"Menschenrechte und Menschenpflichten im historischen Kulturvergleich"

Wiener Vorlesung vom 22. Juni 2016

Aleida Assmann:

In der aktuellen Flüchtlingsdebatte geht es mir um drei Punkte: Um das Thema der politischen Durchsetzung von Menschenrechten für staatenlose Bedürftige ohne Rechtsschutz als eine moderne Errungenschaft der Geschichte, um die soziale Unterfütterung dieses rechtlichen Schutzes durch uralte kulturelle Werte wie Empathie und soziale Solidarität, die unter dem Stichwort 'Menschenpflichten' zusammengefasst werden können, und drittens um einen Kanon von Regeln des fairen und respektvollen Zusammenlebens unter Einheimischen und Zugewanderten, der jenseits kultureller Differenzen als gemeinsame Verpflichtung anerkannt wird. In diesem Sinne könnte man zwischen den 'traditionellen Menschenpflichten', die an eine hierarchisch vertikale Struktur gebunden und immer von oben nach unten ausgerichtet sind, und den 'neuen Menschenpflichten' unterscheiden, die für die Zukunft einen neuen sozialen Habitus auf der Basis eines gemeinsamen Kanons von Grundwerten aufbauen.

Veranstaltungsdetails

Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Aleida Assmann

Aleida Assmann

Mann mit rot-schwarzer Brille und grünem Schal spricht ins Mikrofon

Hubert Christian Ehalt

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