Die Geschichte der Berufsrettung Wien (MA 70)

Gründung und Ausbau bis 1914

Brennende Bühne im Ringtheater

Am 8. Dezember 1881 kamen beim Brand des Wiener Ringtheaters am Schottenring 386 Menschen ums Leben. Unter dem Eindruck der Brandkatastrophe gründeten am Tag danach Jaromir Freiherr von Mundy und Johann Nepomuk Graf Wilczek die "Wiener Freiwilligen Rettungsgesellschaft". Bereits 1883 und 1885 konnten die ersten beiden Rettungsstationen im 1. Bezirk eröffnet werden.

Johann Strauß widmete 1887 der Wiener Freiwilligen Rettungsgesellschaft den Marsch "Freiwillige vor".

1890 wurde der erste Katastrophenzug gebildet. Er bestand aus sechs bespannten Ambulanzwagen mit sechs Ärzten und zehn Sanitätern.

Von 1882 bis 1890 leistete die Wiener Freiwilligen Rettungsgesellschaft in über 40.000 Notfällen Erste Hilfe. Über 20.000 Krankentransporte werden in diesem Zeitraum durchgeführt.

Bis zum Ersten Weltkrieg folgt ein weiterer Ausbau: 1897 wurde die Zentrale in die Radetzkystraße 1 im 3. Bezirk durch Kaiser Franz Joseph feierlich eröffnet. Schon 1905 folgte die Rettungsstation Mariahilf. Im selben Jahr wurde das erste Automobil, ein Daimler 18 HP, in den Dienst der Wiener Freiwilligen Rettungsgesellschaft gestellt. Beim Erdbeben von Messina leisteten die Wiener Retter 1908 erstmals auch im Ausland Hilfe.

In und zwischen den Weltkriegen

Spitalszug mit Sanitätern und Verwundetem

Im Ersten Weltkrieg von 1914 bis 1918 stellte die Wiener Freiwilligen Rettungsgesellschaft für die Verwundeten einen Spitalszug. Damit konnten mehrere hundert Verletzte versorgt werden.

Auch nach dem Krieg wuchs die Wiener Freiwilligen Rettungsgesellschaft weiter. 1926 konnten bereits über 23.000 Einsätze pro Jahr durchgeführt werden. Eine Ausfahrt kostete damals 20 Schilling.

Während des Zweiten Weltkriegs von 1939 bis 1945 wurden fast alle Rettungsfahrzeuge zerstört und die Außenstationen teils schwer beschädigt. Während der Bombardements auf Wien steht die Rettung im Dauereinsatz. Nach Artilleriebeschuss wurde in den letzten Kriegstagen auch die Zentrale schwer getroffen. Dennoch stellte die Rettung bereits am 1. Mai 1945 ihre ersten mobilen Ambulanzen nach dem Krieg in Dienst.

Vom Blaulicht zum Hubschrauber

1946 wurde die Rettung in "Wiener städtischer Rettungs- und Krankenbeförderungsdienst" (WRKD) umbenannt. Sie führte damals auch die sogenannten "Heimkehrertransporte" durch.

1950 wurde eine neue Fahrzeugflotte in den Dienst gestellt, die erstmals mit Blaulicht, Folgetonhorn und Funksprechgeräten ausgestattet wurde. Bereits 1954 wurden über 33.000 Einsätze pro Jahr durchgeführt.

1977 folgte die Gründung der "4 für Wien", einer Rettungsgemeinschaft aus dem Arbeiter Samariter Bund, dem Roten Kreuz, der Johanniter Unfall Hilfe und dem Malteser Hospitaldienst. Gemeinsam mit dem Wiener Rettungs- und Krankenbeförderungsdienst wurden Einsätze ab diesem Zeitpunkt gemeinsam abgewickelt.

1987 wurde die Bettenzentrale von der Polizei übernommen und ein mehrstufiges Notfallsystem (Notarztwagen, Rettungstransportwagen oder Krankentransportwagen) eingeführt.

Hubschrauber vor dem Stephansdom

1991 wurde der "Wiener städtischer Rettungs- und Krankenbeförderungsdienst" zur Magistratsabteilung 70 der Stadt Wien.

Im selben Jahr wurde der Notarzthubschrauber MARTIN 3 sowie der neu aufgestellte Katastrophen-Zug (K-Zug) in Dienst gestellt. Der "Wiener städtische Rettungs- und Krankenbeförderungsdienst" wird selbständig und zur eigenen Magistratsabteilung 70 der Stadt Wien. Erster Leiter der Wiener Berufsrettung (MA 70) ist Dr. Alfred Kaff.

Berufsrettung Wien heute

Leitstelle der Weiner Berufsrettung

Anlässlich des 120-jährigen Jubiläums der Berufsrettung Wien 2001 wurde die neue Rettungszentrale in der Radetzkystraße und die Rettungsleitstelle 144 eröffnet. Zudem wurde der Notarzthubschrauber "Martin 3" auf "Christophorus 9" umgestellt. Das Fluggerät und der Pilot werden vom ÖAMTC gestellt. NotärztInnen, SanitäterInnen sowie das medizinische Equipment stellt die Berufsrettung Wien.

Für das 21. Jahrhundert ist die Berufsrettung Wien gut aufgestellt. Ein neuer Katastrophen-Zug wurde 2008, ein neuer Bettenintensivtransporter (BIT) 2011 in Dienst gestellt. 2010 wurde Dr. Rainer Gottwald zum Leiter der Wiener Berufsrettung bestellt. 2013 wurde die Station Simmering neu eröffnet und das Rettungsmuseum in der Rettungsstation Hernals wiedereröffnet.

Seit 2017 sind alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Einsatzdienst sowie in der Leitstelle im 12,5-Stunden-Schichtdienst tätig, der traditionelle "24er" wurde abgeschafft. Im April desselben Jahres wurde die Organisation der notärztlichen Versorgung neu geregelt. Die Notarzt-Einsatz-Fahrzeuge (NEF) sind in den Krankenhäusern stationiert und fahren von dort zu Einsätzen zu. Das NEF-Team bilden eine Notärztin oder ein Notarzt aus dem Spital gemeinsam mit einer Notfallsanitäterin oder einem Notfallsanitäter der Berufsrettung.

Am 26. Oktober 2017 wurde das Musikstück "Rettung! Marsch" am Rathausplatz durch die Wiener Polizeimusik uraufgeführt. Komponist Freddy Gigele hat den Marsch für die Berufsrettung Wien komponiert und ihn den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gewidmet, Joesi Prokopetz hat den Text dazu verfasst.

Großeinsätze seit 1975

  • Beim Terrorüberfall auf die OPEC war 1975 ein Todesopfer zu beklagen. Die damals grünen Fahrzeuge der Berufsrettung Wien wurden von den Terroristen beschossen, da sie mit Polizeifahrzeugen verwechselt wurden. Diese Tatsache führte zum derzeitigen, international üblichen Design der Rettungsautos in rot und weiß.
  • Beim Brand im Hotel "Am Augarten" 1979 gab es 25 Tote und 27 Verletzte. 40 Rettungsfahrzeuge waren im Einsatz.
  • Beim Feuerüberfall auf die Synagoge 1981 waren 16 Rettungsautos im Einsatz. Zwei Personen erlagen ihren Verletzungen, 20 weitere Verletzte wurden versorgt.
  • 1989 wurden im Rahmen des Wiener "Rumänienhilfszugs" nach der Revolution Fahrzeuge und medizinische Ausrüstung, sowie Medikamente zur unmittelbaren Hilfe transportiert.
  • 2004: Beteiligung an der Rückhol-Aktion nach der Tsunami-Katastrophe im Indischen Ozean
  • 2013: Großeinsatz mit 41 Verletzten nach der Kollision von zwei Schnellbahnen in Penzing
  • 2014: Einsatz der Spezialisten nach eine Hausexplosion auf der Äußeren Mariahilfer Straße, 14 verletzte Personen mussten geborgen werden
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