Wien im Vormärz - Stadtgeschichte Wiens

Porträt eines hohen Politikers des frühen 19. Jahrhunderts, hoher Stehkragen, Orden

Fürst von Metternich (1815)

Die Napoleonischen Kriege waren in ihrer revolutionären Kraft nicht ohne Folgen für die weitere soziale Entwicklung Wiens. Nach der endgültigen Niederlage Napoleons bei Waterloo und den Beschlüssen des Wiener Kongresses im Jahr 1815 sorgten der reaktionäre Kaiser Franz und der einflussreiche Staatskanzler Metternich für Repression und Stillstand.

Der sogenannte Vormärz, der die Zeitspanne zwischen dem Wiener Kongress und der Märzrevolution des Jahres 1848 umfasst, war geprägt von unterschiedlichen Entwicklungen. Wien erlebte eine wirtschaftliche und kulturelle Blüte. Gleichzeitig hatte die Stadt mit großen sozialen Problemen zu kämpfen.

Ungebremste Wachstumsdynamik

Unter dem reaktionären Deckel entstand jedoch eine erhebliche sozioökonomische Dynamik. So blieben die staatlichen Bauverbote in den Vorstädten und Vororten ohne größere Wirkung. Die Bevölkerungszahl verdoppelte sich von 250.000 um 1800 innerhalb weniger Jahrzehnte auf eine halbe Million.

Die Bevölkerung fand nun auch in dem steuerlich begünstigten, weil außerhalb des Linienwalls gelegenen Vorortgürtel ihre Wohnstätten. Sie pendelte über die Linie zu ihren Arbeitsorten. Diese hatten nun mit den Handwerksbetrieben der frühen Neuzeit immer weniger gemein. Zwar in ihrem Charakter noch immer klein- und mittelbetrieblich organisiert, modernisierte sich das Wiener Gewerbe in der Industriellen Revolution. Dort und da wiesen bereits einige (Lokomotiv-)Fabriken in die neue Zeit.

Massenelend

Der Preis des raschen Stadtwachstums war hoch. Die ohnehin dürftige Existenz großer Teile der städtischen Unterschichten geriet durch die junge Industrie in völliges Elend. Ein großer Teil der Bevölkerung erlebte trotz hohen wirtschaftlichen Wachstums eine Verschlechterung des Lebensstandards. Letztlich war dies eine wichtige Ursache der Revolution von 1848. Die Unterdrückung der Reformbewegung konnte zwar mit roher Gewalt durchgesetzt werden, jedoch mussten einige Kompromisse eingegangen werden. Das Erlangen der Gemeindeautonomie etwa ermöglichte den Weg in die künftige Großstadtwerdung.

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