Wiener Türkenbelagerungen - Stadtgeschichte Wiens

Expansion der Osmanen

Rundsicht mit osmanischem Heer vor den Toren Wiens

Erste Türkenbelagerung Wiens nach Nikolaus Meldemann (1530)

Unter Sultan Suleiman dem Prächtigen, der von 1520 bis 1566 herrschte, trat das Osmanische Reich in eine Phase der Expansion. 1521 eroberten die Osmanen das stark befestigte, damals ungarische Belgrad. 1526 wurden in der Schlacht von Mohacs nicht nur die Ungarn vernichtend geschlagen, sondern auch der ungarische König Ludwig II. aus der Familie der Jagiellonen getötet.

Gemäß den Bestimmungen von 1515 anlässlich der Wiener Doppelhochzeit zwischen den Habsburgern und den Jagiellonen fiel der Anspruch auf die böhmischen und ungarischen Kronen an Ferdinand I. von Habsburg. Dieser konnte sich in der Folge zwar in Böhmen durchsetzen, aber in Ungarn war die Thronfolge umstritten. Suleiman drang inzwischen weiter vor und stand 1529 mit seinen Truppen vor Wien.

Die zahlenmäßig weit überlegenen Angreifer konnten mehrere Breschen in die unmodernen, hauptsächlich noch aus dem 13. Jahrhundert stammenden Wiener Stadtmauern schlagen. Trotzdem brachen die Osmanen die Belagerung wegen Schwierigkeiten beim Nachschub und wegen ungünstigen Witterungsverhältnissen ab. Mit diesem Misserfolg war die Expansion der Osmanen nach Mitteleuropa gestoppt. Im Friedensvertrag von 1533 fiel den Habsburgern der westliche Teil Ungarns zu.

Ausbau der Befestigungen

mittelalterliche Ansicht Wiens

Vogelschau Wiens von Jacob Hoefnagel (1609)

Die Belagerung Wiens 1529 hatte für die Stadt erhebliche Folgen. Zum einen waren die Vorstädte zerstört und die Schäden enorm. Zum anderen stand die Gefahr im Raum, dass wegen der nahen Grenze eine abermalige Belagerung jederzeit möglich war. Daher wurden die Wiener Befestigungsanlagen nach den Prinzipien moderner italienischer Festungsbaukunst ausgebaut. Dies war mit erheblichen Investitionen verbunden und konnte daher nur langsam vorangetrieben werden.

Städtebaulich prägte die neue Befestigung die Stadt entscheidend. Die Innere Stadt wurde nun mit Bastionen, Kurtinen und einem Graben umgeben. Die freie Fläche vor den Mauern, das sogenannte Glacis, musste unbebaut bleiben. Im 17. Jahrhundert wurden die Festungsanlagen mit Ravelins verstärkt. Der Befestigungsgürtel schränkte den Ausbau der Stadt selbst stark ein. Innerhalb der Befestigung war der Platz sehr beschränkt, weshalb die Häuser viele Stockwerke erhielten. Zu den Vorstädten war die Verbindung durch die wenigen, kleinen Stadttore stark behindert.

Die Zweite Wiener Türkenbelagerung

1683 versuchten die Osmanen erneut, Wien zu erobern. Die Stadt entging nur knapp einer Katastrophe. Mit der siegreichen Entsatzschlacht am Kahlenberg konnte jedoch eine Wende im habsburgisch-osmanischen Kräfteverhältnis eingeleitet werden. Bis 1699 eroberten die Habsburger ganz Ungarn. Damit war die Gefahr einer erneuten Belagerung Wiens durch die Osmanen endgültig gebannt.

Der Linienwall

Trotz des Sieges über die Osmanen benötigte die Stadt militärischen Schutz. Immer wieder kam es in Ungarn zu Aufständen gegen die Habsburger, die auch die barocke Metropole bedrohten. Daher wurde 1704 der Bau des sogenannten Linienwalls beschlossen, der die wachsenden Vorstädte miteinbezog. Dieser verlief etwa entlang dem heutigen Gürtel und umschloss also die Innere Stadt mit den stetig wachsenden Vorstädten. Der Linienwall wurde auch als Mautgrenze genutzt.

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Wiener Stadt- und Landesarchiv (Magistratsabteilung 8)
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