"Schuberts 'Winterreise'"

Peripatetische Akademie auf Schloss Raabs an der Thaya

Wiener Vorlesung am 9. Juli 2017

Huub Claessens:

Es ist unser Bedürfnis, ein neues Bewusstsein zu schaffen, um diesem vollendeten Kunstwerk wieder mit offenem Herzen entgegenzutreten und so nicht nur die äußere Verpackung zu beurteilen, sondern den eigenen Schmerz, das eigene Verlangen, die eigene Einsamkeit wieder in abgerundeter Form fühlen zu dürfen.

Marie-Agnes Dittrich:

Als gängige Erklärung für die deprimierende Stimmung in der 'Winterreise' gilt der ständige Kontrast von glücklicher Vergangenheit (in Dur) und trauriger Gegenwart (in Moll). Das aber stimmt so nicht: Die Vergangenheit spielt nach dem 8. Lied (Rückblick) keine Rolle mehr, und in der Gegenwart der noch folgenden 16 Lieder ist das Dur durchaus nicht selten. Aber es ist ein anderes und vorher noch nie so komponiertes Dur, das nicht dessen übliche Fröhlichkeit vermittelt.

Martin Schuppich:

Schon die Worte des einsamen Wanderers machen uns betroffen. Die letzte Distanz zu ihm schwindet mit Schuberts genialer musikalischer Dramatisierung: die 'Winterreise' erfasst uns in unserem Innersten. Vielleicht sind wir in unserer schnellen, lauten und extrovertierten Zeit dafür empfänglicher denn je.

Veranstaltungsdetails

Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Verein Freunde und Förderer der Burg Raabs und dem Verlag Bibliothek der Provinz. edition seidengasse statt.

Hinweis

Mit der Teilnahme an den Wiener Vorlesungen stimmen Sie der Veröffentlichung von Fotos und Videoaufzeichnungen, die im Rahmen der Veranstaltungen entstehen, zu.

Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Porträtaufnahme von Marie-Agnes Dittrich

Marie-Agnes Dittrich

Porträtaufnahme von Huub Claessens

Huub Claessens

Porträtaufnahme von Martin Schuppich

Martin Schuppich

Porträtaufnahme von Hubert Christian Ehalt

Hubert Christian Ehalt

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Kulturabteilung der Stadt Wien, Wiener Vorlesungen (Magistratsabteilung 7)
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