Der Rathausplatz: Treffpunkt für alle Wienerinnen und Wiener

Rathausplatz

Der Rathausplatz ist zu einem beliebten Veranstaltungsort avanciert.


Seit der Fertigstellung des Wiener Rathauses im Jahr 1883 war es Ort vieler großer Ereignisse und wichtiger Entscheidungen. Aber auch der Rathausplatz hat eine sehr interessante und abwechslungsreiche Geschichte. Besonders in jüngster Zeit hat er sich zum wichtigsten Veranstaltungszentrum Wiens entwickelt. Damit ist nach mehr als hundert Jahren ein Traum in Erfüllung gegangen: Das Rathaus ist mit dem Rathausplatz zum "Haus" aller Wienerinnen und Wiener avanciert.

Der Rathausplatz war schon immer als Veranstaltungsort gedacht, wurde jedoch für lange Zeit nur selten auch als solcher genützt. Die größte Kundgebung auf dem Platz fand am 17. September 1911 statt. Etwa 100.000 Menschen folgten dem Aufruf der Sozialdemokraten, gegen die Teuerung zu protestieren. Die Demonstration verlief trotz der Erregung der Menschen ohne Zwischenfälle. Erst als die Demonstrantinnen und Demonstranten unter lauten Protestrufen abzogen, wurden sie von berittener Polizei und Militär bedrängt. Es kam zu heftigen Zusammenstößen, die in der Folge drei Todesopfer und Dutzende Verletzte forderten.

Rathausplatz und Menschen - eine lange Geschichte

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Rathausplatz zum wichtigen Ort für politische Kundgebungen. Die Sozialdemokraten führten ab 1921 ihren Aufmarsch zum 1. Mai, der bis dahin in den Bezirken abgehalten wurde, über die Ringstraße zum Rathausplatz, wo die Abschlusskundgebung stattfand. 1933 wurde der Zug über die Ringstraße von der Regierung verboten. Die Sozialdemokraten führten einen "Spaziergang" entlang der Militärposten durch, die alle Zugänge zur Innenstadt absperrten. Seit 1946 sind wieder die Ringstraße und der Rathausplatz der Schauplatz der Mai-Aufmärsche. Auch die politischen Gegner der Sozialdemokraten riefen in der Ersten Republik häufig zu Kundgebungen auf dem Rathausplatz auf. So fand am 2. August 1920 eine Großkundgebung gegen "den Steuer-Bolschewismus der Rathaussozialdemokraten", also gegen die Einführung der Luxussteuer, statt. Am 22. Jänner 1923 hielten Anhänger des "völkisch-antisemitischen Kampfausschusses", einer gemeinsamen Aktion von Christlichsozialen und Nationalsozialisten, eine antisemitische Kundgebung ab.

Ein großer Platz - große Ideen

Auch nach dem Zweiten Weltkrieg kam es fallweise zu Veranstaltungen auf dem Rathausplatz. Die erste Großkundgebung war der Österreichische Jugendtag am 16. September 1945, den die damals bestehenden Jugendorganisationen - Sozialistische Jugend, ÖVP-Jugend, Freie Österreichische Jugend und Pfadfinder - gemeinsam veranstalteten. Wie selten der Rathausplatz beansprucht wurde, zeigt beispielhaft das Jahr 1950: Es waren außer der Maifeier nur vier große Veranstaltungen zu verzeichnen. Um diese Zeit setzte zunehmend die Motorisierung ein. Der Rathausplatz verwandelte sich in einen Parkplatz. Es war Bürgermeister Felix Slavik, der daran ging, den Rathausplatz von einem Blechmeer in einen Treffpunkt für Menschen umzuwandeln. Die Sperre des Platzes wurde mit einem Wettbewerb für Architekten verbunden: Es sollten bauliche Möglichkeiten gefunden werden, die ganzjährige Veranstaltungen ermöglichten. Der Wettbewerb führte zur Erkenntnis, dass die Errichtung fester Bauten auf dem Platz keine brauchbare Lösung sei.

Bürgermeister Leopold Gratz holte den traditionellen Christkindlmarkt, der seit 1600 nachweisbar ist und verschiedene Standorte in Wien hatte, im Jahr 1975 auf den Rathausplatz. Damit war ein Beispiel gesetzt. Im Laufe der kommenden Jahre entwickelte sich der Rathausplatz zum wichtigsten Veranstaltungsort Wiens, der fast das ganze Jahr über belebt ist.

Leinwand vor dem Rathaus beim Filmfestival

Neues Leben für den Rathausplatz

Im Jahr 1990 wurde eine weitere große Idee geboren: Das Filmfestival auf dem Rathausplatz, veranstaltet in den Sommermonaten Juli und August. Seither liegt Musik in den Wiener Sommernächten. Gezeigt werden täglich ab Sonnenuntergang Opern- und Operettenfilme sowie konzertante Aufführungen wie etwa die Neujahrskonzerte - alles auf einer Großbildleinwand vor Tausenden Besuchern. Ergänzt wird das Filmfestival um ein umfangreiches kulinarisches Angebot - serviert von verschiedensten Wiener Betrieben, die Speis und Trank aus aller Welt anbieten.

Für die Wienerinnen und Wiener ist das Filmfestival zu "einem großen, erweiterten Wohnzimmer" geworden, so ein Erfinder der Veranstaltung. Aber auch Gäste aus aller Welt besuchen alljährlich diese Veranstaltung. Das Filmfestival ist zu einem touristischen Fixpunkt geworden. Und kopiert wurde diese Idee auch - sowohl in vielen Städten Österreichs, als auch im Ausland. Im Jahr 2005 konnten beim Filmfestival auf dem Rathausplatz mehr als 500.000 Besucherinnen und Besucher gezählt werden, wieder eine stolze Bilanz.

Rathausplatz für alle Wienerinnen und Wiener

Gute Ideen ernten in Wien immer vor ihrer Verwirklichung heftige Kritik. So war es auch vor mehr als zehn Jahren, als erstmals der Rathausplatz in einen Eislaufplatz verwandelt werden sollte. Aber der "Wiener Eistraum" hat sich durchgesetzt und ist zu einem Fixpunkt des "Rathausplatz-Jahres" geworden. Wer immer hier seine Kurven auf blankem Eis gezogen hat, wird dieses Erlebnis niemals vergessen. Ein Eislaufplatz mitten in der Stadt - Wien hat es wahr gemacht!

Der Rathausplatz ist natürlich auch Ort für die alljährliche, feierliche Eröffnung der Wiener Festwochen und zahlreicher Informationsveranstaltungen wie etwa der Wiener Wirtschaft und des Gesundheitswesens. Hier ist auch Platz für sportliche Aktivitäten wie Stadt-Marathon und Radrennen. Der Rathausplatz ist ebenso wichtiger Schauplatz für das Wiener Ferienspiel für Kinder und Jugendliche wie für das Blasmusikfest und den Tierschutztag. Kurz gefasst: Der Rathausplatz gehört allen Wienerinnen und Wienern. Und all unseren Gästen, die wir gerne hier willkommen heißen.

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Dr. Ingeborg Bauer-Manhart (Magistratsabteilung 53)
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