Wien als kaiserliche Residenzstadt - Stadtgeschichte Wiens

farbiger Plan Wiens

Plan Wiens von 1736

Im 16. Jahrhundert änderte sich die Situation Wiens grundlegend. In wirtschaftlicher Hinsicht verlor der Donauhandel für Wien an Bedeutung. Die Lockerung des Niederlagsprivilegs 1515 durch Maximilian I. beendete das Monopol der Wiener Großhändler im Zwischenhandel. Die politischen Freiheiten der bis dahin relativ autonomen Kommune wurden zu Beginn der Regierung Ferdinands I. durch die Stadtordnung von 1526 stark beschnitten. Wien stand damit verstärkt unter landesherrlicher Kontrolle. Die Stadt wurde unter Ferdinand I. wieder bevorzugte Residenz der Habsburger.

Verändertes Sozialgefüge

Die Residenzfunktion änderte das soziale Gefüge der Stadt. Der Hof zog viele Adelige der habsburgischen Länder an. Da diese sich ihre eigenen Stadtpalais zulegten und dadurch das Bürgertum räumlich zurückdrängten, gab es immer wieder Konflikte mit der Kommune. Zur Verwaltung der habsburgischen Länder wurden verschiedene überregionale Behörden geschaffen, die ihren Sitz in der Stadt hatten. Diese Entwicklung begann unter Ferdinand I. und verstärkte sich im Lauf der Zeit, besonders aber im 18. Jahrhundert. Entsprechend wuchs die Zahl der Beamten. Als dritte Gruppe neben Adel und Beamten ist die Geistlichkeit zu nennen. Die Habsburger förderten im Zuge des Kampfes gegen den Protestantismus den Ausbau von Klöstern stark.

Barocke Metropole

Ein entscheidender Wendepunkt in der Entwicklung der Stadt war der Sieg über die Osmanen bei der Zweiten Wiener Türkenbelagerung 1683. Durch die habsburgischen Erfolge in Ungarn wurde Wien zur prosperierenden Hauptstadt einer europäischen Großmacht. Ein gewaltiger Bauboom setzte ein. Mit Johann Bernhard Fischer von Erlach und Johann Lukas von Hildebrandt waren zwei Architekten von europäischem Rang in Wien tätig. Es entstanden zahlreiche Adelspaläste und Gärten, aber auch Kirchen. In dieser Phase wurden die Vorstädte immer dichter verbaut. Der Hochadel setzte wirtschaftlich starke Impulse durch seine Luxusausgaben, da demonstrativer Konsum zur adeligen Repräsentation gehörte. Der zahlenmäßig kleinen Oberschicht stand eine große Zahl von armen Personen gegenüber.

Vogelschau auf das alte AKH

Invalidenhaus, Vorgänger des Allgemeinen Krankenhauses (Daniel Huber, um 1770)

Stadtwachstum

Noch zweimal geriet das Stadtwachstum ins Stocken: durch die Kriegsperiode von 1740 bis 1763 und die Napoleonischen Kriege. Dennoch kam es im 18. und frühen 19. Jahrhundert zu einem enormen Zuzug in die Stadt, da Wien das wichtigste Zentrum in der Monarchie war. Wien war jedoch nicht mehr nur die Stadt des Konsums, sondern zunehmend auch eine Gewerbe- und allmählich auch eine Industriestadt. Diese gewandelte ökonomische Rolle spiegelt sich am eindrucksvollsten im Aufstieg der Wiener Seidenfabrikation.

Stadträumlich erlangte die Vorstadtzone, vor allem ihr am Wienfluss gelegener Teil, als Standort der Textil- und anderer Produktionen große Bedeutung. Sie bildete einen bis weit in das 19. Jahrhundert nachwirkenden gewerblichen Cluster. Die im späten 18. Jahrhundert beschleunigte Erschließung noch unbebauter Vorstadtgründe, allen voran das Schottenfeld, setzte eine erhebliche demographische Dynamik in Gang. Sie verlagerte schon in dieser Phase den Wachstumsschwerpunkt in die Vorstädte.

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Wiener Stadt- und Landesarchiv (Magistratsabteilung 8)
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