Nachkriegszeit - Stadtgeschichte Wiens

Im April 1945 fanden in Wien die letzten Kämpfe statt. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs konstituierte sich noch im selben Monat eine provisorische Gemeindeverwaltung. Die politischen Parteien entstanden ebenfalls von Neuem.

Besatzungszeit

Sowjetische Truppen 1945 zu Fuß und zu Pferde

Einmarschierende sowjetische Truppen 1945

Die Lage der Stadt war trist. Mehr als 20 Prozent des Hausbestandes waren ganz oder teilweise zerstört. Beinahe 87.000 Wohnungen waren unbewohnbar. Im Stadtgebiet wurden mehr als 3.000 Bombentrichter gezählt. Zahlreiche Brücken lagen in Trümmern. Kanäle, Gas- und Wasserleitungen hatten schwere Schäden erlitten. Zunächst ging es somit um die Lösung elementarster Probleme. Die Stadt musste erst wieder funktionsfähig gemacht werden. Der äußere politische Rahmen gestaltete sich gleichfalls als kompliziert. Die alliierten Besatzungsmächte erkannten die Gebietserweiterungen der Nazi-Zeit nicht an. Dies hatte zur Folge, dass die bis 1938 bestehenden Bezirke auf vier alliierte Besatzungszonen aufgeteilt wurden. Die Innere Stadt wurde von allen vier Besatzungsmächten gemeinsam als "Interalliierte Zone" verwaltet. Die Bezirke 22 bis 26, damit die 97 niederösterreichischen Gemeinden, um die Wien im Oktober 1938 erweitert worden war, galten als zu Niederösterreich gehörig. Sie unterstanden damit der sowjetischen Besatzungsmacht.

Rückkehr zur Demokratie

Menschen gehen durch eine Straße mit zerstörten Häusern

Kriegsende 1945: Der Wiederaufbau war ein zentrales Thema des neuen Gemeinderates.

Im November 1945 erfolgte mit der Abhaltung der ersten Gemeinderatswahlen die endgültige Rückkehr zu demokratischen Verhältnissen. Die 100 Mandate des Wiener Gemeinderates teilten sich zu 58 auf die Sozialistische Partei, zu 36 auf die Volkspartei und zu sechs auf die Kommunisten auf. Schwerpunkte der Tätigkeit der Stadtverwaltung waren zunächst vor allem Jugend- und Altersfürsorge, Instandsetzung der städtischen Unternehmungen und Wiederaufbau. Dieses Programm sollte bis in die frühen 1960er-Jahre vorherrschend sein. Bereits 1946 wurde das so genannte "Gebietsänderungsgesetz" beschlossen. Dieses machte die Stadterweiterung von 1938 weitgehend wieder rückgängig. Das Gesetz fand acht Jahre lang nicht die Zustimmung der Besatzungsmächte, vor allem der sowjetischen. Seine endgültige Realisierung war erst 1954 möglich. Seither umfasst das Stadtgebiet 23 Bezirke. Gegenüber der Ära vor 1938 kamen der 22. Bezirk nördlich der Donau und der 23. Bezirk im äußersten Süden des Stadtgebietes nunmehr endgültig zu Wien.

Staatsvertrag

Am 15. Mai 1955 sollte dann auch das Land mit dem "Österreichischen Staatsvertrag" seine Freiheit wiedererlangen. In Wien kam es dank der Auswirkungen der Marshallplan-Hilfe wie auch des Endes der Beschlagnahmungen von Industrieanlagen durch die sowjetische Besatzungsmacht zu einem neuerlichen Wirtschaftsaufschwung.

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