Bürgerkrieg 1934

1934 verhaftete Personen

Verhaftete Schutzbündler in Floridsdorf 1934

Die Ereignisse der Februartage 1934 gehören zu den dunkelsten und folgenschwersten Kapiteln der österreichischen Geschichte im 20. Jahrhundert. Schwere innenpolitische Krisen und damit verbundene Eskalationen bringen für die Erste Republik schicksalhafte Tage mit einem für die Zukunft katastrophalen Verlauf: den Bürgerkrieg.

Zwei Gruppen polarisieren in diesem Konflikt. Auf der einen Seite steht der seit März 1933 verbotene Republikanische Schutzbund der Sozialdemokraten. Auf der anderen Seite steht die Regierung Engelbert Dollfuß mit der Exekutive, also Bundesheer, Polizei und Gendarmerie sowie den Heimwehrverbänden.

Es sind die unüberwindbaren Gegensätze zwischen beiden Gruppen, die im Februar 1934 in Österreich die Waffen sprechen lassen.

Februar 1934 - Schicksalstage für Österreich

Artilleriestellung 1934

Bundesheer in Stellung vor dem Karl-Marx-Hof

Am 11. Februar 1934 spricht der Heimwehrführer Emil Fey bei einer Veranstaltung deutliche Worte: "Die Aussprachen von gestern und vorgestern haben uns die Gewissheit gegeben, dass Kanzler Dollfuß der Unsrige ist. Ich kann euch noch mehr, wenn auch mit kurzen Worten, sagen: Wir werden morgen an die Arbeit gehen und wir werden ganze Arbeit leisten". Als Reaktion auf diese Worte richtet Richard Bernaschek, Kommandant des Schutzbundes in Oberösterreich, einen Brief an den Parteivorstand in Wien. Er kündigt an, dass im Fall einer Waffensuche in Oberösterreich mit Widerstand des Schutzbundes zu rechnen sei.

Am 12. Februar gegen sechs Uhr früh versuchen Polizisten in das sozialdemokratische Parteiheim im Hotel "Schiff" in Linz einzudringen. Gesucht werden Waffen. Der Schutzbund eröffnet das Feuer. Erst in den Mittagsstunden wird das Hotel durch das Bundesheer erstürmt.

Zerschossene Fassade eines Arbeiterheims 1934

Das zerstörte Arbeiterheim Ottakring

Die Kämpfe greifen schnell auf andere Industriegebiete wie Steyr und Bruck an der Mur über, dann wird auch in Wien gekämpft. In den Mittagsstunden gibt das Wiener E-Werk mit der Stromabschaltung das Signal zum Generalstreik. Er wird zum Schaden der kämpfenden Schutzbündler nicht lückenlos eingehalten. Zahlreiche Historiker sehen in dieser Tatsache eine Mitursache für das Scheitern des Widerstandes.

Der mangelhaft ausgerüstete und personell schwache Schutzbund hat gegen Bundesheer, Polizei und Heimwehr keine Chance. In Wien wird vor allem in den Bezirken Favoriten, Simmering, Ottakring, Döbling und Floridsdorf gekämpft. Es sind die Gemeindebauten, die vom Bundesheer wie Festungen beschossen werden. Die Kämpfe dauern bis in den 15. Februar hinein. Danach sind mit der Besetzung des Karl-Marx-Hofes in Heiligenstadt die Kampfhandlungen zu Ende.

Die Opferbilanz dieser Tage ist verheerend: Die Februarkämpfe fordern auf beiden Seiten Hunderte Tote und Verletzte. In Wien muss Bürgermeister Seitz zurücktreten. Als er sich weigert, das Rathaus zu verlassen, wird er mit Gewalt herausgezerrt. Nach Ausrufung des Standrechtes werden neun Schutzbündler hingerichtet. Mehr als 1.200 Menschen werden eingekerkert. Die Sozialdemokratische Partei wird verboten, ihre Führer gehen ins Exil.

Der Weg für die Nazis ist frei

In diesen Februartagen des Jahres 1934 stemmen sich verzweifelte Sozialdemokraten gegen eine politische Entwicklung, die sie in Wahrheit längst überrollt hat. Die Gräben zwischen den beiden großen politischen Parteien hat der Bürgerkrieg noch tiefer gegraben. Einander über Parteigrenzen die Hände zu reichen, ist erst im April 1945 möglich.

Die weiteren innenpolitischen Auseinandersetzungen des Jahres 1934 gipfeln am 25. Juli im Putschversuch der illegalen Nationalsozialistischen Partei. Die Putschisten wollen nach dem Vorbild des Jahres 1933 in Deutschland auch in Österreich die Macht übernehmen. Der Putsch scheitert. Allerdings wird dabei Bundeskanzler Dollfuß in seinen Räumen im Bundeskanzleramt erschossen.

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