"BLITZLICHTER" - Das Populärkulturelle Archiv der Wienbibliothek - Wienbibliothek im Rathaus

Ausstellungsplakat Blitzlichter

Blitzlichter. Das Pop(ulär)kulturelle Archiv der Wienbibliothek im Rathaus. Collage aus diversen Flyern

Wien ist im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts eine moderne multikulturelle Metropole. Insbesondere die lokale Populärmusik-Szene war selten so dicht, vielgestaltig und künstlerisch interessant wie heute. Die fast schon klischeehafte Betonung der "Musikstadt Wien" im Kontext von Fremdenverkehrswerbung und kultureller Selbstverortung findet zunehmend auch abseits der traditionellen Hegemonie klassischer Musik statt.

Besitzt Wien einen genuinen "Sound"? In den 1970er-, 1980er- und 1990er-Jahren - von Wolfgang Ambros über Falco bis Kruder & Dorfmeister - gewann österreichisches (und damit zumeist in der mit Abstand größten Metropole des Landes stattfindendes) Popularmusikschaffen auch über die Staatsgrenzen hinaus Relevanz. Parallel zu dieser Entwicklung ist die Sichtung, Aufarbeitung und Bewertung der Frühphase, die nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst britische und amerikanische Vorbilder importierte und adaptierte und spätestens ab Ende der 1960er-Jahre eigene Sichtweisen und Formen entwickelte (Stichwort: "Austropop"), in vollem Gange. Noch ist die überwiegende Mehrheit der Protagonistinnen und Protagonisten persönlich erreich- und befragbar, noch kann auf ein dichtes Netz von Zeitzeuginnen und Zeitzeugen, Chronistinnen und Chronisten sowie Musikschaffenden der Frühjahre zurückgegriffen werden.

Umso fragwürdiger erschien es lange Zeit, dass der Status Quo der Wiener Populärmusik - die positive Entwicklung hält seit rund fünfzig Jahren an - im wissenschaftlichen Sinn kaum seriös dokumentiert wurde. Es blieb halböffentlichen Initiativen wie dem Skug Resarch Archiv (SRA) im Museumsquartier oder Privatpersonen wie dem ehemaligen Manager von Georg Danzer, Franz Schwarz, oder einigen Musikpublizistinnen und Musikpublizisten überlassen, sich dem lokalen Populärmusik-Schaffen zu widmen.

Aufbau des Pop(ulär)kulturellen Archivs

Seit dem Jahr 2015 ist - auf Initiative der Wienbibliothek im Rathaus, die auch schon die Publikation des Buchs "Wien.Pop" (Falter Verlag 2013) tatkräftig unterstützte - eine populärkulturelle Sammlung im Aufbau. Einerseits ist sie gedacht als weiterer Strang zum Bestandsausbau von zeitgenössischen Materialien aus dem Musikbereich, andererseits zeichnet sich auch eine damit verbundene Professionalisierung der Sammlungs- und Ausstellungstätigkeit im Bereich des Populärkulturschaffens nach 1945 ab. Das Populärkulturelle Archiv der Wienbibliothek bietet öffentlichen Zugang zu den Materialien - bestellbar über den Online-Katalog der Wienbibliothek - und richtet sich an Musik-Expertinnen und -Experten, Musikerinnen und Musiker sowie an die interessierte Öffentlichkeit.

Beratend tätig sind die beiden ausgewiesenen Pop-Experten und Publizisten Thomas Mießgang (Kurator, Journalist bei Die Zeit und Ö1 Hörfunk) und Walter Gröbchen (monkey music), die Koordination erfolgt durch die Öffentlichkeitsarbeit. Für die Benützung aufbereitet werden die Materialien von der Musik-, Handschriften-, Druckschriften- und Plakatsammlung der Wienbibliothek. Vorrangige Sammlungsgegenstände sind herausragende und signifikante, zweidimensionale Objekte lokalen Musikschaffens wie Noten, Songtexte, Bühnenkonzepte, Fotos, Flyer, Plakate, Programme, Pressestimmen, Korrespondenzen sowie persönliche Dokumente.

Diese Archivalien sind Zeitdokumente und zeichnen in ihrer Gesamtheit die Aktivitäten, Hintergründe und Einflüsse, die Entstehung und die Entwicklungen des musikalischen Schaffens in unterschiedlichen Jahrzehnten nach und geben sehr persönliche Einblicke in das jeweilige MusikerInnen-Leben. Damit in Zusammenhang stehen Produkte der Tonträgerindustrie (in Kooperation mit der Österreichischen Mediathek) und Memorabilia aus angrenzenden Bereichen wie Medien, Musikalienhandel, Unterhaltungsgewerbe (Live-Veranstaltungen) und Gastronomie ("Szenelokale"). Ein Schwerpunkt ist die Übernahme von ganzen Vorlässen, Nachlässen sowie Konvoluten einzelner Musikerinnen und Musiker sowie Bands.

Blitzlichter

Bislang gelang dies etwa im Fall der Gruppe Bambis, wo ein von Hannes Schlader angelegtes Fotoalbum übernommen werden konnte, oder der Sammlung Geduldig & Thimann. Weitere Beispiele: Das Projekt-Konvolut von Edek Bartz unter anderem mit einem Tourbuch von Falcos Sommer- und Herbsttournee 1986, die Sammlung Al Cook, Sigi Maron, Stephan Wildner (Chuzpe, Graf Hadik & Die Flughunde), die Gruppe A-Gen 53, das Konvolut von Plakaten und ephemerer Literatur von Conny de Beauclair oder die vielerorts aktive Schlagzeug-Legende Rudi Staeger.

Die Schau "Blitzlichter" im Foyer der Wienbibliothek soll - nomen est omen - einen ersten Blick auf ausgewählte Exponate der neu übernommenen Materialien des Pop(ulär)kulturellen Archivs ermöglichen. Die Ausstellung markiert eine vorläufige Bilanz auf dem Weg der Akquise und Intensivierung dieser heterogenen Sammlungstätigkeit innerhalb der Wiener Musikerszene.

Ergänzend zu den Objekten in der Ausstellung sind Ausschnitte der 2012 für die Publikation "Wien.Pop" geführten Interviews mit Musikerinnen und Musikern, Teile aus dem Ö1 Radiokolleg-Lexikon der österreichischen Popmusik und einige Titel der ausgestellten Musikerinnen und Musiker zu hören. Die Wienbibliothek bedankt sich bei der Österreichischen Mediathek und bei ORF Ö1 für die Unterstützung im Audiobereich.

Veranstaltungsdetails

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