10. April 1938 - Volksabstimmung für den Anschluss

Mann in Wahlzelle, Plakat mit Aufschrift "Ja", Schwarzweiß-Fotografie

Am 13. März 1938, einen Tag nach dem Einmarsch der deutschen Truppen in Österreich, lässt Adolf Hitler das "Gesetz über die Wiedervereinigung Österreichs mit dem Deutschen Reich" ausarbeiten. Für den 10. April 1938 wird eine Volksabstimmung angesetzt, die im ehemaligen Österreich sowie im sogenannten "Altreich", also auch in Deutschland, durchgeführt werden soll. Bei diesem "Volksentscheid, der keiner ist" wird ein Ergebnis von 99,75 Prozent an Ja-Stimmen erzielt.

"Gib dem Führer ein Ja"

In einem Aufruf zur Volksabstimmung werden drei Gebote formuliert, die eine deutliche Sprache sprechen. Ein Auszug: "Keine Stimme darf durch Unachtsamkeit ungültig werden. Wähle daher erst, nachdem du dich sorgfältig unterrichtet hast. Dein Kreuz gehört in den großen Kreis, der mit Ja überschrieben ist."

Dieser Aufruf zeigt deutlich, dass die Nationalsozialisten zwar aus Legitimationsgründen die Abstimmung durchführen, aber in Wahrheit nicht beabsichtigen, eine freie Wahl abzuhalten. Die Wahl ist nicht als geheime Stimmabgabe angelegt, sondern als öffentliche Kundgebung und als freiwillige Unterwerfung vor den neuen Machthabern.

Wahlwerbung als Propagandaschlacht

Für die Volksabstimmung arbeitet eine gigantische Propagandamaschinerie, mit der Joseph Goebbels besonders gut umgehen kann. Versprochen wird ein Leben wie im Paradies. Der gesamte Alltag soll sich zum Gegenteil wenden. Der Anschluss wird als "Herzenswunsch aller wahren Deutschen" verkauft. Österreich muss dafür mit einem hohen Preis zahlen.

Die Werbung ist, dem Charakter des Systems entsprechend, totalitär und in alle Lebensbereiche eingreifend. Man beschränkt sich nicht nur auf einige Plakate, Flugblätter und Versammlungsreden. Vielmehr wird ganz Österreich von der aufdringlichen Propaganda überflutet. In Wien wird so eine ganze Stadt zum Werbeträger. Den Österreicherinnen und Österreichern, bisher Bewohnerinnen und Bewohner eines Kleinstaates, wird ein neues Selbstwertgefühl vermittelt: das Gefühl, wieder Bürgerinnen und Bürger eines Großreiches zu sein.

"Des Reiches stärkste Ostmark"

Einige Wochen nach dem Anschluss verkündet Adolf Hitler die Aufteilung des Landes Österreich in sieben Gaue: Wien, Niederdonau, Oberdonau, Salzburg, Tirol-Vorarlberg, Steiermark und Kärnten. Das Burgenland wird auf die Gaue Niederdonau und Steiermark aufgeteilt. Der Reichsgau Wien wird durch niederösterreichische Gebiete, vor allem die Orte Fischamend, Korneuburg, Klosterneuburg, Mödling oder Hadersdorf-Weidlingau, erweitert. Wien selbst hat nun 26 Bezirke. Im Jahre 1942 wird die Bezeichnung Ostmark in "Alpen-und Donaugaue" geändert. Damit sollte die Einheit des Landes nicht mehr betont werden.

Die Euphorie des Jahres 1938 weicht bald der Realität eines totalitären Regimes. In Wien kommt es zu einer Verbitterung weiter Kreise. Dies gilt auch für ehemalige illegale Nationalsozialisten. Immer mehr Positionen in Wirtschaft und Politik werden von Personen aus dem "Altreich" besetzt. Allgemein hatte man sich das Leben im "Dritten Reich" anders vorgestellt. Bei Kriegsausbruch verstärkt sich die Ablehnung, diesmal gibt es keine Begeisterungsstürme wie 1914. Die Menschen sind besorgt, die Stimmung bedrückt. Viele haben einfach Angst - begründet, wie die Folgejahre bezeugen.

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