Restaurierung des jüdischen Friedhofs Seegasse

Video "Friedhof Seegasse"

Der älteste erhaltene jüdische Friedhof Wiens, der Friedhof Seegasse, ist ein kulturhistorisches Juwel der Stadt. Das gesamte Areal wird in Zusammenarbeit mit der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG) und dem Bundesdenkmalamt renoviert.

Bereits 1978 verpflichtete sich der damalige Bürgermeister Leopold Gratz, den Friedhof zu restaurieren. Im Oktober 2013 erhöhte die Stadt Wien ihren finanziellen Beitrag zur Pflege jüdischer Friedhöfe. Künftig wird die Israelitische Kultusgemeinde Wien jährlich bis zu 860.000 Euro für die Pflege erhalten.

Kunsthistorisches Juwel

Mit seiner langen, bis in die frühe Neuzeit zurückreichenden, wechselhaften Geschichte kommt dem jüdischen Friedhof in der Seegasse eine besondere kulturhistorische Bedeutung zu. Der einzigartige Bestand marmorner Grabsteine aus dem 16., 17. und 18. Jahrhundert hat auch künstlerische Relevanz. Insgesamt handelt es sich bisher um über 350 erhaltene Grabdenkmäler, von denen 108 - teilweise nur fragmentarisch vorhanden - an der Mauer befestigt sind.

Zahlreiche prominente Vertreter der Wiener Gemeinde, wie etwa die Rabbiner Menachem Hendel (1611) und Simeon Auerbach (1631), der Kaufmann Jakob Koppel Fränkel (1670), der Bankier Samuel Oppenheimer (1703) oder Diego de Aguilar (1759) und Samson Wertheimer (1724) fanden hier ihre letzte Ruhestätte.

Fischähnlicher Grabstein

Grabstein mit Fisch-Abschluss

Grab am Jüdischen Friedhof

1724: Grabstätte von Samson Wertheimer, Oberrabbiner und Finanzier der Habsburger


Überraschungsfunde bei Restaurierungsarbeiten

Aufeinandergeschichtete jüdische Grabsteine

Bei den laufenden Restaurierungsarbeiten auf dem Friedhof Seegasse wurden 20 historische Grabsteine sowie zahlreiche Fragmente entdeckt. Die Steine wurden 1943 von jüdischen Gemeindemitgliedern unter der Erde in mehreren Schichten übereinander vergraben, um sie vor der Zerstörung durch die Nazis zu retten.

Die historischen Grabsteine können ihrem ursprünglichen Bestimmungsort zugeordnet werden, da ein genauer Plan aus dem Jahr 1917 als Grundlage für die Rekonstruktion vorliegt. Damit ist die Seegasse weltweit der einzige jüdische Friedhof, der wieder in den Zustand von vor dem Zweiten Weltkrieg zurückversetzt werden kann. Die Funde lassen darauf schließen, dass es noch zahlreiche weitere verborgene Steine geben könnte.

Zugang für Besucherinnen und Besucher

Seit 1984 ist der Friedhof wieder zugänglich. Der jüdische Friedhof Seegasse kann tagsüber über das PensionIstinnen-Wohnhaus Rossau betreten werden, in dessen Innenhof er sich befindet. Das Friedhofsareal beträgt rund 2.000 Quadratmeter.

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