Das Café Sperl: Einst und Jetzt

Der Eingang ins Kaffeehaus

Seit 1880 bürgt der Name Sperl für Qualität

1880 wurde das Kaffeehaus nach Entwürfen der Ringstraßenarchitekten Gross und Jelinek an der Ecke Gumpendorfer Straße und Lehargasse für Jakob Ronacher erbaut. Im Dezember 1880 wird das "Café Ronacher" von der Familie Sperl übernommen und trägt deren Namen bis heute.

Im Sperl "lebten" Architektinnen und Architekten, bildende Künstlerinnen und Künstler, Musikerinnen und Musiker, Schauspielerinnen und Schauspieler, Sängerinnen und Sänger neben Heerführern und höheren Chargen. Zu den Stammgästen zählten Generalstabchef Conrad von Hötzendorf und die Erzherzöge Josef Ferdinand und Karl Ferdinand. Der Besucherkreis prägte das Café Sperl zum Künstler- und Militärcafé. Ein Nebeneinander war damals möglich, trotz der divergierenden politischen und gesellschaftlichen Unterschiede.

Um 1890 begeisterte die Operette die Wienerinnen und Wiener. So wie heute war das Theater an der Wien Hauptbühne für die Publikumslieblinge. Das Sperl war wegen seine Nähe das Stammkaffee der Stars: Girardi, Eysler, Millöcker, Lèhar hießen sie und gingen im Kaffeehaus aus und ein. Sie prägten bis 1930 das Geschehen auf der Bühne und im Sperl.

Nach den beiden Weltkriegen nichts an der Beliebtheit verloren

Nach dem Ersten Weltkrieg musste sich das Kaffeehaus nicht in die neue Ära hinüberretten. Es wurde von seinen Gästen hinübergetragen. Ohne Qualitäts- und Traditionsverlust durchlebte es die Zeit eines klein gewordenen Österreich, war weiterhin Stammlokal der Komponisten, Maler und Architekten, wurde 1935 unter den gutbürgerlichen Kaffeehäusern an die Spitze gesetzt. Der Kaffee wurde etwas billiger, das Rundherum sehr teuer.

Nach dem Zweiten Weltkrieg konnte das Sperl mit Hilfe seiner Stammgäste, guter Beziehungen des Besitzers und der Bewahrung seiner Tradition langsam wieder einen normalen Betrieb aufbauen. Im Juni 1968 übernahm Manfred Staub das Kaffeehaus. Um nicht im Staub der Geschichte zu versinken, arbeitete er mit dem Bundesdenkmalamt und dem Architekten Nairz einen Plan zur Restaurierung der Räume aus. Es sollte die Patina belassen und dennoch Bequemlichkeit und Hygiene einen zeitgemäßen Lokals gewährleistet werden. Unter anderem wurde der auf dem Original-Parkettboden verlegte Bodenbelag wieder entfernt. Geblieben sind die alte Stukkaturdecke, der historische Windfang, die Billardtische, die Theke und die Thonet-Möbel. Seit 1980 steht das Café unter Denkmalschutz.

Das Sperl ist auch heute noch ein Muss für Kaffeehaus-Begeisterte

Heute sind die Literatinnen und Literaten immer stärker vertreten und die Stammtischbesetzungen haben sich erweitert. Filmaufnahmen erhöhten den Bekanntheitsgrad. Viele Neugierige kamen, schauten und blieben dann auch. In den Achtzigerjahren war Jörg Mauthe bestrebt, Literatur ins Café zu tragen. Stars aus den Musicals des Theaters an der Wien "logieren" im Sperl. Auch die Schriftsteller Robert Menasse und Michael Köhlmeier zählen zu den gern gesehenen Stammgästen des Café Sperl.

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