Denkmal für Verfolgte der NS-Militärjustiz

Denkmal für Verfolgte der NS-Militärjustiz in Form eines liegenden X

Das von Olaf Nicolai als überdimensionales, liegendes, dreistufiges X gestaltete Denkmal am Wiener Ballhausplatz wurde am 24. Oktober 2014 vom Bundespräsidenten Heinz Fischer eröffnet.

Unter anderem hielt Bürgermeister Michael Häupl bei seiner Eröffnungsrede fest: "Es ist an der Zeit, dass unser Land denjenigen gedenkt, die sich den Befehlen des menschenverachtenden Regimes des Nationalsozialismus widersetzten und eine eigene Entscheidung getroffen haben."


Über 30.000 Verfolgte der NS-Militärjustiz

Bürgermeister Michael Häupl hält eine Rede bei der Eröffnung des Denkmals für Verfolgte der NS-Militärjustiz

Bürgermeister Michael Häupl hielt eine Ansprache bei der Eröffnung.

Die nationalsozialistische Militärjustiz verhängte während des Zweiten Weltkrieges mehr als 30 000 Todesurteile, wovon die meisten gegen Deserteure und sogenannte "Wehrkraftzersetzer" ergingen. 2009 rehabilitierte der Nationalrat die Opfer der Verfolgung durch die Wehrmachtsgerichte. 2010 beschloss die Stadt Wien die Errichtung eines Denkmals für die Verfolgten der NS-Militärjustiz. Als geeigneter Standort wurde Ende 2012 der Ballhausplatz gefunden. KÖR - Kunst im öffentlichen Raum hat danach einen künstlerischen Wettbewerb ausgeschrieben, dessen Jury sich 2013 für den Entwurf des deutschen Künstlers Olaf Nicolai entschied.

Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny: "Zwischen den zahlreichen, oftmals zivilgesellschaftlichen Initiativen und Projekten schließt nun das Denkmal für die Verfolgten der NS-Militärjustiz eine wichtige Lücke: Am zentralsten Ort der Republik situiert, zwischen Präsidentschaftskanzlei und Bundeskanzleramt, wird es die nachkommenden Generationen daran erinnern, wohin Totalitarismus und Antidemokratie führen. In diesem Sinn versteht sich Wiens Erinnerungskultur als 'Erinnern für die Zukunft': Eine unverzichtbare Präventivmaßnahme gegen extremistische Tendenzen. Nur Wissen und historisches Bewusstsein können hier vorbeugen."

Beschreibung

Die Skulptur greift die klassischen Elemente eines Mahnmals "Sockel" und "Inschrift" auf, arrangiert diese aber anders als traditionelle Kriegerdenkmäler. Ein überdimensionales, liegendes X bildet den dreistufigen Sockel, in dessen dritte Ebene die nur von oben lesbare Inschrift "all alone" eingelassen ist. Es ist ein Gedicht des schottischen Künstlers Ian Hamilton Finlay.

Das Zusammenspiel von Sockel und Inschrift inszeniert die Situation der beziehungsweise des Einzelnen in und gegenüber gesellschaftlichen Ordnungs- und Machtverhältnissen. Die Skulptur erweist jenen Respekt, die eine eigene Entscheidung treffen, sich der Fremdbestimmung widersetzen und sich durch ihr eigenständiges Handeln gegen das geltende System stellen.

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