Zur Geschichte der Wiener Festwochen

Festwochenplakat von Slama (1951)

Zur Kulturpolitik im Allgemeinen ...

In einer Diktatur entscheiden Politikerinnen und Politiker, was in der Kunst gut und was schlecht ist, was das Publikum hören und sehen darf, was verboten und verpönt ist. Von einer demokratischen Kulturpolitik ist hingegen zu erwarten, dass sie ihre Aufgabe lediglich darin sieht, der freien Entfaltung des kulturellen Lebens zu dienen. Ein zuverlässiges Rezept für die Bewältigung dieser Aufgabe gibt es allerdings nicht. Was städtische Kulturpolitik bewirken kann, zeigt sich ganz deutlich in der Entwicklung der Wiener Festwochen.

Der Beginn in der Ersten Republik

Schon im Mai und im Juni 1920 veranstaltete die Stadt Wien ein Musikfest, an dem sich die Staatsoper sowie die besten Musikerinnen und Musiker der Stadt beteiligten. Fast in jedem folgenden Jahr fand ein Festival statt. 1927 trug die Veranstaltung erstmals den Namen "Wiener Festwochen", 1929 gab es "Festwochen in Wien", Glanzpunkt war Georg Büchners "Dantons Tod", inszeniert von Max Reinhardt im Arkadenhof des Rathauses. Die schlechte finanzielle Lage Wiens verhinderte ab 1930 ähnliche Aktivitäten.

Die ersten Wiener Festwochen nach dem Krieg

Am 26. Mai 1951 wurden die ersten Wiener Festwochen nach dem Zweiten Weltkrieg eröffnet. Drei Wochen lang stand die beflaggte Stadt im Zeichen von 155 Opern- und Theateraufführungen, Tanzveranstaltungen, Konzerten und Ausstellungen. In der Presse wurde damals von einem "Evangelium der Kultur" gesprochen.

Mit diesen ganz besonderen Festwochen galt es, der Welt zu beweisen, dass die "Hauptstadt der Musik" - trotz Zerstörung und Besetzung - ihre Identität wiedergefunden hatte. Man hörte Strauss, Mozart, Mahler, Haydn, Beethoven - von den besten in- und ausländischen Ensembles gespielt, dirigiert von Stars wie Bruno Walter oder Herbert von Karajan. Stand vor allem die Musik im Vordergrund, sollten die Wiener Festwochen zugleich auch eine Zusammenfassung der Leistungen Wiens auf allen künstlerischen Gebieten sein. Das Motto war "Unsterbliches Wien".

Die Festwochen des Jahres 1951 waren als Festwochen für die Wienerinnen und Wiener gedacht. In diesem Sinne gab es ein großes, die ganze Stadt umfassendes Eröffnungsfest. Festwochenveranstaltungen der großen Bühnen und Orchester wurden in Betrieben und Schulen wiederholt. Im Schönbrunner Schlosshaus und im Arkadenhof des Rathauses wurden Veranstaltungen für ein breites Publikum geboten. Hilde Spiel, die Grande Dame der österreichischen Kultur, schrieb zu jener Zeit: "... Auf allen Plätzen der Stadt wird Musik gemacht, von den ersten Orchestern bis zu den populären Blaskapellen, und ist die Mailluft lau, dann schwärmen die Wiener nächtens durch die Straßen wie die Pariser am 14. Juli ..."

Das Bild der Festwochen hat sich am Anfang des 21. Jahrhunderts stark gewandelt. Sie haben nicht mehr allein das Ziel, sich an die Wienerinnen und Wiener zu wenden, sondern zeigen verstärkt mehr elitären Anspruch. Auch die Interessen des Fremdenverkehrs gewannen seit den 1970er-Jahren immer mehr Einfluss auf den Charakter der Festwochen.

Kleine Chronik des Jahres 1951

Bei der Volkszählung im Juni 1951 zählt Wien 1.766.102 Einwohnerinnen und Einwohner. Ebenfalls im Juni wird Franz Jonas nach der Wahl Theodor Körners zum Bundespräsidenten Bürgermeister von Wien. Im Juli protestieren Hausfrauen in der Großmarkthalle im dritten Bezirk gegen die hohen Fleischpreise. Bis zum 22. Juli 1952 werden wegen der Fleischknappheit zwei fleischlose Tage pro Woche eingeführt. Im August wird die Per-Albin-Hansson-Siedlung am Laaerberg den Bewohnerinnen und Bewohnern übergeben. Im November wird die Abfahrtshalle des neuen Westbahnhofs eröffnet. Am 25. Mai 1951 stirbt in Wien die Schriftstellerin Paula von Preradovic, Textdichterin der österreichischen Bundeshymne.

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