine führende Rolle: Ende des 19. Jahrhunderts war es auch der wichtigste Geschäftsbezirk und die Mariahilfer Straße die bedeutendste Geschäftsstraße Wiens, an der sich die größten Konfektions- und Warenhäuser etablierten, allerdings auf der Seite des 7. Bezirkes. Für Mariahilf waren und sind hingegen Klein- und Mittelbetriebe typisch. Die meisten der Betriebe beschäftigen nicht mehr als vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Sie sind in den Seitengassen und Hinterhöfen angesiedelt.

Auch heute noch gibt es etliche Familienbetriebe, die seit weit über hundert Jahren im Bezirk ansässig sind. Etwa die Großdrogerie Wilhelm Neuber's Enkel an der Linken Wienzeile 152.

Mariahilf beherbergte sogar eine kleine Automobilfabrik. 1898 gründete der Großvater des jetzigen Inhabers, Josef Niesner, in der Schmalzhofgasse 10 eine Fahrrad- und Autohandlung und Werkstätte. Hier wurden dann nicht nur Fahr- und Motorräder, sondern auch Niesner-Automobile in kleinen Stückzahlen handgefertigt. Bis zum Jahr 1953 wurde über Versandkataloge ein breit gefächertes Angebot verkauft - von der Fahrradglocke bis zum Auto.

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