Frühgeschichte, Römerzeit und Völkerwanderung

Frühgeschichte

Ende des dritten Jahrtausends vor Christus wurde unter anderem das Wiental von den Indogermanen besiedelt. So konnte man im Bereich der heutigen U-Bahnstation Gumpendorfer Straße jungsteinzeitliche Besiedlungsreste feststellen. Bei Grabungsarbeiten in den 1920er-Jahren im Bereich der Stationsgebäude wurden Steinwerkzeuge geborgen. Sie erinnern aufgrund von Material und Herstellung an die vorher hier bestandenen donauländischen Kultur, andererseits weisen sie indogermanische Merkmale auf. Weitere Fundstücke aus dieser neolithischen Siedlung waren Werkzeuge, Knochen und tierische Relikte.

Aus der Periode vom Ende der Jungsteinzeit bis zum Beginn der Römerzeit fehlen auf heutigem Bezirksboden nennenswerte Funde, eine vielleicht auch als Zufall zu wertende Tatsache.

Um 400 vor Christus brachte die Einwanderung der Kelten eine bedeutende Umschichtung der Bevölkerung des Wiener Raumes mit sich. Allerdings ist auch diese Veränderung aus den archäologischen Funden im Bezirk Mariahilf nicht unmittelbar ablesbar.

Die Römerzeit

Verhältnismäßig gut belegt ist erst wieder die römische Zeit auf heutigem Bezirksboden. Römische Funde (so bei der Gumpendorfer Kirche) und zahlreiche Münzfunde an verschiedenen Stellen des Bezirks zeugen von der Siedlungstätigkeit in dieser Zeit. Eine römische Ausfallstraße verlief teilweise an der Stelle der heutigen Gumpendorfer Straße. Im Jahr 1886 grub man in der Gumpendorfer Straße 39 einen nicht mehr vollständig erhaltenen römischen Meilenstein aus, dessen Inschrift auf das Jahr 242 nach Christus sowie auf eine mögliche Instandsetzung der Straße in dieser Zeit schließen lässt. Ein weiterer Anhaltspunkt für den Verlauf dieser Straße ist ein bis 1765 bei der alten Gumpendorfer Kirche bestehender – wahrscheinlich römischer – Wachtturm.

Beim Bau des Wohnhauses Grabnergasse 6 wurden Skelette gefunden, römische Münzen fand man in der Höhe Gumpendorfer Straße 108 und Mollardgasse 87. Dies lässt auf eine römische Siedlung in diesem Bereich schließen.

Die Völkerwanderung

Auf die Völkerwanderungszeit gibt es einige archäologische Hinweise. Im Bereich der Kurz- und Mittelgasse wurden 1897 rund 20 Skelettgräber entdeckt, bei denen, wie bei fast allen Langobardengräbern im Wiener Raum, Keramikbeigaben fehlten. Ob dieses Gräberfeld auf eine eigene hier bestehende Langobardensiedlung hinweist, muss offen gelassen werden. Unter Umständen kann ein Zusammenleben von Langobarden und romanischer Restbevölkerung angenommen werden.

Diese Annahme wird von der Tatsache unterstützt, dass für das siebente und achte Jahrhundert auch ein awarisches Gräberfeld in Gumpendorf bezeugt ist. Beigaben, die man bei Skelettresten in der Stumpergasse 7 gefunden hat, lassen mit großer Wahrscheinlichkeit auf awarisches Kulturgut schließen. Fast im gesamten Wiener Bereich sind awarische Gräberfelder in nächster Nähe von römischen Siedlungen belegt. Diese auffallende Nähe lässt sich wohl nur so erklären, dass in den römischen Siedlungen mit dem Zusammenbruch ihres Imperiums nicht jegliches Leben erlosch, sondern eine romanische Restbevölkerung bis ins achte Jahrhundert bestand. Als die Awaren Ende des achten Jahrhunderts von Karl dem Großen unterworfen wurden, war der Weg für die bayrische Kolonisation auch im Wiener Raum geebnet.

Quelle: Mariahilf - Das Buch zum Bezirk

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