Groß-Wien - Stadtgeschichte Wiens

Schwarz-Weiß-Aufnahme eines Saals mit großem Luster und Wandteppich

Ein Wandteppich im Gobelinsaal des Wiener Rathauses mit NS-Emblematik und einem Zitat von Adolf Hitler: "Diese Stadt ist in meinen Augen eine Perle. Ich werde sie in jene Fassung bringen, die dieser Perle würdig ist."

In der Zeit des Nationalsozialismus sollte Wien zur flächenmäßig größten Stadt des Deutschen Reichs ausgedehnt werden. Die "Perle" Wien, so Adolf Hitler wenige Wochen nach dem Anschluss 1938, sollte damit "eine würdige Fassung" erhalten. Als Vorbild dienten die neuen deutschen Riesenstädte Groß-Berlin und Groß-Hamburg.

Ziel dieser Stadterweiterung war es vor allem, die bevölkerungsreichen und industriell hoch entwickelten Gemeinden südlich von Wien einzugemeinden. Diese Idee beschäftigte das Wiener Stadtbauamt schon ein Jahr zuvor. Bereits 1937 wurden Pläne für einen Wiener Großraum ausgearbeitet. Dieser sollte bis Wiener Neustadt, St. Pölten und Tulln reichen.

Eine der weltweit größten Städte

Bereits kurz nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich am 13. März 1938 wurde die Umsetzung dieses Großprojekts in Angriff genommen. Am 15. Oktober 1938 trat die Stadterweiterung in Kraft. Rund 200.000 Menschen aus Niederösterreich gehörten mit einem Schlag zur Wiener Bevölkerung. Durch die Eingemeindung von 97 umliegenden Gemeinden entstanden zudem fünf neue Bezirke (Groß-Enzersdorf, Schwechat, Mödling, Liesing und Klosterneuburg). Wien wuchs damit auf 26 Bezirke an. Mit zwei Millionen Einwohnerinnen und Einwohnern und einem um das Fünffache vergrößerte Stadtgebiet gehörte Wien nun zu den größten Städten der Welt.

Historischer Plan mit den ursprünglichen Stadtgrenzen und jenen von Groß-Wien

Übersichtsdarstellung zum "Reichsgau Wien" aus dem Verwaltungsbericht der Stadt Wien 1938 - Der grüne Bereich markiert das ursprüngliche Stadtgebiet, die rote Umrandung Groß-Wien. (Großansicht: 800 KB JPG)

Neue Bezirksgrenzen

Innerhalb Wiens wurden bestehende Bezirksgrenzen verändert und Bezirke zusammengelegt. So wurde der kleine Bezirk Rudolfsheim an den damals 15. Bezirk Fünfhaus angegliedert. Jene Teile des 13. Bezirks Hietzing, die nördlich des Wienflusses liegen, wurden zum 14. Bezirk erklärt und um die niederösterreichischen Wienerwaldgemeinden Hadersdorf-Weidlingau und Purkersdorf erweitert.

Nationalsozialistischer Größenwahn

Obwohl Wien nicht dieselbe städtebauliche Aufmerksamkeit erhielt wie andere Städte des Reichs, sollte auch hier das Stadtbild nachhaltig verändert werden. Prächtige Monumentalbauten und protzige Prunkstraßen wurden geplant. Von der anfänglichen Planungseuphorie, die eine Monumentalstraße auf den Kahlenberg, einen "Kultbezirk" auf dem Heldenplatz oder ein Aufmarsch- und Festgelände im Norden Wiens vorsah, blieb jedoch kaum etwas übrig.

Ein Autobahnring um Wien sollte geschaffen werden, der in der A 21 und der S 1 teilweise verwirklicht ist. Die Wohnbauprojekte des sozialdemokratischen Wiens sollten durch die Schaffung von zehntausenden Wohnungen in den Schatten gestellt werden. Es wurde jedoch nur ein Bruchteil davon tatsächlich errichtet. Stattdessen wurden Wohnungen der jüdischen Bevölkerung Wiens arisiert, die vormaligen Besitzerinnen beziehungsweise Besitzer vertrieben oder deportiert und ermordet. Militärisch wurde die Stadt durch die Errichtung der Wiener Flaktürme aufgerüstet.

Das Ende von Groß-Wien

Der Kriegsverlauf hatte viele nationalsozialistische Vorhaben verzögert und schließlich verhindert. Statt Prunk und Glanz hatte das nationalsozialistische Regime der Stadt Tod und Zerstörung gebracht. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Wien von den Alliierten besetzt und in vier Sektoren aufgeteilt. Die Gebietserweiterungen wurden größtenteils rückgängig gemacht. Es dauerte neun Jahre, bis ausgehandelt war, welche Gemeinden an Niederösterreich fallen sollten. Letztendlich verblieben 1954 nur 17 Gemeinden bei Wien.

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Wiener Stadt- und Landesarchiv (Magistratsabteilung 8)
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