"'Sie und nicht wir.' Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit im revolutionären Prozess Europas und der Welt"

Wiener Vorlesung vom 6. Juli 2016

Wolfgang Häusler:

Mit Klopstocks Gedicht 'Sie und nicht wir' - eine Grußadresse an die Französische Revolution von 1789 - stellt sich die Frage nach der Geltung von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit in unserem Staat, in Europa und in der Welt. Das WIR verbindet uns mit der Vergangenheit und den nachfolgenden Generationen - in der Pflicht der Erinnerung und der Verantwortung für die Zukunft.
Wer wir sind und was wir wollen, ist in den Krisen der Gegenwart zur brennenden Frage geworden: 'Wir sind das/ein Volk!' - 'Wir schaffen das / nicht / allein.' Es geht um viel: die gefährdeten Werte einer menschenwürdigen Gesellschaftsordnung.
Auszugehen ist von der zunächst paradox anmutenden Pluralform des monotheistischen Gottesbegriffs bei Juden, Christen und Muslimen - gerade angesichts der Verzerrungen des Gottes- und Menschenbildes. Dies führt zur Kirchengründung durch den zum Völkerapostel gewordenen Juden Saulus/Paulus, den grandiosen Dialektiker von Ich und Wir. 'Ihr Männer, Brüder, was sollen wir tun?' - die bange Frage der Apostelgeschichte führt weiter zu Kants Philosophie und den Postulaten der bürgerlichen und demokratischen Revolution.' Der Prozess der Moderne in Staat, Gesellschaft, Wirtschaft, Arbeitswelt, Kultur entfaltet diese Hoffnungen und Widersprüche. Rousseau, Lessing, Goethe, Schiller, Stifter heißen die Wegbereiter. Büchner, Heine und Marx erkannten die revolutionäre Dimension der Spannung zwischen dem poetischen und kritischen Subjekt und der Emanzipation der Massen. Elias Canettis warnende Stimme soll das letzte Wort haben.

Veranstaltungsdetails

Vortragender und Moderator

Wolfgang Häusler

Wolfgang Häusler

Hubert Christian Ehalt

Hubert Christian Ehalt

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