Kinderlähmung (Poliomyelitis)

Erreger: Poliovirus (drei Serotypen)

Durch Enteroviren verursachte Infektionskrankheit, die in ihrer schwersten Form durch schlaffe Lähmungen gekennzeichnet ist und zu Dauerschäden oder Tod führen kann.

Vorkommen und Verbreitung

Die Kinderlähmung ist schon seit Jahrzehnten in hoch entwickelten Industrieländern - wie Österreich - nicht mehr aufgetreten. Ursprünglich war die Verbreitung weltweit. In etlichen Entwicklungsländern des asiatisch-afrikanischen Raumes kommt die Kinderlähmung noch vor und kann jederzeit eingeschleppt werden. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) unternimmt gewaltige Anstrengungen, um diese Erkrankung auszurotten.

Übertragung

Die Ansteckung erfolgt hauptsächlich auf fäko-oralem Weg (Schmutz- und Schmierinfektion). Infektionsquellen sind Rachensekret und Stuhl infizierter Menschen.

Krankheitsbild

Die Inkubationszeit beträgt meist vier bis zehn Tage (maximal drei bis 35 Tage). Anfangssymptome sind Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Verdauungsstörungen. Zunächst vermehrt sich das Virus im Darm und kann über die Blutbahn das Nervensystem schädigen. Dadurch können Lähmungen auftreten - etwa in einem von hundert Fällen. Dieses Risiko steigt mit dem Alter!

Infektionsgefahr besteht zu Beginn der Erkrankung. Die Patienten sollten daher isoliert werden. Besonders infektiös sind Ausscheidungen (Stuhl) - bis zu sechs Wochen lang.

Vorbeugung, Diagnose und Behandlung

  • Diagnose: klinisch, Erregernachweis, serologisch
  • Behandlung: symptomatisch
  • Prophylaxe: allgemeine Hygiene, Impfung (Stichimpfung = IPV SALK, Schutzdauer: zehn Jahre)

Die Impfung

Die Impfung gegen Kinderlähmung wird in Österreich nur mehr mit dem Totimpfstoff Salk in Form einer Stichimpfung durchgeführt. Die Grundimmunisierung besteht für ungeimpfte Erwachsene aus zwei Impfungen im Abstand von ein bis zwei Monaten und einer weiteren Impfung zwölf Monate später. Im Säuglingsalter (ab dem dritten Lebensmonat) wird in der Regel ein Kombinationsimpfstoff gegen Diphtherie-Keuchhusten (Pertussis)-Tetanus-Hämophilus influenzae b-Kinderlähmung (Poliomyelitis)-Hepatitis B (sechsfach kombinierter Impfstoff) verwendet. Die Grundimmunisierung besteht bei diesem sechsfach kombinierten Impfstoff aus zwei Impfungen im Abstand von zwei Monaten, gefolgt von einer dritten Impfung im 12. bis 14. Lebensmonat. Die dritte Impfung erfolgt dabei frühestens sechs Monate nach der zweiten Teilimpfung. Bei der Verwendung von anderen Kombinationsimpfstoffen sind andere Abstände vorgesehen. Auffrischungsimpfungen gegen Kinderlähmung sind im Volksschulalter und später alle zehn Jahre vorgesehen. Ab dem 60. Lebensjahr soll die Auffrischung alle fünf Jahre erfolgen. Für diese Auffrischungsimpfungen steht auch ein kombinierter Diphtherie-Tetanus-Keuchhusten-Kinderlähmung (Poliomyelitis)-Impfstoff zur Verfügung.

Meldepflicht

In Wien ergeht Meldung an das zuständige Bezirksgesundheitsamt durch die behandelnde Ärztin beziehungsweise den behandelnden Arzt sowie die Krankenanstalt.

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