Von der Metropole eines Großreiches zur Hauptstadt eines Kleinstaates - Stadtgeschichte Wiens

Menschenmenge mit Soldaten

Abmarsch der Deutschmeister (Jänner 1915)

Der Charakter Wiens als Metropole eines Großreichs sollte sich während des Ersten Weltkriegs (1914 bis 1918) als für die Lebensverhältnisse in der Stadt überaus problematisch erweisen. Im Gegensatz zu den Jahren des Zweiten Weltkriegs ist es zu keiner unmittelbaren militärischen Bedrohung und keinen direkten Kampfhandlungen im Stadtgebiet gekommen. Die mittelbaren Auswirkungen waren jedoch verheerend. Eine gravierende Versorgungskrise beherrschte das Bild. Zehntausende Kriegsflüchtlinge strömten in die Stadt.

Wien als "Wasserkopf" Österreichs

Mit dem Ende des Krieges und der Monarchie im Spätherbst 1918 war die frühere Reichshaupt- und Residenzstadt der Habsburger zur Hauptstadt eines Kleinstaates geworden. Der riesige Verwaltungsapparat der Donaumonarchie musste mühsam abgebaut werden. Das Verhältnis Wiens zur jungen Republik wurde damals gerne mit dem Begriff des "Wasserkopfes" bezeichnet. Darin spiegelte sich die überproportionale Konzentration der Bevölkerung in der Bundeshauptstadt im Vergleich zu den Bundesländern.

Wien wird Bundesland

Menschenschlange, die sich im Jahr 1915 um Mehl anstellt

Mehlverkauf 1915

Nicht zuletzt aus politischen Erwägungen kam es 1921 zum Beschluss des so genannten "Trennungsgesetzes". Dieses löste die uralte Verbindung Wiens mit dem umliegenden Niederösterreich auf. Es erhob die Stadt in den Rang eines eigenen Bundeslandes. In Wien dominierte ab 1918/19 die Sozialdemokratie. Das führte angesichts der gegebenen Bevölkerungsmassierung dazu, dass sich auch für das agrarisch geprägte Niederösterreich eine sozialdemokratische Mehrheit ergab. Es waren somit vor allem Bestrebungen der christlichsozialen Partei gewesen, die das "Trennungsgesetz" gefördert hatten.

Verantwortlich für diese Seite:
Wiener Stadt- und Landesarchiv (Magistratsabteilung 8)
Kontaktformular